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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-02 · 22 (2.6.1938) · page 18

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
22 (2.6.1938)
Date
1938-06-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seltel8 C.-V.-Zeitung Nr. 22 »2. Juni 1938 Konzerte und Vorträge Den hübschen Gedanken, Originalwerke für zwei Klaviere zu musizieren, verwirklichten — an einem Abend der Künstlerhilfe Berlin — Jenny Herzfeld und Dr. Arthur W o 1 f f. Die gegenseitige Abstimmung gelang am besten in Chopins Rondo op. 73; auch in den übrigen selten gehörten Werken fiel die Pianistin durch ihr flüssiges Spiel auf. Zwischendurch stellte Paula Salomon-Lindberg, begleitet von Dr. Arthur Wolff, ihre überlegene Kunst in den Dienst russischer Lieder sowie einiger Gesänge von Walther Hirschberg: in seiner Bearbeitung der ..edlen Musica" erscheint die Akkordik gegenüber den latenten harmonischen Funktionen der Melodie ' als / zu kompliziert, während seine romantische Tonsprache aus Texten von Morgenstern und Zuckmayer wohlgelungene Charakterstücke schafft. H. Fr. Das 50. Mittwochkonzert der Jüdischen Tonkünstler in Frankfurt a. M., ein literarisch-musikalischer Abend, vermittelte lyrische, epische und dramatische Stücke aus weiten Bezirken des gestalteten Wortes. Rudolf Ganz holte dabei Wirkungsmöglichkeiten aus dem Pathos und aus - Mollklängen, Sofie Seliguunn rezitierte mit klarer Prägung in reizvoller Sachlichkeit. Neu eröffnet/ Bochum, Jüdische Gaststätte »üppelstr. la, Haltestelle Ferdinandstr.. Tel. 61 287. Kestanration: Biere. Weine, Liköre, Kaffee. Gepflegte Küche. Uebernachfungen. Zwischendurch spielte Ilse Ganz-Morgenstern mit gediegenem Können verständnisvoll eine Reihe sehr gut gewählter kleiner Klavierkornpositionen — von Mendelssohn und Chopin bis zur Gegenwart. — Ein Benefizkonzert der Jüdischen Tonkünstler Frankfurts gab erneut Beweis von der künstlerischen Leistungsfähigkeit dieser Gemeinschaft. Erfreulich, das» in dem vielseitig besetzten Programm das Schaffen der einheimischen jüdischen Komponisten stark berücksichtigt war. So hörte man wertvolle jüdische Lieder Max Kowalskis, die Hans Assen he im klangschön und charakteristisch sang, ein liebenswürdiges ..Wiegenlied" und „Traum" des trefflichen Begleiters Willy Salomon. von -Paula L e vi (All) mit Erfolg vermittelt, und zwei kurze Orgelkompositionen von Max Wolf f'und Herbert Fromm (Marta Sommer). Teilstücke aus Rosy Geiger-Kullmanns schon ganz gehörter Kantate „Ruth und Boas" Hessen Erna Gross, die sympathische Sopranistin, Paula Levi und Hans Assenheim gemeinsam hören. Zwei Triosätze von Arensky" (d-moll. op. 32) trugen Lilly Schwarz-Mayerhofer (Klavier), Theo Ratner (Violine) und Woligang B r e t - Schneider (Cello) in kultiviertem Ensemble vor. Weiter bot das Programm — durchweg in gelungener Wiedergabe — Klavier- und Geigensoli (gespielt von Alice Rosenbau ni bzw. Theo Kätner) und eine Orgelsonate Felix Mendelssohns (Siegfried Würzburger). — In den Kreis der Jüdischen Tonkünstler ist seit einiger Zeit Ludwig Guggenheim, Worms, ^eingetreten, der in einem Konzert seine grosse, klangvolle Basssiimme und .seine Vertrautheit mit den Händeischen Oratoriumskoleraturen zeigte. Paula Levi sang, wie ihr Pariner von Max Firnberg am Klavier sicher unterstützt, mit schönem diszipliniertem Alt Arien von Saint-Saens, Donizetti und solche der altitalienischön Meister' und ergriff besonders durch die einfache und eindringliche Art, wie sie Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen" wiedergab. —tt. Hermann C e r i n i gab im Hamburger Tempel ein Orgelkonzert. Er gestaltete Frescobaldis Canzona und — begleitet von der Jüdischen Orchester Vereinigung von 1933 unter der umsichtigen Leitung von Georg d.e Haas — zwei Händel-Konzerte mit flüssiger Technik und plastischem Ton. Seine Registrierfft J" PB'IX Kantstrasse 130, Tel. 31 91 06. MAftifl-ÜIITP Antennenbau-Spezialist, Repaiatnren, SllUilU IBUIb Ankauf - Verkauf gebr. Apparate. kunst zeigte sich in bestem Lichte in seiner Improvisation über Tempel-Melodien, die nachhaltigen Eindruck hinterliess. Man dankte ihm ferner eine vortreffliche Wiedergabe eines concerto grosso von Corelli, das das Orchester unter seiner Leitung spielte. Als Solisten wirkten mit: Selma Hurwitz, deren wohlklingendem Alt zwei biblische Lieder von Dvorak besonders gut gelangen, und Oberkantor Leon K o r n i t z'e r, der u. a. mit dem Kaddiech von Ravel stärkste Wirkung erzielte. A. Für die aus Breslau scheidende Geigerin Elise Szephäzy, die auch als Kammermusikspielerin und Pädagogin bekanntgeworden ist, hatte der hiesige Jüdische Musik verein ein Sonderkonzert arrangiert, dessen Programm vorwiegend aus rassig-virtuosen Kleingebilden zusammengesetzt war. Sie zeigten die gebefreudige Künstlerin noch einmal von ihrer charakteristischsten Seite; das Technische, hier der Kernpunkt der Darstellung, kam vollauf zu seinem Recht. Die stärksten" Impulse fanden sich im übrigen beim Vortrag einer in Melodie und Harmonik ungemein aparten Sonate von Cassado. Die Klavierbegleitung, der zahlreiche wirkungsvolle Aufgaben zufielen, war bei Lolte S c h o e ps (Rogosinski) bestens aufgehoben. Etff. Susanne Löwenstein, die sich in Köln vor einigen Monaten schon als Sängerin von Format eingeführt hatte, befestigte ihren künstlerischen Ruf in einem vom jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr veranstalteten Konzert. Sie faszinierte durch ihren Alt voll üppig-sinnlichen Glanzes und durch ihr hinreissendes Temperament. Neben ihr behauptete sich der hier nicht mehr unbekannte Bariton. Ernst Lewin- Wolff als Sänger, von. dem man noch viel erwarten darf. Er ist der vornehme Ausdeuter des kammermusikaiischen Stiles, der lyrische Gestalter. Das Programm, das die mannigfaltigsten Lieder, Arien und Duette enthielt, musste immer wieder durch Zugaben erweitert werden. Aussergewöhnhch schön begleitete Paul Meyer am Flügel. —yo— Im zweiten Jugendkonzert des Kulturbundes Mannheim hörte man Schüler folgender Lehrkräfte: Mathilde Lazarus. E. Mimi Marx. Gertrud Schweizer, Lene Sinzheim er, Max S i n z h e i m e r, Erna Stern. Helene Süss und Alice W allenstein-Jacobowitz. Von dem reichen Beifall, der den Mitwirkenden wurde, dürfen die Lehrkräfte den Hauptanteil für sich beanspruchen. So. Im Kulturbund Baden-Baden sang Ruth Kisch -Arndt mit der. ihr eigenen Beseeltheit vor einer tief ergriffenen Zuhörerschaft Händel, Mahler und hebräische Lieder. Eine ausgezeichnete Begleiterin war ihr Suse Lo.eb, die auch in Solovorträgen ihr künstlerisches Können bewies. F. * „Jusik." In der Aufführung im Kulturbund Rhein-Ruhr, gewürdigt in Nr. 20 der C.-V.- Zeitung vom 19. Mai, wirkte nicht Erna Cohn- Lorenz, sondern Rosa Cohn mit. bearbeitet von P. R o s e n b 1 a 11. Schachaufgabe Nr. 123 von D. Przepiorka (Warschau) ~ (Tidskrift for Scback 1911) ich glaube, du kennst solche Menschen nicht. Ich habe sie ja auch nicht gekannt." „Wie sind sie denn?" Kam es nicht auf ganz anderes an? Kam es nicht darauf an — „Das musst du erleben. Das ist so schwer zu sagen." So leicht machte sie es sich mit ihm. Alles ist zu sagen, was man weiss. „Hast du ihn gern?" „Ja." Sie zögerte einen Augenblick. „Sehr. Du hättest ihn dir einmal in seiner Werkstatt ansehen sollen. Er ist unser Schmied. Er kann sich so freuen, wenn er ein neues Instrument für uns kaufen darf. Aber einmal habe ich Klavier gespielt, weisst du, so ein kleines Chopin-Prelude. wie du es nie mochtest, und da stand er plötzlich hinter mir und hörte ganz slill zu und wusste nachher viel Klügeres zu sagen, als deine Lehrer." Halt, fühlte sie, so durfie sie nicht weiterreden. „Als alle deine Lehrer", sagle sie trotzig und wurde ganz heiss dabei. Seine Lehrer! „Sage einmal, hast du eigentlich nur so alle Freunde hier gehabt?" Schon tat die,Frage weh. Es konnte ja nichts anderes sein, als dass sie eine neue Liebe hier hielt, dieses Land konnte es doch nicht - sein, dieses dürftige, städlelose, grüne, arme und neue, wenn es doch galt, ihm nach Paris zu folgen, wo das Gedachte von so vielen Jahrhunderten Stein geworden war, Stein und Erinnerung, Anmut und Glanz. Hätte er nur nicht gefragt, hätte er nur nicht wieder danach gefragt! „Ich habe dir doch gerade den Jungen gezeigt", sagte sie leise, „so gibt es viele." „Das meine, ich nicht." „Was meinst du denn? Kannst du mir vielleicht sagen, was du sonst meinst?' Er konnte es ihr nicht sagen. Hätte er doch nur überhaupt nichts gesagt. Hätte er lieber an seine Lehrer gedacht, von denen sie so dumm sprach, die lebten, als sei die Welt eine ewige Musik. An das, worauf es ankam! Gott, was waren diese grossen Worte elend. Er kannte sie gut, sie würde gewiss nicht bleiben wollen, wenn sie nicht an einem hinge, mehr als an diesen Pferden und komischen Eseln und alten Leuten. die Russen und Dichter waren — und mehr als •an ihm. ..Warum sagst du denn nichts?" Das wusste er nicht, er sah starr geradeaus. Nun konnte er schon die Oeffnung des Tales zwischen den Bergen sehen, in die sich der Schienenstrang verlief. Von dort musste der Zug kommen, aber jetzt kam er noch nicht, jetzt war noch Zeit, es zu ändern, jetzt war noch Zeit für soviel Qual! Sie hatten sie ihm genommen und hatten sie Mirjam genannt, hatten aus ihr... ..Schämst du dich doch, das zu sagen? Du kannst ja gar nicht verstehen, wie sie hier sind, deine Gedanken sind gar nicht rein genug dazu, du reichst gar nicht an so einen Menschen heran, und er macht gar nichts davon her, wie ihr alle, gar nichts, hörst du!?'; Es schnitt wie mit Messern. Nein, er war nicht rein, er dachte an anderes als an Kühe und Kätzchen und Schmiedewerkzeuge, er kämpfte um — Unendliches, so dachte er, und er machte was her von seinem bisschen Klavierspiel und er würde noch viel mehr davon hermachen, wie sie es nannte, wenn er nur erst so weit wäre, dass er es dürfte. Aber das half nichts dagegen, dass sie hier war und von Fremden Namen bekam. Plötzlich hielt der Wagen an. Sie drängte sich dicht an ihn und legte ihm ihre Arme um den Hals. „Ich schimpfe ja nicht,'* schluchzte sie, „ich schimpfe ja nicht." Er sah umher, aber es war nur Feld ringsum, über dem die scheidende Sonne lag, lauter Felder, weit im Rücken die Siedlungen, tief im Tal Kfar Jehoschua und Nahalal und am Ende des Himmels die Berge, über denen die Sonne stand. „Ich will dir doch nur sagen, wie sie hier sind. Ich will doch nur. dass du hierbleibst." Er löste *behutsam ihre Arme, die sich in seinem Nacken verschränkten. Sie wollte nur, nur, dass er hier bliebe! Aber nun schlug sie plötzlich mit ihren Fäusten, die stark geworden waren, auf ihn ein. „Hörst du nicht", schluchzte sie, „du sollst hierbleiben. Wozu bist du denn nur gekommen, wenn du wieder wegfahren willst?" Theater, Musik, Film Maurice Sachs, als französischer Romancier, Essayist und Kritiker geschätzt, spielt im Tiheätre St. Georges in Paris die Hauptrolle in dem vonihm seihst bearbeiteten Stück „L'Ecurie Watron" von Terence Rattigan. * Maurice Schwartz hat in Paris ein Gastspiel mit seiner jüdischen Schauspieltruppe aus New-York begonnen. Zur Aufführung gelangten „Die Brüder Ashkenazi'1. # * Die 17jährige Spitzentänzerin Irma R Osenberg (Rosee) wurde nach erfolgreicher Beendigung ihres viermonatigen Engagements in Italien für eine Ballettrevue-Tournee nach Südamerika verpflichtet. . * Zwei "biblische Stücke von James Bridie „Tobias and the Angel'1 und „Jonah and the Whale" gehen in England im Juli als Freilichtaufführungen in Szene. ¥ Bei den Festspielen in Malvern (England), die in der Zeit vom 1. bis 27. August d. J. stattfinden, wird Elisabeth Bergner Shaws „Heilige Johanna" spielen. * Ein Londoner Konzert der Ernest- Bloch- Gesellschaft brachte neben Liedern den 114. Psalm, und das Streichquartett. Blochs Bratschen-Suite kam in Liverpool zur Aufführung. * Rose P a u 1 y sang in der Covent Garden Opera in London die Leonore in „Fidelio". * Jehudi Menuhim hat sich in London mit Miss Nola Nicolas aus Melbourne verheiratet. * Ein eigener Abend des jungen Komponisten Julius Chajes in New-York machte mit wr,fr [geformter Kammermusik und mit eindrucksvollen Liedern und Violinstücken bekannt. Chajes pflegt in den neueren Werken den Stil einer bodenständigen jüdischen Musikkultur, zu der ein mehrjähriger Aufenthalt in Palästina die inneren Voraussetzungen geschaffen hat. * Der bekannte russisch-jüdische Pianist Alexander B r a i 1 o w s k y spielte in Basel im Rahmen -eines grossen Symphoniekonzerts. In Zürich gab der $f&ffhaus üDannemann" Seit 1885 das Fachgeschäft für Wolle - Seide — Samt Berlin SO.. Oranienstrasse 179/1SO Pianist Leo Nadel mann seinen letzten Chopin- Abend. Das bekannte Mitglied der Wilnaer Gruppe, Simi W e i n s t o e k , gibt in Zürich einen Rezitationsabend. # Hermann Schey wirkte in einer Aufführung der „Schöpfung" in B e r n als Solist mit. x. In der Covent Garden Opera in London ging der ..Rosenkavalier" unter musikalischer. Leitung von Fritz Zweig in Szene. # Im Toscanini-Konzert in L o n d o n spielte Emanuel Feuermann das Yioloncello-Solo in „Don Quixote". * Fritz^ Reiner wurde als Dirigent für. das neugegründete Orchester in P i 11 s b u r g verpflichtet. * Der Cellist Gregor- Piatigorsky gibt in Paris einen eigenen Abend. * Am Neuen Theater in Prag ging die Operette i W W W .....i iü nn « mm H - Hü m.,.„,,ßM>, W, JW^..„ ''II,. W^'W, m — "™ir i Matt in drei Zügen Weiss: Kf3, Dd3, Se2 (3) Schwarz: Kbl, Tal, Ta2, Ba3, a5, c2, c7, h6 \ * * Lösung der Aufgabe NTr. 122: •1. Kc6—b5 (drohend Kbo—a6 usw.) KaS—b7, 2. TeS—e7f, Kb7Xc8, 3. Kb5—c6, KcS—dS, 4. Te7—h7. TbS—cSf 5. Kc6—d6, KdS—e8, 6. Th7—h8f und gewinnt. * Richtige Lösungen gingen ein von: Michael Levy (Krefeld), Kantor W. Schul . (Gelsenkirchen), Dr.= med. Meyerhoff (Rotenfels), Alfred Dzialoszynski \ (Breslau), Rechtsanwalt Dr. Ernst Boehm (Brie?),; Paul Silberstein, Dr. med. Gerhard Boehm, Recht?-; anwalt Ludwig Mayer, Dr. med. Herbert Picard : (Berlin)._________ „Das Weib im Purpur" von Jean Gilbert (Max : W i n t e r f e 1 d ) in Szene. >}. Josef Wagner spielte Beethovens Es-dur- Klavierkonzert mit dem Civic Symphony Orchestra < New-York. # „The Great Musical Festival" heisst die neue Filmoperette, in der Jascha Hei fetz im Film debütieren wird. _ Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Kommandantensirasse 57: 4., 5. and 6. Juni: keine Vorstellung: „Die schöne Hm lena": 7. Juni (Abt. 27, 37\ S. Juni (Abt. % 1*\ 9. Juni (Abt, 1, 11), jeweils 20 Uhr. Kulturbundsaal, Kommandantenstr. 58/59: 8. Juni; 19 und 21% Uhr: Film „Idl mit'n Fidl"; 9. Juni, 20 Uhr: 1. Vortrag Dr. Anneliese Landau. Die Aufführung der „Schönen Helena" wird vou Kurt Singer inszeniert und von Rudolf Schwarz musikalisch geleitet: Heinz Cond eil schuf d;3 Bühnenbilder und Kostüme. 'Fast das gesamte Opernensemble wirkt mit. und zwar Rita Atlasz, - G-ica Neu eröffnet! Jüdische Gaststätte Renoviert! Caf€ und Restaurant „Zum Wiener" Kommandantenstrasse 44a Nähe Moritzplatz Tel. 67 27 64 Inh. Sei. Moritz mmmm Angenehm. Aufenthalt! Geöffnet von 3 Uhr früh J Friedman. Ruth Lehnberg. Marianne S'ilbermann, Doris Wilamowska, Käthe Weinlau, Wolfgang Bernstein, Richard Dresdner, Max Ehrlich, Ernö Garay, Wilhelm Guttmann. Julius Kuthan, Hans Lüpschütz, Emil Norhmann. Walter Olitzki, Gerhard Pechncr, Walter Ries, Siegfried Urias. Oh Gott, das war sie wieder-ganz und gar. Er wollte nicht mehr um sie kämpfen, aber wie konnte er sie denn lassen? Wie konnte er sie denn lassen — ..Fahr weiter", sagte er verzweifelt, „fahr erst weiter!" ,.Ich fahre ja schon", sagte sie leise, und dann sah sie ihn an und lachte schon wieder. ..Lügst du auch nicht? Wirst du noch etwas sagen? Du lügst so viel", sagte sie. Er musste auch lachen. „Fahr nur erst weiter", sagte er leise. Sie iuhr. „Hüh", ging es wieder, ..hüh, Achlan, hüh." Das Wägelchen rollte und ächzte, der Schienenstrang kam immer näher, die Sonne fiel schneller und schneller auf die Berge nieder, und er sah ihr zu und sagte lange nichts. Nun sollte er also allein zurück in sein kleines Zimmerchen, gerade unter dem Dache des Hotels mit dem grossen Namen, „Grands Navigateurs", z.u den grossen Seefahrern hiess es. Er hatte einen kleinen Spirituskocher, auf dem er sich sein bisschen Essen zusammenbraute. Wenn er zum Fenster hinaussah, sah er über die Seine und auf den Louvre, den der Morgennebel schimmernd umhüllte. Manchmal ging er früh in den Luxembourg, und zwischen den Steinfiguren, den Wasserspielen und den bunten Blumenbeeten dachte er an sie, daran, wie er ihr alles zeigen wrollte, wenn er hier mit ihr lebte. Er war nur halb. Alles lebte er mit ihr, und sie war nicht da. Und nun fuhr er ohne sie fort. Weshalb musste er sich diesen irrsinnigen Schmerz bereiten? Hätte er nicht Geduld haben können? So viele Wochen hätte er Zeit gehabt. Hätte er nicht wrarten müssen — von nichts hatte er zu ihr gesprochen. Wie ein Narr hatte er drei Tage gerast, und dann... „Meinst du, ich hätte noch etwas bleiben sollen?" Sie sah ihn sogleich an. „Ja", sagte sie mit leisem Jubel. Aber jetzt war es zu spät. Er hätte sich diese Qual ersparen können. Drei Wochen, vier Wochen hätte er bei ihr leben sollen und dann5 dann vielleicht . . , Sie wartete vergebens, dass er weiterspräche. „Du kannst noch jetzt bleiben", sagte sie zaghaft, „soll ich umkehren?" Er schüttelte den Kopf, Sie fasste seine Hand: „Wenn du dich schämst, umzukehren, so komme ich mit dir, wir können einen Tijul machen, einen Ausflug durch das ganze Land. Du hast ja noch nichts gesehen, Jerusalem nicht, und die Kolonien im Süden, und Deganiah nicht und gar nichts, nicht einmal Tel- Aviv, und danach werden dich doch alle fragen" Er anwortete nichts. Sie hielt seine Hand ganz fest. „Wie kann man nur so dumm sein, so eine weite Reise und nun gleich wieder fort, ganz ohne Grund. Du weisst ja gar nicht, worüber du sprichst. Komm, lass uns drei Wochen im Lande umherfahren, du wirst dann gar nicht mehr fortwollen, ich weiss es ganz gewiss, du wirst nicht, mehr fortkönnen, es ist doch mein Land, es ist doch unser Land", schloss sie, fast wieder jubelnd. Die Sonne sank und sank. So war es gemeint. Zwingen wollte sie, ihn, überlisten. Hätte er nur nicht wieder zu kämpfen begonnen. Aber konnte er sie denn lassen, musste er nicht kämpfen, kämpfen bis zum letzten, bis*zum letzten Augenblick? Ein eisiger Schreck durchfuhr ihn. Fern in der Mündung des Tales tauchte ein schwarzer Punkt auf, der rasch wuchs. Schon war er zu einer schnell kriechenden Schlange geworden. Er sah auf den Bahnhof. Er konnte schon die Gesichtszüge des Polizisten unterscheiden. Aber der Weg, dem sie folgten, machte noch eine weite Biegung. Vielleicht eine dumme Hoffnung; eine dumme Hoffnung. Er sah auf das Mädchen. Da hatte auch sie den Zug gesehen. „Hüh! Achlan, hüh!" schrie sie, und wandte den Wagen querfeldein. Er sah, dass es nur noch wenige Meter waren. Der Wagen holperte und holperte, der arme Achlan schwitzte und ächzte. Nun ging es durch einen Graben. Der Wagen krachte in den Fugen seiner, schmalen Bretter; Achlan stemmte sich auf seine dünnen Beine, aber es ging weiter, es ging immer weiter, und immer näher kam die Schlange. Wie der Böse schleppte, sie sich dampfend auf ihn zu, o Gott, nur noch etwas Zeit, nur noch Zeit, alles zu sagen!. Wird fortgesetzt L

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