Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 22 (2.6.1938)
- Date
- 1938-06-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 C.-V.-Zeitung Nr.22 * 2.Juni!938 Brand zu stecken. Bei der Schiesserei wurde der jüdische Hilfspolizist Jakob Lentz leicht verwundet. Der 80jährige jüdisch-jeniinitische Gelehrte. J e c h i a A t j a, der bei dem letzten Zwischenfall in Tiberias von einem Araber mit Messerstichen verwundet worden war, ist seinen Verletzungen erlegen. Streik um den Schabbath ■ Am Donneretag. dem 26. Mai, war ein grosser Teil der Cafes und Restaurants in Tel-Aviv gegesdilossen. Auf Veranlassung des Mittelstandsbündes. dem sich die Fachsektion der Arbeiter- Organisation anschlose, wurde ein vierundzwanzigstündige-r Proteststreik gegen die Handhabung der städtischen Schabbath-Gesetze durchgeführt. Die Stadt Tel-Aviv hatte vor einiger Zeit eine Verordnung mit Gesetzeskraft erlassen, wonach alle Cafes und Speisehäuser am Freitagabend um zehn Uhr geschlossen werden-müssen und;, am Schabbath nur während der Mittagsstunden zur Verabfolgung einer Hauptmahlzeit geöffnet sein dürfen. Nach langen Verhandlungen und öffentlichen Debatten begann die Stadt, durch besondere .Polizeiorgane die Befolgung dieses Gesetzes energischer zu erzwingen und gegen eine ganze Reihe von Uebertretern Strafmandate zu erlassen.' Einer der Bestraften legte bei Gericht Protest ein, wurde aber abgewiesen. Gegen das neue Gesetz wird vieliach eingewandt, daes namentlich die zahlreichen Gaststätten in der Strandgegend, nahezu ausschliesslich von den Umsätzen des Freitagabend und des Schabbath vor- und nachmittag leben. Auf der anderen Seite haben sich natürlich die orthodoxen Gastwirte, die ihre Betriebe ohnehin zu schliessen pflegen, an dem Streik nicht beteiligt. Sparmassnahmen der Eisenbahn Die Organisation der Eisenbahn- und Postarbeiter veröffentlicht einen scharfen Protest gegen die Sparmassnahmen der Eisenbahnverwaltung. Danach hat die Eisenbahn hundert Arbeiter entlassen und für die übrigen die Fünf- Tage-Woche mit entsprechender Lohnkürzung eingeführt. Auch bei den auf Monatsgehalt angestellten Kräften soll ein zehnprozentiger Gehaltsabbau sowie die Entlassung aller über 55 Jahre alten Bediensteten bevorstehen. In seiner Protestresolution weist der Arbeiterverband darauf hin, dass die Entlassung arbeitefähiger älterer Angestellter, die gerade jetzt ihren Dienst oft unter Lebensgefahr versehen hätten, eine um so grössere Härte darstellte, als die vom früheren High Kommissioner Sir Arthur Wauchope eingeleitete Reform der Pensione- und. Entschädigungsordnung noch immer nicht, durchgeführt worden sei. Weiter wird erklärt, dass etwaige Sparmassnahmen sich zuerst auf die Gehälter der höheren Verwaltungsbeamten erstrecken müssten, deren vielafch übertriebene Höhe den Eisenbahn-Etat belaste. Ueberhaupt ist der Etat der Eisenbahn mehrfach. Gegenstand "der öffentlichen Kritik gewesen. Bei einer Roheinnahme von rund 800 000 LP schloss das Rechnungsjahr der Eisenbahnverwaltung 1937 mit einem Defizit von 113 000 LP ab. das aus der Staatskasse gedeckt wird. Der Fehlbetrag ist beinahe doppelt eo gross wie im Vorjahr, allerdings kleiner als 1935. Es wird aber darauf hingewiesen, dass nach Abzug der hohen Neu- . Investitionen sowie des Schuldendienstes — also zweier Konten, die eigentlich auf Kapitalrechnung und nicht auf Betriebsrechnung verbucht werden müssten. — wahrscheinlich sogar ein Ueberschues verbleiben würde. Richtig ist allerdings, dass die palästinensischen Eisenbahnen — .das heisst ausser den palästinensischen Strecken noch die durch die ägyptische Grenzprovinz führende Sinai-Bahn, die am Suezkahal die Verbindung mit dem ägyptischen Schienennetz herstellt, sowie die Iransjordanische Strecke der Hedjas-Bahn — seinerzeit nach strategischen Gesichtspunkten gebaut wurden und der wirtschaftlichen Entwicklung nicht ganz nachgekommen sind. Darunter leidet ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Kraftwagen, selbst auf den wenigen' Strecken, auf denen die Eisenbahn überhaupt konkurriert Ein Handbuch der Palästina-Wirtschaf t Auf knappem Räume, in systematischer und zugleich geistvoller und anziehender Darstellung Avirklich "alle wichtigen Zahlen und Tatsachen sowie gleichzeitig die inneren Entwicklungsgesetze und die Problematik der Palästina-Wirtschaft zusammengefasst zu sehen, war lange der Wunsch aller, die sich mit diesen Dingen zu beschäftigen haben. Nunmehr haben „David Horowilz und Rita Hinden im Verlage des wirtschaftlichen Forschungsinstituts der Jewish Agency eine Arbeit herausgegeben, welche diese Ansprüche erfüllt. („Economic Survey of Palestine", David Horowitz und Rita Hinden,"jewieh Agency for Palestine, Economic Research Institute, Tel Aviv 1938.) Einen besonderen Reiz des Buches bildet es, dass überall die Erscheinungen und Probleme anderer, europäischer und nichteuropäischer Länder zum Vergleich herangezogen werden, wobei insbesondere auf diejenigen Zeiträume zurückgegriffen wird, in denen sich die Vergleichsländer in ähnlichen Entwicklungsstadien befunden haben, wie das Palästina von heute. Das Buch ist in zwölf Kapitel eingeteilt, in denen die Hauptgebiete der palästinensischen Wirtschaft, die Bevölkerungsbewegung, der Lebens- und Lohnstandard sowie die arabische Wirtschaft behandelt werden. Als kleiner Hinweis auf den Geist des Buches seien (in freier Uebersetzung) einige Sätze aus dem Einleitungskapitel wiedergegeben: „Die Kleinheit des Gebildes, mit dem wir es zu tun haben, erleichtert es uns, die Folge der Geschehnisse zu erfassen und das Gegenspiel der verschiedenen Kräfte festzustellen. Das Problem der cyklischen Konjunkturschwankungen, der Zusammenstoss zwischen moderner Industrialisierung und einer primitiven Agrarbevölkerung, der Uebergang von der Selbstversorgung der Hauswirtschaft zum Güteraustausch der Marktwirtschaft, die Wirkung verschiedenen Lebensstandards auf die Konkurrenzfähigkeit, das Problem der Industrialisierung selber — all dies spiegelt sich und verdeutlicht sich wie in einem experimentellen Laboratorium . . . Aber bei Betrachtung der palästinensischen Wirtschaft muss stets der politische Hintergrund in Betracht gezogen werden. Infolge der besonderen Rolle, die Einwanderung und Kapitaleinfuhr in Palästinas Entwicklung spielen, üben die politischen Ereignisse auf das Wirtschaftsleben in diesem Lande einen grösseren Einfluss aus als in anderen Ländern. Zwei Kräfteströme formen diesen politischen Hinter- Nachrichten vom Tage Im Anschluss an die Vorfälle in Jerusalem und Haifa, von denen vorstehend berichtet ist, sind revisionistische Heime und Klubhäuser in Haifa, Tel-Aviv ' und Jerusalem durchsucht worden. Dabei wurden eine Anzahl von Revisionisten verhaftet. Drei von ihnen, die aus Tel-Aviv stammen, wurden für drei Monate ins Konzentrationslager nach Akko geschickt. Von den 20 in Haifa verhafteten Revisionisten wurden am nächsten Tage 17 wieder auf freien Fuss " gesetzt. * Die jüdischen Zeugenaussagen, vor der Teilungskommission sind in vollem Gange. W'ährend jedoch das Erscheinen der führenden Juden vor der Peel-Kommission den Aniass zu feierlichen Bekundungen bildete, an denen die gesamte jüdische Oeifentlichkeit weit über die Grenzen Palästinas hinaus regen Anteil nahm, spielen sich diesmal" bisher sämtliche Vernehmungen hinter geschlossenen Türen ab. Chaim Weizmänn erschien vor der Kommission in Begleitung der gesamten politischen Abteilung der Jewish Ägency, nämlich mit Ben Gurion, Mosche S h e r t o k und Bernard J b s e p h. Die Aussage . dauerte zweieinhal b Stunden. Sie wurdö am nächsten Tage fortgesetzt. Am 27. Mai wurde Colon'el George VV. H e r o n, der Direktor des Palästinensischen Gesundheitsamtes, am 30. Mai Sir Charles T e - gart und R. E. C r o s b i e , der Distriktskommissar des Süddistrikts, vernommen. * Der Jerusalemer Korrespondent des „Daily Telegraph and Morning Post'' berichtet über Einzelheiten eines Memorandums, das der Emir Abdulla von Transjordanien der Teilungskom- An dieser Stelle ist vor kurzem ausgeführt und mit Ziffern belegt worden, dass die gerade beendete Zitrussaieon. unter rein wirtschaftlichem Gesichtspunkt betra?htet, gewisse Ansätze zu einer Erholung des darniederliegenden Wirtschaftslebens geschaffen hat. Nun werden ein paar neue wirtschaftsstatistische Ziffern bekannt, die die Meinung stützen, daes eine Wiederbelebung allmählig sich durchzusetzen scheint. Tel-Aviv ist das unbestrittene wirtschaftliche Herz Palästinas. Es spürte die Depression besonders stark, aber in seinen Wirtecbaftsziffern muss sich zuerst zeigen, ob sich die Kurve" tatsächlich nach aufwärts wendet. Die anderen Städte mit ihrer weit mehr gemischten Wirtschaft und mit Bevölkerungsschichten, die durch ein gewisses gleichbleibendes Einkommen die schärfsten Auswirkungen der Depression, von der Seite der Kaufkraft her zumindest, reduzierten, können in gewiesen charakteristischen Ziffern die Ueberwindung der. Krise eret später zeigen. Das war zweifellos so in den früheren Epochen des Wirtschaftsabiaufs in Palästina, es kann jedoch mangels Materials statistisch nicht erwiesen werden. Anders für die Gegenwart, wo diese Beweisführung dadurch möglich ist, dass das Statistische Landesamt Material für zwei charakteristische wirtschaftliche Entwicklungserscheinungen getrennt für T e 1 - A v i v, J e r u - s a 1 e m , Haifa und J a f f a bis zum April dieses Jahres aufgearbeitet und nunmehr publiziert hat. Diese Erscheinungen sind einmal die Zahlen der zu Protest gegangenen Wechsel, in diesem Lande stärkster Kreditfinanzierung durch Wechsel von höherer Bedeutung als anderswo. Und zum zweiten sind es die Massstäbe für die Bautätigkeit, die gewisse Schlussfolgerungen in der oben angedeuteten Richtung erlauben, wenn auch nur. in sehr vorsichtigem "Ausmaes. Die Zahl der protestierten Wechsel ist im x\ugenblick deshalb ein besonders wertvolles Zeichen,, weil die Bankstatistik zur Zeit versagen muss. da die Bankengesetzgebung gewisse einschneidende Aenderungen zur Folge gehabt hat, die eine Vergleichbarkeit des Kre.ditvolumens mit früheren Monaten sehr stark einengen. Die neuesten Zahlen für April, die die Anzahl der zu Protest gegangenen Wechsel in den vier wichtigsten Städten Palästinas anzeigen, ergeben nun für Tel-Aviv einen so beachtlichen Rückgang, dass man tatsächlich insoweit von einer gewissen Entspannung sprechen darf. Wir geben ein paar Ziffern, die bis 1935 zurückgeführt sind und ganz allgemein zeigen, welche Wunden das politische Streikjahr i936 in Palästina schlug, die weiter erkennen lasßen, wie das Jahr 1937 nur einen Teil dieser Wunden zu heilen vermochte und schliesslich, wie die ersten Monate dieses Jahres in Tel-Aviv in diesem Zusammenhange verlaufen sind. Zahl der protestierten Wechsel in Tel- Aviv Jerusal-'m Haifa Jaffa 1935.................. 2S°7 1127 1788 1522 1936.................. 4900 1188 2253 1770 1937.-................. 3515 1106 1724 1642 Jan.-Apr. 3 937..... UOfi ■ 239 m 551 ffan.-Apr. 1938..... 1054 456 656 628 , Wir sehen aus diesen Zahlen für das-Jahr 1936 — im Vergleich mit der vorhergehenden grund — die Kräfte, welche jüdische Menschen und Kapitalien aus ihren Ursprungsländern vertreiben und sie in Palästina eine Zuflucht suchen lassen, und auf der anderen Seite die Kräfte, welche Palästinas Anziehungskraft, als ZufLuchtstätte jüdischer Menschen und Kapitalien bestimmen. Diese Kräfte der Abstossuns und Anziehung sind oft so stark, dass sie die'Wirkung der innere n wirtschaftlichen Verhältnisse überschatten. In dem Palästina der letzten. fünf -oder sechs Jahre wurde die Entwicklungstets von der einen oder der anderen dieser politischen Mächte bestimmt." Die Darstellung ist bis an die Gegenwart herangeführt. mission unterbreitet hat. Darin bestreitet der Emir auf das entschiedenste, jemals dem Plan einer Teilung Palästinas und einer Vereinigung des arabischen Palästina mit Transjordanien zugestimmt zu haben. Der Emir empfiehlt vielmehr die Schaffung eines Staates, in dem das ganze Palästina und Transjordanien unter arabischer Oberhoheit vereinigt werden. Die Juden würden in den jüdischen Gebieten dieses Staates autonome Verwaltung zugestanden erhalten. Welche Gebietsteile als jüdisch anerkannt werden, solle durch eine britisch-jüdischarabische Kommission bestimmt werden. Die Juden würden im Parlament des neuen Staates im Verhältnis ihrer Anzahl vertreten sein und auch Minister in das Kabinett entsenden. Zur Frage der Einwanderung stellt die Denkschrift fest, dass die jüdischen Gebiete jüdische Einwanderer, in angemessenem Umfange würden aufnehmen können. Ausserhalb der jüdischen Bezirke werde es dagegen nicht möglich sein, Boden zu kaufen, und jüdische Ansiedlungen zu gründen, falls sich nicht die Araber von dem guten Willen und der Einordnungsiähigkeit der Juden überzeugen sollten. Der Plan solle unter britischer Leitung zehn Jahre lang durchgeführt werden. In den letzten zwei Jahren solle die Entscheidung über die endgültige Gestalt des zukünftigen Staates getroffen werden. Wie wenig selbst dieser Plan, der in wesentlichen Zügen ein Entgegenkommen des früher teiiungsfreundlichen Emir Abdulla gegenüber der radikaleren arabischen Haltung verrät, Aussicht hat, eine breitere Basis im arabischen Lager zu finden, geht aus einer Stimme des palästinensischen Aräberführers Auni Abdul Hadi hervor, die in der in Kairo erscheinenden Zeitung „Alähräm" veröffentlicht wird. Es wird darin gegen den Vorschlag Emir Abdullas heftig protestiert. Reihe für 1935 —, wie besonders stark da« Wirtschaftsleben von Tel-Aviv durch den politischen Streik betroffen wurde, während Jerusalem die stärkste Widerstandskraft, wenigstens 'was die protestierten Wechsel anbelangt, zeigt. 1937 sind in Haifa und Jerusalem die schlimmsten Schäden im Kreditsystem offenbar schon überwunden, Tel-Aviv aber leidet weiter stark unter der gedrosselten Immigration und der politischen Unsicherheit. Die Zahlen seiner protestierten Wechsel im Jahre 1937 liegen noch weit höher als im Jahre 1935. Die schlechte Zitrussaison de« Winters 1936/37 trägt ihr Teil zu der schlechten Lage in Tel-Aviv bei, ebenso wie sie den arabischen Wirtschaftskreis in Jaffa stärkstens berührt, was die einschlägigen Zahlen für diese - Stadt beweisen. Jetzt endlich jedoch scheint Tel-Aviv das Schlimmste überwunden zu haben; denn die ersten vier Monate 1938 im Vergleich mit den ersten vier Monaten des Jahres 1937 zeigen" einen beachtlichen Rückgang der' zu Protest gegangenen Wechsel. Das ist um. so auffallender, da sämtliche anderen Bezirke noch ein Wachsen der entsprechenden Zahlen ausweisen. Bautätigkeit und Einwanderung und damit Zufluss von Kapital standen in Palästina stets in einem engen ursächlichen Zusammenhang. Da ein grosser Teil der Einwanderung in die Städte und die umliegenden Siedlungen gegangen ist, so kann die Statistik der B a"utätigkeit in den vier wichtigsten Städten, selbst wenn sie die Neubauten "in den Siedlungen und Dörfern nicht berücksichtigt, doch als wichtiger Anhaltspunkt produktiver Unternehmertätigkeit im ganzen Lande gewertet werden. In der folgenden Tabelle sind wiederum die Durchschnittszahlen (für 1933 bis 1937 im "Monatsdurchschnitt), für die vier wichtigsten Städte zusammengestellt, die in mehrfacher Richtung aufschlussreich sind: ' der gel Tel- Aviv Quadratr ehmigte Jerusalem neterzah n Neuba Haifa l aten in Jaffa 1934.................. 1935...-............... 1936.................. 1937.................. l»3S(März)......... 29 443 35 375 87 392 21769 15 062 17 374 12003 13 673 15 200 1U7J6 12 28* 7195 16446 26 952 32 473 T7 782 12 362 7246 12 672 16 152 5 830 ' 2 983 329 Die Zahlen für Jaffa, um diese vorwegzunehmen, zeigen, wie dieses arabische Wirtschaftszentrum durch die grosse Immigration im Jahre 1934 und 1935 mit den jüdischen und gemischten Städten profitiert hat. Der Streik im Jahre 1936 und die Immigrationsdrosselung 1937 hat es stärker getroffen als das jüdische Zentrum, eine Tätsache,, die von der arabischen politischen Führung nicht übersehen werden sollte. Vom" Standpunkt des jüdischen Wirtschaftssektors aus ist bedeutsam, dass Tel-Aviv aus seiner führenden Stellung in der Errichtung von Neubauten im Jahre 1936 und 1937 hinter Haifa zurückgedrängt worden ist, dessen gemischt arabisch-jüdische Wirtschaft sich in diesem Wirtschaftsabschnitt als widerstandsfähigr erwiesen hat; das gilt in gewissem Umfange auch für Jerusalem, für das die obenstehenden Saison der Bestätigung Das Palästina-Orchester 1937/38 Mit den Konzerten des englischen Gastdirigenten Dr. Malcolm S a r g e n t, in denen Werke von Händel und Dvorak, Elgar und Cesar Frank, sowie die 2. Sinfonie von Beethoven zu Gehör gebracht wurden, hat die zweite Winterkonzertsaison des Palästina-Sinfonie-Orchesters ihren Abschluss gefunden. Ein Rückblick auf die abgelaufene Zeitspanne berechtigt dazu, sie als die Saison der Bestätigung des Orchesters zu bezeichnen. Galt die erste Konzertsaison noch als die Zeit des Experiments, so hatte der vergangene Winter den Beweis zu erbringen, ob die Erwartungen, zu denen das gelungene Experiment Aniass gegeben hatte, in Erfüllung gehen würden. Unsere Erwartungen wurden nicht getäuscht: Wieder waren die Konzerte Höhepunkte musikalischen Erlebnisses und begegneten auch diesmal wieder einer ungewöhnlichen Anteilnahme beim palästinensischen Publikum. Man hatte nicht ohne Sorge der abgelaufenen Saison entgegengesehen, und gerade sie schien zunächst unter einem ungünstigen Stern zu stehen. Politisch und wirtschaftlich war die Lage im Lande von Anfang der Saison an unsicher. Dazu kam das persönliche Missgeschick des Schöpfers des Orchesters, Bronislaw Huber man,- der im Eröffnungskonzert unter Toscanini als Solist auftreten wollte. Alle äusseren Schwierigkeiten jedoch konnten nicht das Vorwärtsschreiten des Orchesters verhindern. Zur festgesetzten Zeit wurde die Saison eröffnet und im Laufe von sieben Monaten wurde, bei unverminderter Anteilnahme des Publikums, das gesamte Programm abgewickelt. Die Zahl der Abonnenten überstieg in dieser Saison die der vorjährigen beträchtlich. Aber auch vom künstlerischen Standpunkt aus erwies sich die abgelaufene Saison als eine Zeit der Bestätigung. In den 10 Abonnementskonzerten hatte man Gelegenheit, die hohe Qualität des Orchesters selbst und seinen Fortschritt festzustellen. Aus den über 70 Musikern, unter ihnen zahlreiche frühere Solisten, ist durch gemeinsames Streben nunmehr ein Klangkörper von solcher Harmonie des Zusammenspiels geworden, dass er selbst den verwöhntesten Gastdirigenten Worte der Anerkennung abnötigte. Durch die Orchesterkonzerte wurde das palästinensische Publikum auch mit einigen internationalen Solisten bekannt, so mit den Pianisten I g-n a z Friedmann und Jacob Gimpel, der Sängerin Oda Slobotzkaja und der palästinensischen Cellistin Thelma Y e 11 i n. Schliesslich erneuerten oder machten wir die Bekanntschaft mit den Dirigenten H. W. Steinberg, Eugen Szenkar, Issai Dobrowen, Arturo Toscanini und Sargent, die klassische und moderne Musikwerke zu Gehör brachten. Steinberg brachte die 6. und 8. von Beethoven, ferner die Symphonie fantastique von Berliosz und Strawinskys ,,Petruschka". Mit der Darbietung der Vierten von Tschaikowski und der Vierten von Brahms — neben einigen Werken junger, moderner Komponisten — verstand es Issai Dobrowen, erworbene Sympathien zu erneuern. Einen interessanten und. temperamentvollen Dirigenten lernten wir in Szenkar kennen, der u. a. Werke von Paul Dukas, Maurice Ravel und Beethoven wirkungsvoll zum Vortrag brachte. Ein besonderes Ereignis war das Wiederauftreten Toscaninis. Frisch und präzis wie immer brachte er die italienische Sinfonie von Mendelssohn,-die C-Dur-Sinfonie von Schubert und Ouvertüre und Vorspiel zum 3. Akt „Lohengrin". Eine sehr begrüssfe Neueinrichtung waren die Orchesterkonzerte für die Jugend, die durch vorher gegebene Erläuterungen den Hörern, versländlich gemacht wurden. Freude an der Sensation, die verständlicherweise einer Neuschöpfung anfangs noch anhaftete, spielte in diesem Winter kaum mehr eine Rolle. Der Beweis ist erbracht, dass das Orchester seinen begonnenen Weg zu musikalischer Hochkultur fortzusetzen gedenkt und dass sein Streben das volle Interesse und die ungeteilte Anerkennung des palästinensischen Publikums findet. Dr. Rachel Lipschütz. Zahlen zeigen, dass alle Schwankungen zwischen den „fetten" und den ..mageren" Jahren viel weniger stark gewesen sind. Aber das für die Gegenwart bezeichnendste sind die Zahlen für den Monat März 1938, die soeben amtlich publiziert werden. Sie zeigen, dass Tel-Aviv wieder an erster Stelle steht, und sie zeigen weiter, dass die Zahl für März 1938 bereits den Monatsdurchschnitt von 1937 überschreiten. Diese Tatsache ist in keiner der drei anderen Städte festzustellen, wo die Zahlen der genehmigten Bauerlaubnisse im März 1938 weit hinter den Monatsdurchschnittszahlen des Vorjahres zurückbleiben. Die Gestaltung Tel-Avivs als Hafen dürfte ein entscheidendes Stimulans sein. Man kann aus den Ziffern für einen oder für wenige der gerade vergangenen Monate gewiss keine übertriebenen Folgerungen ziehen oder Hoffnungen daran knüpfen: aber sie erscheinen dennoch wert, verzeichnet zu werden, weil sie Hand in Hand mit dem allgemeinen Eindruck gehen, dass von der wirtschaftlichen Seite her' eine Erholung aus der langen und tiefen Depressionsperiode in Aussicht zu stehen scheint, wenn nur endlich die Hemmungen, die von der politischen Seite her bestehen, verschwinden würden. Auf Paketen nach Palästina sowie den dazugehörigen Paketkarten erkennt die palästinensische Postverwaltung nur zwei Arten von Voraus Verfügungen an. nämlich entweder Auslieferung des Paketes an einen anderen Empfänger im Bestimmungsland oder Preisgabe des Paketes an die Postverwaltung des Bestimmungslandes. Vorausverfügungen, die n;icht in englischer oder französischer Sprache abgefasst sind, oder unzulässige Vorausverfügungen, wie z. B. die der Unzugtellbarkeit, werden "von :der Postverwaltung yoii Palästina nicht beachtet. BeSSerUng III Sieht? / Statistische Massstäbe Von unterem Dr. E. R—z- Berichterstatter L