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Central-Verein-Zeitung · 1938-06-02 · 22 (2.6.1938) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
22 (2.6.1938)
Date
1938-06-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 C-V.-2eif.ung Nr.22 * 2Juni1938 dem sei mif einem Sterbeüberschuss von 20 000 jüdischen Menschen zu rechnen. Iki englischen Unterhaus wurde die Frage der Zusammenarbeit zwischen den Regierungsstelle^, dem Coordinating-Commitee' und der Evian-Konferenz am 24. und 25. Mai abermals durch Anfragen der Abgeordneten Miss R a t hb o n e und Colonel Wedgwo od erörtert. •Ministerpräsident Neviile . Chamberlain stellte fest, dass die englischen Dominien auf den Konferenz neben dem Mutterland vertreten sein Berlin W, ^Kieisfslr. 12 würden. Er halte es jedoch, so erklärte er, nicht für richtig, eine besondere Konferenz der Dominions zur Erörterung der Flüchtlingsfragen einzuberufen, da auf der Konferenz selbst genügend Gelegenheit zum Austausch der Meinungen gegeben sein würde. Die Regierung Sr. Majestät könne nicht ohne weiteres die Grenzen des Empire für die Einwanderer öffnen, es sei vielmehr Aufgabe der Dominion-Regierungen unter Wahrung ihrer eigenen Gesetze die Entscheidungen hierüber zu treffen. Anfragen, die das Coordinating-Committee beträfen, seien nicht an die Regierung, sondern direkt an das Komitee zu richten, da es eine private Institution sei. * Auf einer Besprechung, die das Coordinating-Committee am 24. Mai in London abhielt, wurde ein Unterkomitee eingesetzt, das die Verbindung mit dem Hochkommissar für Flüchtlinge aus Deutschland und der Evian-Konferenz aufnehmen und die Arbeiten der verschiedenen Institutionen aufeinander abstimmen soll. In Washington, hat sich, wie bereits auch in London, ein sog. Coordinating-Commfttee gebildet, das die Arbeiten der verschiedenen jüdischen und nichtjüdischen Stellen, die sich mit der Flüchtlingsirage befassen, aufeinander abstimmen will. In einer Versammlung erklärte Mr. Ch a m b e r 1 a i n , der frühere Vorsitzende des Flüchtlinashilfskomittees, dass die Regierung der Vereinigten Staaten diese Zusammenarbeit begrüsse und sie unterstützen werde. « Die Frage der kolonisatorischen Wanderung steht auf der Tagesordnung der Septembersession der Völkerbundsversammlung. Die Wirtschafts- und Finanzorganisation des Völkerbundes beschäftigt sich auf Ersuchen des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes zur Zeit mit der kreditpolitischen Seite dieser Frage. Vertreter des Internationalen Agrarinstituts nehmen an den Beratungen teil. Auslandsnachrichten England Die Königin besichtigte in Hugbendon das Haus Disraelis. das demnächst in den Besitz der in Gründung begriffenen Disraeli-. Gesellschaft übergehen wird. Am 27. Mai fand die Generalversammlung und eine Vorstandssitzung des American Joint Reconstruction Foundation Committee unter Vorsitz von Sir Osmond d'Avigdor- G o 1 d s m i d statt, der u. a. der verstorbenen Mitglieder Felix M. W a r b u r g und Sir Leonhard Cohen gedachte. Neben den Vertretern Amerikas waren auch zahlreiche Delegierte aus anderen Staaten erschienen. Frankreich Beim Absturz eines Fesselballons, der vom Blitz getroffen worden war. kam der, Beobachter Leutnant W e i q s t e i n . ums Leben. An seinem;Sarg wurde das Kreuz der Ehrenlegion niedergelegt. QriecHenland ■ König Georg II. hat eine Reise durch, Thesealien, und Mazedonien unternommen. An zahlreichen Orten empfing er auch Delegationen der jüdischen Gemeinden, so in Volo, "\vo er auf eine Ansprache von Oberrabbiner Masche Pessah erwiderte, in Castoria und in Tricca'.a. Der König sagte u. a., er schätze die griechische MEG Maschinenfabrik Erlen Gimpe! fl&LI: lufzüge - IhHeizungen BERLIN 5VV Sam.-Nr. 66 23 75 6 Judenheit als ein friedliches, dem Fortschritt zugängliches Element, das treu und gewissenhaft seine Pflichten dem Lande gegenüber erfülle. Es wurde auch daran erinnert, dass Georg I.. der Grossvater des jetzigen Regenten, zu wiederholten Malen in Triccala bei dem Kaufmann Haimaki Cohen gewohnt hatte. Indien Bürgermeister Dr. A. Moses in B o ni b a y ist von seinein Amt zurückgetreten. Seine Amtsführung wird aus diesem Anlaes in der Oeffentlichkeft besonders anerkennend beurteilt. Italien Professor Dr. David Di eringer, der Altertumsforscher der Universität Florenz, wurde von Mussolini in Audienz empfangen. Nachdem zwischen den beiden Gruppen innerhalb der jüdischen Gemeinden, wie wir seinerzeit berichteten', eine Verständigung erzielt is.t, hat die jüdische Wochenschrift ..La Nostra Bandiera"*, das Organ der Nichtzionisten, sein Erscheinen eingestellt. Jugoslawien Das neu gewählte Oberhaupt d^r tnoslemtischen Kirche, Fehim Spaho. stattete Oberrabbiner Dr. Alkalay einen Besuch ab. Litauen Angehörige der „Gesellschaft für die Beobachtung des Sabbathta" hatten einen jüdischen Studenten, der die Sabbatruhe entweiht hatte, tätlich angegriffen. Die litauische Presse verlangt Massnahmen gegen die Gesellschaft, um ähnliche Zwischenfälle für die Zukunft zu vermeiden und die individuelle Freiheit zu schützen. Polen Auf einer Sitzung des Vorstandes des „Lagers der nationalen Einigung", die vom 19. bis 22. Mai in Warschau stattgefunden hatte, war eine Resolution über die Haltung zur Judenfrage angenommen worden. Es wurde eine Kommission zur Ausarbeitung von Gesetzentwürfen eingesetzt, die möglicherweise schon die Julitagung des Sejm beschäftigen werden. Die Teilnahme der Juden am wirtsch"fRichen.und poli- Vereinigte Staaten Die Zahl der Schüler in den jüdischen Religionsschulen New- Yorks ist im vergangenen" Jahr um 1000 gestiegen. Harry H. Liebovitz, der Präsident der jüdischen Erziehungsgesellschaft, teilte dies vor 500 Mitgliedern auf der Jahresversammlung der Vereinigung mit. Mehr als zwei Millionen Dollar wurden für das jüdische Erziehungswesen im Jahre 1937 aufgewandt. Um den Bildungsstandard . der Lehrkräfte zu heben, ist ein „Board of Licence" gebildet worden, vor dem im Berichtsjahr 102 Kandidaten ihren Befähigungsnachweis erbrachten. Lucius N. Litauer legte in Cambridge den Grundstein zu einem „Studien- und Forschungsinstitut für Verwaltungsprobleme an der Havard-University". Litauer hat bereits 234 Millionen Dollar für die Verbesserung der öffentlichen Verwaltung gestiftet. Jacob Fox, der 1935 verstorbene" Präsident der „Owners and Tenants Electric Company" hat, wie jetzt bekannt wird, testamentarische William Rosenwald - und Edward M. M. W a r b u r g als Vertreter des Joint und des National Coord'inating Committee 100 000 Dollar für die Flüchtlingshilfe vermacht. Vom Joint wurden im Jahre 1937 fast 945 000 Dollar zur konstruktiven Hilfe, für die. jüdische Bevölkerung in Polen ausgegeben. Ein crosser Teil der Gelder wurde zur Finanzierung und Wirtschaftshilfe produktiver kaufmännischer und industrieller Unternehmen des Landes verwandt. Unser Platz in der jüdischen Arbeit Vortragsabend im Jüdischen Centrai-Verein Hamburg tischen Leben, sowie im Bereich der freien Berufe soll eingeschränkt worden. Der „Club der jüdischen Abgeordneten'* nimmt in einer öffentlichen Erklärung zu.der Resolution und der Bildung des Ausschusses Stellung. Die Unterzeichner des Aufrufes erklären, dass sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden gesetzlichen Mitteln geg^en die geplanten Gesetzentwürfe auftreten würden. Ministerpräsident Slawoj Skladkowski empfing eine Abordnung jüdischer Parlamentarier, deren Sprecher die. Abgeordneten Dr. Emil S o in m e r s t e i n , Rabbiner R u b i n s t e i n und Leib Minzberg waren. Der Minister- Asphaltierunsen TSMESfiÄ» Pflasterungen, Bürgcrstelg-c. — Tclepüoii: 92 4756 Präsident erklärte, dass die Resolution nicht von der Regierung, sondern vom Lager der nationalen Einigung gefasst worden sei. Der Berichterstatter zur .Judenfrage in jener Sitzung, StanislaAV Paprocki, habe dort nicht als Chef der Nationaiitätehabteilung' des Kabinetts, sondern als Privatmann gesprochen. In Warschau explodiertevor einer -jüdischen Bank eine. Bombe, die jedoch nur Sachschaden'anrichtete. In Lodz wurde der siebzehnjährige Mosche Segal von nationaldcmokratischen Studenten überfallen und durch einen Stich in den Hals schwer verletzt. Auf einer Sitzung des polnischen Hausbesitzer Vereins, auf der 200 Delegierte anwesend waren, wurde, nachdem die 40 jüdischen Vertreter zum Zeichen des Protestes den Saal verlassen hatten, der Arierparagraph einstimmig angenommen. Von 50 studentischen Korporationen der Universität Wilna unterschrieben nur 20 eine Eingabe an den Rektor Sur die Einführung des numerus nullus. Das Sekretariat der Universität lehnte die Annahme der Eingabe ab. Schweiz Die jüdischen Gemeinden haben in Zusammenarbeit mit der Hias 688 jüdische Emigranten im Jahre 1937 betreut. Von ihnen gingen 30 nach Palästina. 16 nach Argentinien. 13 nach den Vereinigten Staaten. 8 nach Uruguay, 4 nach Brasilien, 17 wurden von anderen Ländern" aufgenommen. In Montreux wurde in Anwesenheit mehrerer Schweizer Rabbiner das 23. Semester der bekannten Jeschiwah feierlich eröffnet. Tschechoslowakei Bei den G e m e i n d e w a h 1 e n trat " wiederum die „Jüdische Partei"' mit einer eigenen Liste auf. In das Prager Stadtparlament entsendet sie zwei Abgeordnete, nämlich Ingenieur Oskar Aseherniann und Dr. Frantisek Friedman n. Ungarn Am 20. Mai hatten die vereinigten Ausschüsse des ungarischen Oberhauses unter dem Vorsitz von Dr. J u h ä s z nach dem Bericht von Ladislaus Görgey das Judengesetz angenommen. Grundlegende Reden waren vom Kardinalfürstprimas Dr. S e r e d i« von den Bischöfen Dr. Glattfelder und Dr. Raffay, sowie von den Baronen P erenyi und Pronay gehalten worden. Vor . der Abstimmung hatten Ministerpräsident I m redy und Justizminieier Dr. Mikecz die Grinde dargelegt, welche auch die neue Regierung zur Durchführung des Gesetzentwurfes bestimmt haben. Das Oberhaus selbst verhandelte -am 24. Mai über das Gesetz vor überfüllten! Haus. Zu Beginn der Sitzung teilte der Präsident Szechenyi mit, dass das Haue der Einladung der Pester Israelitischen Kultusgemeinde zur Teilnahme an der Heldenfeier im Heldentempel am 29. Mai Folge leisten werde. In der Debatte sprachen als jüdische Vertreter Dr. Ludwig Lang und Oberrabbiner Emanuel L ö w. Die Vorlage wurde angenommen und hat damit Gesetzeskraft erlangt. Im schönen Theatersaal des Jüdischen Gemeinschaftshauses in Hamburg nahm vor einer erwartungsvollen und aufnahmebereiten Zuhörerschaft der Vorsitzende des Jüdischen Centrai-Vereins, Dr. Herzfeld, Essen. zu den Gegenwartsfragen der jüdischen Arbeit in Deutschland grundsätzlich Stellung. Er fasste das Referat „Unser Platz in der jüdischen Arbeit" als einen Rechenschaftsbericht auf und gab demgemäss einen knappen Rückblick auf die letzten fünf Jahre des jüdischen Lebens. Hierbei wies er-auf die tragende Mitwirkung des Centrai- Vereins bei der Gründung und beim Aufbau der Reichsvertretung der Juden in Deutschland hin, *ohne deren Dasein die jüdische Gemeinschaftsarbeit undenkbar gewesen wäre. Das Referat gab sodann einen Durchblick durch die Kcmpetenzverteilung der jüdischen Arbeit. Hierbei wurde das Auswanderungsproblem in seiner zentralen Stellung beleuchtet und seine organisatorische Bewältigung geschildert. Die Mitwirkung des Centrai-Vereins bei der Schaffung neu notwendig werdender Organisationen zur Förderung der Auswanderung (Altreu. IIa) fanden Erwähnung sowie die bekannten Bemühungen in Gross-Breesen und mit der sogenannten Riegner-Gruppe. Die Tatsache 'der ausserordentlichen Aufwendungen und der Opferbereitschaft der in- und ausländischen jüdischen Stellen mache es zur Pflicht, die Tätigkeit auf allen Arbeitsgebieten ohne Dilettantismus und ohne Prestigesucht zu betreiben. Zuviel stehe für den Einzelnen und für die Allgemeinheit auf dem Spiele. Die beiden Wander- . ströme — nach Palästina und nach Uebersee — seien nebeneinander legitim und notwendig. Auch die Fragestellung Einzelwanderung oder Gruppenwanderung behandelte das Referat, um festzustellen, dass die Vorbereitung der Menschen für die Auswanderung in praktischer, aber auch in geistiger Hinsicht mit ihrer unerhörten Fülle von Kleinarbeit eine strenge Arbeitsteilung kaum noch zulasse. So sei zu erklären, dass auch der Centrai-Verein sich immer mehr an der unmittelbaren Auswanderungsarbeit beteilige. Zur Frage der Einordnung in den neuen Ländern übergehend stellte Dr. Herzfeld die Forderung auf, dass deren Notwendigkeit nicht so weit führen dürfe, das Judentum aufzugeben. Das sei eine der Aufgaben, die der jüdischen Inlandsarbeit gestellt sind. — Dieses Bild wurde in grossen Zügen durch einen Be'richt über die Beratungstätigkeit des Centrai-Vereins, ergänzt. Hier sagte Dr. Herzfeld: „Ziffern und Tatsachen spiegeln Wesen und Art unserer Arbeit nur sehr unvollkommen wieder. Entscheidend ist der Geist, in dem gewirkt wird, der Geist, in dem den Menschen und Verhältnissen gegenübergetreten wird. Der Geist, der es bitter ernst nimmt mit Menschlichkeit und Sachlichkeit in der rechten Bedeutung dieser Begriffe. Ich bin stolz darauf, feststellen zu dürfen, dass alle Urteilsfähigen im jüdischen Lager anerkennen, dass dieser Geist in unserer Tradition und in den Persönlichkeiten, die den Jüdischen Centrai-Verein tragen, fest verankert ist. Dankbar habe ich weiter festzustellen, dass alle unsere Mitarbeiter weit mehr tun als ihre Pflicht, dass sie sich im wahrsten Sinne des Wortes restlos mit ihrer Person einm AUmann & Gerson ifSb^Ä« Berlin-Weissensec, Loihringenstr. 23 56 3154. setzen und ihrer Arbeit hingeben. Sie sind von der Vergangenheit geprägt und haben zugleich die neue Wirklichkeit mit der ganzen Wucht ihres Ansturms erfasst. Arbeit, T r a d" i - tionsbewusstsein und Erneuerungswillen bilden die drei Grundlagen unserer V e r e i n s i ä t i g k e i t. Diese drei Stützen haben sich bewährt. Gewiss kann man Leistung und Ergebnis nicht von einer Erfolgstabelle ablesen. Es darf nicht einfach gemessen und gewogen werden. Es sind mit Rücksicht darauf, dass wir in einer Zeit des unabwendbaren Abbaus leben, andere Massstäbe anzulegen. So ist es z. B. ausserordentlich wichtig, ob es gelingt, Nervosität zu dämmen, eine Psychose zu vermeiden, wilde, ungeordnete Bewegungen zu hindern und den allein Erfolg versprechenden Gesamtplan geordnet durchzuführen. Und nicht weniger wichtig ist es, in welcher Haltung wir unseren Schicksalsweg zurücklegen. Ob wir versagen, oder ob es uns gelingt, das uns Beschiedene ungebeugt zu tragen. Ob das Unglück uns zerbricht, oder ob es neue Kräfte in uns auslöst. Erst in Zukunft wird ein objektives Urteil darüber möglich sein, ob wir Juden in Deutschland, Verantwortungsträger und Betreute, uns bewährt oder versagt haben. Das soll keineswegs bedeuten, dass nicht auch schon die Gegenwart zur Kritik berufen wäre. Und jeder Verständige wird sie gern hinnehmen, auch wenn sie sich bei genauer Prüfung als unfruchtbar _ erweist. Das gilt jedoch nicht von einer Kritik, die neuerdings fortgesetzt von einer an Zahl verschwindend geringen Gruppe m Wert und Schrift überlaut geübt wird. Von einer Kritik, die alle mühsame Kleinarbeit bagatellisiert und ohne eigene Leistung sich in der Pose eines Propheten gefällt. Von einer Kritik, die nicht davor zurückscheut, den von uns allen verehrten Präsidenten der Reichsvertretung. Herrn Rabbiner Dr. Baeck, persönlich herabzusetzen. Es dürfte genügen, das niedriger zu hängen. Wenn aber, jüngst hier in Hamburg von dieser Seite emphatisch erklärt wurde, wir ständen vor der Wahl, in Schönheit zu sterben oder in schimmernder Kriegsrüstung zu kämpfen, wer nicht mitkämpfen wolle, sei nicht gehindert, unterzugehen, so ist zu erwidern: Wir wollen weder selbst untergehen, noch andere untergehen lassen, weder in Schönheit noch in Hässlichkeit. Wir kämpfen und werden weiterkämpfen. Freilich nicht in schimmernder Kriegsrüstung, aber wir führen den nicht minder heroischen Kampf ums Dasein, den Kampf des Lebens, den Kampf um eine ehrenhafte Zukunft für uns und unsere Kinder. Wer jener weltfremden Parole folgt, wird dem Untergang geweiht sein. Wir dagegen halten es für unsere heiligste Pflicht die jüdischen Menschen am Leben zu erhalten, sie nicht mit Illusionen zu füttern., sondern ihnen schlicht und einfach Lebensraum und Arbeit zu schaffen und ihnen den.Wiederaufbau einer Existenz in Ehren durch harte Arbeit zu ermöglichen. Ein mit starker Zustimmung aufgenommener Appell, mit realistischer Nüchternheit und festem Willen das Schicksal zu tragen, das Beste daraus zu machen. Würde zu wahren, um so in Ehren unseren . schweren Weg zu gehen, beschloss-das Referat. Dr. Alfred Hirschberg der zweite Redner des Abends, meinte, dass auch die geistigen und kulturellen Erkenntnisse Arbeit bedeuten. Es sei also notwendig, geistesgeschichtlich den Platz zu be-. stimmen, an dem wir uns heute .befinden, um . von hier aus die Linien zu erfühlen, an denen das Schicksal die wandernde Judenheit enlang- Briefmarken - Fritz Lewin Berlin W 35, Lützowsf rosse 91 A. führt. Er untersuchte die Strömungen, die den zahlenmässigen, kullurellen und existenzmässigen Aufstieg der Judenheit im letzten Jahrhundert zur Folge gehabt haben und stellte die Frage nach den Voraussetzungen, unter denen sich in den neuen Ländern ein zwar im Umfang gemindertes, aber in der Qualität ähnliches jüdisches Leben entfalten könne. Für den als Jude bewusst Auswandernden ergäben sich eine Fülle von Schwierigkeiten, die der Redner im einzelnen aufführte, die aber nicht unüberwindbar seien, sondern vor allem durch Erkenntnis der Tatsachen bewältigt werden könnten. Der Redner streifte dann die mit der Evian- Konferenz zusammenhängenden Probleme und gab nachdrücklich der Forderung Ausdruck, dass neben die sozialen und politischen Bemühungen der im Ausland lebenden Juden zur Ermöglichung einer sinnvollen Einwanderung in die neuen Länder auch eine moralische Propaganda über den Wert der einwandernden Menschen treten müsse. Keine veraltete Apologie des Judentums sei damit gemeint, sondern eine nüchterne Darstellung des Anteils der Juden an den grossen kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Vorgängen des . letzten Jahrhunderts. Die Einwanderungsländer sollen wissen, dass sie ein aufbauendes, zuverlässiges Element in ihre Grenzen bekommen. * lieber das Thema „Unser Platz in der jüdischen Arbeit" sprach Dr. Alfred Hirschberg auch im Ortsverband Magdeburg des Jüdischen Centrai-Vereins. Chefredakteur: Dr. Alfred H i r s c rTb c r k Stellvertretender Chefredakteur: Dr. Ernst G L ö went Ii a 1. Verantwortlich für die Aufnahme von liildem und für Sport: Dr Ernst G. L ö w c n t h a.l. Tür Feuilleton: Hans Oppen heim er. Sämtlich in Berlin Für Rücksendung: unverlangter Einsendungen ist. Frenmischiag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. I Vj. 37 715.' VI 6 Verlas: ■ Jüdischer ' Centrai-Verein e. V.. Berlin W ]5, Emser Str." 42 Drucic der Buchu. Tiefdruck Gesellschaft mbH, Berlin SW 68. ANKAUF Goid- <=J^ ^^sxnPj^ih , G B. 11/48558 und Silberwaren C^VSsCfl/ JdMJ-e/. 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