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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-26 · 21 (26.5.1938) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
21 (26.5.1938)
Date
1938-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr.21 * 26. Mai 1938 C.-V^Ze?fung Seite 7i genommen, und man begegnete Ihm gern wieder. Sein hochkultiviertes, auch an den Grenzen klug und behutsam behandeltes Material und grosse Musikalität sicherten italienischen Arien von Händel, Rossi und Verdi, und modernen Stücken ernsten und heiteren Charakters u. a. starke Wirkung. Eine besondere Freude boten die beiden Künstler, die an Paul Meyer einen nicisterlichen Begleiter hatten, zuletzt mit tchönen Duetten von. Mendelssohn und Dvofäk. —tt. Per Karlsruher Synagogenchor unter Leitung von Kapellmeister Curt Stern sab in Landau (Pfalz) ein Synagogenkonzert. Als Solisten wirkten mit: Dr. Karl Mayer (Bass), Oberkantor Julius Kra.emer (Tenor) und Fräulein Oppenheim - M a n n h e i m (Sopran). An der Orgel Ruth Poritzki (Karlsruhe). Der<rKul turbund in Kasse! brachte als Absehluss des Winterhalbjahres Mendelssohns „Elias" auszugsweise zur Aufführung. Der Abend bedeutete noch einmal einen sehr beachtlichen Höhepunkt der musikalischen Darbietungen des Winters. Die junge Jüdisch e Chorvereinigung Kassel unter Amely Heinemarin bot wohl ihre bisher stärkste Leistung. Die Dirigentin erntete auch gleichzeitig als Solistin einiger Sopranpartien gleich grossen Beifall. Hans A s s e n h e i m (Frankfurt a. M.) als Elias hinterliess einen starken Eindruck. Am Flügel Paul M eyer (Frankfurt a. M.) ausgezeichnet. W. K. An einem mit viel Beifall aufgenommenen Kammermusikabend brachten Annie Steige r-B e t z a k' (Geige), Godfried Zeelander (Cello) und Hans Neumark (Klavier) im Jüdischen Kulturbund Stettin. Werke von Smetana, Niels W. Gade und A. Arensky zu Gehör. — Den Absehluss der Spielzeit bildete ein Kleinkunst abend „Eine Möwe macht noch keinen Winter". Ueberdurehschnittliche Leistungen wurden lediglich von Leo Raphaeli (Willy Hagen) geboten. Weitere Mitwirkende waren: Edith H e r r s 1 i c k, Lutz Pros kau er und Max K o n i n s k i. K. Unter dem Motto „Das Märchen vom verlorenen Sohn" hielt Gerhardt Walter Rosenba um, unterstützt von Ruth Kisch^Arndt (Gesang), Otto Bernstein (Rezitationen), Kurt Heinemann (Klavier) im Jüdischen Kulturbund Düsseldorf einen Vortrag über Heinrich Heine. Mit ihrer fein zusammengestellten, alles Wesentliche klar ausdeutenden Darbietung' hatten alle Mitwirkenden vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum einen sehr grossen Erfolg. J. 0- Im Jüdischen Kulturbund für Ostwestfalen und angrenzende Gebiete, der ausser Herford 13 Gemeinden bespielt, gastierte Edith Herrnstadt-Oettingen (Berlin) mit neuem Programm jüdischer Autoren und fand mit ihrer reifen Kunst wieder überall ein aufmerksames und dankbares Publikum. Alired Auerbach (Frankfurt a- M.) vermittelte durch ..Humorgaben jüdischer Literatur" jene feine Art der besinnliehen Heiterkeit, die kein lautes Lachen kennt, aber um so mehr zu Herzen geht. Die Zuhörer dankten für den schönen Abend sehr herzlich. W. H. Im Kulturbund Rathenow gab Edith Eisenheim er einen Gesangsabend. Für die stimmliehe Begabung, in Verbindung mit der persönlich natürlichen Frische der Künstlerin, dankten die Zuhörer durch reichlichen' Beifall. Am Flügel begleitete Erna Klein. Musik tax „Idl mit 9n Fidl" Die künstlerische Wirkung des Films „Idl Tnii'n Fidl", der vor kurzem an dieser Stelle (vgl. Nr. 18 vom 5. Mai) sehon ausführlich gewürdigt wurde, bezieht ihre Kraft nicht zuletzt aus der Musik. Wenn es hier A. E 11 s t e i n gelang, jenseits einer allgemeinverbindlichen Üntermalung so etwas wie eine eigene Farbigkeit zu gewinnen, so ist das vor allem dadurch bedingt, "dass hier als melodisches Zentrum, aus dem heraus das meiste entwickelt wird, das ostjüdische Volkslied gesetzt wurde, also die legitime, weil organisch gewachsene musikalische Verkörperung ostjüdischen Wesens. Die Harmoni- Polsterwsren Aigens Werkst, ^marbaitung fe'eSssertsee. Berliner Alloe 255 56 38 6S Nierungen sind gefällig, und mittels des Variaüonsprinzips wird' aus wenigen Melodien, die dem Ganzen Einheitlichkeit geben, eine der jeweiligen filmischen Situation angepassfe Begleitmusik geformt. So wandelt sich z. B., wenn. Idl die Schaukel besteigt, die eben noch g^radfaktige Weise sehr launig in ein ungeradtaktiges „Schunkeln". Ellstein hat mit dieser Partitur gleieh im Anfangsstadium jüdischer 'Filmkunst eine jedenfalls wegweisende Lösung gefunden — die Begeisterung, der im Publikum gerade die Musik begegnet'ist, mag als eine gewisse Bestätigung rbfur nicht, unerwähntbleiben. H. Fr. Zum Tode Edmund Eyslers Im Frühjahr 1914 brachte die Wiener Zeitschrift „Der Floh" eine Karikatur, die auf einem Felsvorsprung, der mit dem Wort ..Erfolg" beschriftet ist," Edmund Eysler bei einem kräftigen Frühstück zeigt. Bei Erscheinen dieser Karikatur war Edmund Eysler 40 Jahre alt. Die Premiere des „Bruder Straubinger" hatte ihn ganz plötzlich aus dem dunklen Geplagtsein eines kaum beachteten Klavierlehrers in Wien emporgehoben. Aber es blieb bei diesem einmaligen Glück: alle weiteren Operetten, eine Oper „Der Hexenspiegel*'', Tänze und Lieder versanken schnell wieder ins Vergessen. Die einzige Melodie, die uns heute von diesem 64jährigen Leben geblieben ist, 'ist der lächelnde Dreivierteltakt um „Küssen ist keine Sünd".___ A. L. Theater* Mesik5 Film Zwischen Henry Bernstein und dein derzeitigen Leiter der Oomedie Francaise in Paris, B-ourdet. ist es u. a. wegen der wiederholten Verschiebung der Aufführung von Bernsteins neuestem Werk „Judith" zu einem Konflikt gekommen, der jetzt zu einem Duell der beiden Künstler geführt bat. Bourdet wurde ara rechten Arm verletzt. Die Gegner schieden unversöhnt. Infolge diese? Streits hat. Bernst.ein seine sämtlichen Stänke, die im Repertoire der genannten Bühne noch figurieren, zurückgezogen. * Iir? Schauspielhaus in Zürich fand die deutschsprachige Uraufführung von Ladislaus Fodors Lustspiel „Märehen von der Gerechtigkeit." statt. * Im Züricher Schauspielhaus faad?m 16- Mai die Uraufführung eines von Myriam Förster, Zürich, in Szene gesetzter) Balletts T.Tar!ätanu statt mit der Musik von Lueien L. Bern he i m. Mmm$mr Kirsch Der gute Likör, Magister, München VII zutragen. „Wer singt kühn und erhaben — wie -i8s Lied der Mirjam?" fragte er ein altes Männchen, das müde und dem Schlaf hingegeben unter seinem Feigenbaum ruhte. Es wollte nicht ■sprechen, drohte mit dem Finger, der Turm des Gefängnisses sei tief und mancher, der hineingeworfen, sei nie wieder ans Licht gekommen, -Des grossen Richters Eleasar Tochter", und lei<se raunte der Alte, es könne auch anders sein, keiner "•visse genaues, doch ihre Stimme sei brühpit vom Euphrat bis zum Meer. Am nächsten Abend lauschte Joas wieder jener Stimme, ein Loblied für diese wunderbare Erdenschöpfung, ein Ruf, die grossen Tage des Volkes neu herbeizuführen. Von einem Hügel sah er die Sängerin die Gartenwege wandeln, von zwei Mägden gefolgt. Kurz und gemessen war ihr Schritt, stolz und voll Würde ihre Haltung, eine Deborah flüsterte er, mit karmesinrotem Haar, betropft vom Blute ihrer Feinde. Ueber den hellen schmalen Wangen trauerten zwei dunkle Augen, der Bliek eines Kindes, eines träumenden Weibes. Mit Beginn der Dämmerung verliess sie das Haus, schritt singend durch den Garten, ihr Blick schweifte zu ^en letzten Röten, den eilenden Wolken, sie beugte sich zu den Rosen und öleanderbüschen, flüsterte mit ihnen und kehrte still und langsam in das Haus zurück. Die schreitende Gestalt, die begnadete Stimme gaben Joas nimmer frei, wohin er schaute, sah er ihr Antlitz, aus jpder Sphäre tönte ihr Gesang, ein Mahnen, ein Flüstern. Hatte ihr Ruf ihn in jener Nacht erweckt, löste sich aus ihrem Munde das Vermächtnis, ihm seine Sendung aufzutragen? Durch Richen und Rufe deutete ihr Joas seine Nähe an, aber Ja eis Bück, sie musste ihn sehen, jeden 5'rauch und jeden Stein des Gartens kannte sie??nau, glitt unbemerkt über ihn hinweg. Wer von einer Bewunderung voll ist, spricht £pra '/.xi allen Menschen von seiner Verehrung. Freunde lachten, wenn Joas. trunken und n?rauscht, sich zu immer höheren Worten ver- >iieg. Keiner, wisse um die Herkunft dos Miul- "'nens, ein geheimnisvolles Dunkel lagere über in rem Leben. Vielleicht nur eine Hure, die Dirne öes grossen Richters? .Wessen Name werde in Israel mehr gehasst, dreimal verflucht sein Same! „Feiglinge!" schrie Joas erzürnt und erregt. Schreit es in alle Gassen, weckt die Gleichgültigen damit auf, dass der Hass ein Berg werde, der zusammenstürzend, ihn begräbt. Wenn Mesis heilige Tafeln zerbrechen, die Worte der Gerechtigkeit aus der Welt schwinden, was ist dann noch Israel ..." Joas lausehie wieder, ergriffen und bewegt, dem flehentlichen Sang. Jetzt hatte die Sängerin die Höhe des Gartens erreicht, wandte sich ihr Schritt gen Süden. Von Unrast gepackt, sprang er über die Mauer und stürzte ihr zu Füssen. „Unglücklicher ... du wagst dein Leben." „Gib mir Befehl." „Du fürchtest das Leid?" „Das Leid wird mich stark machen." „. . . des Todes Atem . . „Er maeht mich ewiglich." Ihre Lippen zitterten, ängstlich spähte ihr Blick nach des Hauses Tür. Joas spürte den Druck ihrer Hand, den heissen Hauch ihres Mundes. Sie hiess die beiden Mägde gehen, beugte sich tief zu ihm: „Zum König gehe . . „Zum König? . . „Jael sende dich . . — „Jael sende mich." — „Die Stunde seines . . Aus dem Haus rief grollend eine Männerstimme. Mit einer Kraft, die er ihren schlanken Armen nicht zugetraut hätte, stiess sie ihn seitwärts in das Buschwerk. Sie winkte den beiden Mägden, und ohne sich nach ihm umzusehen, nahm sie ihren Rundgang auf und setzte das unterbrochene Lied fort. Ein Wort, schwer, beladen, wie hatte sie damit gerungen, dröhnte Joas nach. Ein Zischen und Dröhnen in seinem Kopf, ergriffen von der Grösse des Augenblicks, nahm seinem Geist die Klarheit. Voll Bange und Trauer sah er sie das Haus betreten, wie wenn die Sonne um die Mittagsstunde erlösche und die Stadt in Dunkelheit hülle. Mit halbem Auftrag konnte er nicht vor den König treten, erst im Besitze des Unausgesprochenen, konnte er den In Wien starb der frühere Direktor de« Deatschen Volkstheaters, Dr. Rudolf Beer. * Ossip D y m o w s neues Stück, „Der East Sjde- Frofessor", wurde im „Artef-Theater" in New- York erfolgreich uraufgeführt. * Im Warschauer Sender gelangt am 27. Mai, 20 Uhr, unter Gregor Fitelberg u. a. Gustav Mahlers 4. Sinfonie zu Gehör. * Der Sender Mailand überträgt am 28, Mai, 21 Uhr, aus dem Theater „Victor Emanue-1" in Florenz Beethovens Missa solemnis unter Bruno Walter. * Richard T a n b er' gab unter Mitwirkung der Pianistin Vera Benenson in der Queen Hall in London einen Liederabend, bei dem er Lieder von Franz, Grieg, Robert Kahn u. a. zu Gehör brachte. * Jascha H e i f e t z gab in der Grossen Oper in Paris vor überfülltem Haus einen Soloabend. * Im Rahmen der Internationalen Isaye-Konzer t e in Brüssel fändet bis Ende dieses Monats ein musikalischer Wettbewerb statt. In der Jury sitzen u. a. Ignaz Friedmann, Marcel M a a s s , Wanda Landowska, Arthur R u b i n s t e i n. * In Basel gelangt unter der musikalischen Leitung von Faul Sacher das szenische Oratorium „Jeanne d'Arc au busher" zur Uraufführung. Die - Dichtung stammt von Paul Claudel, die Musik von Arthur Hossegger. An dem sensationellen Erfolg ■ war nicht zuletzt die Hauptdarstellerm Ida -R u - b i n s t e i n beteiligt, deren Anregung übrigens auch die Entstehung des Werkes zu verdanken ist. * Edvard Moritz konzertierte mit seinem Kammerorchester in der Town-Hall in N e w - To r k. # Bruno Walter leitete in Paris zwei Aufführungen des „Fideliou, bei denen aueh Lotte Scheene mitwirkte. Am 21. und 22. Mai gab er in der Salle Pleyel einen Mozart-Abend, bei dem er das Klavierkonzert C-dur vom Flügel aus dirigiert. * Paul Muni spielt in einem Film, der das Leben Victor Hugos behandelt, die Titelrolle. ¥ „Juarez und Maximilian", die bekannte dramatische Historie von Franz Wer fei, wird von Warner Bros als Film vorbereitet. * Elisabeth B e r g n e r wird in einem neuen englischen Film „Stolen Life", nach einer Erzählung von Margaret Kennedy, die Hauptrolle spielen. x. Im Juli und August finden in L n z e r n Festwochen statt, bei denen u. a. Bruno Walter, Alexander K i p n i s und Rudolf S e rk i n neben Willem Mengelberg. Alfred Cortot und Dusolina Giannini mitwirken werden. * Zu dem Film „Apother Dsm" von L. Doyle hat Erich Wolfgang Korngotd die Musik geschrieben. Neue Schallplatte*» Die Geschwister M e n u b i n musizieren mit Maurice Eisenberg TschaikQwsfeys Klaviertrio a^moH op. 5Q auf Eis Masters Voice-Platten fDB 28S7^-9'>). Arror Sehn ab ei spje.lt, mit Begleitung des Londoner Sinfonie-Orchesters unter M," Sargent Mozarts C-flur-Konzert KV 467 auf His Masters Voiee.Platterj CDB Jüdischer Kulturbund Berlin Wochenplan Theater in der Kommandantenstrasse §7: ., D a s Gericht": 28. Mai. 2ÖJ£ Uhr (Abt. 12, 52); jeweils 20 Uhr: 29. Mai r'Abt. 7, 17), 30. Mai (Abt. 44, fftidijc^eQadaäe!^ PER P/ldTnDEN KUNST Prophetenkopf cm Strassbvtrger Münster, mittlere* West" portal, gegen Ende des 13. Jahrhunderts Fot. Lilli Szkoiny. lmiiMMuiimiiitimiuitüii Hinuiiiniiümiiiiimiiüiiii 64), 81. Mai (Abt. 23, 38), 1. Juni (Abt. 21, 31)* 2." Juni (Abt. 24, 34). Kuiturbundsaal, Komiaandaiitenstr. 58/59, 20 Uhr: Chor- Konzert. 30. Mai und 31. Mai (verlegt vom 12. Mai);-1. Juni Sonderveranstaltung Dr. Anneliese Landau; 2. Juni Vortrag Dr. Mas 0 8 b o r n. Die Proben zu Offenbachs Operette „Die schöne Helena" sind in vollem Gange. Die gesprochenen Texte wurden von Mas Ehrlich neu bearbeitet, der auch den „Calcha-s'' spielt. Bearbeitung der Gesangstexte: Kurt Singer, der das Werk inszeniert; Bühnenbild: Heinz Condellt musikalische Leitung: Rudolf Schwarz. Ara 1. Juni, 20 Uhr, findet eine Sonderveranstaltung zur Einführung in Offenbaehs ..Die schöne Helena1' im Kulturbuad-Saa.1. Kömmandan tenstr. 58/59, statt. Dr. Anneliese Landau spricht über ..Offenbach". Es vrirken mit: Susanne Landsberg OEI o i l a e n d e r) und Max K u f, t n e r sowie Wilhelm A 11 m a n n (am Flügel). Der Vortrag ist nur Mitgliedern, Abonnenten und Abwechsle™ des Jüdischen Kulturbundes gegen Kauf eines Gutscheines und Vorzeigung der gültigen Mitgliedskarte zugangig. (Reiehsverbands-karten sind ungültig.) Voranzeigen Bcriia: 2S. Mai. Wh Ufe*: SimstterliUfe iJer Jü4'.«iea Cjemeiade. Werke für zwei -Slavisre. Senia Herzfsld nad Dr. Anür "Wolff. Mitwirkende: Paula Ssioisoii. Süastlei« beim,' Sächsische Str. 72- Frankfurt a. M.: 29. Mai 201/4 Uhr: Gejeilscaaft. für jft&schß ''olliSbildüng e. V. Religi$?e "Weib-estmiie. Rabbiner Dr. Horovitz „Die Thsia im Lichte der Misdhne Tnora des Moses Maimonides". LehisasJ der Synagoge TJntetimda,u 21 schicksalsschweren Gang wagen. Zu frühester Stunde nahte er am nächsten'Tag dem Garten, das Letzte ihrer Botschaft?u empfangen, aber o, unbegreifliches Geschehen: die Sonne versank, die Dämmerung breitete ihre Arme, die Wipfel der Bäume entschwebten — das Tor des Hauses blieb geschlossen, Jaels Stimme liess sich nicht vernehmen. Auch am zweiten und dritten Tag lauschte er vergebens nach ihrem Lied. Welche Gewalt verbot ihr, dem Schöpfer ihr Loblied anzustimmen? Nicht die Schwere des Auftrags erschreckte Joas, auch ein halbes Geheimnis zu wissen, im höheren Dienste zu stehen, erfüllte ihn mit Stolz und- Vertrauen. Die Türhüter stiessen ihn zurück, erst als er gestand, die Stimme Jaels sende ihn, durfte er den Palast betreten. Eine Wache geleitete ihn durch wunderbare Räume, Gold mit Himmelsblau gemischt, und hiess ihn, im königliehen Saale warten. „Bei der Grösse des Ewigen Gottes, wende dich nicht um, befahl eine hohe ernste Stimme, nicht darfst du mein Antlitz sehen, nur meine Stimme höre, wie die meiner grossen Tochter Jael. Melde deinen Auftrag." „Die Stimme der Jael sprach zu mir . . ." „Was sprach ihr Mund?" „Die Stunde deines . . „Warum sprichst du nicht weiter? Fürchte dich nicht. Ein Sklave mag vor einer unheilvollen Botschaft zittern, ein König nicht; ihm ist gegeben, das Verhängnis zu bannen und die Gefahr zurückzuschleudern. Die Stimme meiner Jael ist beilig und ihr Herz kennt keine Lüge. Sprich weiter.*' „Die Stunde deines . . „Ich höre es zweimal. Soli ich dich plumpen Lügner auf dem Markt auspeitschen lassen? Viel falsche Propheten, Männer voll Anmassung, haben mir, wichtigtuend, grosse Worte verkündet und stets haben sich ihre Weissagungen als dumme! Lügen enihiillt. Wenn du nicht weilersprichst, lasse ich dir den Kopf abschlagen- und deinen Leib den Hunden vorwerfen." Eine Angst, schwer, würgte in Joas Kehle, ein Grauen umspannte ihn, er hatte gehofft, in diesem Augenblick Jaels Beistand zu finden. Warum neigte sich ihre Lippe nicht und flüsterte das unausgesprochene Wort? . . . Ihr Schritt kam näher, zarte silberne Töne frohlockten, ihn grüsste die tiefe Dankbarkeit ihres Auges. Jetzt rauschten die Gartenbüsche, rief aus dem Haus grollend die Männerstimme . . . Minuten wurden Ewigkeiten. Widerlicher Geruch durchströmte das Gemach, der Ruch eines verwesenden Tieres. Ein Kranker, der es nicht wert war, angesehen zu werden, ein Sterbender, der sich wider Recht und Sitte an den Thron klammerte und den Jungen und Stärkeren die Macht des Reiches verwehrte. Todesfurcht bedrängte Joas. Dem Räume entfliehen und wieder die reine Erdenluft atmen l Die Lähmung in seinem Munde erstarb, ein wilder Schrei brach aus: „Fliehe! Flucht!!" Ein schwerer Tritt, der eines davoneilenden Stieres, dröhnte auf dem hölzernen Boden, der. dumpfe Laut eines Wirren röchelte. Als sich Joas umwandte, war der Raum leer und der königliehe Stuhl in eine undurchsichtbare Wolke gehüllt. Noch nicht hundert Schritte von dem Palast entfernt, stürzten sich zwei Reiter über ihn, schleiften ihn durch viele Gassen und warfen ihn in den Turm des Gefängnisses. Zwei Tage und zwei Nächte harrte und hungerte er, erst am dritten reichte ihm ein Bewaffneter Wasser, Brot und einige Früchte. Nicht die Anklage fürchtete Joas, er konnte vor Gott, den Menschen und seinem Gewissen seine Tat verantworten. Eleasar selbst der hohe Richter, nur ein Bündel Fleisch, Zorn und Gier, schleuderte grollend und feindlich die Anklage: Diebstahl — Mordversuch. Voll Hohn und Entrüstung wies Joas die Lüge und den Verrat zurück, er hätte aus üebermut lachen können, wenn ihn nicht die Fesseln an den Ernst seiner Lage erinnert hätten. Wie konnte er sich zu einer Tat bekennen, die pr nicht begangen! In die Ein- Fariikeit. des-Turms zurückgeführt, überrannte« ihn die Gedanken; ja, er war schuldig, tau-

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