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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-26 · 21 (26.5.1938) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
21 (26.5.1938)
Date
1938-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 -X- C,-V.>Ze?tüng Sr.ai'• 26.MqI1988 naituncrsstuck zwangsläufiger Entwicklung ganz vom i-ilm bernedigt werden wird, ist eine andere Frage, die der Schreiber dieser Zeilen zu bejasen ireneigt ist-, 'ohne sich anmassen zu wollen, eine Prophezeiung auszusprechen. Sicher ist, dass c. I-Oawker" durch den Betrieb und u „ dr«- S ocken der dichterischen Dramenjuerarur, aas m der ganzen Welt zu beobachten i-1 - ceni^z: u^den. Die immer wieder überr~ i Offenbarungen der Schauspielkunst 100 1937 ^lz: Lechner & Horkheimer FraRKiart s. K., Liebfrauenberg 39, 1. Stock. Tel. 29288 his:,«sr:S»t32B8 in den altbekannt ersten'Qualitäten mocen diesen Prozess aufhalten, wie es umc <. * öS "a i»r dass durch ein. „festlicheres ineater die Unterschiede zum Film, die ru i f mden begriffen sind, sich wieder s " ^oh°L,ei and neue Kräfte in den echten D k rn .r^i werden. (Die Opernfestspiele uo\ne bringen wieder Fritz Busch und Irene Eismser als Gäste, während Richard n den Covent-Garden-Festspielen als Tanuno und Belmonte mitwirkte.) Ein Querschnitt durch den Bühnenspielplan zv -l °TJe offenbart ein Ueberwiegen des sc c Lnternaltungstheaters, das, eine a c E-öCh^inung ist, besonders, und in ei:;ern Ineateroetneb ohne staatliche Unterstuizung zanit jede geistige .Tat der privaten uniernenmer doppelt. Das Detektivstück scheint fr H Sc; ALICE SBBTOS, W 50 ä. va vaP B ö Passaner Strasse S. 249231. C^*. L«e Ziem^uTis — Färben — Eatfieclsen. ae Sherlock Holmes allmählich totzuisr keine Einzelerscheinung, wenn rkens sich in „Sirassenmanier" selbst ernst nimmt, weil er es vom Zua~gen kann, und ins Burleske usens-Theaier) „Gewinn lind Ver- _e Beleb in wandelt das alte Thema —u'i i tegren smarten Geschäftsev über Leichen geht und — wie n&i — schliesslich selbst opfern muss. es ein Aeroplan-Fabrikant, das ist ois" ctued, der das Stück nicht - * l (.E'pbassy-Theaier). Auch die T chaft ist kein neuer Einfall.;ues Milieu findet Bon Travers in lanen-Hlanzung" für die alte Ge- PILZ BENNO LOBATZ Kurfürstendcmm 214 eneTnänSel Siihei-füchse *= ne malaische Gummiplanfage. Es ist aus dem diese Farce ihre Wirkungen?s sma filmische Hindernisse, die "eis r wieder aufschieben (Strandr \jei Neues ist auch dem fruchtbaren i i cLt eingefallen, dessen „Operette" <? Theater" gespielt wird. Bs cA ]e Geschichte von einer Liebten einem Aristokraten und einer oip nn Kommen .ist, verbunden Z c r-Le die eine Revuebühne nach pit\ eide schildert. Das Stück ist p - r-i und erfolgreichen Auftretens arv auf einer englischen Bühne r» acr Reihe der Cowardschen - o "** or-K-Theater gefällt ein Stück Vause * von Stefan Powys, von aueß ms Deutsche übersetzt worden =sr m seinem Theaterstück Proben hübscher Dialogkunst ab, er kann plaudernd unterhalten. Die drei blinden Mäuse sind drei junge Mädchen, die mit irdischen Glücksgütern nicht gesegnet sind, und das Stück zeigt, wie sie zu einem Mann kommen. Sie fahren dazu an die Riviera, und Badekostüme, Koktails, Betten und einmal gar (hier entgleitet der Autor ins Schwankhafte) ein paar im entscheidenden Augenblick entwendete Herrenhosen helfen ihnen und dem Verfasser zum Ziel. Es zeugt von Powys Können, dass seine heiratslustigen Mädchen nie den Eindruck von „Golddiggers" erwecken, um den Spitznamen einer species amerikanischer Revuegirls zu gebrauchen, die man „Goldgräber" nennt, weil sie auf reiche Männer oder Freunde aus sind. „Friede und guter Wille" nennt sich ein Stück von Harold Bowen, das im Künstlertheater keinen sonderlichen Erfolg hatte. Weibnachtsgesellschaft auf einem gräflichen Sehloss. Man weiss um die familiären Geheimnisse der Gastgeber. Dazu politische und weltanschauliche Gegensätze. Situationen, die weder dialogisch noch handlungsmässig genutzt werden. Man soll keine shawschen Massstäbe an solch ein Werk anlegen, aber wie trägt eines Shaw Gesellschaftskritik selbst stockende Dramatik und wie lebt selbst seine schwächste Sozialsatire „Man kann nie wissen", die jetzt im Westminster-Theater wieder aufgenommen wurde, noch immer als absolutes Theater! Dramatisiert wurde Sinclair Lewis' Roman ,.Sam Dodsworth" (Palast-Theater), übersetzt fürs „Lyric" Giraudous* „Amphitryon XXXVIII" (Elisabeth Bergner war einmal die Alkmene) und der Erfolg, den Homolka in Capeks „Macht und Ruhm" "hatte (Savoy-Theater), hat das Playhouse veranlasst, das „Insektenstück" der Brüder C a p e k in seinen Spielplan aufzunehmen. Wie alle Tierfabeln der Weltliteratur zeigen die aristophanischen „Insekten" des tschechischen Brüderpaars im Tierreich einen Spiegel menschliehen Lebens! Konzerte und Vorträge Eine Reihe musikalischer Kostbarkeiten bot die Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde den Förderern ihres Damenkomitees. Alfred Lichtenstein zeigte auf seiner Flöte die hohe Schule halsbrecherischer Virtuosität. Rudi Lehmann, der auch die Begleitungen übernommen hatte, gab seinem technisch gut fundierten Chopin mehr motorischen Antrieb als detaillierte Schattierung. Und nun die zwei Stimmen, die diesem Abend seinen Glanz verliehen! Wilhelm G u 11 m a.n n spendete in bester Gebelaune aus seinen Schätzen. Kein Sänger unseres Kreises besitzt dieses Ausmass künstlerischer Reife, zu der sich hier höchste Bewusstheit des Nachschaffens und blutvollstes Temperament in einzigartiger Weise zusammengeschlossen haben. Auch Susanne Low enstein steht heute im Zeichen absoluter Reife. Die Stimme ist von herrlichstem Schmelz. Aber nicht dies allein ist ausschlaggebend für den zwingenden Eindruck, Klangsinnliches nicht an sich, sondern in der Bindung an ein Künstlertum, dem in seiner Stärke und Echtheit niemand jn unserem Bereich mehr den ersten Rang streitig zu machen vermag. Ein Konzert der Jüdischen privaten M u s i ksc-hule Holländer, Berlin, vermied die bei derartigen Anlässen übliche Häufung zahlreicher unzusammenhängender Einzeldarbietungen und gab statt dessen dem Chor, dem verstärkten Orchester und einigen vorgeschritteneren Schülern der Anstalt Gelegenheit, sich an grösseren Aufgaben zu erproben. Am meisten war Mendelssohn Vertreter; ein Chor aus dem „Elias'* — unter Werner Fabians irischer Leitung -— bildete den schwungvollen Auftakt. Alfred" N e u m a rk spielte die selten gehörte Serenade und das Allegro giocoso für Klavier und Orchester mit klanglichem Feingefühl, ohne sich ins Detail zu verlieren. Ursula U e k o gab mit dem g-moll-Konzert eine gute Talentprobe, und der Flötist Erwin R a. d t blies eine Andante von G. Holländer mit beachtlichem Können. Haydns Abscbiedssinionie. von Dr. Erich Marcuse dirigiert — die vorsebriftsmässige „Verabschiedung" im Finale bereitete natürlich den Hörern ein Hauptvergnügen —, und ein Händelsehes Concerto grosso unter der Leitung von Professor Julius P r i e v e r (Prüwer) rundeten das schöne Programm, das einen erfreulichen Eindruck von der Arbeit des Instituts hinterliess. , H- Fr. Elsa C a r o zeigte an zwei Tanzabenden im Hamburger Kulturbund feingestaltete Tänze, die von einer ausserordentlich hellhörigen Musikalität gespeist waren. Bezeichnend für die Tänzerin ist ihr Programm: Schönberg, Debussy, Stra^- winsky. Für das Opalisieren dieser flimmernden Musik gab Elsa Caro eine sehr reine und sehr prägnante Formung und Ausstreuung. Andeuten und Umdeuten, Kultur des Hörens und der tänzerischen Aussage: das ist viel. Tanz ist nicht nur absolute Getriebenheit... Mehr als aus dem Takt der Füsse scheint dieser Tänzerin aus dem Gehör der Ohren die tänzerische Formung in die Melodien der Arme, in die feine Phrasierung der durchgebildeten Hände zuzufliessen. Musikalischer Begleiter: Rudi Lehmann. In zwei Solovorträgen am Flügel (Liszt, Chopin), die besonders durch .schöne Behandlung des Tons auffielen, konnte er sich einen spontanen Sondererfolg holen. E. G. An einem vom Gemeinschaftsheim in Hamburg veranstalteten Bunten Abend wirkten neben Senta Lissauer, Karla Müller, Jonel N e i g e r und der Pander-Tanzgruppe die Jüdische Orchestervereinigung von 1933 unter der Leitung von Hermann Cerini mit. Es war erstaunlich, welche konzertante Wirkungen aus dem relativ kleinen Liebhaberorchester herausgeholt wurden, und mit Vergnügen hörte man beliebte Ouvertüren und Walzer einmal in der richtigen Auffassung eines Theaterkapellmeisters. Allen dankte starker Beifall. A. Max Ehrlich und sein Ensemble von der Kleinkunstbühne des jüdischen Kulturbundes Berlin fanden an drei Abenden im Jüdischen Kulturbund Hamburg ein erwartungsvolles und lachbereites Publikum, das der Aufführung der schwank vollen Revue „Von Romeo bis Streichquartett** die freundlichste Aufnahme bereitete. E. G. Das elfte Konzert des Kulturbundorebesters Müschen, durch Bläser aus Berlin verstärkt, das den Schluss der Spielzeit bildete, war völlig der slawisch-östlichen Musik gewidmet Von den sonst nicht häufig gehörten, sinfonischen Werken Dvofäks wurden" im Laufe der letzten Jahre in der Interpretation Erich Eisners mehrere gebracht. Die 3. Sinfonie zeichnet sich vor anderen durch ihre auf den Motiven böhmischer Volksweisen ruhende Heiterkeit aus. Das Konzert für Violine und Orchester A-moii von Carl Goldmark wurde von Annie S t e i g e r - B e. t z a k bei verständmsvoUe* Begleitung mit souveräner Beherrschung und mit ungekünstelter Natürlichkeit in der Interpretation wiedergegeben. Den Abechluss bildete Techaikowskys Pathetische. Orchester und Stabrüthrung haben an Durchdringung und Ausfeilung des Stoffes gewonnen. Öas Adagio lamentoso, mit dem die Sinfonie echloee, war hoffentlieh kein Hinweis auf die kommende Spielzeit. Vielmehr ist zu wünschen, dass auch weiterhin Gelegenheit geboten ist, im Kähmen des Kidtusbundes sinfonische Musik zu hören- Ca. Die Kölner Jüdische Kuns tgerne in- ' schalt brachte einen musikalischen Uflterhaltungsabend, den nicht weniger als sechs ihrer aktiven Mitglieder bestritten. Die einzelnen Darbietungen dieser bunten Veranstaltung wurden durch fesselnde, aufschlussreiche und zugleich launische Worte von Dr. Martin F r i e d 1 a n d miteinander verbunden. Die Pianistin Ilse S a s s setzte sich für die ausgezeichnete Interpretation des Scherzos von d'Albert sowie der „Troubadour "-Paraphrase von Liszt ein. Tn Sologesängen und Duetten von Rubinstein, Dvofäk, Saint-Saens u. a. m. hörte man Gabriele Speyer-Sander (Sopran), Lucy Götz er (Koloratursopran) und Adelheid Hess (Alt). Als Begleiterin bewährte sich wie immer Ella Cohn. Herzlicher Beifall wurde sämtlichen Beteiligten gespendet. -vo-' Einen Tanzabend veranstaltete der Jüdische Kulturbund Mannheim. Der aparten, einfallreichen Annemarie Fuss fiel der Haupterfolg des Abends zu. Die in ihrer Art weit her-r bere" Else Reitzenberger (Nürnberg) wusste vor allem mit einer amüsanten tänzerischen Persiflage der „Melodien um 1900' stark zu interessieren. Otto R e p p e r t als Begleiter •s holte sich mit wirksamen eigenen Tanzkompositionen einen Sonderapplaus. So. Das Hamburger Kuiturbundensernble spielte in Breslau an zwei Abenden Sutton Vanes Komödie „Fahrt ins Grenzenlose*' und Bradieys Kriminalstück „Kopf in der Schling e". Äm ersten Abend gefiel weniger das mystisch unheimliche Stück als die fesselnde Darstellung und das erstaunlich echte Milien, während die flotte Kriminalangelegenheit des zweiten Abends ein überzeugender Erfolg war. Schw. Selten hat das Publikum des Leipziger Kulturbundtheaters so herziieh gelacht, wie über die Aufführung des Lustspiels „Esternporalec< von Hans Sturm und Moritz Färber. Berliner Gäste mit Max Ehrlich an der Spitze, brachten uns das, mit amüsanten Zufällen voll geladene, Stückchen in der hier schon besprochenen, flotten hinreissenden Darstellung. K. St. Im Jüdischen Kulturbund Königsberg i. Pr. las Max' K Q n i q s k i Skizzen und Humoresken von Schalom Alejchem, Tunkeier, Hirsch und Speetor. Alle diese Autoren schildern ostjüdisebe Menschen und ostjüdisches Leben. Max Koninski ist gerade diesem Milieu ein ganz ausgezeichneter ' Mittler. Herzlicher Beifall eines verständnisvollen Publikums dankte ihm. L- Lds. „Auf Flügeln des Gesanges" wurden die Hörer eines gut besuchtes Konzerte? des Kulturbundes Rhein-Main in Frankfurt a, M., wie der Diehter es der Musik zuerkennt, „in eine bessere Welt entrückt." Susanne Löwenstein (Alt) zeigte sich in Arien von Händel, Mendelssohn, Meyerbeer und Maseagni wie in Liedern von Riehard Fuchs, einem zeitgenössischen Komponisten unseres greises, als Sängerin und Gestalterin hohen Grades. Das Schönste ihrer überaus, klaren und eindringlichen Vortragsart: dass sie Natur und Kunst prachtvoll vereint. Ernst Lewin-Wolff hat von Frankfurt aus seinen künstlerischen Aufstieg r ^ximme Jael B Quel Von Mas Spanier D ~ita t erhielt oeim Etzähler-Prehaus- ^nT C h -Zeaung" einen Preis. -'en i c>n löst sich in uns eine Weite ~ l< rhi boren wir deutlich den Ruf - - "e-"h ck dass wir glauben, die Stunde ueüs sei gekommen, zum Ziel na"ae wandern zu müssen. Flüchtig j. - nt-ruo'ke über reifen Feldern — . umspannt ein dunkles Ungewisse'unseren a r it lauschen und spähen wir in - > „r . <ii einmal jene Stimme zu uns " /a to]2sn wir zu unentschlossen _ c Tata Vorgana am Wüstenrand, die t £** jjiate, die irgendein Welcher ver- \ cht anschlug. W7ohl dem Kun- * t ^chen Waehen und Träumen gut -"j iden ve-mag und sich in allen Ge- :>-..=;(-->p ssmer Sendung und Stärke bewussi bi'hütten der Nacht wichen den auf- ,? W über dem Saum des Karmels, - joa» über Rollen und Schriften, str u widersprach und fragte sich pi v ar es, der Worte unendliche u. i^-en zu jenen geheimnisvollen i r-'Leis n, die sie verbargen. Kommt in fiohe . Gedanken, öffnet die en höchster Erkenntnis! Die Kühle des ••^p. Tale herauistreichenden Morgenwindes u v Lip Schläfen und die müden Augen, \°\ ]-> d e cumklen Bogen zurücklehnten, i '-m /crem und Zypressen lösten } ii]Lb°r Umarmung, die Kuppen der r>i tt n tioh den Tag begrüssend, aus 1 n d e ""Nebelzüge und lichteten die \ u jhx^nde Strasse. Aus der Stille <. n 1 lucHc-chiag — ein Ruf — mehr eine mfnsfbiiche. Stimme : . . auf ätber-!en Wogen dahintönend. Ein Jubellaut «■ Jo^ Munde, ein Schrei der Verzückung, er hätte tanzen können, jeden Menschen umarmen, voll Liebe und Dankbarkeit erfüllt. Dort . . . über dem Tal hinaus . . . über den Bergen ... bei den hohen Priestern des heiligen Tempels lag die Weisheit, des Reiches Macht und Grösse. Er musste sofort seiner Mutter seinen Willen aufsagen, da trat diese schon geängstigt, von dem Schrei und dem Lallen eines Trunkenen geweckt, zögernd über die Schwelle. „Die ganze Nacht wieder . . . Nicht eine Stunde Schlaf." „Schlaf — Mutter! Du kannst den fallenden Tropfen nicht aufhalten. Die Frucht gibt dem Boden Wert und Ehre. Dumm'und töricht gafft das Volk in das ausgetrocknete Felsengeklüfte, ein Kluger gräbt und gräbt, bis unter den Steinen neue Wasser hervorsprudeln." „Schlafe---eine Stunde wenigstens . . . Du zitterst, bist erregt.'* „Ich komme weit her . . . dort . . . über Berge und Täler. Zersprungen ist die Bedrängnis. Hinaufgeweht! Zion, dreifach gesegnetes Haus, an deinen reichen Tischen werde ich meinen Hunger stillen." „Gen Zion?" Die Mutter erschrak. Welch Unglücksbotschaft. Sie rang die Hände, ein Verhängnis abzuwenden. „Seine Lehrer allein wissen der Worte wahren Sinn und geben die Botschaft weiter. Auf den Aeckern, in den stillen Dörfern unseres Tales sitzen die Träumer an der Tenne, Bauern, um das Glück ihrer Weinberge besorgt, um die Frucht ihrer Olivenbäume — in Zion wird das Reich Davids neu erstehen." „Ein Sündenbabel ist deine heilige Stadt. Zerbrochen sind Mosis strenge Tafeln. Zu falschen Göttern steigt der Opferrauch, die Vornehmsten buhlen um der Heiden Gunst. Eine Höhle der Lasterhaftigkeit. Usija selbst, der König, eine Säule der Schande und Verderbtheit. Der Zorn des Ewigen wird über die Stadt kommen." „Nicht des Königs Gunst, nicht d*r Reichen Schmeichelworte suche ich. Ich werde aus den Feldern die Di&teln reissen, Heuchler und Beschwörer entlarven, die käufliche Richterbrut zertreten. Gerechtigkeit kann Zion erlösen. Mutter, wenn ich die Kraft und den Willen in mir verspüre, darf ich mich dem Rufe entziehen?" „Trage es. Glaube . . . Segen mit dir . . . Ach, bleibe! Ich lese Böses auf deiner Stirn." „Morgen schon, Mutter, morgen in der Frühe . . -" Eine Strasse ist voll Beschwerde, eine unend* liehe Flucht, wandert man trägen Herzens und müden Geistes, beflügeln frohe Gedanken und Erwartungen den Drängenden, schwindet die Entfernung und leicht sind Berge und Flüsse zu überqueren. Am Morgen des dritten Tages sah Joas, als er die Ebene durchschritten hatte, die Zinnen der Königsburg, das goldene Haupt einer Jungfrau gen den blauen Himmel sich recken; dankbar breitete er die Arme, die Stadt seiner heissen Wünsche zu begrüssen, den Kelch, den er an seine Lippen zog, fand keine Neige. Nicht einer Friedensstadt, einem Heerlager glichen die Strassen, bereit, zum nächsten Kampfe aufzubrechen. Sollte ein neuer Krieg gegen Assyrer oder Philister beginnen, des Krieges Schrecken und Aengste nie enden? Freude beherrschte die Menschen, ein trunkenes stolzes Gefühl, als wäre der Feind bereits geschlagen und unendlich die Beute des Sieges getürmt. Nie hatte er schönere Frauen gesehen von Wuchs und Haltung, stolz und protzig schritten sie in ihren "farbenprächtigen Gewandern, ein Duft von Balsam und Myrte umschwebte ihre Nähe, an schmalen Fingern glänzten bunte breite Steine und sie trugen ihre Hände, dass ja jedes Jüngr lings Auge ihre Kostbarkeiten gewahrte. Das Weiß ihres Halses schmückten goldene Kettchen und Amulette, und wenn sie auf ihren Sandalen dahineilten, klirrten die Schrittkettehen in lieblichen Tönen. Die Mädchen seiner Heimat waren Mägde, die schwer und mühsam in beisser Sonne in den Weinbergen und auf den Feldern arbeiteten, grob, fleissig und gottergeben, diese schritten wie Königstöchter, tändelnd, sorgenlos, lebensfroh. Joas ängstigte ein nie gekanntes Gefühl, er schalt sich knabenhaft, töricht, um der Lehr© willen war er nach Zion gekommen, nicht am an seinen schönen Frauen Gefallen zu finden. Die Lehrer waren heilige grosse Männer, die Worte aus ihrem Munde eine Verherrlichung der Grösse des Ewigen, ihm mit ganzem Herzen zu. dienen und all seine Gebote zu achten; ihr Fluch und Zorn galt den Heuchlern, den Heiden und Lästerern, denen, die sich in ihrer Macht und ihrem Reichtum überhoben. Auf der Strasse,,auf den Plätzen hörte Joas die Klange der Armen des Volkes, schwer drückte die Last der Abgaben, die immer neuen Opfer, dreister wurde die Willkür der Richter, herausfordernder die herrschenden Beamten. Wehe dem König! Erbarmt von ihrem Leid, sprach Joas tröstende Worte zu ihnen, Worte< die aus mitfühlendem Herzen kamen und in den wankenden Gemütern neue Hoffnung erwecken sollten. „Seht ~r die Sonne wendet sich. Wandelbar ist das menschliche Geschick. Die Wüste gab "Wasser und die Schleuder eines Hirtenjungen war es, die Goliath niederstreckte. Immer erstand in tiefster Bedrängnis ein Gideon, der das Unheil abwendete, die niedergedrückten Garben richten sich wieder auf, so wird das Reich in neuer Herrlichkeit erstehen/' Täglich'kamen neue Männer und Frauen, Handwerker und Bauern, zu ihm, um von des Redners jungen Lippen die gläubige Botschaft zu hören, sich daran zu stärken und aufzurichten. Wenn sich die Abendschatten auf die Mauern niedersenkten, schritt Joas in dem einhüllenden Grau den Gärten zu, den einsamen Feldern entgegen, um über Gelerntes nachzudenken, dunkle Gedanken zur Klarheit zu führen. Das war die Stunde seiner Selbst, nah allen Menschen und der göttlichen Liebe. Gesang störte eines Abends seine feierliehe Stille, die Himmelsräurne schienen von wundervollen Tönen erfüllt zu sein, aus den vier Winden zusammenzuströmen, um sich zu einem höheren Gipfel aufzuschwingen. So ruft die Braut naeh dem Geliebten, besingt die Mutter das Glück ihrer Kinder, jubelt die Genesene dem Schöpfer für die Gnade. Nur ein freies stolzes Herz, eine reine Seele konnte sich in dieser Unbesebwertheit offenbaren, eine Stimme berufen, den Ruhm des kömglicfeen Sängers David weiier-

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