Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 21 (26.5.1938)
- Date
- 1938-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 C.-V.-Zeifü,ng Nr-21* 26.Mall938 Lehrer wertvolle pädagogische und methodische Anregungen für seine tägliche Arbeit in der Schule. Die Fragen der Judentumskunde und .der Auswanderungspädagogik standen im Mittelpunkt des Interesses. Zahlreiche Rundbriefe jüdischen und allgemeinen Inhalts förderten die tägliche Kleinarbeit Gleiches gilt von den Lehrmaterialien, darunter Leseheften für die jüdischen Schüler, dem Lesebuch für das fünfte und sechste Schuljahr und den von der Schulabteilung der Reichsvertretung geschaffenen und amtlich anerkannten „Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für jüdische Volksschulen". Viele Wünsche konnten noch nicht erfüllt werden. Manches bedarf noch der Verbesserung und Veränderung. Aber darauf kommt es hier nicht an. Die grosse pädagogische- Linie steht unverrückbar fest: jüdische Jugend wird in jüdischem Sinne erzogen, jüdische Lehrer und Lehrerinnen geben ihr Bestes für diese Jugend. Rund 428 000 Reichsmark betrugen die Aufwendungen in Form einmaliger und laufender Subventionen an Schulen sowie'Schülerstipendien. Und rechnet man die in den letzten fünf Jahren für Schulend Erziehungszwecke;; zur Verfügung gestellten Mittel zusammen;, so ergibt sich eine Summe von rund 2 750 000 Reichsmark. Weit grösser jedoch ist die ideelle Förderung, die die Reichsvertretung den jüdischen Lehrern und der jüdischen Jugend und damit der gesamten jüdischen Gemeinschaft in Deutschland hat angedeihen lassen. Hierfür sind wir der Reichsvertretung dankbar. Dr. Hermann Weil, Frankfurt a. M. Auslandsnachrichten Holland In Anwesenheit von Oberrabbiner S a r - louis und des Abgeordneten J. H. J. Vos sprachen im Rahmen einer Veranstaltung der?,C o ni a c t k o m m i s s i o n" am 22. Mai Rabbiner Vreden bürg von der Hooftgemeente und Rabbiner d'Ancona von der portugiesischen Gemeinde in deutscher Sprache über die historische Entwicklung der Amsterdamer Judenheit. Die Veranstaltung war ausserordentlich gut besucht, und nahm einen anregenden Verlauf. — Am 19. Mai beging die Synagoge in Teppich- Ufjlh/ ßoflfOF "0, Greifswalder Str. 13 / 533371 Reinigung l? HI J DEbASI jKunsistopferei, Entmottung.Aufbawahrun.?etc. der Jacob Obrechstraat in Amsterdam, durch einen Festgottesdienst die Feier ihres siebenjährigen Bestehens. Mitte Mai fand in Amsterdam die Jahreskonferenz des W e l't.v e r b a n d es der s.epha rdis ch en ' Gemeinden statt an der 40 Delegierte teilnahmen. Ein -wesentlicher Teil der Beratungen galt der Gründung eines Instituts für theologische Wissenschaften in Jerusalem. Bis zur Verwirklichung des Planes soll die. Ausbildung sephardiscber Rabbiner im Seminarinm „Ets Haim'4 in Amsterdam und im ..Moritefiore-College" in Ramsgate in England erfolgen. .Ferner wurden, die Hilfsmögliehkeiten für die Absiedlung von 150 Mitgliedern der Hamburger sephardischen Gemeinde in Niederländisch-Westindien besprochen. Die Konferenz war von einem Festgottesdienst, einem offiziellen Empfang und einer Ausstellung in der Bibliothek des Seminars ..Ets Haim" umrahmt.. Litauen Der Präsident des Sejm M. Sakianaias gab in einer öffentlichen Ansprache die Erklärung ab, dass die neue litauische Verfassung die Hl MaSerarfeeitesa / Eduard Glaser w Berlin NO 55, Greifswalder Strasse 88. 53 50 59. Stellung 'der nationalen "Minderheiten nicht gefänxde. „Die Tatsache, dass die Minderheiten in der neuen Verfassung nicht erwähntwerden", sagte er, „wird von manchen als ein Versuch ausgelegt, ihre Rechte zu beschränken. Das trifft nfchf zu. Die neue Verfassung erklärt offen, dass alle'"Bürger vor dem Gesetz gleich sind, dass die bürgerlichen Rechte keiner Bevöikerungsgruppe beschränkt werden, und dass der Staat in Zukunft Gewissensfreiheit schützen wird. Daraus geht klar hervor^ dass die Minderheiten die gleichen Rechte geniessen werden wie die übrige Bevölkerung." Zum erstenmal in der litauischen Geschichte fand am Grabmal des Unbekannten Soldaten ein jüdischer Gottesdienst statt, und zwar am Gedenktage der litauischen Armee. Der Feldrabbiner S n e g war von den litauischen Behörden ausdrücklich gebeten worden, einen Gottesdienst abzuhalten. Die litauische Anwaltsvereinigung bat den bekannten jüdischen Professor S. B e 1 i a t z k i n zu ihrem Präsidenten gewählt. Professor Beliatzkin, einer der erfolgreichsten litauischen Anwälte, ist der einzige jüdische Professor an der Universität 'in Kowno. Polen Wie verlautet, sollen die christlichen üarlehnskassen an ihre Mitglieder zinslose Darlehen geben, um so den Kampf gegen die jüdischen Darlehnsbanken zu stärken. Die Vereinigung der rechtsgerichteten Studenten hat ihren Kampf gegen die jüdischen Studenten wieder aufgenommen und verlangt nunmehr, nachdem durch die Einführung der Ghettobänke der erste Teil ihrer Forderungen erfüllt wurde, den numerus nullus. Die Führung in dieser Kampagne hat die Wilnaer Studentenschaft übernommen. Die Vereinigung der polnischen H and 1 e r hat im Handelsministerium eine Denkschrift überreicht, in der sie die Einrichtung von Ghettomärkten und Ghettomessen fordert. Eine solche Massnahme, so wird dort ausgeführt, trage zur Beruhigung der Bevölkerung und zur Verhütung von"Zwischenfällen bei. Das Memorandum wurde vom Ministerium an den Ausschuss für auswärtigen Handel weitergegeben, dem auch ein Gesuch auf Vereinigung der Exportgesellschaften für Eier, Geflügel und Federn vorlag. Die Forderungen wurden als den wirtschaftlichen Interessen Polens scbädlich zurückgewiesen. Der Stadtrat von Tomaszow-Lubelski bat beschlossen,. den Markt an die Union christlicher Kaufleute zu verpachten, so dass die jüdischen Händler gezwungen sind, an anderer Stelle ihre Stände aufzuschlagen. In Miedzyr&ecbat die Stadtverwaltung die Umbenennung jener Strassen beschlossen, die nacb; den. jüdischen Schriftstellern Jakob L. Perez und Schalom Asch und nach dem jüdischen Sozialarbeiter Adler benannt waren. In den Städten Slonim und Orla kam es zu G r o s s f e u e r n, durch die zahlreiche Gebäude, darunter auch viele, die'Juden gehörten, zerstört wurden. Der jüdische Industrielle M. Abraham G e p - ner, der Vorsitzende des jüdischen kaufmännischen Verbandes, wurde wegen seiner sozialen Verdienste von der polnischen Regierung mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet. Rumänen Zum Gene raikomm issar für die Minderbeiteu ernannte König Carol Ministerialoberdirektor Pacliseanu. Südafrika Bei den Wahlen am 18. Mai erhielten sechs jüdische Abgeordnete Sitze im Parlament. Fünf der Gewählten gehören der „UnitedParty", der Regierungspartei, einer der oppositionellen ..Dominion-Party" an. Als erste jüdische Frau gelangt Bertha Solomon ins Parlament. Die Namen der übrigen Abgeordneten sind: Morris Alexander "(Kapstadt), Alfred Frie.dlaender (Wynberg), Morris Kentridge (Troyville), Henry Gluck man (Yeoville) und für die Dominion Party Abraham Goldberg (Durban). Insgesamt errangen die United Party III (zuvor 117), die National Party 27 (21), die Dominion Party 8 (5), die Labour Party o (4), die Sozialists 1(1) Sitze. Die Malanbewegung hat ihre Erfolge hauptsächlich auf dem Lande zu verzeichnen. "Die Regierung Hertzog—Smuts, deren Anhänger sich 1938 zur^United Party zusammenschlössen, ist damit auf weitere fünf Jahre in ihrem Amt bestätigt worden. nführung der Nürnberger Rassengesetze in Oesterreich Durch Verordnung vom 20. Mai 1938 (RGBl. I S. 504) erhalten die wichtigsten Vorschriften der Nürnberger Rassengesetze nunmehr auch in. Oesterreich Geltung." Das Reichsbürgergeseiz tritt mit der Massgabe in Kraft, dass. das ■ Ausscheiden der Juden -aus-', den' öffentlichen Aemtern besonders ge- Ju weis er Lipowefzki Ank. G.Nr. 11/48 54] Friedrichstrasse 193a, Ecke leipziger Strasse regelt werden soll. Für die Begriffe „Jude" und' „Mischling" gelten die Bestimmungen des Reichsbürgergesetzes. Juden sind demnach alle Voll- und Dreivierteljuden, sowie solche Halbjuden,. die beim Erlass des Reichsbürgergesetzes am 16. September 1935 — dieser Stichtag gilt nach der Verordnung auch für Oesterreich — oder später der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörten bzw. beitraten oder mit einem Judenverheiratet waren bzw. die Ehe schliessen.-. Das- Blut Schutzgesetz tritt, soweit es die Ehe.- Schliessung und den ausser ehelichen Verkehr be- @ Ädüfph §Ci@!ü Bauausführungen jeder Art 0 17, Hohenlohestrasse 17. Telephon: 58 84 17. trifft, sofort, soweit es die Beschäftigung von deutschblütigen Hausangestellten zum Gegenstand hat, am 1. August 1938'in Kraft. Hausangestellte, die am 16. Se ptember 1935 in einem jüdischen Haushalt beschäftigt waren, können in diesem Haushalt in ihrem "bisherigen Arbeitsverhältnis bleiben, wenn sie bis" zum 31. Dezember. 1935 das 35. Lebensjahr vollendet hatten. Die Verordnung enthält ferner einzelne Ve*- fahrensvorscbriften. Das Scheidungsrecht der österreichischen ReichsangehÖrigeii Auf Juden österreichischer . Staatsangehörigkeit findet das konfessionell geregelte Österreichische Scheidungsrecht noch Anwendung. Für Juden gibt es "in Anlehnungan das jüdische Recht nur zwei Arten der Ehescheidung: die einverständliche und die nicht einverständliche. Letztere steht nur dem Manne zu, und zwar nur bei Ehebruch der Frau, während der Frau ein Scheidungsrecht überhaupt nicht zusteht. Stösst demnach die Scheidung hier lebender Oesterreicher oft auf Schwierigkeiten, da Scheidungsgründe nach zwei Recbtsordnungen vorliegen müssen, so ist doch das. bisherige Haupthindernis der fehlenden Gerichtsbarkeit jetzt beseitigt. . Staatenlose, die früher Oesterreicber waren, w-erden jedoch, nach dem neuen Gesetz vom 12. April 1938, nur nach deutschem Recht, nicht mehr nach österreichischem Recht geschieden. Für sie war ohnedies schon immer die Zuständigkeit der deutschen Gerichte gegeben. Justizrat Jakob Lissner, Berlin. Die Israelitische Kultusgemeinde in Wien, deren Amtsdirektor Dr. Josef Löwenherz und deren Oberrabbiner Dr. I. Ta g Ii ch t ist, erlässt einen Aufruf, in welchem sie zu Einheit und Gottvertrauen aufruft. Jüdisches Mitgefühl und Opferbereitschaft, so heisst es, müssen zur Stelle sein, um Leid zu lindern, Verzweiflung zu beschwichtigen und Lebenswillen zu wecken. Die Wanderung müsse von. der Gemeinde vorbereitet und geordnet werden, damit keine Kräfte zersplittert würden: Inzwischen ist bei der Kultusgemeinde eine. -zentrale Auswanderungsabteilung eröffnet worden, von der bis zur Mitte des Monats etwa 40 000 Fragebogen ausgegeben wurden. 20000 Bogen wurden inzwischen, beantwortet Und ihre Angaben .re^ gistrdert. Ausserdem hat das Palästinaamt in Wien seine Arbeiten begonnen. Dort wurden bis zum 17. .Mai 2351 Bogen eingereicht,- die einen Kreis von 4925 Personen' umfassen. Hinzu kommen noch etwa 1200 Anmeldungen für die. Jugeadalija. .Die Zahl der in den letzten zwei ..Monaten aus Wien ausgewanderten Juden wird auf etwa 2000 geschätzt. Das Chajes-Realgymnasium und die Jüdische Völks^hTile- 'häberi' einen erheblichen Zuwächs ' an S ch ü l e r n aufzuweisen, da der Stadischulrat für Wien eine Anordnung erlassen hat, wonach' die jüdischen Schüler an " den Volks-, Haupt- und 'Fortbildungsschulen von 'den- 'arischen Schülern abzusondern und in eigenen " Schulen zusammenzufassen sind. Soweit die davon' betroffenen jüdischen Schüler, deren Zahl man auf 5000 schätzt, noch kein Unterkommen in den vorhandenen jüdischen Schulen, finden können, sind sie zu besonderen Klassen, an den folgenden, staatlichen Schulen zusammengefasst worden: in den Gymnasien in der Zirkusgass* und der Vasagasse; in den Realgymnasien in der Kleinen Sperlgasse, Unterberggasse und Albertgasse; in den Realschulen in der Schottenbästei und in der Radetzkysirasse. srasf. in Wörtern wie mater gleich Mutter, pater gleich Vater, ager gleich Acker, habeo gleich habe, edo gleich esse, sedeo gleich sitze., tego gleich decke, oder entlehnt wie Esel von asinus. Sicher empfand ich, unbewusst zum mindesten, die für mein Gedächtnisangenehme- Aehnlichkeit.r aber auch soweit sie schon in mein Bewusstsem trat, bedeutete sie mir nur ein Küriösum, nicht viel anders als ein zufälliger Anklang, wie bei puella gleich Mädchen der an den Namen des Mädchens Ella, meiner Schwester. Die Kleine missverstand es übrigens, wrenn ich wieder und wieder memorierte: „puella, das Mädchen", sie nahm es als Schimpi und rächte sich mit einem: „Pub., Hugo, der Knabe!" Erstaunlich ist es nicht, dass erst allmählich, durch Schulung, der Blick erworben wird für Ähnlichkeiten, verwandter Wörter aus verschiedenen Sprachen; denn bei verwandten Wörtern innerhalb der eigenen Sprache steht es.nicht besser — ein Beleg dafür, dass man die Muttersprache nicht schon, weil man sie praktisch voll .beherrscht, auch geistig durchschaut. Wie viele mögen sich bewusst sein, dass beispielsweise —- um nur ein paar im vorigen Satz gebrauchte Wörter heranzuziehen — „für" und „vor" nahe verwandt sind, aber auch „völlig" (also „voll") mit „füllen" und weiterhin mit „viel", und endlich „Blick" mit „Blitz1'', .-blecken'* und „blaken": das ergibt jedes etymologische Wörterbuch.- Sich solcher Wortzusammenhange, innerhalb der eigenen Sprache, oder innerhalb von fremden Sprachen, bewusst zu sein, braucht keinen un-, mittelbaren Nutzen zu bringen; vielfach bringt es ihn sogar, in fremden Sprachen namentlich, indem 63 ein Wort in seiner genaueren Bedeutung anwenden lehrt. Aber alle- Erkenntnis trägt vor allem ihren Wert in sich, ist Ausweitung, Vertiefung, Klärung. Hier bedeutet das: Abstand gewinnen von der blossen- Wortoberfläche. Die meisten Menschen kennen bei jedem Wort nur eine verflachte, verwaschene Gegenwartsbedeutung, oder ein paar solcher Bedeutungen. Man braucht nur irgendein zu-, sammengesefztes Wort zu zerlegen " und seine' übliche Bedeutung mit der seiner Teile zu 'vergleichen, 'vorzugsweise des Stammteils,. .ürn das. Kompositum! auf einmal neu .zu. .sehen, wie;von. Staub gereinigt,". .. und .damit.' . anschaulicher, plastischer (Ver-härrg-nis.. \ Zer- - knirsch-ime. Be-griff, Ein-bild-ung usw.). Dif Prägung eines'.Stammes nachzugehen, bedeutet noch mehr. Mag man verwandte Stammwörter — der gleichen Sprache oder anderer Sprachen —" heranziehen, in die Geschichte des Wortes eindringen, oder was auch immer,- wichtig ist 'nur, nkht. stehenzubleiben; denn das Wort ist im Fluss,. seine. Laute wandeln sich, und seine Bedeutungen ändern sich. Am Ende vieler einzelner Besinnungen erhebt sich darum immer wieder die grosse Frage: Wie kommt dies Wort, diese bestimmte Lautfolge, zu dieser Bedeutung? Zu solchen . und ähnlichen Fragestellungen mögen viele gelangt sein, die (wie der Verfasser) als gereifte Menschen — und eigentlich nur in zweckhafter Absicht — wieder Sprachen treiben. Naiver Auffassung der Sprache liegt das fern; nur die Reflexion führt schliesslich bis zu solchen sprachlich letzten Fragen. Sie zu stellen, zwingt den Lernenden kein äusseres, nur noch ein inneres Bedürfnis. Er weiss, dass es ein hoffnungsloses Beginnen wäre, zeitlich rückwärts immer weiter grabend bis zum Ursprung jedes WTortes gelangen zu wollen; die Etymologie zeigt als letztes immer nur die Wortform und -bedeutung irgendeiner zeitlich früher liegenden Sprachstufe (wie Sanskrit), nicht die Geburt. Die Entstehung und Entwicklung des Wortes verstehen lehrt,- manchmal sogar überzeugend, die psychologische Sprachwissenscbäft, lehrt auch ein geistvoller; Aussenseiter, der Jude Fritz Mauthner. Aber sie verhelfen nur zu einer allgemeinen Einsicht; der Schüler, der nach dem Ursprung eines bestimmten Wortes fragt, steht vor verschlossenen Toren. Dabei hätte der Verfasser sich bescheide.'i müssen, wäre ihm nicht (ein für ihn nicht hoch genug zu schätzender Glückszufall! — doch, was ist Zufall?) als Lehrer des - Hebräischen der geniebafte, ja man darf sagen geniale Forscher begegnet und nahe gekommen, der mit weiterer Hilfe, namentlich der Physiologie, den Schlüssel, die Methode, gefunden hat — Zweifler würden sagen: zu besitzen glaubt — unmittelbar vom einzelnen Wort oder genauer Wortstamm jeder ihm bekannten Sprache aus dessen Ursprung zu erschliessen — ein Schlüssel, mit dessenfeinerer und feinster Ausarbeitung er nach'jahrzehntelangen Vorarbeiten noch immer beschäftigt ist, und ein Schlüssel natürlich, dessen Handhabung erlernt sein will, wie eine schwere Sjorache. Dies alles aber, wovon die beiden Schlussabsäize handeln, geht über den Rahmen dieses Aufsatzes bereits hinaus. Ein andermal soll davon die Rede sein. Jubiläum der Jewish Publication Society 50 Jahre Dienst am Buche In Deutschland rief 1854 Ludwig Philipps o n, der ständige Anreger auf allen Gebieten jüdischen geistigen Lebens, das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" ins Leben, das zeitweise 4.000 Mitglieder in aller Herren Länder zählte. Als das Institut sich nach 'sechzehnjährigem Bestehen auflöste — nicht aus sachlichen Gründen, sondern wegen persönlicher Eifersüchteleien und Schwierigkeiten — hatte es gewiss nicht alle seine weitreichenden Pläne, zu denen auch die Herausgabe einer „Reale ncyclopädie des gesamten Judentums" gehörte, verwirklicht, aber es bleibt ein dauerndes Verdienst Philippsons und seiner Vereinigung, die Herausgabe der ersten sieben Bände der Grätz'schen Geschichte ermöglicht zu haben. Fast zur gleichen Zeit wie Philippson in Deutschland bemühten sich — im Zusammenhange mit der Reformbewegung — führende Männer in Amerika um die Gründung einer Gesellschaft zur Veröffentlichung und Verbreitung jüdischer Werke. Aber erst nach wiederholten, missglückten Versuchen gelang es der Begeiste-. rang, der Energie und dem organisatorischen' Geschick von Dr. Samuel K ra u sk op f, Rabbiner an-der Reformgemeinde Kenesetb Israel in Philadelphia, die „Jewish Publieaiion Society of America" ins Leben zu rufen. Als Krauskopf Chanukka 1SS7 seine erste „Sonntagspredigt" in Philadelphia über „Die Forderung der Zeit^bielt, müsste er feststellen, wie wenig verbreitet das jüdische Buch noch in Amerika wäre und dass es eine dringende Aufgabe der Gemeinden wäre, durch eine grosszügige. Arbeit dieser, tatsächlichen „geistigen Not4' Abhilfe zu schaffen. Das Jüdische Buch müsste, so erklärte Krauskopf, durch einen billigen Preis verbreitet werden, „um so der Welt um uns einen wahren Einblick in das -Wesen- und" die-•'Lehre' des Judentums, in den wirklichen Charakter, des-Juden und der wunderbaren Geschichte der Juden zu geben; aber auch um Tausender. :Und Zehntausenden unserer Glaubensgenossen dieses Wissen* zu bringen, die zerstreut über das weite Land in . den kleinen Landgemeinden wohnen und deren Kinder durch Unkenntnis Gefahr laufen, dem Judentum entfremdet zu werden.'! An der Gründung der „Jewish Publieaiion Society", deren Sitz in Philadelphia war und bis beute geblieben ist, beteiligten sieb am 8, Juni 1888 neben den Gemeinden und den jüdischen Männern der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens ganz besonders die jüdische Jugend (The Young Mens Hebrew Association). In den seit der Gründung verflossenen 50 Jahren, hat sich die _ „Society" zu einer Organisation von internationalem wissenschaftlichen Ansehen entwickelt. 175 Werke aus allen Gebieten jüdischer Wissenschaft und jüdischer Kultur wurden'von ihr herausgegeben und über 2% Millionen Bücher wurden durch sie verbreitet. Sie ist es gewesen, die Gr ätz' universelles Gescbichtswerk in amerikanischer Sprache herausgab und 17 5 0 0 0 Bibeln (in 12 Auflagen) zur Verteilung brachte.. Aus der Fülle der Werke, für deren Veröffentlichung in Amerika die Gesellschaft sorgte, seien hier nur genannt: die „Schiff-Bibliothek jüdischer Klassiker", die Serie der Geschichte grosser jüdischer Gemeinden, Louis Ginzb ergs „Legenden der Juden" und die Werke Israel Zangwills, der dadurch erst dem amerikanischen Publikum nahegebracht -wurde. Als ganz besonders wertvolle Leistung muss aber noch das amerikanische Jüdische Jahrbuch (The American Jewish Jear Book) erwähnt werden, das nunmehr in 39 Bänden vorliegt und mit seinen. Beiträgen stets eine reiche Fundgrube des Wissens für den Gelehrten, den Publizisten und den am gesamtjüdischen Leben innerlich teilnehmenden Laien sein wird. Wenn heute die Jewish Publiication Society of America auf 50 Jahre segensreich er. Arbeit im Interesse des jüdischen Kultur- und Geisteslebens zurückblickt, so dürfen ihre leitenden . Männer dankbarer Anerkennung für diese Leistung überall in der Welt gewiss: sein. Dr.. Emst Fraenkel,