Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 21 (26.5.1938)
- Date
- 1938-05-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 2' C.-V.-Zeifung Nr\21 * 26.Mai 1938 dem Machtzentnim der australischen Demokratie — ihre eigenen Parlamente beibehalten habe^i, den Willen der Birndesmitgliecier, einen Restposten an einzelstaatlichem Separatismus vor dem Zugriff der Unitarisierancr zu bewahren. So sind noch auf der Konferenz, die im Februar 1934 zur Beratung des Ausbaues der Bundesverfassung stattfand, seitens der Einzelstaaten föderalistische Tendenzen hervorgetreten. & FrivaMItaesonii feilscii Inhaber: E?nsf üerscfiilia! Merburger Straße 5 Ecke Augsburger Straße j Telefon: 24 37 51 3 Min. von der Tauentziensfr. - geszeifungoR / Gedecke: RM 0.80, 1.—, 1.20 Und noch vor einigen Jahren hat Westaustralien, über die industrielle Entwicklung des Ostens verstimmt, einen Austritt aus dem Staatenbund erwogen. Sind daher in der "nationalen Einheitsfront des Erdteils zur Zeit noch einige Rissezu bemerken, die sieh aus der mangelnden Verbindung, Weiträuniigkeix und Andersartigkeit der Gliedstaaten erklären lassen, sobesteht doch in einem wesentlichen Punkte zwischen ihnen volle Uebereinstimmung. Der Australische Bund ist peinlich darauf bedacht, seine Rechtsstellung im Gefüge des Britischen Weltreichs zu wahren. Der elastische Charakter der britischen Reichsverfassung erleichtert diese Absicht. Man hat neuerdings ebenso geist- Waldemar Sfrauss Jüdische Fabrikationsstätte chirurgischer Instrumente Berlin SW 68, Rftterstrasss 52 Aerzfl. Einrichtungen, spez. cxpore riiner Bezitksverfreter Dr. Weinberg, Schmargendorf, Krarnpcspiafz 2 reich wie richtig von den vereinigten Republiken des britischen Königs gesprochen. Unter diesen „Republiken" befindet sich neben Irland, Kanada, Neufundland, Südafrika und dem benachbarten Neuseeland auch Australien, das als Dominion des Empires keine Abgaben an das Mutierland zu entrichten hat und auf militärischem, finanziellem und legislatorischem Gebiete volle Autonomie besitzt. Denn der vom britischen König eingesetzte Generalgouverneur spielt eigentlich nur eine dekorative Rolle. Und als 1930 eine Neubesetzung dieses Postens, der den Zusammenhang mit dem Empire dokumentieren soll, fällig wurde, fiel die Wahl des Königs nicht ohne Grund zum erstenmal auf einen gebürtigten Australier. (Es ist Sir I's aac s gewesen, einer der angesehenen Mahner der australischen Judenheit.) Die Autonom!ebewregung der Dominions, mithin auch Australiens, hat vorläufig in dem Statute o f W e s t m i n s t e r vom 11^ "Dezember 1931. das eine vollständige Gleichstellung der Glieder der freien Vereinigung des British Commonwealth of Nations vorsieht, ihren Höhepunkt erreicht. Aber man darf in diesem Zug zur Eigenstaatlichkeit nicht eine Lockerung des britischen . Reichsgefüges erblicken. Wenigstens für "Australien trifft eher das Gegenteil zu. Gerade die United Australia Party, diejenige politische Partei, die zusammen mit der United Country Party, der Partei Fofo, Rclieiffex, Contax, Gelegenheitskäufe Wolff u. Leonhard? (gegr. 1906) Berlln-Wi! mersdorf, Berliner Str. 129, Telef. 86 2944 vorwiegend agrarischer Interessen, gegenwärtig die Regierungsmacht in Händen hat, zählt "die Pflege des Zusammenhaltes mit dem Empire zu ihren wresentlichen Programmpunkten. Und auch außenpolitische Erwägungen stärken, wie wir noch des weiteren "sehen werden, für Australien die Zugehörigkeit zum Empire. Jeder Zweifel an jenem Verbundenheitsgefühl musste verstummen, als der Australische Bund im Weitkriege dem Mutterland eine beträchtliche Waffenhilfe leistete. (Es ist weithin bekannt, dass der Abkömmling einer aus Deutschland eingewanderten jüdischen Familie, Sir John M o n ash, in der Entscheidungsschlacht an der Westfront 1918 die australischen Truppen befehligt hat.) Schon vorher hatte Australien den militärischen Interessen des Empire entsprochen. 1911 beschloss es jenes Wehrgesetz, das nicht nur die Organisation des Landheeres, sondern auch den Bau einer eigenen Flotte mit den erforderlichen Mitteln, versah. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, nachdem sie zweimal durch eine Volksabstimmung abgelehnt worden war. Trotz heftigen Widerstandes — es kam deshalb zu einer Spaltung der Arbeiterpartei — beschloss man, die Einsetzung der australischen Truppen auch für überseeische ZwTecke, mithin auch in Europa, zu gestatten. So dient Australiens Wehrpolitik neben dem Interesse der eigenen Landesverteidigung dem Gesamtinteresse des Empire. Aber innenpolitisch geht das Dominion beharrlich seinen eigenen Weg. Es ist im Gegensatz zum Mutterland — wenigstens wie es früher war — das Land einer wahrhaft klassischen Sozialpolitik. Auf dem Felde der sozialen Fürsorge ist Australien vielen anderen Kulturvölkern vorangegangen und hat für manche europäische Staaten, und namentlich für USA., ein Vorbild geschaffen. Sogar die wirtschaftspolitischen Interessen wrerden der Sozialpolitik untergeordnet. So umgab der Zolltarif von 1907 den. Erdteil mit einer Mauer hoher Schutzzölle, nicht etwa nur, um die aufkeimende einheimische Industrie zu schützen, sondern auch um sie instand zu setzen, höhere Löhne an ihre Arbeiter zu zahlen. Nur dem Mutterlande wurden Vorzugszölle eingeräumt. Ein Jahr später kam das grosse soziale Werk einer umfassenden Altersfürsorge zustande. Keiner Regierung dürfte es einfallen, an der Arbeitsdauer, den Mindestlöhnen und an der Schiedsgerichtsbarkeit bei Arbeitskonflikten irgendwie zu rütteln. Doch wenn auch die" Sozialversicherung wreiter ausgebaut wGrden ist, so gab es doch, als die Weltwirtschaftskrise 1930—1932 auch in Australien eine bis dahin völlig unbekannte Notstandslage schuf, nur in dem Bundesstaat Queensland eine gesetzliche Arbeitslosenversicherung, währendin den übrigen Gliedstaaten des Bundes, bloss eine Arbeitslosenunterstützung unverbindlich gewährt wurde. Es bleibt also noch mancherlei auf diesem Gebiete zu tun übrig. Australien geniesst den nicht hoch genug zu schätzenden. Vorteil, gesellschaftlich ein-j u n g e s -L and zu sein. Deshalb ist es im wesentlichen von der Belastung verschont geblieben, der das gesellschaftliche Gefüge so vieler ausseraustralischer Länder, besonders des britischen Mutterlandes und wiederum in USA-, in steigendem Masse krisenempiindlich gemacht hat. Der die Beziehung der Menschen untereinander so sehr vergiftende Gegensatz zwischen besitzenden und besitzlosen Schichten der Bevölkerung, ist in Australien nur in erheblich gemilderter Form anzutreffen. Während in anderen Ländern des Erdballs das Gespenst der Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Not die Bevölkerung bedroht, erfreut sich Australien, nachdem die Wunden, die die Wirtschaftskrise schlug, allmählich zu vernarben beginnen, wiederum eines Wohlstandes, der sämtlichen Schichten der Bevölkerung, natürlich in Abstufungen, zugute kommt Deshalb zeigt der Australier, soweit solche verallgemeinernden Feststellungen erlaubt sind, mit Recht eine optimistische Grundhaltung. Das gegenwärtige australische Leben ist — nach der freilich schmerzhaften Stimmungsunterbrechung durch die wirtschaftliche Krise — von den Impulsen der Kraft und Lebensbejahung erfüllt. Geht man durch die grossen Städte, so wird man das Fehlen jener grauen Elendsviertel, in denen anderswo die armen Leute licht- und freudlos hausen, mit erleichtertem Aufatmen feststellen. Mit ihren, grossartigen Anlagen, vorbildlichen sozialen und hygienischen Einrichtungen und ihrer peinlichen Sauberkeit bieten die Grossstädte des Landes ein Bild des Aufstiegs und einer vollkommenen Zivilisation. Freilich ist es auf der anderen Seite für Australien in einer Beziehung nachteilig, ein, wie wir sagten, gesellschaftlich noch junges Land zusein. Der australische Weisse lebt zwar heute recht glücklich, fleissig geht er seinem Geschäfte nachher lebt-zumeist im eigenen Hause und weiss, da er für eine gehobene Lebenshaltung schwärmt, den Wert des Geldes zu schätzen. Aber seine kulturellen Ansprüche sind, im Vergleich mit europäischen Massstäben, nicht allzu hoch. Nicht als ob wir damit Asphi iSltieruügen _ Kurfürstendamm 48 49 Pfl&stertsngea, Bürgersteigre. — Telephon: 92 4756 sagen wollten, dass das Bildungswesen seines Landes nicht allen berechtigten Anforderungen entspreche. Die australische Presse funktioniert genau so smart wie die eines anderen modernen Kulturvolks. Die Schulen, sowohl die höheren wie die Volksschulen, sind für die Pflege einer allgemeinen praktischen Bildung "hervorragend geeignet Jeder Gliedstaat des Bundes besitzt in seiner Hauptstadt eine eigene Universität oder wenigstens sind in Brisbane, Perth und Hobart solche im Aufbau begriffen. Aber das, was dem heutigen Australien fehlt und begreiflicherweise fehlen muss, Judischer Central- Verein Ortsverband Mannheim : Vortragsabend 2. Juni, 20 Uhr 30, Grosser Saal Q 2, 16 Pr. Ä?fred Herschberg Unser Piafz in der jüdischen Arbeit ist die ruhmreiche geistige Tradition des Abendlandes, das verfeinerte Seelentum des europäischen Menschen. Jedoch gerade hier enthält die kulturelle Jugend des modernen Australien einen Wechsel auf die Zukunft. Warum sollte es unfähig sein, sobald es erst einmal in die Jahre oder vielmehr Jahrhunderte gekommen 'ist, eine eigenständige Kultur, der europäischen und entstehenden nordamerikanischen vergleichbar, zu entwickein? Schon sind verheißungsvolle Ansätze zu einer autochthonen australischen Literatur vorhanden, die sich, von literarischen Mustern des Mutterlandes zunächst beeinflusst, bemüht, das Eigene der australischen Natur und ihrer Menschen auszudrücken. Australien wird mit der Zeit zu einem eigenen kulturellen Stil gelangen. Dr. Fritz Friedlaender. (Em weiterer Aufsatz folgt.) Vorbereitungen für Evian Die amerikanische Regierung wird auf der am 8. Juli beginnenden Konferenz, an der nach Auskunft des englischen Staatssekretärs Butler nunmehr über 30 Staaten teilnehmen werden, durch Myron Taylor vertreten sein, dem als Assistenten Robert Peil und George Brandt beigegeben werden. Den Vorsitz wird James Macdonald (nicht mit dem englischen Kolonialminister Malcolm Macdonald zu verwechseln) führen. Die amerikanische Kommission hat am 16. Mai ihre erste Besprechung in Washington abgehalten. Mit welchem Interesse man dieser Konferenz entgegensieht, war aus verschiedenen Anfragen zu erkennen, die in den letzten Tagen im englischen Unterhaus gestellt wurden. Geoifry M a n d e r wollte wissen, welche Länder der Einladung Roosevelts gefolgt seien, welche sie abgelehnt hätten, wann und wo die Konteren».. tagen werde, und in welcher Form die Zusammenarbeit mit dem Völkerbund sich vollziehen werde. Sir Arnold W i 1s o n richtete die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Tatsache, dass nach der Liquidation des Nansen- Amtes und des Büros des Hochkommissars für die Flüchtlinge aus Deutschland Ende des Jahres 600 000 Personen ohne eins internationale Vertretung sein würden. Er wollte wissen, ob der Premierminister bereit sei, dem Völkerbund den Vorschlag zu unterbreiten, die Auflösung dieser Institutionen um weitere zwölf Monate zu verschieben. Die Abgeordnete Miss Rathbon e interessierte sich dafür, ob die britische Regierung ihre Politik gegenüber den Flüchtlingen und im Hinblick auf die Evian- Konferenz bereits festgelegt habe. Der Abgeordnete Sbinewell betonte die ernste Natur des Problems der politischen Flüchtlinge und erbat Auskunft darüber, welche Vorschläge die britische Regierung der Tagung in Evian unterbreiten werde. Alle diese Anfragen wurden in Vertretung Lord Halifax' von Unterstaatssekretär Butler beantwortet. Er erklärte, dass ihm eine vollständige Liste der Staaten, die der Einladung nach Evian Folge leisten oder sie ablehnen würden, nicht vorläge. Das Verhältnis der Arbeit des Komitees von Evian zu der Tätigkeit des Völkerbundes werde zweifellos schon auf der ersten Sitzung behandelt werden. . Was die Frage der Liquidierung des Nansen-Amtes und der damit zusammenhängenden Probleme betreffe, so habe der Völkerbundsrat seinem Generalsekretär den Auftrag erteilt, derVölkerbundsversammlung im September nach Beratungen mit dem Präsidenten des Nansen- Amtes und dem Flüchtlingskommissar einen detaillierten Plan vorzulegen, über den die Versammlung entscheiden werde. Die Vorschläge, die dieser Plan enthalten werde, würden, soweit er das heute schon übersehen könne, die Unterstützung der englischen Regierung finden. In welcher Form sie sich an der Konferenz selbst beteiligen und wer sie dort vertreten werde, würde z. Zt. noch erwogen. - In London hat sich ein sogenanntes „Coordinating Commiitee" für Flüchtlinge gebildet, in dem über 20 jüdische und nichtjüdische Organisationen vertreten sind, darunter der Joint,. der Council for German Jewry, die Jewish Agency, die Agudas Jisroel und die Flüchtlingskomittees Uhren &gßBE&? SC&TZ <3o!dwa?en Ankauf G.B.H. 48548. W.30, Barbarossastr. t4. Tgl. 262182 in Frankreich und*Holland. Unter dem Vorsitz von Professor Norman Bentwich fand dieser Tage im Innenministerium in London -eine Besprechung über die vorbereitenden Arbeiten, de» Komitees statt Der Council for German Jewry gab ein Frühstück zu Ehren der Delegierten» an dem u. a. Sir Neill Malcohn, der Erzbischof von Canterbury, ein Vertreter des Erzbischof« von iWestminster und des Innenirmusterraias sowie Chiefrabbi Hertz teilnahmen. In der Unterhausaussprache am 23, Mai war das Coordinating Committee Gegenstand ein«r Anfrage der Abgeordneten Mrs. Rathbone. Ihr erwiderte Ministerpräsident Chamberlain. "Er verwies auf die Eridärung, die Sir ©Alimann & Gerson 'gSS&Sä ' Berlin-Weissensee, Lothilngenstr. 23' 56 31 54. Samuel Hoare am 23. März im Unterhaus zu der Flüehtlingsfrage abgegeben hat und betonte, dass die Regierung sowohl die Arbeiten des Coordinating Committee als auch der Evian-Konferenz begrüsse und unterstützen werde. Anregungen müssten jedoch von diesen Stellen ausgehen. Er glaube nicht, dass in diesem Augenblick von Seiten der Regierung Vorschläge zu machen seien. Rabbinerkonfereoz in Stockholm Die diesjährige Rabbinerkonierenz der nordischen Staaten Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden findet nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, in Helsingfors, sondern in Stockholm statt, weil sie an Ort und Stelle prüfen will, wieweit das im Juli in Schweden in Kraft tretende Schächtgesetz mit den Religionsvorschriften in Uebereinstimmung gebracht werden kann. Weitere Nachrichten vom Tage siehe Seite 4 Geschäftliches (ausser"Verantwortung der Redaktion) Der heutigen Auflage liegt eine Sommer-Modenbeüage der Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F. V. Grilnfeld, Berlin W. Leipziger Strasse 20/22,. Kurfürstendamm 227 und.Köln, Hone Strasse 77/79, bei. Chefredakteur: Dr. Alfred Herschberg Stellvertretender Chefredakteur: Dr. Ernst G. Löwent h a 1. Verantwortlich für die Aufnahme von Bildern -und für Sport: Dr. Ernst G. Löwenthal, für Feuilleton: Hans Oppenheimer. Sämtlich in Berlin. ' Für Rücksendung unverlangter Einsendungen ist Freiumsciiiag beizufügen. Leiter der Anzeigen-Abt eilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Friedrich Nathan, Berlin. DA. 1 Vi. 37 715. PI. 6. Verlag: Jüdischer: Centrai-Verein'e. V., Berlin W 15. Emser Sir." 42 DruoKder Buchu. Tiefdruck Gesellschaft mbH.. Berlin SWR*. AUSRÜSTUNG FÜR PALÄSTINA und ÜBERSEE Bekieidiing, Hansrat und Eiorichtuiigsgegenstäede Tropen- Kühlschränke ca. 85 und 115 ^r Inhalt, Vorführung in der Wirtschaftswaren- Abteilung im II. Stock Verlangen Sie die für den XJberseedienst besonders geschulten Verkaufskräfte. Schriftliche Anfragen an die Übersee-Abteilung. Telefon. Verabredung 52 00 ü Mottensichere Tropensdiräiske sowie verchromte Bettstellen, elektr. Geräte a. viele Spezialartikel in reichhaltiger Auswahl BERLIN 0 2 - SPANDAUER STIL . KÖNIGSTIL . GEGRÜNDET 1815