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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-19 · 20 (19.5.1938) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
20 (19.5.1938)
Date
1938-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr.20*19.Ma!1938 C.-V.-Zeitung Seite 7 im Jahre 1929 auf 2,53 Milliarden Milreis im Jahre 1932. Dem brasilianischen Aussenhandel fällt eine besondere Funktion zu, die er übrigens mit dem Aussenhandel der meisten Ueberseeländer teilt; sie besteht darin, Gebieten, die — an europäisch-nordamerikanischen Massstäben gemessen — vorerst nur eine geringe Kapitalausstattung aufweisen, die für die wirtschaftliche Erschliessung erforderlichen Kapitalgüter zuzuführen. Darüber hinaus bietet das im allgemeinen relativ hohe Zinsniveau dieser Länder einen Anreiz für die kapitalreichen Länder, durch Kredite zum A u f b a u der unerschlosseneren Länder beizutragen. Die für die Verzinsung dieser Kredite erforderlichen Beträge werden normalerweise vom Aussennandel aufgebracht, der also aktiv genug sein muss, um den Zinstransfer zu garantieren. Wenn sich die Einnahmen aus dem Aussenhandel sehr vermindern, kann sich aus dem unverändert hohen Druck der Zinslast eine kritische Lage ergeben. Bereits in früheren Krisen kam es infolge heftiger Preisstürze zu Transferstockungen, so in den Jahren 1898 und 1914, die dazu führten, dass die ausländischen Gläubiger in eine Kürzung ihrer Forderungen einwilligen mussten. Im Jahre 1931 wiederholte sich dieser Vorgang, und im Jahre 1934 wurden durch den Aranhaplan die Transferquoten für die Zins- und Tilgungsraten der Auslandsanleihen erneut festgelegt. Gleichzeitig suchte die brasilianische Regierung mit den traditionellen Mitteln der künstlichen Lagerräumung und Marktverknappung durch Vernichtung von Vorräten dem Exportproblem von der Preisseite her beizukommen, um die Exporterlöse zu steigern. Zu dem gleichen Zweck wurde die Ausfuhr von Kaffee besteuert, und zwar mit 45 Milreis je Sack zu 60 kg. Aus diesen Zoll einnahmen wurden den Pflanzern ein Verlustausgleich gewährt. Trotz dieser Massnahmen stand das brasilianische Kaffeeamt im Sommer 1937 vor wachsenden Schwierigkeiten: die Valorisationspolitik. die den Kaffee zu verteuern suchte, führte nicht zur Steigerung, sondern zur Senkung der Ausfuhrerlöse und lief auf eine Begünstigung der konkurrierenden Kaffeeländer — wie Kolumbien — hinaus. Am 10. November 1937 wurde mit der Bildung der Regierung Vargas eine neue Lage geschaffen. Von diesem Zeitpunkt ab datiert der neue Wirtscb.aftsk.urs, der das programmatische Ziel verfolgt, über die Erleichterung der wirtschaftlichen Lage hinaus zu strukturellen Aenderungen vorzustossen. Zunächst wurde die Politik des hohen Kaffeepreises aufgegeben; der verteuernde Ausfuhrzoll wurde um 75 Prozent, auf 12 Milreis, gesenkt. Bevor sich die Preissenkung auswirken konnte, führte jedoch der Mangel an Bardevisen trotz Aranhaplan, Brasilien an den Rand einer Währungskrise. Am 23. Dezember 1937 wurde der Schuldendienst eingestellt und die Devisenkontrolle für die Wareneinfuhr verschärft. Die Wiederaufnahme des Schuldendienstes wurde davon abhängig gemacht, dass die Gläubigerländer durch die Abnahme brasilianischer Waren den Zinstransfer gewissermassen selbst finanzierten: Dem ausländischen Gläubiger dürfen nur soviel Devisen übertragen werden, wie Brasilien aus seiner Ausfuhr nach diesem Land erhält. Diese Massnahme traf in erster Reihe England, dessen Aussenhandel mit Brasilien einen starken Aktivsaldo aufweist, und das in Brasilien grosse Kapitalanlagen besitzt. Erst vor kurzem kam es zu einer erneuten diesbezüglichen Anfrage im englischen Unterhaus. Da die Vereinigten Staaten, im Gegensatz zu England, zu den besten Kunden Brasiliens gehören, werden sie von dieser Regelung nicht benachteiligt. Bei dem Versuch, die Abhängigkeit Brasiliens vom Ausland zu verringern, ist man bei der Lockerung der kapitalsmässigen Zusammenhänge nicht stehengeblieben, sondern strebt eine Verbreiterung der eigenen Produktionsbasis, in deutlicher Richtung auf autarke Fernziele, an. Es liegt hier zweifellos eine Uebernahme integralistischer Programmpunkte vor — ungeachtet der Tatsache, dass Varga den Integralismus auf dem politischen Gebiet bekämpft. So versucht man, Baumw o 11 anbau und -Verarbeitung mit allen Mitteln zu fördern; in dem gleichzeitigen Bestreben, den Ausfuhrhandel in seiner warenmässigen Zusammensetzung gleichmässiger zu verteilen: die Textilindustrie hat sich bereits soweit entwickelt, dass nennenswerte Mengen an Baumwollwaren auf den südamerikanischen Markt kommen; der Anteil der Baumwolle an der Gesamtausfuhr beträgt bereits mehr als 20 Prozent, während der Kaffeeanteil auf 45 Prozent gesunken ist. Das Vargas-Regime fördert hier lediglich die Tendenzen, die sich zwangsläufig aus den Gegebenheiten der Kaffeekrise entwickelt hatten. Neben der neuen Baumwollpolitik, die durch starke Schwankungen auf dem Baumwollmarkt etwas beeinträchtigt wird, gilt das Interesse der neuen brasilianischen Wirtschaftspolitik auch den übrigen Produktionszweigen, die rohstofimässig in Frage kommen, wie der Zement Industrie, der Kohlen förderung, die die Hälfte des Eigenbedarfs deckt, der Erz- und der Goldgewinnung. Ein Gesetz, das dem Staat das Eigentumsrecht an den• noch unentdeckten Erz- und Kohlelagern gibt, weist deutlich auf staatskapitalistische Absichten. Weizen anbau, W ein- und Kakao bau sollen stärker als bisher gefördert werden. Auf allen Gebieten der brasilianischen Wirtschaft ist so mit der wachsenden Tendenz zu Regierungseingriffen zu rechnen. Bei dem Umbau Brasiliens aus einem Agrarstaat in einen halbagrarischen Industriestaat kömmt dem Problem der Kapitalbildung letzten Endes eine entscheidende Bedeutung zu. Da die innere Kapitalbildung für die Durchführung des Vargas-Programms nicht ausreichen kann, ist Brasilien nach wie vor auf Kapitaleinfuhr angewiesen. In dieser Lage bedeutet die Durchführung eines Transfer-Moratoriums zweifellos ein Wagnis, dessen Auswirkungen sich zur Zeit noch nicht völlig übersehen lassen. Die Prognosen, die der brasilianischen Wirtscbaftsentwicklung für die nächste Zeit gestellt werden, sind daher noch zurückhaltend. Eine weite Oeffnung der Einwanderungsschranken, die der geltenden Fassung des Vargas-Programmes jedoch strikte zuwiderläuft, würde die Auftriebsmöglichkeiten der Wirtschaft zweifellos nur verstärken. K. Hirschberg. Die Sozialgesetzgebung in USA Für viele Europäer gelten die Vereinigten Staaten von Amerika auch heute noch als das Land ohne eine ausgesprochene soziale Gesetzgebung. So sehr diese Auffassung bis vor einigen Jahren in manchen Punkten zugetroffen haben mag, so viel hat sich aber gerade" auf diesem Gebiet in der neueren Zeit geändert. Es wird für den Auswanderer nach USA. wichtig und beruhigend sein zu wissen, dass die soziale Gesetzgebung in den Vereinigten Staaten eine gewaltige Verbesserung erfahren hat und auf Grund des inzwischen eingeführten Bundesgesetzes in Zukunft noch weiter vervollkommnet werden wird. Bis vor etwa drei Jahren war die soziale Gesetzgebung in USA im wesentlichen Sache der einzelnen Staaten, und die Bundesregierung hatte sich nur verhältnismässig wenig um eine einheitliche Zusammenfassung gekümmert. Demgeinäss gab es in USA Staaten mit einer besser ausgestalteten sozialen Gesetzgebung und auf der anderen Seite Gebiete, in denen diese völlig fehlte. Mit der Einführung des Bundesgesetzes über eoziaie Sicherheit im August 1935 und der Errichtung eines Bundesamts für soziale Sicherheit als Folge dieses Gesetzes ist aber ein entscheidender Wandel eingetreten. Wenn auch die staatliche soziale Arbeit vielleicht noch nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Sicherheit wie in dem längst an diese Dinge gewohnten Europa erfolgt, so kann man doch annehmen, dass mit der zunehmenden Gewöhnung an die neuen Massnahmen in absehbarer Frist eine weitere wesentliche Verbesserung eintreten wird. Das Bundesgesetz über soziale Arbeit befasst sich im •wesentlichen mit fünf grossen Problemgruppen: Bundes alt e r sr e n t e n für in Handel und Gewerbe Beschäftigte; Regelung der Arbeitslosen Unterstützung; Förderung der beilragsfreien Alters-, Blinden- und Mülterrenlen in den Bundesstaaten; Unterstützung der Staaten beim Ausbau des Mutter- und Kinderschutzes und der Gebrechlich e n fürsorge sowie schliesslich Untersuchungen in den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung. Aus dem ersten Jahresbericht des Bundesamts für soziale Sicherheit — First Annual Report of the Social Securit Board — ergibt sich, dass auf allen Gebieten bereits wesentliche Fortschritte erzielt worden sind, vor allem dadurch veranlasst, dass die im Gesetz vorgesehene Unterstützung der einzelnen Staaten auf dem Gebiet der sozialen Gesetzgebung durch Mittel des Bundes, von einer gewissen Ausgestaltung und Vereinheitlichung der Arbeit abhängig gemacht wird. Daher haben die Staaten alles Interesse daran, ihre soziale Gesetzgebung auf einen Stand zu bringen, der die Anerkennung seitens der Bundesbehörden und damit die finanzielle Unterstützung von dieser Seite sichert. Wenn man einmal die wichtigsten Gebiete der staatlichen Sozialarbeit in USA im einzelnen Revue passieren lässt, so ergibt sich ein instruktives Bild über das, was dort in den ersten anderthalb Jahren nach der Einführung des Bundesgesetzes geleistet worden ist. Die Bun- Msdssldüsse amk Uekem Erscheint -wöchentlich ohne Gewähr. Postschtuss für Luftpostsendungen bei folgenden Postämtern: Berlin SVv 11; Frankfurt/Main Bahnpostarat 19 oder Flughafen; München Postnint 2 (Flughafen); Köln Flughafen. Einwurf hei anderen Postämtern odeT in anderen Orten bis zu 1 Tag früher. Ahküramcon: B. A. Buenos Aire?; Chorh. Cherhourgh; LH Le Havre; Mars. Marseille. Ziffern in Klammern Postschlusszeiten. Ab Seeweg nach Nordamerika An Berlin Hamburg Bremen Chcrb. N.-York 23. 5. 23. 5. (IM „Ncrmandie" 25. 5. (LH) 30. 5. 26. 5. 26. 5. (19) ..Europa- 27. 5. 23. 5. 2. 6. Luftweg: Nachbringeflug Köln—Chcrb. („Mit Luftpost ab Köln zum Dampfer"). Zuschlag 15 Pf für je 20 g. Berlin Köln Chcrb. X.-York 20. 5. (22) 21. 5. (10) Flug zur ..Bremen" 21. 5. 26. 5. Seeweg nach Südamerika Berlin Frankf. Münch. Genua Chcrb. Rio B. Ä. 23. 5. (IS) 23. 5. (Hl) 24. 3. (9) 25. 5. 6. 6. 10. 8. 26. 5. (IS) 27. 5. (8) 2S. 5. 13. 6. 17. 6. Luftweg: Zuseht 1.50 RM für je 5 g (1,25 Brasil.) Berlin Frankfurt Köln Rio B. A. 21. 5. (12) 21. 5. (14) 21. 5. (17) Fr. Luftp. 24. 5. 25. 5. 25. 5. (21) 25. 5. (24) Dt. Luftp. 28.5. 29.5. Seeweg nach Südafrika Berlin Frankf. Mars. South. Kapstadt 25. 5. (14) 25. 5. (19) 27. 5. (,.G. Cesare") 11. 6. 26. 5. (S) 27. 5. 13. 6. (..Balmoral C") Kapstadt—Johannesburg (oder Pretoria) 30 Stunden Luftweg: Zuschlag 35 Pf. für je 5 g Berlin München Brindisi Athen 20.3.(10) 20.5.(13) 21.5.(16) ) . . . 21.3. (6) 22.5.(5) I -L^& 24. 5. (10) 24. 5. (13) 25. 5. (16) ( 1-9 ia*e 25. 5. (6) 26. 5. (5) j See- und Landweg nach Palästina Berlin München Haifa 20.3.(16) 21.5.(9) via Bugrad—Maninil 25.5. 22.5.(14) 23. 5. (0) via Belcrad—Istanbul 27.5. 24. r>. (161 25. 5. (0) Schiff 26. 5. ab Brindisi SO. 5. 25. 5. (16) 26. 5. (9) via Beigrad—Istanbul 31. 5. Luftweg: Zuschlag 10 Pf. für je 5 g; m'md. 15 Pf. Berlin München Brindisi Athen 20. 5. (6) 21. 5. (11) 21. S. Lydda, 21. 5. (6)* 22. 5. (5) 22. 5. Lvdda 21.5.(10) 21.5.(13) 22.5.(16) 23. 5. Tiherias 23. 5. (6) 24. 5. (II) 24. 5. Lydda 24. 5. (0)* 25. D. (5) 25. 5. Lvdda 25. 5. (6) 26. 5. (11) 26. 5. Lvdda 26. 5. (6)" 27. 5. (5) 27. 5. Lydda " * Halle/Lpz" Plugh. (6) desaltersrenten dienen dem gleichen Ziel wie die in anderen Ländern übliche pfiiehtgemässe Altersversicherung. Die Regelung gilt für alle in Handel und Gewerbe beschäftigten Personen und stellt Mouatsrenten nach dem 65. Lebensjahr in Aussicht. Die Höhe der Rente hängt von den Gesamtlöhnen ab, die der Arbeitnehmer von 1937 bis zur Erreichung des 65. Lebensjahres verdient hat. Mit der Rentenzahlung soll 1942 begonnen werden. Für solche Arbeitnehmer, die nicht unter die Regelung fallen oder schon zu alt sind, soll eine ähnliche Massnahme im Rahmen der einzelstaatlichen Altersfürsorge Platz greifen. Alle Personen, für die die Bundesaltersrente in Frage kommt, sowie die Arbeitgeber haben eine nach der Lohnhöhe berechnete Steuer zu zahlen, deren Eingänge dazu bestimmt sind, den Rentenauhvand zu decken. Mit der Erhebung dieser Steuer wurde 1937 begonnen. Da nach Schätzungen von der Regelung zunächst etwa 26 Millionen Arbeitnehmer betroffen werden, war die Registrierung und die Konteneinrichtung beim Bundesamt für soziale Sicherheit keine einfache Aufgabe. Sie konnte nur mit Hilfe von 45 000 Postämtern, die mehrmals Fragebogen an alle Betriebe verteilten, gelöst werden. Bis zum 1. Mai 1937 waren rund neue Stellungen erhalten. W. P. A.-Orchester und -Kammermusikgruppen haben monatlich über 500 Konzerte im ganzen Lande veranstaltet. 1017 Musiklehrer haben einer halben Million Kinder Unterricht und Anregung gegeben. Theater- und Operntruppen spielen in ständigen Theatern und auf Wanderbühnen, in Arbeitslagern, Krankenhäusern und Schulen, in Kleinstädten und Dörfern. Diese künstlerischen Unternehmungen von W. P- A. sind auch aus einem anderen Grunde bemerkenswert. Während bisher, im Gegensatz zu Europa, die Förderung von Theater und Konzert ausschliesslich der privaten Initiative überlassen war. tritt hier zum erstenmal im amerikanischen Kunstleben der Staat als Unternehmer auf. Buchprojekte wurden gefördert, vor allem die Herausgabe von Reiseführern durch das Land. Gleich hinter den Regalen dieser Abteilung steht das vielleicht Schönste der Ausstellung: ein etwas merkwürdig aussehendes Grammophon mit besonders grossen Platten. Es ist ein Musterstück der 17 000 Grammophone, die für Blinde hergestellt und durch Bibliotheken und Blindenorganisationen ausgeliehen wurden. Ihre lang laufenden Platten ergeben, hintereinandergespielt. „talking books", sprechende Bücher, die Meisterwerke der Literatur zu Blinden bringen. Arbeitslose Arbeiter, Techniker, Spreeher, Organisatoren und Lehrer haben hier zusammengewirkt, um ein geistiges Hilfswerk von ungewöhnlicher Art und Grösse zu ermöglichen. Man braucht nicht viel Zeit, um die Ausstellung zu. durchwandern, die mehr durch ihre Bedeutung als durch ihren Umfang wirkt. Aber dann fährt man sehr nachdenklich nach Hause. Der Postflue Berlin—Lydda, durch den Luftpost nach P a! ä s t i n a in weniger nls zwei Tagen befördert wird, kann jetzt an drei weiteren Tagen der Woche durchgeführt werden, nachdem durch die neuerdings werktägliche Befliegung der Strecke Berlin—Athen auch die Anschlüsse an die Warschau—Palästina-Flüge der, polnischen Luftverkehrsgesellschaft „Lot" in Lydda erreicht werden. Durch den erweiterten Dienst Berlin—Athen ergibt sich auch nach Südafrika eine weitere beschleunigte Versandmöglichkeit für Luftpost. Die Neuerungen sind bereits unter „Postschlüsse nach Uebersee" verzeichnet. Jüdische Kundschafter Von Micha Michalowitz V. Gaspar de Gama (Fortsetzung) Aber es beteiligten sich auch tätig und in seiner unmittelbaren Nähe auf den drei Karavellen eine Anzahl Juden an seiner zielstrebigem Fahrt ins Ungewisse. Gewiss, es waren Getaufte, Marranen, aber es waren doch Juden. Auch ihre Namen sind uns durch unantastbares Material überliefert. Rodrigo Sanchez aus Segovia war von den spanischen Königen Ferdando von Aragon und Isabel von Castilien als Intendant der Flotte eingesetzt, insgeheim aber war er der Vertrauensmann der aragonischen Marranen. Aus dem Logbuch des Columbus geht unzweideutig hervor, dass dieser marranische Jude zu den ersten fünf Europäern gehörte, die für die spanischen Könige von "dem neuentdeckten Erdteil, der später den Namen Amerika erhielt, Besitz ergriffen. Das Logbuch, des Admirals erwähnt weiterhin rühmlichst einen wichtigen Mann der Besatzung, „Luis de Torres, der im Dienst des Statthalters von Murcia gestanden hatte, ein Jude gewesen war, und Hebräisch. Chaldäisch. selbst etwas Arabisch verstand/'*) Ihn schickte Columbus mit zwei Begleitern in das unbekannte Innere, damit er den König des Landes finde. ,,Auf dem Rückweg", so steht es im Logbuch, „begegneten sie vielen Menschen, Männern und Frauen, die ein halbangebranntes Kraut in den Händen trugen, jene Blätter, die sie gewohnt sind, zu rauchen". So machte der Zufall den marranischen Juden Luis de Torres zum Entdecker des Tabaks für die alte europäische Welt. Uebrigens war dieser Torres der erste Mensch jüdischen Blutes, der sich auf Kuba niederliess. Der Kazike, der *) Das Schicksal eines Mannes deichen Namens hat Alfred Mayer in seiner von der C.-V.-Z«itune preisgekrönten Novelle ,.T o r r e's" dichterisch freigestaltet. D. Red. Fürst des Landes, der ihm sehr wohlgesinnt war, beschenkte ihn mit Ländereien und fünf Sklaven. Das spanische Königspaar aber setzte ihm eine jährliche Rente von 8645 Maravedis aus. Es gab da aber noch einen Mann, dessen Arbeiten für das Unternehmen des Columbus von unschätzbar hoher Bedeutung waren: Abraham Zacuto, oder genauer: Abraham b e n Samuel Zacuto, geboren in der Judengasse von Saragossa, Inhaber eines Lehrstuhls an der hochberühmten Universität von Salamanca. Das astronomische Hauptwerk dieses jüdischen Gelehrten, der ein giaubenstreuer Jude bis an sein Ende geblieben war. der „Almanach perpetuum", wurde von Columbus wegen der darin enthaltenen absolut zuverlässigen Sonne-, Mond- und Sternentafeln als eines seiner wichtigsten wissenschaftlichen Hilfsmittel bezeichnet, er trug dieses Werk auf seinen Reisen ständig bei sich und versah es mit Einzeichnungen und Notizen. Zaculo nahm auch an der Konferenz teil, die der Bischof von Salamanca, Professor der Theologie an der dortigen Universität, Diego de Deza, ein Mann jüdischer Abkunft, zusammenberief, als Columbus vom Hof abgewiesen wurde und in Armut zu verkommen drohte. Und auch später, bei den Fahrten des portugiesischen Seefahrers V a s c o de Gama, waren die geographischen und nautischen Forschungen Zacutos für die Entscheidungen des Königs von ausschlaggebender Bedeutung. In seinem Auftrage arbeitete er an einer Theorie über die Meeresstürme, und es ergab sich daraus, dass die Schilfe die Hin- und Rückfahrt nach der Südspitze Afrikas, dem Kap der guten Hoffnung, in verhältnismässig kurzer Zeit gefahrlos zurücklegen könnten. Die Aufzeichnungen des Chronisten Gaspar Correa, „Len-das da India", erweisen es, dass die Arbeiten Zacutos nun auch an den Erfolgen Vasco de Gamas einen sehr erheblichen Anteil hatten. In Gegenwart seiner gesamten Besatzung hatte der portugiesische Seefahrer mit dem von ihm hochverehrten Gelehrten noch eine eingehende Unterredung, und nachdem er letzte Informationen von ihm empfangen hatte, ging er mit seinen Karavellen am 8. Juli 1497 von Lissabon aus in See. Wir wollen alles Weitere über seine Fahrten auf der Suche nach einem westlichen Seeweg nach Indien hier übergehen und jetzt und in der Folge von der seltsamen Begegnung mit jenem höchst abenteuerlichen Manne erzählen, der unter dem Namen Gaspar de Gama in die Geschichte jüdischer Kundschafter eingegangen ist. Das Logbuch des Admirals der „Roteiro" berichtet darüber ungefähr folgendes: Bei den Anjedivas, einer Gruppe fünf kleiner Inseln an der Küste zwischen Calicut und Goa, gingen ihre Schiffe vor Anker, um sie vom Bohrwurm zu reinigen und über Kiel zu holen. Bei dieser Arbeit war da plötzlich ein etwa 40jähriger Mann vor ihnen aufgetaucht, auffallend in weisses Leinen gekleidet, mit; einem schönen Turban auf dem Kopf und einem Stutzsäbel im Gürtel. Er war mit ein paar Barken, die Lebensmittel enthielten, vom Festland herübergekommen, habe den Admiral und die Kapitäne umarmt und ihnen sofort gesagt, er sei ein Christ, der, als er noch ganz jung war, vom Westen her in dieses Land gekommen sei. Sein Gebieter sei Sabayo, ein maurischer Fürst, der über vierzigtausend Reiter verfüge. Nur gezwungenermassen, man müsse das verstehen, sei er ein Maure geworden, Im Innern seines Herzens aber sei er ein Christ geblieben. Als die Nachricht sich verbreitet hätte, es seien in Calicut Männer gelandet, deren Sprache niemand verstehe, habe er seinem Herrn gesagt, es seien gewiss Europäer, die zu sehen er brennendes Verlangen trüge, und so habe sein Herr ihn hierhergeschickt, um uns sagen zu lassen, es stünde uns alles in seinem Lande zur Verfügung, auch Schiffe und Vorräte für unsere weitere Fahrt. Der Admiral dankte ihm herzlich für dieses grosszügige Anerbieten, und so lies3 der Fremde sich in unserer Mitte nieder, redete so viel und so kreuz und quer durcheinander, dass er sich mitunter selbst widersprach. Unterdes aber war der Bruder unseres Admirals zu den Barken hinuntergegangen und hatte die Besatzung gefragt, wer dieser Mann eigentlich sei. (Weitere Aufsätze folgen.)

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