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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-19 · 20 (19.5.1938) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
20 (19.5.1938)
Date
1938-05-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seife 6 C.-V.-Zeitung Nr.20 * 19.Mcul938 r<achwanderung von Familienangehörigen begründet erscheint. Es würde zu weit führen, wenn an dieser Stelle alle Einzelheiten behandelt würden, die im Bericht der Reichs Vertretung auf nahezu 40 Seiten über Richtung und Verteilung der Auswanderung auf die einzelnen Länder dargestellt werden. Erwähnenswert scheint aber zu HERBERT L8EBENTHAL Spedition Umzugstransporte nach allen Erdteilen Berlin W8, Kronenstr. 33 Fernruf 16 37 40 sein, dass 1937 mindestens zwei Drittel der gesamten überseeischen jüdischen Auswanderung aus Deutschland in Länder mit englisch er Umgangssprache ging. Fast der gesamte Rest richtete sich in die Staaten des spanischen Sprach- und Kulturpreises, während die im Vorjahre noch verhältnismässig starke Auswanderung nach Brasilien, dessen Umgangssprache portugiesisch ist, nahezu aufhörte. In enger Zusammenarbeit der Reichsvertretung und des Hilfsvereins mit den grossen ausländischen jüdischen Organisationen, deren Hilfe und Rat die Wanderungsarbeit einen grossen Teil ihrer Wirksamkeit verdankt, wurde dauernd versucht, neue Einwanderungsgebiete zu erschliessen und den Strom der Auswanderung nach Möglichkeit so zu lenken, dass Schwierigkeiten in den Einwanderungsländern vermieden wurden. Dazu gehören auch die gründliche Vorbereitung in sprachlicher Hinsicht und die immer wieder geäusserte Mahnung, nicht in den Landungsplätzen und Grossstädten zu bleiben, sondern eine möglichst breite Verteilung über das ganze Land anzustreben. Für die vom Hilfsverein bezuschusste Auswanderung ergaben sich 1937 Gesamtkosten von über 1,5 Millionen Reichsmark, die zum weitaus grössten Teil aus Zuschüssen der Reichsvertretung und der jüdischen Gemeinden aufgebracht wurden. Herbert Wiesenthal. Zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Südamerika Chile und Uruguay Neue Siedlungsprobleme Die englischen Dominion Australien, Neuseeland und Kanada waren Gegenstand unserer Betrachtung zum Thema „Wanderung und Siedlung" in Nr. 16 der C.-V.-Zeitung vom 21. April. Heute sollen einige Länder des südamerikanischen Kontinents behandelt werden, mit deren Siedlungspolitik sich ein Beitrag in Heft 5/1938 der IRA befasst, der sich in erster Linie mit den beiden geographisch weit auseinanderliegenden Staaten Chile und Uruguay beschäftigt. Auch wenn gerade diese beiden Länder auf Grund der geltenden Einwanderungsbestimmungen bzw. ihrer Handhabung für eine stärkere jüdische Immigration im Augenblick nicht in Frage kommen, so gibt der Aufsatz doch eine Reihe sehr instruktiver Einblicke in die Wirt- Schaftsstruktur dieser Gebiete und die Vorschriften, die für die Ansiedlung von Ausländern gelten, so dass er für uns zur Erkenntnis der gegebenen Bedingungen — nicht nur für die Siedlung — doch von erheblichem Wert ist. Das grosse Wirtschaftsproblem Chiles liegt in dem Vorhandensein eines sehr umfangreichen Grossgrundbesitzes, also in der fehlenden Aufteilung des Landes und in dem Bestehen einer bedeutenden Bergbauindustrie, die nicht nur einen wesentlichen Teil der vorhandenen Arbeitskräfte in Anspruch nimmt, sondern auch vom Staat wegen ihrer grossen Bedeutung für den Aussenhandel besonders gefördert wurde. Dadurch blieb die Landwirtschaft verhältnismässig im Rückstand, und zwar derart, dass eine ganze Reihe landwirtschaftlicher Erzeugnisse eingeführt werden musste, die ohne Schwierigkeit im Lande selbst erzeugt werden könnten. Die geringe Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes für die chilenischen Bergbauerzeugnisse hat den Nachteil dieser Wirtschaftsstruktur deutlich gezeigt und die Regierung seit einigen Jahren zu einer intensiveren Tätigkeit im Interesse des Ausbaues der Landwirtschaft angeregt. Die Pläne, die eine Aufteilung des Landbesitzes bezweckten, um eine bessere Ausnutzung des Bodens und ein günstigeres soziales Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung herzustellen, führten vor einigen Jahren zur Errichtung einer landwirtschaftlichen Siedlungskasse, die auch die Möglichkeit hat, die Enteignung von Land beim Präsidenten der Republik zu beantragen. Die Siedlungskasse soll nicht nur Land zum Selbstkostenpreis den Siedlern zur Verfügung stellen, sondern ihnen die Urbarmachung durch Gewährung von Darlehen für die verschiedensten Zwecke erleichtern. Dabei werden drei Siedlungsgruppen unterschieden. Die Siedlungen der Gruppe A werden von der Kasse errichtet, die die Siedler anwirbt. Sie müssen 5 bis 10 Prozent an-, den Rest in etwa 33 Jahresraten abzahlen. Die Siedlungen der Gruppe B werden auf Antrag einer Gruppe von mindestens fünf Siedlern errichtet. Die Siedler müssen dabei in der Lage sein, eine Anzahlung von 10 bis 20 Prozent des Wertes der Siedlung zu leisten. Ausserdem wird verlangt, dass sie eigenes Kapital besitzen, die Siedlungskasse übt hier keine so weitgehende Vormundschaft über die Verwendung des Siedlungsgebietes wie im Falle A aus. Und schliesslich gibt es noch „Lehrsiedlungen", die chilenischen Arbeitern vorbehalten sind und sie nach einiger Zeit in die Lage versetzen sollen, eine „Berufsumschichtung" nach der Landwirtschaft hin vorzunehmen. Im Rahmen dieser Siedlungsaufgaben, fällt auch der Einwanderung eine wichtige den, zehn Kosmetika, vier Sorten von Kaugummi, zwei Haushaltsmittel, zwei Banken, eine Zigarettenmarke und ein Beerdigungsinstitut. Auf der Scheibe aber uns gegenüber klebt ein grosses Plakat, auf dem eine Zeichnung das wohlbekannte Gebäude der vornehmesten Synagoge New-Yorks in der Fifth Avenue darstellt. Darunter steht: „Tempie Emanu-El, ein bemerkenswertes Beispiel romanisch-byzantinischen Stils. Besucher willkommen." Die Ueberraschung bei den Kino besuchen der letzten Wochen besteht darin, dass man dabei einem erheblichen Teil des vorjährigen Theaterprogramms des Jüdischen Kulturbundes in Berlin begegnet. Man begibt sich zum Beispiel in einen Film, der den verheissungsvollen Titel „Double Wedding" führt und dann stellt sich nach den ersten Minuten heraus, dass es eigentlich „Die grosse Liebe" von Molnär ist, von Wistens Inszenierung her in bester Erinnerung. Aber, o weh, was ist aus dem entzückenden Stück geworden. Hollywood hat ganze Arbeit gemacht. Von dem witzigen Dialog, von der nachdenklichen Zeichnung der Charaktere ist so gut wie nichts übrig geblieben, um einem ganz banalen Lustspiel zu weichen, das mit Molnär nur noch das Autorenhonorar gemeinsam hat. Besser läuft es beim nächsten Kinobesuch ab, als wir uns „The Baroness and the Buttler" ansehen und unverhofft dem alten Bekannten „Jean" vom letzten Winter begegnen. Diesmal hat eine geschicktere Hand die Verfilmung vorgenommen. Tempo, Charme und Witz des Originals sind erhalten geblieben. Annabella zwar kämpft noch heftig mit der englischen Sprache, und für ihre grosse Szene reicht es nicht ganz — die haben wir besser gesehen — aber dafür sieht sie unvorstellbar schön aus. William Powell in der Titelrolle des Kammerdieners spielt mit feiner Diskretion, als sein Rivale taucht der junge Schildkraut auf, und der Abend ist im ganzen ein Vergnügen. Manchmal erkennt man alte Bekannte schon am Titel. In einem Broadwaykino liei .Verfilmung von Perez Hirschbeins „Grüne Felder" in jiddischer Sprache. Nicht viel mehr als ein erster Versuch, mit offensichtlich knappen Mitteln gemacht und in veraltetem Stil gespielt. Immerhin, der Film hat einen Vorzug vor der Aufführung, die wir sahen, er ist echt: Keine absolute Kunst, aber echtes Volkstheater. Wenn man einen wirklich grossen jiddischen Film sehen will, dann muss man zu ,,D e r D y b b u k" gehen, der wochenlang mit grossem Erfolg und starkem Beifall der Kritik in einem grossen Kino lief. Besser noch, ihn in einem Kino der unteren Eastside zu erleben, wo das Publikum nicht die englischen Untertitel zum Verständnis braucht. Ein grosses Vorbild, der hebräische Dybbuk der Habimah, könnte diesen von Irvings Geist in Polen hergestellten jiddischen Film überschatten. Aber der Film behauptet sich durchaus als eigene Leistung. Als reine Kunstschöpfung vielleicht nicht"so gross wie die feierliche Stilisiertheit der Habimah, ist er unmittelbarer, menschennäher und vielleicht echter. Manchmal unheimlich fremd, manchmal erstaunlich packend, aber immer ganz echt. Wie gross freilich noch der Abstand von diesem eindrucksvollen Volksepos mit seiner milieugebundenen Problematik und Menschenzeichnung zu einer Kunst ist, die Allgemeingültiges auszusagen versucht, das wird einem sehr deutlich, wenn man kurz darauf einen der besten Filme des Jahres „Un carnet de bal" sieht. In zwei Stunden voll Resignation, bitteren Humors und voll gespenstischer Beklemmung zieht ein Totentanz vertaner Leben vorüber, zusammengehalten durch die Wanderimg einer Frau auf der Suche nach den Versprechungen ihrer Jugend. Mit einem Stabe bester Schauspieler hat Duvivier hier einen der seltenen Filme geschaffen, die uns die Möglichkeiten einer neuen Kunst ahnen lassen. •¥ Man kann aber seine Zeit auch der Betrachtung von Dingen widmen, die mehr in unsere Umwelt hineinführen. Wir fahren jetzt einmal aach Brooklyn hinüber, wo in dem grossen Aufgabe zu. Die Siedlungskasse selbst sagt in ihrem Bericht, dass sie sich zur Erreichung ihres Zweckes sowohl an einheimische Siedler als auch an Ausländer wendet. Sie behält sich aber vor, die ausländische Einwanderung sorgfältig auszuwählen und nur solche Siedler ins Land zu lassen, die auf Grund ihrer Vergangenheit, Ausbildung und Berufserfahrung die Gewähr dafür bieten, dass ihre Fähigkeiten zu dem erstrebten Fortschritt in der Landwirtschaftspolitik des Landes beitragen werden. Es wurden auch schon einige Erfolge mit dieser Ansiedlungspolitik ausgewählter ausländischer Landwirte erzielt. Völlig anders als die Wirtschaftsstruktur Chiles ist diejenige Uruguays, und dementsprechend stellen sich auch die Siedlungsprobleme in anderer Form. Von den rund 18,70 MiLlionen Hektar der Bodenfläche Uruguays sind 16 Millionen Hektar für Landwirtschaft und Viehzucht geeignet, davon 9 Millionen Hektar insbesondere für die Landwirtschaft, von denen aber bisher nur etwas über 1 Million Hektar angebaut sind. Die Landwirtschaft entwickelt sich in Uruguay verhältnismässig langsam, da der Wohlstand des Landes fast ausschliesslich auf der Ausfuhr von Erzeugnissen der Viehzucht beruht. Er stellt mehr als 80 Prozent des Gesamtwertes der Ausfuhr dar. Die Industrie stützt sich fast ausschliesslich auf den Binnenmarkt. Das gleiche trifft mit gewissen Einschränkungen auch für die Landwirtschaft zu. Der Artikel weist daher darauf hin, dass es einer gründlichen Belebung der Viehzucht sowie einer Steigerung der Preise für Fleisch, Leder und Wolle auf dem Weltmarkt bedürfe, damit sich die Industrie Uruguays auf Grund der so erhöhten inneren Kaufkraft ihrerseits ausdehnen könne. In gewissem Umfange gelte dies auch für die Landwirtschaft, deren Entwicklung andererseits auch vom Wachstum der Bevölkerung abhänge. Anscheinend sei Uruguay nicht berufen, in absehbarer Zeit ein grosses Ausfuhrland für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu werden. Teilweise reiche die Erzeugung nicht oder nur ungenügend zur Deckung des inneren Bedarfs aus. Das soll darauf zurückzuführen sein, dass der Boden Uruguays zwar ausgezeichnet zur Viehzucht geeignet, für die Landwirtschaft jedoch nicht gut genug ist. Da aber die Unzulänglichkeit gewisser Anbauarten und die Notwendigkeit, Erzeugnisse einzuführen, die trotz allem im Lande selbst erzeugt werden könnten, die Handelsbilanz Uruguays beeinträchtigen, fördert die Regierung die Landwirtschaft durch verschiedene Massnahmen. Dies um so mehr, als die Möglichkeit besteht, dass gewisse neue A n b a u a r t e n — z. B. Reis — sogar geeignet wären, die Tür zur Ausfuhr zu öffnen. Abgesehen von gewissen preismässigen Hilfsmassnahmen, war die Regierung Uruguays in den letzten Jahren bestrebt, der Landwirtschaft durch eine Förderung der Siedlung eine bessere Grundlage und den Arbeitern die Möglichkeit des Landbesitzes zu geben. Die amtlichen Siedlungsmassnahmen können auch von Auslände r n , die sich einzeln oder in Gruppen ansiedeln wollen, in Anspruch genommen werden, sofern sie die verlangten Eigenschaften besitzen und den an sie gestellten Anforderungen genügen können. Alle Massnahmen zur Förderung der Siedlung sowie alle Erleich- Warenhaus von Abraham und Straus die Verwaltung von W. P. A. eine sehr eindrucksvolle Ausstellung veranstaltet hat. Works Progress Administration, das ist, wie wir schon einmal erzählt haben, die Verwaltung aller Unternehmungen der Bundesregierung, die der Produkt ivierung von Erwerbslosen dienen. W. P. A. baut im grössten Massstabe: Dämme und Strassen, Krankenhäuser und Schulen, Parks und Schwimmbäder und vieles andere. In dieser Ausstellung werden ausgewählte Beispiele von „nonconstructive projects" gezeigt, für deren Durchführung ein Viertel der von der Verwaltung aufgewendeten Riesenbeträge verbraucht wurden. Alle Arbeiten, die in dieser kleinen, sehr geschickt angeordneten Schau in Musterstücken, Photographien und Tabellen gezeigt werden, sind von Menschen geleistet worden, die Unterstützungsempfänger waren. Der Grundgedanke aller Unternehmungen ist, diese Menschen so zu beschäftigen, dass ihre besten Fähigkeiten erhalten und weiterentwickelt werden. Die Arbeiter beziehen Gehälter, höher als die vorher bezogene Unterstützung, und die Projekte, die der normalen Wirtschaft keine Konkurrenz machen dürfen, dienen ausschliesslich Arbeiten, die der Allgemeinheit zugute kommen. Ein paar Beispiele, wie sie auf dem Rundgang auffallen: - Im Gesundheitswesen von Staaten und Städten sind in grossem Massstabe ausgebildete Krankenschwestern und Helfer eingesetzt worden. Allein in New-York wurden 55 000 Schulkinder durchuntersucht. Zwei Staaten haben einen Traum der Hygieniker verwirklichen können, indem alle Kinder gegen Diphtherie immunisiert wurden. Bibliotheken wurden neu eingerichtet, zweieinhalb Tausend an festen Standorten und die gleiche Zahl als Wanderbüchereien. Alte Bücher aus Bibliotheken und Schulen wurden wieder instandgesetzt. Millionen von Schulbüchern konnten so wieder gratis verteilt werden. Der vielleicht interessanteste Teil der Schau zeigt die Wiederbelebung von Kunsthandwerken terungen, die den Siedlern in kreditmässiger und anderer Hinsicht geboten werden, laufen über den 1923 errichteten ständigen Siedlungsdienst. Einwanderer, die diese Erleichterungen in Anspruch nehmen wollen, müssen durch ein amtliches Zeugnis nachweisen, dass sie Landwirte sind oder dass sie in ihrem Land einen Beruf ausgeübt haben, der ihre Eignung zur Landwirtschaft beweist. In dem Aufsatz wird darauf hingewiesen, dass sowohl"in Uruguay wie in Argentinien der Siedler im Anfang eines verhältnismässig grossen Betriebskapitals bedarf. Wenn er die Mittel habe, das Land zu bezahlen, sei seine Existenz als unabhängiger Landwirt gesichert, und zwar mit einem wesentlich geringeren Kapital, als es in Europa notwendig wäre, um eine Landstelle zu erwerben, die gross genug ist, um davon leben zu können. Seine Erfoigsaussichten verminderten sich jedoch in dem Masse, als er infolge Mangels an Eigenkapital zum Erwerb des Grundstücks Schulden machen müsse. Trotzdem wäre es nach Ansicht des zitierten Aufsatzes möglich, in Uruguay eine Einwanderung von Landwirten, die ein kleines Kapital besitzen, zu organisieren, selbst wenn dieses Kapital nicht ausreiche, die ganze Landstelle zu bezahlen. Der amtliche Siedlungsdienst der Hypothekenbank Uruguays gewähre die Hypothekenkredite und andere Kredite, die in allen Fällen notwendig sein könnten, wenn ihm Siedlungspläne unterbreitet würden, die wirtschaftlich tragbar seien. Go-Wie. Brasilien Wirtschaft im Umbau Die Wirtschaft Brasiliens zeigte bis vor wenigen Jahren die charakteristischen Merkmale eines Landes der sog. „Monokultur". Noch im Jahre 1929 wurde der brasilianische Ausfuhrhandel in überwiegendem Masse (zu 70,98 Proz. der Gesamtausiühr) von einer einzigen Ware, dem Kaffee, bestritten. Erst in weitem Abstand folgten in der Aussenhandelsstatistik Tierhäute und Felle mit 4,22 Proz.-und Rohbaumwolle mit 3,99 Proz. der Gesamtausfuhr. Nun ist der Kaffee eine typische Ware des „elastischen" Verbrauchs. Die Weltwirtschaftskrise, die die Preise lebenswichtiger Rohstoffe in den Abgrund riss, machte auch vor einem entbehrlichen Genussinittel wie dem Kaffee nicht halt. Die Entwicklung des Kaffeepreises (Indexziffer, Durchschnittspreis der Jahre 1921/29 100) 1927: 91,4 1931:40,8 1985:- 25,7 1928: 107,3 1932: 50.8 1936: 28,5 1929: 101.2 1933: 3S,6 1937: 37,8 1930 : 64,4 1934: 31,1 193S: (Jan./März) 26,2 Der Kaffee, dem die brasilianische Wirtschaftsentwicklung die traditionelle Aufgabe zugewiesen hat, der wichtigste Pfeiler der Volkswirtschaft zu sein, erwies sich somit für diesen Zweck als äusserst ungeeignet. Das Auf und Ab der Kaffeepreiskurve gibt mit grosser Zuverlässigkeit die Schwankungen der Weltkonjunktur wieder und überträgt die Wucht dieser Erschütterungen bis in die feinsten Verästelungen der brasilianischen Wirtschaft. Insbesondere wurde der Aussenhandel durch diese Preisentwicklung getroffen. So sank die Ausfuhr von 3,S6 Milliarden Milreis aller: Art. „Wiedererweckung der Kunst von Gestern für den Markt von Morgen" steht über einer der Kojen. Keramische Erzeugnisse, Teppiche, Lederwaren, Möbel in guter Verbindung von alten Formen und neuem Stil. An einer Wand hängen bedruckte Stoffe und Wandbehänge aus einer Unternehmung in Milwaukee, die 600 Frauen beschäftigt. Manches noch zu sehr Nachahmung vergangener Stile und dabei nicht immer guter. Vieles überraschend schön „in Ausbildung einer eigenen Formgebung mit geschickt verwendeten Volkskunstmotiven. Eine der zahlreichen Helferinnen, die mit sichtlichem Stolz Erklärungen geben, weist darauf hin, dass die Stoffdrucke von Frauen gemacht worden sind, die dieses Kunsthandwerk erst vor wenigen Monaten gelernt haben. Ein ganzes Dorf in New- Mexiko, das auf Unterstützung angewiesen war. stellt jetzt Möbel in heimatlichen Formen her. Arbeitslose Neger aus dem Minendistrikt machen Seile, Schuhe, Möbel. In Kansas wurden von W. P. A.-Arbeitern über 100 000 Wolldecken fabriziert, die an Bedürftige abgegeben wurden. Etwa 150 000 Frauen verdienen den Lebensunterhalt für sich und ilire Familie durch Herstellung von Kleidern, die in Gebieten verteilt wurden, die von den grossen Notständen der Ueberschwemmung und der Dürre heimgesucht wurden. Daneben gehen wissenschaftliche und künstlerische Unternehmungen. 500 Menschen arbeiten an einem „Index of American Design" und einem „Historical Records Survey". Unter Benutzung aller modernen Mittel werden über das ganze Land hinweg Bestandsaufnahmen von Baudenkmälern, altem' Handwerksgut, Dokumenten und Büchern gemacht, eine Fundgrubefür Archäologen, Historiker. Künstler und Lehrer. Alte, oft völlig vernachlässigte Archive von Kirchen, Städten und Kreisen werden geordnet, photokopiert, die übersichtliche Sammlung des neuentstehenden Materials eingerichtet und das vorhandene dem interessierten Wissenschaftler zugänglich gemacht. Die Musikkultur erhält einen neuen Antrieb. Mehr als 15 000 arbeitslose Musiker haben Fortbildung und dadurch zu einem erheblichen Teil

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