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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-19 · 20 (19.5.1938) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
20 (19.5.1938)
Date
1938-05-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Beilage der C.-V.-Zeitung Mr. 20 ♦ 2. Beiblatt 19. Mai 1938 Mitteilungen aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschland enw Nach fünf Jahren / STiÄÄSJ. Die zentrale Wanderungsarbeit Wir setzen die in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung begonnene Aufsntzserie mit der Behandlung des Abschnitts „Wanderung" fort. Die Wanderungsaufgaben standen im abgelaufenen Jahre wieder im Vordergrund der Arbeit der zentralen jüdischen Stellen. Davon legt der Arbeitsbericht der Reichsvertretung der Juden in Deutschland für das Jahr 1937 Zeugnis ab. Die Bearbeitung aller Probleme. RENTE AUF LEBENSZEIT Alle Abschlussmögüchkeiteri: V ersicher ungrsb iiro ..Euro pa" G.m.b.H. Inh. seit 19-24 H. Manasse, Berlin. Pariserstr. 37, Ruf 924646 die mit der Auswanderung verbunden sind, hat einen erheblichen Teil der Arbeitskraft der Reichsvertretung in Anspruch genommen. Trotz der Beeinträchtigung der Paläsiinawanderung durch die Unruhen, trotz des Ausfallens so wichtiger Einwanderungsländer, wie Brasilien und der Südafrikanischen Union, und trotz anderer Einwanderungserschwerungen konnten 1937 rund 7000 Personen mit fiianzieller Unterstützung der Wanderungsorganisationen zur Auswanderung gebracht werden. Diese Ziffer ist aber unvollständig; denn sie schliesst nicht die ohne Unterstützung erfolgte Auswanderung ein. Genaue ziffernmässige Unterlagen dafür fehlen naturgemäss. Ziemlich zuverlässige Anhaltspunkte für eine Schätzung liefern jetzt aber die Registrierungen der Meldestelle für Binnen- und Auswanderung beim Preussischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Danach kann angenommen werden, dass einschliesslich der 7000 unterstützten Auswanderer die gesamte jüdische Auswanderung aus Deutschland im Jahre 1937 rund 23 000 Personen umfasst. Von ihnen hat sich der grösste Teil (13 000 Personen) nach Uebersee gewandt, 5000 blieben in Europa, 3700 wanderten nach Palästina, und 1300 Personen wurden zur Rückauswanderung in ihre ursprünglichen Herkunftsländer gebracht. Diese Ziffern zeigen, dass der im Vorjahr von der Reichsvertretung aufgestellte Auswanderungsplan, nach dem jährlich etwa 12 000 bis 20 000 Juden aus Deutschland zur Auswanderung kommen sollten, trotz der inzwischen eingetretenen erheblichen Einwanderungserscliwerungen nicht nur eingehalten, sondern sogar noch überschritten werden konnte. Dabei ist die Palästinawanderung gegenüber der Ueberseewauderung, was den Umfang angeht zurückgetreten. Die nichtunterstützle Auswanderung hat erheblich zugenommen, das Verhältnis der freien zur unterstützten Auswanderung ist jetzt auf etwa 2:1 zu veranschlagen. Interessante Ziffern über die Altersgliederung, die Berufe und die Wanderungsziele der Auswanderer vermitteln die Statistiken des Hilfsvereins der Juden in Deutschland (Ueberseewanderung) und des P a 1 ä s t inaanits {Palästinawanderung) für die von ihnen unterstützten Auswanderer, die auch für die nichtunterstülztte Auswanderung bis zu einem gewissen Grade syptomatisch sein dürften. Aus dem umfangreichen Tabellenmaterial ist hier ein Auszug zusammengestellt, der die Prozentziffern wiedergibt: Uebersee- und Europa-Wanderung Alter: männlich weiblich unter 20 Jahren .... 5:>, 14 2r,,04 20 ins 30 ,..... •27.4-2 24.64 SO bis 40 ...... 2?>..'> 1 26.47 40 bis :>0 14..Y2 lo.fl:) 5U Jahre und darüber . . 8.92 9,48 Berufe: Selbständige Kaufleute . 21,20 1.04 Angestellte...... 211,62 14..V} Schüler ....... iis-2 14.97 Handwerksgehilfen . . .- 12..r>5 3.04 Landwirte...... 8.77 2.31 Selbständige Handwerker 7,r>'> 1.39 Freie Berufe ..... 6..sn 6,37 Ohne Beruf ..... 4.77 30.37 Gelernte Arbeiter . . . 1,66 l.ln Ungelernte Arbeiter . . 0.S6 0.36 Hausangestellte .... 0,34 12,42 Wanderungsziele: USA........ 41.48 47,33 18,83 17,60 Sonstig. Südamerika ohne Brasilien...... 14,18 12.42 Europa........ 9,60 7,64 Brasilien ...... Ö..S2 •V>3 Australien...... 3.82 2.43 Südafrika....... 2,58 3,82 Sonstig. Nordu. Mittelarn erika...... 1,:« o.?s Sonstiges Afrika . . . 0,86 0.8O 0,68 0,48 Für die unterstützte Paläst ina- Wanderung, von der 58,74 Prozent auf männliche und 34,11 Prozent auf weibliche Personen entfallen, ergibt sich (für Männer und Frauen gemeinsam) ein starkes Ueberwiegen der Altersklasse von 18 bis bis unter 35 Jahren (36,75 Prozent). Bis 18 Jahre alt waren 21,40 Prozent der Auswanderer. Auf die Altersstufe 35 bis 45 Jahre entfielen 12,64 Prozent, auf die 45jährigen und darüber 15,67 Prozent, während ein uuverhältnismässig grosser Prozentsatz von 13,54 Prozent dem Aller nach unbekannt war. Auch hinsichtlich der Berufsgliederung ergeben sich zwischen der Ueberseewanderung und der Paläslinawanderung erhebliche Unterschiede. Dies zeigt ein Vergleich der nachfolgenden mit der vorhergehenden Tabelle: Berufsgliederung der unterstützten Palästinawaiiderer Landwirte .... . . 28,o".n/o Ohne Beruf . . . . . . 21,47"/ Schüler ..... . . 10.04"/. Ohne Angabe . . . . . 18.31 "/o Handwerker . . . . . 5,48%) Kaufloute .... . . 3,74"/« Freie Berufe . . . . . 1.80"/ Hauswirtschaft . . . . 0.07"/, Sonstige .... . . turv/o Arbeiter .... .. . 0,19"/« (Vielleicht wäre es für spätere Veröffentlichungen angebracht, wenn der Hilfsverein und das Palästina-Ami ihre Statistiken auf eine einheitliche Formel brächten, da sich dann wesentlich bessere Vergleichsmöglichkeiten über die in-vielen Punkten nicht gleichartige Struktur der Uebersee- und der Palästinawanderung finden liessen.) Der Rückgang der Zahl der Glaubensjuden in Deutschland ergibt sich aber nicht nur aus der Auswanderung, sondern auch aus der natürlichen Bevölkerungsvenninderung durch einen sehr erheblichen S t e r b e ü b e r s c h u s s. Er wird in dem Jahrfünft 1933/37 auf etwa 23 700 geschätzt; die Auswanderung betrug in der gleichen Zeit rund 127 000 Personen, so dass gegenüber den rund 505 000 Glaubensjuden in Deutschland nach der Volkszählung vom 16. Juni 1933 die entsprechende Ziffer für den 1. Januar 1938 auf etwa 350 000 bis 365 000 zu schätzen ist. ZIGARREN WOLF Frankfurt-Main, Zeil 49 Gross- und Kleinverkauf Versand ab Mk. 20.- frei Hau» Die Arbeiten des Hilfsvereins, des Palästinaamts und der Hauplstelle für jüdische Wanderfürsorge (Rückauswanderung) wurden im Jahre 1937 zusammengefasst Inder Zentralstelle für jüdische Auswanderung bei der Reichsvertretung, die in engster Zusammenarbeit mit den wie bisher selbständig bleibenden Wanderlingsorganisationen die einheitliche Lenkung und planvolle Förderung der Einzel- und Gruppenwanderung gewährleisten soll. In ihr wurden vor allem auch die Grundsätze erörtert, nach denen die gegebenen Einwanderungsmöglichkeiten wahrgenommen und neue erschlossen werden können sowie Massnahmen zur Förderung der Auswanderung, besonders der Minderbemittelten und Hilfsbedürftigen, beraten. Es wurden Richtlinien für die Aufbringung der Wanderungskosten ausgearbeitet, die von dem Grundsatz der grösstmöglichsten Selbstaufbringung der Auswanderungskosten durch den Auswanderer und seine Angehörigen ausgehen. Sehr wichtig sind die Massnahmen, die auf Grund eines Erlasses der zuständigen Reichsstellen in Zusammenarbeit mit der Allgemeinen Treuhandstelle für die jüdische Auswanderung G.m.b.H. (AI treu) zur Förderung der l Slmonowltz Persönl. Leitung. Eisenccher S:raße 79. Tel. 7144 91. A u s w a n d e r u n g M inderbe mittelt e r durch die Schaffung des Altreu-Fonds bei der Reichsvertretung getroffen wurden. Mit diesem Verfahren ist ein ausserordentlich wichtiges Mittel der Auswanderungsförderung und einer Koppelung der Auswanderung bemittelter und unbemittelter Bevölkerungsschichten geschaffen worden. Die Darlehen aus dem Altreu-Fonds diirten nicht für Wanderungskosten verwendet werden, sondern müssen ausschliesslich dem Existeiizaufbau im Einwanderungsland dienen. Die erhebliche Bedeutung dieses Fonds für die Steigerung der Auswanderung wird sich, wie es in dem Bericht der Reichsvertretung heisst, erst im laufenden Jahr voll auswirken können. Besondere Aufmerksamkeit wurde weiterhin der Frage der Gruppen Wanderung zugewandt, und zur Prüfung solcher Siedlungsprojekte die Jüdische Landarbeit G.m.b.H. (•ILA) reaktiviert. Von einigen kleineren Einzelsiedlungen in Kolumbien, Paraguay, Kenya und Australien abgesehen, ist die Ansiedlung jüdischer Familien aus Deutschland in den lca- Kolonien in Argentinien vorerst die wichtigste Form der Gruppenwanderung geblieben. Aber auch im Bericht der Reichsvertretung wird da?- auf hingewiesen, dass nach wie vor das Schwergewicht der ausserpalästinensischen Auswanderung auf der Einzelwanderung beruht, und dass nur bescheidene Ansätze für Gruppensiedlungen zur Verwirklichung gelangen können. Nebea der Ica-Kolonisation ist ein neuer Typus der Mittelstandssiedlung in Palästina durch Ueberführung einer Gruppe jüdischer Familien aus dem württembergischen Dorfe Rexingen verwirklicht worden. Diesem Beispiel folgend ist eine beträchtliche Anzahl von Meldungen für Mittelstandssiedlungen in Palästina beim Palästinaamt erfolgt, bei denen die Hoffnung auf eine Verwirklichung der Ansiedlung und der New-Yorker Tagebuch VI. Neben dem Alltag Von Friedrich S. Brodnitz Xew-York, Ende April 1938. Was ist eigentlich berichten?wert? Sind es nur die Kämpfe, die Mühen und die Sorgen, die jeder von uns, der sich draussen seinen Weg sucht, reichlich kennt? Ich glaube: nein. Jeder, wo er auch sein mag, hat seine eigenen Probleme, muss sehen, wie er mit ihnen fertig wird und ist nicht besonders begierig, sie noch um die der anderen zu vermehren. Es wird ihm lieber sein, einmal von den Dingen zu hören, die unserem Leben Farbe, Erheiterung, Mitgerissenheit, aber auch Ablenkung geben. Die Beschränkung des Stoffes, die in diesen Briefen geübt wird, ist kein Augenschliessen vor dem Hauptinhalt unseres Alltages, dem Ringen um Standort und Lebensraum. Wir alle leben nicht immer in Spannungen, wir alle entlasten uns, so oft wie möglich und jeder auf seine Weise. Vielleicht können wir anderen, die in den Spannungen ihrer besonderen Situation leben, am besten dienen, wenn wir ihnen von den Dingen berichten, die uns in Stunden der Ablenkung oder der Entspannung begegnen. Man kann zum Beispiel lesen. Nicht nur Bücher. Zeitungen und Magazine geben vielfältigsten Stoff, um sich über Lebensgewohnheiten und Formen zu unterrichten und um den Kreis der persönlichen Anschauung ausweiten zu helfen. Das ist vielleicht heutzutage leichter denn je. Nie war die Fülle der Berichterstattung so gross und auf der anderen Seite die Gleichförmigkeit grossstädtischen Lebens so fortgeschritten. Die Standardisierung aller Lebenserscheinungen nimmt immer mehr zu. An die Stelle der gepflegten Geselligkeit der Teegesellschaft des vorigen Jahrhunderts ist über einige vereinfachende Stationen hinweg schliesslich die Cocktailparty getreten, diese vielleicht genormteste aller Formen der Einladung. Sie verdankt ihre Beliebtheit wohl nicht zuletzt der Tatsache, dass sie den geringsten Einsatz an Geld und Geist verlangt. Das ruhige Gespräch wird immer mehr durch die Abkürzungen des Telephongespräches verdrängt. Und der Brief, diese edelste Form des Sprechens von Mensch zu Mensch über Raum und Zeit hinweg, schrumpft zusehends zum Telegramm. In keinem Lande wird mehr telegraphiert als in diesem. Und selbst das Telegramm ist noch geschrumpft. Es wird durch die Nummer ersetzt, die Nummer von Verzeichnissen, die Texte für alle Anlässe enthalten. Vom Glückwunsch zur Geburt eines Kindes bis zur Kondolation, vom Geschäftsjubiläum bis zur Ferienreise, für alles ist vorgesorgt. Zu den Feiertagen aller Konfessionen hängen die Formulare in den Fenstern der unzähligen Telegraphenagenturen. Bei den jüdischen rangieren sie vom simplen Masel Tow bis zu komplizierteren Formulierungen. Man gibt die Nummer an, zahlt ein paar Cent, und der fertige Text wird übermittelt. Kluge Köpfe können aber auch hier Neuland eröffnen. Sie werden zum Beispiel Texte für Zwecke verwenden, für die sie ursprünglich nicht gedacht waren. So berichtet der ..New Yorker", dass sich Formular 1934 — man hat dafür den hübschen Ausdruck kiddiegram — ganz besonderer Beliebtheit erfreut. Es findet sich unter den „Ermahnungen zu gutem Benehmen", die besorgte Eltern unterwegs ihrem Sprössling schicken können, und lautet: „Putz Deine Zähne, kämm Dein Haar, geh rasch ins Bett, sag Dein Gebet, und bevor Du es weiset, werde ich da sein". Der „New Yorker'' erklärt die häufige Benutzung dieses Textes damit, dass es nicht nur von der guten Mutter an ihr Kind, sondern auch von frechen jungen Männern an durchaus erwachsene Girls geschickt wird. Dabei ist gerade für diesen Fall beste Vorsorge getroffen. Auch bei diesem Geschäft gibt es Zeiten der Hochkonjunktur. Am Valentines Day z. B. ist es guter Brauch, dem oder der Liebsten seine Grüsse zu schicken, und die einschlägigen Industrien — Candies, Blumen, Glückwunschkarten und Telegramme — tun ihr Bestes, um die alte Sitte zur Hebung des Geschäfts zu beleben. Diesmal, so berichtet die „New York Times", hatten sich die grossen Telegraphengesellschaften — oder genauer gesagt ihre publicity-agents — etwas Besonderes ausgedacht. Die eine brachte den telegraphierten Kuss auf den Markt, aber nicht etwa als Text, sondern im Bilde. Wie das möglich war? Sehr einfach. Es begann mit der Auflegung einer besonders dicken Schicht von Lippenstift. Der auf ein besonderes Formular gepresste Kuss hinterliess einen deutlichen Abdruck, unter dem dann der Text, etwa „with love", hinzukam. Das Ganze wurde bildtelegraphisch übermittelt, leider einstweilen nur zwischen New-York, Chicago und Buffalo. Preis 1,58 Dollar einschliesslich Steuer. Die Nachfrage war enorm. Noch grösser freilich nach der Erfindung der zweiten Telegraphengesellschaft, der „Singing Valentine". Man gab eine Adresse an. und die Companie tat das übrige. Nämlich die Herstellung einer telephonischen Verbindung. Dem Adressaten sang dann eine geschulte Stimme zu der Melodie eines Modeschlagers diesen schönen Text vor: „My dear Valentine; I send you this line; o will you be mine; Sweet Valentine?" Für Fälle, denen dieser Text der Situation noch nicht angemessen schien, war auch vorgesorgt. Ihnen wurde ein abgeschwächter Text vorgesungen, der mit den Worten „I see your face before rae" begann. Die Nachfrage war gross. Zu fünfzig anderen Städten, in einem Falle sogar bis nach London, tönte der Gesang. Die ursprünglich verpflichteten zehn Damen waren vollständig überbürdet. Im letzten Augenblick mussten noch Verstärkungen in Gestalt von zwanzig weiteren Hilfskräften, darunter für Spezialwünsche ein Tenor und ein Bariton, herangezogen werden. Mehr als 30O0 solcher Glückwünsche sollen durchgegeben worden sein. Erwähnenswert ist noch, dass der Schlager, dessen .Verwendung von der Companie teuer bezahlt worden war, der derzeitige Modesong war, der den geistvollen Titel trägt: „Bei mir bist du schön." Ja, so heisst es wirklich. Es ist nämlich eigentlich ein jiddisches Chanson, das auf dem Umweg über einige Bearbeitungen zu einem der grössten Schlagererfolge geworden ist. „Bei. mir bist du schön, come let rae explain" ertönt es überall, im Radio, beim „Community singing", im Kino, in der Tanzmusik. Es wird so lange leben, wie alle solche Schlager. Schon jetzt beginnt sein Stern zu verblassen. Ein neuer wird kommen, ebenso geistlos in Text und Musik wie alle Erzeugnisse dieser modernen Musikseuche. Immerhin: Autor, Komponisfaund Verleger verdienen mehr daran, als je an Beethovens Sonaten verdient worden ist. * Man ist nicht immer zum Lesen aufgelegt. Auch das Radio, das wir eben angestellt haben, ist nicht immer willkommen, obwohl es im Augenblick gerade über die städtische und Gott sei Dank reklamefreie Station die Plattensendung einer Mozart-Sinfonie unter Bruno Walter bringt. Radio ist zu allgegenwärtig, um, von Ausnahmeleistungen abgesehen, als vollgültige Entspannung gewertet zu werden. In wasserarmen Gegenden ist die Quelle ein Heiligtum; der Wasserhahn, vielleicht die wichtigste Leistung der Zivilisation, wird kaum beachtet. Radio ist immer da. so sehr, dass sich kürzlich sogar eine Universität veranlasst gesehen hat, Untersuchungen über den Wert eines ..background" von Radiomusik für Studienarbeit anzustellen. Mit negativem Ergebnis übrigens. So entschliessen wir uns also, ins Kino zu fahren, in die „Traumfabrik", wie man dieses fast unersetzbar gewordene Mittel der Ablenkung für heutige Menschen genannt hat. Da wir die Abendzeitung schon beim Dinner bis zu den Sportnachrichten durchgelesen haben, beschäftigen wir uns in der S u b w a y mit den Reklamen, die über den Fenstern in gleichmässiger Reihe hängen. In unserem Wagen werden angepriesen: 19 Lebens- und Genussmittel, elf verschiedene Medikamente gegen Erkältungen, Kopfschmerzen und Magenbeschwer-

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