Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 20 (19.5.1938)
- Date
- 1938-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Nr. 20 # 1. Beiblatt CYIeitunq T9.Möi1938* Sefte-3 Erlebnis des Singens nur an. die Erfüllung 'der eigenen Wünsche denkenden Menschen, lebenswahr in ihrer von heftigen Gefühlsausbrüchen unterstrichenen Zuneigung zum Sohne des Hauses. In der> Maske des Biedermanns, hinter der sieh dieser kaltherzige, eine ansehnliche Mitgifrxerhoffende Sohn verbirgt, sah man Fritz' Benscher, seine schwierige Aufgabe ausgezeichnet lösend. Für die Rolle der Gnädigen, der Mutter des jungen Herrn, brachte Rosa Cohn das nötige Rüstzeug an raffinierter Bosheit, Rücksichtslosigkeit und Geldgier mit. Annelise Töpfer verkörperte bezaubernd das zwischen Kind und Backfisch stehende Töchterchen, das instinktiv seine ■Verständnisahnung für Gutes und Schlechtes im geeigneten Augenblick auszudrücken vermag. Erquickend stellte Alfons Fink wieder einmal eine mit Grabstellen, Ketten und Lebertran handelnde Hausierertype 'heraus, während Jenny Boree als köstliche, mit ihrem Federvieh um die Wette gackernde Hühnerfrau, die Szenen belebte. Gemütvoll zeichnete Georg Jacobsohn die Gestalt des Wasserträgers (Jusiks Vater), Willibald Fraenkel machte aus dem Schornsteinfeger eine bizarre Erscheinung, und Julius Rutkowsky gab den Bürgermeister mit Würde. Die Gestalten des Prologes und des Epiloges wurden von Erna Cohn, deren Haltung diesmal abgeklärter sein müsste, und von Annelise Töpfer dargestellt. Das Bühnenbild schuf mit geringen Mitteln wirkungsvoll Egon Markus. Herzlicher Applaus, der sämtliche Mitwirkenden immer wieder vor die Rampe rief, zeugte von der beifälligen Aufnahme des Stückes. Eugenie Mayer-Wolf. Konzerte und Vorträge Der Berliner Kulturbundchor hat im ersten Teil seines Maikonzerts einen besonders tiefen Griff in die Musikgeschichte getan, um sich dann in der zweiten Hälfte fasi ausschliesslich der Gegenwart zuzuwenden. Der „Jephta" des italienischen Altmeisters Carissinri, mit das berühmteste Werk aus der Frühzeit des Oratoriums, vereinigt in sich die aristokratische Linienführung und Klangschönheit des Belcanto mit der markanten Textinterpretation, die einen nicht minder wesentlichen Zug des musikalischen Barock bildet.- Es bleibt verdienstlich, dass sich Berthold Sander mit seinem Chor einmal an eine solche Aufgabe herangewagt hat. auch wenn sich das Verhältnis zu dieser Stil weit als noch nicht so recht vertraut darstellte. Es hätte eines ganz besonders homogenen, vibratoarmen Chorklanges bedurft, der - (palestrinaverwandten) Ausgewogenheit und Klarheit dieser Sätze Aväre mit strenger Zurückhaltung im Nuancieren gedient gewesen. Thea Bieber- B ran dt erwies in der Partie der Tochter eine Befähigung für das oratorische Fach. Alfred Lehmann sans; mit kultiviertem, angenehmem Bass den einen Erzähler, Arnold Kirschberg als Jephta und Toni Gold schlag, die für den erkrankten Kurt Kahn sicher einsprang, vervollständigten das Ensemble. — Unter den Volksliedhearbeitungen des zweiten Teils zeigen die palästinensischen Stücke Jakob Schönbergs das schärfste Profil. Leo Kopfs Setzweise des Emekliedes ist musikalisch überaus reichhaltig und gekonnt, kompliziert aber, wie übrigens die ^udxjciyeQeAaäei^ PER FILdTnDEN KUNST Prophet am Nordportal der Kathedrale von Chartre», 13. Jahrhundert Fot. Ulli Szkolny meisten derartigen Arbeiten, die Liedgestalt viel zu sehr. Es waren ferner vertreten: Hugo Adler (dessen ..Balak und Bilam" hier ja bekannt ist), Ludwig F i n k e 1, Gerhard G o 1 d s c h 1 a g mit dem schlicht-klangvollen „Gut' Nacht", I. Gladstein mit dem wirkungsvollen „Der Fodim" und Rosebery d ' A r g u t o. der in seinen Sätzen den erfahrenen, bekannten Chorpraktiker nicht J^MaÜ^'f: ALLIGATOR^ das s i rt d g u t e lederw« UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE: Berlin, Taueatzieastraße 16 Hamburg:, Jungfernstieg 43 Köln a. Rh., Hohestraßc 115 Essen, Limbeckstraße 10 Essen, Adolf-HitIer-StraJ3el8 Bochum, Kortumstraße 67 Frankfurt a.M., Roßmarkt 15 Zentrale, Offenbach a. M. Wuppertal-Elberfeld. Hetzogstraße? verleugnet. — Sander machte das alles mit einer Neigung zur Poinliertheit und virtuosen Darstellung; indessen wünscht man sich im Gesamtklang den solistischen Glanz, der mitunter zum Forcieren in der Höhe und damit zu Ermüdungserscheinungen führt, zurückgedrängt zugunsten einer strengeren Einheitlichkeit und einer stärkeren Berücksichtigung der weicheren Register. Als Es dürfte bei uns nur wenige bündische jüdische Jugendliche geben, denen in den letzten Jahren der Name Karl Adler nicht ein Begriff geworden ist. Unermüdlich hält der jüdische Musikdirektor aus Stuttgart seine Kurse ab, und unermüdlich schart sich die hündische Jugend aller Richtungen um ihn. Und es sind sicher nicht wenige dabei, die - für eine musikalische Fachangelegenheit im engeren Sinne ein. solches Interesse nicht aufbringen würden, "was treibt sie also zu diesem Mann, der ihnen nicht etwa künstlerische „Genüsse" bietet, sie nicht zu behaglichem Aesthetisieren führt, sondern als Fordernder vor sie hintritt? Darauf ist zunächst zu sagen: eben dies, dass hier gefordert wird, gewinnt die Besten. Der Aussenstehende wird sich vielleicht wundern, mit Briefmarken - Fritz Lewlsi Berlin W 35, Lützowstrosse 91 Ä. welchem Eifer diese jungen Menschen sich auch durch das Handwerkliche führen lassen, mit welcher Freude sie sich all den Uebungen, die von ihnen verlangt werden, unterziehen, wie sie sich einer Sache hingeben, die so gar keinen errechenbaren praktischen Nutzen und Zweck hat. Um hier zu begreifen, muss man um die Stellung des Musizierens in der Jugendbewegung wissen, muss einmal gespürt haben, wie hier Musik als Medium der Gemeinschaft erfahren und errungen wurde. Bündisches Musizieren — das ist nicht Darbieten, Darstellen, einer Hörerschaft gegenüber, es ist vielmehr reines Miteinander im Medium der Musik, wobei das Medium gewiss nicht Selbstzweck sein kann. Wer die Echtheit dieses Musizierens kennt, wird es . allerdings begreifen, warum unsere Jugend sich zu dem oft so konventioneilen Konzertbetrieb der Erwachsenen nicht sonderlich hingezogen fühlt. Diese bündische Haltung eint Karl Adler und seine Gefolgschaft. Und auf dieser Grundlage kann nun ein fruchtbares Arbeiten anheben, das solches musikalische Tun immer mehr zu adeln sucht. Auch dabei geht es freilich nicht um künstlerische „Ausfeilung" im Sinne Margarete Ackermann, Frankfurt a.M. rfpt^'*^ . Haus- und Küchengeräte für ^^Ausstattung: und Auswanderung1 fffsJlfl Jetzt im neuen Laden JlQlfeSandwes28 Sü*. eines möglichst reich nuancierten „Vortrages" — es wird ja niemandem „vorgetragen"! —, sondern um ein Singen mit gesundem und natürlichem Einsatz des Stimmlichen, um ein Musizieren in unverfälschter Bereitschaft und Konzentration. Dieses Ziel wird mit dem ganzen Rüstzeug moderner Musikerziehung verfolgt und dabei das Rüstzeug selbst den Lernenden an die Hand gegeben. So treibt Adler Atemübungen, Stimmbildung, Gehörschulung, rhyth- Diese Arbeit erhielt beim Erzähler-Preisausschreiben der C.-V.-Zeitung einen 4. Preis. Es waren die Tage, als derHerbst seine bunten Farben'über das Land zog. das Purpurblau und das Rot und das fast goldene Gelb, Die letzten wannen Strahlen der Sonne streuten den Frieden und die Milde über die Felder. In ihrem Duft fühlten wir uus noch einmal geborgen. Wir atmeten tief die erdsehollene Luft, die um uns war, und sahen mit beklommenem Herzen hinaus in die Weite. Dort stand ein leichter,.' fahler Dunst zwischen den Bäumen und am Fusse dos Horizonts tauchten die Türme und die schlanken Schornsteine, die Würfel der Häuser und die ragenden Dächer in ein ungewisses Licht. Das war der Herbst. Es gab nichts mehr, was dieses Sterben aufhalten konnte. Und wie immer um diese Zeit kam ein grosses Fragen in mir auf. Ich stand auf dem Felde mit der Hacke in der Hand und machte . die reifen Kartoffeln aus. Ich riss die geschrumpften Steuden" aus der Erde, holte die Kartoffeln hervor und warf sie je nach ihrer Grösse in die Körbe, die vor mir'standen. Meter um Meter ging es so voran. Stunden und Stunden war es so die gleiche Arbeit. Der Rücken schmerzte. Ich dachte daran, dass ich das eigentlich immer noch nicht gewohnt sei. Aber das andere war nun schon so lange her, und ich habe es bald vergessen. Ich sehe auf die Menschen um mich. Sie sprechen wenig und tun ihr Werk, das gleiche wie ich. Ich sehe, wie Frieda und Ruth'die Kartoffelstauden zusammensuchen, auf einen Haufen tragen und dann ein Feuer anmachen. Ein blauschwarzer Rauch zieht empor. Eine rote Flamme kommt darunter hindurch, bäumt sich auf, fällt' zusammen' und schwelt dann klein und gedämpft "heiter. Die Mädchen werfen Stauden und Reisig 3n die Flamme hinein, und dann tun sie Kartoffeln hinzu, die darin braien, sollen mische Gymnastik, Improvisation und was dergleichen mehr ist. Im Mittelpunkt steht natürlich das Singen selbst, es eröffnet jede Stunde und nimmt auch sonst einen breiten Raum ein. Und wie wird gesungen! Mancher „Berufschor" könnte sich ein Beispiel nehmen an dieser klanglichen Behutsamkeit, für die „Brüllen" die schlimmste Sünde ist, an dieser schönen Einheitlichkeit, an dem hohen Verschmelzungsgrad der Stimmen! In dem gegenwärtigen Seminar, das vom Jugendpflegedezernat der Jüdischen Gemeinde Berlin gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung durchgeführt wird, sitzen neben den Leitern der Bünde auch Lehrer und Kindergärtnerinnen. Wenn es all diesen Beteiligten gelingt, etwas von dem Geist des Seminars mit in ihr Alltagswirken hineinzutragen, dann werden die Mächte des Musikalischen, denen im Judentum schon immer eine nicht geringe Bedeutung zukam, sich auch künftig im Dienste höchster Zielsetzungen entfalten dürfen. H. Freyhan. Dymows „Jusik" im Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr Es war interessant festzustellen, dass anlässlich der Aufführung von „Jusik", des an dieser Stelle früher schon mehrfach besprochenen Traumspiels, beim Publikum immer wieder die Frage auftauchte: „Ist das eigentlich ein jüdisches Stück oder nicht?" Jedenfalls dürfte es kennzeichnend für die .Mentalität des Werkes sein, dass man sich — obgleich der Stoff von irgendwelchen, dem jüdischen Milieu entsprechenden Motiven gänz- ^^fttätäft^ 1 lieh frei ist — überhaupt mit diesem Problem auseinandersetzt. Eine Antwort darauf ist nur zu finden in der Wirkung, die dieses membrangleiche Märchen auf uns ausübt: es stammt eben aus dem Osten, jener Welt, die für uns vielfach zwar wesensfremd ist, die wir aber dennoch als mit uns verwandt und als Heimat ursprünglich jüdischen Empfindens anerkennen müssen. Die Darstellung des Märchens entsprach dem Charakter des Werkes durchaus. Ben Spanier, der Regisseur, besitzt die zu einer subtilen Gestaltungsweise erforderliche Hypersensibilität. Klaus Brill gab den Jusik voller Herzenswärme, unendlich zart und poetisch als sich glücklich Polsterwaren &| U-hS«!*» Weissensee, Eigene Werkst. fl| flfiiiltff Berliner Allee 255 Umarbeitung IIW|WJW 56 SS 58 wähnender Liebhaber, heldenhaft und vornehm als zutiefst Enttäuschter. Ruth Festersen spielte das Küchenmäd-?! mit der Robustheit eines Ich bin nun schon das zweite Jahr auf dem Gut, um zu lernen. Es ist der zweite Herbst, den ich erlebe. Früher bin ich in der Stadt gewesen. Den Gang der Jahreszeiten habe ich nur daran erkannt, dass die Blätter von den Bäumen im Park fielen oder neu sich entfalteten, und dass die Mutter sagte, ich solle mich warm anziehen, oder dass sie meinte, es sei mm Zeit, dass ich die Jacke ohne Aermel aus dem Spind nehme. Ich habe dann auch gesehen, dass die Cafes Stühle vor die Tür rückten oder sie wieder fortnahmen, "nachdem schon lange vorher Menschen, in warme Decken gehüllt, darauf gesessen und ihren Kaffee geschlürft hatten. Das war der Frühling oder das war der Herbst. Ich habe nicht sehr viel Notiz davon genommen. Was war denn eigentlich sonst noch? Ich weiss es schon gar nicht mehr. Die Zeit vergeht zu rasch, obwohl jeder Tag eine Unendlichkeit für jeden von uns ist. Die Freunde sind fort in aller Welt. Ich soll ihnen allen viel schreiben, und ich weiss doch eigentlich nicht, was ich berichten kann. Es ist immer wieder dasselbe. Es geht alles träge seinen Gang. Das Leben ist schwer. Man fühlt sich allein. Weshalb ist dieses alles? Weshalb muss ich so viel erleben und ich bin doch noch so jung? Weshalb steht ein ganzes Schicksal gegen mich und ich bin so allein? Weshalb, weshalb? Es sind überall lausend Fragen und nirgends eine Antwort. Ich merke jetzt erst, dass ich meine Hacke fallen gelassen habe, und dass ich in die Luft träume. Neben mir sind die Plätze von Frieda und Ruth immer noch frei. Sie sind noch beim Feuer, von dorn ein Streifen Bauch über das Feld zieht'.' Meine Körbe sind voll. Ich nehme sie in die Hände und gehe zu den Wagen, um sie auszuschütten. Da steht Ruth vor mir und sagt: „Du siehst sa-traurig aus. Was ist mit dir los" Es ist das erste Mal, dass sie so zu mir spricht Ich habe nie gewusst, dass sie sich über mich Gedanken macht. Ich glaube es auch nicht und deshalb meine ich, ich müsse mich verhört haben. „WTas ist?" frage ich zurück. - „Du siehst so traurig aus. Was ist denn mit dir los?" „Nichts" sage ich, „nichts .. „Ach, das glaube ich nicht!" meint sie. Sie sagt es einfach und schlicht. In ihren Augen ist ein grosses Fragen. Zwischen ihren Brauen steht eine kleine unmerkliche Falte. In ihren Wangen sind kleine zarte Grübchen. Wenn sie lacht, kommen sie hervor und streuen über ihr Gesicht einen Schatten der Zutraulichkeit. Ich sehe das alles zum ersten Male an ihr und doch ist sie eigentlich jeden Tag um mich. Aber was habe ich hier schon gesehen1 Ich habe meist an mich gedacht. ..Es ist Herbst'', sage ich dann zu ihr. „Es ist Herbst ..." „Deswegen brauchst du aber doch nicht traurig zu sein", meint sie. „Doch", antworte ich, „es ist doch Herbst und alles stirbt, und wer weiss, was aus uns wird"? Machst du dir denn gar keine Gedanken darüber?" „Nein", sagte sie, „ich will leben. Wir werden schon unser Leben bauen." - „Wir werden vom Leben gebaut", entgegnete ich ihr, „das ist es." „Du bist ein Philosoph", lacht sie. Ich verziehe ein wenig das Gesicht, als ich dies Wort höre. Ich — ein Philosoph? Es trifft mich dieses Wort doch eigentlich hart, wenn ich so denke, wie sie das meint. v Es könnte mich zwar gleichgültig lassen. Denn was habe ich schon mit ihr! Sie ist neunzehn Jahre alt und ich fast zehn Jahre älter. Da ist doch ein grosser Unterschied. Wie schnell wir über Fünfundzwanzig wachsen! Die zehn Jahre nach uns kommen, verstehen uns nicht recht, und die zehn Jahre vor uns sind, achten gar nicht mehr auf uns. Wir sind eigentlich allesamt verlorene Schafe in der Wüste des Lebens. - „Lass nur!" sage ich dann zu Ruth'. Sie geht. Ich sehe hinter ihr her und bin nun wirklich traurig. Ich sehe, wie sie an ihren Platz geht, die Hacke nimmt und die Stauden aufreist. Sie hat eine fast wilde Gebärde dabei. Sie ist ganz ärgerlich. Dann nehme ich meinen Korb und schütte die Kartoffeln in die Wagen. „Es ist auch Zeit!", meint Herr Fuchs, der Aufseher. „Trödle nicht so viel herum und träume nicht!" Da gehe ich wieder zurück zu meiner Hacke. Die anderen sind mir schon ein ganzes Stück voraus. Ich w'erde mich beeilen müssen, um sie einzuholen und mit meiner Furche so weit zu kommen wie sie. Ruth arbeitet neben mir. Ich sehe ihren schlanken Körper vor mir. Ihr kleiner Kopf steht gegen den blauen Himmel wie eine gemeisselte Form. Ich arbeite ganz rasch. Das trockene, dürre Gestrüpp fällt unter meinen Schlägen. Die reifen Kartoffeln klopfen gegen das Eisen meiner Hacke. Ich schiebe die Körbe immer weiter vor mir her. Dann sage ich zu Ruth, dicht neben mir: „Bist du böse auf mich? Du siehst so aus." Sie schüttelt wortlos den Kopf. „Sieh mal"', sage ich zu ihr, und in mir ist ein leichtes Zittern, „ich bin so viel älter als du und habe so viel erlebt. Wir haben alle einen anderen Sinn bekommen." „Ich glaube es", antwortet sie. „Ja, ja . . .", sage ich traumhaft. N Dann ist es wieder ruhig zwischen uns. Das Schweigen ist ein Panzer, hinter dem man sich "so schön verbergen kann. Die Zeit vergeht bei der Arbeit. Aus dem Nachmittag wird ein Abend wie jeden Tag. Aber ich werde diesen Abend nicht vergessen. * Wir hatten unser Abendbrot gegessen. Wir sangen noch ein paar Lieder von Arbeit und Volk. In dem Saale war eine lastende Schwül-.' Die •(schwere des Raumes zerrte ah meinem Innern. Ich musste wieder einmal hinaus ins Freie und die Sterne sehen. Wenn ich sie sehe, wird, mir freier und wohler» und die JVelt ist gewisser, Geschenkte Stunden / NoveIlevon Arno Herzberg