Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 19 (12.5.1938)
- Date
- 1938-05-12
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 C.-V.-Zeifung Nr. 19 *12.Ma!J938 Die Musik zu Lord Byrons Hebräischen Melodien Ein Teil der „Hebräischen Melodien" erschien erstmalig 1813. Der prunkvoll ausgestattete Band war der Prinzessin Charlotte von Wales gewidmet und trug den Titel: „Auswahl alter und neuer hebräischer Melodien. Mit Vorspielen und Begleitung versehen von J. Braham und I. Nathan. Die Dichtungen dazu wurden eigens für das Werk verfasst ^von dem höchst ehrenwerten Lord Byron." Von den beiden Herausgebern war John Braham ein beliebter und gefeierter Opernsänger; in der Erstaufführung von Webers, für London geschriebenen „Oberem" saug er die Rolle des Hüonu Er betätigte sich kompositorisch als Verfasser von Bühnenmusiken; sein Vater, der in London lebende Chasan Awrohom Singer, ist mehrfach mit Melodien in der Sammlung „Ahron Beer" vertreten, also wohl süddeutscher Herkunft. Isaak Nathan hatte eich gegen den Willen seiner Eltern, die ihn zum Geistlichen bestimmt hatten, den Weg zur musikalischen Laufbahn erkämpft Er hat erfolgreiche Operetten und Singspiele geschrieben. Heute kennt man von ihm nur noch einige musiktheoretische Schriften, darunter eine Abhandlung über hebräische Musik, und einen Band Erinnerungen mit wertvollen Angaben über Byron. Der Dichter hatte den jungen Nathan bei seinem Freunde, dem Bankherrn K i n a i r d, kennengelernt und ihm seine Verse unter der Bedingung zur Verfügung gestellt, dass Braham die Lieder öffentlich sänge. Die Sammlung enthält merkwürdigerweise drei Liebesgedichte, die zu dem Stoff keinerlei Beziehungen haben; einige wollen sie auf eine geheimnisvolle Jugendgeliebte Byrons. Thyrza, bezogen wissen. Die Aufnahm., der Dichtungen in England war kühl. Die gute Gesellschaft nahm mit Befriedigung zur Kenntnis, dass der unmoralische Lord einen religiösen Stoff gewählt hatte; der Dichter-Kollege Thomas Moore neckte ihn mit der Musik und der Vorliebe für Braham, sodass Byron sich spater von diesem zurückzog. Um so grösseren Erfolg hatte der Zyklus in Deutschland. In kurzer Folge erschienen mehrere' Ueberselzungen der Verse und eine Ausgabe des Liederbandes, die ein begeisterter Musikfreund und Volksliederforscher, ein Freund des Fürsten B a d - z i w i 1, besorgt hatte. Er hebt besonders einen Absatz aus Nathans Vorrede hervor, in dem es heisst: „Die Hebräischen Gesänge sind eine Auswahl aus den beliebtesten Weisen, die noch heute im jüdischen Gottesdienst gesungen werden. Einige von ihnen sind mit ihren heiligen Klängen nur durch Gedächtnis und üeberüeierung aufbewahrt worden, ohne die Hilfe schriftlicher Aufzeichnungen. Ihr Alter und Ursprung muss daher der Vermutung überlassen bleiben. Aber die Freiheit, die man dem Geschmack und dera Genie des Vortragenden gelassen hat, war das Mittel, den ursprünglichen Weisen eine gewisse fremdartige Wildheit und ein Pathos aufzuprägen, wie sie schliesslich die hauptsächlichsten Merkmale der heiligen Gesänge der Juden geworden sind." Es wird hinzugefügt, dass man sich bemüht habe, solche Melodien auszuwählen, die dem Stil und der Stimmung der Dichtung am besten entsprachen. Leider war nur in einem Falle der damalige hebräische Text einwandfrei festzustellen, doch sind einige Weisen heute noch im goUesdienstlichen Gebrauch. So begegnet uns in der Sammlung die bei uns übliche Melodie des „M o a u s z u r'. Sie stammt bekanntlich aus dem Lochamer Liederbuch und trägt für unser Gefühl einen ausgesprochen fröhlichen Charakter. Hier ist ihr ein tieftrauriger Text unterlegt: „An Jordans Strand Kamele Arabs gehn / Des Götzen Preis erschallt auf Zions Höhn / Der Baals Diener kniet, wo steil der Sinai steigt / ja eben dort, Oh Gott, Dein Donner schweigt!" Mit diesem Text muss sie noch viel späterhin Berlin bekannt gewesen sein, denn Max Bruch schreibt darüber an einen jüdischen Freund: „Ich habe gern durch meine Bearbeitungen zur Verbreitung dieser Melodien beigetragen." . Das Anfangsmotiv des K o 1 - n i d r e i ist in einer Dur-Fassung recitativisch innerhalb eines grösseren Liedes verwendet, ebenso die Schlussfloskel einer heute noch gesungenen NeIIa-Weise. In der Melodie des Gedichtes „Davids Harfe" erklingt heute das „J aal eh" des Jörn Kippur; auf ein „Ho du für S u k k o t h" von Avrohom Singer scheint die rhythmisch scharf geprägte Melodie von „Gazelle hüpft so froh und wild" zurückzugehen. Am schönsten verbinden sich Wort und Weise in „Beweinet, die geweint an Babels Strand", wo eine K a d d is ch meiodie von Scholom Friede (Sammlung Ahron Beer) verwendet wurde. Ergreifend der melancholisch schleppende Rhythmus des Anfangs und dann die leidenschaftliche Frage: ,.Wo ist ein Bad für Israels blutigen Fuss?" Eier iindet sich auch der für östliche Melodik so bezeichnende übermässige Sekundschritt. Unter Fortlassung der zahlreichen, nicht immer geschmackvollen Koloraturen ist dieses und ein zweites Lied „Jephtahs Tochter" 1S27 in eine Sammlung internationaler Volkslieder „Bardale" betitelt, aufgenommen worden. Die Verzierungen in diesen Liedern sind von Bedeutung für die Geschichte des synagogalen Gesanges. Sie zeigen stellenweise echt chason.ischen Charakter, daneben aber die Zeichen einer weltlich gewordenen Kunst, die auf virtuose Wirkungen ausging. Durch ihre Loslösung vom liturgischen Text ist der Sinn dieser Formen verlorengegangen. Das erweist sich am klarsten an der oben erwähnten Kaddischmelodie, die in ihrer ursprünglichen Fassung ein Gebet von erschütternder Innigkeit darstellt. Auch der Balladenkomponist Karl Löwe hat eine Anzahl der Byronschen Gedichte vertont. Darunter ist eines: „Eliphas-' Gesicht" (Hiob, Kap. 4, Vers 13/14), das offenbar auf sehr-alte Vorbilder zurückgeht. Eine feierlich schreitende Melodie, die, wie ausdrücklich vermerkt, in „Modo hyppophrygico", „hyppophrygischer Tonart", gesetzt ist. Auf die Zusammenhange älterer synagogaier Melodien mit den frühmittelalterlichen Kirehentonarten hat Idelsohn überzeugend hingewiesen. Die Buchausgabe von Byrons „Hebrew Melodies" erschien mebre-e Monate später als der Liederband von Braham und Nathan. Es ist ein freundlicher Gedanke, dass dem Dichter das geniale Verständnis für die einzig dastehende Tragik jüdischen Schicksals aus der persönlichen Berührung mit jüdischen Künstlern erwuchs. Antonie LilienfeM-Lewenz. ' r^^&aäSf ti^^'^Jf.-i*i& '^,S-Ä^?Mfc2PA <J? '%/, £*:3&^Ä iSäSIpi äf%ZSt$' i Nur für jüdische Arbeitgeber und Arbeitnehmer! ANGEBOTE 2 Jüngere JttdL TECHNIKER mit guten Kenntnissen im technischen Zeichnen, für ein Konstruktionsbüro gesucht. Angebote unter U. 7355 ao die C.-V.-Zeitung, Berlin W 15. Hausgehilfin jud., mit Kochkenntnissen, in gepflegten Haushalt nach Dresden gesacht, Angeb. unt-. S. 7405 an die €.-V.. Zeltnng. Berlin W 15._ Auf der chlrorg, Abteilung ist zum 1. Juni eine Issisteutenstelle zu besetzen. Chirurg. Vorbildung erwünscht. Meldung an den ärztlichen Direktor des Krankenhauses der Ö8St?ch-Isra6!il{scij. Gemeinde Hamburg, Eckernförderstr. 4 Kinderfräulein od Kindergärtnerin jftd-, zn zwei Kindern im Alter von 2 nnd 3 Jahren bei gutem Gehalt gesucht. Et was Mithilfe im Haushalt erwünscht Angeb. mit Lichtbi Id n. Zeugnisabsehr. an Frau Thekla 3olowi« g/dparig. Ferdinand - Rhodestrasse Gewandte jlid. fiacsgehüfir. oder Hsusischter mit Kochkenntn. f. gröss. 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