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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-12 · 19 (12.5.1938) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 * 1. Beiblatt CYZeilung 12. Mai 1938 * SeHe3 Nach fünf Jahren Zum Arbeitsbericht der Reichsvertretung der Juden in Deutsehland für das Jahr 1937 In diesen Wochen und Monaten hatten viele Juden in Deutschland Gelegenheit, den Werbefilm der Reichsvertretung „Schaffender Wille" zu sehen. In dem entschlossenen Wollen, schwere Zeiten zu meistern, und in der intensiven Gestaltung neuen ufd neuartigen Lebens ist eigentlich alles das ausgedrückt, was jüdische Sozialarbeit seit fünf Jahren und erst recht heute erstrebt und bedeutet. Aber jene Bilderfolge, die jüdische Jugend bei ihrer Berufsausbildung zu Landwirten und Handwerkern zeigt, ist nur ein Ausschnitt, ein Teilgebiet, und erst wenn man die vielfachen Fragen hinzunimmt, die sich um die Zentralprobleme Wanderung, Wohlfahrtspflege, Schulausbildung und Wirtschaftshilfe herum gruppieren, entsteht ein einiger- Von Dr. Ernst G. Löwenthal massen geschlossenes Bild von dem, was jüdische Selbsthilfe darstellt. Der neueste Arbeitsbericht der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, dessen Erscheinen die C.-V.-Zeitung bereits im Leitartikel „Die Visitenkarte" anzeigte, legt erneut Zeugnis vom schaffenden Willen auf allen Gebieten jüdischer Hilfs- und Aufbauarbeit ab. Das hier gebotene umfassende Material verlangt vor der jüdischen Oeffentlichkeit eine Würdigung, die dem Mass der ihm zugrundeliegenden Arbeitsleistung entspricht. ' Wir werden die angeführten vier Hauptgruppen auf der Grundlage des Arbeitsberichtes nacheinander hier behandeln lassen. Wir beginnen mit: Die produktive Wirtschaftshilfe Ohne Zweifel steht die Auswanderung im Vordergrund des Interesses — des Einzelnen wie der betreuenden und beratenden jüdischen Organisationen. Aber für diejenigen Menschen, die entweder nicht oder noch nicht auswanderungsfähig sind, ergibt sieh eine Notwendigkeit wirtschaftlicher Erhaltung. Und je mehr, wie im vergangenen Jahr, in vielen Wirtschaftszweigen und Berufsgruppen die Ausgliederung von Juden aus dem Wirtschaftsleben und die Liquidation jüdischer Unternehmen fortschreiten, desto grösser und verantwortungsvoller sind naturgemäss die Aufgaben der produktiven Wirtschaftshilfe. Dazu kommt, dass sich dieser Prozess auch ungünstig auf die Situation der jüdischen Arbeitnehmer auswirkt. Wenn auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit, so in der jüdischen Presse, in Versammlungen und in den Synagogen immer wieder auf die Verpflichtung der jüdischen Unternehmer gegenüber ihren jüdischen Angesteliten und Arbeitern hingewiesen wird, so ist doch, angesichts der Beschränktheit praktischer Unterbringungsmöglichkeiten, eine wesentliche Entlastung des jüdischen Arbeitsmarktes nicht erzielt worden. Zwar ist die Zahl der jüdischen Erwerbslosen seit der Aufhebung der jüdischen Arbeitsnachweise statistisch nicht mehr genau erfassbar. Mit Hille der Statistiken der Wohlfahrtspflege und der Wirtschaftshilfe wird sie jedoch auf etwa 40 000 geschätzt. Im Zusammenhang mit der Arbeitslosenfrage ist das Problem der Arbeitsvermittlung ins Ausland von besonderer Aktualität. Es können neuerdings Anträge auf Vermittlung ins Ausland bei den Landesarbeitsämtern 'gestellt werden, und namentlich der frühere jüdische Arbeitsnachweis in Berlin kann Anträge auf Genehmigung zur Vermittlung von Auslandsstellen einreichen. Nach der Genehmigung erfolgt die Bekanntgabe der Stellen in der jüdischen Presse, und Bewerbungen von Juden um Stellungen im Ausland können auf diese Weise erfasst und weitergeleitet werden. Produktiv helfen heisst — im Gegensatz zu allem Karitativen, zu allem, was mit Wohlfahrt und Unterstützung zu tun hat —: wertvolle Arbeitskräfte nicht brach liegen zu lassen, sondern ihnen im Rahmen ihrer bisherigen Berufstätigkeit zu helfen oder sie einer neuen Produktivierung zuzuführen. In solchen Fällen setzt in erster Reihe die produktive, d. h. wirtschafts- Briefmarken - Friti Lewin Berlin W 35, Lützowstrasse 91 A. fördernde K r e d i t h i 1 f e ein. Die beiden hier in Betracht kommenden Kredittypen, das Darlehen und der Wirtschaftshilfskredit, unterscheiden sich im wesentlichen voneinander durch die Verschiedenheit des Darlehenszwecks, der Bewilligungsgrenze und der Art der Sicherheitsstellung. Grundsätzlich gilt für das Darlehen wie für d^n Hiliskredit, dass sie nur zu produktiven Zwecken gewährt werden. Träger der Kredithilfe sind die jüdischen Darlehnskassen, zusammengeschlossen in der Zentralstelle für' jüdische Darlehnskassen e. V., die, eine selbständige Organisation, in engstem persönlichem und sachlichem Konnex mit der Reichsvertretung steht. Die Darlehnskassen arbeiten mit einem durch die jüdischen Gemeinden zur Verfügung gestellten Eigenkapital und einem durch die Zentralstelle aus Mitteln der American Joint Reconstruction Foundation und des American Joint Distribution Comniittee bereitgestellten Kredit. Darüber hinaus wurden aus dem Haushaltsplan der Reichsvertretung Mittel für Wirtschaf tshilfskredite zur Verfügung gestellt, die vor allem durch die Bezirksdarlehnskassen nach einheitlichen Richtlinien ausgegeben werden. Das Gesamtkapital der jüdischen Darlehnskassen einschliesslich der bei der Zentralstelle eingegangenen Rückflüsse beträgt, wie aus dem Arbeitsbericht hervorgeht, 1,25 Millionen RM. 1937 wurde eine gewisse Reorganisation der Darlehnskassen durchgeführt, nach der die Zahl der Darlehnskassen, die mit Foundation-Krediten arbeiten, nur noch 35 beträgt. Davon sind 13 Bezirksdarlehnskassen, 10 Orts- und Bezirksdarlehnskassen zugleich und 12 Ortsdarlehnskassen. Daneben sind der Zentralstelle weitere zehn Ortsdarlehnskassen angeschlossen, die zur Zeit ohne Foundation-Kredite arbeiten. Was konnte, das ist naturgemäss die am meisten interessierende Frage, im Berichtsjahr 1937 materiell geleistet werden"? Es wurden gewährt 2584 Darlehen im Gesamtbetrage von 930 677 RM gegenüber 2620 Darlehen in Höhe von insgesamt ~911 600 RM im Jahre 1936. Dass trotz der vor allem durch die Auswanderung ständig sinkenden Zahl der Juden, namentlich der erwerbstätigen Juden, die Tätigkeit der jüdischen Darlehnskassen nicht zurückgegangen ist, beweist, dass die Darlehnskassen, ursprünglich nur als Instrumente des wirtschaftlichen Aufbaus gedacht, in Zeiten der Ausgliederung und Auswanderung wichtige Funktionen auch für die vorläufige wirtschaftliche Selbsterhaitung der Auswanderungsfähigen zu erfüllen haben. Aufschlussreich für die Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse bei den Juden in Deutschland sind die Verschiebungen, die die Berufsgliederung der Darlehnsnehmer im Jahre 1937 gegenüber dem vorangegangenen Jahr aufweist. Sieht man einmal von den bewilligten Beträgen ab, so ergibt sieh für die Zahl der Antragsteller folgendes Bild: 1936 standen die Vertreter an erster Steile, ihnen folgten Händler aller Art; 1937 sind die Kleinhändler, Hausierer und Marktfahrer auf den ersten Platz gerückt. Mittel für die Wirtschaftshilfskredite, dem zweiten, schon erwähnten Kredittypus, wurden von der Reichsvertretung in Höhe von 175 000 RM bewilligt. Diese Kredite sollen in den Fällen gewährt werden, in denen den Bedingungen der Darlehnskassen für die Gewährung von Darlehen nicht entsprochen werden kann. Wenn auch grundsätzlich "wirtschaftliche Sicherheiten erwünscht sind, so kann die vergebende Stelle dennoch Ausnahmen von dem Grundsatz der Sicherung zulassen. Der einzelne Hiliskredit soll aber in der Regel den Betrag von 200 RM nicht übersteigen. Wenn man die bereits vor der Berichtszeit, also vor dem Jahr 1937, erfolgten Ausleihungen und die während der Be* richtszeit eingegangenen und wieder aus^ geliehenen Rückflüsse berücksichtigt, so kann festgestellt werden, dass bei allen Vergebungsstellen, Berlin ausgenommen, 1688 Wirtschaftshilfskredite im Gesamtbetrage von 215 995 RM aussenstanden. Der Wirtschaftshilfskredit hat sich zu einer wichtigen Ergänzung des Darlehnssystems entwickelt. Der Kreis der Empfänger der Hilfskredite unterscheidet sich von den eigentlichen Darlebnsnehmern erheblich. Universiiäisprofessor Dr. Hugo S!ern's Heilanstalt für Stimm- und Spracbkraxt&e Wien iX, Mariannengasse 15. Stottern. Stammeln.mangelhafte Aussprache, Näseln, spates Sprechenlernen der Kinder (Hörstummheit), Fisielstimme, K'ehlkopflähroungen, Stimmstörungen von Sängern nnd Sprechern ixstt. Ausbildung von Taubstummen. Das ergibt sich schon daraus, dass, wenn man Darlehen und Wirtschaftshilfskredit miteinander vergleicht, die Bedingungen für die Gewährung und die Bestimmungen für die Verwendung stark voneinander abweichen. Die Wirtschaftshilfskredite werden den wirtschaftlichen Verhältnissen der kleinen kaufmännischen und gewerblichen Existenzen angepasst, und die, wie schon erwähnt, kleinen Summen sind mehr als Beihilfen anzusehen, die verwandt werden z. B. zur Begleichung von Zinsrückständen auf Hypotheken, zur Finanzierung von Gelegenheitsgeschäften, zur Bevorschussung von Handwerkeraufträgen. Fast ein Viertel der ausgegebenen Wirtschaftshilfskredite kam Einzeln händiern mit offenen Verkaufsstellen zugute, dann folgen Vertreter, Kleinhändler, Landhändler u. a. Für die freienBe rufe wurde ein besonderer Fonds geschaffen. In Anbetracht der Tatsache, dass der ursprünglich in Aussieht genommene Betrag von 20 000 Reichsmark im Zuge einer allgemeinen Etateinsparung noch gemindert wurde, konnte nur in verhältnismässig wenig Fällen produktiv geholfen werden. Was geschah praktisch mit den bescheidenen Mitteln? „la etwa 14 Fällen", so heisst es in dem Arbeitsbericht der Reichsvertretung, „wurden honorierte Gutachten an ältere Juristen vergeben, in einem Fall wurde ein Bildhauer durch Auftragserteilung unterstützt, in sieben Fällen wurden die Transportkosten für die Verschickung von Bildern zu Ausstellungen an Maler vergütet, in fünf Fällen wurden Dichter und Schriftsteller durch Gewährung von Beihilfen in die Lage versetzt, ihre Arbeiten durch2wführen." Zum erstenmal, glauben wir, findet man in einem Arbeitsbericht der Reichsvertretung ausdrücklich den Begriff der Begabtenhilfe, Wieviel Sprachen muss man können? Von Alfred Auerbach Wieviele Sprachen muss der jüdische Mensch von heute können? Nun, so viel, als eben möglich — fremdsprachlich übe er sich im Englischen Französischen, Spanischen, Portugiesischen, im Iwrit — aber — eine Sprache pflege er auch, eine Sprache, die ausserordentlich wichtig ist und sehr ausdrucksvoll, einfach in der Grammatik, aber für viele Leute schwerer als alle andern Sprachen: — ich meine — das Schweigen! Jetzt sehe ich die überraschten Gesichter meiner Leser. Ich sagte dasselbe jüngst zu einer Dame, die mich besuchte und mich an der Schreibmaschine fand und redete--Sie gab pikiert die Antwort: „Ich finde Ihre etwas böswillige Bemerkung sehr unpassend, ausserdem, S i e dürfen --o etwas schon gar nicht sagen. S i e erzählen;anze Bände voll und stehen auch noch, in Sälen und reden und reden —*' — Ich versuchte, ihr klarzumachen, dass ein gewisser Unterschied zwischen beruflicher und privater Rede sei ... Sie sah das nicht ein — und sprach andauernd. Ich griff in meine gute treue Schreibmaschine und klapperte, die Dame plapperte! Die Buchte tabenträger meiner Maschine würden wild, ich sah, wie sie sich in der Verzweiflung umschlangen, das war gewiss noch keinem Schriftsteller passiert. Die Dame redete. Was gingen sie die märchenhaften Vorgänge in meiner Maschine an, sie sprach über Bekannte. Sonst erhebt mein kleines Enkelchen im Nebenzimmer sofort das süsse Stimmchen, wenn eine Mücke sich erlaubt, mit einigen akustischen Bemerkungen über den Plafond zu kriechen — vor der Stimme dieser Dame hat das Kleine wahrscheinlich Angst und hat sein Köpfchen unter der Decke versteckt Auch das Gewitter, das draussen heraufzuziehen im Begriffe ist, weicht aus. Blitz und Donner nehmen 6 Kilometer weit den Weg um die Ecke. Ich weiss mir nicht mehr zu helfen. Endlich — ein genialer Einfall: „Wissen Sie schon, dass Herr Alfons Brenner sich mit Fräulein Betty Samter verlobt hat . . .?" Die Dame ist einen Augenblick still und denkt nach, ob sie die Leute kennt, nein, in ihrem Bekanntenadressbuch sind die Namen nicht . . . Sie geht, sie muss erfahren, wer das ist. Nach einiger Zeit besucht sie mich wieder. „Sie haben mich angeschwindelt — die Leute, die Sie nannten, gibt es gar nicht . . . was fiel Ihnen denn ein?" „Ich wollte Ihnen eine Lektion im Schweigen geben; ich bin zwar auch Lehrer der Sprechkunst, aber ich finde es heute fast wichtiger, Lehrer der Schweigekunst zu sein."' Die Dame setzte eine hochmütige Miene auf: „Da werden Sie wenig Zulauf haben . . „Aber eine Sendung"', sagte ich. Edmund Husserl Edmund Husserl ist im 80. Lebensjahr gestorben, vereinsamt und doch, mindestens im weiten Kreise der Philosophie, längst von einer nahezu legendären Berühmtheit. Es ist eine, wenn man so sagen darf, sachliche Berühmtheit, die Persönlichkeit des Philosophen ist immer hinter seine Lehre zurückgetreten, eine Lehre, die von vielen bekannten Schülern verbreitet, verbreitert, und in ein riesiges Gebäude des modernen Denkens emporgebaut worden ist. Husserl wurde 1859 zu Prossnitz in Mähren geboren und wirkte als Professor der Philosophie zunächst in Göttingen, dann in Freiburg. Die Geister, die zuerst und zutiefst auf Husserls Denken einwirkten, waren wohl Bolzano und Brentano. Um dieses Denken, das sich sehr bald und intensiv vereigentlichte und allmählich zum grossen System gedieh, zu charakterisieren, ist es am besien, von seiner Gegenposition auszugehen. Husserl wandte sich, im -Anscbiass an das scholastische Denken, gegen den Psychologismus, gegen die Auffassung, als ob die Psychologie die Grundlage aller Philosophie und ihrer Disziplinen, besonders der Logik, oder auch, als ob sie überhaupt die einzige Wissenschaft sei. Für Husserl ist die Logik, Logik in seinem, weiten Sinn, von aller Psychologie unabhängig, ja eine rein apriorische Wissenschaft, die es lediglich mit einer absoluten, überzeitlichen Wahrheit zu tun hat. Husserls Name ist mit seiner Phänomenologie am engsten verknüpft. Er hat sie zuerst als Propädeutik für seine Logik geschaffen und dann immer tiefer bis zu einer Grundwissenschaft der. Philosophie überhaupt erweitert Er kennzeichnet seine Phänomenologie als „eine rein deskriptive, das Feld des transzendentalen, reinen Bewusstseins in der puren Intuition durchforschende Disziplin. Die Phänomenologie erforscht das Wesen der Gegebenheiten, das Eidos der Phänomene, durch „Wesensschau"'. Was aber ist in Husserls Sinn „Wesen", und was sind „wesenhafte Sachverhalte"? Durchaus keine Tatsachen, weder physische noch psychische Realitäten. Wesen und wesenhafte Sachverhalte gehören vielmehr in ein drittes Gebiet, in das Reich des „Geltenden". Das Problem, von dem Husserl ausgeht, ist ein, wenn nicht das Kernproblem: wie kann man das wirkliche Sein erkennen? Und die Antwort der phänomenologischen Schule ist: das Wesen des Dinges erschliesst sich für die Erkenntnis im Bewusstseinsvorgang, insofern jeder Bewusstseinsvorgang intentional, d. h. Bewusstsein von etwas ist; der Erkenntnisweg ist eine methodisch geleitete Wesensschau, in der Herkunft und Richtung dieser Philosophie liegt — neben der Grossartigkeit ihrer Methodik, ihrer Anwendbarkeit und Elastizität — das Geheimnis ihrer Wirkung: 6ie greift auf die Ursprünge zurück, sie will von der unmittelbaren seelischen Erfahrung ausgehen, gleichwohl den Psychologismus überwinden und zu einer metaphysischen Erkenntnis gelangen. Husserl hat der jüdischen Religionsgemeinschaft seit langem nicht mehr angehört, aber vielleicht kann man im Kern seines Philosophierens und besonders in seinem Aui-den-Grund-Gehen, in seinem antipsyehologistischen und antimaterialistischen Vertrauen auf das reine Denken und die Geistigkeit der Wahrheit und in der Richtung zur Metaphysik hin bestes jüdisches Erbe finden. Auch ist es nur natürlich, dass Husserl viele jüdische Denker beeinflusst und tief auf die neuere Theologie aller Konfessionen g^irkt hat Gleichwohl vermisst man unter den längst eine eigene Bibliothek ausmachenden Schriften zur Phänomenologie eine entsprechende jüdische Dar« Stellung, und überhaupt fehlt eine solche über die neueren jüdischen Philosophen, die manchen Ausschluss geben könnte, zumal hier neben Hussert seine Zeitgenossen Hermann Cohen, Bergs o n , Mauthner, Simrael n, a. stehen. L. H. Jüdischer Friedhof Von Max Goldstein Am Rande der Altstadt, auf einem Hügel, den ringsum alte Scheunen begrenzen, und der deshalb „Scheunenberg" genannt wird, liegt der jüdische Friedhof. Man weiss nicht mehr, weshalb die Alten gerade diesen. Platz zur letzten Ruhestätte für ihre Toten erwählten, maD weiss nicht, ob sie überhaupt einen Sinnn in diese Wahl legen wollten. Seit mindestens 150 Jahren ist es jedenfalls — wie die alten Grabsteine verraten — so, dass die Juden dieser kleinen Landstadt den ewigen Schlaf zwischen den gefüllten Kornkammern auf dem Scheunenberg schlafen, zwischen den Scheunen, die die Nahrung für die Lebenden bergen. War es Absicht oder Zufall, gleichviel: dieser Kranz gefüllter Seheunen um die Ruhestätte der Toten bildet eine eindringliche Symbolik für den Unwert alles Irdischen nach dem Tode. Hochragende Grabsteine und die strengen Formen der zwischen zwei Scheunen an den Rand des Hügels gebauten Friedhofshalle weisen den Weg. Lediglich eine schmale Pforte gewährt Einlass. -Hier herrscht die majestätische Ruhe des Todes- Nur die Traueresche weint leise, wenn der Wind hindurchfährt. Die riesige uralte Linde ist nicht mehr. Seit Menschengedenken beschirmen die beiden mächti-

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