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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-12 · 19 (12.5.1938) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
19 (12.5.1938)
Date
1938-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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MEINE ZEITUNG DES JUDENTUNS Zürich "uuiung; ~ **~ ~* <Jü.-.wij,^uu.Hgu. uiuiciliumuiw iu lipi. -U ixyi../. iUl l'iUTO UUii. 17 GW 41 b ucsiCUli flllC^IUV-il dUl 11d.tUlICl. UU, uuuaroijumujj viül 6w<uuivu "«"»o"------"—a-------— - Jl- ' 7 ö-i!2gesp. mm-Zeile 20 Rpf., f. Stellengesuche 10 Rpf., f. Familienanzeigen 16 Rpf., weit, ermäss. Grundpreise s. Preisl. Einzelanzeigen nur geg. Vorauszahi. — Anzeigensdiluss: Dienstag. Platza. Datenvorsehriften ohne verpmaucnseit. / liittitis eines Ls JL iBMundemtgähriges &ust&mlimt Im Oktober 1934 . hat Australien die Feier seines hundertjährigen Bestehens in überaus festlicher Weise begangen. Melbourne, die zukunftsvolle Millionenstadt des kleinsten Erdteils dieser Erde, war der hauptsächlichste Schauplatz der Jubiläumsfeierlichkeiten. Das Selbstbewusstsein der angelsächsischen Rasse, die diesen Erdteil zu dem gemacht hat, was er bedeutet, meldete sich bei dieser Gelegenheit stolz zu Worte- Die Bewohner des heutigen Australien zogen die Bilanz über ein Jahrhundert, und sie durften mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. Sie pochten in einer Weise, die nicht überhört wurde, auf die politische Selbständigkeit ihres Dominions und versicherten im gleichen Atemzug. ihre Anhänglichkeit an das britische' Empire. Diesem Grundverbältnis zwischen Mutterland und ehemaliger Kolonie entsprach die Anwesenheit des Herzogs von Gloucester. der den britischen König , bei der Jubiläumsfeier vertrat und in. -allen Landschaften und grösseren Städten Australiens zu Gaste ■weilte. Hundert Jahre Australien! - Für das geschichtsmüde Europa, das auf so viele Jahrhunderte zurückblickt bedeutet das nicht allzuviel.' Und hier zeigt sich bereits der Unterschied zwischen den beiden Erdteilen! Australien, obzwar nach Ansicht mancher Ethnologen die U r heimat der ältesten Menschenrasse, ist als Wohnort der weissen Rasse ein ziemlich junges Land. Im Oktober 1834 — und das war der Anlass zu der Jahrhundertfeier — fasste ein britischer Kolonist an der südöstlichen Küste des Erdteils im Gebiet des späteren Staates Viktoria, zum erstenmal Fuss. Dieser Wegbereiter der britischen Besiedlung Australiens, Edward Henty, war ein Mann von keineswegs überdurchschnittlichen Eigenschaften. Er war, von nicht weniger als sieben Söhnen begleitet, aus Kent in England eingewandert. Henty und die Seinen warfen sieh bereits auf denjenigen Erwerbszweig, der die grosse wirtschaftliche Perspektive des unerschöpften Kontinents eröffnete: auf die Schafhaltung und Weidewirtschaft. Aber nicht Henty, der den Ruhm der Priorität geniesst, sondern ein anderer ist der eigentliche Pionier der britischen Besitzergreifung und Kolonisierung Australiens gewesen. Das war ein Konquistador im Stile des Zeitalters der Entdeckungen namens - Johann Bat man, der im Jahre 1835 auf eigene Faust, nur von einer Handvoll kühnbeherzter Leute unterstützt, von der südlicher gelegenen Insel Tasmanien nach der ziemlich unbekannten gegenüberliegenden Festlandsküste übersetzte. Schon im Jahre 1827 hatte er einen solchen kolonialen Vorstoss geplant, der aber scheiterte, weil die Regierung von Neu- Südwales ihre Genehmigung versagte. Sein Projekt liess ihn jedoch nicht eher frei, als bis er selbständig vorging und durch den Erfolg seiner Unternehmung wiederum die historische Tatsache erwies, dass das britische Kolonialreich — man denke nur an Rhodes — im wesentlichen durch die Initiative einzelner kühner Pioniere entstanden ist, während der gouvernementale Bürokratismus hinterherhinkte. Das Prinzip der freien Kolonisation und nicht staatliche Kolonialpolitik hat den Grund zum heutigen Imperium Britannicum gelegt. In die Reibe der meist unbekannten Soldaten des Feldzuges der Weissen nach Uebersee gehört jener Batman. Durch geschickte Unterhandlung mit den verschiedenen Häuptlingen der misstrauischen Eingeborenen wusste er riesige Strecken Landes gegen geringes Entgelt zu erwerben. Die Regierung seiner eigenen Nation billigte ihm nur mit Widerstreben ein arg beschnittenes Besitzrecht zu. An der Stelle, wo er und seine Leute ihre erste notdürftige Niederlassung betrieben, erhebt sich heute die Millionenstadt Melbourne. MM. M£mdh&£i ®imms M^mtht^mts Wenn daher die Geschichte der intensiven Kolonisierung Australiens durch die Briten erst mit Henty und Batman einsetzt, und mithin die Phase der modernen. Entwicklung im Vergleich zu europäischen Traditionen verhältnismässig spät in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts beginnt, der Erdteil selbst ist bekanntlich viel früher als geographischer Begriff in das Gesichtsfeld der Europäer getreten. Wenn wir an die erste Entdeckung des Erdteils durch europäische Entdecker und Kundschafter denken, wird die Erinnerung an zwei grosse Namen sofort in uns waerT» Nachdem, die . Spanier und Portugiesen schon im 16. Jahrhundert in die Nähe der nördlichen Zone gelangt waren, fand der Holländer Tasman%" dem die Insel Tasmanien ihren Namen dankt, im folgenden Jahrhundert das australische Festland, das er Neu-Holland nannte. Aber den Ruhm des.massgeblichen Entdeckers .pflückte erst James Cook, der berühmte britische Weltumsegler, der auf. drei ausgedehnten Reisen von 1768 bis 1779 den Umriss des neuen Kontinents feststellte, indem er die fast lückenlose Erforschung des australischen Westrands durch die Holländer von. der Nord- und namentlich Ostseite her ergänzte. Die Namen der beiden sind in das Inventar der allgemeinen Bildung, eingegangen. Nur dem fachlich Interessierten sind dagegen die Namen der kühnen Forscher geläufig, die unter unsäglichen Mühen und unter Einsatz ihres Lebens von der Küste her das Innere des Erdteils erschlossen. Manche von ihnen sind als Pioniere ihrer Wissenschaft elend zugrunde gegangen. Erst 1860 glückte es, den Erdteil von Süden nach Norden zu durchqueren. Einige zentral gelegene Gebiete sind noch heute nicht vollständig erforscht. Merkwürdig genug war das Land, das die Weissen vorfanden. Schon die dem Verkehr abholden Küsten schienen dem von der See her kommenden Eindringling zu wehren. Dünenkämme ungeheurer Wüsten durchzogen meilenweit das Innere, das infolge seiner unerträglichen Hitze und Dürre für eine Besiedlung durch Weisse ausschied. Ebenso erschwerte die tropische Gluthitze des australischen Nordens dem europäischen Siedler, sich in grösseren Scharen niederzulassen. Bloss im Osten und besonders im Südosten, wo Gebirgslandschaften auf der einen, und Niederungen auf der anderen Seite ein gemässigtes Klima verbürgten, waren die Voraussetzungen für eine Landnahme und dauernde Ansiedlung der Weissen gegeben. Diese Teile des Kontinentes sind daher zum Ausgangspunkt und Schwerpunkt des europäisierten Australien geworden. Die Urbewohner des Erdteils, welche die Weissen antrafen, waren in zivilisatorischer Hinsicht auf der Stufe der Urzeit des Menschengeschlechts stehengeblieben. Nach der Art der Naturvölker und Primitiven fristeten sie als Sammler und Jäger ihr kärgliches Dasein. Die Berührung mit den Weissen hat sie aus dem Zustand ihrer Beharrung nicht aufzurütteln vermocht. Den eindringenden Europäern begegneten sie feindlich. So teilten sie das bittere Schicksal mit allen Urzeitvölkern, die mit der weissen Rasse in Konflikt gerieten. Aus den fruchtbaren Küstengegenden wurden sie in das unwirtliche Landesinnere abgedrängt: Alkohol und ansteckende, von den Fremden importierte Krankheilen richteten die üblichen Verheerungen an. Der Rest des australischen Urvolks, über dessen Umfang nur ganz ungenaue Schätzungen vorliegen, bietet heute dem Ethnologen ein unschätzbares Forschungsfeld, in politischer und ökonomischer Beziehung spielt er jedoch ebensowenig eine Rolle, wie die Ueberreste der roten Rasse in Nordamerika. Die Briten, durch die Schilderungen ihres Cook herbeigelockt, wurden Herr des Erdteils. Wie wenig Bedeutung sie aber der neuen Landerwerbung zunächst beimassen, wie falsch sie anfangs ihre wirtschaftlichen Chancen einschätzten, erhellt der Umstand, dass das noch unbekannte Land ihnen nur dazu nütze schien, um den Abhub der Bevölkerung von old merry England aufzunehmen. 1788 wurde Sydney als eine Kolonie deportierter Verbrecher angelegt. Andere Sträflingskolonien entstanden. In der britischen Vorstellung vom Ende des achtzehnten Jahrhunderts spukte Australien als eine der märchenhaft berüchtigten „wüsten Inseln". Durch Urbarmachung und Wegebau haben die Sträflinge nützliche Arbeit geleistet. Als man in London argwöhnte» dass die an diesen Gebieten gleichfalls interessierten Franzosen begehrliche Blicke auf Australien würfen, traf man Anstalten zur Sicherung des ziemlich mühelos erworbenen Besitzes. Kolonisten kamen aus freien Stücken herbei. Auf ihr Betreiben wurde die Verbrecherdeportation eingestellt Deshalb ist es ebenso abwegig wie leichtfertig, zu meinen, dass die heutige britische Bevölkerung Australiens schlechterdings von Holland-gegen Flüchtlinge Von unserem H-Bericfeterstatter AMSTERDAM, 1. Mai. Der Justizminister hat, wie die Tagespresse mitteilt, ein Rundschreiben an verschiedene Polizeiinstanzen gesandt, in dem er ausführt, dass das Einwanderungsproblem statt einer Verbesserung stets neue Schwierigkeiten mit sich bringe. Im Gegensatz zu der bisher entgegenkommenden Haltung ist die Regierung „der Meinung, dass diese Tendenz aufgegeben werden müsse. Verschiedene Interessen, u. a. die wirtschaftlichen, und die ständig zunehmende Arbeitslosigkeit, erfordere es. die weitere Zulassung von Flüchtlingen zu unterbinden. Ein Flüchtling wird in Zukunft als ein unerwünschter Fremdling zu betrachten sein. Unter Flüchtling (vluchteling) ist jeder Fremde zu verstehen, der unter dem Druck der Verhältnisse das Land, in dem er sich zur Zeit aufhält oder ansässig ist, verlässt; die Tatsache, dass der Flüchtling über genügende Geldmittel verfügt, ist kein Grund, ihn hier zuzulassen bzw. ihm einen Aufenthalt zu gewähren. Der Erlass bringt zum Ausdruck, dass die Grenzbewachung verstärkt und ausgebreitet ist und auch den örtlichen Polizeibehörden eine grössere Kontrolle zusteht. Diese neue Regelung gilt nur für neuankommende Flüchtlinge und diejenigen, die seit dem 1. März 1938 nach Holland gekommen sind. * Zu den neuen Verordnungen über die Flüchtlingsfrage schreibt, wie unser H.-Korrespondent noch meldet, der parlamentarische Redakteur des „Telegraaf", obwohl Holland von altersher die grösste Gastfreiheit geübt habe, durch die das Land überall bekannt geworden sei, habe jetzt die Regierung doeb allen Grund zum scharfen Eingreifen. Waren laut den ersten Verordnungen nur besondere Verschärfungen bezüglich der Geldmittel usw. als notwendig erachtet worden, so greift diese Verordnung mit der zurückwirkenden Kraft bis 1. März 193S viel tiefer ein und erklärt jeden Flüchtling;m Prinzip zu einen „unerwünschten Fremdling". Die Regierung habe erwogen — so heisst es in dem Artikel weiter — dass eine Anzahl europäische Staaten der Zuwanderung ausländischer Juden steigende Schwierigkeiten bereiten. Somit wäre es also nicht anders denkbar, als dass Holland in stärkerem Masse als bisher ein Zufluchtsort für diese Flüchtlinge werden würde.

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