Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 18 (5.5.1938)
- Date
- 1938-05-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 16 C.-V.-Zeitung Nr. 18 »5.Md193S vollem Umfang bewusst waren. Zwar ist bei allen das pjiivate Kapital durch die Vorhaftung des nationalen Kapitals schon ohnehin weitgehend gesichert Darüber hinaus aber haben sich alle drei Gesellschaften streng auf solche Geschäfte beschränkt deren Finanzierung — oder Mitfinanzierung — dem privaten ^Kapital zugemutet werden konnte. Das führte auf der anderen Seite dazu, dass sie manche wichtigen und reizvollen Siediungsauigaben dem nationalen Kanital allein überlassen mussten, so wertvoll es auch gewesen wäre, wenn diese Institute ihre Erfahrung, ihre Organisation und ihre Finanzkraft auch für andere, mehr chaluziscbe Zwecke hätten einsetzen können. Diese vorsichtige Geschäftsführung führte wiederum dazu, dass die Unternehmungen selbst in diesem Jahre der Wirtschaftskrise ihren Geschärtsumiang stark erweitern, ihre innere finanzielle Position — namentlich die Reserven und die flüssigen Mittel — wesentlich verstärken und angemessene Gewinne erzielen konnten. Es spricht nicht gegen diese Feststellung, dass die PLDC sich nimmehr, nach reiflicher Üeberlegung, doch entschlossen hat, eine etwas geringere Dividende als in den letzten vorangegangenen Jahren auszuschütten; die Stammaktien erhalten 6 Prozent (i. Y. 8) und die Vorzugsaktien ebenfalls nur ihre reguläre sechsprozentige Dividende, nachdem sie im Vorjahr noch einen Sonderzuschlag von % Prozent erhalten hatten. Der Reingewinn hätte an sich ausgereicht, um auch auf das etwas erhöhte Aktienkapital eine unveränderte Ausschüttung vorzunehmen. Aber gerade im Einklang miTdeii geschilderten Grundsätzen zog man es vor, die an sich schon hohen Reservefonds um weitere 3000 auf iöS ODO LP (d. h. mehr als 35 Prozent des eingezahlten Kapitals) zu verstärken und einen grösseren Betrag auf neue Rechnung vorzutragen. Bei der Pasa übrigens kann im wesentlichen nur über den heutigen Stand, nicht aber über die Entwicklung geurteiit werden, da 1937 das erste volle Geschäftsjahr dieser relativ jun-' gen Gründung des Keren Hajessod war. Sehen den Gemeinsamkeiten gibt es natürlich auch sonst eine Reihe wichtiger Verschiedenheiten zwischen den drei Gesellschaften. Bei der SIR bat sich der Anteil der reinen Agrarkredite, also der Darlehen an landwirtschaftliche Betriebe, auf etwas weniger als zwei Drittel der reinen Darlebnsgewährung vermindert, obwohl die absolute Summe gestiegen ist. Den grössieu Posten in dieser Rubrik bilden Wirtschafts- und Wohngebäude, deren Bau finanziert wurde. Stark" erhöht haben sich die Darlehen für Schaffung von Bewässerungsanlagen, die eine so wichtige Voraussetzung für das Gedeihen und damit auch für die Zahlungsfähigkeit der Siedlung bilden- Aus dieser Erwägung heraus hat sich" ja auch die NIR so massgebend an der Gründung der Wassergesellscbait Mekoroth beteiligt, die schon jetzt ganz neue Siedlungsmöglichkeiten für das wesentliche Emek Jesreef zu erschliessen beginnt. Gestiegen ist, der allgemeinen Lage entsprechend, auch die Sachfrage nach landwirtschaftlichen Betriebskrediten. Neben diesen und anderen Formen des eigentlichen Agrarkredits erfuhr ein neues Arbeitsgebiet der NIR eine besondere Ausdehnung» die A n si e d- I'ung von landwirtschaftlichen Arbeitern am Rande der grossen Kolonien, die auf Böden des Keren Kajemeth mit finanzieller .Mitwirkung des Keren Hajessod, der Deutschen Abteilung und des Arbeitsbeschaifungsfonds der" Histadrut zu besonders günstigen Darlehnsbedingungen durchgeführt wird. Bis Ende 1937 waren bei Chedera, Kfar Saba, Petach Tikwa, Gan Jawne und Tel Mond 202 Häuser mit Hillswirtschaft in geschlossenen g^^7*itE&^aa^^ dieser ihrer Wirkung recht oft hören, es kann und wird sie anspornen. Wir haben alle fünf Erdteile gehört, selbst Australien. Am S. März übernahm der Sender Jerusalem eine englische Empire-Sendung. Sie begann mit Vogel- und Tierlärm aus der australischen Wildnis, wie aus dem Exotenteil eines grossen Zoo. Dann folgte Musik der Primitiven und ihrer Kinder, zumeist wilder Krach, endlich gepflegtes europäisches Klavierspiei, dies alles aus Australien mit dem kleinen ümweg über England. — Alle diese Erlebnisse, die das Leben des in die Ferne Gewanderten so umgestaltet und so viel reicher gemacht haben, sind erst seit den grossen Fortschritten der Kurzwellentechnik und ihrer Erkenntnis möglich, das heisst seit wenigen Jahren. Aus Berliner radiophysikaiisehen Vorträgen der letzten Wochen erfuhr der Hörer, dass die Kurzwellen, die Wellen zwischen 13 und 50 Meter in der Hauptsache, von Amateuren, die im Kriege als Funker tätig waren, studiert und der zünftigen Radiotelephonie, die sich der Mittelwellen und der Boden- oder Langwellen zu bedienen pflegte, zugänglich gemacht worden sind. Die Kurzwelle, ein Zauberkobold, den sich der menschliche Geist nicht vorzustellen vermag, auch wenn er täglich sich ihrer Hilfe bedient, schwingt sich vom Sender Hunderte von Kilometern hoch in die Luit, nein: in die Stratosphäre, und jagt mit Lichtgeschwindigkeit in die fernen Erdteile, umkreist also die Erde in 0,138 Sekunde. Hier in Palästina hört man — bei Tage und bei Sacht — sämtliche Kurzwellenseudungen Deutschlands und Englands, nicht nur die mit Richtstrahlern nach Südasien gerichteten, sondern auch die für Amerika und Afrika bestimmten Sendungen. Eine unendliche Mannigfaltigkeit der Erlebnismöglichkeiten zieht daher den Menschen, der stets von neuem das Wunder anstaunt, zum Gerät* Nach des Tages Unrast, der Ermüdung durch das ungewohnte Klima, bedeutet die Versenkung des Geistes in die Ferne wirksamste Ablenkung. Seit mehreren Monaten höre ich auf dem 19- Meterband allabendlich Amerika und auf dem 25-Meterband Tokio. Von diesen Erlebnissen Randsiedlungen fertiggestellt; für das laufende Jahr sind dreihundert weitere Siedlerstellen vorgesehen, von denen sich 150 schon im Bau befinden. Die genannten beiden Hauptzweige bestreiten rund drei Viertel der gesamten Darlehnsgewährung der SIR, der Rest entfällt auf vorstädtische Arbeitersiedlung sowie auf eine besonders sichere und liquide Form der Anlage, nämlich mittel- und kurzfristige Darlehen an öffentliche Finanz- und Siedlungszentralen. Bei der Pasa entfällt mehr als die Hälfte ihrer langfristigen Darlehensgewährung auf Bewässerungskredite, der Rest auf sonstige Investionskredite. Ein Teil der Anleihen befindet sich noch im Stadium der Vorbereitung auf ..Uebergangskonio". Soweit die Darlehen schon tatsächlich abgewickelt sind, gliedern sich die Darlehensnehmer wie folgt: Siebzehn genossenschaftliche Kollektivsiedlungen — Kibbuzim und Kwuzot — erhielten etwas mehr als ein Drittel der Darlehenssumme, der, Rest entfällt zum grössten Teil auf acht genossenschaftliche Kleinbauernsiedlungen — Mosch'wej Owdim —> und kleinere Beträge dienten zur Kreditgewährung an Einzelsiedler. Die PLDC konnte auch in den ersten Monaten des neuen Jahres in erfreulichem Ausmass Böden auch an private Interessenten verkaufen. Ein Funktionär der Gesellschaft, der jetzt' von einer Auslandsreise zurückkehrte, Tel-Aviv. Ende April 193S. In unmittelbarem Anschkiss an die „brotlosen" Tage des Pessach-Festes, die durch den darauf folgenden Sabbath noch um 24 Stunden verlängert worden waren, begann für Tel-Aviv eine Reihe fleischloser Tage/ deren Ende noch nicht abzusehen ist. Allerdings, um übertriebene^ Vorstellungen auszuschalten — Tel-Aviv ist nicht hundertprozentig vegetarisch geworden, aber doch in sehr hohem Ausmass. Es handelt sich um eine Art Hungerstreik oder besser Proteststreik der ganzen Bevölkerung, der Stadtverwallung, der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, gegen die Preisdiktatur des Trusts der Schlachtviehimporteure. Schon die Tatsache, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Organisationen des Schlächtergewerbes und der Arbeiterschaft hinter diesem Streik steht, zeigt den ernsten Hintergrund der Angelegenheit. Bei einer neuerlichen Erhöhung des Fleischpreise» traten die im städtischen Schlachthaus arbeitenden jüdischen Schlächtermeister in den Streik, das heisst, sie weigerten sich, den Importeuren ihr Schlachtvieh abzunehmen und zu schlachten, und schon am nächsten Tage gab die Histadrut für alle Arbeiter des Gewerbes die Parole aus, sich dem Streik der Meister an-' zuschliessen. Die Stadtverordneten von Tel- Aviv eriiessen einen Aufruf an die Bevölkerung, die Aktion durchzuführen, bis das Monopol des Trusts gebrochen sei. Bürgermeister Rokach beklagte sich in einer Sitzung des Stadtpariaments auch über die „höchst sonderbare Haltung der staatlichen Distriktsbehörden", welche der Stadt die erbetenen Vollmachten zur, Regulierung des Fleischmarktes verweigert hätten und auch jetzt es ablehnten, einigen von der Stadt empfohlenen „Aussenseiter-Importeuren" die Erlaubnis zur Ausladung von Schlachtvieh in Tel-Aviv zu erteilen. Verschärft wird die möchte ich noch ein wenig mit dem am Rundfunk der Welt interessierten Leser plaudern. Die ÜSA-Sender, zusammengefasst als National Broadcasting Company of America, bringen aus ihrem Saiionai-Programm eine bunte Mischung, eingeleitet vom Sendezeichen, dem Dreiklang, meist den Tönen g e c. Gewöhnlich ist es der grosse New-Yorker Sender Sehenektady. den wir hören, aber auch die Sender Boundbrook, Pitts-' bürg. Chicago, Wesiingbouse und andere haben wir zu hören bekommen. Das breite Dialekt- Englisch des Ansagers unterscheidet sich vom klassischen Englisch des Londoner Ansagers, in dessen Sendung man unfehlbar hineingerät, wenn man den Kleinregler auch nur um 'eine Schwebung zu weit nach rechts dreht. Auf engstem Raum liegen sie nebeneinander, die Wellenkanäle mit den Sendungen aus Deutschland, England, USA, Rom, Prag, Holland, den drei skandinavischen Ländern, des Radio colonial de I'£iat francais, von denen mehrere neuerdings arabische Sendungen brachten, ferner die Sender Süd- und Osteuropas. Und alle ihre Wellen in Strahlenform wirbeln über unseren Dächern herum und lassen sich durch das spitzfindige Gerät des Röhrensystems mit den dünnen Zuleirungsschnüren in deinen Radiokasten einfangen und mittels des Lautsprechers wieder in Klang und Sprache zurückverwandeln. Hier heisst es aber lange üben, bis man die verschiedenen Wellenkanäie auseinanderhalten und, wenn man sie sucht, leicht auffinden kann. In Palästina gibi es Verzeichnisse der Kurzwellensender und ihrer Sendezeiten. — Aber nicht nur die amerikanische Sensation erzeugt stets neue Spannung, auch der Sender Tokio, der allabendlich Sendungen nach Europa binausstrahlt, ist hörbar und zieht mich immer wieder an. In liebenswürdigstem Deutsch redet einer der vier Ansager die Hörer in Mitteleuropa an; man glaubt, ihn lächeln zu sehen, so verbindlich spricht er. Sur wenige Zentimeter vom Amerikaner entfernt liegt zur Zeit die japanische Sendung, und doch welche Welt ist dazwischen! Man kann auch nach ihr seine Uhr regulieren, aber wenn der amerikanische Ansager sich nach konnte feststellen, dass zum Beispiel auch in den skandinavischen Ländern Interesse für die Böden und Aktien der PLDC besteht. In der Tat haben ja die Böden der PLDC, gerade weil sie unter ausschliesslich siedlungspolitischem und Ausschaltung aller spekulativen Gesichtspunkte erworben werden, eine Art Qualitätskontrolle passiert, die eine gewisse Gewähr für ihre Nutzbarkeit und Wertbesiändigkeit bietet. Ein entscheidender Teil der neuen jüdischen Bodenerwerbungen der letzten Zeit ist durch die Hände der PLDC gegangen. Wenn auch für die grossen Käufe des vergangenen Jahres teilweise fremde Mittel — im wesentlichen bei befreundeten Stellen — in Anspruch genommen wurden, so sind doch die Verbindlichkeit»" noch immer niedriger als die Aussenstände und auch niedriger als das Eigenkapital. Von dem Hule-Engagement hat sich die Gesellschaft weitgehend entlastet. Aber der wichtigste neue Konsortialpartner, die ICA, wird jetzt von einem alten Konsortialpartner — dem Bauernführer Mosche Smilanski, der selbst erheblich an dem Zustandekommen der Hule-Konzession mitgewirkt hat — lebhaft kritisiert, weil sie ihre grossen brachliegenden Mittel, die doch eigentlich für solche Zwecke bestimmt seien, noch immer nicht entscheidend eingesetzt und auf diese Weise den Beginn der wirklichen Siedlungsarbeit im Hule-Gebiet ermöglicht habe. Situation noch dadurch, dass es dem Trust seit einiger Zeit gelungen ist, das polnische Schlachtvieh^ das trotz des langen Transportweges billiger ist als das jugoslawische und das rumänische, weilgehend vom Markt verschwunden zu lassen und seine Einkäufe auf Jugoslawien und Rumänien, wo er, der Trust, eine Art Monopol zu besitzen scheint, zu konzentrieren. Der Leiter des städtischen Wirtschartsannes wird jetzt nach Jugoslawien und Rumänien fahren, um die Lage" zu untersuchen. In dem Kampf gegen die Einfuhr aus Polen wurde der Trust durch die Veterinärbehörden unterstützt; denn sowohl dort wie in Palästina hat sich Maul- und Klauenseuche gezeigt. Es ist dies nicht der erste Zusammenstoss zwischen dem Trust von Tel-Aviv und den Verbrauchern, wobei die Schlächtermeister, in richtiger Erkenntnis der Sachlage, auf Seiten der Verbraucher stehen und darin von der Stadt unterstützt werden. Denn der Fleischpreis ist hier doppelt so hoch wie in England, während die Kaufkraft der Verbraucher wesentlich niedriger ist. Allein vom August 1937 bis März 193S hat sich der Einzelhandelspreis für Rindfleisch — im Durchschnitt der jüdischen Märkte Palästinas — von 23 auf 27 Millim je Unze, also um beinahe 20 Prozent, erhöht. Das Oberrabbinat will den "Kampf unterstützen, wenn der Vertrieb von T r e f a - Fleisch endgültig unterbunden wird. Man muss zugeben, dass in Tel-Aviv, dessen Bevölkerung zu einem erheblichen Teil nicht orthodox" ist, in erheblichem Ausmass auch nichtkoscheres Fleisch konsumiert wird. Zunächst handelt es sich um die nichtkoscheren Teile der koscher, geschlachteten Tiere, die eigentlich nur zur Wiederausfuhr verwandt werden sollen, aber doch auf manchen Wegen auch in den heimischen Konsum gelangen. Auch aus Orten mit gemischter, nicht rein jüdischer Bevölkerung, findet Trefa-Fleisch den Weg nach ^MaWf^MiiBM-^'^^^ der Eastern Standard Time, der Zeit der amerikanischen Osiküste richtet, dann muss man wissen, dass sie sieben Stunden hinter der unsrigen in Erez Israel zurückbleibt; und wenn der Japaner sagt: „wir haben jetzt Dienstag morgen 5 Uhr 58 Minuten, die Sonne geht eben über der zu unseren Füssen liegenden Stadt Tokio auf, das Wetter ist schön, die Kirschblüte herrlich", dann befinden w i r uns noch am Montag abend, können sofort am Gongschlag des Reichssenders Berlin kontrollieren, ob unsere Uhr genau 23 Uhr angiebt, denn in Berlin war es ja mit dem Gongschlag 22 Uhr. Und rüsten uns zur Nachtruhe. Aber der amerikanische Kurzwellensendebetrieb fängt erst richtig an; denn in New-York ist es erst kurz nach dem Mittagessen, und beim Nachrichtendienst um fife p. m. haben wir genau Mitternacht.- Der amerikanische Kontingent ist gross, und im Westen von USA ist die Zeit mehrere Stunden gegenüber der Ostküste zurück. — Allerlei Schönes und Interessantes haben wir gehört. Am 17. März eine Bankettrede des amerikanischen Staatssekretärs aus Washington, dann eine Rede eines kanadischen Staatsmannes; am 19. März eine schöne Carmen-Aufführung aus Operahouse New-York City, bei der der Ansager sein Publikum in naivster Weise mit schullehrerhafter Gründlichkeit auf die Handlung vorbereitete. Am frühen Morgen spielte das Toscanini-Orchester in seinem Soniiabend- Konzert die Ouvertüre Wilhelm Teil, die Sibelius-Sinfonie e-moll und ein Orgelkonzert mit Orchester von Buxtehude. — Die besten Sänger Amerikas wirkten in einer Aufführung vom Lucia di Lammermoor mit. Einmal klang es spanisch aus der Sendung:, da hielt der argentinische Staatspräsident an die Union und ihr Oberhaupt eine Ansprache. Der kleine winklige Umweg von Buenos Aires über Nordamerika hat der Deutlichkeit des Empfangs hier in Erez Israel keinen Abbruch getan! — Am 24. März gegen 9 Uhr erklang unser Lieblingsstück von ehedem,' das Klavierquartett von Robert Schumann. Drüben im Broadcasting-Raum sass am Cellopult der damalige musikbegabte Schüler, heute ein Tel-Aviv, und schliesslich sind in grossem Umfange auch ausländische Fleischkonserven am Markte. Neben den geringen Restbeständen von. Trefa-Fleisch sowie diesen Fleischkonserven sind heimische Würste sowie Geflügel aus den jüdischen Hühnerwirtschaften zur Zeit die einzig erhältlichen Fleischwaren. Toscanini und Kuherman Ehrenbürger von Tel-Aviv Ein Erlebnis von unvergesslicher Stärke war Toscaninis Abschiedskonzert in Tel-Aviv. £s war ein Sonderkonzert, welches das Publikum der beiden Abonnentenkategorien — für die sonst wegen Raummangels an zwei aufeinanderfolgenden Abenden getrennte Konzerte startfinden — vereinigte, sowohl die Einzelmitglieder, die „bürgerliche Sektion" ' des Kcnzertvereins als auch die Mitglieder der Arbeiferorganisation und zahlreiche einmalige Gäste, unter ihnen der High Commissioner Sir Harold McMichael. Dr. Weizmann sowie auch hohe englische Beamte und Offiziere. Draussen, vor der Konzerthalle, jüdische und englische Polizei, bewaffnet, und sogar ein Polizeiwagen mit Maschinengewehr, drinnen der Saal überfüllt von einem festlich gekleideten und festlich gestimmten Publikum. Orchester und Publikum grüssten Toscanini bei seinem Eintritt durch Erheben von den Plätzen und stürmisches Händeklatschen. Und die ergriffene Begeisterung steigerte sich, als Toscanini mit seinem souveränen Musizieren aus den wohl allen längst vertrauten Stücken des Programms so neue Schönheiten herausholte, dass man manches zum ersten Male zu hören glaubte. Er spielte Wagner. Beethoven, Tschaikowsky, Rossini und Saint. Saens. Nach der grossen Pause betrat, noch vor dem bereits anwesenden Toscanini, Bürgermeister Rokach das Dirigentenpodium und verkündete, dass vor einigen Stunden die Stadtverordneten von Tel-Aviv, auf Vorschlag der Bürgermeister, einstimmig Toscanini und Huberman zu Ehrenbürgern der jüdischen Stadt ernannt haben. Langanhaltende Ovationen bestätigten Toscanini und dem ebenfalls anwesenden Huberman, dass die Stadiverwaltung damit einem allgemeinen Empfinden des Dankes Ausdruck gegeben hatte. Seit ihrer Gründung vor nunmehr 29 Jahren hat Tel-Aviv diese Ehre erst 25mal vergeben. Unter den dreizehn lebenden Ehrenbürgern ist Toscanini der einzige Nicht jude. Toscanini hat sich nunmehr in Haifa zur Fahrt nach England eingeschifft. Zur Leitung der nächsten Serie von Konzerten des Palästina- Sinfonieorchesters ist der britische Dirigent. Malcolm Sargent in Palästina eingetroffen. * Seit kurzem erscheint in Palästina ein« Musikzeitschrift „Musica Ebraica", deren Schaffung auf die initiative des Welt-Zentrums für jüdische Musik in Palästina, auf das wir in Nr. 14 der C.-V.-Zeitung vom 7. April hinwiesen, zurückzuführen ist Verleger ist Dr. Salli L e v i, Herausgeber Hermann Swet, beide Jerusalem. Die jetzt vorliegende erste Doppelnummer enthält Beiträge bekannter jüdischer Musiker und Musikwissenschaftler, so u. a. von Darius Milhaud, Paris, und Carl Salomon, dem Leiter des palästinensischen Rundfunks: die jüdischen Musiker in Deutschland sind in diesem Heft vertreten durch Arno Nadel, Dr. Oscar G-xittmann und Dr. Anneliese Landau. Zu den Mitarbeitern der „Musica Ebraica", die später zu Wort kommen, gehören Fachleute aus Europa, Palästina und Amerika. bedeutender, den Berlinern wohlbekannter Cellist (Ernst S.), der jahrelang Mitglied eines berühmten Quartetts war. Die anderen Mitspieler von damals sind nicht mehr; der Cellist aber spielt drüben so frisch und klangschön wie je — und ich, der ehemalige Violaspieler des Kammermusikkreises von damals, höre hier, nach 20 Jahren, über den Ozean hinweg sein Spiel und seinen Namen! Welche tiefe Bewegung der Seele! So unterhaltsam zumeist die amerikanischen Sendungen, so stimmungsreieh sind oft. die japanischen. Sicher kann man sie drüben in Berlin auf den Bändern 25 oder 31 hören. (Abends von 9.30 bis 10 Uhr.) Pünktlich um 9.30 Uhr hiesiger Zeit beginnt ein eigenartiges Klingen von Glöckchen in merkwürdigen Intervallen. Dann erfolgt die Ansage in vier Sprachen, auch auf deutsch. Dem europäischen Hörer soll der Ferne Osten nähergebracht werden: deshalb bringt die Sendung gewöhnlich eine Mischung von einheimischer und europäischer Musik. Letztere ist in Japan durch deutsche Dirigenten eingeführt und wird von der Kaiserlichen Musikakademie neben der altjapanischen gepflegt. Diese stellt gern ihre Schüler heraus, und so hört man mit freudigem Staunen bekannte Klänge, z. B- Variationen über die Melodie „Alle Vögel sind schon da", mit japanischem, von Schulkindern gesungenen Text. Oder ..Horch, horch, die Lerche" von Schubert, von einem Fräulein Saida vorgetragen. Aber die einheimische Musik ist ein Kapitel für sich. 'Offenbar wird auf ihre Propagierung bei uns grosser Wert gelegt. Schwer gewöhnt man sich an sie, von der falschen Vorstellung befangen, die Puccinls herrliche Oper Butterfly mit der Idealisierung dieser Musik in uns hervorgerufen ■ bat. Sie ist von ermüdender Monotonie, wennschon von weichem, scheinbar stets' gleichem Stimmungsgehalt, in düsterem Moll gehalten und bewegt sich in fast denselben musikalischen Wendungen, mag es sich beispielsweise um ..Volkslieder aus Mitteljapan" handeln oder um Sologesänge oder Chöre oder um Instrumentalmusik. (Fortsetzung folgt) Fleischlose Tage in Tel-Aviv 'Von unserem -^»Palästina-Berichterstatter