Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 18 (5.5.1938)
- Date
- 1938-05-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seife 6 C-V.-Zelfung Nr. 18 *5.Mail938 Wirtschaft ist in einer beachtenswerten .Wandlung begriffen. Die landwirtschaftliche Produktion — bis vor kurzem im wesentlichen nur Tabak und .Zücker — wird mannigfaltiger. Auch versucht man, das System der grossen und meist in ausländischem Besitz befindlichen geschlossenen Pflanzungen zu durchbrechen und durch Landverteilung einen selbständigen Bauernstand zu schaffen. Eine eigene Industrie ist gleichfalls im Entstehen. An dieser Industrialierung nimmt ein Teil der Juden tätigen 'Anteil besonders auf dem Gebiet der Testii- und Lederwaren. Andere wieder sind im Einimd Ausfuhrhandel tätig. In den kleineren HERBERT UEBENTHAL ' ■ach allen Erdteilen fS.'^X 'SPS? Berlin WS, Krenenstr. 33 ■ Lte.J&Ji Fernruf 16 37 40 •Städten und auf dem Lande betätigen sich die Juden allerdings vielfach noch als Hausierer und Kleinhändler. In Havanna ist eine Anzahl jüdischer Mensehen als Arbeiter in den Lederwaren- und Testilfabriken beschäftigt. Die Löhne sind aber oft recht gering. Ueberhaupt ist das Einkommen im allgemeinen niedriger als in den Vereinigten Staaten, während die Lebenshaltung in Havanna kaum viel billiger als in den grossen Städten der USA sein dürlte. An eine starke neue Einwanderung von Juden nach Kuba ist kaum zu denken. Das Land ist mit seinen mehr als vier Millionen Einwohnern verhältnismässig gut bevölkert. Einer grösseren Ansiedlung von Juden in der Landwirtschaft, wie sie vor einiger Zeit erörtert wurde, stehen nicht nur klimatische, sondern auch politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten im Wege. Ein grosser Teil des in Privatbesitz befindlichen Bodens ist — trotz der geschilderten Versuche, eine bessere Landverteilung zu schaffen — noch in den Händen ausländischer Plantagenkonzerne- Ob diese gewillt sind, Land zu erschwinglichen Preisen abzugeben, ist recht zweifelhaft Andererseits wird man Regierungsland, soweit es vorhanden ist, zuerst den einheimischen, sehr armen Bauern und Landarbeitern zur Verfügung stellen, wie das auch in Mexiko geschehen ist. Der zuwandernde Jude würde also zu versuchen haben, im Handel oder in der Industrie Fuss zu fassen. Ob dies bei dem heutigen Stand der Wirtschaft in grosserem Umfange möglich ist, muss allerdings zunächst noch fraglich erscheinen. Für intellektuelle Berufe sind die Aussichten in Kuba ausserordentlich schlecht Es herrscht zwar ein reges geistiges Leben, aber die Zahl der einheimischen Intellektuellen ist bereits recht hoch. Das jüdische Leben Kubas leidet an einer gewissen Zersplitterung. Sephardim und Aschkenasim haben noch immer nur wenig Berührungspunkte. Erst in neuester Zeit, ist es unter dem Einfluss der kleinen Gruppe amerikanischer Juden zu einer gewissen Annäherung zwischen beiden gekommen. *k ~> « a /fe ^y^.^'ä^Q*aa/C3^ J~!kJL &j%*£&>\3jL" ' ckt aus aller-Welt Australien In der letzten Zeit hat der Bundesschi edsgerichtsho! verschiedene Entscheidungen gefällt durch die die Arbeitszeit in einer Reihe von Industrien verkürze wird. U. a. wurde in der Langholzindustrie mil Wirkung vom 1. Januar 1938 die wöchentliche Arbeitszeit von 46 auf 44 Stunden herabgesetzt. Hiervon betroffen werden etwa 10 000 Arbeiter in Viktoria. Neusüdwales, Südaustraiien und Tasmanien, ferner auch das Personal der Sägern üblen, der Möbelfabriken, der Fabriken für Sportartikel in diesen Staaten. In Viktoria und Südaustralien wurde auch die wöchentliche Arbeitszeit in den Fabriken für landwirtschaftliche Geräte au! 44 Stunden herabgesetzt. Schliesslich fand die 44-Stunden-Woche Eingang im Sattlereigewerbe und in den Konservesfabriken. In verschiedenen Wirtschaftszweigen ist durch neuere Schiedssprüche ein bezahlter Jahresurlaub für Arbeitnehmer eingeführt - worden, so in der Glasindustrie, ferner in der Seifen- und Kerzenindustrie. Die Länge des Urlaubs 'beiräsi im allgemeinen jährlich eine Woche. (IRA 1933, 343; 352.) Brasilien " Einem Bericht über die Durchführung der Sozialversicherung (ISA 1938, 381) entnehmen wir, dass in Brasilien zur Zeit sechs Pflichtversicherungscrdnungen bestehen, die Renten bei Invalidität, Alter und Tod sowie Sachleistungen bei Krankheit gewähren. Die älteste Versicherung ist im Jahre 1S23 geschaffen und im Jahre 1931 erweitert und neugeordnet worden. Die anderen Versicherungen sind im Jahre 1933 und 1934 eingerichtet worden. Die Gesamtzahl der Mitglieder der sozialen Kassen und Einrichtungen belief sich im Jahre 1935 au! 495 363. Chile Die Nachtarbeit in Bäckereien soll vom Gesundheitsminister durch eine Verordnung geregelt werden. Besonders soll die Verordnung Vorschriften über die gesundheitlichen Voraus* Setzungen und die Ueberwachung der Nachtarbeit enthalten. (IRA 1938, 345.) Ekuador Beim Ministerium für soziale Fürsorge ist eine Generalarbeitsinspektion errichtet worden, die die Aufgabe hat, darüber zu wachen, dass die Gesetze, Verordnungen und Reglernente über die Arbeitsbedingungen und den Schutz der Arbeiter gewissenhaft eingehalten werden. Ferner hat der Generalarbeitsinsnektor das Recht, Fabriken, Werkstätten, Büros und sonstige Betriebe zu besichtigen und, im Anschluss daran, dem jtöinisterium Anregungen zur Reform und Erweiterung der Arbeitsgesetzgebung zu unterbreiten. Schliesslich ist er auch berechtigt, an arbeitsrechtlichen Verfahren mitzuwirken. - Großbritannien Am 4. April 193S ist ein Gesetz in Kraft getreten, wonach Personen im Alter von 14 bis 16 Jahren Anspruch auf Kranken- und Invalidenversicherung haben, sobald sie eine bezahlte Arbeit annehmen. (IRA 1938, 363.) Kolumbien Die in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verstreuten arbeitsreehtlicheii Bestimmungen sollen in einem einheitlichen Arbeitsgesetzbuch geregelt werden, das zur Zeit dem Senat zur Beschlussfassung vorliegt. In dem Gesetz werden die Rechte und Pflichten der Privatangestellten, der Arbeiter, der Arbeitgeber und Unternehmer behandelt, ferner Bestimmungen über den Arbeitsvertrag, die Sonntagsruhe, den Achtstundentag, über Lohnbeschlagnahme, Pflichtversicherung und Gesundheitsschutz getroffen. Schliesslich werden in ihm auch die Vorschriften über Streiks und Gewerkschaften behandelt werden (IRA 1938, 335). Mexiko Der Präsident der Vereinigten Staaten von Mexiko hat (nach einem Bericht der IRA 1938, 356) einen Gesetzentwurf eingebracht, der an die Stelle der geltenden Bestimmungen über den gewerblichen Gesundheitsschutz treten soll. Nach diesem Entwurf werden die Gewerbe in unschädliche, unbequeme, ungesunde und gefährliche eingeteilt, die einzelnen Gruppen begrifflich voneinander abgetrennt und die Aufgaben des Ministeriums für Volksgesundheit auf dem Gebiete des gewerblichen Gesundheitsschutzes festgelegt. Südafrikanische Union Das im Jahre 1937 erlassene Gesetz über die Einführung einer Arbeitslosenversicherung ist am 1. Januar 1938 in Kraft getreten („The Union Of South Africa Government Gazetie", 17. Dezember 1937). Uruguay Nach einem Gesetz vom 21. November 1936 müssen alle Geschäfte in sämtlichen Orten Uruguays Sonntags geschlossen bleiben. Da die Ueberwachung und Durchführung dieses Gesetzes auf dem flachen Lande sich praktisch als unmöglich erwiesen hat, ist nunmehr bestimmt worden, dass die Sonntagsruhe nur in Städten, Dörfern und grösseren Ortschaften durchgeführt werden soll. USA Nachdem im Jahre 193S in 21 Staaten und im Kolumbia-Distrikt mit der Auszahlung. von Arbeitslosenunterstützungen begonnen worden ist, werden (in der IRA 193S, 378) Mitteilungen über die Höhe und Bezugsdauer der Arbeitslosenunterstützungen gemacht. Diese ist in den einzelnen Staaten sehr verschieden. In den Staaten, in denen im Januar 1938 mit der Unterstützung begonnen worden ist beträgt die Höchstunterstützung 15 Dollars wöchentlich. In Louisiana ist die'Höchstdauer der Unterstützung auf 26 Wochen im Jahr und in Westvirginia auf 12 ' Wochen jährlich festgesetzt. In elf Staaten wird eine Unterstützung von höchstens 16 Wochen im Jahr gewährt In Washington fand die vierte Landes-» Konferenz , für Arbeitsgesetzgebung in USA' im Beisein von Miss Frances Perkins, dem Bundesarbeitsminister der USA, statt Nachdem sie auf die grosse Ausdehnung der Mindestlohngesetzgebung und der gesetzlichen Beschränkung der Arbeitszeit und auf weitere gesetzgeberische Fortschritte in der Arbeitsgesetzgebung der USA hingewiesen hatte, nahm die Konferenz eine Reihe von Entiöchliessungen an, die für die Entwicklung des Arbeitsrechts in USA von grosser Bedeutung sind. U. a. ersuchte die Konferenz den Bundesarbeitsminister, eich eingehend mit der Frage des Schutzes der älteren Arbeit- Blick in die Wirtschaft Länder und Währungen Anmerkungen zur W elt- ■H'irischaft Steuer- Termine ■ Palästina und Uebersee Postschlüsse Devisenrecht Gesetze und Entscheidungen Senden Sie mir bis auf Widerruf die €•■ V.¬ Zeitung, 66 Pfennig für Mai und Juni zahle ich bei Vorlage der Postquiftung an den Briefträger^ Name: _ Ort-._ Strasse:- Ausschneidan und mit 3 Pfg. frankiert (oder unfrankiert) senden an: C.-V.-Zeitung. Vertrieb, Berlin W15, Emser Strasse 42. Telef.: 92 81 41 45 nehmer zu befassen und Massnahmen gegen die Benachteiligung der älteren Arbeitnehmer im Wirtschaftsleben vorzuschlagen. Bezüglich des Lehrlingswesens trat die Konferenz dafür ein, die bundesstaatliehen Arbeitsministerien mit der Beaufsichtigung des Lehrlingswesens zu betrauen. Eine wichtige Entschliessung endlich betrifft die gewerbliche Heimarbeit. Hier spracb eich die Konferenz für ein gesetzliches Verbot der gewerblichen Heimarbeit aus, soweit entsprechende Knabefikteitfaii! HerrenkleidHiiB preiswert u. gut bei | Spezlal-Angebote 1 für Auswanderer &?anhfzt?i aw S*L Gegentteer d. HacjebafcriHof Gesetze in den Bundesstaaten noch nicht angenommen worden sind. Durch bundesgesetzliche Vorschriften soll auch der zwischenstaatliche Handel mit Erzeugnissen dieser Art verboten werden (IRA 1938; 240). Die Löhne in der Landwirtschaft erreichten im Oktober 1937 den höchsten Stand seit sieben Jahren. Gegenüber dem Vorkriegssatz belief sich die Messziffer auf 126 gegen 110 im Oktober 1936. Nacb einem Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums stiegen die Löhne in der Landwirtschaft in den letzten fünf Jahren gegenüber den Preisen der landwirt- Das Examen'besieht aus einem schriftlichen Teil, der von allen gemeinsam abgelegt wird, und einer mündlichen Prüfung, zu der die Kandidaten einzeln zu bestimmten Zeiten vorgeladen -erden. Und nun wird es ernst. Was tut man unmittelbar vor dem Examen? Das ist Temperamentssaehe. Manche arbeiten mit Hochdruck, andere ruhen sich aus. In dem Vorwort zu einem beliebten Repetitionsbuch für das Staatsexamen gibt der Verfasser den Rat: ..Was du auch tust, arbeite nicht die Isacht vor dem Examen. Gib deinen Gehiraintaiten die Möglichkeit, durch Auskühlung zu kristallisieren. Höre 24 Stunden vorher mit "der Vorbereitung auf. Widme diese Zeit, oder besser noch das Wochenende, der Zerstreuung: Tanzen, Bergkiettern, Theater oder was du sonst ■willst." Tanzen, Bergkiefern, oder was du sonst willst, erweisen sich als nicht praktikabel, so bleibt nur das letzte in Gestalt des Kinos. „Schneewitchen und die sieben Zwerge" gibt ausgezeichnete Entspannung. Der erste Grossfüm. den Walt Disney, der Schöpfer der Micky-Maus, gemacht hat, voll vom"Zauber und Grauen des Märchens, voll Farbenzartheit und Rüpelkomik, vielleicht das Schönste, was der Film bisher hervorgebracht hat. RüeksichtsvoIIerweise sind wir erst auf 1 Uhr bestellt. So kann man sich ausschlafen, in Ruhe iunchen. Es ist ein trüber Wintertag, künstliches Licht brennt selbst Mittags in den Häusern, durch den grauen Dunst sickert eine schüchterne Andeutung von Schneefall. WTir fahren mit der Subway zum Washington Square. Wenn man auf ihm steht, glaubt man, in London zu sein. Häuser im Stil der Mitte des vorigen - Jahrhunderts und wenige Hochbauten umstehen in geschlossenem Viereck einen weiten Platz mit einem Triumphbogen, von dem die Fifth Avenue ihren Anfang nimmt, Es ist der einzige richtige Platz von New-York, dieser Stadt, -die zu schnell gewachsen ist, um Zeit zu haben, sich um Ruhepunkte zu kümmern. In Paris wird fast jede Ecke der Innenstadt zum Platz durch die natürliche Harmonie der Häuser. Hier löst sich jeder Platz in unzusammenhängende Ecken auf. New-York ist schön nur in seinen modernen Einzelbauten oder im zusammenfassenden Ueberblick über grosse Teile der Stadt. Wir betreten eines der Gebäude der New York University, in der die schriftliche Prüfung abgehalten wird. In einem altmodisch verbauten Hause geht es durch Gänge und über Treppen zu einem halbdunklen Korridor, in dem sich die Kandidaten versammeln. Die „Mitschüler" begrüssen sich, eine Menge bekannter Gesichter taucht auf, von denen man manchmal gar nicht gewusst hatte, dass man ihnen hier begegnen würde. Letzte eilige Fragen werden ausgetauscht, dann geht es in einen grossen Hörsaal, in dem wir, immer mit einem freien Platz zwischen uns, plaziert werden. Aber auch ohne diese Vorsichtsmassregel wäre eine „Zusammenarbeit" nicht möglich, denn eine Reihe von Aufsehern bewacht uns mit freundlicher Bestimmtheit. Als alle sitzen, wird ein grosses Amtskuvert aufgerissen, das die Prüfungsaufgaben enthält. Bei allen amerikanischen Prüfungen wird nach dem Punktwertungssystem vorgegangen. Von 100 möglichen Punkten müssen in unserem Falle 75 Punkte erreicht werden, um zu bestehen. Mündliches und schriftliches Examen sind bis zu je 50 Punkten bewertbar. Das schriftliche Examen besteht aus drei Teilen, hinter jeder Frage ist angegeben, wieviel' Punkte sie „wert" ist. Das Hauptstück ist die „composition% ein Aufsatz von mindestens 200~ Worten über eines der zur Wahl gestelltes vier Themen. Die zweite Aufgabe, die das Verständnis eines Textes feststellen soll, besteht aus einem Stück eines Zeitungsartikels, zu dem eine Reihe von Fragen" über den Inhalt des Textes gestellt werden, die in geschlossenen Sätzen zu beantworten sind. Die dritte Aufgabe will den Wortschatz und das Wortverständnis prüfen. In unserem Falle eine Reihe von Wortzusammenstellungen, die demselben Artikel entnommen waren und deren Bedeutung zu definieren ist. Als Ganzes genommen, sehr geschickt zusammengestellt und für den Zweck der Prüfung, den Standard der Sprachkenntnisse festzustellen, sehr geeignet. Die Aufgaben sind durchaus zu lösen, wenn man seine Vorbereitungszeit richtig ausgenutzt hat. Aber zwischen den Probearbeiten in der Schule und dem Examen ist eben doch ein grosser Unterschied. Es gehören erhebliche Konzentrationsfähigkeit und Ruhe dazu, um sich nicht durch" die Atmosphäre dieses Prülungsraumes irritieren zu lassen. Die drei Stunden, die man zur Verfügung hat, erscheinen erst lang, vergehen aber im erschreckend schnellen Tempo. Die einfachsten Dinge sind plötzlich ungewiss und mit Zweifeln beladen. Immer wieder gehen die Blicke durch die Fenster auf die gelbe Ziegelmauer gegenüber, vor der langsam ein trüb-grauer Schnee herabrieselt, als ob dort die gesuchten Worte, das fehlende past tense oder die unsichere Pluralform ständen. Immer röter werden die Köpfe, immer hastiger das Schreiben. Hier zählt einer sorgenvoll die Worte seines Aufsatzes, sorgfältig bedacht, die zweihundert Worte zu erreichen, aber nach Möglichkeit nicht zu überschreiten, um keine neue Fehlerquelle zu eröffnen. Dort streicht einer durch* verbessert, streicht die Verbesserung wieder durch und kehrt reumütig zum "in mehr Ruhe geschriebenen ersten Text zurück. Und schliesslich gibt man sich einen Ruck und entschliesst sich zur Reinschrift. Eine harte Arbeit, eine ausgeschriebene Erwachsenenhandschrift und "noch dazu eine der berüchtigten Doktorhandschriften zu einem leserlichen Manuskript zu zwingen. N Die drei Stunden sind um, die Arbeiten werden zusammen mit der Zulassungskarte abgegeben. Es wird wieder geschworen, diesmal ohne Gebühr. Man muss versichern, dass man die auf der Photographie abgebildete Person sei und dass man keine fremde Hilfe benutzt habe. Aufatmend steht man dann auf der Strasse, die unterdessen dunkel geworden ist. Ein älterer Doktor und ich gehen ein paar Schritte durch eine dunkle und jetzt mit Glatteis überzogene Strasse. Die Hochbahn über uns verschlingt mit ihrem Lärm jeden dritten Satz. .,Wissen Sie", meint er, „Examen zu machen ist nicht schön, aber es hat mich doch gefreut und hat seinen eigenen Reiz, dass man in meinem Alter noch die Konzentration aufbringt, hier drei Stunden zu sitzen und in stärkster Anspannung in einer neuen Sprache etwas niederzuschreiben." Es wird oft — und nicht mit Unrecht — über die Ungeeignetheit älterer Menschen für die Einordnung geklagt. Man soll aber auch einmal sagen, dass man gerade bei älteren Menschen oft ein Mass von Energie und Bereitschaft antrifft, schweren Dingen immer die gute Seite abzugewinnen, das in einem nur Respekt und Zuneigung erwecken kann. Ein paar Tage später erscheint man dann zur mündlichen Prüfung am gleichen Platze, aber in einem der hübschen alten Häuschen an der Nordseite des Squares. Diesmal sieht es freundlicher aus, die Somie scheint, das Häuschen ist innen hell und gepflegt und — nun hat man sich eben auch an den Zustand des Prüflings mittlerweile gewöhnt. In einem kleinen Zimmer warten bereits ein paar Prüflinge. Ein älterer Gentleman erscheint und setzt sich an ein erhöhtes Pult. Es ist aber kein