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Central-Verein-Zeitung · 1938-05-05 · 18 (5.5.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
18 (5.5.1938)
Date
1938-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr.T8 * I. Bejblaft ■tr__ CMfeitiig 5. Mai 1938 * Seite 3 Neue Wege der Berufserziehung Eine vergleichende Darstellung Die Fragen der Berufsausbildung stehen im Mittelpunkt der jüdischen Arbeit. Es gilt, unsere Jugend fertig für einen Beruf und fertig für die Auswanderung zu machen. Beides wird nur dann mit Erfolg gelingen können, wenn wir uns An der Bandsäge Fot.: Archiv bei der Berufsausbildungsarbeit von den gleichen Gesichtspunkten leiten lassen, wie sie draussen in der Welt anerkannt sind. Dabei ist selbstverständlich, dass wir sie entsprechend den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten abwandeln müssen. Vom Internationalen Arbeitsamt in Genf ist über die Probleme und Bestrebungen der Berufsausbildung ein Bericht ausgearbeitet worden-Vir gewinnen aus ihm ein Brief markest - Frifsiewift Berlin W 35, Lötzowstrasse 91 A. anschauliches Bild über die Entwicklung der Berufsausbildung in der Welt in technischer und erzieherischer Hinsicht. Die Veränderungen, die die einschlägigen Probleme durch das Vordringen der Grossindustrie und die fortschreitende Spezialisierung der Wirtschaft erfahren haben, sind so entscheidend, dass sie die überkommenen Begriffe der Berufsausbildung völlig gewandelt haben. Früher war die berufliche Ausbildung in erster Linie vom Handwerk geleistet worden. Sie war dementsprechend in ihrer Zielsetzung ganz und gar auf einen einzigen Beruf zugeschnitten, während heute zwar eine technische Speziali- EinLebeii für dieBühne Fuccinis Textdichter Er hiess eigentlich V e 1 a s c o und entstammte einer portugiesischen Judenfamilie, die Ende des 15. Jahrhunderts nach England auswanderte. Aus dieser Familie ist zuerst Humphrey Abraham Velasco bekannt geworden, der, 1830 geboren, als Komiker sein Leben in England fristete, dann, 1853, mit seiner charakterstarken Frau, die unendliche Reise nach Kalifornien im Segelschiff unternahm, ohne doch beim damaligen allgemeinen Goldrausch weiterzukommen. Am 25. Juli 1853 ist isi San Francisco als Kind dieser beiden Auswanderer David Belasco zur Welt gekommen. Der Vater suchte dann sein Glück in Britiseh-Columbien. er war immer in der Nähe der goldreichsten Gegenden und brachte es zu nichts. Er war übrigens ein frommer Jude, im Gegensatz zu seiner freier denkenden Frau, und als ein katholischer Priester für eine gute Ausbildung in der Klostersehule von Victoria soTgen wollte, gaben es Vater und Mutter nur widerstrebend zu. Nach 2% Jahren brannte er durch, schloss sich einem Wanderzirkus an, lernte reiten und trat als „Der kleine Clown" auf, bekam Typhus und wurde in einem Nest zurückgelassen. Er wäre da gewiss gestorben, aber ein grosser Clown blieb bei ihm und sorgte für ihn. Nun aber bekam der grosse Clown Typhus und starb. Mittlerweile holten ihn die Eltern nach Victoria zurück und David musste zur Schule gehen. Sein schauspielerisches Talent, eine Familieneigenschaft (ein Onkel von ihm, David James genannt, war ein bekannter englischer Schauspieler), wurde früh offenbar, man liess ihn „Poesie deklamieren" lernen und bei Gastspielen damaliger Stars in Victoria mitagieren. 1885 ist die Familie wieder in San Francisco, der Vater hat ein Obstgeschäft. Er kauft das Essen ein, er macht die geschäftlichen Abrechnungen für den Vater, verdient als Deklamator ein paar Dollar, statiert im Theater und bekommt endlieh, er ist schon fünfzehn, eine feste Stellung in einer sierung notwendig ist, andererseits aber der Blick und das Wissen des Arbeitenden über die engen Grenzen seines Faches hinausgehen müssen. So wird auch in dem Bericht betont, dass die Berufsausbildung einen wirklichen wirtschaftlichen und sozialen Wert habe, und dass es wichtig sei, sie mit Bedacht auf die allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Erfordernisse einzustellen. Es ist interessant, aus dem Bericht zu ersehen, dass das uns heute durch die besonderen Verhältnisse beschäftigende Problem, ob die Berufserziehung in speziellen Ausbildungsanstalten ausreichend ist oder ob sie hinter dem Wert der Ausbildung in eine*m Betrieb zurücksteht, bereits seit Jahrzehnten in den Fachkreisen der verschiedenen Länder diskutiert und je nach der wirtschaftlichen Reife des Landes oder der betreffenden Industrie verschieden beantwortet wird. Während z. B. in England auf Grund einer alten Tradition — bereits in dem ersten Grundgesetz des englischen Lehrlingswesens, „Statute of Apprentices", das eine siebenjährige handwerkliche Lehrzeit vorschrieb, tritt dieser Gedanke in Erscheinung — die Ausbildung im Betrieb auch heute als weit überlegen gilt, hat Frankreich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Fachschule den Vorrang eingeräumt. Der Streit „Fachschule oder Werkstatt" hat sich bis in unsere Tage fortgesetzt und vielfach zu der Erkenntnis geführt, dass die einführende und vorbereitende Tätigkeit schulmässig betriebener Ausbildungsstätten dem Lehrling, wenn auch von einem anderen Ausgangspunkt her, die gleichen Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln vermag wie die Arbeit in einem ge- Am Schraubstock Zigarrenfabrik. Später avanciert er in einen Buchladen, versucht sich in allen möglichen Beschäftigungen und Müssiggängen, bringt sich als Reporter im Verbrecherviertel in Gefahr und fängt an, kleine Rollen in besseren Theatern zu spielen. 1873 heisst es in einer Theaterkritik, der junge Belasco habe „das Haus im Sturm genommen". Meist aber ist das „Haus" nur eine kaum gestellte Bühne, ein Zelt oder ein freier Platz, man spielt, wo auch immer, in Nestern, Kamps, vor Cowboys, Tramps, Goldgräbern und kleinen Leuten, mit Schmierenkomödianten, aber auch mit guten Schauspielern. Um diese Zeit heiratet er: es ist wieder seine romantische Geschichte. Zwei Jahre lang sieht er, wo er auch auftritt, ein fünfzehnjähriges Mädchen in der ersten Reihe. Einmal soll er in einem reichen Hause rezitieren. Das Mädchen ist die Tochter des Hauses. Nun wagt er sie nicht mehr anzusehen. Zudem verletzt er sich im Haus den Fuss, er wird operiert und muss monatelang an Krücken gehen. Und das Mädchen nimmt ihn. Belasco ist dann an einer seltsamen Episode beteiligt. Da ist ein aus Deutschland eingewanderter, katholisch gewordener Jude Samuel M o s s, der als „Salmy Mirs" ein Passionsspiel verfasst und in San Francisco aufführen lässt. Die naiven Besucher, besonders die irischen, nehmen die theatralische Darstellung der Kreuzigung so ernst, dass es auf den Strassen zu judenfeindlichen Ausschreitungen kommt. Die Sache hat ein trübes Nachspiel, die beteiligten Künstler werden verhaftet; der Verfasser versuchte später, sein Stück in New-York herauszubringen, hatte keinen Erfolg und ertränkte sich im Hartem River. Diese Affäre erscheint uns heute bedeutsam, wenn nicht symbolisch. Und vielleicht erschien sie auch Belasco so, der in diesem Passionsspiel mitwirkte, seltsamerweise der Verhaftung entging. Damals schrieb er schon Theaterstücke und hatte als Unternehmer einen krassen Misserfolg. Er verlor damals alles, aber er hatte sich weder taufen lassen noch ein Passionsspiel geschrieben. Für das gleiche Stück, das in San Francisco durchgefallen war, fand Belasco in Chicago einen Geldwerblichen Betrieb. Was den Lehrlingen dadurch vielleicht an Erfahrungen aus der Praxis nicht direkt gegeben werden kann, wird aufgewogen durch die vertiefte theoretische und allgemeine Schulung, die ihnen in den Ausbildungsstätten zuteil wird. Auch die Fragen der Gestaltung des letzten Schuljahres, der Vorlehre und der Berufsberatung, die heute in der jüdischen Oeffentlicbkeit so viel diskutiert werden, sind — wie sich aus dem Bericht ergibt — nicht neuesten Datums. Bei den Fachleuten vieler Staaten hat sich vielmehr schon seit längerer Zeit die Auffassung durchgesetzt, dass mindestens bereits das letzte Schuljahr weitgehend der Berufsvorbereitung gewidmet und, wo das möglich ist, zu einer Art Vorlehre ausgestaltet werden soll. In diesen Zusammenhang gehört die auch in dem Bericht behandelte Forderung weiter Kreise nach einer Erhöhung des schulpflichtigen Alters, die bei uns durch die Erörterungen über die Einführung eines 9. Schuljahres, das dann besonders der Berufsvorbereitung zu dienen hätte, gleichfalls Gestalt gewonnen hat. Dass einer eingehenden Berufsberatung überall Bedeutung beigemessen wird, ergibt sich ohne weiteres aus der der Berufserziehung gestellten Zielsetzung, dass sie nicht mehr unter rein fachlichen Gesichtspunkten zu erfolgen, sondern der Eingliederung des jungen Menschen in den Gesamtablauf des Wirtschaftslebens zu dienen hat. Deshalb soll sie auch dazu beitragen, eine vorzeitige Spezialisierung zu vermeiden und dadurch eine möglichst grosse Beweglichkeit der Arbeitskraft zu erzielen. In Verbindung mit den durch die Wirtschaftsentwicklung bedingten gesteigerten Anmann, und ein Theater, und es wurde ein Erfolg. Belasco kam nach New-York, fand keine Arbeit, musste im Union-Square-Park übernachten und traf andern Morgens einen Freund, der ihm Geld lieh, aber nur wenig. Als Tramp fuhr er heim, achtzehn Tage und Nächte, kam zerbrochen an, arbeitete für 25 Dollar die Woche in Baldwins Theater, schrieb, spielte, arbeitete um, hatte in San Francisco mit einem Stück „La belle Russe" Erfolg, das er anonym herausbrachte, und mit einem weiteren Stück sogar in New- York. Das bedeutete 1500 Dollar, dazu ein Rückreisebillett Frisco—New-York und 100 Dollar Spesen. Dann kam Gustav Frohmann, der Direktor des Madison-Square-Theater, nach San Francisco, Belasco wurde sein Mitarbeiter Mit 29 Jahren war er Direktor einer „Frohmann- Truppe in San Francisco, dann nach harten Kämpfen Schauspieldirektor am Madi&on Square in New-York, 35 Dollar die Woche, dazu 10 Dollar Tantieme für jede Abendvorstellung seiner Stücke. Plötzlich kam der Erfolg. Belascos Stück ..The May Blossom" zündete, es gab tausend Vorstellungen, und als der Autor nach der Premiere vor den Vorhang trat, und dem Publikum danken wollte, brach er ohnmächtig zusammen. Es war etwas Merkwürdiges an diesem Mann, dass er auch im Erfolg v wenig Glück hatte. Seine Dramatisierungen und Stücke brachten viel Geld, nur nicht ihm. Was er in New-York zustande brachte, war eine Art Revolution des Theaters, nicht nur er selbst war ein wahrhaft künstlerischer Darsteller geworden, auch seine Regie war neuartig, es wurde unter ihm gespielt „wie in Konzerten", er war in der Sorgsamkeit und Ausführlichkeit des Probens ein Vorläufer Stanislawskis. Als er sich von den Frohmanns trennte, erhielt er nur ein Engagement mit 150 Dollars die Woche, als Direktor des Lyceum- Theaters; dann wieder San Francisco, wieder New-York, daneben leitete er fünf Jahre eins Theaterschule. Erst in den neunziger Jahren hatte er wirklich etwas von seiner unermüdlichen Arbeit. Er war nun ein ManD von vierzig Jahren und konnte sich über Geldmangel forderungen an die Berufserziehung und die beruflichen Fähigkeiten des einzelnen ist die in dem Bericht wiedergegebene Feststellung der Vorteile, die die Berufsausbildung aus einet UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE: Berlin, Tauentzienstraße 16 Essen, Adolf-Hitler-8traflel8 Hamburg, Jungfernstieg 4S Bochum, KortumstraSe 67 Köln a. Eh., Holiestraße 115 Frankfurt a.M., EoßmarktlS Essen, Limbeckstraße 10 Zentrale. Offenbaci. &. M, Wuppertal-Elberfeld, Herzogstraße 38 guten A1 ig em einbildung ziehen kann, von Bedeutung. Umgekehrt dürfte auch der erzieherische Wert einer richtig aufgefassten Berufsausbildung nicht vergessen werden. Die Auffassung, dass der Fortschritt des maschinellen Betriebs nach und nach die Bedeutung der Berufsausbildung vermindern würde, sei durch die Erfahrung der letzten Jahre und den heute von überall gemeldeten Mangel an ge~ lernten Arbeitskräften als irrtümlich zu bezeichnen. Ausserdem seien die Handwerke noch zahlreich, die weiterhin auf der Grundlage der Ski-Mieder machen schlank Ski-Mieder- Fa brik, K ö 1 n nicht mehr beklagen. Der Durchbruch war mit seinem Stück „The Heart of Maryland" erfolgt, dann kam die Dramatisierung einer Erzählung unter dem Titel „Madame Butterfly", die Belasco mit Charles Frohmann 1900 aufführte; unter den Premierenbesuchern war Bernard Shaw. Als nächstes Stück folgte „Zaza". Bei der Londoner Premiere der „Madame Butterfly** sass Giacomo P u c c i n i in der ersten Reihe, nach der Vorstellung kam er hinter die Bühne, umarmte Belasco und bot ihm an, das Stück als Libretto für eine Oper herzugeben. Die Premiere in der Metropolitan Opera fand am 12. November 1906 statt, mit Geraldine Farrar und Caruso. Es wurde, wie man weiss, ein Welterfolg. Darauf wollte Puccini eine ausgesprochen amerikanische Oper komponieren, Belasco schrieb für ihn „The Girl of the Golden West", auch dieses Stück wurde zunächst ohne Musik gespielt, 1910 brachte dann wieder in der Metropolitan Opera die Opern-Uraufführung mit Caruso, Pasquale Amata, Adamo Didur, T o s c a n i n i dirigierte. In der gleichen Erfolgssträhne stand sein nächstes Stück „Madame Dübarry". Hatte Belasco in seiner Jugend weder Feinde noch Erfolg gehabt, so kam im Alter beides in Fülle über ihn. Es gab Intrigen über Intrigen; man beschuldigte ihn unter anderem zu Unrecht des Plagiats; es war eine Kampagne im Gange, ihn aus dem New-Yorker Theatermarkt wegzudrängen, der er nur entgehen konnte, indem er durch den bekannten Theaterbaumeister Oscar H am merstein ein eigenes Haus „The Republik" auf der 42. Street für fünf Jahre gewann. Der Preis war zehntausend Dollars pro Jahr und ein Prozent Beteiligung, er stieg später auf das Siebenfache. Es gab also seit 1904 „das Belasco-Theater" am Broadway. 1907 eröffnete er sein nach eigenen Wünschen erbautes Haus „Belasco" zwischen Broadway und Sixth Avenue mit dem Debüt Mary Pickfords. Er hatte das Talent neue Talente zu entdecken, wie etwa David W a r f i e 1 d, ein ebenfalls aus San Francisco stammender jüdischer Schauspieler, der später noch, um bea

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