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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-21 · 16 (21.4.1938) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
16 (21.4.1938)
Date
1938-04-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. \6 Beiblatt Paläs^ina-Ümselian der C.-V.-Zeitiinj Seite 13 2f.Apri! 1938 Der Terror und die arabische öffentliche Meinung Die Tragik der palästinensischen Wirren, über deren letzte Auswirkungen im Hauptblatt dieser Nummer ausführlich berichtet wird, wird noch dadurch vertieft, dass man immer wieder feststellen muss, wie wenig der Terror als die Sache sämtlicher Araber betrachtet werden kann. Das geht u. a. aus zwei Begebnissen der letzten Tage hervor, die im Zusammenhang mit Gewalttätigkeiten stehen, von denen in der vorigen Woche berichtet werden musste. Als das Leben des Bürgermeisters von Nablus nach dem Anschlag auf seine Leibwache und der wiederholten Beschiessung seines Hauses wie durch ein Wunder unversehrt blieb, gratulierten ihm arabische Abordnungen zu seiner glücklichen Rettung. Und die arabischen Arbeitskameraden des vorige Woche erschossenen Jizchak Betrenker. die in der Nesher- Zementfabrik mit ihm zusammen beschäftigt waren, erklärten in einem Beileidsschreiben an die jüdischen Arbeiter: „Seit 1927 arbeiten wir zusammen und sind ausgezeichnet behandelt worden. Ihr habt unsere Interessen verteidigt, und wir werden Euren guten Willen nie vergessen. Wir schwören, dass wir voll und ganz mit Euch vereint bleiben werden/' Solehe Dokumente dürfen sicherlich nicht dahin missdeutet werden, dass der arabische Kampf gegen die Juden nicht innerhalb bestimmter arabischer Kreise eine starke Popularität besitzt; aber man darf daraus schliessen, dass er keineswegs einem allgemein anerkannten Ziel dient. Ein weiterer Hinweis auf die Ursachen der immer wieder sich häufenden Mordanschläge mag auch in dem Geständnis eines verhafteten Arabers gesehen werden, die mit der Bombenexplosion im Eisenbahnzug bei Haifa im Zusammenhang stand. Dieser Araber legte ein Geständnis ab, nach dem er den jüdischen Wächter Jehuda M i g d a 1 i am 26. März getötet und einen anderen Mordanschlag versucht hatte. Er erklärte, dass die Terroristen für den Mord eines Juden eine Summe von drei Pfund ausgesetzt haben. Die Polizei ist im Zusammenhang mit den zahlreichen Sabotageakten auf die Eisenbahnlinie zwischen Ludd und Kalkilie angewiesen worden, auf verdächtige Personen zu schiessen, ohne vorher eine Warnung zu geben. Eine weitere Schutzmaßnahme ist an der Nordgrenze von Palästina geplant Dort sollen zehn Radiostationen sowie ein drei Meter hoher z. T. elektrisierter Drahtzaun errichtet werden. Die Arbeit, die ungefähr 60 000 Pfund kosten wird, soll in Kürze beginnen. In dem Dorf in der Nähe von Nablus, in dem der Ueberfall auf die Leibwache des Bürgermeisters verübt wurde, sind als Strafe drei Häuser zerstört worden. Ferner wurden in dem Dorfe zahlreiche Araber verhaftet. Der während eines Gefechtes zwischen' Truppen und Terroristen am 6. April zum Tode verurteilte Abdul Majir Raja ist im Gefängnis von Akko hingerichtet worden. Der Malcolmsche Teilungsplan In einer Unterhausdebatte vom 13. April lehnte es der Kolonienminister Ormsby-Gore ab, neue Erklärungen über die allgemeine Situation in Palästina unter besonderer Bezugnahme auf die neuen Unruhen abzugeben. Als er von den Abgeordneten Mr. Adams, Sir Percy Harris, Mr. Williams und Mr. Thorne mit weiteren Fragen bestürmt wurde, erklärte er, dass die Polizei fortgesetzt ergänzt werde, dass Verbesserungen vorgenommen würden und die militärischen Kräfte sehr aktiv seien. Der Abgeordnete Mander fragte sodann nach neuen Teilungsplänen, die den bisherigen Plan in gewissen Punkten abändern. Der Kolonienminister erwiderte, dass ihm solche Pläne bekannt seien, dass aber ihre Erörterung zur Zeit, also vor Abschluss der Ar- . beiten der neuen Kommission, überflüssig sei. ' Er erwähnte dann in diesem Zusammenhang als den wichtigsten der vorliegenden Abänderungspläne einen Plan, der von Mr. James A. Malcolm stamme. Nach diesem Plan, über den sich der Minister nicht weiter ausiiess, würde sich das den Juden zuzusprechende Teilgebiet um 3800 Quadratkilometer in Palästina und 1400 Quadratkilometer in Transjordanien vermehren, so das« das Gesamtgebiet des jüdischen Staates nach Abtrennung bestimmter anderer Teile insgesamt 9800 Quadratkilometer betragen würde. Die Gebiete, die den Juden nach diesem Schema neu zugesprochen werden würden, sind in der Hauptsache ein Teil der Gilboaberge im Süden der Strecke zwischen Afule und Bet Schean, eine 35 Kilometer lange iransjordanische Strecke, durch deren Einverleibung u. a. Daganja, die Ostküste des Tiberiassees und die Ruthenberg-Station im Tel Or zum jüdischen Gebiet geschlagen werden würde, ferner der ganze Karmel und einige niedere Ketten der judäischen Berge. Diese Gebietsvergrösserungen werden teilweise aus wirtschaftlichen, teils aus strategischen Gründen vorgeschlagen. Als Entschädigung sollen der Distrikt von Akko sowie Gaza zum arabischen Gebietsteil kommen. Die Antwort? Aufbau Unter den gegenwärtigen schwierigen Umständen gewinnen alle kolonisatorischen Fortschritte im Lande erhöhte Bedeutung. Sie sind friedliche, aber eben darum deutliche und nicht überhörbare Antworten auf die arabischen Versuche, den jüdischen Aufbau zu hemmen. Es ist darum besonders erfreulich, dass aus den letzten Tagen wiederum von zwei neu geschaffenen jüdischen Siedlungen zu berichten ist. 37 Arbeiter aus Petach Tikwah haben eine neue Gruppe von Arbeiterkleinsiedlungeia in der Nähe des Ortes in Besitz genommen. Der neue Punkt ist zu Ehren des verstorbenen Mosche Beilinson, eines der Herausgeber der hebräischen Tageszeitung „Dawar", gegründet worden. Es stehen bereits 7S Häuser. Jedem Siedler wurde ein kleiner Bodenteil zugewiesen. Eine weitere neue Siedlung wurde in der Nordwestecke des Landes, südlich von N a h a r i a, in Angriff genommen. Sie wird .auf Keren Kajamet-Boden errichtet und besteht aus 35 Familien, die sämtlich aus der früheren jüdischen Gemeinde des Städtchens Rexingen in Württemberg stammen. Die Siedlung trägt den Namen „Shavei Zion", ist auf kollektiver Basis errichtet und wird von der mitteistäodleriechen Kolonisationsgesellschaft „Rassco" sowie von der Abteilung Deutschland der Jewish Agency unterstützt. Die Siedler zogen bei Morgengrauen aus, und begannen mit der Errichtung der Gebäude, des Pfahlwerks und des Scheinwerferturms. Am Nachmittag war die Arbeit so gut wie beendet Wenige Tage danach wurde mit dem Bau einer Strasse, die die Siedlung mit der Hauptlandstrasse Akko—Beirut verbinden soll, begonnen. Die Einrichtungen für die Wasserversorgung der Siedlung sind bereits fertiggestellt Eine dritte neue Siedlung wurde in der nördlichen Sharon-Ebene bei Even Jehuda gegründet. Die 80 Siedler, die sämtlich aus Polen stammen und bisher dem Kibbuz Akiba angehörten, haben 13 000 Dunam Land zur Verfügung gestellt erhalten, wozu noch 2000 Dunam zum zeitweiligen Gebrauch hinzukommen. Die Siedlung trägt den Namen Beth Joschua in Erinnerung an Dr. Joschua Thon. Auch die Siedlung Chanuta ist jetzt durch eine Strasse mit einem in ihrer Nähe gelegenen Berggipfel verbunden. In dem ersten Auto, das auf der neuen Strasse zu dem Berggipfel fuhr, befanden sich Mitglieder der Exekutive der südafrikanischen Zionistischen Organisation. Sie pflanzte« einen Baum an der Stelle, an der vor wenigen Wochen bei der Beseizung der Siedlung Jehuda Brenner von Terroristen erschossen wurde. Auch auf dem Gebiete des Bodenkaufs ist ein neuer Erfolg zu verzeichnen. Im Namen einer Gruppe von Käufern, an deren Spitze Mosche Smilansky steht, führte die Palestine Land Development Company eine Transaktion erfolgreich zu Ende, durch die 9000 Dunam Land im Beerschewa-Gebiet in jüdischen Besitz gelangten. Damit ist der jüdische Bodenbesitz in dieser Zone auf insgesamt 50 000 Dunam angewachsen. Die Schwierigkeiten, gerade dort Land zu erwerben, hatten seit Ausbruch der Unruhen bedeutend zugenommen, da eine heftige Propaganda gegen Landverkauf an Juden getrieben wurde. Wenn die letzten mit positivem Resultat durchgeführten Versuche, im Beerschewa-Gebiet Wasser zu finden, sich als brauchbar erweisen würden, so könnte dem Lande, in dem der Boden für verschiedenartige Pflanzungen besonders fruchtbar ist, eine grosse Zukunft vorausgesagt werden. Nachrichten vom Tage Der Sohn des berühmten jüdischen Schriftstellers Chajim Habschush, Jehia Chajim H a b - s c h u s h, ist in Sanaa im Jemen beim Passieren des mohammedanischen Viertels im Alter von 60 Jahren von jungen Arabern zu Tode gesteinigt worden. Der Mord wird auf die im ganzen Jemen betriebene antijüdische Propaganda zurückgeführt. * Im Hafen von Tel-Aviv 6ind jetzt bereits drei Schiffe gelandet, die Passagiere ausschiffen durften. Das erste war der Dampfer „Polonia", der 330 Passagiere an Land brachte. Unter ihnen befand sich der von seiner Europareise zurückgekehrte Dr. Arthur Ruppin und eine zionistische Abordnung aus Rumänien. Im Hafen hatten sich Tausende von Menschen angefunden, die die Passagiere begeistert begrüssten. Die ganze Stadt war in freudiger Stimmung. Es brachten ferner Passagiere an Land: der italienische Dampfer „Egitto" und das jüdische Schiff „Rahaf # Am 13. April, abends, fand in Haifa ein Konzert des Palästinensischen Sinfonieorchesters statt, das von Artur T o s c a n i n i dirigiert wurde. Toscanini wurde von dem Publikum, das Tausende von Menschen zählte, mit grosser Begeisterung empfangen. Unter den Anwesenden sah man mehrere Regierungsbeamte, Frau Vera Weizmann, Lady Reading, Lady Isaacs sowie den Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Syrien, M. Hutziger, und den Fliegergeneral Rock, die beide in Panzerwagen aus Beirut gekommen waren. Arthur Toscanini ist während seines Palästinaaufenthaltes bei Chaim Weizmann in Rechowot zu Gast. * Bei einer Zählung der jüdischen Gemeinde in Haifa 6tellte sich heraus, dass 55 000 Juden in Haifa ansässig sind. Sie bilden somit die Mehrheit der Haifaer Bevölkerung. * Zwei Passagiere der „Polonia", die ohne ein reguläres Einwanderungsvisum versuchen wollten, sich in Palästina niederzulassen, der aus Deutschland stammende August Dreyer und der aus Polen stammende Abraham Szereszewski, wurden bald nach ihrer Ankunft verhaftet. Sie haben beide im Gefängnis Selbstmord verübt. * Der feierliche Einzug von 1000 Turnern, der die sportlichen Ereignisse der palästinensischen Makkabi-Union im Tel-Aviver Stadion eröffnete, fand im Beisein von tausenden von Zuschauern statt. Auch Arthur Toscanini und Bfonislav H u b e r m a n waren anwesend. Mr. Robert Crosbie, der Distriktskommissar des Süddistrikts und Schutzherr der Makkabia, negrüsste die Sportler mit dem Ruf ..Makkabi wächst wie alles in Palästina!" Er schloss mit dem hebräischen Gruss ..Chasak wemaz". „Seid stark und mutig". Wirtschaftsbeziehungen des Vorderen Orients zu Palästina Von unserem Dr. E. R—z-Berichterstatier Der erste Teil dieses Aufsatzes, <k-r in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung erschien, schloss mit der Uebersicht III, in der die wirtschaftlichen Beziehungen, gemessen an den Exportwerten, dargestellt wurden. Die Red. Dieses Bild erlaubt zwei für den gegenwärtigen Status wichtige Feststellungen: Einmal ist die Handelsbeziehung zwischen Palästina und dem Vorderen Orient in der Intensivierung begriffen. Zweitens erreicht das Defizit der Handelsbilanz — d. h. Palästinas Passivsaldo daraus — eine so beachtliche Höhe, dass es grosser und zielbewußter Anstrengungen bedarf, um hier einen Wandel zu schaffen, der den palästinensischen Interessen mehr gerecht wird. Das Ausmass dieser handelspolitischen Unterbilanz für die ersten acht Monate des Jahres 1937 ist aus der folgenden Zahlenreihe zu ersehen. Uebersicht IV Land Palästina importierte fn den ersten 8 Monaten 1937 aus nebenstehendem Land mehr, als es dorthin exportierte. LP. Cypern 49 706 Aegypten msu Arabien 6 049 Iran (Persien) 129 897 Irak Sil 915 Syrien 449 376 Türkei 72 725 Zusammen ans den obenstehenden Ländern des vorderen Orients 1 412 m Ergänzt man diese Werte für das ganze Jahr 1937, so ergibt eich, dass für exportüberschiessende Importe aus Syrien etwa Ingemeurarbeit im alten Palästina (Sckluss) Kunstgeschichtler haben sich mit den Bauten befasst, aber meist vergessen, dass alle Kunst, jede Siedlung, jede Festung abhängig war — vom Wasser ... Tunnelartige Kanäle für die Kloaken gab es auch in Jerusalem, nachdem erst offene Rinnen in den Strassen das Schmutz- und Regenwasser abführten. Die Stollen und Ausgussöffnungen am Felsenrand waren mitunter der Anlass, dass der Feind durch sie eindrang. Heute wird man die Abwässer zur Düngung planvoll speichern und benutzen. Regengüsse besorgten übrigens oft die Strassenreinigung. Der Städtebau hat zuerst in Kleinaeien den Zusammenhang zwischen Gelände und Grundriss mehr beachtet. Das flache Gelände von Mesopotamien ergab nur die Wiliensäusserung des Städtegründers. So zwang felsiggebirgiges Gelände eben zu stärkerer Beachtung technischer Schwierigkeiten, die meist mit militärischen Massnahmen verbunden waren. Der Strassenbau m Palästina weist wohl Pflasterungen auf, aber die grossen Strassenbau- Leistungen waren in diesem Lande nicht so nötig wie bei den Römern, deren imperialistisches Streben die Strasse als militärisches Werkzeug nutzte. Auch die grossen Wirkungen der Romerstrassen auf den Welthandel waren hier nicht so sehr zu verspüren; denn die Schiffahrt war aufgekommen, und die Phönizier waren ja die Vermittler im Handel. Strassen- und Brückenbau haben also nicht einen so hohen Stand erreicht. Man muss vieles, was der technischen Entwicklung zuwider zu sein scheint, eben auf die verschiedene Art der weltlichen Phönizier und der geistlichen Israeliten zurückführen. Wären die Israeliten nicht zerstreut und' auf- 675 000 LP. (Pal. Pfunde) benötigt werden, nach Irak fliegen etwa 475 000 LP., nach der Türkei etwa 110 000 LP., nach I ran rund 200 000 LP., nach Aegypten etwa 600 000 LP.! Insgesamt ist das Defizit der Handelsbilanz Palästinas mit dem Vorderen Orient im Jahre 1937 etwa 2 Millionen LP. oder etwa 40 000 000 RM (bei einer Kaufkraflparität von 20 :1), «in Betrag von ausserordentlicher Höhe, wenn man die wirtschaftlichen Grössenordnungen des Landes insgesamt im Auge hat. Der wesentlichste Exportartikel Palästinas, die Citrusfrüchte, kommen zur Verbesserung der . Handelsbilanz mit den umliegenden Ländern nicht in Betracht. Dies kann nur durch eine erhöhte Ausfuhr von verarbeiteten Fabrikaten der Fall sein. Wo eine Lücke besteht, oder auf welchen Gebieten noch eine Intensivierung möglich ist, kann am besten beurteilt werden, wenn man sich die Waren ansiebt, die heute zwischen Palästina und den Ländern des Vorderen Orients tatsächlich ausgetauscht werden. Die Kenntnis der einzelnen Einfuhrartikel nach Palästina aus jedem der umliegenden Länder gibt die Möglichkeit, zu prüfen, wie bei einer späteren selbständigen Handelspolitik unter Umständen eine Verminderung von Importen an der oder jener Stelle stattfinden könnte. Aegypten liefert in erster Linie Reis nach Palästina, Eier, frische Fische, Zucker, Zigaretten, aber auch Baumwolle, Baustoffe usw. Es kauft in Palästina vor allem Olivenöl, Weine, Fruchtsäfte und Syrup, aber auch frische Wassermelonen und Weintrauben, schliesslich in gewissen Quantitäten Waschseifen. Auch ein kleiner Teil seines Bedarfes an Eseln und Pferden wird in Palästina gedeckt. Aus Syrien importiert Palästina in erster Linie Weizen und Weizenmehl, Gerste, von lebenden Tieren Schafe und Lämmer, in grossem Umfange Eier, Süssigkeiten, Bier, aber auch ein Teil des palästinensischen Schubbedarfes wird in Syrien gedeckt und Konfektionskleidung von dort gekauft. Die bestehende Zollunion zwischen gerieben worden, so wäre aus verstärkter geistiger Schulung sogar march wertvolle technische Arbeit aus ihrem Kreise entstanden. Man muss die Dinge mit dem Auge des sachlichen Fachmannes sehen, nicht mit dem, der etwas wünscht oder beschönigt, verneint oder überschätzt. Landwirtschaft aber gehört auch zur Technik. Es gab und gibt stets Völker, die in ihr Arbeit und Berufung allein sahen und sehen, und man hört mit Recht dies rühmen, so dass man die geringere technische Tätigkeit des alten israelitischen Ackerbauvolkes eben dann um so besser verstehen kann. Was später den Israeliten als „Fehler" angerechnet wurde, nämlich nicht den Boden zu bearbeiten, das war ihren Ahnen nicht eigen. Man sieht daraus, wie äussere Umstände die berufliche Struktur einer Gemeinschaft verändern können, um wieviel mehr, wenn diese zerstreut und anderen Einflüssen unterworfen war. Für das künftige Palästina erwachsen mehr Aufgaben der Bedennutzung als der „gewerblichen" Herstellung. Früher reichte Wasser für wenige, heute bedarf es w e i t m e h r Wassers. Die Ingenieurtechnik sollte sich der riesigen Wasserleitungen annehmen, muss benutztes Wasser klären, wieder benutzen im „kleinen Kreislauf". Man muss eine neue Bodenkrume schaffen, damit der Fels verschwindet. Der Boden-Transport, Dünger- und Wassertransport sind die wichtigsten Dinge in diesem Lande. Was vor Jahrtausenden galt, ist heute nur teilweise gültig. Aber damals war es eine Riesenleistung. Es muss heute auch eine solche kommen mit neuen Mittein und Versuchen. Boden und Gebiet wird seit Jahrtausenden von zwei Begriffen der Ingenieurarbeit bestimmt: Wasser und Strasse. Es gibt nichts, was nicht von ihnen abhängig wäre. Mögen es alle die begreifen, die mit Intellekt, Organisation, Mitteln dem Problem des Landes näherkommen wollen. Wasser und Strasse! Ing. Heinrich Reisner, Essen

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