Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 16 (21.4.1938)
- Date
- 1938-04-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.16»Sn.April1938 3. Beiblatt » C-Y.-Zeiiung Seite 11 NOVELLE VON MORITZ KASWAN (1. Fortsetzung und Schluss) Dem vorlauten Burschen hätte Klügeres einfallen sollen. Per alte Wasilie wirft einen unwilligen Eick zu dem jungen Holzhauer hinüber, den dieser aber gar nicht mehr bemerkt, weil er schon 'auf dem Tannenreis liest und seinen Pelz über sich geschoben hat. Mittlerweile ging es auf Mitternacht, und auch die •übrigen legten sich nun ihre Mäntel zurecht. Juon murmelte noch vor dem Einschlafen schläfrig zu seinem Freund Nicolae: Der Wolf braucht nicht der tote Michael zu sein, er kann ebensogut der Lehrer Krupazek sein, der, seitdem sein Sohn Mirza gestorben, dem Suff verfallen ist und allen kleinen Kindern mit der Faust droht. Am nächsteii Morgen kamen, wie verabredet, die Bauern und Hirten zu den Holzfällern in den Waldschlag und vereinbarten mit ihnen, die Bestie noch beute nacht totzuschlagen. Dabei schwangen sie erregt ihre Knüttel, dass ihre Bracken in ein Gekläff fielen, als witterten sie bereits ihren Todfeind. Der Waldaufseher trat hinzu und sagte, er wäre heilfroh, wenn es ihnen gelänge, denn das Untier frässe ihn arm. Darauf machten sich die Leute, indes die Holzhauer bei ihrer Arbeit verblieben, nach der Waldhütte auf; und die Bauern errichteten dicht bei in einer Fichte einen Hochsitz, während die Hirten fünfzehn Schritt davor für den Wolf den Kadaver einer verendeten Geis auslegten. Noch vor Einbruch der Dämmerung erkletterten zwei Jäger ihren Hochsitz, damit von ihnen jegliche Witterung vor Ankunft der Bestie verwehte, indes die Dörfler gemeinsam mit den heimgekehrten Holzfällern in der Hütte mit starken Knütteln bewaffnet die Nacht erwarteten, bereit, beim ersten Fiintenschuss' hinauszustürmen, um das getroffene Tier zu Tode zu prügeln. Dazu kam es aber aus dem einfachen Grunde nicht, weil sich der Wolf in dieser Nacht nicht zeigte, auch nicht in der darauffolgenden, wo man noch etliche Fangeisen und an einer anderen Steile ebenfalls einen Hochsitz errichtet hatte. Die Jäger kletterten beim ersten Morgenstrahl mit steifen Gliedmassen herab und gaben ihr Geschäft fluchend auf. Der alte Wasilie sah sie samt den Ciobanen mit einem nachdenklichen Blick abziehen und sagte zu Sender Euffin: Ja, Herr, um Michael Slabora zu fangen, müssen sie schon ein ganzes Jägerregiment heraufschicken. Unsinn, gab ihm Ruffin zurück, das schaff ich, wie ich dastehe, ohne Knüttel und Flinte, ganz allein. Verdammt nochmal, Herr, wie soll das aussehen? Sehr einfach, Wasilie, ich brauche nur das Fleisch oder oie Mamaliga zu vergiften. Der Alte blickt verdutzt in Ruriins Augen, die schienen gleichgültig wie immer, und sagte langsam, indem er seine Stimme zu einem Flüstern senkte: Und warum tut Ihrs nicht, Herr? Ruffin erwiderte achseizuckend: Ich hrings nicht fertig. Tu du es, Alter, wenn du Herz hast. Und, wie er das sagte, wandte er sich auch schon, ohne eine x^ntwort hören zu wollen, herum und schritt in den Wald. — Ein paar Nächte war nichts weiter als das Brausen des Sturmes vernehmbar, das Pfeifen der Bergwm.de und das Regengesause, die den Lehm aufweichten und alles, vvas nicht Wurzeln hatte, von der Erde fegten. Da klang das Wetterheulen schlimmer, als das aller Wolfsscharen der Karpathen. Kein Mensch in der Blockhüte hörte, ob sich in der Vorratskammer etwas rührte oder nicht: nur an den leeren heruntergestossenen Schüsseln erkannten die Leute tags darauf, wessen Nachbarn sie nachts gewesen wraren. Sender Ruffin schob unbekümmert, wie bisher, nach jeder Vespermahlzeit Mamaiiga und Speck in die Nische. Eine Gewohnheil, bei der ihm der alte Wasilie nunmehr mit einem merkwürdigen Blick zusah. So verstrich einige Zeit, und die Leute kamen allmählich aus dem Wundern über den unheimlichen Besuch in der Waldhütte heraus, um so mehr, als kein Schaf zerrissen, kein Rind erwürgt und kein Kind entführt worden war.' Schliesslich verlachte man drunten die ganze Geschichte von dem Werwolf und sprach von einem herrenlosen Hund, der sich in den Gehegen herumtriebe und von dem finstero. Waldaufselier allnächtlich gefüttert werde. Aber das nicht umsonst, denn es wäre wahrscheinlich seine eigene, schwarze, ungläubige Seele, welche des Nachts aus ihm fahre. — Jeden Sonnabend zahlte Sender Ruffin den Holzhauern J seines Waldschlags in der Hütte den Lohn aus. Dann warfen die Burschen ihre Axt wie eine Armbrust über die Schulter und marschierten, ein Holzhackerlied zu Tal schmetternd, hinab ins Dorf, wo sie lärmend, wie ein verschmachtendes Fähnlein, in die erste Schenke 'hineindrängten. Sonntag nachmittag zogen sie, den süssen Wein sinn ooch im Kopfe, wieder hinauf zu ihrer Waldhütte. Aber war ein saurer Aufstieg, denn die Glieder waren ihnen schwer und ungelenk, als hätten sie sich beim Bäumeschleppen verhoben. Sie schliefen auf dem frischen Tannreis ihren Rausch aus, und nicht einmal zehn Wölfe hätten sie hochgebracht. — Sender Ruffin blieb über Sonntag allein inder Hütte: schob sich kurz vor Mitternacht der schwarze Wanst des grausigen Tieres in die Vorratskammer, so pürschte Sender mit angehaltenem Atem bis an die Tür heran und togte durch einen Spalt ins Innere. Er sah den Schatten sine-s riesigen, fest auf seinen starken Hinterläufen stehenden Wolfes, dessen dicker Hals, umzottet von einer dichten Mähne, sich mit dem breiten Schädel über die Mamaligaschüssel beugte. Das stehende Raubtier hielt die Schüssel in einer fast wenschähnlichen Haltung zwischen seinen Vorderläufen eingeklemmt. Ab und zu blitzten aus der Finsternis die Sfünen Lichter des Wolfes wie zwei losstiebende Funken einer Büchse. Sender Ruffin liess kein Auge von der Bestie, und stets überfiel ihn die Sorge, war es wirklich die Seele Slaboras, der, wie die Leute meinten, in Gestalt eines Werwolfes zurückstrebte, um sich an seinen Mördern zu rächen? Er erinnerte sich an ein altes jüdisches Sagen gut. Oft hatte ihm die Mutter davon erzählt, dass die Seelen der Menschen in einem Vogel, Pferd, Hund oder Wolf wieder zur Erde geworfen werden könnten. Seine Mutter konnte sich noch eines Juden entsinnen, der.war ein Bethausdiener gewesen, und pflegte, wenn er in der Frühe bei besonderen Anlässen die Frommen wecken ging, statt an ihre Fensterläden zu klopfen, davor stehen zu bleiben und laut, wie ein Königshahn, zu krähen: obschon er wusste, dass es Süude war. Als er dann starb, rannte eine Zeitlang jeden Morgen ein rot- und grünfedriger Hahn die Gasse mit gespreizten Flügeln hinunter und krähte, dass die Schläfer entsetzt auffuhren, meinend, der tote Bethausdiener hätte sie gerufen. Als beherzte Juden das unheimliche Gefieder einfingen und es binden wollten, entwischte es ihren Händen und flog, ein wilder, seltsamer Vogel, grellkreischend davon. — "Wie aber, wenn in diesem viel greulicheren Untier nicht die Seele des ermordeten Waldaufsehers steckte, sondern es sich um einen gemeinen, vierbeinigen Strauchdieb handelte, um einen Schafewürger, den man mit Knütteln totschlagen müsste, tat er da nicht unrecht, ihn nicht zu vergiften? Er seufzte, und im selben Moment sprang der Wolf mit einem Satz zur Tür hinaus und verschwand in der Waldfinsternis. Gegen Morgen scheuchte der Waldaufseher ein Geräusch, als schliche der Wolf ein zweitesmai in die Kammer, aus dem Schlaf. Der Mann, zu faul die Sache näher zu beäugen, dreht sich auf die andere Seite und schläft unbesorgt weiter. — Der Tag bricht an, und die Sonne steigt wie eine glühende Mündung " über den Busch wäldern auf und verschiesst in raschem Höhersteigen ihre ersten roten Pfeile auf die Felsspitzen und Talhänge. Sender Ruffin erhebt sich und schiebt den Riegel von der Mitteltür zurück. Er öffnet die Lungen wie zwei Fenster für den harzduftenden Tann. Das breite Morgenlicht bescheint seine Haut mit wohliger Wärme. Ein Tag ohne den Schall der Aexte. Ein Sommermorgen, vor dem alle ärgerlichen Gedanken und Kümmernisse wieder zurückkriechen in die dunklen Ecken und Schattenlinien der Waldhütte. Sender Ruffin tritt aus der Tür: Alles ist Unsinn, denkt er, der Wolf, Kolomea, die Jüdischkeit. Die Hauptsache ist das Licht. Im Licht steckt die Göttlichkeit. Ein heller Tag ist wie ein Händedruck Gottes- Er umfängt mit einem zufriedenen Blick die gleissenden Talhänge, dazwischen, die wie dunkle Wasser auf- und absteigenden Wälderstrecken und will ein Stück durch das taubeladene Grün wandern, als er hinter sich ein Geräusch von knirschenden Stiefeln zu vernehmen glaubt und im gleichen Augenblick, ehe er noch überdenken kann, was es wTäre, geschweige den Kopf danach wenden, jäh zur Erde gerissen wird, und das mit einer Wucht, die seinen Körper hinstreckt wie einen abgehauenen Klotz. Langsam zerteilen sich die schillernden Flügel vor seinen Augen, gelinder wird das Flimmern der sausenden Punkte, und nach einer kleinen Spanne öffnet er wieder die Lider, und, nachdem ihm als erstes durch den schmerzenden Kopf gegangen war, dass kein Wolf ihn angefallen hatte, will er sich verwundert aufrichten, als er seine Hände gefesselt spürt. Ueber sich vernimmt er ein hastiges Pfeifen, aber es ist nur das verstörte Getriller einer Drossel, und wie ers hört, errät er atemstockend, was ihm widerfahren ist. Da gewahrt sein Blick auch schon drei maskierte Gestalten aus dem Innern der Behausung stolpern, wo sie jedes Tannreis umgelegt und jeden "Winkel durchstöbert hatten. Sender zerrt an seinen Stricken und schreit, indem er sich bemüht hochzukommen: Zu Hilfe! Mörder! Räuber! Mörder! schreit er noch einmal mit aller Kraft seiner Kehle, da ist der längste der Räuber schon auf iht^ zugesprungen und. führt mit seinem Pistolenkolben einen Schlag gegen Ruffins Hinterkopf, dass er wieder umstürzt und seine Glieder auf dem Grase ausstreckt wie auf einer Bahre. Die Räuber, sobald sie merken, dass ihm die Sinne zurückkehren, schleifen den Ueberf allen en auf einen Baumstrunk, und der Anführer der Banditen, eine Galgenfigur wie aus einem alten Räuberbuch mit einem Knebelbart und einer Narbe vom Kinn bis zum linken Wangenbein, beugt sich, seine Maske abnehmend, über den noch halb 'bewusstlosen Ruffin und stösst, indem er ihm das kalte Eisen zwischen die Lippen schiebt, zischend durch die Zähne: Wo ist das Geld? Und da der Waldaufseher vor Schwäche nichts vernommen oder nichts erwidern kann, reisst er ihm zur Aufmunterung mit dem Pistolenlauf einen blutigen Striemen über die Lippen und droht, falls er nicht rede, ihm sein Gebiss mit einer Kugel zu lockern. Ruffin schweigt noch immer, obgleich seine offenen Augen ahnen lassen, dass er die Vorgänge begreift. Da winkt der Anführer mit der Hand, und seine zwei Ifumpane zerren den blutiggeschiagenen Ruffin von seinem Sitz. Wo ist das Geld? brüllt der Hauptbandit zum drittenmal, indes die zwei anderen Banditen ihm die Daumen umbiegen, dass er stöhnend Rede steht. Wo?, herrscht ihn der Anführer, weil er das Geflüsterte nicht verstanden hat, an. Wo? brüllt er noch einmal und nähert sich mit der Pistole dem Gesicht des Waldaufsehers. Ausgezahlt! stösst dieser aus und fällt, da die Kerle ihn loslassen, erschöpft zur Erde. Die Räuber laufen wieder in die Hütte, kehren aber bald wutschäumend zu dem Gefesselten zurück, und der Anführer beginnt von neuem, nur diesmal grimmiger und kürzer: Das^andere Geld, wo ist das hin? Der noch einbehaltene Lohn, wo hast du den versteckt? Und als der Mann nicht antworte^ heben sie ihn auf und schleppen ihn mit sich durchs Geheg. Sie lassen ihn in einer Lichtung zu Atem kommen und fallen erneut über ihn her. Ruffins Glieder brechen nicht so leicht, und wäre er nicht gefesselt, so zeigte er ihnen schon, wie man einen Daumen noch schmerzhafter nach hinten kämmt. Der Anführer spricht sein letztes "Wort: Wir hängen dich, Jude, wenn du das Geld nicht sofort hergibst! Sammelt Ruffin alle Kraft und schreit sich hochreissend gellend in den Tann hinein: Hilfe! Hilfe! Mörder! Darauf die Banditen stracks anlegen und ihn auf der Stelle niederstrecken wollen, als der Anführer ihre Revolver abbiegt und zähneknirschend sagt: Der Jud soll sich droben sein Grab selber schaufeln. Seine Spiessgesellen packen den Unglücklichen und zerren ihn über Wurzeln und Gesträuch mit hündischem Frohsinn weiter durch den Wald. Sie stossen und schleifen ihn über den harten Boden sich gegenseitig mit Hussa- Rufen anfeuernd, als ginge es auf einen Pürschgang- Inzwischen war es Mittag geworden, und die Sonne goss wie ein feuriger Humpen ihre Glut über die Bergspitzen und graugrünen Grasfiureu. Im Wald stand das grüne Leben in voller Blüht. An einem von Haselgesträuch und Ginsterstauden umsäumten Steig machten die Räuber Halt und warfen den völlig zerschundenen Ruffin vor eine Lehmmulde. Der Steig führte zu einem Abhang, wo zwischen meterhohem, braunrotem Farnwedel ein paar Birken mit dichtem Grünbehang prunkten. Dicht bei sauste durch das steil abfallende "Zweiggewirr ein schäumender Giessbach zu Tal. Unweit des Abhanges erhob sich aus rohen Fichtenbalken gezimmert, ein frommes Mahnmal. Ruffin. erkannte den Platz. Mit einem einzigen Blick aus seinen licht- und schmerzgeblendeten Augen umspannt er die Talhänge und die schwarzgrünen Tannenhäupter. Ein flimmerndes Gewoge von Sonne und Grün. Es gelingt dem Verlorenen, sich taumelnd aufzurichten, doch nun wallt es schwarz und dräuend an ihm vorüber. Berge schliessen ihn ein, und er sieht nichts mehr. Er sieht auch nicht mehr die Banditen, die ihre Pistolen In der nächsten Nummer beginnt der Abdruck der ebenfalls mit einem 2. Preis ausgezeichneten Novelle „Torres" von Alfred Mayer heben. Er hört nur noch den Anführer, der auf das Mal weisend, ihm mit zerhackter, höhnischer. Stimme zuruft: Da, Jude, bete! Sender Ruffin wendet sein Antlitz zur Seite, dem Abhang zu und erschrickt — nicht vor dem Tode — sondern vor dem Widerhall der furchtbaren Sekunde. In seiner Seele widerhallt das Wort, ein grausiges Echo, lauter, viel lauter, als seine Mörder es schrien, schreit es in ihm: Jude bete! Und wie er in die Knie stürzt und zu stammeln beginnt, kniet, auch der Vater neben ihm und weint: Dreimal, bete mein Sohn, dreimal. Und wie er dreimal sein Stammeln wiederholt, grellts an sein Ohr: Schluss jetzt! Feuer! Und der Anführer der Mörder will losdrücken, als ihm wie seinen Spiessgesellen die Arme jäh herabsinken, und ihre Gesichter mit versteinertem Ausdruck aufhorchen: Eine wilde Jagd braust durchs Geheg, immer näher und näher. Ein Knacken und. Brechen des Geästs wird vernehmbar, gleich stürme ein Keiler von einer Meute gehetzt daher. Die angsterstarrten Räuber dünkt es, eine Reiterscbaf in blanken Helmen und mit blankem Gewaff sprenge heran, und sie lassen das Schiessen, setzen über den ächzenden Ruffin hinweg und rasen in jähem Schrecken mit weiten, tierähnlichen Sprüngen den Abhang hinunter. Der Gerettete aber starrt mit angstvoll geweiteten Augen ins Dickicht, von wo, das Geäst durchbrechend, dass es rauscht und splittert wie von stürzenden Tannen, der Wrolf mit einem Satz in die Lichtung springt: sekundenlang vor dem Gefesselten mit grünen Lichtern und schaumschlingendem Rachen verhofft, und dann jäh, als hetzten ihn eine Meute Bracken, über seinen nächtlichen Wirt hinwegsetzt und in tollen Fluchten den Abhang hinuntersaust. — Etliche Stunden später finden die Holzfäller den halbtoten Mann und erzählten ihm, nachdem sie ihn in der Waldhütte verbunden und sorgsam gebettet hatten, die Räuber wTären ansprengenden Gendarmerieposten geradewegs vor die Flinten gelaufen, und es wären dieselben Halunken gewesen, die Michael Slabora umgebracht hätten. Und der Wolf? haucht der gerettete Waldaufseher. Die Männer gucken auf den zerschlagenen Ruffin mit seltsamem Ausdruck: Was will er mit dem Wolf jetzt? Sie zucken die Achseln: vielleicht ist an dem Gerede der Leute etwas Wahres? Der alte Wasilie aber kommt heran und legt seine Rechte dem Waldaufseher sacht auf die Stirn und flüstert: Habt keine Angst, Herr, ich wills für euch heute tun. Und er drückt sich beiseite und zieht aus seiner Tasche eine Tüte, deren Inhalt, fein wie Zucker, er in der Kammer auf die Mamaliga und den Speck schüttet. Danach schliesst er die Tür fest hinter sich ab. — Doch der Wolf kam nicht in dieser Nacht und auch nicht in der nächsten. Seit dem Ueberfall. auf den Waldaufseher kam er nie mehr wieder, es konnte in der Kammer stehen, was da wollte. — Später, im November, erschlugen die Ciobane einen Wolf, als er gerade in ihre Herde einfiel und bereits etliche Schafe abgewürgt hatte. Sie prügelien. den grauen Wanst der Bestie mit ihren Knütteln zu Tode, und ihre Hunde zerrissen noch das Fell. Aber es war nicht jener Wolf, der Nacht für Nacht in die Waldhütte eingebrochen war. um sein von Ruffin hingestelltes Futter, aufrecht wie ein zweibeiniges Geschöpf, zu verschlingen. Die drei Holzfäller, die das Tier doch kannten, waren unter sich mieins: Die Rumänen Nicolae und Juon schworen, dass es der gleiche wäre; Michael jedoch, der ein Ruthene war. schwor wieder bei allen Heiligen, dass die erschlagene Bestie ein gemeiner Wolfsrüde wäre, aber nie und nimmer der Werwolf. Der einzige, der hätte mit Sicherheit angeben können, ob es das Tier gewesen war. hatte zu der Zeit seinen Dienst als Waldaufseher längst aufgesagt und war über den Jablonilza-Pass heim nach Kolomea gewaudert.