Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 16 (21.4.1938)
- Date
- 1938-04-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 10 C.-V.-Zeitung -Nr.M y 21.Apnn938 Personen. Die Bevölkerungsdichte beträgt 5,8. Menschen je Quadratkilometer. Die Einwandenlngsfrage, die unter den geschilderten Umständen das aktuellste Problem beider Inseln bilden müsste, wird seit einigen Jahren von den meisten Politikern ängstlich gemieden: keine der dortigen Parteien würde es gegenwärtig riskieren können, em Einwanderungsschema auf ihr Programm zu setzen. Der Grund für die Unbeliebtheit dieses brennenden Problems besteht darin, dass die öffentliche Meinung für alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten den Zustrom von Einwanderern verantwortlich Brno Solms & Co.. S!efflii£S5£ Fabrik feiner Herren - Konfektion st off ex bsraiuno E. S€!3g§K§ "Bemrtnii#"^^^ TELEFON: 92 42 31 macht, der in den ersten Nachkriegsjahren ohne Planung, Kontrolle und Ueberwachung in das Land kam. Unter der Nachwirkung dieser chaotischen Einwanderungswelle weigern sich alle Parteien, dieses Problem in Angriff zu nehmen, bevor Anzeichen für einen Umschwung der öffentlichen Meinung vorliegen. Trotz dieser Widerstände ist dieser Frage in 'den letzten Jahren in der Presse und nT den Aeusserungen führender Persönlichkeiten wachsende Aufmerksamkeit geschenkt wrorden. W. E. Barnard, der Sprecher des Abgeordnetenhauses, hat den bekannten Fünfmillionenklub gegründet, der die beiden Inseln in einen Staat mit etwas ansehnlicherer Bevölkerungsdichte als bisher verwandeln will. (Die C.-V.-Zeitimg hat in Nr. 27, 1937 hierüber berichtet.) . Dieser Klub will das Land für eine weniger stationäre und rationellere Bevölkerungspolitik „reif" ' machen und entwickelt in Vorträgen und in der Presse eine beachtliche Aktivität. Seine Mitgliedschaft wächst beständig und rekrutiert sich aus allen politischen Lagern. Ein Abgeordneter, der der Regierungsmehrheit angehört, führte während der letzten Budgetdebatte aus, dass der beschlossene Bau von Eisenbahnen, Landstrassen und Wohnhäusern völlig sinnlos sei, weil bei der gegenwärtigen Einwanderungspolitik nicht damit zu rechnen sei, dass in 15 oder 20 Jahren noch genug Neuseeländer existieren werden, die diese Bauten benutzen könnten. Die eigentlichen Widerstände auf diesem Gebiet liegen weniger bei den Begierungsparteien als bei der Labourparty und den Gewerkschaften, die von einer neuen Einwanderungswelle eine Bedrohung des Lohnstandards befürchten. Obwohl vorerst mit einer Aenderung der Einwanderungspolitik nicht gerechnet werden kann, lässt sich dennoch mit grosser Wahrscheinlichkeit voraussehen, dass eine" teilweise Verwirklichung des Programms von Mr. Barnard in nicht mehr allzu weiter Ferne liegt. K. H. dort gäbe, so das» es mithin für edne deutsche Stenotypistin, und sei sie noch so tüchtig, einfach unmöglich sein müsse, eine Anstellung zu finden, wenn sie nicht perfekt spanisch spricht und schreibt Spanisch ist die Landessprache, und ich glaube nicht, und weiss es aus Erfahrung, dass eine hiesige Firma keine Stenotypistin einstellt, die nicht perfekt in der Schrift ist. Denn 95 Prozent aller Korrespondenz bleibt ja im Inland, und daher sind alle Hoffnungen, als deutsche Korrespondentin anzukommen, Utopie! . . . Für Frauen gibt es in erster Linie den Beruf im Haushalt, und können sie sprechen, Vom Arbeitsrecht In USA Arbeitszeit Die letzten Monate brachten in den Vereinigten Staaten von Amerika verschiedene neue Massnahmen, die einer Verkürzung der Arbeitszeit dienten. So ist in Penn sy Ivanien am 1. Dezember 1937 ein neues Gesetz in Kraft getreten, wonach die Arbeitszeit 44 Stunden in der Woche oder 8 Stunden am Tage nicht übersteigen darf. Dieses Gesetz gilt (mit Ausnahme der Hausgehilfinnen und der landwirtschaftlichen Arbeiter sowie gewisser Personen über 21 Jahre, die wenigstens 25 Dollar wöchentlich in leitender Stellung oder in einem geistigen Beruf verdienen) für alle Arbeitnehmer. Der Wortlaut des Gesetzes und der Stundenplan müssen in den Betrieben an geeigneter Stelle angeschlagen werden. In Nordkarolina darf künftig kein Arbeitgeber männliche Personen länger als 55 Stunden wöchentlich oder 10 Stunden täglich oder mehr als 12 Tage jeweils innerhalb von 14 aufeinander folgenden Tagen beschäftigen. Vorher war die Arbeitszeit nicht begrenzt. Dies gilt allerdings nicht für Arbeitgeber, die weniger als acht Personen beschäftigen. Ebenso sind für gewisse Arten von Betrieben Ausnahmen vorgesehen. Das Gesetz findet auch keine Anwendung auf Personen über 18 Jahre, die in Büros in leitender Stellung" oder in geistigen Berufen beschäftigt sind, ferner nicht auf Geschäftsreisende und Gehilfen von Handelsbetrieben. Kür Notfälle und für Saisonarbeiten sind Sonderregelungen vorgesehen. Durch eine Reihe von Gesamtvereinbarungen sind in bestimmten Gewerbezweigen Bestimmungen über die Verkürzung der Arbeitszeit getroffen worden. So wurde in der Gummiindustrie die 36-Stunden-Woche eingeführt, während eine Vereinbarung im Verkehrsgewerbe zwischen dem Ausschuss für Industrieverbände und der „Interborough Rapit Transit Company" nie Einführung der 48-Stunden-Woche, einen Mindestlohn von 25 Dollars wöchentlich und einen bezahlten Urlaub vorsieht. Im Damenbekleidungsgewerbe ist die 40-Stunden-Woche vereinbarf worden. Ebenso in der Lederindustrie, wo ab 31. August 1938 sosar nur 37^2 Stunden gearbeitet werden soll (IRA 1938, 71). Beschäftigung von Jugendlichen Hinsichtlich der Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen sind im Jahre 1937 in den einzelnen Bundesstaaten Gesetze in Kraft getreten, die gegenüber dem bisherigen Rechtszustand einen Fortschritt bedeuten. So ist in Nordkarolina nach einem neuen Gesetz für jede Arbeit, die während der Schulstunden ausgeführt wird, sowie für jede Arbeit in Fabriken zu beliebiger Zeit das Mindestalter für die Zulassung auf 16 Jahre festgesetzt worden. Kinder zwischen 14 und 16 Jahren können ausserhalb der Schulstunden beschäftigt werden, soweit es sich nicht um Fabrika'rbeit oder sonstige für Kinder verbotene Arbeit handelt. Für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahre ist eine tägliche Höchstarbeitszeit von neun Stunden und eine wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden vorgesehen. Für Jugendliche unter - IS Jahren ist Nachtarbeit verboten. In Südkarolina wurde das Mindestalter für die Beschäftigung in Fabriken, in Bergbau- und Textilbetrieben' auf 16 Jahre erhöht und gleichzeitig das Mindestalter für eine entgeltliche Beschäftigung während der Schulstunden — mit Ausnahme der häuslichen Dienste und der Arbeit in der Landwirtschaft — auf 16 Jahre festgesetzt. Kinder unter 16 Jahre dürfen zwischen 20 und 5 Uhr überhaupt nicht beschäftigt werden. In diesem Staate ist auch das Volksschulgesetz verbessert worden. So wurde die allgemeine Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahre erweitert. Die Eltern, die finanziell dazu in der Lage sind, müssen ihre Kinder zwischen dem 7. und 16. Lebensjahre zur Schule schicken. Aermeren Kindern sollen die Bücher und Lehrmittel möglichst unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Endlich ist im Staate Vermont das Verbot der Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren in Fabriken auf jede Beschäftigung während der Schulstunden ausgedehnt und die Ausstellung von Arbeitsbescheinigungen für jede Lohnarbeit von Kindern während der Schulstunden vorgeschrieben worden. Künftig ■ selten der 8-Stunden-Tag, dip 40-Stunden- und die 6-Tage-Woche für alle Jugendlichen unter 16 Jahren. (IRA 1937. 1130.) Mindestlöhne In einer Vereinbarung zwischen den Gouverneuren der einzelnen Bundesstaaten, die letztlich vom Kongress bestätigt wurde, sind die Bestimmungen über die Durchführung der Mindestlohnregelungen festgelegt worden. Die Vereinbarung schreibt"unter anderem vor. dass es den Arbeitgebern untersagt ist. Jugendliche unter 21 Jahren und Frauen gegen Hungerlöhne zu beschäftigen, dass die einzelnen Bundesstaaten befugt sind, Mindestlohnauschüsse einzusetzen, in denen die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer sowie die Bevölkerung im allgemeinen vertreten sind. Die Bundesstaaten sollen auch berechtigt sein, für bestimmte Berufe unter gewissen Voraussetzungen Mindestlöhne festzusetzen. (IRA 1938, 148). Regelung der Stellenvermittlung Ein Gesetzentwurf befasst sich mit der Regelung der Privatstellenvermittlung. Hiernach soll keine gewerbsmässige Stellenvermittlung ohne eine jährlich neu zu beantragende Erlaubnis betrieben oder eröffnet werden können. Der Inhaber einer Stellenvermittlung wird beim Arbeitsministerium des Bundesstaates als Sicherheit für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine bestimmte Summe zu hinterlegen haben. Ebenso muss jeder von dem Büro beschäftigte Untervermittler eine behördliche Genehmigung besitzen. Die Liste; der Eintragungsgebühren soll beim Ministerium eingereicht und in jedem Büro angeschlagen werden. Den Vermittlern wird verboten werden, falsche oder irreführende Anzeigen zu veröffentlichen, falsche Auskünfte über Stellenangebote zu erteilen, Bewerber in Orte zu vermitteln, wo Arbeitsstreitigkeiten ausgebrochen sind, ohne sie vorher davon in Kenntnis zu setzen, die Eintragungsgebühren mit anderen Personen zu teilen, in Verbindung mit den Vermittlungsbüros Arbeiterpensionen. Mittagstische, Arbeitslager und ähnliche Unternehmungen zu betreiben^ schliesslich entgegen den gesetzlichen Bestimmunsen Frauen und Kinder in Arbeit zu vermitteln."(IRA 193S, 55). Zählung der Arbeitslosen Um die Zahl, die soziale Stellung und die räumliche Verteilung der Arbeitslosen zu ermitteln und dadurch die Aufstellung eines Planes über Arbeitsbeschaffung, Sozialversicherung und Arbeitslosenfürsorge zu erleichtern, schreibt ein Gesetz eine Zählung der Vollarbeitslosen und Kurzarbeiter und ihrer Familien vor. Die Meldung ist eine freiwillige. Die Zählung muss bis zum 1. April 1938 abgeschlossen sein. (IRA 1938, 138). 3Iax Goldstern. Als ungelernter Arbeiter in Uruguay Ein in Montevideo lebender Leser unserer Zeitung ergänzt den in Nr. 2 vom 13. Januar d. J. veröffentlichten Brief eines in Argentinien als ungelernter Arbeiter lebenden Juden mit Mitteilungen über seine Erfahrungen in Montevideo. Besonders wichtig scheinen uns seine nachstehend wiedergegebenen Bemerkungen zur berufspolitischen Situation. D. Red. MONTEVIDEO, Ende Februar 1938. ,,. . . Auch für Montevideo gilt, dass es nur ganz wenigen gelingt, in ein festes Kontraktverhältnis zu kommen, und. dass die Mehrzahl der Arbeitswilligen sich freut, Stellungen als Peon zu finden. Ich betone ausdrücklich, der ,Arbeitswiliigen'; denn leider muss ich sagen, dass es ■ oft nur Phrasen waren, wenn die Auswanderer erklärten, hier jede Arbeit annehmen zu wollen. Entweder ist ihnen diese zu schwer, der Verdienst zu gering oder aber die Hitze zu gross. AVenn dann das Komitee endlich einmal mit der Unterstützung aufhört, dann laufen sie als Eisverkäufer mit kleinen Wägelchen durch die Stadt, um vielleicht durchschnittlich 1 Peso zu verdienen. Das ist allerdings auch nicht mehr, als wenn sie als Peoce in einer Fabrik anfingen ... Also alles, was der Artikelschreiber für Buenos Aires anführt, gilt auch für Montevideo. Nur in einem muss ich ihm widersprechen, und, wie ich glaube, sowohl für Buenos Aires als auch für Montevideo. Er sagt,' dass Stenotypistinnen leicht Arbeit finden, wenn sie ,Cedula* besässen. Er sagt weiterhin, dass es eigentlich cur sehr wenige deutsche Firmen dann steht ihnen genau so jeder Weg offen wis dem Mann, wobei die Cedula absolut keine. Rolle spielt. Ist man legalisiert, so bekommt man sie ohne weiteres. Das ist weder ein Verdienst noch eine besondere Tüchtigkeit! Und Arbeit bekommt hier jeder, der arbeiten will, und wer bereit ist. jede Arbeit zu jedem Preis zu übernehmen. Man kommt als ,Grüner' hierher, glaubt, ganz Südamerika hätte auf einen gewartet, spricht selbstverständlich nicht ein Wort spanisch ausser dem für Emigranten bemerkenswerten JSi, Si' und glaubt, sich ausgenutzt, wenn einem für den Anfang ein Lohn geboten wird, der kaum das Minimum darstellt!" Freunde und Feinde des Hilfsvereins Von besonderer, dem Hilfsverein nahestehender Seite wird uns geschrieben: Der Hilfsverein der Juden in Deutschland hat keine Gegner. Liberale und Zionisten, Orthodoxe und Freidenker, alle politischen und religiösen Gruppen stimmen darin überein, dass die Arbeit des Hilfsvereins für das gesamte Judentum Deutschlands von lebenswichtiger Bedeutung ist. Denn niemand kann leugnen, dass für Zehntausende unserer Menschen heute die einzige Zukunftschance in der Auswanderung liegt, und da Palästina zur Zeit nur einen verhältnismässig geringen Teil unserer Menschen aufnehmen kann, kommt der Arbeit des Hilfsvereins, dem die Betreuung der gesamten, nichtpalästinensischen Auswanderung obliegt, entscheidende Wichtigkeit zu. Monat für Monat ermöglicht der Hilfsverein durch seine finanzielle Unterstützung Hunderten von Menschen die Auswanderung vor allem nach üebersee. Weiteren Hunderten hilft er durch seine sachkundigen Beratungen, aus eigener Kraft den Weg zu gehen. So mag der Hilfsverein mitunter von anderen jüdischen Stellen zwar wegen einzelner Mängel kritisiert werden, im Grunde aber ist die unbedingte Notwendigkeit seiner Arbeit und die hingebungsvolle Tätigkeit seiner Mitarbeiter von allen Seiten anerkannt. Aber wenn der Hilfsverein keine Gegner hat, so hat er doch — Feinde, gefährliche Feinde, von denen hier einmal offen geredet werden muss. Sie sind an Zahl zwar verschwindend gering. Aber ihre Schädlichkeit für die Gesamtheit ist deshalb nicht weniger gross. Der erste dieser Feinde, der sich freilich über die Verwerflichkeit seines Handelns oft nicht in vollem Umfang Rechenschaft ablegt, ist derjenige, der öffentliche jüdische Mittel unberechtigterweise in Anspruch nimmt. Es .vergeht kaum ein Tag, ohne dass Auswanderer dem Berater hoch und heilig beteuern, sie hätten kein Geld und könnten auch keines aufbringen, so dass der Hilfsverein ihnen unbedingt ■ die Passage bezahlen müsse. Geht man aber diesen Angaben auf den Grund, so stellt man oft nicht unerhebliche Mittel fest, die aber lieber zu Neuanschaffungen vor der Auswanderung verwendet werden sollen. So menschlich verständlich ein solcher Wunsch oft sein mag, so unverantwortlich ist seine Durchführung auf Kosten der jüdischen Allgemeinheit. Gewiss sucht sich der Hilfsverein durch sorgfältige Recherchen von der wirtschaftlichen Lage der Betreffenden ein Bild zu machen. Aber bei der Belastung seiner Arbeitskräfte kommt es doch immer wieder vor, dass Fehlangaben sich erst nachträglich als solche herausstellen. Leider scheut sich der ganz überwiegende, anständige Teil unserer Menschen oft, derartige unlautere Manöver öffentlich niedriger zu hängen — eine verständliche und nicht einmal unsympathische, aber unter den heutigen Umständen doch durchaus falsche Rücksichtnahme. In einer Zeit, in der wir zum grossen Teil nur mit Hilfe ausländischer Gelder die Auswanderung unserer Minderbemittelten bestreiten, und in der die wirkliche Not mit jedem Tag grösser wird, ist die missbräuchliche Inanspruchnahme öffentlicher Mittel besonders verwerflich. Weniger Feinde als Störenfriede sind jene, welche die Arbeit des Hilfsvereins durch Krakeelen, Beschwerden und ähnliches unberechtigterweise stören. Jeder Mitarbeiter des Hilfsvereins ist sieh dessen bewusst, dass nicht allen Juden in Deutschland geholfen werden kann, und gerade dieses Bewusstsein erschwert ihm seine Arbeit innerlich so sehr. Unter solchen Umständen jeden Tag von neuem bis zum Aeussersten seine Pflicht zu tun, d. h. hintereinander 30 oder 40 Fälle — Menschenschicksale! — anzuhören, zu durchdenken, aktenmässig zu bearbeiten und nach Möglichkeit einer Lösung zuzuführen, — das ist eine Leistung, von der sich ein Aussenstehender kaum eine richtige Vorstellung macht. Selbstverständlich kommen in dieser Arbeit Fehler vor, mitunter auch Ungerechtigkeiten; denn niemand kann den Menschen ins Herz sehen. und kein Berater ist unfehlbar. Aber kein einziger Mitarbeiter des Hilfsvereins lässt es an gutem Willen fehlen. Deshalb sollten Beschwerden wohl gegen eine sachliche Entscheidung, nicht aber in persönlicher Form gegen einen Berater, vorgebracht werden. Dennoch macht man immer wieder die Erfahrung, dass Menschen, denen vielleicht Unrecht geschehen ist. sich nicht, oder höchstens in angemessener Form, beschweren, während die am lautesten sind, die am wenigsten Recht zur Beschwerde hätten. Mehr Selbstkritik, mehr Rücksichtnahme wäre die erste Pflicht derer, die im Kritisieren anderer so gross sind. Es wäre verhängnisvoll, den Schatz von" Vertrauen, auf dem die Arbeit unserer jüdischen Organisation beruht, böslich zerstören zu lassen. Der gleiche Typus von Menschen, der hier durch lautes, anspruchsvolles Auftreten dem Hilfsverein und anderen jüdischen Stellen die Arbeit erschwert, schädigt nur allzu häufig das jüdische Ansehen auch während und nach der Auswanderung. Mitunter ist in den Berichten der letzten Jahre von taktlosem Benehmen mancher Auswanderer auf den Schiffen die Rede. Als ob sich nicht der Jude bei der Auswanderung aus Deutschland als würdiger Repräsentant einer leidgeprüften Schicksalsgemeinschaft fühlen und bewähren müsste. Als ob er nicht die Pflicht hätte, denen, die nach ihm kommen wollen. Sympathien zu erwerben, wo immer er hinkommt! Aber noch schlimmer als unpassendes Betragen während der Fahrt ist die Haltung mancher Kreise im Einwanderungsland, deren Gleichgültigkeit gegen das Schicksal der noch in Deutschland Verbliebenen und zur Nachwanderung Drängenden, ja deren Hartherzigkeit bei jedem Appell an ihre Hilfsbereitschaft oft die Empörung der einheimischen Juden ausgelöst hat. Gewiss handelt es sich dabei — noch einmal sei es betont, um Missverständnisse und übelwollende Auslegungen dieser selbstkritischen Darlegungen zu vermeiden — nur um eine Minderheit der Auswanderer; Aber der Schaden, den sie den Interessen der Gesamtheit zufügt, steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Zahl. Mit Dank und Freude aber sei von den Menschen die Rede, die materiell und vor allem moralisch die Arbeit des Hilfsvereins, erst ermöglichen. Hierher gehören nicht nur all jene guten Juden, die den Hilfsverein so unterstützen, wie es ihrem Vermögen und Einkommen unter Berücksichtigung der "heutigen allgemeinen Not entspricht, sondern hierher gehören, vor allem viele Hunderte unserer mittellosen Schützlinge.. Alle jene, die trotz ihrer oft schwierigen Lage nicht murren und die Geduld verlieren, sondern warten, bis ihre Auswanderung endlich bewerkstelligt werden kann, und die dann zu den Kosten jede Mark beitragen, die sie unter Anspannung aller Kräfte aufbringen können — all jene, deren bescheidenes Benehmen auf den Schiffen eine Empfehlung für unsere Gemeinschaft bedeutet, und die in Uebersee kein anderes Ziel kennen, als nach der Gründung einer eigenen Existenz auch Freunden und Verwandten die Einwanderung zu ermöglichen, sie gehören zu den wertvollsten Freunden des Hilfsvereins. Wenn man die zahllosen, oft überschwenglichen Dankbriefe und die Berichte über glückliche Einordnung im Einwanderungslande auf die eine Waagschale legt und jene schon geschilderten Irreführungsversuche, ungerechtfertigten Beschwerden auf die andere,, so ist im ganzen das Ueberge wicht der ermutigenden Erfahrungen gewaltig. Aber in einer Zeit, in der die Arbeit des Hilfsvereins für einen grossen Teil der Juden Deutschlands rettende Bedeutung hat, ist es notwendig, alle Kräfte anzuspannen, um die negativen Erscheinungen noch seltener werden zu lassen und die positiven noch zu vermehren. Weitere Beiträge zur Wanderungsfrage siehe auch „Wirtschaft der Woche" (Seite 15). Franz M. Stern Poionya Sokak Beyoglu - Istanb c erteilt f. evtl. Auswar der ud g eingehende Berichte über persönliche und WirtscMs-Verhäiinisse in der Türkei 3UL STEINBERGER f^'Ä'pS SOLINGEN-OHLIGS 6 auswandern? 8Kac!i Psläsffna, Hord- oder Südaraeri Wer liefert hier?0r$pez.-»eteinric!i!ung8R? N ATURLICH1 Dia bekannte täöbeS - Ca?o£fo3n<83un$ Qeffsciialff & ¥Anm, Esseft (Ruhr] Fernruf 27654 / Bedienen Sie sich Ihres Möbel- Händlers oder Polstermeisters. Sie brauchen nicht nach Zeichnungen zu kaufen! Stets viele Einrichtungen für die einzelnen Länder auch Einzel- und Doppelbettcouches - vorrätig. Erste Ref. Lagerbpsnch stets lohnend n. 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