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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-21 · 16 (21.4.1938) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
16 (21.4.1938)
Date
1938-04-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage der G-V.-Zeifung Nr. 16 * 2. Beiblatt 21. April 1938 Mitteilungen aus dem HüfsYerein der Juden in Deutschland Australien^ Neuseeland, Kanada W anderungsprobleme unter britischem Gesichtspunkt Zur Frage der landwirtschaftlichen Grup- Einen neuen und sehr wesentlichen Beitrag zum Thema ».Wanderung und Siedlung" bildet ein Aufsatz in der „IRA" (1938, Heft 4), der sich mit den einschlägigen Problemen in den drei britischen Dominions Australien, Neuseeland und Kanada beschäftigt. Wenn die Darstellung auch im besonderen unter dem Gesichtspunkt der ..Empire-Wanderung" — also vor allem der Auswanderung vom englischen Mutterland nach den Dominions — erfolgt, so werden doch auch einige grundsätzliche Fragen behandelt, die für die jüdische Wanderungspolitik von grosser Aktualität sind. Die Bevölkerung Australiens. Neuseelands und Kanadas stieg in dem Jahrzehnt von 1921 bis 1931 um 19,85 Prozent bzw. 17,37 Prozent bzw. 1S.0S Prozent. Dieser starke Bevölkerungszuwachs war im wesentlichen auf Einwanderung zurückzuführen. Infolge der letzten Weltwirtschaftskrise ist die Wanderungsgeringer gewegung seit 1931 erheblich worden. Erst in der neuesten Zeit sind Ansätze zu einer erneuten Belebung zu verzeichnen. Dementsprechend erreichte seit 1931. der Hundertsatz der Bevölkerungszunahme in Australien nur noch 0.8 Prozent in Neuseeland 0.7 Prozent j.iud in Kanada 1,3 Prozent. Die Zusammensetzung der Eiuwandertmgsströme ist in den drei Dominions recht unterschiedlich. Die Einwanderung nach Australien und Neuseeland war in der Mehrheit fast,immer britischen Ursprungs. Die Einwanderung nach Kanada ist dagegen wesentlich weniger einheitlich. Es ist für uns interessant, aus dein Aufsatz zu ersehen, dass die Förderung der Auswanderung aus England mit ähnlichen Mitteln erfolgt, wie sie für die jüdische Wanderung von den zuständigen Organisationen angewandt werden. Hierzu gehören Reisezuschüsse uud finanzielle Beiträge zu den Siediungs- und Erschliessungsplänen einschliesslich der Vorbereitung der Auswanderer auf ihre zukünftige Tätigkeit in der Landwirtschaft, wozu vom englischen Arbeitsministerium eine Reihe von ,,Benrfsausbildungspiänen" aufgestellt wurden. Ferner wird die Notwendigkeit genauer Orientierung über das Einwanderungsland vor der Aus w ander u n g auch in d iesem Artikel als ein wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Umsiedlung bezeichnet. pensiedlung, die Gegenstand von Regierungsvereinbarungen innerhalb des Empire war, wird bemerkt, dass diese Versuche die gewünschten Ergebnisse nicht gezeitigt hätten. Wenn auch von einem Scheitern nicht gesprocher. werden könne, so stehe doch fest, dass ihre Durchführung zumeist sehr kostspielig war. Dieser Hinweis erscheint im Hinblick auf die den jüdischen Organisationen zur Verfügung stehenden Mittel recht bedeutungsvoll. Die Zukunft der Einwanderung in den drei Dominions Australien, Neuseeland und Kanada wird in dem Artikel als von der Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftslage und besonders des internationalen Güteraustausches, von der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen und von der Wiederbelebung der Anlagetätigkeit abhängend bezeichnet. Die Einwanderung könne keinen grossen Umfang annehmen, wenn nicht die Möglichkeit der Entwicklung eines Marktes zum Absatz der von den Einwanderern erzeugten Güter vorhanden sei. Diese Möglichkeit hänge eindeutig und weitgehend vom Zustand des Weltmarktes ab. Und hier sei jede Voraussage im-' möglich, obgleich gewisse Anzeichen darauf hinwiesen, dass eine langsame Wiederbelebung des Weltmarktes zu erwarten sei. Dass die Neigung der Auswanderer, Arbeit in den Städten anzunehmen, auch wenn ursprünglich die Absicht landwirtschaftlicher Siedlung vorgelegen hat, keine besondere Erscheinung der jüdischen Wanderungsbewegung ist, ergibt sich daraus, dass in dem Aufsatz dieselbe Tendenz von der früheren Empire-Wanderung festgestellt wird. Mit zahlenmässigen Beiegen wird in der Darstellung ausgeführt, dass ein immer grösserer Prozentsatz von Einwanderern in den drei Dominions von der aufstrebenden Industrie aufgenommen wurde. Hieran wird die Bemerkung geknüpft, dass angesichts dieser Tatsache die nach dem Kriege befolgte Wanderungspolitik sich zu ausschliesslich mit der landwirtschaftlichen Siedlung befasst habe. Die Kanadier, die Australier und die Neuseeländer selbst hätten Neigung gezeigt, die Landarbeit zu verlassen und sich in den Städten med erzulassen. Infolgedessen sehe die Wanderungspolitik ihre Aufgabe darin, die in der landwirtschaftlichen Bevölkerung der Dominions entstandenen Hohlräume auszufüllen. Andererseits wird in dem Aufsatz bemerkt, dass diese Landflucht nicht eine durchaus bedauerliche Erscheinung sei. Wenn der Anteil der landwirtschaftlichen Erzeugung in der gesamten Produktion ständig zurückgebe, sei'es natürlich, dass Männer von der Landwirtschaft zur Industrie und zu anderen Berufszweigen übergingen. Vermutlich werde die Einwanderung in die Dominions in Zukunft weniger gross sein als während der zehn Nachkriegsjahre, und die Einwanderer würden in der Hauptsache Industriearbeiter sein. Der zwischenministerielle Auschuss Grossbritanniens habe daher u. a. empfohlen, die Bereitste!-1 lung von Geldern für die Erschliessung von Ländereien in den Dominions einzustellen uud von der Förderung der Gruppensiedlung abgeraten, aber hinzugefügt, dass die qualifizierten Siedler zweifellos keine Schwierigkeiten hätten, sich das Siedlungskapital bei einer Landwirtschaftsbank oder bei einer ähnlichen Einrichtung zu besorgen. Wenn diese Gedankengänge auch lediglich die englische Auffassung über die Gestaltung der Empire-Wanderung wiedergeben, so verdienen sie doch als Beitrag zu den Fragen der Wanderungsplanung darüber hinausgehende Beachtung. Im einzelnen besteht nach den Darlegungen in der IRA unter britischem Aspekt in den grossen kanadischen Städten immer Beschäftigungsmöglichkeit für Hausgehilfen sowie für eine Anzahl von Büroangestellten britischer Herkunft, die in der Lage sind, höhere Posten zu bekleiden, sowie für Handwerker in Berufen, die in Kanada noch nicht ausreichend entwickelt sind, schliesslich für Personen mit Sonderkenutnissen, die nur ausserhalb Kanadas erworben werden können. In Neuseeland scheine die Zeit für eine Wiederaufnahme der Einwanderung in grossem Umfange noch nicht gekommen zu sein, während man in Australien schon davon spreche. Jedoch lehnten die Arbeitergewerkschaften dort die Einwanderung allgemein ab. weil sie der Auffassung seien, dass die Einwanderer auf dem australischen Arbeitsmarkt in Wettbewerb treten würden. Der Generalstaatsamvait des australischen Bundes habe vor einiger Zeit erklärt, Einwanderung sei nicht gleichbedeutend mit landwirtschaftlicher Siedlung. Beim gegenwärtigen Zustand des Weltmarktes sei es zweifelhaft, ob es zweckmässig wäre, mehr und mehr Menschen zur Urerzeugung zu veranlassen, deren Erzeugnisse für die Ausfuhr bestimmt seien. Dagegen dürften in Zukunft die Aussichten auf Beschäftigimg g e - lernter Arbeiter in der Industrie in hohem Masse dazu beitragen, die Einwanderung nach Australien zu ermutigen. Wichtig ist schliesslich die Mitteilung, dass man in Australien eine wirtschaftliche und wissenschaftliche Untersuchung über die Einw ander ungsmöglichkeiten vornimmt, um festzustellen, in welchem Umfange Australien Einwanderer aufnehmen könne und wieviel Personen die bewohnbaren Teile des Landes aufzunehmen vermögen. Nach einer neueren Schätzung werde angenommen, dass etwa SiiJä^J^llSäWSaäU^^S^Si SB&ffis&s&aaia^^ a««fctaitajtiBi*iia«^^ Jüdische Kundschafter Von Micha Michalowitz III. „Sihub ha'olam" Die Weitrundreise ue§ Rabbi Petachja aus Regensburg (Forlsetzung) In Bagdad, der Residenzstadt des Kbalifen, findet er eine grosse jüdische Gemeinde vor. Ihr Oberhaupt ist der Schuipräsident Rabbi Schemuel ha'Levi, der seinen Stammbaum bis "um Propheten Schemuel aus Ramah herleitet. In 23T?z Assyrien und Damaskus, in den Städten Persiens, Mediens und Babyioniens gibt, es nur Rabbinatsverweser, die Rabbi Schemuel empfohlen hat. Er erteilt den Gemeinden die Erlaubnis, Gerichtshöfe zu errichten und Lehrstühle zu eröffnen. Sein Insiegel hat in all den genannten Ländern wie auch im Lande Israel volle Gültigkeit. Jeder babylonische Jude zahlt jährlich ein Goldstück als Kopfsteuer. Denn nicht an den König, sondern an '"eo Schuipräsidenten haben sie dort ihre 5'euer zu entrichten. Die Juden Babyioniens leben io Frieden. Vom Grabe Ezechiels, zu dem er pilgert, erzählt er, es sei von einer Ringmauer eingeschlossen, die kein Tor habe, sondern nur ein niedriges 1;nd schmales Türchen, durch welches man kriechend hindurchmüsse. Aber am Laubhütienteste, zu welchem Wallfahrer aus aller Herren Länder dort zusammenströmen, erweitert und erhobt es sich von selbst dermassen, dass man es mit Kamelen passieren kann ... Aul mühseliger und langer Wanderung pilgert er auch zum Grabe Esras. Dort steigt täglich um ci'-e elfte Stunde eine Feuersäule bis zum Himmel empor und erleuchtet eine Stunde lang die Nach!. P_rei bis vier Meilen im Umkreis sieht man das L;cht. Wenn die Araber es sehen, verneigen sie sich ehrfurchtsvoll... Die Schlüssel der Häuser, die rings um die Gräber erbaut sind, befinden sich in den Händen der Juden; sie nehmen das gelobte Geld in Empfang und verwenden es zur Aussteuer von Waisen, zur Unterstützung armer Talmud jünger und zu Synagogenreparaturen armer Gemeinden. Nach Bagdad zurückgekehrt, zeigte man ihm ein fliegendes Kamel. Auf diesem Tier legt der Reiter an einem Tage eine Strecke, zurück, für die er sonst fünfzehn Tage brauchte; es könnte zwar noch schneller fliegen, aber der Mensch würde einen schnelleren Ritt nicht aushalten können... Solche amüsanten und kurzweiligen Dinge berichtet Rabbi Petachja von seiner Reise noch eine ganze Menge. Und nun kommt er nach Palästina. Er erledigt es, wie ein Cookreisender, in kaum drei Tagen... Sieben Jahre ist er unterwegs gewesen. Dann kehrte er nach Regensburg zurück. Ein praktisches Ergebnis hat seine fesselnde und interessante Reise nicht gehabt. *v- „Die Reise Benjamins des Dritten" „Das sind die Fahrten Benjamins des Dritten, nämlich das Buch von den Reisen Benjamins des Dritten, der auf seinen Fahrten gar weit, bis zu den ,ßergen der Finsternis' vorgedrungen ist und dabei Wunderliches und Ergötzliches in Menge gesehen und erfahren hat. Nachdem das Buch schon in allen siebenzig Sprachen der Welt bekannt geworden ist, wird es nunmehr, ein wenig gekürzt, auch in unserer, der jüdischen Sprache, an den Tag gebracht, durch die Bemühung des Buchverkäufers Mendale, der schon manche andere Bücher aufgeschrieben hat und durch sie zu Namen gekommen ist als Mendale Mocher Sfarim. Nunmehr aus der jiddischen Sprache ins Deutsche übersetzt von Efraim Frisch.'' Ist es ein Zufall, dass gerade iu dem Augenblick, da wir mit der Niederschrift des Berichts über die abenteuerlichen Reisen des Rabiii Benjamin, von Tudeia beschäftigt waren, dieses Büchlein*) erschienen ist, dessen erste Seite diese anheimelnd barocke Einleitung enthält'? Mag es ein Zufall sein oder was sonst, wir wollen 'in diese Reihe, die von jüdischen Kundschaftern erzählt, dieses seltsamste alier „Reisebücher" einschalten.- weil es in einer Art geheimer seelischer Spiegelschrift und in. zuckend aufflammenden Reflexen das wundersamste Bild der Sehnsucht gib!, die das zermarterte Gehirn des GheUojudeu mit Fernweh und Heimweh erfüllte. Eines ist jedenfalls gewiss, dass der navarresische Rabbi Benjamin es sich nicht hat träumen lassen, der Ahnherr einer benjaminischen Dynastie, von Welt reisenden zu werden, wirklichen und erdichteten, und dass seine vergilbten Aufzeichnungen eine so späte und seltsame Frucht zutage fördern würden, wie es das Wortgefüge eines Dichters ist. Denn es war, bei aller Phantasie, nicht vorauszusehen, dass eben diese Aufzeichnungen nach sieben, mit Unermesslichem angefüllten Jahrhunderten, einer Zeitfolge immerhin, in welcher dreissig Generationen gelebt haben und ins Grab gesunken sind wie ein Samenkorn, in das Herz und Hirn Meudales, des Schreibers, fallen und dort zu etwas ebenso Unsterblichen werden würden wie des spaniolischen Rabbi Benjamin abenteuerliches Unternehmen selbst. Uebrigens ist auch er selbst ein Ahnherr gewesen, dieser Dichter Salomo Jacob Abramowitsch, der sich mit erschütternder Einfachheit Mendale Mocher Sfarim, Mendale der Bücherverkäufer, nannte. Das Volk, das jüdische Volk seiner Heimat aber nannte ihn, mit der ehrfürchtigen Liebe, die es im Herzen für ihn trug, den „Seiden", den Grossvater, den Ahnherrn der jiddischen Literatur. Denn mit ihm erst hebt sie an, mit ihm erst wurde diese kleine, arme, verkrüppelte Sprache zu einem bildnerischen Element, er heftete dem verschlisseneu und durch den jämmerlichster] Alltag abgenutzten ') Nr. S5 der Schocken-Büclieiei. 30 Millionen Menschen in Australien (zur Zeit etwa 6,S Millionen) leben könnten. So erfreulich solche Feststellungen auch klingen mögen, so wird der jüdische Leser dabei nicht vergessen dürfen, dass die Einwanderungspolitik der englischen Dominions in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der Heranziehung britischer Staatsangehöriger betrieben wird. . Go—Wie. Speziell mit der Situation in Neuseeland befasst sich ein Aufsatz in der englischen Zeitschrift ..Round table", dessen Inhalt wir bei dein grossen Interesse, das sich zur Zeit diesem Lande zuwendet, ausführlicher wiedergeben. Die Red. Neuseeland gehört zu den klimatisch begünstigten und wirtschaftlich entwicklungsfähigen Ländern, die an einem einzigen Mangel leiden — dem Menschen m a n g e l Die Einwohnerzahl einer Anderthalbmi ilionenstadt verteilt f fltpe^ÖPf? Spez.: Inslandstransporis to«-2i5C-:iW*Wäii& Stadtumzüge Einlagerung Person!. Leitung. Eisenacher Straße 79. Tel. 71 44 91. sieh auf ein Gebiet von der Grösse Grossbritanniens und Nordirlands. Die Ursache für diese Menschenleere eines — nach europäischen Massstäben geräumigen Gebietes ist, abgesehen von der späten Entdeckung der Inseln und ihrer abseitigen Lage, in einer Einwanderungspolitik zu suchen, die die wirtschaftsdynarnischen Auswirkungen einer steigenden Bevölkerungsziffer offenbar unterschätzt. Die englische Zeitschrift „Round Table" unterzieht die Maximen, auf denen diese Einwanderungspolitik beruht, und ihre bevölkerungspolitischen Auswirkungen einer kritischen Betrachtung. Den Anlass hierfür bieten die Ergebnisse der neuseeländischen Volkszählung vom Jahre 1936, aus denen sich ergibt, dass die Wachstumsrate der neuseeländischen Bevölkerung mit 1.5 Prozent jährlich ihren bisher niedrigsten Stand erreicht hat. Dieser Rückgang wird nicht nur auf die rückläufige Einwanderungsziffer, sondern auch auf den sinkenden natürlichen Be- (ZIGARREN WOLF 1 Frankfurt/Main, Zeil 49 | S 70 ss- und SCSefnverkcäuf § Versand ab Mk. 20.- frei Haus völkerungszuwachs zurückgeführt. Die Geburtenziffer betrug im letzten Berichtsjahr nur 7,92 pro Mille. Der Bevölkerungsaufbau zeigt das für ein Neuland paradoxe Bild einer hohen Ueberalterung. Parallel hierzu verläuft die Einwanderungskurve : Der Einwanderunü'süberschuss sank von 49 988 in den Jahren 1921—1925 auf 24 027 in. den Jahren 1926—1930 und verwandelte sich in den Jahren 1930—1935 in einen AiLswanderungsüberschuss von uahezu 10 000 und abgeschliffenen Wort Flügel an, er hauehte ihm seine grosse Schöpferseele ein, uud diese Seele war die Seele seines Volkes. Er lebte in jener Zeit, als die Aufklärung, die Haskaia, ihr Licht über die kleinen, in Schmutz und Elend verkommenen Nester auszuschütten begann. Die Armut hatte hier alles kahl gefressen, und so entkräftet waren diese Aermsten der Armen, dass sie sich nicht mehr wehrten. Nur die Sehnsucht nach dem Land der Väter, der Hungertraum von Honig und Milch, brannte in ihnen wie ein kleines flackerndes Jahrzeitlicht. Aus diesem Lichtlein aber machte Mendale als Erster eine grosse verzehrende Flamme — was daraus entstanden ist, das füllt ein. grosses und erhebendes Kapitel in der Galutgeschichtc des jüdischen Volkes. Viele Geschichten hat Mendale vom Leben dieses Volkes erzählt. — aber die schönste, die unvergänglichste ist eben diese Geschichte von der Reise Benjamins des Dritten. Es hatte da, ein paar Jahrzehnte zuvor, ein Mann gelebt, er hiess Israel Josef Benjamin aus irgendeinem verlorenen Nest iu Rumänien, und der hatte sich, in den Kopf gesetzt, die verlorenen zehn Stämme aufzusuchen. 1S45 verliess er seine Heimat und bereiste die östliche Hälfte des Mittelmeers, Aegypten, Palästina, Syrien, Babyion ien, Kurdistan, Persien und. Indien. 1851 kehrte er über Afghanistan zurück und fuhr über Konstantinopel, Wien und Italien nach Nordafrika. In Anlehnung an unsern mittelalterlichen Weltreisenden Benjamin von Tudela nannte er sieh Benjamin den Zweiten. Dass hier der äussere Anstoss für die Erfindung dieser tragikomischen Figur liegt, die, von ihres Schöpfers Gnaden, den Namen „Benjamin der Dritte" trägt, ist nicht schwer zu erraten. Die Geschichte beginnt in Tunejaduwke. Was ist Tunejaduwke? Es ist der klangscheussliche Name für etwas, was einem den Atem verschlägt; für ein in HässJichkeit und Schmu'- verkommenes Nest. . (Wird fortgesetzt.)

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