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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-07 · 14 (7.4.1938) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
14 (7.4.1938)
Date
1938-04-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14 *7. April! 938 3. BeiWoft * C-V.-Zeitung Seite 11 Das Blatt der jüdischen Trau Als die Maharani den Seder gab Ich habe sie gekannt, Sahib, sagte der Alte, und nie werde ich den ersten Abend ihres Festes vergessen. Sie war keine Inglesi Lady, Sahib, obwohl die Ladies und Lords ein Lächeln der Freude verbargen, wenn ich ihnen eine Einladung von ihr überbrachte, aber auch keine Farsi und gewiss keine Hindi: Wir hätten Maharani .zu ihr sagen wollen, wenn sie es erlaubt hätte, .denn sie war wie ein weiblicher Maharadja, einem alten Soldaten, der zehn Jahre unter Craigh Sahib am Pamir gekämpft hat, kann man nichts vormachen. Aber obwohl alles an ihr war wie an einer Lady, gab es doch lauter Bräuche im Kaschem der Ge/ässe Fat. Grete Kar plus Hause, die seltsam waren für einen Mann, der von den Basaren in Benares bis weit über Simla herumgekommen. ist und einen Lama aus Tibet von einem Mullah aus Luxer, wohl zu unterscheiden weiss. Keine Gebetmühlen, Rosenkränze, Betteppiche, Götterbilder oder heilige Tiere,- Sahib, aber Bräuche ... Man ass Fleisch im Hause, aber nur von gewissen Tieren, und sie hatte einen Gelehrten, der allein die Tiere schachten durfte und dafür grosse Ehren genoss. Und im Frühjahr, wenn die Inglese Ostern halten, gab's kein Brot, nur weisse, platte, fettlose Kuchen, dürr wie getrocknete Teeblätter, Sahib, und wie ein krankes Kind wachte sie darüber, dass niemand im Hause anderes als die dürren Kuchen ass. Am ersten Abend des Festes musste ich Saissa vertreten, der krank war, und die Maharani schärfte mir zuvor ein, was dies alles bedeuten sollte, so dass ich in ihren Augen bestand, was viel bei ihr besagte. Es war vor der grossen Ueberschwemmung des Ganges, Sahib, aber mir ist's noch wie gestern. Ihr Sohn, der heute längst ein alter Mann ist in der Stadt des Königs und ein Herr über viele alte Bücher und Schriften, war noch ein Kind damals in Bombay, aber sie war schon Witwe. Und wie sich's traf, weiss ich nicht, aber von den Männern ihres Stammes war sonst keiner im Hause, der sich an Wissen und Glauben ihr hätte vergleichen können, dafür zwei fremde Gäste, ein Inglese, aber in Indien herangewachsen, und ein Bengale, doch voll der Weisheit des Westens und des Ostens, die beide mit der feinsten Aufmerksamkeit alles verfolgten, was vorging. Nun hatte die Maharani immer freien Tisch und offenes Haus für jeden Gast, dazu ständig einen jungen Gelehrten, der bei ihr nur über ihren frommen Büchern zu sitzen hatte, damit das Licht der Lehre nicht ausgehe in ihren Wänden; es konnte aber nicht ausgehen, weil sie selbst es mit jedem Gelehrten aufnahm, sie war auch eine Maharani der Lehre. Doch nichts mehr davon, es könnte sie im Grabe beschämen, wenn ein Unwissender wie ich ihr nachrühmt. Blütenweiss. Sahib, war die Tafel gedeckt, jeder Mann behielt seine Kopfbedeckung auf, und obenan war eine Schüssel mit allerlei Gemüsen, Knochen, Ei und dürren Kuchen unter goldbesticktem Samt, dazu Wein aus dem Lande ihres Heiligtums, vor jedem Platz ein Becher und ein Buch. In den Büchern waren viereckige Lettern, hebräische, manche auch noch mit den Schriftzeichen der Inglesi, und auch arabische. Der junge Gelehrte sass diesmal an der Spitze der Tafel und sang Gebete rasch herunter, sie murmelte mit, und die Fremden starrten in die Bücher; der Bengale still und würdig wie ein Priester, der Inglese, der Augenbrauen hatte so dick und schwarz wie an einer Dämonenmaske, und der sonst nie stille sitzen konnte, blätterte, und ich stand, der Befehle gewärtig, beim Vorhang an dem Pfosten. Plötzlich verstummten sie, und der Knabe der Maharani deklamierte ein paar Sätze in fragendem Ton: „Oh, ist es dies?" fragte leise der Inglese und wies auf eine Stelle im Buche. Der junge Gelehrte, seines Amtes bewusst, runzelte die Stirne, und der Bengale sah erstaunt auf. Aber die Maharani liess den jungen Mann nicht weiter sprechen, sie bat ihn, auch den Gästen in deren Sprache zu antworten, denn ihre Fragen seien die gleichen wie die des Knaben. Und da der junge Gelehrte es nicht vermochte oder aus Stolz nicht wollte, so nahm sie das Wort. Sahib, um dies alles zu verstehen, müsst Ihr die Frau gekannt haben oderdoch ihre Stellung. Denn bei den Bräuchen und Festen ihres Stammes haben die Frauen wenig zu tun und nichts zu sagen. Aber sie war eine Maharani, gross in der Lehre, mehr als irgendein Mann im Lande. Von fern her kamen die Leute, sich Rat von ihr zu holen. Und dann müsstet ihr die Gäste kennen. Der kleine Inglese mit den Augenbrauen war damals noch nicht der berühmte Sänger seines Reiches, der Europa in seinen Büchern Indien sehen lehrte, das ganze Indien, Sahib, die Tiere des Dschungel und die Scherze und Nöte der Soldaten, die Damen von Simla und die Geheimnisse der Basare und die Abenteuer des Inneren Dienstes, er hiess Kipling, Sahib, und der Bengale ist der Meister der Weisheit, Rabindranath Tagore. Nur noch wie zum Schein liess die Maharani den jungen Gelehrten aus dem Buche vorsingen, um. ihren eigenen Vortrag anzuknüpfen, in dem sie -die -ganze Geschichte ihres Volkes erzählte- „Knechte waren wir dem Pharao in Aegypten", begann sie mit einem entrückten Lächeln, „Gott aber führte uns von dort weg mit starker Hand und ausgestrecktem Arm." Da erhob der Bengale seine grossen, leuchtenden Augen und fragte, ob die Maharani selbst dabei gewesen wäre. Nun versuchte der Inglese ihm zu erklären, dass das eine alte Geschichte ist, aus der Zeit der Upanishad vielleicht, aber die Maharani liess es so nicht gelten, es wäre, sagte sie, als ob es ihr selbst und jedem Juden geschehen wäre, und sie erzählte, wie es geschah, Sahib, so dass man selbst dabei war. Und so ging es den ganzen Abend und die ganze Geschichte des Volkes -hindurch. Da hatten sie einen Mann namens Mosche, bei den Moslim heisst er Musa, sagte der Inglese, der wurde erst auf dem Flusse Nil ausgesetzt, der ägyptische König wollte das so mit den Judenkindern, aber die Tochter des Königs fand das Kind und liess es grossziehen. Also war dieser Mosche stolz und schlug zu, wenn einer seiner geknechteten Brüder von einem Aegypter gequält wurde. Und dann war er ein Gottesmann, Sahib ... Als die Maharani nach ihrem Buche und dem Singsang des jungen Gelehrten darauf zu sprechen kam, erzählte der Inglese, Kipling Sahib, ihr habt gewiss von ihm gehört, ein paar Fakirkünste des grossen Mannes, wie sie wohl kein Fakir bei uns zustande bringt, aber nun widersprach der Bengale. Das war kein. Zauber von dem Mann, das war, sagte er, wenn es so war, wie die Maharani es berichtet, Gott selber, Sahib! Und die Maharani — der junge Gelehrte sah wohl etwas missbilligend drein, weil sie den Fremden alles erklärte, wie wenn auch sie ihre Kinder wären, und sie war immer strenge und tüchtig und überlegen, aber jetzt — wie ihr Angesicht leuchtete! Man musste ihr folgen, und selbst ein dienstbarer Fremder am Pfosten der Tür wie ich war begeistert von der Kraft und Weisheit ihres. Glaubens und der Lehre ihres Gottes. Sie war fürstlich, wenn sie von den heiligen Wundern sprach und von dem Mann Mosche, der sie und ihr Volk dann herausführte aus dem Lande der Knechtschaft durch ein gewaltiges Meer, aber trockenen Fusses, Sahib! zu einem Berg, welcher rauchte und von dem ihr Gott in Donner und. Blitz ihnen ihr Gesetz gab — wer könnte das alles so wiederholen, wie sie es erklärte, man muss es erlebt haben. Und sie war fürstlich, als sie dann beim. Essen die Herrin der Tafel war, und dann wieder bei Gebet und Gesang ... Nachdenklich hielt der Alte inne und sprach nicht mehr weiter, überwältigt von Erinnerungen an die grossartige Frau, die kürzlich gestorben - wrar. Wie lange das her ist, wann dieser Sederabend bei Frau Flora Sassoon zu Bombay stattfand, ob das alles mit den beiden später berühmt gewordenen Gästen wörtlich-so war, ist heute kaum noch zu sagen. Abernach der Eigenart der Gastgeberin, nach zahllosen Bemerkungen des englischen Dichters zu jüdischen und biblischen Dingen und nach dem zu schliessen, was Tagore zu Santi Niheton, das ist: Heim des Friedens, der von ihm geschaffenen Universität in Bole Pur bei Kalkutta seitdem lehrt, könnte-es wohl so gewesen sein- L. H. Die Lehnitzer Tagung des X F. B. Wie alljährlich, hat auch in diesem Frühjahr wieder der Jüdische Frauenbund die Mitglieder seines Gesamtvorstandes zu einer Sitzung in sein Lehnitzer Heim zusammenberufen. Die auf den ersten Blick efovas anspruchsvoll anmutende Gepflogenheit, diese Tagungen auf " vier Arbeitstage auszudehnen, erlebte auch diesmal wieder ihre Rechtfertigung sowohl in der Ausgestaltung der Tagesordnung wie in ihrer Durchführung. Man muss den Sinn dieser Zusammenkünfte nur richtiger verstehen, als die offizielle Bezeichnung ihn umschreibt: es handelt sich bei ihnen viel weniger um eine geschäftsordnungsmässige Abhandlung über Vereinsleishmg ..und -planung, als um das viertägige Miteinanderleben der im gleichen Hilfswerk arbeitenden Frauen fast als Selbstzweck, sicher aber als Mittel zum Zweck einer konzentrierten und planmässigen Bildungsarbeit, die ihnen für ein weiteres Jahr Antrieb und Richtung verleihen soll." ~ Dass über diesem höheren Sinn der Tagung die wichtige und- -notwendige, praktische Vereinsarbeit nicht zu kurz kam, dafür sorgte 6chon der ausgezeichnete Geschäftsbericht, den Hannah Karminski am Montag vormittag erstattete. Im Anschluss an ihn fand eine eingehende Erört?rung sämtlicher schwebender Fragen statt, die durch die Berichte der einzelnen Kommissionen noch mit Material unterstützt wurden. Besonderen Raum nahm naturgemäss die Förderung der Frauenauswanderung ein. die in Zusammenarbeit mit dem Hilfsverein sowie mit den verschiedenen Palästinastellen geleistet wird. Da die neuen Einwanderungsbestimmungen für das nächste Halbjahr Jugendlichen Zertifikate gewährleisten, wenn sie zu Ausbildungszwecken nach Palästina gehen und ihr Unterhalt sichergestellt ist, wurde angeregt, dass die Nähstuben des J. F. B., die Haushaltungsschulen und Vörlehren in den nächsten Monaten für die Ausrüstung der Chaluzim zur Verfügung gestellt werden. Die starke Mitwirkung des Jüdischen Frauenbundes an der Aufbauarbeit in Palästina kam in verschiedenen Phasen der Tagung zum Ausdruck. Schon der Vorabend, an dem in Vertretung der aus gesundheitlichen Gründen an ihrer Rückreise von Palästina verhinderten Paula Ollendorf, Dr. Franz Meyer über „Frauenarbeit in und für Palästina" gesprochen hatte, enthielt eine Anzahl sehr beachtlicher Hinweise auf praktische Einsatzpunkte. Besonders eindrucksvoll war es, dass seine Vorschläge in einem warmen Appell unterstrichen wurden, den Paula Ollendorf schriftlich an die Tagung gerichtet hatte. Der dritte und vierte Tag der Gesamtvorstandssitzung fand unter Mitwirkung der ..Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung*" statt Genesung Von Else Huth Gott wollte, dass ich noch lebte. "Wieder soll ich in mein enges Tal Herniedersteigen Und aller Qual, Vor der mein Herz erbebte, Von neuem mich neigen. Wie aber soll ich es tragen, Da doch mein Leben Irrtum ward Und alle Fragen Ungelöst und hart In meinem Herzen brennen? "Wie soll ich Gottes Willen erkennen? War denn Irrtum, was ich lebte? Irrtum, wie ich tat? Trägt nicht Ernte meine Saat? Weiss ich denn, ob nicht ein Keim Von dem Samen, den ich streue, Sich dereinst zum Lichte hebe? Gott will es, dass ich noch lebe! <=k2><><><><XX><XXXXXXXXX>^^ Diaspora. Um die gemeinsame Bemühung, in diesen Fragen zur Klarheit zu gelangen, in möglichst enge Beziehung zum Leben "zu bringen, legte Eva Reichmann jeweils Texte zugrunde, . die entweder unmittelbar aus der palästinensischen' Wirklichkeitherrührten, oder die strittigen - Meinungen in einer Form vertraten, in der sie direkt zu dieser Wirklichkeit sprachen. Es war für die Aussprache besonders wertvoll, dass einige ausgezeichnete Palästinakenner anwesend waren. Im Schlusswort betonte Eva Reichmann, dass man nicht müde werden dürfe, sich diesen und anderen auftauchenden Fragen in bedingungsloser Verantwortung gegenüberzustellen. Im Sftöffltaus „Oa^eftsatra44 Seit 1885 das Fachgeschäft für Wolle - Seide — Samt Berlin SO., Orantcnstrasse 179/1SO vollen Bewusstsein, dass die brausende Wirklichkeit vieles anders sehen lehren wird, als es uns heute zu sehen möglich sei, sei es notwendig, unsere heutigen Massstäbe in uns zu klären und zu festigen. Die Arbeitsgemeinschaft von Dr. Maybaum behandelte die Fragen der nichtnach Palästina gehenden Auswanderer. Unter starker Beteiligung aller Anwesenden kam man zu dem Ergebnis, dass auch dieser Weg ein "Jüdischer Weg sei, da die Erhaltung Jüdischen Lebens wo auch immer es "gelebt wird, schon eine Jüdische Tat. sei. Die Jüdische Gemeinschaft als solche sei schon ein Zeugnis, das auf Gott hinweist. Die grosse Aufmerksamkeit, die der Untersuchung des Begriffes der jüdischen Mission zuteil wurde, vertiefte Dr. Maybaum mit eigenen geschlossenen Ausführungen. Diese Aussprache stand in engem Zusammenhang mit der Arbeitsgemeinschaft des Aus. der Ausstellung „Aus fcZemert jüdischen Gemeinden*, die demnächst im Jüdischen Museum, Berlin, eröjjnei wird Fot. Grete Karplus iimimimnimiiimiiiminumuiiiuiimnimniiniiiiiiniiiim Das Gesamtthema: „Judentum als Lebensgrundlage" wurde zunächst in zwei Arbeitsgemeinschaften entwickelt, von denen die eine „Jüdisches Leben in Palästina" von Dr. Eva Reichmann-Jungmann, die andere „Seelische Auswanderungsvorbereitung'' von Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum geleitet wurde. Beiden Themen war der Sinn gemeinsam, dass das Jüdische Erleben der letzten Jahre auch für die Lebensbedingungen, die die auswandernden Menschen draussen vorfinden, fruchtbar gemacht werden müsse. Eva Reichmann-Jungmann versuchte ihm an drei bewusst aus der Gesamtproblemarik herausgelösten Teilgebieten näherzukommen; an der zwischenmenschlichen Frage der Stellung der Frau in Palästina, an der zwischen volklichen Frage des Verhältnisses von Juden und Arabern und an der allgemein-jüdischen Frage: Palästina und nächsten Tages, die von Professor Dr. Ernst Kantorowicz, Frankfurt a. M., geleitet wurde. Ihr Thema lautete: „Die geistige Arbeit in den Zweigstellen des Bundes". Kantorowicz sieht den Sinn geistiger Arbeit in der Suche nach den Hintergrundsfragen und der Vermittlung von Bildungselementen. Gerade für Menschen, die glauben, keine Zeit für geistige Arbeit zu haben, sei es wichtig, zu einer geistigen Haltung zu gelangen, weil man nur mit ihr dem Leben gewachsen sei. Es sei eine unerbittliche Forderung, die Menschen zur Selbstverantwortung zu erziehen. Besondere Betonung legte Kantorowicz auf die pädagogische Problematik jeder Minderheitsituation und auf die Erziehung zu einer Haltung, die eine Gruppe befähige, als Minderheit standzuhalten. — Der Nachmittag dieses Tages war einer Aus- Eleqanfe Damenhtife HELLA KREBS, Berlin W 50, Tanentzienstr. 141 (StHlerbaus) 24 50 55. Formschöne Büste erhält auch die stärkste Dame durch m f. jede Büste bes. gescha.Maßbüstenh. v. 5.— an, Corselets. Hüftg am Lagern.nach Maß. Tel. 348215. Anna Kirsch mann, ChbgJBerlinex Str. 128. 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