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Central-Verein-Zeitung · 1938-04-07 · 14 (7.4.1938) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
14 (7.4.1938)
Date
1938-04-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Beilage der C-V.-Zejtung Mitteilungen aus 'dem Hilfsverein der Juden m Deutschland 9 9 Die Lebenshaltungskosten in Ubersee Ihre Entwicklung in dem Jahrzehnt von 1927—1937 Die Lebenshaltungskosten bilden einen entscheidenden Teil der Ausgaben, die jeder Mensch Tag für Tag zu leisten hat. Für den Auswanderer ist von besonderem Interesse, einiges über die Entwicklung der Lebenshaltungskosten in den Ländern zu erfahren, die für die' Einwanderung in Frage kommen. Absolute Zahlen sagen aber sehr wenig, weil sie keinerlei Vergleicbsmög- ZISi^REM WOL¥ Frankfurt/Main, Zeil 49 Gross- und Kieinverkauf Versand ab Mk. 20.- frei Haus lichkeiten zulassen. Deshalb hat man ein System der Indices oder Messzahlen aufgebaut, die, von einem Basisjahr (= 100) ausgehend, die prozentuale Verschiebung der für die Lebenshaltung notwendigen Ausgaben von Jahr zu Jahr oder auch in kürzeren Zeiträumen aufzeigen. Gerade bei den überseeischen Ländern ist es nicht ganz einfach, aktuelle und vor allem einwandfreie Ziffern zu bekommen, denn die Statistik ist in vielen von ihnen noch nicht so ausgebaut oder vereinheitlicht wie in den meisienStaaten Europas. Noch schwieriger ist es aber, einigermassen vergleichbare Zahlen zusammenzustellen; denn die Grundlagen, von denen man bei der Berechnung der Indices für die Lebenshaltung ausgeht, sind keineswegs überall gleichartig, meist sogar sehr verschieden. Es ist deshalb dankenswert, dass vom Tnternationalen Arbeitsamt in Genf der Versuch gemacht wird, die sehr verschiedenen Indices einander anzunähern und damit die internationale Vergleichbarkeit zu erhöhen. Die letzen Ergebnisse dieser Art werden in der IRA 1938, 3. Heft, veröffentlicht Die Tabellen, die dort erschienen sind, haben wir für zehn wichtige Einwanderungsländer graphisch dargestellt, am damit die Uebersichtlichkeit ra erhöhen. Das Kurvenbild zeigt die Entwicklung meist seit 1927; das gleich 100 gesetzte Basisjahr ist 1929. -Awi^straifcpc^ ^w^I§m^0^^^^^^^^W^ i^^^^^^^^^mmm Durch diese vom Internationalen Arbeitsamt vorgenommene Umrechnung der von ganz verschiedenen Grundjahren ausgehenden einzelstaatlichen Indices auf daß Jahr 1929 (= 100) ist die erste Möglichkeit geschaffen, eine Beziehung /.wischen den einzelnen Zahlenreihen herzustellen. In, der IRA wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, das diese Messziffern (Indices), selbst nachdem sie auf eine gemeinsame Grundlage gebracht wurden, keinen Vergleich des Standes der Lebenshaltung von Land zu Land, sondern nur einen Vergleich der Schwankungen der Lebenshaltungskosten ermöglichen. Auch diese Schwankungen haben aber nicht überall die gleiche Bedeutung, weil die Verfahren für die Berechnung der Indexziffern sehr verschieden sind. Hierher gehört zunächst die Frage nach dem geographischen Geltungsbereich der errechneten Ziffern. In der Zeichenerklärung zu den Kurven ist angegeben, auf welchen geographischen Geltungsbereich eich die einzelnen Errechnungen beziehen (Die Ziffern bzw. Ortsnamen hinter den Ländernamen nennen die Zahl der von der Statistik erfassten Städte und Ortschaften; bei zwei Ziffern bezieht sich die erste auf Städte, die zweite auf Ortschaften); man kann daraus ersehen, dass sie zum Teil nur die Hauptstadt des Landes, zum Teil eine mehr oder weniger grosse Anzahl von Ortschaften erfassen. Wichtig ist ferner, zu wissen, ob die einzelnen Ausgabegruppen, die der Berechnung der Messzahlen für die Lebenshaltung zugrunde liegen, einheitlich sind. Auch da zeigen sich leichte Differenzen. Grundsätzlich setzen sich die?»!essziifern für die Lebenshaltung zusammen aus den Ausgaben (bzw. Indices) für Ernährung, Heizung und Beleuchtung, Bekleidung, Miete und Verschiedenes. Bei den von uns herausgegriffenen zehn Ländern weichen lediglich Palästina (in dessen Messziffern nur die Ausgaben für Ernährung, Heizung und Beleuchtung und Verschiedenes enthalten sind) und Peru (wo die Ausgaben für Heizung und Beleuchtung fehlen) von der eben dargestellten Norm ab. Andere Unterschiede, die die Vergleichbarkeit selbst der Schwankungen von Land zu Land beeinträchtigen können, liegen z. B. in dem verschiedenen Gewicht, d. h. der verschieden starken Bedeutung für den Konsum, die den einzelnen Ausgabegruppen bei Berechnung der Messzahlen beigelegt wird. Schliesslich weiss man nie genau, auf welche sozialen Schichten der Bevölkerung sich die Zahlen in dem betreffenden Land beziehen und welche Warenqualitäten der Feststeilung des Durchschnittspreises als Grundlage dienten. Wenn z. B. ein Land für die Rubrik „Bekleidung" erstklassige Ware, das andere aber nur billigere Massenartikel heranzieht — was man aus den veröffentlichten Gesamtziffern nie ersehen kann — so verschiebt das natürlich den Index l!5 IC5 4QQ 85 SO & AkBENTINlEN m \ BtfXHOS AIRSS : flUStRQUEN so r jc ■BMS/UEN*,0 :| > KANADA (,o if CHILE SJtNTtUGO; USA. «-,7* -I B>RßSfLl£Nt / J / rs / / -NEUSEELAND vis / -PQÜt'STlW s l PERU um [ — SUD-ßFRlkß 9 1 i i! M IM ISO m m CUILB / " 2 .-•"** -; 6 i tio IBQ ^m&J. 2 P PPRU / z* >o a iv )6 f a s :yHEOSEEUM> ifq tfis t<fä tfio tfn vpi *?a ms ifü> m?s u«nnö«fi und erschwert die Vergleichbarkeit erheblich. Ein typisches Beispiel für die sich aus diesen nicht einheitlichen Berechnungsmethoden ergebenden Verschiedenheiten im Endergebnis bilden die USA. Hier beschäftigen sich vornehmlich zwei Stellen mit der Berechnung von Messzahlenfür die Lebenshaltung, wobei die sachlichen und geographischen Grundlagen verschieden sind: das Bureau of Labor Statistics und der National Industriai Conference Board; die Zahlen zeigen auch in verschiedenen Jahren sowohl in der Tendenz wie in der Höhe deutlich erkennbare Jüdische Kundschafter Von Micha Michalowitz •III. „Sihulb ha'olam" Die Weitrundreise des Rabbi Petachja aus Regensburg Als Rabbi Benjamin von Tudela um das Jahr 11<72 seine abenteuerliche Reise um die Welt beendet hatte, machte er, bevor er über Frankreich in die spanische Heimat zurückkehrte, in ein paar deutschen Städten halt, um einigen grossen und berühmten Judengemeinden seinen Besuch abzustatten. So ist er, wie wir aus seinen Aufzeichnungen wissen, in Worms, in Bamberg imd in Regensburg gewesen. Regensburg war in jener mittelalterlichen Zeit eine durch Gelehrtentum weithinleuchtende Gemeinde dieses 'Landes. Hier wirkte damals, im zwölften Jahrhundert, einer der hervorragendsten Gesetzeslehrer und synagogaien Dichter seiner Zeit, der ehrwürdige Rabbi Ephraim ben Isaak, und hier lebte auch der grosse Lehrer des Talmuds, der sagenumsponnene Rabbi Jehuda ben Samuel der Fromme, der in der andern nihmgekrönten Gemeinde, in Worms, zur Welt gekommen war. Hierher, nach Regensburg, kam, auf seiner Rückreise, Rabbi Benjamin, und alle Anzeichen sprechen dafür, dass er bei dieser Gelegenheit mit Rabbi Petachja in Berührung gekommen ist. Seit dem ersten Kreuzzug war diese Gemeinde der Schauplatz schwerer Verfolgungen, und was sich hier abspielte, stand in einem ungeheuren Gegensatz zu der Lage der im Exilarchat vereinigten Judenheit Babyloniens. Und so ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zusammenkunft mit fip-rn soeben von dort zurückgekehrten Rabbi Benjamin nunmehr auch in Rabbi Petachja den Pia«* reifen Hess, den Erdball nach neuen Siedlungsniögürhkeiten für die bedrängten Juden seiner Heimat abzutasten. Allerdings lässt es sich nicht 'Eignen, dass Rabbi Petachja hinsichtlich seiner geistigen Eignung für ein solches Unternehmen weit hinter Rabbi Benjamin zurückstand. Rabbi Benjamin war ein ausgezeichneter Kenner der arabischen Sprache; Rabbi Petachja verstand kein Wort davon. Rabbi Benjamin war ein sehr klarer Kopf, alle seine Aeusserungen tragen die Zeichen lichtvollster Intelligenz, und seine Berichte sind präzise und erschöpfend. Er verzeichnet genau, wie weit ein Ort vom andern entfernt ist, er gibt die Namen der Orte und Städte mit grösster Genauigkeit an, er ermittelt in jeder Gemeinde, die er berührt, die Zahl der Mitglieder und er nennt die Namen ihrer Lehrer und Führer. Von diesen unschätzbaren Vorzügen ist bei Petachja' kaum etwas zu spüren. Er ist im Gegenteil ungeheuer leichtgläubig, nimmt Märchen und Sagen für plane Wirklichkeit und er glaubt an die magische Wirkung der Gräber von Heiligen. Infolgedessen ist sein «Interesse für Vergangenes auch bedeutend grösser als für das Leben der Gegenwart. Er ist abergläubisch w-ie seine ganze Zeit, er hat Dämonenfurcht und er glaubt an die Kraft von Beschwörungen. Eines aber hatte Petachja vor Rabbi Benjamin voraus: einen anscheinend sehr bedeutenden Reichtum. Das ist, gerade für eine Weltreise, gewiss ein nicht zu unterschätzendes Plus. Aber es genügt nicht. Es genügt vor allem nicht, um Bedeutendes zutage zu fördern. Reiche Leute haben eben manchmal, so aus einer Art kindlichem Geltungstrieb, den brennenden Wunsch, etwas zu tun, dem sie innerlich nicht gewachsen sind — sie wollen neben den Segnungen ihres Reichtums auch noch eine auffallende Rolle spielen. Das gab es natürlich nur im Mittelalter. Nun soll gewiss nicht gesagt sein, dass Petachja eben nur durch seine Wohlhabenheit zu einer solchen Reise legitimiert gewesen ist. Genau wie Rabbi Benjamin hat die Judennot sein mitfühlendes Herz umflort, und das Verlangen, Abhilfe zu schaffen, war gross. So begab er sich also auf diese sieben Jahre dauernde Reise, und was er von ihr zu berichten wusste, war immerhin fesselnd und in mancherlei Hinsicht aufschlussreich. Seine Absicht war. zu erkunden, ob Polen oder Russland oder Babylonien Möglichkeiten für einen Auswandererstrom böten. Besonders nach Babylonien zog es ihn mit magischer Gewalt, dieses Land öffnete ihn, wie wir sehen werden, ganz — Palästina, wohin er von dort aus kam, behandelte er etwas summarisch und sozusagen mit der linken Hand. Er hat auch sein Reisebuch nicht selbst geschrieben; es ist von anderer, unbekannter Hand nach seinen Berichten verfasst worden. Es beginnt mit dieser Einleitung: „Dies die Rundreise des R. Petachja aus Regensburg, des Bruders von R. Jizchak ha'Laban, der zu den Tossafisten zählte, und des R. Nachman aus Regensburg. Er, R. Petachja, bereiste alle die Länder, die sich bis zu dem Strome Sambatjon erstrecken. Alle die Neuigkeiten und AI i ösraiung e. schein Ay"iiiisrwaci!iing,m^fsSlhi S. SIlfiOHQöitZ s^z-: fiäisIandslransportB tf» ttiiuäwaawi»^ Stadtumzüge * Einlagerung Persönl. Leitung. Eisenacher Straße 79. Tel. 71 44 91. Wunder des Heiligen, gepriesen sei er, die er gesehen oder gehört hatte, schrieb er auf zum Andenken, um es seinem Volke, dem Hause Israel, zu verkünden, und Verborgenes ans Tageslicht zu fördern." Petachja ging zunächst nach Prag. Von hier aus durchquerte er Polen, kam nach „Kiew int Russenlande", überschritt den Dnjepr und bereiste nun das Land der Tartaren. Von ihnen berichtet er, sie seien Zeltbewohner und sie hätten gute Augen, weil sie kein Salz essen und unter Kräutern lagen, die einen gesunden Duft verbreiten. Von der Tartarei kommt er in das angrenzende Land der Chasaren. Er erzählt, es herrsche dort die Sitte, dass Weiber über den Tod des Vaters oder der Mutter Tag und Nacht wehklagen; sie setzen das solange fort, bis ein Sohn oder eine Tochter oder sonst jemand aus ihrer Sippe stirbt. Die Hinterbliebenen betrauern immer die Nächstverstorbenen. Die Mütter lehren ihre Töchter wehklagen. Wenn sie so jammern und klagen, erheben die Hunde ein Gebell und Geheul... Ein paar geographische und nautische Anmerkungen: an der Küste Chasariens vereinigen sich 17 Flüsse, welche das Land durchströmen. Wer eine weite Seereise antreten will, begibt sich dorthin. Auch gibt es dort zwei Meere, das Asowsche Meer und dessen Busen, welches das Faule Meer, Siwasch, genannt wird. Von diesen Meeren werde nach der einen Seite ein grosser Gestank verbreitet — nach der andern aber nicht. Wer auf das stinkende Meer hinaussegelt, ist sofort ein Opfer des Todes. Auch auf dem gestanklosen Meer sterben viele, wenn nämlich von jenem her der Wind weht. Man befährt daher jene Strecke nicht eher, als bis der Wind sich nach der entgegengesetzten Richtung neigt. Petachja durchquert Togarma, d. i. Grossarmenien oder Turkomanien, er befindet sich bereits im Glaubensreich Muhammeds und längs des Arraraigebirges gelangt er in die Stadt Nisi- bis, wo es eine grosse jüdische Gemeinde und zwei Synagogen gibt, die Esra erbaut hat. Die Stadt liegt im Lande Aschur. Nach achttägiger Reise erreicht er Mossul; nennt es Neu-Niniveh. Hier fliesst der Tigris. Jenseits des Stromes, drei ■ Tagereisen entfernt, befindet sich das verwüstete Alt-Niniveh. Der Boden ist dort schwarz wie Pech. Dies alles wirkt auf ihn, als wäre es das zerstörte Sodom. Aber drüben, in Mossul, gibt es eine blühende jüdische Gemeinde von über 6000 Familien. Zwei Fürsten, Rabbi David und Rabbi Schemuel, Söhne zweier Brüder, leben dort; sie Stämmen angeblich von König David ab. In Niniveh, berichtet Petachja, war ein Elefant, dessen Kopf nicht vom Rumpf wegstand. Er war so gross, dass er fast zwei Fuhren Stroh auf einmal frass. Das Maul hatte er in der Brust. Hatte jemand beim Sultan den Tod verwirkt (gemeint ist das Leben), so sagte mit dem Elefanten: dieser Mann ist schuldig!, dann erfasste er ihn mit dem Rüssel, schleuderte ihn in die Höhe und tötete ihn auf diese Weise. Dieser herrliche Elefant trägt eine Stadt (gemeint ist wahrschein- . lieh ein Turm) und zwölf gepanzerte Ritter auf seinem Rücken; wie über eine Treppe-ersteigen sie ihn über seinen gestreckten Rüssel ... (Wird fortgesetzt.)

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