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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-31 · 13 (31.3.1938) · page 14

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
13 (31.3.1938)
Date
1938-03-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 C-V.-Zeifung Nr. 13 * 31. März 1938 Gottesdienste in Berlin > Abkürzungen ALTER RITUS: Grunewald G., Hcidereutergasse H., Kaiserstr. K., Köpenick Kp., Münchener Str. M., Pestalozzistr. Pe., Rykestr. R., Thiel sch-Üfer Tu. NEUER RITUS: Fa.sanenstr. Fa., Friedenstempel Fr., Levetzowstr. Le.T Lindenstr. — LI., Lützowstr. Lü.. Oranienburger Str. 0., Oranienburg =' Gr.. Prinzregentenstr. Pr., Schmargendorf Sm. REFORM: Johannisstr. Jh., Joachimsfchaler Str. J. FALKENBERG - Synagogen: Kaisers tr. Ea., Kaiserdamro Kd., Prenzlauer Promenade Pz., Schönhauser Allee Sö., Triftstrasse T. Synagoge Fa. Fr. G H J Jh. K Ka. Kd. Kp. Le. Li. Lü. M 0 Or. Pc. Pr. Pz. R Sm. Sö. T Tu. Freitag, 7. April Ansprache Beginn bzw. Predigl 18 18.45 18.45 18.45 18.30 Gott: 18.45 10.30 19.15 38.45 Sonnabend, 2. April Sonntag (St.), 3. April Ansprache t Beginn bzw. Predigt 10 SaJomonski 10 Hamburger 9 Wolf? 9 Berkowite 10.30 (St.) Rosenthal 9 Levy 19 18.45 18 18.45 18 18.45 18 45 10.15 19.30 18.45 19 19.15 19.30 18.45 bussmann Silberstein Aitmann Weyl Swarser.sky Rautenberg Hirsch Neumark Goetz 0.45 10 9 10 9 10 9.45 9 10 9 10 10 Ensch "Wiener Gescheit Nobel Zimet Jakobosits WEITERE VEREINS - SYNAGOGEN: Albrecbtstrasse 19 (ITermsdorf), 1..: 18.30 (Klein); -2.: 10 (Klein). — Berliner Str. 91 (Hohenschönhausen'), 1.: 30. — Frankfurter Allee 56, 3.: 18.45: 2.: 9-(Rosenthal): (wochentags 7 und 19.30. sonntags 8". — Kl. Auguststr. 10. 1.: 18.30; 2.: 8.30: (wochentags 7 und 7.45). — Lessings.tr. 19. 1.: S: 2.: 9. — Liesen- Strasse 3, 1.: 18.45; 2.: 9 und 20.30 (Vortrag Klappholz). — Lothringenstr. 22, L: 19: 2.: llf (Meyer), 5.: 20 (Meyer: Einführung in Seder und Hacsrada\ — Markgraf-Albrecht-Str. 11/12, 1.: 18.45; 2.:" 9 (Comolski), 17.45 (Lehrvortrag Neuhaus). — Mühlenstrasse 77, 1.: 18.45; 2.: 9. — Passauer Str. 17, 1.: 18.30; 2.: 9 (wochentags 7 und 18.30). — Prinzenallee 87, 1.: 18.45; 2.: 9 (Alexander): (wochentags 7 und 18.45). — Schulstr. 7, 1.: 18.30 (Adler); 2.: 9.30 (Ad]er). — Spandan, 1.: 18.45; 2.: 10 19.20. — Stierstr. 21, 1.: 18.45; 2.: 18.40 (Winter); (sonntags 8). — Wilielminenbofstr. 1, 1.: 19.45 (Kempner). Synagoge Ohel Jizchok, N65. Lieseastr. 3. Am 2. April 20.30 Uhr spricht Rabbiner Kurt Klapph o 1 z über „Das Pessachfest in Brauch und Melodie". Gesänge: Kantor James Levy und Lehrer Pappenheim. Keligionsverein der nördlichen Vororte. Am 15. April findet nach dem Gottesdienst ein Sederabend statt. Teilnehmerkarten für RM2— sind bis 5. April zu erhalten: Berlin-Frohnau, Markgrafenstra-sse 64, Tel.: 47 0316, Postscheck: Berlin" 35780 (David Heimann). x Jugendpflegeamt Weissensee (Berliner Allee 234): Ära 2. April findet ein grosser Gerneinscbaftsabend der gesamten -Jugend des Bezirks unter Leitung von Rabbiner Heinz Meyer statt. BriefniÄ Abschlussprüfungen an jüdischen Schulen Ära 24. und 25. März 1938 fand an der Jüdischen Oberschule für Knaben und Mädchen (Reformrealgymnasium), Breslau, Rehdigerplatz 3, die Reifeprüfung statt. Sämtliche 19 Prüflinge bestanden die Reifeprüfung, darunter sechs mit dem Leistimgsprädikat „gut bestanden". An der Gartenbauschule Ahlem bei Hannover fand die staatlich anerkannte Abschlußprüfung der Gärtnereiscbüle statt. Sämtliche Prüflinge bestanden das Examen und fanden bereits Anstellung als Gehilfen, teils im Inland, teils im Ausland. H. Zum erstenmal fanden in diesem Jahr im Landwerk Halbe (Mark) die Abschlussprüfungen der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Lehrlinge vor der Prüfungskommission der Reichsvertretung statt. An der Prüfung nahmen neun Lehrlinge, die ihre zweijährige Ausbildungszeit beendet hatten, teil. Sieben bestanden mit ..gut", einer mit „im ganzen gut" und einer mit „befriedigend". Jüdische PriTat-Musikschule Hollaender. Leiterin: Susanne Landsberg geb. Hollaender, Berlin-Cbarlottenburg. Die Entwicklung im abgelaufenen zweiten Schuljahr zeigt eine starke Steigerung des Schulbesuches. Die Gesamtzahl der Schüler "beträgt 128. Voraussichtlich wird am 9. Mai eine Veranstaltung des verstärkten Schulorchesters mit Chor und Solisten stattfinden. In den Verband der Lehrerschaft der Musikschule sind im Laufe des zweiten Schuljahres neu eingetreten: Holga Krebs (Klavier), Richard Altmann (Orgel). Michael Balnemonis (Klarinette), Heinz Bramson (Fagott). Edgar Heymann (Posaune), Alfred Lichtenstein (Flöte) und Johannes Urbanski (Oboe). Das dritte Schuljahr beginnt am 4. April. Bnchgeschenke zur Schulentlassung nnd zur Einsegnung für Mädchen. Der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden hat seine "Stiftung von Büchern für die jüdische Jugend, die bisher in Barmizwahgeschenken für Knaben bestand, auch auf die jüdischen Mädchen ausgedehnt. Da nur in wenigen Gemeinden Einigungen von Mädchen vorgenommen werden, wird das Buohgeschenk auf Anforderung der Synagogenvorstände, der Rabbiner oder Lehrer auch zur Schulentlassung gegeben. Als Spende wurde das Werk von Egon Jacobsohn und Leo Hirsch ..Jüdische Mütter" gewählt. Daneben kann auch ds> soeben neuaufgelegte Buch von M. Spanier ..Die Psalmen" angefordert werden. Jede-s Buchgeschenk enthält ein bildgeschmücktes Widmungsblatt. Aus den Gemeinden München In der dichtgefüllten Hauptsynagoge wurde der Film der Reichsvertretung „Schaffender W i 11 e" aufgeführt. Vom Gemeindevorsitzenden, Oberstlandesgerichtsrat a. D. Dr. N e u m e y e r begrüsst, sprach der Präsident der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Leo Baeck, gedankenreiche und ermutigende Einführungs worte. In der Sitzung des Vorstandes der Repräsentanz der Kultusgemeinde gedachte der Vorsitzende, Dr. med. Marschütz, des verstorbenen Sanitätsrat» Dr. Fritz Baron, der, an führender Stelle zahlreicher Gemeindegremien die hohen Werte seiner von ideal ist e sehe m Schwung und Ueberzeugungstreue erfüllter Persönlichkeit verwirklicht hat. Als sein Nachfolger wurde in den Gemeindevorstand Dipl.-Ing. Karl Stahl gewählt. Fünf satzungsmäßig aus dem Gemeindevorstand ausgeschiedene Mitglieder wurden wiedergewählt und Dr. Kessler als neues Mitglied der Gemeindevertretung bewillkommt. Die Gemeinde München trauert um einen ihrer verdientesten Männer. In Geheimrat Dr. Eugen D ö r n b e r g e r, am 3. April 1867 geboren, verschied ein bedeutender Arzt und einzigartig wirkender Menschenfreund. Er hat sich für die schulärztliche Betreuung der Jugend und für die Säuglingspflege eingesetzt. Auch im jüdischen Wohlfahrtswesen hat sich der fähige Kinderarzt segensreich betätigt. —mm. Sanitätsrat Dr. Schlesinger 70 Jahre Am 1. April wird Sanitätsrai: Dr. Hugo Schlesinger, Gleiwjtz, Mitglied des Ortsgruppen- und des Landesverbands Vorstandes des C.-V., 70 Jahre alt. Bis vor wenigen Jahren war er Vorsitzender der Ortsgruppe. Schon als Student jüdisch interessiert, ist er in der „Viadrina" aktiv und seither einer der führenden KCer in Oberschlesien gewesen. 1899 wurde er Mitglied des Repräsentantenkollegiums der Jüdischen Gemeinde Gleiwitz, deren Vorsitzender er seit 1915 ist. Dem Kuratorium des Jüdischen Altersheim gehört er seit seiner Gründung an und betreut seine Insassen mit menschlichem Verständnis. Die Jüdische Gemeinde veranstaltet zu Ehren des Jubilars am 3. April eine Feier. Unter den Gratulanten wird der Jüdische Central-Verein nicht fehlen, der seinem bewährten treuen Freund noch viele Jahre in guter Gesundheit und Schaffenskraft und seiner Arbeit auch weiterhin reichen Erfolg wünscht. Wilhelm Lustig In den ersten Apriltagen verlässt uns Rechtsanwalt Dr. Wilhelm. Lustig, Gieiwitz, mit seiner Familie, um sich in Argentinien eine neue Existenz aufzubauen. Er war lange Jahre stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Oberschlesien im Jüdischen Centrai-Verein und hat sich in der Förderung seiner Interessen stets hervorragend betätigt. Für die jüdische Aligemeinheit hat er sich immer wieder mit seiner grossen Arbeitskraft, seinem hervorragenden Können und seiner ganzen reichen Persönlichkeit eingesetzt^, so dass^wir ihn mit schmerzlichem Bedauern scheiden sehen. Aus den Familien Frau Rosa G o 1 d b e r g (HerfordiWestf.) feierte am 27. März ihren 80. Geburtstag. — Simon Zyd o w e r (Schwerin a. d. Warthe, früher Jarotschin) wird am 2. April 80 Jahre alt. — Adolf Levy {früher Vertrauensmann der Ortsgruppe Langenberg des' C.-V., jetzt Essen) begeht am 3. April seinen 70. Geburtstag. — Samuel Lauter (Oranienburg), Vorstandsmitglied der Synagoge Oranienburg, feiert am 4. April seinen 70. Geburtstag. — Frau Regina L e w i n geb. Pick (Berlin W30) begeht am 4. April ihren 70. Geburtstag. — Frau Fanny Rose geb. Fröhlich (Frankenau, früher Ulrichstein) vollendet am 5. April ihr 70. Lebensjahr. — Ferdinand Sommer (Bad Kreuznach) begeht am 5. April seinen 75. Geburtstag. — Frau Amalie Geisel (Berlin) wird am 6. April 101 Jahre alt. — Abraham Haa se und Frau Deila geb.Hirsch (Berlin SO 16, früher Wr es dien) feiern am 6. April ihre silberne Hochzeit. — Justin Rosen w a 1 d (Göppingen) ist am 21. März im 56. Lebensjahr gestorben, — Josepb Kiest ad t (Wanne-Eickel) ist am 26. März im S8. Lebensjahr gestorben. Max M e n d e 1 s o h n , 1. Vorsitzender und langjähriger Vertrauensmann der Ortsgruppe Osehersleben/Bode des Jüdischen Central-Vereins, ist in Berlin gestorben. Im Alter von fast 82 Jahren verschied Sally Wolfsberg (Plauen), der viele Jahre dem Gemeinderat und dem Vorstand der von ihm mitbegründeten Ortsgruppe Vogtland des Jüdischen Centraivereins angehörte. Unsere Korrespondenten berichten regelmäßig aus allen Zentren der Welt über die Probleme d er Einwanderungslandet*. Wir sammeln alle Nachrichten über Fragen der Wanderung. BesfeSSzeffei Senden Sie mir bis auf Widerruf die G-V.-Zeitung, 99 Pfennig für April, Mai und Juni zahle ich bei Vorlage der Postquittung an den Briefträger. Die letzte März-Nummer wird mir kostenlos geliefert. Name: Ort:....... Strasse-. Ausschneiden und mit 2 Ptg. frankissrt ,cdei oueft unfrankiert) senden an: C.-V -Zeitung, Vertrieb, Barl in W 15, Enser Srrcsie 42. Te!ef: ~92 81 41/46 Voranzeigen Berlin: 2. April. 20.15 Uhr: Künstlerbilfe der Jüdischen Gemeinde. Die Neue Jüdische Triovereinigung Hermann Schwarz Klavier), Miscba Winitzki (Violine). Oskar Manczyk (Cello). Mitwirkende: Tinette Jacobs (Violine) und Licie Szernefeld (Gesang). Vortragssaal der Schule Fasanenstrasse 79/SO. Frankfurt a. M.: 4. April, 20.30 Uhr: Gesellschaft für jüdische Volksbildung. Carl Cohen: „£as moderne Hebräisch." Trausaal der "Westendsynagoge. Veranstaltungsverlegungen der Jüdischen Künstlerhilfe, Berlin. Der Rezitationsabend „Frauengedanken und Frauengespräche1' von Johanna Meyer nnd Lotte S c h w a r z (Rosenbaum) ist vom 5. auf den -25. April und die Aufführung des Opernnnd Operetten-Ensembles unter Leitung von Susanne Landeberg geb. Hollaender ist vorn 7. auf den 27. April verlegt worden. Für beide Veranstaltungen behalten die gelüsten Karten Gültigkeit. Wcran und wo finden Sie Reff Ä'orddeutscöland 1 Mittwochs, 14—16 Uhr, im Hannover j Büro Landschaftstrasse 6 ptrj (Bankhaus Meyerstein). MHteldPKtscbland j 6. April. 10—13 Uhr, Gemeinde- Plauen | haus, Engelstras.se. Porto einst und jetzt Zu Joseph Michaelsens 30. Todestag Viele lausende von Menseben unseres Kreises leben im Ausland; der Auslandsbrief ist etwas Alltägliches geworden; wir frankieren ihn unter Seufzern über die Höhe des Portos. Aber eigentlich sollten wir uns statt dessen früherer Zeiten erinnern, in denen trotz höheren Geldwertes die Portosätze die heutigen um ein Vielfaches überstiegen. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts bestand noch innerhalb der meisten Staaten ein Briefporto, das ähnlich den heutigen Pakettarifen nach Entfernungszonen berechnet wurde. Internationale Abmachungen gab es im allgemeinen nur für Nachbarländer, und selbst hier waren schwierige Abrechnungsverfahren nötig, da das Porto für jede einzelne Postsache gebucht und nach einem bestimmten Schlüssel zwischen Absende- und Empfangsstaat geteilt werden musste. Besonders hoch waren die Sätze, wenn die Briefe den Weg durch ein oder mehrere Länder nehmen mussten, die weder Absendenoch Empfangsstaaten waren. Jedes Land suchte dann aus der Beförderung Nutzen zu ziehen und berechnete seine Transitgebühren. Am höchsten waren diese Zuschläge in Frankreich und England; denn diese hatten insofern eine Art Monopol als von ihren atlantischen Häfen die häufigsten und schnellsten Postdampfer nach Uebersee gingen. Noch im Jahre 186S, als die Gebühren schon erheblich ermässigt waren, kostete ein Brief von Berlin nach den Vereinigten Staaten bei Beförderung über Bremen oder Hamburg 4 Silbergroschen (48 Pf.), bei Benutzung der häufigeren und schnelleren Verbindung über Köln—Belgien —England sogar 6 Silbergroschen, nach Mittelamerika im allgemeinen 7 bzw. 9 Silbergroschen, nach Kolumbien aber 10K bzw. 1234, und nach Bolivien, Chile. Ecuador und Peru sogar 17 bzw. Mitgliedsbeiträge für den JüdischenCentral-Verein Landesverband Gross-Berlin auf Postscheckkonto Berlin: 115 501 19 Silbergroschen, also über 2 Mark. Da eine neue Postdampferlinie von Antwerpen aus eingerichtet wurde, konnten für Brasilien und Argentinien besonders „billige" Gebühren eingeführt werden. Diese betrugen nach Argentinien 2 Silbergroschen deutsches und 634 Silbergroschen fremdes Porto; doch galt dieser Satz von mehr als einer Mark nur bis zum überseeischen Hafen. Ein Brief nach Brasilien kostete etwa 1,20 RM, allerdings auch bis ins Innere des Landes. Bei dieser Route war aber die Gewichtsgrenze, die sonst 1 Lot (etwa 15 g) betrug, auf 6A° Lot herabgesetzt, so dass die Gebühr für einen Normalbrief nach Brasilien sogar 18 Silbergroschen, also 2.16 RM betrug. Aber auch bei. Landtransit galten tiohe und nach den Verhältnissen verschiedene Porti. Zwischen den Vereinigten Staaten und Europa gab es, je nach der Wahl des Transitweges und je nach dem Zielland des Briefes sechs verschiedene Tarife. Diesen Wirrwarr und die Höhe der Porti beseitigte bekanntlich erst die Gründung des Allgemeinen Postvereins im Jahre 1874, aus dem durch allmählichen Beitritt aller Kulturstaaten der Weltpostverein hervorgegangen ist, in welchem alle besonderen Traneitportozuschläge aufgehoben sind und mit alleiniger Ausnahme der Koralleneilande der Malediven und Lakkadiven das einheitliche sogenannte Auslandsporto auch für die weitesten Verbindungen gilt. Weniger bekannt ist, dass der Gedanke der Aufhebung der Transitzuschläge und des Auslandseinheitsportos zuerst von einem jüdischen Postbeamten geäussert wurde, von dem im Jahre 1826 in Nästved geborenen Dänen Joseph M i c h a e 1 s e n. Dieser reichte 1859 seiner Behörde eine Denkschrift ein, in der er forderte, dass die europäischen Staaten sich vereinigen sollten, um einander,,ihre Briefe und Drucksachen frei über ihre Territorien zu befördern und ohne irgendeinen Zuschlag von anderem Porto auf Briefe nach oder von fremden Ländern das Inlandsporto anzuwenden, in der Weise, dass jede Postverwaltung ungeteilt das Porto behielt, das für Ankunfts- oder Abgangssendungen erlegt war, — mit anderen Worten also, dass man einen Strich zog durch alle Transitportos und dass alle Ab- und Verrechnung fortfiel. Ferner sollten diejenigen Staaten, die durch ihre periphere Lage daran verhindert waren. Transit-Gegendienste zu leisten, wie Russland, Norwegen. Spanien und Portugal, eine Abfindungssumme an diejenigen Staaten entrichten, die, wie Belgien und die Schweiz, durch die Abschaffung des Transitportos den grössten Verlust erleiden würden. Der Gedanke war verblüffend eiufach und neu. Der dänische Generalpostdirektor jedoch gab Michaelsen die Denkschrift ungelesen zurück und liess ihm dazu sagen, ein zu Besuch in Kopenhagen weilender "deutscher Postdirektor habe geäussert, in Deutschland würde der Verfasser einer in so schlechter Handschrift verfassten Eingabe einen strengen Verweis erhalten! Drei Jahre später trat zur Behebung des Poslwirrwarrs eine von der amerikanischen Regierung angeregte Postkonferenz in Paris zusammen. Michaelsen Hees den Konferenzteilnehmern durch den dänischen Delegierten seine Vorschläge übermitteln. Doch dieser, Legationsrat der Pariser Gesandtschaft, war zu wenig Fachmann, und auch ein ähnlich lautender Vorschlag der italienischen Delegation verfiel wegen seines Radikalismus der Ablehnung. Erst fünf Jahre später schien Michaelsen die allgemeine Situation für die Propagierung seiner Idee günstiger geworden zu sein, als nun auch in dem wichtigen Transitgebiet Deutschland das nach Enlfernungen abgestufte Porto abgeschafft und das Einheitsporto nach englischem Vorbild eingeführt wurde. Er liess seine Denkschrift in französischer Sprache drucken. Noch im Frühjahr wurde sie durch das dänische Aussenministerium den Postverwaltungen der anderen Staaten zugesandt; dies blieb freilich das einzige, was die dänische Regierung in der Angelegenheit tat. In Deutschland erkannte der energische Stephan sofort den Wert dieser neuen Idee. Stephans Vorschläge fanden Bismarcks Zustimmung. Die deutsche Regierung ergriff sofort die Initiative. Auch Michaelsen war in diesen Jahren nicht untätig. Er war schon als Zwanzigjähriger journalistisch tätig gewesen und besass eine glänzende schriftstellerische Begabung. In der Presse der drei Welthauptsprachen, die er vorzüglich beherrschte, kämpfte er jetzt gemeinsam mit seinen Freunden unermüdlich für die Verwirklichung seiner Pläne. N7icht am wenigsten diesem „Siebenjährigen Krieg", wie er ihn selbst scherzhaft nannte, war es zu verdanken, dass schliesslich auf dem Berner Kongress eine erstaunliche Einmütigkeit herrschte. An ihm hat Michaelsen zwar nicht als Delegierter, aber auf Kosten der dänischen Regierung wenigstens als Gast teilnehmen können. Er verüess den Kongress vorzeitig, da er wegen des interesselosen und taktlosen Verhaltens des dänischen Delegierten seine Anwesenheit als überflüssig empfand. Auch nach seiner Rückkehr fand Michaelsen nicht die, erwartete Anerkennung für seine Verdienste. Erst bei seinem 80. Geburtstag im Jahre' 1906 wurde die dänische Öffentlichkeit wieder an ihn erinnert. Er erhielt die goldene Verdienstmedaille, und seine Büsle wurde im Nationalmuseum von Schloss Frederiksborg aufgestellt. Die Medaille, die bei der alljährlichen Prüfung dem besten Postkandidaten zuerkannt wird, trägt sein Bild. Bei seinem Tode am 12. April 1908 würdigten die dänischen Zeitungen seine Verdiensie. Sein Begräbnis auf dem jüdischen Teil des Kopenhagener Westfriedhofs fand unter grosser Anteilnahme der Postbeamtenschaft und der Behörden statt, obwohl Michaelsen schon 30 Jahre im Ruhestand gelebt hatte. Dr. Kurt Aroii. Fünf Jfuhre Hilfe und Aufbau Dr. Hardi S w a r s e n s k y, Geschäftsführer des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände, schreibt: „In den Jahren des Aufbruchs fallen der jüdischen Jugend besondere Aufgaben zu, da unter den jüdischen Auswanderern der Prozentsatz der Jugendlichen besonders hoch ist. ,Hilfe und Aufbau' hat einen erheblichen Teil der Mittel zur Verfügung gestellt, die erforderlich waren, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Die jüdische Jugend ist deswegen in Dankbarkeit mit diesem Werke verbunden. Arbeit für die Jugend ist Arbeit für die Zukunft, an der mitzuwirken uns allen, in erster Linie aber dem Aufbringungswerk .Hilfe und Aufbau' den Mut und Antrieb zu weiterem Schaffen geben wird."

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