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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-31 · 13 (31.3.1938) · page 13

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
13 (31.3.1938)
Date
1938-03-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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sJL Palästina-Umschau der C.-V.-Zeitung Eine gefahrvolle Landnahme Von unserem «-Palästina-Berichterstatter 9 Tel-Aviv, Ende März 1938. In 'der nordwestlichsten Ecke Palästinas, unweit der Küste und des Grenzpostens Ras en Nakura, auf einem Boden, den seit langem kein menschlicher Fuss betreten hat, spielte sich im Laufe von 24 Stunden eine Reihe von Ereignissen ab, die als eine erschütternde Symbolik des jüdischen Nationalheims wirken: Sieg und Trauer, Aufbau und Kampf, zusammengedrängt auf eine kurze Spanne Zeit und auf einen kleinen Fleck unwegsamen Berglandes. Erst vor . kurzer Zeit hat der Keren Kajemet hier eine grössere Bodenfläche erworben, auf dem nach neueren Forschungen zur Zeit des Talmuds, also vor mehr als anderthalb Jahrtausenden, eine jüdische Siedlung bestanden hat, die aber seitdem von den Juden verlassen war und überhaupt keine Spur erkennen lässt, dass hier in den letzten Jahrhunderten irgendwelche Menschen sesshaft gewesen seien. Immer wieder musste aus äusseren und inneren Gründen die Besetzung dieses weit entlegenen und unwegsamen Punktes verschoben werden. Schliesslich erfolgte am 21. März die Landnahme. Neunzig junge Pioniere aus allen Organisationen des Landes und aus Angehörigen aller politischen Richtungen, sowie zehn junge Arbeiterinnen wurden zu einer provisorischen Kwuza vereinigt, welche die neue Siedlang aufbauen, bewirtschaften und—verteidigen soll. Vierzig von den hundert neuen Siedlern sind Hilfspolizisten, und mitden eigentlichen Siedlern gingen dreihundert andere zur ersten Hilfeleistung hinaus, Angehörige älterer Siedlungen des Galil und des. Emek Jesreel, die sich für diese schwere und gefahrvolle Aufgabe freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, Männer aus Naharia und Kirjat Chaim sowie Mitglieder der zentralen Siedlungsinstanzen, ein grosser Teil von ihnen Mitglieder der Arbeiter- Sport-Organisation „Hapoel". Unter den Helfern befanden sich ebenfalls siebzig Hilfspolizisten zur Verteidigung, ferner Facharbeiter der Baugesellschaft SolirBone, um bei Anlage der ersten Wege und der Errichtung der ersten Baracken zu helfen und vor allem — kräftige Hände zum Tragen. Denn die 37 Lastautos, auf denen die Menschen, die Materialien, die Wassertanks und vierzig Maulesel transportiert wurden, konnten nur bis zum nächsten Punkt der Grenzchaussee vordringen, von dort aus musste die Last auf Menschen- und Eselrücken durch das Gestrüpp auf den Berg transportiert werden, üm sieben Uhr morgens traf man am Platze ein, am Abend standen Küchenbaracke und Wohnzelte, Zäune und Drahtverhaue und die Anfänge für Wegebau und Wasserleitung waren gemacht, ein Teil der Heller kehrte nach Haifa zurück. In dieser ersten Nacht der neuen Siedlung erfolgte von drei Seiten ein schwerer F e u e rü b e r f a 11 durch eine starke arabische Bande, die sich, in fünfzehn Meine Trupps geteilt, herangeschlichen hatte. Gleich zu Beginn des Kampfes wurde der 22jährige Hilfspolizist Brenner, ein Mitglied des Sehomer Hazair. tödlich getroffen und sein Kamerad Berger erlitt bei dem Versuch, ihm zur Hilfe zukommen, eine Verwundung, die eich aber erfreulicherweise als nicht lebensgefährlich herausstellte. Die Verteidigung war gut organisiert und nach einer guten Stunde mussten sich die Angreifer erfolglos zurückziehen. Die am nächsten Morgen herbeigerufene Polizei fand bei ihrer Untersuchung mehrere Blutspuren, die darauf schliessen lassen, dass die Araber Verluste gehabt haben. Am Mittag des gleichen Tages wurde Jehuda Brenner in seiner Heimat Afule beigesetzt. Die Spitzen der jüdischen Behörden und Organisationen, das Rabbinat und der englische Distrikts- Polizeikommandeur, Abordnungen der Landespolizei und der Siedler aus der Umgebung erwiesen ihm die letzte Ehre. Der Vater des Gefallenen sagte am offenen Grabe: „Du kanntest die Gefahr und hast in echtem Idealismus deine Aufgabe erfüllt. Du fielst für uns und für mich. Möge dies Opfer das letzte sein.". Aber während in Afule, tief unten in der Ebene Jesreel, die Trauerzeremonien stattfanden, ging in den. Bergen die Arbeit weiter, und am Dienstagabend war die Wasserleitung, welche das neue Lager mit den beiden nahegelegenen Bergquellen verbindet, fertiggestellt und ein erheblicher Teil des, provisorischen Anschlussweges an die Cbausse gebrauchsfertig. Aus technischen Gründen konnte das jetzige Lager nicht an demselben Punkt errichtet werben, an dem nach dem Siedlungsplan später das endgültige Bauerndorf Chanuta stehen wird. Das Dorf wird vielmehr zweihundert Meter höher erbaut werden, also auch strategisch in günstigerer Position. Die Vorarbeiten aber, die der Erforschung, Erschliessung und Sicherung des neuen Geländes dienen, lassen sich von dem jetzigen Punkte besser ausführen. Die gesamte Bodenfläche, die der neuen Siedlung zur Verfügung steht, beträgt viertausend Dunam. Davon können schon heute mindestens 2500 Dunam als anbauwürdig, ja sogar als besonders fruchtbar gelten. Das beweist die starke, wenn auch wilde und zunächst nur hinderliche Vegetation, die Nähe der beiden guten Quellen und die Erdproben, die man genommen hat. Selbst wenn sich die restliche Fläche als unfruchtbar erweisen sollte, war ihr Erwerb doch notwendig, um die neue Siedlung abzurunden, ihr die erforderliche Sicherheit zu geben und Raum für Bauten und Wege zu erübrigen. Die einzige Erleichterung bei dieser schwersten und gefahrvollsten Landnahme der letzten Jahre dürfte darin zu erblicken sein, dass die Gegend klimatisch als ausgesprochen gesund angesehen wird. Romantischer Idealismus und harte Realität wohnen hier dicht beieinander. Und deshalb ist es erlaubt, die Frage nach dem praktischen Sinn solcher Aktionen aufzuwerfen. Es handelt sich hier nicht nur um einen ausschliesslich nationalpolitisch erklärbaren Heroismus. Gewiss wäre schon dies allein ein wichtiger Faktor. Eine symbolische Bekräftigung unseres Anspruchs auf das so stark umstrittene Galil, ein sinnfälliger Beweis für die Möglichkeit jüdischer Siedlung in diesem seit Jahrhunderten verwüsteten und verwahrlosten Gebiet kann auch praktische Ergebnisse zeitigen. Man weiss, dass vor zwanzig Jahren die Grenzziehung des Mandatsgebiets Palästina durch das blosse Vorhandensein jüdischer Vorposten und Siedlungen im Oberen Galil beeinflusst worden ist. Und auch als jüdischer Beitrag zur Sicherung der Nordgrenze, dieses Einfalltores der Unruhestifter, hat die neue Landnahme einea hohen Wert. Aber auch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus sind solche Landnahmen die Vorbedingung für eine Erweiterung des Siedlungsraumes, die weit über die Grenzen dieser ersten Pionier- Stützpunkte hinausgeht. Fast alle grösseren Gebiete der jüdischen Siedlung in Palästina sind in dieser Weise urbar gemacht worden. Einzelne „Forts" schufen in der Wüste brachliegenden Landes gleichsam künstliche Oasen sanierten, erschlossen, wegsamen und gesicherten Bodens und damit wurde dann auch in dem dazwischen liegenden Raum die Möglichkeit einer leichteren und billigeren Massensiedlung, auch für weniger c-haluzische Elemente, geschaffen. Dass aber die Möglichkeit neuer Siedlungvorhaben auf A r b e i t s m a r k t und Konjunktur belebend wirken muss, bedarf wohl keines Beweises. * Die Siedler in Hamiufa entdeckten bei der Errichtung der neuen jüdischen Siedlung die Ueberreste einer altertümlichen hebräischen Synagoge mit Inschriften, die aus dem dritten Jahrhundert datieren: Die Ueberreste bestehen aus grossen Blöcken ornamentaler Steine und aus Mosaik. Aus diesen Entdeckungen schliesst man, dass im byzantinischen Zeitalter in der dortigen Gegend eine blühende jüdische Gemeinde existierte. Auf einem der Steine fand man Abdrücke von zwei Kandelabern sowie von Zitrusfrüchten und einer Art Granatapfel. Ein anderer Stein mit einer grossen runden Hühlung war anscheinend eine Art Tür, was auf das Bestehen von öffentlichen Gebäuden in der damaligen.Zeit hinweist. Das Gebiet der neuen Siedlung ist übrigens in der „Mischna" als die jüdische Stadt Hannita erwähnt * Mr. Saunders, Oberkommandant der palästinensischen Polizei, und Mr. Kirkbride, Bezirkskommissar im Norden Palästinas, besuchten die neue Siedlung Hannuta. Die Arbeiten in der Siedlung machen rapide Fortschritte. Terror Leider brachte der Beginn der neuen Woche eine bedrohliche Häufung der Zwischenfälle. Zwischen Akko und Safed wurde ein jüdisches Auto beschossen, wobei vier Juden getötet wurden, nämlich der 45jäbrise Zwi S e g a 1 aus Safed, sein achtjähriger Sohn Baruch David Segal, die 47jährige Zippora K aha na und ihre 70jährige Mutter Batia Baral aus Safed. Segal hinterlässt eine Witwe und vier weitere Kinder. Zwei andere Juden, der Chauffeur Zacharow und Zippora M o z e r i, werden noch vermisst. Man nimmt an. dass sie von Arabern gefangengehalten werden. Vier Juden konnten flüchten. Die Polizei ging gegen die Bande vor und tötete drei Araber. In Safed erregte die Unglücksbotschaft tiefe Trauer. In Zukunft werden auf der so häufig beschossenen Strasse Akko—Safed nur noch Karawanen, die von Polizei eskortiert sind, verkehren dürfen. . Auch an anderen Stellen des Landes sind neue Opfer gefallen. Zwei junge Juden aus Deutschland, von denen der eine katholischer Konvertit sein soll, wurden in Jerusalem erschossen aufgefunden. Eine 50 Mann starke arabische Bande blockierte den Weg von Jerusalem nach Hebron und beraubte die Passagiere zweier arabischer Autobusse sowie einen Postkraftwagen. Auf dem Wege von Haifa nach Jaffa in der Nähe von Atlit ist ein jüdischer Taxichauffeur namens Piper angeschossen und verwundet worden. Auch sein Fahrgast, der jüdische Arzt Dr. Zlocisty'aus Haifa, wurde verwundet. * Neben der militärischen hat auch die polizeiliche Terrorbekärapfung in letzter Zeit sichtbare Fortschritte gemacht. Häufiger als bisher ist es gelungen, die wirklichen Führer und Organisatoren der Banden, ihre Helfer und Geldgeber zu ermitteln und unschädlich zu machen. Neben der offenbar erhöhten Wirksamkeit des inländischen Fahndungsdienstes hat dabei wohl auch die bessere Zusammenarbeit mit den Behörden der Nachbarstaaten eine Rolle gespielt. Auss den verschiedenen Freikorps-Befehlshabern, die in letzter Zeit gefangen wurden oder gefallen 6ind, wurde dieser Tage einer der Hauptführer der arabischen Terroristen im Libanon, wohin er sich nach der Zersprengung seiner Bande durch das Militär geflüchtet hatte, verhaftet; sein Name ist Abdulla Schaar. Er soll den palästinensischen Gerichten ausgeliefert werden. Vier arabische Kadis — Mitglieder der mohammedanischen Gerichtshöfe, die zumeist auch andere öffentliche Funktionen ausüben — wurden ihres Postens enthoben und drei von ihnen ins Konzentrationslager Akko gebracht. Die wichtigste Massregelung, aber besteht in der für Lebenszeit ausgesprochenen Enthebung des Emin Bey El Tamini von seinem Amt als Mitglied des Obersten Moslemischen Rates; er soll als Verbindungsmann mit dem ausser Landes weilenden Mufti, dem ehemaligen Vorsitzenden dieser obersten legalen Instanz der palästinensischen Araber, fungiert haben. Auch fünf weitere Beamte des Obersten Mohammedanischen Rates sind ihres Amtes enthoben worden, darunter der berüchtigte Hetzer, Subhi al Khadra. Damit hat, wie in arabischen Kreisen verlautet, der Rat praktisch aufgehört zu fungieren. Ueber den nördlichen Grenzbezirk wurde der Ausnahmezustand verhängt und der Eisenbahnverkehr während der Nacht soll eingestellt werden. Ein wichtiger Anlass für diese scharfen Massnahmen war wohl auch der innerarabische Terror, der in letzter Zeit, zum Teil im Zusammenhang mit Gelderpressungen für die Banden, mehrere Todesopfer gefordert bat und der auch zu einem Attentat auf Aref Yunia ei Husseini, einen Verwandten des Mufti, und einen der führenden Scheichs der Omar- Moschee in Jerusalem, geführt hat. Der Scheich wurde schwer verwundet, befindet sich aber auf dem Wege der Besserung. Unter den zahlreichen Fällen innerarabischen Terrors heben wir lediglich den folgenden hervor: Ein christlicher Araber, der im militärischen Geheimdienst von Jaffa stand, Nicola Fares, sowie ein arabischer Chauffeur wurden, als sie in einem Dorf bei Akko eine Autopanne hatten, von einer grossen bewaffneten Araberbande verschleppt. Wenige Tage darauf wurde Fares erschossen aufgefunden. Die übliche Chronik der Ueberfälle auf Juden und Angehörige der Mandatsregierung lautet für die vergangene Woche wie folgt: In Haifa wurde in der Nähe der Anglo-Bank eine Bombe geworfen. Der Araber, der unter dem Verdacht, die Bombe geworfen zu haben, verhaftet wurde, wurde leicht verwundet. In dem amerikanischen Kibbuz Juara in* der Nähe des Karmel wurden von arabischen Schafhirten junge Bäume entwurzelt. Eine Bande bewaffneter Araber umzingelte einen Polizeiposten bei Akko und raubte Gewehre und Uniformen. Eine militärische Draisine, die die Bahngleise in der Nähe von Gaza abpatrouillierte, wurde von einer Landmine in die Luft gesprengt. Dabei wurde ein englischer Soldat getötet und einer verwundet. Wenige Stunden später hätte der ägyptische Express die Explosionsstelle passiert. Einwanderung trotz Arbeitslosigkeit In einer Pressekonferenz in Jerusalem wies der Leiter des Politischen Departements der Jewish Ageney, Mosche Shertok, darauf hin, dass die neuen Einwanderungsbestimmungen eine Fülle von Widersprüchen enthalten. Mit der Aufhebung der Beschränkungen für die Einwanderung von nahen Angehörigen und Studenten gebe die Regierung zu, dass die politische Höchstbegrenzung nicht gerechtfertigt sei. Durch die Erhöhung der Kapitalistenzertifikate habe sie weiter zugegeben, dass die frühere Maximalzahl dieser Kategorie sich als ungerechtfertigt erwiesen habe. Die Arbeiterkategorie jedoch sei mit der Begründung, dass im Lande Arbeitslosigkeit herrsche, auf das Sehwerste betroffen worden. Diese Begründung sei jedoch nicht stichhaltig, da viele Handels- und Industriezweige unter Arbeitermangel litten und Pläne für neue Unternehmungen aus dem gleichen Grunde nicht in Angriff genommen werden könnten. Soweit die Emwänderungsbeschränkungen auf die Absicht der Regierung zurückzuführen sein sollten, auf Kosten der Juden den Frieden im Lande wiederherzustellen, so könne dieses Mittel nicht als wirksam betrachtet werden. Trotz Auferlegung der politischen. Höchstgrenze für jüdische Einwanderung seit Juli 1937 sei das Land nicht ruhig geworden. Shertok erklärte zum Schluss, dass die Jewish Agency die Verletzungen des Mandats, die die neuen Bestimmungen enthalten, aufs nachdrücklichste bekämpfen werde. Nachrichten vom Tage ' Dr. Chaim W e i z m ä n n ist von seiner Reise nach Europa wieder in Palästina eingetroffen. * Ein Egged-Autobus erlitt in der Nähe von Chedera einen Unfall, der nicht auf gewaltsame Einwirkung zurückzuführen ist. Dabei wurde eine Frau namens Anna Strauss getötet, drei weitere Passagiere wurden verletzt. if. Die Rural and Suburban Settlement Corporation (Rassco) erweitert ihr vorstädtisches Siedlungsprogramm in der Haifabucht durch die Einrichtung von Hilfswirtschaften auf Keren Kajemet-Boden. Für den grösseren Teil der Investitionskosten 6ollen langfristige Darlehen beschafft werden, so dass der einzelne Siedler nur einen Teil in bar zu bezahlen braucht Ausserdem soll in der reinen Wohnsiedlung durch Errichtung eines neuen Typs von Doppel häusern, die trotzdem der einzelnen Familie ein getrenntes Wohnen ermöglichen, eine Verbilligung der Baukosten erreicht werden. * Die Stadt Tel-Aviv bat die Genehmigung zur Aufnahme einer weiteren Inlandsanleihe von 50 000 LP, deren Beschaffung schon gesichert ist, erhalten. Der Anleihebetrag soll zur Ausführung öffentlicher Arbeiten, insbesondere einiger schoD überfälliger Kanalisationsarbeiten, dienen. Ein erheblicher Teil der städtischen Arbeitslosen wird durch diese und andere Arbeiten wieder Beschäftigung finden. * Nach langen Verhandlungen ist jetzt zwischen der Palästina-Regierung und der Stadt Tel-Aviv ein Uebereinkommen erzielt worden, das der Stadt die Möglichkeit gibt, durch Mobilisierung einer Inlandsanleihe sowie aus sonstigen Finanz- Zu haben in den guten Fachgeschäften quellen dringliche öffentliche Arbeiten im Werl© von mehr als 100 000 LP sofort in Angriff zu nehmen. Ausserdem hat die Regierung auf telegraphischem Wege dem Kolonialministerium in London empfohlen, der Stadt Tel-Aviv die Aufnahme einer weiteren Anleihe von etwa 350 000 LP zu gestatten, die in erster Linie zur Durchführung der Kanalisationsarbeiten verwandt werden soll. Durch diese Programme wird eine erhebliche Zahl von Arbeitern für längere Zeit beschäftigt. Auch die Regierung selbst hat sich bereit erklärt, in den Randbezirken der Stadt gewisse, bisher zurückgestellte öffentliche Arbeiten von sich aus durchzuführen, um den Arbeitsmarkt schon jetzt zu entlasten. Aus der Ludwig Tietz- Lehrwerkstätte in Jagur Die Jungengruppe, die am 8. Februar v. J. in die Ludwig-Tietz-Schule kam, zeichnet sich durch eines von allen Gruppen aus, die bisher ins Land kamen: als erste Gruppe erlebte sie Schöpferfreude des Aufbaus eines Gesamtschulwerkes und nahm an ihm aktiv teil. Durch Verzögerung der Maschinenlieferungen und durch Krankheiten war der Beginn des Unterrichtsjahres verzögert worden, so dass der Unterricht dann ohne Ferien bis zu den Hohen Feiertagen durchgeführt wurde. Auch das Winterhalbjahr wird ohne Unterbrechung bis zu den Pessach- Ferien dauern. Durch Anfertigung von Programmarbeiten wurden den Schülern die Grundbegriffe des Handwerks beigebracht, und sie wurden vom ersten Tag an an ein sauberes und exaktes Arbeiten gewöhnt. Die Nähe der Stadt Haifa einerseits und die Beziehungen zu den landwirtschaftlichen Siedlungen der Umgebung anderseits verhelfen zur ständigen Erlangung von Aufträgen für Arbeiten und Reparaturen. Das fördert "die Ausbildungsmöglichkeiten und steigert auch die Arbeitsfreude der Schüler wesentlich. Die praktische Arbeit nimmt zur Zeit täglich 4J£ Vormittagsstunden in Anspruch. Der "Nachmittag ist dem allgemeinen und theoretischen Fachunterricht gewidmet. Der Unterricht im Hebräischen mit neun Wochenstunden nimmt dabei den ersten Platz ein. In der Schlosserei begnügte man sich im ersten Halbjahr aus sprachlichen Gründen mit Fachzeichnungen, zu dem nach Beginn des zweiten Halbjahres Technologie-Unterricht hinzu kam. Der Unterricht im Tischlern wurde im ersten Halbjahr aus sprachlichen Gründen auf eine Zeichenstunde in der Woche beschränkt. Im zweiten Halbjahr wurde eine zweite Stunde im Zeichnen und eine dritte für Materialkunde hinzugenommen. ,;i> Einen breiten Raum im Lehrplan für die Jungen nimmt der Sport ein. F. S. Manfred Sturmann: Palästinensisches Tagebuch. Brandus?sche Verlags h andlung Jüdischer Buchverlag "Berlin, 19 3 7. Die in ihrer Anspruchslosigkeit sympathische Reisebeschreibung ist ein Gedenkblatt für Palästinatouristen und ein Anreiz für solche, die es werden wollen. Die bekanntesten Stätten. des Landes und was dazwischen liegt, werden von einem aufgeschlossenen, erlebnisreifen Menschen gesehen und geschildert. Der Dichter Manfred Sturmann hat sich offenbar Zurückhaltung auferlegt; in dem richtigen Gefühl, dass zwischen der körperlichen und seelischen Bewältigung einer solchen Reise und ihrer künstlerischen Gestaltung ein zeitlicher Abstand eingeschaltet werden mues, wenn nicht mangelnde Reife das Ergebnis in Frage stellen soll hat er die schlichte, ungekünstelte Prosa als Vermittlerin seiner Erlebnisse gewählt. Es entstand eine eindrucksvolle plastische Kleinmalerei, die an keiner Stelle das Bewusstsein ihrer grossen Hintergründe vermissen lässt. Oft ist man erstaunt über die Zwangsläufigkeit, mit der gewisse Erfahrungen der palästinensischen Wirklichkeit zu gewissen Feststellungen hinlenken: man begegnet Eindrücken und Aeusseruugen, die den eigenen so völlig gleichen, dass man versucht wäre, an mysteriöse Duplizitäten zu glauben, läge nicht eben der gemeinsame Urgrund so deutlich zutage. Oft aber, und dann mit um so grösserer Freude überlässt man sich auch völlig dem Sehen und Denken des Autors, das einen in noch nicht entdeckte Zusammenhänge und Deutungen führt E. R.—J.

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