Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 12 (24.3.1938)
- Date
- 1938-03-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr,.-12... . 5. Beiblatt Paläsrtina-lJiiiseliaiA der C.»V.-Zeitiiiis Seite 17 24. März 1938 Nochmals s die neue Schedule Zur Beurteilung der neuen Einwan<ieruiigssif Fern, über die wir in der vorigen Aasgabe berichteten, erhalten wir von unserem * - P a - lästina-Berichterstatterdie folgenden ergänzenden Ausführungen: Tel-Avnyl6. März. Es ist schon lange nicht mehr vorgekommen, dass die neue Einwanderungsquote vor Ablauf der alten Einwanderungsperiode bekanntgegeben wurde. Diesmal hat das britische Kolonialirunisterium den so oft geäusserten Wunsch nach grösserer Pünktlichkeit erfüllt Aber der Inhalt des neuen Einwanderungserlasses hat trotzdem in der jüdischen Oeffentlichkeit eine gewisse Enttäuschung ausgelöst. Dennoch kann nicht geleugnet werden, dass der neue Einwanderungserlass in mancher Beziehung weniger Anlass zur Kritik bietet, als die Notstandsregelung, die für die acht Monate August 1937 bis März 1938 in Kraft gesetzt worden war. Die praktisch wichtigste Aenderung besteht darin, dass man das im August eingeführte Prinzip der „Kopf-Quote" wieder aufgegeben hat und nur die Zertifikatsträger kontingentiert hat Auch für die Nachforderung von Frauen und Kindern legaler Einwanderer, die sich schon im Lande befinden, bestehen keine Einschränkungen mehr. Nur die Nachforderung von Eltern und ferneren Angehörigen ansässiger Palästinenser wird für das halbe Jahr auf zweihundert beschränkt Um einen Mass«: stab für die neue Quote von zweitausend Kapitalisten und tausend Arbeitern für das halbe Jahr zu gewinnen, seien einige Vergleichszahlen aus dem Jahre 1936. also vor Inkrafttreten der Restriktionen, gegeben. Im Halbjahresdurchschnitt 1938 wanderten rund 1500 Kapitalisten mit 1400 Angehörigen ein und rund 3500 Arbeiter mit 2250 Angehörigen. Für das Sommerhalbjahr 1938 ist die Kapitalisten-Einwanderung auf 2000 und-die Arbeitereinwanderung auf 1000 bemessen, die Mitnahme von sogenannten „abhängigen Famiiienmitgliedern", die 1936 bei den Kapitalisten rund 100 Prozent, bei den Arbeitern rund 66 Prozent der Zahl der Zertifikate ausmachte, ist unbeschränkt zulässig. Ausserdem sind im Halbjahresdurchschnitt 1936 rund 4700 Angehörige ansässiger Palästinenser eingewandert, doch lässt die Statistik nicht erkennen, vieviel von ihnen Ehefrauen und Kinder waren, deren Anforderung im Rahmen der alten gesetzlichen Vorschriften wieder unbeschränkt erfolgen kann, oder wieweit es sich um Eltern, Geschwister und sonstige Angehörige handelte, deren Anforderung jetzt auf ein Minimum kontingentiert ist Aufgehoben wurde auch die Beschränkung der Einwanderung von Schülern, Lehrlingen und Studenten, die für Palästina ebenfalls einen nicht unwichtigen Faktor bildet Soweit könnte man sagen, dass die neue Quote wenigstens der für Palästina so wichtigen Einwanderung von Kapitalisten und Kapital sowie der aus seelischen und auch wirtschaftlichen Gründen bedeutsamen Familien-Alija eine gewisse Chance gibt, die sich im Rahmen der letzten Entwicklungsergebnisse hält und gegenüber dem niedrigen Stand des Jahres 1937 sogar eine Ausweitung ermöglicht Dies ist aber auch ziemlich alles, was sich zugunsten der neuen Regelung sagen lässt Eine Reihe von Einwanderungskategorien ist völlig gesperrt worden: Handwerker und freie Berufe mit einem Mindestkapital von 250 bzw. 500 LP, geistliche Berufe und eine Gruppe von Einwanderungsbedürftigen, die zahlenmässig — ebenso wie die beiden anderen Kategorien — keine grosse Bedeutung bat, menschlich aber um so dringendere Einwanderungsfälle stellt: die Waisen. Diese Beschränkung ebenso wie die Drosselung der Einwanderung von Eltern und ferneren Angehörigen wird als grosse Härte empfunden. Ein Kapitel für sich bildet die Arbeitereinwanderung. Für ihre Beschränkung wird als Grund angegeben, dass am 31. Dezember 1937 die Zahl der jüdischen Arbeitslosen 12 000, die der arabischen 21 000 betragen habe, und dass daher im gegenwärtigen Zeitpunkt eine weitere Einwanderung von mittellosen Arbeitskräften nicht zu rechtfertigen sei. Die hier vorgenommene Unterstreichung findet sich übrigens auch in dem Originalschreiben des Kolonialministers Ormsby Gore an den High Commissioner Sir Harold Mac MichaeL Dieser Passus enthält eine Fülle von Problemen. Zunächst geht die Regierung von einem Zeitpunkt aus, in dem sich weder die Orangenernte noch die zahlreichen öffentlichen Arbeiten, die jetzt in Angriff genommen worden sind oder vor dem Beginn stehen, auf dem Arbeitsmarkt auswirken konnten. Jedenfalls sind die Arbeiterzertifikate — im Gegensatz zu den Kapitalistenzertifikaten — keine feste Zusage, sondern lediglich eine Höchstgrenze, innerhalb deren es in das Belieben des High Commissioners gestellt ist, ob er überhaupt solche Zertifikate ausgeben will oder nicht. In diesem Zusammenhang ist es natürlich als wichtiger politischer Erfolg zu verbuchen, daas der neue Erlass Ormsby Gores zwei wichtige grundsätzliche Erklärungen enthält Einmal wird ausdrücklich festgestellt, dass die britische Regierung die von der Peel-Kommission als" Alternativlösung vorgeschlagene „Palliative", zu denen auch eine politische Begrenzung der Einwanderung gehörte, nicht akzeptiert habe, sondern vielmehr auf der Linie des Teilungsplanes weiterarbeite. Sodann werden ausdrücklich nur wirtschaftliche, und nicht politische Argumente für die neu angeordneten Restriktionen beigebracht, obwohl die Presse hervorhebt, dass diesmal, im Gegensatz zu der bisherigen Prärie» kein Gutachten der Jewish Agency über die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes für neue Einwanderer angefordert worden sei. * Die Kommentare der jüdischen Presse Palästinas bewegen sich etwa in der gleichen Linie zwischen Enttäuschung und Befriedigung über gewisse Teilergebnisse der neuen Schelude. „Haare z" schreibt in einem Leitartikel, dass die neuen Bestimmungen bezüglich der' politischen Höchstbegrenzung zwar eine leichte Verbesserung bedeuten, dass sie jedoch in scharfem Gegensatz zu der Mandatsbesfimmung stünden, nach der die jüdische Einwanderung lediglich von der 'wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes abhängen solle. ,.D a w a r" gibt seiner Unzufriedenheit gleichfalls unverhohlenen Ausdruck. Auch die Araber zeigen sich nicht befriedigt, da sie an der Forderung nach vollständiger Einwanderungssperre festhalten. Die Unruhen Auch in der letzten Woche fanden neben einzelnen Terrorakten wiederum grössere Kampfhandlungen zwischen Aufständischen und englischem Militär vornehmlich in den Norddistrikten des Landes statt Die Engländer verloren einen Offizier und zwei Soldaten, die Araber hatten zahlreiche Verluste, darunter einige berüchtigte Terroristen. Am 12. März wurde an der Grenze in der Nähe von Ras el Nakura gekämpft, am 15. März griffen Militärtruppen, unterstützt von Flugzeugen, eine Araberbande zwischen Akko und Safed an, wobei wiederum ein berüchtigter Terroristenführer sowie 15 andere Araber getötet wurden. Flüchtige Araber versuchten die libanesische Grenze zu überschreiten und wurden dabei verhaftet Folgende einzelne Gewalttaten müssen registriert werden: Am 11. März wurde in der Altstadt von Haifa der 35jährige Kaufmann Michael Eckermann angeschossen und schwer, verwundet In der Nacht zum 13. März wurde in Rechowot ein Holzlagerhaus in Brand gesteckt; die Wächter, die das Feuer zu löschen versuchten, wurden beschossen. In der gleichen Nacht wurde die jüdische Siedlung M o 1 e d e t bei Tel-Aviv heftig beschossen. Eine bewaffnete Araberbande drang in den Bahnhof Kakon bei Chedera ein und griff die Wächter an. Eine Anzahl von Eisenbahnattentaten zwischen L u d d und Haifa sind zu verzeichnen. Dadurch wurden mehrere Personen- und. Güterzüge zum Entgleisen gebracht. Bedeutender Sachsebaden wurde angerichtet und der Verkehr auf dieser Linie musste stillgelegt werden. Am 16, März wurde in einer Haupts trasse von Jerusalem von einem Araber eine Bombe auf einen jüdischen Omnibus geworfen. Eine Frau wurde - schwer, zwei weitere Passagiere leicht verletzt Zwischen Haifa und A f u 1 e wurde ein Milchwagen der Verkaufsgenossenschaft „Tnuva" beschossen. Der Fahrer Schlomo Eisenberg wurde leicht verletzt Bei der Beaufsichtigung arabischer Strassenarbeiter wurde der Angestellte des Oeffentlichen Arbeitsamtes, Leo Z e i d n e r, zwischen Akko und Safed angeschossen und verwundet Auch die Angriffe von Arabern auf Araber haben wieder an Heftigkeit zugenommen. In der Nähe von .Mischmar Haemek griff eine 150 Mann starke arabische Bande arabische Hirten an. In Haifa wurde der führende arabisehe Rechtsanwalt Mahmoud el Maadl von Terroristen schwer verwundet Der ÜeberfaH §oE auf die Weigerung zurückzuführen sein, sich von Terroristen erpressen, zu lassen. In Jerusalem wurde am 21. März früh der Scheich der Omar-Moschee, Aref Jounis Hussein!, durch Revolverschüsse schwer verwundet In Nablus wurde ein Haus des Araberviertels von mehreren Bewaffneten ausgeraubt. Als die Hausbewohner Widerstand zu leisten versuchten, wurden zwei Männer getötet und eine Frau verwundet Todesurteile Diese verstärkte Terrortätigkeit hat eine Anzahl von Gerichtsverfahren nach sich gezogen, in denen wiederum Todesurteile gefällt wurden. Vom Militärgericht in Haifa und in Jerusalem wurden je ein Araber zum Tode verurteilt. Die Todesurteils gegen zwei weitere in den Kampfhandlungen tun Dschenin verhaftete Araber wurden von Generalmajor Wavell bestätigt. Nachrichten vom Tage Mo sehe Shertok, der Leiter des Politischen Departments der Exekutive der Jewish Agency, sowi« die Mitglieder der Exekutive Höxter und Senator hatten mit dem neuen High Commissioner Sir Harold MacMichael wenige Tage nach seiner Ankunft eine erste Unterredung. Vertreter des Waad Leumi, FISC?8!8 A E5TA Strümpfe / Strickwaren Wäsche / Handschuhe Sclibg1., Grnnewaldstr.56 a. Bayer. Platz Tel.: 713813 darunter Henrietta Szold, wurden gleichfalls vom High Commissioner empfangen, der sich mit grossem Interesse über die Organisation der jüdischen Bevölkerung informieren Hess. * Der High Commissioner hat eine arabische Abordnung, bestehend aus Ragheb Nashashibi, Jacoub Ferajh und Said el Husseini, empfangen. In arabischen Kreisen verlautet, dass Sir Harold MacMichael der Abordnung mitgeteilt habe, seine erste Pflicht werde sein, Ruhe und Ordnung im Lande wiederherzustellen. Er habe die arabischen Führer aufgefordert ihn bei seinen Anstrengungen zu unterstützen. * Die Jewish Agency hat dem High Commissioner eine Denkschrift unterbreitet, in der sie für die Wiederherstellung des Prinzips der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit als Massstab der jüdischen Einwanderung eintritt * Auf dem Flugplatz in Gaza dürfen vom I.April ab Zivilflugzeuge nicht mehr landen. Der Flugplatz soll künftig militärischen Zwecken dienen. Der Verkehr wird teilweise durch das Aerodrom von L y d d a übernommen, während die Flugzeuge der Imperial Airways nunmehr des Flugplatz von T i b e r i a s anfliegen. * Eine Anzahl von Kaußetrten der arabisches Industriestadt Nablus hat von ihren arabisches und jüdischen Geschäftsfreunden in Jerusalem. Haifa und Jaffa in einem gedruckten Rund* gehreiben ein Wechsel- und Scfauldenmoratorium erbeten. In einzelnen Fallen sollen die Nabluser Gebrayelite Keffer B1STZ1 @ BsrlinC2. &twr Steinweg 15 511788 ühren Schuldendienst gegenüber Jaffaer Firme« bereits eingestellt haben, worauf die betroffenen Grosshandelsfirmen den District-Commissioner tun Intervention ersucht haben. Es wäre denk« bar, dass zwischen diesen Meldungen und den Nachrichten, dass die Terroristen immer mehr mit Gewaltandrohung Subventionen und Rekruten von palästinensischen Arabern eintreiben, ein gewisser ursächlicher Zusammenhang' besteht. Die Stimme des Heiligen Landes Von Eduard Jawitz Von fHmmender Sonnenglut umwoben, schoben sich die flachen, hellen Blöcke der orientalischen Behausungen von den Hängen in die Ebene hinab; weiss blendete ihr Gemäuer im Licht des Mittags. Im schmalen, bläulichen Schatten eines Gässchens tauchte die bizarre Silhouette eines Burnusses auf und verschwand sogleich wieder. Unten dehnte sich die stille, leuchtende Weite der Ebene, fern an ihren Horizont, dort wo die zarten Konturen der Kuppeln und Minaretts in den Aether zu entschweben schienen, ruhte sie, die Erhabene, gepriesen und beweint in den Gebeten der Erde, die Geisterkönigin: Jerusalem! Nirgends war ein lebendes Wesen sichtbar; vor den sengenden Strahlen des Mittags barg sich alle Kreatur im Innern der Gewölbe und Höfe. Um so überraschter war ich, drüben aus dem Gestrüpp eine Gestalt heraustreten zu sehen. Sie trug den weissen, arabischen Mantel, die Kapuze dicht über den Kopf gezogen, vielleicht vrar es der Mann, dessen Burnus ich dort in dem Gässcben bemerkt hatte. Er schritt langsam auf mich zu und je näher er kam, um so gewisser ^ar ich, diesen Gang und diese Körperhaltung irgendwo schon gesehen zu haben. Als ich seine Gesichtszüge unterscheiden konnte, erhob ich mich erfreut: es war der italienische Maler, den ich auf der Ueberfahrt von Genua nach Haifa kennengelernt hatte. Auch er war freudig überrascht mich wiederzusehen; überhaupt war vom ersten Augenblick an jene spontane Sympathie zwischen uns entstanden, deren seelisches Geheimnis aller tieferen Anziehung von Mensch zu Mensch zugrunde liegt Aber inmitten des feierlichen Schweigens der biblischen Landschaft lern dem Kreis der Dinge und Begebenheiten, hatten die Nähe eines Menschen und der Klang einer Stimme eine seltsam erregende, fast beunruhigende Wirkung auf mich, zugleich überkam mich das Gefühl eines schicksalhaften Geschehens — diese Begegnung erschien mir bedeutsam, aussergewöbnlich, ich glaubte, den Hauch einer besonderen Bestimmung zu verspüren, einer verwandten Seele in dieser Abgeschiedenheit auf dem Boden des HeiHgen Landes begegnet zu sein. Aber nichts Aussergewöhnliches ereignete sich. Der Maler zog ein Skizzenbuch hervor und begann irgend etwas sorgsam zu korrigieren. Eigentlich — obwohl wir auf der Reise viele Gedanken über, Leben und Schicksal getauscht hatten — wusete ich aus seinem eigenen Leben nichts weiter, als dass er der Sohn eines jüdischen Arztes aus Bologna war und Camillo Sazerdoti hiess. Aber niemals hatte ich seine überaus eigenartigen orientalischen Bilder vergessen, die ich vor einigen Jahren in einer Ausstellung in Rom gesehen hatte. Seinen Gestalten, den Toraschreibern, jüdischen Müttern, den betenden Greisen an der Klagemauer wohnte etwas inne, dem mit der Bezeichnung Frömmigkeit nicht Genüge getan ist. Sie schienen nicht nur als Einzelwesen zu existieren, sondern aus dem ungeheuren Schicksalgeschehen der Jahrtaueende unseres Volkes gleichnishaft ans Licht gehoben zu sein. Ihre Blicke,- ihre stillen, flehenden Bewegungen brachen sich an einer unendlichen Ferne, die hauchartige Transparenz der Farbe und das sanfte Verlöschen des Konturs Hessen ihr Erdenleid als ein geheimnisvolles, symbolisches Geschehen vorüberziehen. Sicherlich gab es keinen Maler, der wie er jene zwiefache Last der jüdischen Seele — das Leid ihres Einzelschicksals - wie die Tragik ihrer Geschlechterkette — so erschütternd gedeutet hatte. Lange, bevor ich ihn persönlich kennengelernt hatte, sah ich deshalb in ihm einen Sänger des HeiHgen Landes und seiner Menschen. Wir lagerten uns in den Schatten der Felsen, um zu ruhen, denn wir waren erschöpft durch die Hitze und die anstrengende Wanderung auf steilen, staubigen Wegen, und so beschränkte sich unser Wiedersehen auf wenige Worte. Uebermüdet streckten wir uns aus; ich versank sogleich in jenen dumpfen Halbschlummer der Erschöpfung, in dem man der Vorstellung unter- Hegt, nicht einschlafen zu können,. und es ist mir erinnerlich, wie verzweifelt und vergebens ich mich bemühte, in einen erquickenden Schlaf hinüberzugreifen; aber es gelang mir nicht unablässig wechselnde Bilder, Gedanken und Vorstellungen hatten sich meiner Einbildungskraft bemächtigt Zunächst waren es schemenhafte Erinnerungen an die vielfältigen Eindrücke der vorangegangenen Tage, manchmal Wiederspiegelungen der Landschaft, in der ich mich befand, dann aber flammten in mir gewaltige Bilder des jüdischen Leßens auf: das heilige Bangen des Jom Hakkipurim. wo die Welt im Gericht steht, und die jüdische Seele todwund aufzuckt vor dem Trug und den Täuschungen, denen sie sieb überliefert hat, und erkennt, dass sie fremde Kulturen zu Richtern ernannt hat über den ewigen Sinn und die Aufgabe Israels. Es war, als rauschten aus diesem Boden die Stimmen und Gedanken der Väter, als flüstere die alte Erde der Heimat ihrem späten Enkel die dunklen, verwehten Geheimnisse seines Blutes ins Ohr, ihn zurückzurufen — Stück um Stück zog mein eigenes Leben mit all seinen Irrtümern, seinen Verhängnissen vor meinem inneren Blick vorüber und mein, von halbem Schlaf umfangenes, Denken rang mit letzter, übermenschlicher Kraft, Sinn und Bedeutsamkeit dieser Mahnungen in mich aufzunehmen. Ich weiss nicht, wie lange ich so lag in meiner Selbstprüfung. Allmählich wichen die drängenden Bilder aus meinem Geist und eine grosse, friedvolle Ruhe hüllte mich ein. Dann, von einer überhellen, festlichen Klarheit erfüllt richtete ich mich aut Da sah ich, dass auch mein Nachbar den Kopf erhoben hatte und mit sinnendem Ernst zu mir herüberblickte. In seinen Zügen stand ein Ausdruck, der verriet dass in ihm das gleiche vorgegangen war. So sassen wir lange Zeit nebeneinander und keiner von uns wagte es, dem anderen sein Geheimnis zu öffnen. In. der Ferne klangen die Stimmen yemenitischer Juden auf, die einander irgend etwas zuriefen; der erfrischende Lufthauch, der uns umspielte, zeigte an, dass es inzwischen später Nachmittag geworden sein musste. Königlich stand der Abendstern über der Hei¬ Hgen Stadt, der wir langsam zuschritten. ..Hören Sie?!*'... rief mein Begleiter plötzlich aus und griff nach meinem Ann. Wir standen und lauschten. Hell und innig schwebte der Klang einer Kinderstimme durch die Abendluft deutlich unterschieden wir die Worte des Mariw- Gebetes. Als wir an eine Bodensenkung kamen, stand dort ein Knabe in den Arm eines Greises gelehnt, und die Stimme des Greises und die des Kindes, Israels Gebete der Generationen klangen ineinander — oleenu weal kol Jisroel weimni omeen. Unten auf der Landstrasse zog ein Trupp Chaluzzim vorüber — „Schalom" riefen wir ihnen zu, und sie wussten gewiss nicht, warum unsere Stimmen erschüttert klangen . . . „Schalem!!" wehte es von ihnen zurück. In dem faltigen Antlitz des Greises stand ein stilles, hoffendes Lächeln, als seine alten Augen sich ihnen zuwandten und er leise vor sich hinsprach: „Alechem Scholaum!" Ausgrabungen in Palästina Vor einigen Jahren entdeckte der deutsche Gelehrte Pater Dr. Mader in dem Kastell Khirhet- Minje eine Moschee, die zu den ältesten Bauten der Islamischen Zeit gehört Zur Zeit finden auf dem Gelände des Hospizes in Tabgha am See Genezaretb in Palästina Ausgrabungen statt, die zu wichtigen neuen Ergebnissen geführt haben. Im Auftrage der Görres-Gesellscbaft und der Islamischen Abteilung der Berliner Staatsmuseen werden diese Ausgrabungen unternommen. Ausser der Freilegung der Moschee wurden gross angelegte Prunkräume entdeckt, die mit Marmorbelag verkleidet und mit reichen Boden- und Wandmosaiken ausgestattet waren. Es ist ein interessanter Rest der hochentwickelten Arabischen Palastarchitektur der Fürstenhöfe. Obwohl bereits sichere Anhaltspunkte für eine nähere Datierung in einer Bauinschrift und einer datierten Goldmünze aus der Omayadenzeit vorliegen, die in das 8. Jahrhundert n. Chr. weisen, soll eine endgültige Datierung der grandiosen Paiastanlage erst dann gewagt werden, wenn der Palast von den gewaltiger Schuttmassen, die ihn seit Jahrhunderten überlagern, befreit ist. O.B.