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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-24 · 12 (24.3.1938) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
12 (24.3.1938)
Date
1938-03-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12* 24. Marz 1938 C.-V.-Zeftung Se!fe7 'der landwirtschaftlichen Einwanderung für Argentinien tragbar sei. Erst dann könnten verbindliche Erklärungen abgegeben werden. Diese Ausführungen der argentinischen Presse lassen erkennen, dass grundsätzlich in der Oeffentlichkeit eine gewisse Neigung zur Förderung der europäischen Einwanderung besteht, dass endgültige Massnahmen aber einer sorgfältigen Vorbereitung bedürfen, und dass die ungeschriebene Voraussetzung jeder Einwanderung der unbedingte Wille ist, sich dem Lande anzupassen. Siedllingsprobleme in Ostasien Armenreelit für Ausländer in Südamerika Ein nicht unbeträchtlicher Teil derjenigen Auswanderer aus Deutschland, die in einem der Staaten Südamerikas ein neues Leben begonnen haben, hat dort wirtschaftlich sehr zu kämpfen. Manche werden dabei auch in die Lage kommen, als Kläger oder Beklagte die Gerichte in. Anspruch zu nehmen, um Ansprüche irgendwelcher Art durchzusetzen oder sich gegen solche zu wehren. Welche Möglichkeit haben nun diese Einwanderer, die ja in jenen Ländern zunächst Ausländer sind, um die Bewilligung des Armenrechts zu erlangen? Das Prozessverfahren als solches (und es wird hier nur der Zivilprozess behandelt) ist in den einzelnen amerikanischen Ländern naturgemäss verschieden. Die ..Tabellen zum internationalen Recht" (1. Heft: Zivilprozessrecht) von Justizrat Dr. Dr. Magnus geben wertvolle Auskünfte. Argentinien: Das Armenrecht wird Ausländern gewährt, wenn sie ihren Wohnsitz in Argentinien haben. "Bolivien: Armenrecht wird nur gewährt hinsichtlich der Befreiung von der Zahlung der Gerichtsgebühren und der Pflicht zur Einreichung von Gerichtsanträgen auf verstempelten Papieren. Da eine Befreiung von den Gerichtsgebühren nur in ganz besonderen Ausnahmefällen gewährt wird, kann ein Ausländer in Bolivien im allgemeinen nicht mit der Bewilligung des Armenrechts rechnen. Brasilien: Die Erlangung des Armenrechts ist im allgemeinen mit grossen Schwierigkeiter] verbunden und daher die Antragstellung für Ausländer fast ohne praktischen Wert, wenn auch die gesetzliche Regelung des brasilianischen Armenrechts der Regelung in der deutschen Zivilprozessordnung ähnlich ist. Chile: Das Armenrecht wird an Inländer und Ausländer ohne Unterschied gewährt. Kolumbien: Für arme Parteien besteht nur die Möglichkeit der Befreiung von der Benutzung gestempelter Prozessanträge. Eine Möglichkeit der Uebernahme von Anwaltsgebühren durch den Staat besteht nicht. Paraguay: Nach paraguayischem Recht wird das Armenrecht an In- und Ausländer ohne Unterschied beim Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen gewährt. Peru: Hier gilt das für Paraguay Gesagte. Uruguay: Wenn der Antragsteller in Uruguay seinen Wohnsitz hat, findet die Bewilligung des Armenrechts gleichmässig gegenüber Iniändern und Ausländem statt Ma. Go. Die HIAS (Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society) hat in ihrer 54. Zusammenkunft, an der 1500 Delegierte teilgenommen haben, eine Entschliessung gefasst, 250 000 Dollars zu sammeln, um den dringenden Anforderungen von Juden aus Oesterreich und anderen Ländern gerecht werden zu können. Die Entschliessung ersucht England, die Einwanderungsbestimmungen nach Palästina zu erleicb- Bei der Betrachtung von Auswanderungs- und Siedlungsmöglichkeiten für Juden darf kein Land und kein Erdteil unbeachtet bleiben, selbst dann nicht, wenn sich im Augenblick auch noch kaum übersehen lässt, ob diese Gebiete in absehbarer Zukunft für eine jüdische Siedlung kleineren oder grösseren Umfanges in Frage kommen. Wenn wir uns an dieser Stelle (im Anschluss an den in der C.-V.-Zeitung vom 10. März veröffentlichten ersten Bericht über das neue Kaiserreich Mandschukuo) mit Siedlungsproblemen in den weiten Räumen Ostasiens beschäftigen, so geschieht das unter diesen Gesichtspunkten. Dabei sind wir uns der Tatsache voll bewusst, dass in diesem Zeitpunkt keine ernsthaften Grundlagen für eine jüdische Ansiedlung in Ostasien bestehen. Zunächst sind die Landwirtschaftsmethoden und die bäuerliche Lebenshaltung von den europäischen so sehr verschieden, dass an eine Konkurrenzmöglichkeit kaum zu denken ist. Auch eine industrielle Betätigung kann zur Zeit nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen in Frage kommen. Ferner fehlt es beim heutigen Stand an genügenden Rechtsgrundlagen für eine ausländische (nicht chinesische und japanische) Siedlung. Das alles darf uns aber nicht hindern, auch diesen gewaltigen Gebieten unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, um zu sehen, wie dort Siedlungspolitik getrieben wird, und um die Möglichkeiten zu erkennen, die vielleicht später einmal bestehen könnten. Dieostasiatische Siedlungspolitik wird beherrscht von der stark wachsenden Bevölkerungszahl Japans. Im Jahre 1S72 zählte das Inselreich noch 33 Millionen Einwohner. Diese Zahl stieg im Jahre 1935 aui über 69 Millionen und innerhalb eines weiteren Jahres um rund eine weitere Million aui über 70 Millionen Köpfe. Dieser rasche Aufstieg ist nach Ansicht amtlicher japanischer Stellen darauf zurückzuführen, dass sich die Sterblichkeit in den letzten Jahren — wie auch in den meisten europäischen Ländern — günstiger gestaltet hat, dass andererseits aber auch die Geburtenzahl nach orientalischen Mittelwerten steigt. Beide Kurven führen zu der bevölkerungspolitisch wichtigen Erkenntnis, dass zwischen 1960 und 1970 in Japan eine Bevölkerungszahl von SO' Millionen Menschen erreicht werden dürfte. So wird es verständlich, dass Japan — neben einer intensiven Förderung der Landwirtschaft, der Einführung europäischer Methoden im Industriebetrieb und der starken Unterstützung des Aussenhandels — darauf hinwirken muss, sich Gebiete zu erschliessen, die einerseits die Ernährung des Mutterlandes und seine Versorgung mit Rohstoffen sicherstellen, die andererseits Abnehmer industrieller Erzeugnisse sind und die schliesslich dem Heimatland klimatisch nahe kommen, um eine Ansiedlung japanischer Menschen in grösserem Umfange zu ermöglichen. Im Verlauf der letzten 30 Jahre — früher kannte Japan überhaupt keine Auswanderung — ist im Rahmen dieser Politik folgende Entwicklung zu verzeichnen: In Korea leben heute unter 22 Millionen Einwohnern rund 600 000 Japaner. Allerdings haben sich auch sehr viele Koreaner in Japan niedergelassen, so dass fast ein Ausgleich geschaffen wurde. Unter den 5,3 Millionen Einwohnern von Formosa befinden sich rund 270 000 angesiedelte Japaner. Auf dem Gebiet von Sachalin konnte eine verhältnismässig bescheidene Anzahl von Forstleuten und Waldarbeitern angesetzt werden, die siedlungspolitisch aber nur eine geringe Bedeutung haben. Unter den 102 000 Seelen der unter japanischem Mandat stehenden ehemals zum deutschen Kolonialbesitz gehörenden pazifischen Inseln befinden sich nach neuester Zählung ungefähr 40 000 Japaner. In Hawai lebten 1935 etwa 110 000 Japaner. Seit 1924 ist aber eine neue japanische Einwanderung dorthin nicht mehr erfolgt, da sich die einheimische Bevölkerung gegenüber der Ansiedlung von Japanern ablehnend verhalten hat. Nach den Philippinen wandern jährlich etwa 1000 Menschen aus Japan aus. 1935 zählte man dort rund 21500 Japaner. Australien steht einer Einwanderung von Japanern nicht sehr freundlich gegenüber, man hat dort mit bewusster Betonung den Begriff vom „weissen Australien" geprägt. In den Vereinigten Staaten ist die Einwanderung seit 1924 praktisch ganz unmöglich. Dagegen hatte sich Brasilien der japanischen Einwanderung freundlicher gezeigt. 1929 gab es dort erst 15 000 Japaner, im Jahre 1935 aber über 173 000. Die japanische Regierung tut viel, um eine gesunde Auswanderung zu fördern. Der japanische Siediungsbegriff ist dabei von besonderer Prägung. Er will unter allen Umständen den die Heimat verlassenden Japaner mit ihm verbunden sehen und ihn ihr erhalten wissen. So ist es zu verstehen, dass sich Japan schon lange in erster Linie mit dem benachbarten asiatischen Festland als Siedlungsgebiet befasst. Den Ausgangspunkt bildete dabei die Halbinsel Korea. In letzter Zeit traten als wichtige Ergänzung die Verträge hinzu, die Japan mit dem neuentstandenen Kaiserreich Mandschukuo abgeschlossen hat. Es wurde bereits in dem Artikel über Mandschukuo von der engen wirtschaftlichen Verbindung zwischen den beiden Kaiserreichen berichtet. Sie zeigt sich z. B. darin, dass die Grundlage des wirtschaftlichen Fünfjahresplanes in Mandschukuo die Zusammenarbeit mit Japan ist. In diesen Rahmen fällt auch die in den nächsten 20 Jahren beabsichtigte Ansiedlung von rund eine Million japanischer Familien in der Mandschurei. Die Möglichkeiten hierzu ergeben sich daraus, dass von den 35.5 Prozent des Landes, die sich für Ackerbau eignen, bisher erst 15,6 Prozent bebaut wurden. Mehr als die Hälfte des anbaufähigen Bodens bietet also noch Raum für eine landwirtschaftliche Ansiedlung. Das wichtigste landwirtschaftliche Produkt der Mandschurei ist die Sojabohne. 60 Prozent der Welterzeugung werden dort gewonnen. Davon stehen wieder 80 Prozent für den Welthandelt zur Verfügung. Diese Bohne bedeutet durch ihren Eiweissgehalt von 35 bis 38 Prozent und ihren Fettgehalt von 13 bis 21 Prozent fast einen Ersatz für Fleisch und ist darum ein nahrhaftes und billiges Nahrungsmittel. Der Europäer findet dieses pflanzliche Produkt z.B. in einer Anzahl fertig käuflicher Gewürze. Die Zwischenprodukte können ausserdem in vielfältiger Weise in der organischen und Lebensmittelchemie zur Herstellung von allerlei wichtigen Stoffen verwertet werden, so u. a. für Schmieröl, Seifen, Farben, Glycerjn, Lacke, Firnis, Linoleum, Leim und ver- In Bagdad, der Haupt- und Residenzstadt des Kalifen Emir el Mumenin AI Abassi ist er eingefangen von der betäubenden Magie* des Morgenlandes; der Bericht, den er von diesem Kalifen und seinen Palästen niederschreibt, klingt so wunderbar unwahrscheinlich wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Dieser Abassidenfürst, notiert er in sein Reisebuch, ist ein grosser Judenfreund. Viele Juden stehen in seinen Diensten. Er spricht alle Sprachen, ist bewandert in der Lehre Mosis. liest und schreibt hebräisch, ist ein Freund von Gaben und lebt ausschliesslich von dem, was er durch seine Arbeit verdient. Er verfertigt nämlich Matten, die, mit seinem Namen versehen, von Fürsten auf dem Marktplatz feilgeboten und von den Vornehmsten des Reiches gekauft werden. Mit dem Erlös wird sein Haushalt bestritten. ' Und er erzählt von den Juden dort, tausend Familien gibt es da, die, unter dem Schutze dieses grossen Fürsten lebend, sieb sehr glücklich fühlen. An ihrer aller Spitze steht Rabbi Daniel ben Chasdai, Exüarch oder auch „unser iferr" genannt. Er leitet seine Abstammung von König David ab, worüber er ein geschriebenes genealogisches Zeugnis besitzt. Von den Juden v.-ird er Unser Herr Exüarch angeredet, während die Araber ihn Saidna Ibn Daud nennen. Seine Herrschaft erstreckt sich über alle jüdischen Gemeinden, soweit das Zepter des arabischen Oberherrn nur reicht. In farbigen und plastischen Bildern schildert er nun das Leben in diesem Reich, in welchem es den Juden gut geht. Alle mohammedanischen Fürsten, die beim Kalifen ihre Aufwartung machen, müssen stehen: nur dem Exilarchen ist es gestattet, zu sitzen. Alle Gemeinden Babyloniens, Persiens, Sabas, Mesopotamiens, ferner die Gemeinden Sibiriens, Turkestans, eines Teiles von Georgien, schliesslich noch die Geineinden Samarkands. Tibets und Indiens sind seiner Oberhoheit unterstellt. Er hat viele grosse Besitztümer, die, wie Rabbi Benjamin vermerkt, ihm nicht geraubt werden dürfen . . . Sein aus Steuern herrührendes Einkommen ist bescheiden: zweimal hunderttausend Goldstücke wöchentlich . . . Nach einer einundzwanzigtägigen Wüstenreise kommt er zu den Bene Reehab genannten Juden, den Bewohnern Themas. Dort ist der Sitz ihres Oberhauptes, des Fürsten Rabbi Chanan. Sie besitzen grosse und feste Städte, leben frei und ziehen in weite Länder auf Raub aus, und zwar mit ihren Nachbarn, den Arabern, die ihre Bundesgenossen sind. Aber — sie geben den Zehnten ihres Erträgnisses an Gelehrte ab, die die Lehrstube nie verlassen, an Arme und an Asketen, die um Zions und Jerusalems willen trauern. Daneben findet er noch eine ähnliche grosse Stadt, Talmas, mit hunderttausend jüdischen Einwohnern. Von dort nach Chaibar gelangt er in drei Tagen. Es gibt dort fünfzigtausend jüdische Familien. Von Chaibar sagt er, es gäbe dort gelehrte und sehr. tapfere Männer, die Krieg mit den Babyloniern führen und den Bewohnern AI-Jemens, das an Indien grenzt. In Nabar-Samara, an der Grenze Persiens, steht er am Grabe Esras. Er ist hier, als er von Jerusalem zum König Artaxerxes zurückkehrte, gestorben. Vor seinem Grabe hat man eine grosse Synagoge errichtet. Ueberall unter diesem Himmelsstrich gibt es grosse jüdische Siedlungen. In Amadia. im Gebirge Haftan, an Medien grenzend, umfasst die Gemeinde fünfundzwanzigtausend Familien. Als er diese Stadt besuchte, wraren es gerade zehn Jahre her, dass der Pseudomessias David Alrui sich von hier aus gegen den persischen König erhoben hatte. Er berührt aoeh Hamadan in Medien mit fünfzigtausend jüdischen Familien: hier befinden sich die Gräber Mordechais und Esthers. Er kommt nach Ispahan, nach Samarkand und über Aegypten, Italien, Deutschland und Frankreich kehrt er nach siebzehn Jahren an seinen Ausgangspunkt zurück. Eingehend hat Rabbi Benjamin, dieser ungewöhnliche und sehr bedeutende Mann über alles, was er gesehen hat, berichtet Seine grossartigen und bleibenden Aufzeichnungen schliessen mit diesen Sätzen: „So zerstreut ist Israel über alle Länder der Erde. Jeder, der die Wiedervereinigung des Volkes hindert, wird das Gute nicht schauen, die Auferstehung mit Israel nicht feiern ... So wirdder Ewige dein Gott sich deiner erbarmen; aus allen Völkern, unter weiche dich der Ewige dein Gott zerstreut hat, wird er dich wieder sammeln. Amen, Amen. Selah." (Wird fortgesetzt.) schiedenen Medikamente. Ausser der reinen landwirtschaftlichen Betätigung vermögen Waldwirtschaft und Viehzucht vielen Siedlern in der Mandschurei Betätigungsmögiichkeit zu bieten. Besonders bedeutsam sind schliesslich die grossen Mengen Bodenschätze, die das Land birgt, so besonders Kohle, Oelschiefer, Eisen und Magnesit, in kleinerem Umfange auch Gold. Die Kohle kann vielfach im Tagebau gefördert werden, so dass dieser Rohstoff sehr billig ist. Beachtliche Verwendungsmöglichkeiten bietet der Oelschiefer, von dem mehr als 200 Millionen Tonnen ebenfalls im Tagbau gewonnen werden können. Aus dem Oelschiefer gewinnt man u. a Gas, Rohöl, Ammoniak, Schwefelsäure, Kalkstein, Kunststein, Zement, Gasolin, Lampenöl, Schmieröl und Paraffin. Ausserdem finden sich in Mandschukuo gewissen Mengen Steallt, Kalkstein, Schwefel und Steinsalz. In den letzten Jahren ist eine erhebliche Anzahl industrieller Neugründungen in Mandschukuo erfolgt. Von 1932 bis 1933 entstanden bereits 365 grosse Gesellschaften mit einem Durchsehnittskapital von mehr als drei Millionen Jen und mit einem eingezahlten Aktienkapital von insgesamt rund 723 Millionen Jen. Bis August 1936 hat sich diese Summe auf über eine Miiiarde Jen erhöht. Der Hauptteil dieser Neugründungen wurde mit Hilfe des hereinströmenden japanischen Kapitals vorgenommen, das sich im Rahmen der japanischen Ansiedlungspolitik von Jahr zu Jahr vermehrte. Die Soja-Industrie beschäftigt etwa 402 grosse Oelmühleubeiriebe. Günstige Aussiebten werden u. a. auch für die Zeilstoffindustrie gesehen. Die Verkehrsbedxngungen des Landes wurden wesentlich verbessert. Die Gesamtlänge der Eisenbahnen, die 1931 rund 6230 Kilometer betragen hatte, soll im Rahmen des Fünf jahresplanes auf 12 000 Kilometer gebracht werden. Auch das Strassennetz soll einen beachtlichen Ausbau erfahren. Ferner sind etwa 16 regelmässig beflogene Luftlinien in Betrieb. Am 1. Juli 1937 wurde eine direkte Luitverbindung von der Hauptstadt Ksinking nach Tokio eröffnet, die ihr Ziel in neun bis zehn Stunden Flugzeit erreicht. Das Post- und Telegraphenwesen hat gleichfalls einen erheblichen Ausbau erfahren. Neben der Funkstation in Hsinking sind fünf Radiostationen 1937 mit rund 41 200 Hörern (gegen erst rund 5900 im Jahre 1931) vorhanden. Die Handeisflotte Mandsekukuos ist allerdings zunächst noch nicht sehr gross. Sie verfügt über 190 Dampfer mit einer Gesamttonnage von 71623 Tonnen. Die Währung (ursprünglich 1 Juan gleich 23,91 Gramm Silber) wurde später dem Wert des japanischen Jen gleichgesetzt. Der Aussenhandelist unter japanischer Förderung um rund das zehnfache gesteigert worden. Der Gesamtumsatz betrug 1936 etwa 1,3 Milliarden Jen. Der Aussenbandel Mandschukuos wahrt das Prinzip der „Offenen Tür" und entwickelt sich vornehmlich nach den Verträgen, die zwischen Japan und diesem Festlandreich abgeschlossen worden sind. Aus diesen Angaben ist zu ersehen, dass -Japan in dem benachbarten asiatischen Festland* eine sehr grosszügige Ansiedlungspolitik auf landwirtschaftlichem und industriellem Gebiet betreibt, wie sie bisher noch von kaum einem anderen Land, das mit einem Bevölkerungsüberschuss zu rechnen hat, unternommen worden ist. —i— Felix Möscliiin: Ich suche Land m Brasilien. Albrecht Müller Verlag, Zürich/ Leipzig 1938. Eine Kommission Schweizer Sachverständiger hat im Jahre 1936 mit Unterstützung der Schweizer Bundesregierung eine Studienreise in die Südstaaten Brasiliens unternommen, um geeignetes Siedlungsgelände zu suchen. Der Leiter dieser Kommission, Felix M o e s c h 1 i n, legt in tagebuchartigen Notizen eine Reisebeschreibung vor, die — durch ein ausserordentlich zahlreiches und instinktsicher ausgewähltes Bildmaterial unterstützt — sehr interessante und unmittelbar lebendig wirkende Einblicke in die landschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Süd-Brasilien gibt. Das Buch, das sich sowohl von trockener und dozierender Aufzählung von Zahlenreihen, wie «■ von oberflächlicher Reisebeschreibung freibält, vermag gerade durch die gelockerte Form der Darstellung sehr zu interessieren. Den Juden, die als Siedler und Kolonisten eine neue Existenzbasis suchen und ihre Blicke nach Brasilien richten, wird dieses Buch als interessierende Einführung sehr nützlich sein. Für eine eingehendere Beschäftigung mit den Siedlungs- und Wirtschaftsfragen genügt es selbstverständlich nicht Moeschlin, der mit heissem Herzen und geschultem Blick eine neue Lebensbasis für Schweizer Erwerbslose sucht, wird in seinem lebensvollen Optimismus gerade auf die versorgten jüdischen Menschen zukunftsweisend wirken können. f. §. Offene Auslandsstellen Zur Vermittlung genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg. Gesucht werden: 1. für M i 11 e 1 a f r i k a jüdische, ledige landwirtschaftliche Gehilfen und jüdische, ledige Automecbaniker für Dieselmotoren: 2. für gepflegten Yier-Persc-nen-Haushalt in Bulgarien, nicht rituell, zuverlässige jüdische Hausgehilfin, die den Haushalt mit einem Mädchen führen kamt. Bewerberin muss vormittags die Küche versehen und nachmittags sich mit den zwei Kindern im Alter von fünf und zwei Jahren beschäftigen: 3. von Senffabrik in Italien jüdischer Fachmann zur Herstellung von S e n f f r ii c h t. e n , Sardellen- und Anchovispaste, Einlesen von Heringen und Senf. Bewerber soll die Stelle eines Werkmeisters übernehmen. Zu 1—3: Ausführliche Bewerbunger. n \i r auf Luftpostdünnpapier, Zeugnisabschriften," Lebenslauf sowie Passphoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin S\V 63. Lindenstr. 48—50. Bewerbungen auf gewöhnlichem Papier werden nicht mit Luftpost befördert. 4. für Laboratorium nach ü S A (Michigan) jüdischer Biologe, Physiologe oder Pharmazeut für Tierversuche: 5. für das gleiche Laboratorium jüdischer Chemiker für synthetische Aufgaben: 6. von- Laboratorium in Nordamerika jüdischer Biologe für Tierversuche: es kann auch ein Physiologe oder ein Pharmakologe sein; 7. von bakteriologischem Institut'in der Türk e i jüdischer wissenschaftlicher Mitarbeiter mit guter p a r^a s i t o 1 o g i s c h e r Ausbildung: 8 für die gleiche Stelle jüdische Laborant i n. Anstellang zunächst auf ein Jahr. 9. für Hospital in P e r s i e n jüdische Schwester für Operation, innere und Infektionskrankheiten: ferner jüdische technische Artist e n t i n. Bedingungen sehr gut. Reisekostenvergütong, jährlich einen Monat Ur'aub mit Gehalt, dreijähriger Vertrag. Za 4—9: Lebenslauf auf Luftpostpapier in dreifacher Ausführung in englischer Sprache, dazu Zeugnisabschriften und Referenzen sowie Lichtbild werden durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW SS, Lindenstr. 48—50, weitergeleitet.

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