Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1938-03-24 · 12 (24.3.1938) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
12 (24.3.1938)
Date
1938-03-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-2278191-2278200--12683-2291546
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Beilage der C-V.-Zeitung Nr. 12 * 2. Beiblatt 24. Mörz 1938 Mitteilungen aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschfand Zwei Briefe aus Johannesburg Neue Heimat Johannesburg, im Februar J938. Liebe C.-V^Zeitung! Ihr Chefredakteur fragte mich vor einigen Monaten an, warum ich so schweigsam geworden sei, und Warum ich nicht wieder einmal einen Artikel verbreche, wie es hier um uns aussehe. Es ist so schwer, alles, was hier Um und in uns vorgeht, in Worte und Formeln zu fassen. Es ist sicher besser, den Mund zu halten und nicht Ansichten und Empfindungen zu produzieren, die noch nicht zu einer Klarheit erwachsen sind. Sie fragen um meine Ansicht über Südafrika: Das Land ist gross, jung und entwicklungsfähig. Die Menschen hier sind fair. Sie geben jedem eine Chance. Wohl dem, der die Chance zu nutzen Weiss. Das Land isi gut. Manchmal denke ich, es könnte eine Heimat werden*) Jeden Morgen zieht ein Strom von Menschen von den kleinbürgerlichen Wohnvierteln zu den Bürohäusern, Läden und Fabriken der City. Es sind kleine Leute, die ihren Weg zur Arbeit gehen, denn geldliche Bewegungsfreiheit führt hier unweigerlich zum eigenen Verkehrsmittel. Kleine Leute, die die Pennies für „tram" und ,.bus" sparen wollen und müssen. Sie haben sich in den Wohngegenden rings um die City angesiedelt, in „Walking distanee", ein etwas ausrangiertes Terrain, von den Wohlhabenden seit Jahren verlassen und nun zum Teil neuerbaut für die vielen, die hier aufbauen wollen und rechnen müssen. Ein eigenartiges Gebilde, dieses Bündel von alten Strassen. Vor 30 Jahren wohnten hier die Grossen unter den Pionieren sie erbauten Ihre Paläste, zweistöckig, ein unerhörter Luxus, mit grossen Veranden und hölzernen Baikonen und verliessen ihre Schöpfung, als bessere Wege ermöglichten, die entfernteren und landschaftlich schöneren Teile der Umgebung zu besiedeln. Der Stadtteil schlief und wie die Dornenhecke das Königsscbloss, so überwucherten Armeleutehäuschen die stolze Vorstadt. Die Riesenhäuser wurden geteilt, ihre Fassaden bröckelten ab, die Spekulanten wussten, dass hier wenig mehr zu holen sei und kein Teilchen des Goldstromes floss mehr hierher. Aber zwischen den alten und sehr verkommenen Aristokratenhäusern und den kleinen Proletarierhütten erstanden in den letzten Jahren wieder einige grosse Miethäuser, um die neuen Siedler aufzunehmen, um einen Kom- *) Vergleiche dazu den Leitaufsatz dieser Nummer. promiss zu schaffen zwischen der Notwendigkeit billiger Wohnung und dem Wunsch nach Komfort. Hier lebt ein grosser Teil der Einwanderer aus Deutschland, von hier zieht der Strom werktätiger Menschen zur City, zur Arbeit. Hier bildet sich etwas wie ein neues Heini, ein neues, eigenes Milieu. Notwendigkeit hat die Konglomeration ergeben, aus der Not wird Zweck. Die älteren Leute, denen die ungewohnte Sprache immer schwer fallen wird, die vielen, die in fremder Umgebung nicht leicht Anschluss finden, alle, denen die hohen Unkosten eines gesellschaftlichen Lebens hier unerschwinglich sind, sie finden ihren Kreis. s;e treffen Menschen, die im gleichen und harten Lebenskampf stehen, die kein Hehl daraus machen, dass sie arm sind, die Verständnis haben für die so gemeinsamen Sorgen und ~Ber strebungen. die notfalls auch einspringen für einander. Gewiss, die Absonderung ist von Uebel, wir alle wollen uns angleichen, an den starken, neuen Menschenschlag Südafrikas, aber die Angleichung ist schwer, für manche ist es zu dieser Generalumstellung zu schwer und zu spät, es dauert lange und bedarf langer Zeit. In dieser Uebergangszeit wären wir einsam ohne einander. Wir schufen uns ein kleines Reservat, das einen Teil unseres Lebens umzirkelt und das uns aufnimmt, wenn wir Anlehnung brauchen. Aber nur ein Teil unseres Seins lebt hier, wir gehen zur Stadt, zur Arbeit und automatisch treten wir in das neue Milieu, das unsere Berufstätigkeit beherrscht. Ich lebe in einem der grossen neuen Mietshäuser, jeder Morgen führt mich ein Stück Wegs mit einem oder dem arideren aus der Gemeinschaft. Dann aber teilt sich der Strom, der einzelne sucht seinen Platz auf und mit dieser Losiösung verbindet sieb die Eingliederung in eine andere Sphäre. Aber auch diese Sphäre kann beglückend sein. Gerade das Gefühl, auch hier und besonders hier dazu zu gehören, als selbstver-. ständlich dazugehörig empfunden zu werden, und sich zu empfinden, ist ein wunderbarer Halt. Der Betrieb, in dem ich arbeite, liegt mehr im Bezirk des Handwerks und der Kleinindustrie, die Gegend ist persönlicher als die . Büropaläste, ich sehe täglich auf meinem Weg zur Arbeit die gleichen Leute, man begrüsst mich, unterhält sich hie und da, tauscht ein paar Worte über Geschäft, Wetter, Rennen, Börsenlage usw. usw. Vielleicht ist das alles für mich so wesentlich, weil ich aus der kleinen Stadt komme, wo man sich ebenfalls kannte und täglich begrüsste, wo sich die Nachbarschaft irgendwie zusammengehörig empfand, wo es so selbstverständlich war, dass man eben da war und dazu gehörte. Es ist schwer zu sagen, wie derartige Gefühle fundiert sind. Aber wenn der dicke Schneider unter seiner Tür steht und mir sein „Hallo" zuruft oder der schweigsame Klempner von gegenüber zunickt oder der shopkeeper seine stereotype Morgenfrage: „Well, how is it., my boy" an mich richtet, dann berührt mich das so eigenartig. Mag es noch so trügerisch sein, hier, im engsten Kreis der Nachbarn und Berufskollegen, bildet sich etwas, das uns ein Heimatgefühl gibt. Genau so wie ich es als selbstverständlich empfinde, dass der Schneider unter seiner Tür steht und eben da ist, wird er und die anderen ringsum es doch auch eines Tages als selbstverständlich ansehen, dass ich da bin, dass ich jeden Morgen einen Gruss mit ihm tausche, dass ich hier arbeite und lebe, und dass ich eben hier bin und hierher gehöre. Die Arbeit beginnt. Die Schwarzen begrüssen mich: ,,Good morning, boss!" Mit ihnen ist es am leichtesten. Ich bin ein Weisser und daher ein boss, für sie ist mein Hiersein kein Problem, sondern eine Tatsache, sie verlangen, gerecht und fair behandelt zu werden und stellen keine Ueberiegungen an. warum ich nun hier bin und ob ich hierher gehöre oder nicht. Diese Primitivität spart ihnen und uns manches Kopfzerbrechen. Aehnliches gilt wohl von den weissen Mitarbeitern. Wir arbeiten zusammen, wir haben das gleiche Interesse, den gleichen Brotkorb, die gleichen Sorgen. Man sieht sich täglich, man Malerarbeiten / David Friedmann Berlin W 15, Paderborner Str. 9. 97 25 65. wird Gewohnheit, und aus Gewohnheit bildet sich Gemeinschaft. Da ist der alte Vorarbeiter, sein Platz ist neben dem meinen. Seit zwei Jahren sitzen wir nun nebeneinander, wir wissen es nicht mehr anders, und wenn ich sein altes und selten rasiertes Gesicht nicht sehe, sobald ich den Werkraum betrete, dann fehlt mir etwas und ich nehme an, dass das umgekehrt ebenso ist. Hier liegt ein weiterer Wurzelpunkt unseres Seins, eine weitere Quelle unserer Verbundenheit, die Arbeitsgemeinschaft, der wir uns einzugliedern haben, der Arbeitsplatz, den wir ausfüllen, das Bewusstsein des Eingegliedertseins und Dazugehörens in dem grossen Mysterium des Werkverbandes. Es liegt eine wunderbare Weisheit in dem Wort des Propheten, der den Juden im babylonischen Exil zuruft, sie sollten Hütten bauen und den Boden beackern in dem neuen Lande, in das sie Gott geführt hat. Eine Heimat muss erarbeitet werden und in unserer Arbeit erwächst uns die moralische Kraft, Wurzel zu schlagen im neuen Land zu einem neuen Sein für uns und die nach uns. - Rudi Wertheimer Der andere Alltag Es ist wohl nicht statthaft, einen Schlusssate . von der vorhergegangenen Langen Gedankea.- ketie loszulösen und sich von hier aus wie von einer Insel, in die von ihm ausgelösten Gefühle zu stürzen, die ihre Logik den Damm heraufdrücken, weil sie Gefühle auch bleiben. Man dürfte Schlusssätzen überhaupt nichts nachsagen, besonders dann, wenn sie gut und gescheit eine geordnete Idee zusammenfassen und beenden, jenes aber stotternd gedacht, echraerz- Polsterwaren Eigene Werkst. Umarbeitung lojda Weissensee. Berliner Allee 255' 56 3858 lieh gefühlt und nur nebenbei in dämmernden Augenblicken geflüstert werden kann. Aber trotz ^diesen Einsichten und Bedenken soll diesmal das Wagnis unternommen werden, weil der Satz, um den es sich handelt, vielleicht der Grund zu einer Erklärung sein kann, die ich im Namen aller jener Ausgewanderten abgeben möchte, die weder in menschlicher, noch in beruflicher Hinsicht etwas Aussergewöhnliches vorstellen, die nichts anderes als den Durchschnitt von Alltagsmenschen repräsentieren, von denen man nie spräche, wenn ihnen nicht das grosse politische Schicksal, auswandern zu müssen, auf die Schultern geladen worden wäre. Von uns Ausgewanderten nun, bescheiden in dem Ausmass unserer persönlichen Werte, l«bt bei den in Deutschland lebenden Juden eine Vorstellung, die uns. da wir sie bisher nur verschwommen ahnten, bedrückt und beunruhigt hat, jetzt aber, als sie uns in einem einzigen Salz deutlich gemacht wurde, uns verlegen macht und uns beschämt. Ein Leitartikel in der „C-V.-Zeitung-' endet mit diesem Satz: „Wir haben von den Mensche», - die den Weg in neue Länder nehmen, die Vorstellung, dass sie nicht hinausgehen, um zu wandern, sondern um anzukommen, — dass sie dort Wurzel schlagen und ein menschlich und jüdisch erfülltes Leben aufbauen sollen, in dem alles das, worauf jüdische Kraft und jüdische Beharrung beruht, ihren Platz und ihre Pflege hat.- Ich will uus auseueu und uns prüfen, welche Wurzeln wir geschlagen haben und wie reich unser Leben, das wir neu begonnen haben, erfüllt ist. Vorher aber muss ich uns vorstellen, wer und was wir sind, damit es zu keinen Missverständnissen führt und zu keinen Verallgemeinerungen. Wir waren kaufmännische Angestellte uad Juristen in Deutschland, hier vertreten wir eine oder mehrere Firmen. Wir brauchen hier zu diesem Beruf ein Auto und haben schwer an den monatlichen Abzahlungen, an Benzin-, R-e- Jüdiscfae Kundschafter Von Micha Michalowitz II. Die Reisen Benjamins von TudeJa Es bat den Anschein, dass die Juden in ►Spanien in den ersten Jahrhunderten der nachchristlichen Zeitrechnung ein friedvolles und verhältnismässig ruhiges Leben führten. Die Geschichte weiss jedenfalls nichts Gegenteiliges über diese Zeit auszusagen. Mit dem Beginn des 7. Jahrhunderts setzen Verfolgungen ein, denen erst die völlige und restlose Vertreibung der Juden aus diesem Lande, 1492, dann d3s katastrophale Ende setzt. Im Jahre 612 — die Westgoten sind in jener Zeit die Beherrscher der spanischen Halbinsel — saust das Judenschicksal hier zum erstenmal auf sie nieder: ein königliche«; Edikt befiehlt allen Juden des Landes Auswanderung oder Taufe. Die stark genug waren, verliessen das westgotiscb« Gebiet Zwar durften sie in den darauffolgenden zwanzig Jahren wieder in ihre Heimat zurückkehren, aber schon 638 wurden sie gezwungen, sie wieder zu verlassen. Auch die zwangsweise Getauften mussten zum zweiten Mal ihren Glauben abschwören und ein Bekenntnis unterschreiben, wonach sie sich verpflichteten, den katholischen Glauben vorbehältlos za halten und zu beobachten. Vier Jahre darauf aber erlaubte ein anseheinend milder regierender westgotischer König, C h i n d a s - w i n d, den Getauften und den Verbannten, in ihren alten Glauben und in ibr Vaterland zurückzukehren. Und nun haben sie ein halbes Jahrhundert Ruhe. Sie atmen auf, kommen langsam wieder zu Kräften. Aber schon im Jahre 694 trifft sie ein neuer Schicksalsschlag: durch ein Edikt des Königs E g i c a werden sämtliche Juden Spaniens zu Sklaven erklärt. Dieses Elend dauert fünfzehn Jahre, ~- bis um das Jahr 711 die ans Afrika vordringenden Araber diesem Zustand ein Ende bereiten. Südspanien, Andalusien wird von den siegenden Arabern erobert; sie geben den Juden ihre volle Religionsfreiheit zurück- An den Stätten, wo sie früher am heftigsten bedrückt worden waren, entstehen Gemeinden von blühender und weithin leuchtender Grösse. Und nun folgen drei Jahrhunderte glanzvoller Entwicklung. Aber zu Beginn des 11. Jahrhunderts rast über die Plätze und die Strassen Cordovas der Bürgerkrieg. Der Berberfürst Sulaiman zerstört die Stadt und macht die reichsten Familien zu Bettlern. Ein neuer Exodus entsteht. In Granada, Toledo. Saragossa lassen die Ausgewanderten sich nieder. Nach fünfzig Jahren veranstalten nun die Muselmanen, diesmal in Granada. eine Judenverfolgung grossen Stils. Fünfzehnhundert jüdische Familien sind Todesopfer. Um die Mitte des zwölften Jahrhunderts fällt Südspanien, mit Ausnahme von Granada, in die Hände der Almohaden, und das bedeutet für die Juden das Ende jeder Lebensmöglichkeit. Viele retten sich durch Scheinübertritte zum Islam, die meisten aber wandern nach dem nördlichen, nach dem christlichen Teil Spaniens ans. Fünfzehn Jahre später trifft die Juden Granadas das gleiche Los. Die Chronik verzeichnet um diese Zeit ein Anwachsen der Gemeinde der kastilianischen Hauptstadt Toledo auf über zwölf tausend Familien. Ihrer Häupter bemächtigte sich eine bange Sorge. Wenn die Verfolgungen, die in anderen Ländern tobten, nun auch wieder zu ihnen hinübergrjften, wo gab es dann eine neue Heimat, für sie? Die Juden Toledos begannen eine Massenauswanderung zu planen. Sie wussten, irgendwo in Arabien lebten viele Juden in grosser Unabhängigkeit, und so hatten sie, die hier Bedrohten, den begreiflichen Wunsch, zu erfahren, ob man bereit war, sie dort aufzunehmen, und ob überhaupt grössere Siedlungsmöglichkeiten dort vorbanden wären. Macht sich der Mitlebende eines technischen Zeitalters überhaupt eine auch nur ungefähre Vorstellung davon, was das damals alles hiess und bedeutete? Sich in einem umfangreichen Briefwechsel zu verständigen, wäre ein völlig sinnloses Beginnen gewesen, und so entschloss man sich, einen Kundschafter auszurüsten und ihn in die fernen Länder zu entsenden. Denn nicht nur das Ziel war zu erkunden, sondern auch der Weg, auf welchem der Auswandererzug sich zu bewegen haben würde, um nicht in Regellosigkeit umherzuirren. Die Wahl fiel auf Rabbi Benjamin aus Tudela, einer Stadt im damaligen Königreich Navarra. Er hatte den Ruf eines Weltweisen und er war überdies ein Mann von Energie und Zähigkeit: er verfügte über umfangreiche Sprachkenntnisse, das Arabische war ihm geläufig, und er war zudem talmudisch sehr gebildet, was damals von grosser Wichtigkeit war. Rabbi Benjamin hat die ihm gestellte Aufgabe mit allem Glanz gelöst — wenngleich auch der Auswanderungsplan nicht verwirklicht worden ist. Der Grund, warum er nicht zustande kam. ist nicht mehr zu ermitteln. Mit dem ..Reisebuch" aber, mit diesem ..Sefer h a 1M a s s a o t'" des Benjamin von Tudela hat die Judenheit Spaniens der Nachwelt ein geschichtliches Dokument von unschätzbarem Wert hinterlassen, das für das Wissen um die gesamte jüdische Diaspora des 12. Jahrhunderts grundlegend geblieben ist. Nach Ansicht Dubnows vernehmen wir hier zum ersten Male von einem Augenzeugen Nachrichten über die in vielen europäischen, asiatischen und afrikanischen Ländern bestehenden jüdischen Gemeinden, über ihre Mitgliederzahl, über ihre Vorstände und Einrichtungen. Diese Reiseschilderungen hätten, so meint der Historiker Dubnow, "viele Ereignisse der jüdischen Geschichte vor der Vergessenheit gerettet, die sich in den von den damaligen Chronisten ganz mit Schweigen übergangenen Ländern: in Italien, Byzanz, Palästina, Syrien und Mesopotamien abgespielt haben. 1165 trat der unternehmende Mann seine märchenhaft weite und beschwerliche Fahrt an. Von Saragossa aus bereiste er über Katalonien, die Provence, d.h. also Südfrankreich, Italien, Griechenland, den Archipelagon, Rhodos, Cypern und Cilizien. Syrien, Palästina, Mesopotamien, das Kbalifat. Medien Persien, Arabien, einen Teil von Ostindien und Nordafrika. 1172 kehrte er zurück. Er ist also siebzehn Jahre unterwegs gewesen. Die Liste dieser Länder ergibt ein nahezu vollständiges Verzeichnis der damals bekannten Welt. Tibet hat Rabbi Benjamin zwar nicht berührt, auch das damalige China nicht; aber er hat sich von zuverlässigen Gewährsleuten über diese Länder berichten lassen und er hat das, was er erfahren konnte, in sein Reisebuch eingetragen. Dieses Reisebuch ist fast drei Jahrhunderte später in Konstantinopel in hebräischer Sprache erstmalig erschienen. Es beginnt mit diesen Sätzen: „Rabbi Benjamin, Sohn Rabbi Jonas s. A. sprach: Zunächst begab ich mich nach Saragossa, von da ging ich den Ehro entlang nach Tortosa. Von hier in zwei Tagen nach Tarragona, eine alte Stadl, von den Peiasgern erbaut, die ihresgleichen in ganz Spanien nicht hat. Sie liegt am Meere; zwei Tagereisen von dort liegt die Stadt Barcelona; i» der heiligen Gemeinde daselbst gibt es gelehrte, weise und sehr vornehme Mahner"» und er nennt ihre Namen. In jeder Stadt, die er fortan besucht« geht er zu den Führern der Gemeinde, zu ihren Rabbinern, und lässt sich von ihnen über das Leben der Juden berichten, Es ist das einzige, was ihn wirklich interessiert. Und es ist auch der einzige Zweck seines abenteuerlichen Unternehmens. Er sieht die Landschaft kaum, die Flüsse, die Wälder, denn er ist ein Mensch des Mittelalters: er sieht nur die Menschen weit und in ihr nur die Juden, die andern nur in ihren Beziehungen zu ihnen. Er hat Spanien nun verlassen, er ist in Südfrankreich. Von der nahe am Meer gelegenen Handelsstadt Montpellier notiert er, es kämen sehr viele Kaufleute dorthin, Christen sowohl wie Türken, aus Portugal, der Lombardei, aus dem grossen römischen Reich, aus Aegypten, Palästina, Griechenland, Frankreich, Spanien und England. Die Zungen aller Völker seien dori vertreten durch die Genueser und Pisaner. Und nun zählt er die Namen grosser und berühmter jüdischer Gelehrter auf, die dort wohnen. - Er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.