Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 11 (17.3.1938)
- Date
- 1938-03-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 4 Beiblatt Palästma-Ümsclraii der C.-V.-Zeitiiiii U.März 1938 Sir Harolds Programmrede und ihr Echo Voss unserem ^-Palästina-Berichterstatter an der Nordgrenze kam es zu einem Gefecht, zwischen Militär und Arabern, die versuchten, nach dem Süden durchzudringen. Ein Araber •wurde getötet. Die Truppen sind auf dem Kampfplatz verblieben. Auf Informationen von Mustapha Alhindi, der des Mordes an Abraham Goldschlag e r, des Mitbegründers der Siedlung Mischmar Haemek, geständig ist. durchstreiften Polizisten und Truppen ein weites Gebiet im Norden des Landes und verhafteten vier bewaffnete Araber. Ein Araber, der während der Gefechte bei Djenin gefangen genommen wurde, wurde von? Militärgericht in" Haifa wegen Waffentragens zum Tode verurteilt. Te!-Aviv. den 11. März. Die Hundfunkansprache, die der neue High Commissioner Sir Harold Mac Michael am Tage nach seiner Ankunft in Palästina gehalten hat, ist wie die hiesige Presse feststellt, die ausführlichste Programmerklärung, die je ein High Commissioner bei seinem Amtsantritt abgegeben hat. Trotz wiederholter Betonung seiner noch unvollständigen Kenntnis von Land und Leuten berührte Sir Harold in klaren, energischen- und eindrucksvollen Worten eine Reihe von Kernproblemen und löste damit eine Diskussion aus, in der alle Gruppen der Bevölkerung ihre Meinungen mit grösserer Deutlichkeit und grösserem Nachdruck aussprechen, als es in den letzten Monaten der politischen Stagnation .geschehen ist. Vielleicht war auch eine solche Reaktion von Mac Michael beabsichtigt, und jedenfalls hat er auf diese.Weise reiches Material bekommen, um seine Kenntnisse von den Problemen des Landes und den Anschauungen seiner Bewohner zu vervollständigen. Der Unterschied zwischen dieser ersten öffentlichen Aeusserung des neuen Mannes und den verschiedenen Reden seines Vorgängers, Sir Arthur Wauchope, war deutlich. Wauchope bevorzugte bei seinen Rundfunkansprachen, in denen er nicht zueinem bestimmten Kreia oder über ein bestimmtes Problem sprach, schlichte, manchmal vielleicht gar zu schlichte Worte und appellierte weniger an die politische Ueberlegung als an das einfache menschliche Empfinden; unverkennbar aber war stets ein warmer Unterton starker Gemeindeabend aus Anlass der Anwesenheit von Dr. Artönr Rappin, Jerusalem, Leiter der Zentralstelle für die Ansiedjung von Juden ans Deutschland in Palästina. Montag, den 21. März, 20,30 Uhr Synagoge Prinzregentenstrasse Es sprechen: Direktor Heinrich Stahl Rabbiner Dr. Leo Baeck Dr. Arthur Ruppin: Unser Palästina, von Aufbau, Kampf u. Zukunft Dr. Michael Traub: Bericht aber die jüngste palästinapolitische Entwicklung Verstand der UUdischen Gemeinde Berlin Sewish Asency for Palest ne Vertrautheit und Verbundenheit mit den Problemen Palästinas und den Sorgen der Palästinenser- Sir Harolds Erklärung war genauer und ging mehr in die Einzelheiten. Sie erweckte den Eindruck einer zielbewussten Persönlichkeit mit scharf umrissenen Anschauungen, verbarg aber nicht eine gewisse Fremdheit und Distanziertheit. In einem Punkte aber knüpfte er ganz unmittelbar an seinen Vorgänger an. Sir Wauchope» letztes Wort in seiner Abschiedsrede an Palästina war „England", und als er geschlossen hatte, erklang im Rundfunk die britische Königshymne. Sir Harolds Antrittsrede war beherrscht von einem britischen „Empire-Patriotismus", wie man ihn mit solchem Nachdruck und von so offizieller Stelle in letzter Zeit kaum gehört hat. Er warnte mit deutlichen Worten die Politiker innerhalb und ausserhalb Palästinas vor einer Unterschätzung der britischen Macht und des britischen Willens zur Selbstbehauptung und erinnerte Juden und Araber daran, dass sie all ihre Errungenschaften im Nahen Osten England zu verdanken hätten und dass sie ohne England auch das Erreichte nicht würden behaupten können. Einmütig begrüsst wird das Versprechen des neuen High Commissioners. dass er die Wiederherstellung der Sicherheit und des gesetzmässigen Zustandes als seine vornehmste Pflicht , betrachten wolle und allen Volkskreisen, die ihn darin unterstützten, sowie namentlich den militärischen und zivilen Behörden Schutz und Hilfe angedeihen zu lassen. Der „Dawar" hofft, dass es Sir Harold gelingen werde, dieses Versprechen in die Tat umzusetzen und erinnert daran, wieviel Juden, Araber und Engländer ihr Eintreten für Ordnung und Frieden, eben wegen ungenügenden Schutzes. durch die Behörden, mit dem Leben bezahlen mussten. Der „Haboker" frischt eine historische Reminiszenz auf: Von den fünf High Commissioners, die Palästina bisher verwaltet haben, hätten vier in ihrer Antrittsrede das gleiche Versprechen gegeben. Alle vier aber mussten während ihrer Amtszeit Störungen der Ruhe und Ordnung erleben. Nur einer gab überhaupt keine Programmerklärung ab, Feldmarßchall Lord Plumer, und unter ihm herrschte ununterbrochener Friede im Land. Die „Palest i n e Post" begrüsst den Geist der Unparteilichkeit in der Rede Sir Harolds. Man dürfe aber, gerade im Interesse der Befriedung des Landes, die harte Wirklichkeit nicht übersehen und die Unparteilichkeit in formalistischer Auslegung so weit treiben, dass man den Unterschied zwischen' Angreifer und Angegriffenem, zerstörenden und aufbauenden Elementen verwische. Sir Harolds Hinweis, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebe und auch die Geschichte Palästinas nicht nur von den Gesetzen des wirtschaftlichen Fortschritts beherrscht werde, gab natürlich Anlass zu besonders lebhaften Pressekommentaren. Wohl bei jedem Zuhörer erweckten sie die Association: Politisches oder wirtschaftliches Maximum der Aufnahmefähigkeit und der Einwanderung. Der bürgerlich-fortschrittliche ,, H a a r e z " wies darauf bin, dass nicht auf unseren Wunsch das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit geschaffen worden sei, dass wir vielmehr, nach dem politischen Grundgedanken des Mandats, grundsätzlich freie Einwanderung forderten. Der bürgerlich-konservative „Haboker" erklärt, dass wohl keine Gruppe der jüdischen Bevölkerung in ihrem schweren Aufbauwerk aus materialistischen Erwägungen ihren Auftrieb empfangen habe, sondern aus geistigen Idealen. Umgekehrt aber sei wirtschaftliche Förderung das technische Mittel, mit dem die Mandatsregierung ihre Pflicht zur Verwirklichung des Nationalheims erfüllen könne. Uebrigens habe nicht der Terror die wirtschaftliche Arbeit behindert — selbst die akute Lebensgefahr habe keinen Juden von seinem Tagewerk abgehalten — sondern vielmehr die Tatsache, dass offenbar unter dem Eindruck des Terrors die Politik der Mandatarmacht ins Schwanken geraten und dadurch die Zukunft des Landes so unsicher geworden sei. Das Blatt der Arbeiterschaft, der „Dawar" erklärt, dass dieselben Pioniere, die hier neue Quellen erbohrt, neues Land urbar gemacht und neue Industrien geschaffen haben, auch auf geistige Leistungen und Kulturtaten grossen Massstabes hinweisen könnten und dass ihre wirtschaftliche Arbeit Dienst an geistigen Aufgaben gewesen sei. Die englisch-jüdische „ Palest inePost" schliesslich betont, dass dieses Land noch nicht einen solchen Grad der wirtschaftlichen Sättigung erreicht habe, dass die Regierung sich auf Verwaltung der vorhandenen Güter beschränken könnte. Vielmehr müssten Wachstum und Entwicklung auch auf wirtschaftlichem Gebiet aktiv gefördert werden, wenn Palästina nicht in die Stagnation der früheren Jahrhunderte zurückfallen solle. Die arabische Zeitung „A Diifaa" dagegen findet gerade in diesem Punkte Sir Harolds Ausführungen als berechtigt" und erblickt darin eine Entkräftung., des Arguments, dass Palästina durch die jüdische Einwanderung einen wirtschaftlichen Aufschwung genommen habe. Mit Bedauern nimmt das Blatt dagegen - die Mitteilung des High Commissioners zur Kenntnis, dass die grossen Richtlinien der Politik in London, festgelegt würden; London habe für Palästina noch niemals dasselbe Wohlwollen aufgebracht wie etwa für Irak oder Aegypten. Interessant ist, dass auch Zeitungen, die sonst dem Plan eines Judenstaates im geteilten Palästina sympathisch gegenüberstehen, gegen die Bemerkung Sir Harolds polemisieren, dass auf der bestehenden Basis eine Befriedung nicht möglich sei. Die Durchführung des alten Mandats sei noch nicht konsequent genug versucht worden, um ein solches Urteil zu rechtfertigen. Die Unruhen Am Tage nach der Ankunft des neuen High Commissioners fand, wiederum in der Umgebung von Djenin, eine der blutigsten Schlachten seit Ausbruch der Unruhen statt. Die . Kämpfe, bei denen auch auf englischer Seite ein Todesopfer und mehrere Verwundete 7.u beklagen waren, endeten mit ungewöhnlich schweren Verlusten der Araber — allein fünfzig Gefallene — und der Einbringung von zahlreichen Gefangenen. Es wurden Vermutungen geäussert, dass man auf arabischer Seite, zum Amtsantritt Sir Harolds, die Macht der Terroristen habe demonstrieren wollen und dass gerade deshalb, als eine Art von Gegendemonstration, mit so besonderem Nachdruck die überlegenen Machtmittel der Staatsautorität eingesetzt worden seien. Auch in einigen anderen, kleineren, Zusammenstossen wurde diesmal mit verstärkter Energie durchgegriffen, und bei einem Ueberfall auf eine der neuen Kolonien im Bezirk von Bet Schean schlug eine Kwazap des Po'el Misrachi aus eigener Kraft den Ueberfall einer grösseren arabischen Bande ab, wobei die Angreifer vier Gefallene zurücklassen mussten. Am 10. März morgens wurde in der Gegend von Saied und Akko eine grosse Anzahl Truppen konzentriert. Diese Massnahme dient anscheinend dazu, Terroristenbanden aufzufinden, die für Schiessereien und Sabotageakte in den letzten Tagen verantwortlich sind. In der Nähe von Haifa kam es zu einem schweren Zusammenstoss zwischen Militär und einer grossen Araberbande, bei der ein Engländer getötet wurde. Auf arabischer" Seite sind gleichfalls Verluste zu verzeichnen. Auch Die Londoner Tagungen Das Aktionskomitee Nach einem Begrüssungsempfang wurde die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees am 9. März in London eröffnet. Es waren ausser den Mitgliedern der Exekutive der Jewish Agency etwa 70 Teilnehmer anwesend. Der Vorsitzende des Aktionskomitees, Ussiscbkin, eröffnete die erste Sitzung im Gedenken an die in Palästina gefallenen Opfer der Unruhen sowie an die führenden Persönlichkeiten, die die zionistische Bewegung seit der letzten Sitzung durch den Tod verloren hat: Professor Otto Warburg, Dr. Lurie und Dr. Feiwel. Auch des nichtzionistischen Mitarbeiters am Palästinawerk, Felix Warburg, wurde dankbar gedacht. Weizmann über die politische Lage Chaim Weizmann gab sodann einen umfassenden üeberblick über die politische Lage, wie sie sich seit dem letzten Kongress entwickelt habe. Er stellte fest, dass sich in Londoner politischen Kreisen seit dem vergangenen November, in dem er London verlassen habe, um sich nach Palästina zu begeben, ein markanter Wechsel vollzogen habe. Während damals sein Eindruck dahin ging, dass die Regierung den Plan einer Teilung Palästinas energisch %rerfolge, und dass sie beabsichtige, auf Grund der Erhebungen der baldigst zu entsendenden Technischen Kommission bis Marz einen vollständigen Plan auszuarbeiten, der dann im Mai der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes werde vorgelegt werden können, habe sich jetzt die Sachlage völlig verändert. Dieser Wechsel der Lage sei seiner Meinung nach auf die mobilisierte Feindschaft gegen den Zionismus zurückzuführen. Weizmann habe nun seine Aufgabe in London darin gesehen, über diese antizionistische Propaganda aufzuklären, die nicht nur von arabischen Kreisen, sondern auch von gewissen jüdischen Kreisen ausgehe. Er betonte, dass er die Lage zwrar für schwierig halte, dass aber ein Grund zu Pessimismus nicht vorhanden sei. Aussprache In der Diskussion hob zunächst Rabbi Meir Berlin (Misrachi) noch einmal den Stimmungswechsel Weizmanns in bezug auf die Politik Grossbritanniens hervor und erklärte dann für sich und seine Freunde, dass er der Teilung weiter ablehnend gegenüberstehe. Angesichts der gegenwärtigen Lage halte er es sogar für .die Teilungsfreuind.e für ratsam, sich für die Aufrechterhaltung des Mandates einzusetzen. Kurt Blumenfeld kritisierte die unzulänglichen politischen Informationen der letzten Monate und setzte eich dafür ein. dass eine definitive Entscheidung gefasst werde, die die politische Führung in die Lage versetzte, tatkräftig und wirkungsvoll vorzugehen. Als letzter Redner dieser Sitzung erklärte A. G okdb erg, dass seiner Ansicht nach die grosse Mehrheit der amerikanischen Juden für den Teilungsplan sei, wenn auch weite Schichten ihn ablehnen. Das Aktionskomitee müsse Weizmann seine volle Unterstützung zusagen. Unmittelbar vor Sehluss der-Sitzung bemerkte Weizmann in einem Zwischenruf, dass er der britischen Regierung gegenüber erklärt habe, das Mandat sei nicht undurchführbar, aber die Regierung habe es undurchführbar gemacht. Der Teilungsplan sei in der vorliegenden Form unmöglich, die Juden, aber seien bereit, ihn als Verhandlungsbasis und Ausgangspunkt für Verbesserungen zu akzeptieren. Die Aussprache wurde in einer zweiten Sitzung am 9. März, abends, fortgesetzt. Rabbi Gold (Misrachi) setzte sich dafür ein, die öffentliche Meinung für die Durchführung des Mandates zu gewinnen. Remez (Poale Zion) wandte sich gegen weitere Erörterungen über die Teilungsfrage', die zur Zeit nicht weiter führen könnten. Schwarzbart (Allgemeine Zionisten, Gruppe B)- erklärte sich gleichfalls für die Aufrechterhaltung des Mandates. Bei einer Alternative, zwischen Teilung und einer permanenten jüdischen Minderheit in Palästina würde eine Meinungsänderung der Teilungsgegner notwendig sein, G o 1 d b i o o m (Allgemeine Zionisten, Gruppe A) ■ wandte sich gegen die Teilung und forderte eine Verstärkung des Londoner Zweigs der Exekutive. Weinstein (Judenstaatspartei) kritisierte Weizmanns politischen Bericht, in dem er jeden Hinweis auf die Zukunft vermisst habe. Er bemängelte ferner, dass die Exekutive über ihre ihr vom Kongress erteilten Vollmachten, die lediglich in einer Erforschung" der durch die Teilung gebotenen Möglichkeiten bestehen, hinausgehe, und so handele; als ob sie ermächtigt sei, für die Teilung einzutreten. Auch S h r a g a i (Misrachi) polemisierte gegen die Exekutive und den Verlauf der Tagung. Ben Gurion zur Teilungsfrage In der dritten Sitzung am 10. März sprach als erster Redner David h e n-G-u r i o n.- Er-befasste sieh zunächst mit der Emvvanderungsfrage und hob hervor, dass die Lage.sehr ernst sei. Dass die Regierung in dem gleichen ■ Augenblick, in dem sie ihre bedeutsame Erklärung' für einen, Judenstaat abgegeben habe, die Einwanderung begrenze, sei . als ein bedenkliches Symptom anzusehen. Im Kampf gegen den Terror habe die" Exekutive durch Aufklärung der arabischen Massen und die teilweise Herstellung eines Kontaktes zur arabischen Welt "Bemerkenswert«« geleistet. Pajäs Transjorda-nie-n erfreulicherweise vom Terror nicht angesteckt worden, sei, sei in hohem Masse der Britischen Regierung zu danken. Ben Gurion sprach weiter über die Gegner des Zionismus und warnte trotz We-izmanns Verdiensten m ihrer Zurückdrängung vor unberechtigtem Optimismus. Er Ausfrhdstransporte,; . *j£%£iw.cs& : von Haus iu «aus: \^AlfreCtoeob r,?&&M&B^ befasste sich ausführlich mit den angeblichen arabischen Friedensvorsch lägen und erklärte nochmals kategorisch, dass die Exekutive sich niemals damit einverstanden erklären würde, mit den Arabern auf der Basis einer jüdischen Minderheit in Palästina zu verhandeln. Er glaubte den unwahren Berichten, die in dieser Frage teilweise veröffentlicht, worden seien, ein Teil der Schuld an dem auffallenden Wechsel der britischen Regierungspolitik aufbürden zu sollen. Als Körperschaft sei die Exekutive weder für noch gegen die Teilung. Sie kämpfe für die Auf rechte Aaltung des Mandats, solange ein anderes System nicht existiere. Er selbst sei zwar ein begeisterter Anhänger der Teilung, vor allem aber sei er Zionist und werde zionistische Disziplin üben, auch wenn die Entscheidung gegen die Teilung fallen sollte. Als nächster Redner vertrat Ussischkin noch einmal mit aller Entschiedenheit den Standpunkt der ..Neinsager". Er bedauerte, dass seine Freunde zur Exekutive deshalb kein unbedingtes Vertrauen haben könnten, weil die Exekutive für die Teilung sei und sich nicht mit aller Kraft für die Aufrechteräaltung des Mandates einsetze. Er gla.ube Dicht, dass die Teilung die einzige Alternative sei, und forderte, dass die Vertreter der Teilungsgegner in die Lage versetzt würden, vor der Technischen Kommission, die ja in Wirklichkeit auch politische Funktionen haben werde, ihre Ansichten zu Gehör zu bringen. Nach einigen Ausführungen von Brodetsky über die spezifischen Aufgaben und Schwierigkeiten der zionistischen Arbeit "in London wurde diese Sitzung geschlossen. Sie fand ihre Fortsetzung am Nachmittag mit einer Diskussionsrede von L. Klein ha u rn („Allgemeine Zionisten, Gruppe B). Er erklärte es für eine Illusion, aus einer für die Zionisten annehmbaren Basis Frieden zwischen Arabern und Juden zu schaffen, und wandte sich gegen ein Erscheinen der Neinsager vor der Technischen Kommission. Nahuni Goldraaan ergänzte Weizmanns und ben Gurions politische Situationsberichte. Er erklärte die Chancen für einen verbesserten und annehmbaren Teilungsplan für besser als die Möglichkeit, das Mandat fortzuführen, und wies auf die Bedeutung selbst eines kleinen jüdischen Staates hin. Er würde zwar nicht die endgültige Erfüllung des Zionismus sein, aber eine endgültige Erfüllung der Ziele eines Volkes gäbe es nicht; "es sei auf seine schöpferischen Kräfte und auf historische Gegebenheiten angewiesen. Die Sitzung des A.C. wurde am 10. März, morgens 9 Uhr, fortgesetzt. J. F ishman (New-York) kritisierte gewisse amerikanische Vorgänge und forderte faire Zusammenarbeit zwischen Teilungsfreunden und -gegnern. Bentov (Haschomer Hazair) bezeichnete die Kongressmajorität für die leilung als eine lediglich taktische Majorität. Der Kongress sei einstimmig für die Fortführung des Mandates in seinem vollen Ausmass gewesen. Er kritisierte das Vorgehen der Exekutive scharf, weil es der Aufrechterhaltung des Mandates nicht mit der notwendigen Energie gedient habe. Auch Schmorak (Allgemeine Zionisten. Gruppe B) setzte sich für die Aufreehterhaltung des Mandates ein, Stephen "Wise (Allgemeine Zionisten, Gruppe A) polemisierte ebenfalls gegen die Exekutive, von der er behauptete, dass sie mit wichtigen Informationen zurückhalte. Er erinnerte an die teilungsfeindlicbe Haltung, die er und seine Freunde auf dem Kongress eingenommen hätten, und die auf dem Wunsche nach einem ganzen und ungeteilten Palästina beruhe. Er unterstützte üssischkins Gesuch, dass auch die Gegner des Teilungsplanes vor der neuen Kommission aussagen sollten. Die Exekutive müsse ebenso kraftvoll für das Mandat und die Einwanderung kämpfen, wie sie es für die Teilung täte. _ Die scharfen Angriffe, die Stephen Wise gegen die Exekutive richtete, nötigten ihn, am nächsten Tage in einer versöhnlichen Erklärung bestimmte Punkte, die missverstanden worden waren, richtig zu stellen. In Anschluss daran erkundigte sich Rabbi B r o d t (Misrachi) nach dem Schicksal der „Politischen Kommission", die von dem Kongress ernannt worden war, aber nicht in Aktion getreten sei. Anselm R e i s s (Arbeiterpartei) unterstrich diese Anfrage und kritisierte gewisse Tendenzen der Exekutive über wichtige Fragen zu entscheiden, ohne örtliche Autoritäten zu befragen. Isaak Gr üin b a u m beschwerte -sich darüber, dass sich Zionisten und Nichtzionisten verbündeten, um gegen die Teilung zu kämpfen. Er verteidigte die Politik der Exekutive, die während der ganzen Zeit nicht nur für die bestmöglichen Bedingungen einer eventuellen Teilung, sondern auch gegen die Beschneidung des Mandats gekämpft habe. Bograschow (Allgemeine Zionisten, Gruppe B) lehnte die Teilung in jeder nur .möglichen Form entschieden ab und verlangte für die Neinsager volle Bewegungsfreiheit in inneren und äusseren politischen Angelegenheiten. A. Katznelson schilderte die schwierige Situation des jüdischen Palästina. Das Mandat "sei nicht die Alternative zum Judenstaat. Eine Alternative bestände nur zwischen einem Judenstaat in einem Teil von Palästina oder in ganz Palästina, wie alle es.wünschten. Das Mandat sei nur ein gesetzliches und. politisches Instrument. In der Nachmittagssitzung des gleichen Tages sprach sich J. Na id.it seh (Allgemeine Zionisten, Gruppe A) für die möglichst rasche Errichtung eines Judenstaates aus, der viele unmittelbare Schwierigkeiten, zum Beispiel solche des Aussenhandels, sofort beheben würde. Berl Locker (Arbeiterpartei) interpretierte die Kongressresolution, die auch durch das Aktions-Comittee nicht abgeändert werden könne. Er ermahnte beide Parteien, die t.»,«^^:"».,., TEPP ICH HAU S ZENTR U M Berlin C2, Spandauer Strasse 28 an der Könisstrasse