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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-10 · 10 (10.3.1938) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
10 (10.3.1938)
Date
1938-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 C.-V.-Zeltung Nr. 10 * 10.Märzl938 und Neuseeland. Die Zahl der Juden in. Klein-, Mittel- und Nordasien ..beträgt 225 000, die der Juden in Süd- und Östasien, Zentralafrika, Ozeanien und Mittel- und Südamerika ausser Argentinien nur rurid 140 000. Ausserdem soll es in Abessinien 51 000 Falaschas. geben. Von den 15 524 621 Juden der Welt leben 9 3Ö0113 in Europa, 593 736 in Afrika. 774 049 in Asien, 26 954 in Australien und 4 739 769 in Amerika. Von der Gesamtjudenheit entfallen somit 60,49 Prozent auf Europa, 30.53 auf Amerika, 4.99 auf Asien, 3,82 auf Afrika und 0,17 auf Australien. Wann und wo finden Sie Rat? N'orddent «it-liland Haunorer 15. März, 16—18 .Uhr. Nene Adrcssei- Landechaftstrasse 6, ptr. (Bankhaus Meyerstein). Schülcrausstellung in der Theodor-Herzl- Schnle. Der natürliche Drang zur Gestaltung wird in dieser Schule in besonderem Masse in den Dienst der Gemeinschaft und des Lebens gestellt. Kopf und Hand sind an jedem Lehrstoff gleicherinassen beteiligt, ob es sich um Hand- und Werkarbeit handelt, ob .um ein schwer zugängliches Un.terrichtsgebiet. Die Grammatikreg el. die Vokabel, der mathematische Lehrsatz werden in Bild und Anschauung umgewandelt; der spröde Gedächtnisstoff wird sofort „passgerecht" gemacht, um ihn nicht nutzlos im Gehirn aufzuhängen. Konzentrationsthemen zapfen jedes Wissensgebiet von verschiedenen Seiten an, bis jeder Schüler auf den Geschmack kommt. Aus der Fülle des Gebotenen erwächst dem Besucher ein sehr einheitliches und eindruckstiefes Bild. Für die Berufsausbildun Ausbildungsstellen und Lehrwerkstätten I. Landwirtschaft und Gärtnerei a) Kollcktivausbildungsstätten Abkürzungen: E Erstausbildung, M Mittlere (identisch mit Erstausbildung), U Umsch'chtler. II. Handwerk Lehrwerkstätten, Lehrgänge, Kurse Abkürzungen: E Erstausbildung, G Grundlehre, L — Lehrwerkstätte, M —Mittlere (identisch mit Erstausbildung), U Berufsumschichtung, V Vorlehre. Einweisende Organisation Bemerkungen ~ Ahlem Ti. Hannover, Garlen- 1vnischnl« frei E u. 9. Schul j. Altcna-Blankenese, Steubeavi" 3tj Hech. Hadati U (rituell) iltona-Rissen. Tinsdaler Kirchnnwnir -45 Hechaluz ü Ahrensdorf. Kt. Trebbin Makk. Haz. M Bannacker b. Augsbure. Haus 3 Hechaluz ü Berlin-Weisscnsec, Fricdhofsgäriiu'rei f r«>I kein Internat Hornsdorf b. BiirerMd Bachad M . Brüderhof. Post Tangstedt b. Hatnbursr Hechaluz M ßlliruth b. Steinau O.-S. Hecliahiz M Fischach b. Auffsburg Hechaluz U Freienstein. Post Pampow (Pommern) Makk. Haz. ü Gehrinarshoi" b. Fulda Bachad ü u. M Gross-Breesen über Obernigk (Sc.hb-s.) frei Ü u. n Grüsen über Frankenberg- Eder, Kibbuz Hagschamah Hechaluz M Halbe (Mark), Teupitzcr Chaussee 13 Makk. Har. . M Gut Jägers!iist b. Flensburg Hechaluz ü Jessen b. Sommerfeld N.-L. Hechaluz M Lebrensteinsfeld b. Stuttgart, Ha.us Thalhcimcr Hechaluz zusamm. mit Jüd. Nothilfe Stuttgart TT Halberstadt Nnar Agudati rituell Havelberg (Mark). Jasdcchöft Hechaluz M Lohittrn, Post Pmvuuden b. Königsborg i. Pr. frei M u. U Landwerk Xcueiulorf über Fürsien Walde/Spree frei M u . TT PiiTenzwerder K Eberswaldc . Betar TJ Ii. M Rüdnitz b. Bernau (Mark) nur zeitweise Sennr.eld (Baden) "Werkleute ■ M SiUngtal b. Zoblen. (Schles.), Haus Proskauer Hecnalus M Schnlebinchcn, Kr. Sommerfeld Hechaluz M SteckeTsdorfcr Ansbau b. Rathenow Bacbad M Urfeld. Kr. Bonn, Haupt* -. Strasse 78 Hechaluz M Winkel. Post Spreenhagen (Mark) frei . Mu.tl Wilheminenhöhe b. AUona- Blankenesn, RissencrLandstrasse 127 frei Sl u. U b) Hachscharahzcntrum Heilbronn, Frankfurter Str. 9 Hechaluz Träger Art Fach Berlin-Slemensstadt, Jüd. Gmde. ü Metallbearb. Nonnendanirn do. ,, „ ü Schweis.ser- .kursus f. alt. Umschichtl. do. „ M Metallbearb. do. U Holzbearb. do. M Holzbearb. Berlin O 17, Frucht- „ „• ü Bau-u.Sicd- Strasse 74 lungsarb. do. M Bau-it. Siedhnrgsarb. Berlin 0 27. Holz¬ M Metallbearb. markt str. 53 Berlin S\V G8. Friedn „ Y Holz- und Ttchstr. 37 Metallbearb. «JerHn-Xlederschönh.. Reichsvcrtr. TJ Haushalt. ' Wncken.bergstr.81-65 U Schlosserei E Schlosserei U Tisciilerei- E Tischlcrei UevJin XW 87, Sie- „ORT" ü Foinmechan. nictisstr. 15 E Feinmechnn ü Elektrote.ch E Elektrotech TI Klempnerei E Klempnerei Breslau Jüd. G'mde. E Feinmechan Darmstadt S'oarAgudati M Schlosserei, Tischlerei Dortmund Jüd. Gmde. L Schlosserei, Tischlerei Dresden ,, „ h Schlosserei Frankfurt a. M. TJ Schlosserei do. U Holzbearb. do. ü Gärtnerei, do. G Gemüsebau Tischlerei Gärtnerei. Schlosserei, Haushalt.-. Schneiderei^ Hambnrjr „ ü Tischler«, do. ,, „ L Tischlerei do. L Schlosserei XftlB „ TJ Schlosserei L Schlosserei Tischlerei Leipzig »» E Feinmechfln. Schlosserei, Tischlerei, Gärtnerei Mannheim ». L Schlosserei do. L Tischlerei München « L Schlosserei h Feinmechan. Frage. Er führte ». a. aus. die Regierung habe gesetzliche Möglichkeiten zur Zurückdrängung des jüdischen Einflusß*' durch entsprechende Unterstützung, Schulung und - Erziehung der christlichen ungarischen Jugend für das Wirtschaftsleben und durch das Aussiedeln solcher jüdischer Elemente, die unrechtmässig ins Land gekommen seien. Zur. Durchführung dieser HjH MaSerar^eife^ / Eduard Glaser Berlin NO 55, Greifvwalder Strasse 88. 53 50 59. Massnahmen werde die Regierung einen Kommissar an die Spitze des Fremdenverkehrsamtes stellen. Im Ungarischen Jüdischen Landesmuscum in Budapest wurde aus Aulass der 70. Jahreswende der Emanzipation der ungarischen Judenschaft eine Ausstellung eröffnet, die ein reichhaltiges Material aus Archiven. Bibliotheken, Museen usw. vereinigt und den Entwicklungsprozeß der Privilegisierung der .ungarischen Juden vom Jahre 1251, dem Erscheinen der Goldenen Bulle des Königs'Belä'IV., bis zum Jahre 1867, dem Emanzipationsjahre, anschaulich darstellt. Neue Ergebnisse der Statistik "' ' Das vom American Jewish Comnvittee herausgegebene American Jew i?• Ii Yearb. o o k";. für das Jahr 5698 enthält eine Zusam- Die jüdische UlinferhHfe Fol. Herbert Sonnenfeld Die Eintopfspende am 13. März steht im Zeichen des in der darauffolgenden Wörme liegenden Purimfestes. Es gilt, den Betreuten der Jüdischen Winterhilfe zu Purim Freude zu bereiten. Jeder?cbe daher ausser der Eintopfspende noch eine Sondersper.de zu Purim. Für eine Sonderspende van öl) Rpf. an erhält der Spender als Zeichen des Dankes eine Mcgilla mit Widmung der Winterhilfe. Die Sammler werden jedem Spender, der mehr als 50 Rpf. besonders gibt, einen Gutschein übergeben, auf Grund dessen dem Nachdem seine Augen zu mir zurückgefunden hatten, fuhr er fort, indem er auf den Fluss zeigte: „Hier ertrank meine Frau. Wir waren auf der Hochzeitsreise; es ist vierzig Jahre her. Ich war bei ihr, und war doch nicht bei ihr; ich konnte nicht schwimmen und habe zusehen müssen. Zusehen müssen — Sie verstehen, was das heisst! Erst drei Tage später fanden wir ihre Leiche, weit weg von hier. Ich habe sie nach Griechenland übergeführt, und bin in ihrer Nähe geblieben. Vor sieben Jahren hielt ich es nicht mehr aus und setzte mich hier fest, weil ich glaubte, dann mehr in ihrer Nähe, in ihrer Lebens- und Sterbensnähe, zu sein. — Ach. wissen Sie, die meisten Menschen paaren sich, wie der Zufall es gerade fügte. Hier aber fanden zwei Menschen mit N o t - w e n d i g.k e i t zueinander, und als die Blüte eben aufgebrochen war. riss der-Tod sie"mittendurch. Der Schnitt ist nicht mehr geheilt." Abgehackt sliess er die Sätze hervor, wie kantige Brocken. Nun verspürte er das Bedürfnis zu einer Pause. Dann sagte er: „Ich begrüsse es, dass Sie bei mir sind; ich habe seit Jahr und Tag mit keinem Menschen darüber gesprochen. Aber kommen Sie, es drängt mich jetzt, heimzugehen. Was -man so heimgehen nennt", fügte er bitter hinzu. : Wir wanderten zurück,- lange Zeit-hindurch unterbrach kein Wort die Stille.; Bei Einbruch der Dunkelheit kamen wir in unserer Strasse an. Die Nacht war warm, der Himmel aber war kalt und fern .wie immer, obwohl mir die Sterne greifbar nahe erschienen. Eine Laterne überströmte das Gesicht des mir Gegenüberstehenden mit einem phosphoreszierenden Geleucht. Lepänides betrachtete mich, als gälte es, etwas zu prüfen, und sagte dann: ,Jch war heute nacht am Fluss. an jener Stelle, die ich Ihnen zeigte. Plötzlich gehorchte ich einem inneren Ruf, Sie können es auch menstellung über die Zahl der Judenin den Ländern der Welt auf Grund der neuesten Statistik aus amtlichen Quellen. Von den rund 15 525 000 Juden, die in der Welt leben, entfallen 7 620 000 auf Osteuropa und das östliche Mitteleuropa (Polen, Danzig, Litauen, Lettland, Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Teile des europäischen Russland, wie die Krim, die Ukraine und Weissrussland). In'diesem Gesamtgebiet bilden die Juden fast 6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ueber 4 400 000 Juden leben in N o rd a m e r i k a und Westindien. Die jüdische Bevölkerung macht hier fast 3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. In Palästina und seinen arabischen Nachbarländern leben 503 000,- in den arabisch sprechenden Ländern Nordafrikas 450000 Juden (1.4 Prozent). In grösserer Zahl leben Juden ferner noch in Holland (fast 2 Prozent), in Südosteuropa — Griechenland und europäische Türkei — (1,74 Prozent), in Südafrika, wo sie 1 Prozent der Gesamtbevölkerung und fast 5 Prozent der europäischen Bevölkerung ausmachen, und in Argentinien, wo sie über 2 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden. In allen übrigen Ländern ist der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung niedriger als 1 Prozent. West- und Süd e u r o p a hat eine jüdische Gesamtbevölkerung von nicht ganz 1600 000 Seelen. Knapp 200 000 Juden wohnen in Nordeuropa und den Teilen des europäischen Rusland ausserhalb des früheren Ansiedlnnesrayons. 27 000 Juden leben in Australien Spender die Mrcrilia vor Purim frei in« Hau* zc- ]icfert wird. Darum erwirb bei der Eintopfspende am 13. Marz die Mesrilla duren Zanlunjr einer Sonderspendc von 50 Rpf. an. Seelische Winterhilfe Sonnabend. 1.2. Marz 103*5. 20.1." Uir. in rkr Svna<rnee Fnedenstenipol. Marksrraf - AlbreHht.-.Mra'so 3. Kon zerr. Mitwirkende:" Alice Hannce-Ch.ssirer ■Sopran.1. Manquita "V oirclwtorff löopram. Bernhard (. nzebtzer ('.I nim\>. Johanna. Mover (Rezitation;. Paul I.Mumenfeid iLeibi). Hermann .schwarz 'Oiyeh. Das Orchester der Künstlerhüfe unter Leitungvon Herbert 1 anr.baiiser. Ansprache: Dr. 1ritz Lamm. — Lmtnttskarten uncntaeltluh nur für Betreute der Jüdischen Winterhilfe m den Bezirksstclien Mimcnener Strasse 37. Sililiiter>tra.«se 70. Die Eintrittskarten sind nur pm'ti? in "Verbindung mit den blauen Bewil Ii gun ^scheinen. Musikalische Matinee Ais letzte repräsentative "\cransialMiii2 zueunsten der Jucwscnen Wmternihe Berlin im "Wimer 3 037/3S findet am isonntae, 20. Marz. 11.30 l,hr. im Grossen >aa\ des Brudervereinsli;uise.s. Kurfurstenstr. 115,116, eine musikauscne Matinee des Mayer- M a h r - Ines unter Mitwirkung von Susanne Loewenstein (Alt). Hermann ^rhpv (Bariton). Maximilian Huttner Huda) und Josef Ulass fkontra- DassO statt. Die A eranstalningwird mit einer Ansprache de* Intendanten Dr. Kurt Singer eröffnet. Es ■celancen Werke von Smetana. Gus-tav Maincr und Schubert zur Auftuhrunsr. — Lintntlskarten zum Preise von 2. 4 und 6 RM einschliesslich Steuer bei Phile.-Buciihai>(llunsr. W l.r>. Pariser Strasse Ai. M. roppelauer. C2, Tseue Fnedni-ustra.sse ur]d bei der Jüdischen- Wiiterhiife. C 2. Heidereuteivga^se 5/6, Fernruf 4167 11. Apparat 70. Verkaufsmesse Am Sonntaj:. "20. März, wird ab 12 Uhr im Roten Saal des Brüdervereinshauses. Kurfürstenstrasse 115/116. eine Verkaufsraesse sämtlicher von den jüdischen Schulen Berlins und der Vorlehre des Jusendpflegedexernats benieste]Iten Gegenstände zugunsten der Jüdischen Winterhilfe Berlin stattfinden. Am 2sachmiita<; spielt da.s Kinderorchester des Waisenhauses Pankow. Eintritt frei! Es kommen' zum Verkauf: Näh- und Bastelarbeiten, Hausrat aus Holz und Metali, Spielzeug. einer fixen Idee nennen, wenn es Ihnen beliebt. Aus der Tiefe des Flusses glänzte mir in einem mondhaft milchigen Licht das geliebte Antlitz entgegen. Allmählich, aber immer deutlicher stieg es bis an den Wasserspiegel herauf und blieb da und schien etwas von mir zu fordern. Da sprang ich in den Fluss, zu ihr, sie zu umarmen; ich wollte ihren Namen rufen, den geliebten Namen, aber schon drangen in meinen Mund die Wasser, ich glaubte zu ersticken.*4 Der Mann vor mir keuchte, sein Atem schlug mir ins Gesicht. Ich brachte kein Wort hervor; meine Augen gruben sich in die seinen. Er sagte: „So hatte ich heute nacht geträumt. Aber ich werde noch weiterträumen, da die rettende Tat mir nun einmal versagt war. Ich werde ihr Leben und das meine zu Ende dichten. Alle die Jahre hindurch rang ich vergeblich um Ausdruck. Das Gesicht aus der Tiefe gibt mir nun die Erlösung durch das Wort. Vieler Leben aber und vieler Leiden werde ich mich erinnern müssen, wenn eine Welt erstehen soll. Alles, was ich geschrieben habe, mag unwichtig sein im Vergleich zu dem Kommenden. — Was ich an diesem Ort suchte, habe ich zwar nicht gefunden: kein lebendes Bild und keine Rutie; aber das Bild im Geiste hab' ich gefunden, und nun hat mein Leben wieder einen Sinn. Hab' ich die Arbeit vollbracht, so mag mein Schöpfer es zurückerhalten. Nur aus meinem Schwanenlied darf er nicht vorzeitig mich abberufen." Lepänides sah mich an und drückte mir die Hand: „Meine Anwesenheit ist nun nicht mehr vonnöten. Morgen reise ich nach Griechenland. Gewiss: partir c'est toujours mourir un peu", sagte er mit einem schmerzlichen Lächeln, „aber es ist doch auch so, dass zwar auf der einen Seite genommen wird, auf der anderen aber hinzugetan. Wie liesse es sich sonst leben? Aus der Ferne werde ich nun mit meiner Sehnsucht ihr näher sein. Wurde mir nicht zuteil, was. mir noch zuteil werden konnte?" Nach einem Schweigen, das nur von dem gedämpften Rauschen des Flusses einsilbig unterbrochen wurde, fügte er in gütigem Tone hinzu: „Wirklich, Sie waren mir ein angenehmer Begleiter." Es schien, als hätte er noch etwas zu sagen, plötzlich aber entzog er mir seine Hand und wandte sich heftig abj als sei er meiner Gegenwart überdrüssig geworden. Eiligen Schrittes ging er, ohne sich noch einmal umzublicken. Sein Gang wrar entschlossen und hart. Ich stand und sah ihm nach. Und als das Tor mit mächtigen Flügeln hinter ihm zugeschlagen war, glaubte ich noch lange zu sehen, wie er ging, — bis endlich das Traumauge ihn, den Künstler, in ein Gebiet entwandert sah. wo kein Staub mehr von den Schuhen fällt, wo ein Herz die Ertrunkenen birgt. Kunstnachrichten ..Jüdisches Schicksal — jüdisches Antlitz" hiese der Vortrag, den Dr. Hermann Gundersheinier, Frankfurt, im Kulturbund Rhein- R u Ii r und seinen Anscliluss-Städlen hielt. Von der Fragestellung, warum Kunstgeschichte und warum jüdische Kunstgeschichte? ausgehend, legte er dar: Kunstgeschichte als Mittel. Geschichte aus ihr abzulesen, könne für die jüdische Geschichte zwar nicht lückenlos sein, sei aber häufig da aufschlussreich, wo andere Quellen versagen. Das jüdische Antlitz durch die Jahrhunderte in Abbildungen verfolgt, gebe psychologische, kulturhistorische und sozialpolitische Aufschlüsse und halte, wo das Grundelement des Jüdischen durclikommt, das Grunderlebnis des Judeseins fest. Ein reiches, sorgfältig ausgewähltes Bildmaterial unterstützte die Thesen des Redners, der für seine Ausführungen ein aufmerksames und dankbares Publikum fand. L. S. * Nachdem im Palais der Schönen Künste in B r ü $ s e 1 eine Ausstellung von Werken M a r c Chagalls stattgefunden hat, wird nunmehr eine Schau seiner Werke ia Antwerpen eröffnet. Im Alter von 69 Jahren starb, in Wien der bekannte jüdische Maler Lazar K r ß s t i n. Er wurde 1S6S in Kowno geboren und ist dur.ti seine jüdischen Genrebilder und Porträts jüdischer Persönlichkeiten bekannt. * Die Stiftung des Amerikaners Georges Blumcuthal. seit dorn Jahre 1919 dazu bestimmt, junjre französische Künstler in ihrem Schaffen zu fördern, wird im Juni 1988 ihre 14 diesjährigen. Preise in Höhe von je 20 000 Francs verteilen, und /.war drei für Literatur, je zwei für Malerei und Bildhauerei je einen für Zcichcnktinst. Architektur und Musik (Komposition) und drei für dekorative Künste. ' * Am 3. Februar starb in Brüssel im Alter von 7ö Jahren der belpisehe Bildhauer C h a r 1 e s S a m u e 1. Kr wurde am '29. Dezember 1S62 in Brüssel als Sohn eines Bankiers geboren und erlernte das Kunsthandwerk als Goldschmied und Medailleur. 1SSÜ begann er seine Studien an der Akademie der Schönen Künste in Brüssel, die später sein Marmorbrnstbild der Königin Elisabeth von Belgien erwarb. 1SS5 ging er auf Studienreisen nach Paris und Italien. 1SS9 hatte er seinen ersten öffentlichen Erfoig zu verzeichnen, als auf der Weltausstellung in Paris seine Statue „Arn Abend" die silberne Medaille erhielt. Berühmt wurde sein am 23. Juni 1S91 enthülltes Denkmal für den Dichter des ülenspiegcl Charles de Coster. Für dieses Werk erhielt er die goldenen Medaillen der Weltausstellungen in Antwerpen 1894 und Paris 1900. * Der Maler M o p p (Max Oppenhcimer) bringt in Zürich ein Buch heraus, das den Titel ..M e nsehen finde n ihre n M a 1 e r'L trägt und neben einem Text Bilder und Graphiken enthält. Der Maler beschreibt die Umstände, die ihn zu diesen Bildern führten. Das hübsche Büchlein ist kartoniert erschienen, auch eine Luxusausgabe mit einer Original radicrung, die vom Künstler signiert ist, bringt der Verlag heraus. * Die Pariser Galeric Guy Stein zeigt eine Ausstellung von Werken der Empire-Malerei, daruuter viele Porträts. In New-York ist plötzlich der bekannte -'üdischc Bildhauer Isadore Monti gestorben. . Monti wurde 1S62 in Wien geboren. Sechzehnjährig trat er in die österreichische Reichsakademie''ein 'und studierte später in Rom. 1890 kam er in die Vereinigten Staaten. Von ihm stammen die Entwürfe zahlreicher Monumentahverke in verschiedenen Städten Amerikas. 1901 erhielt er von der St.-Lonis-Auststellung eine Goldene Medaille: 1906 wurde er ausserordentliches Mitglied und 1909 ordentliches Mitglied der National Academy.

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