Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 10 (10.3.1938)
- Date
- 1938-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278198--12639-2291500- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 10* 7. Beiblatt CYIeitunq 10. Marz 1938 * Seite 3 Erlebnis der Einsamkeit Von Dr. W. Blumenthal Für unsere Generation war das Wort „Einsamkeit'* schon zum leeren, von der Romantik einer vergangenen Epoche umwitterten, Begriff geworden. Wir konnten und wollten nicht mehr einsam sein: Der Beruf brachte nicht nur Pflichten, er lenkte auch ab und schuf eine leste Kameradschaft, und auch in der freien Zeit sorgten die Lebenskreise, die sich um Verwandte und Freunde spannten, für lückenlosen Ablauf des Daseins, das fast unablässig unter Menschen verbracht wurde. Stellte sich im Gleichmut der Tage einmal doch Langeweile ein, so konnte man es sich meist leisten, eine Reise einzuschieben und auch hier, am fremden Ort, warteten schon wieder unbekannte, bald vertraut gewordene Mitmenschen auf ein Zusammensein. So waren wir stets „beieinander". Wenn wir jetzt an diese vcrklungenen Jahre zurückdenken, kommt es uns so vor, als ob wir, in all diesem Hasten und Treiben, vor uns selber, vor dem Kern unserer Persönlichkeit fliehen wollten, als ob wir es vermeiden wollten, zur Besinnung auf unser eigenes Ich zu kommen. Heute ist das anders geworden. Wir haben die Einsamkeit in einem solchen Ausmass und so plötzlich kennengelernt, wie das selbst in der Geschichte des jüdischen Schicksals noch kaum erlebt wurde. Denn selbst der eigene, enge Umkreis, auf den wir vor allem angewiesen sind, lichtet sich von Tag zu Tag. Die Wohltat der Entspannung und der Aussprache im Schoss des Heims, der Familie und naher Angehöriger ist uns nicht immer mehr gegeben, da überall der Schatten des Abschieds, des Aufbruchs in die Fremde sich hingebreitet hat und sich noch mehr ausdehnt. Neue Beziehungen zu knüpfen ist unter den gegebenen Umständen schwerer als je, und so ist denn für viele von uns eine neue Situation geschaffen, die wir ims klarmachen müssen, wenn wir in ihr bestehen wollen. Wir müssen lernen, die Einsamkeit zu erlragen. Wir wissen, dass dazu eine grosse Seele gehört. Dem Genie, das einmaliges denkt und schafft, ist die Einsamkeit etwas natürliches. Der schöpferische Mensch, zu dem alle Dinge des Geistes und der Natur mit gewaltiger Stimme sprechen, empfindet nicht die Leere des Alleinseins, er braucht sogar diese grosse Stille, die ihn zu sich selber zurückführt. Wir kennen die Legenden von Propheten und Einsiedlern, die in ihrer stillen Klause ihrem Gotte nahe waren und ohne Angstgefühl, vielmehr mit der gelassenen Ruhe und Sicherheit des Abgeklärten, sich in der Oede und Abgeschlossenheit bewegten. Der grosse Forscher und Entdecker lebt oft jahrelang in entlegensten Gegenden ohne Sehnsucht nach dem Lärm der Städte. Auch wir gewöhnlichen Menschen müssen uns an diesen Beispielen aufrichten: Wir müssen das gewaltige Erlebnis der Einsamkeit auf uns einwirken lassen, müssen ihr ohne Scheu ins Auge sehen und aus ihr eine neue Erkenntnis schöpfen. Vor allem die Gewissheit, dass in diesem Aufsich-Geslellisein eine Das Gesieht aus der Tiefe Erzählung von Werner Bukofzer Einige Wochen bereits hatte ich mich in der stillen tschechischen Ortschaft aufgehalten, da geschah mir endlich die Begegnung mit dem wunderlichen Gast. Gegenüber meinem Sommerquartier wohnte er, wie die Leute zu erzählen wussten, nun seit sieben Jahren, der hagere, grauhaarige Mann mit den grossen schwermütigen Augen; fern seiner peloponnesischen Heimat lebte hier der Dichter Geörgios Lepänides. Obwohl diese Erscheinug in ihrer undurchdringlichen Zurückhaltung den Mitbürgern Rätsel über Rätsel aufgab, war es doch kaum einem von ihnen gelungen, mehr als ein paar freundlich-knappe Grussworte von dem Manne ihrer Neugierde zu erhaschen. So erschien er allen als ein Einzelgänger, der bei jedem Wetter mutterseelenallein am Flussufer entlangwanderte, um, wenn es sich anders nicht fügen wollte, erst am folgenden Tage in die Kärglichkeit seiner Behausung zurückzukehren. Man wusste auch nicht, was ihn hierorts halten mochte. Dass es die Landschaft sei, darf als unwahrscheinlich abgetan werden. Mit der sagenhaften Schönheit einer der vorgelagerten Inseln Griechenlands, wohin er sich, sollte man denken, vorteilhafter hätte zurückziehen mögen, wird sie sich nicht messen können. Auch die sprachliche Gemeinschaft, an der er zwar teilnahm, da er tschechisch wie deutsch beherrschte, vermochte dennoch nicht, dem Dichter einen ebenbürtigen Ausgleich für die Reize der Muttersprache zu gewähren. Da auch kein menschliches Wesen, weder Mann noch Frau, ihm nahestand, seine Einsamkeit zu lockern und die späten Tage seines Daseins zu erhellen, so wurde in mir, für den dieser stählerne Kraft verborgen ist, die wir nur zu entdecken brauchen, um sie uns dienstbar zu machen. Der Trieb zur Geselligkeit kann zur Unselbständigkeit und Abhängigkeit von den Mitmenschen, ja sogar zur Unfähigkeit führen, sich sein Leben selbst zu gestalten. Der Einsame gewinnt Vertrauen in die eigene Kraft. Wer auf die Hilfe und Teilnahme der Umwelt bis zu einem gewissen Grade zu verzichten gelernt hat, der hat damit die erste Stufe zur Weisheit beschritten. Er ist vor allem auch reif geworden für die Lehre unserer jüdischen Ueberlieferung, wie sie die Heilige Schrift in so reicher Fülle , birgt, und die sich uns erst jetzt in ihrer ewigen Wahrheit ganz erschliesst, da das gewaltige Erleben der Einsamkeit sie unserem Empfinden nahe gebracht hat. Herbert Samuel als Philosoph Sir Herbert Samuel, seit kurzem Lord, der Führer der englischen Liberalen, ist u. a. auch Präsident des Britischen Philosophischen Instituts, in welchem er regelmässig wissenschaftliche Vorträge hält. Kürzlich erschien in London ein philosophisches Werk Herbert Samuels unter dem Titel ..Believe and Action", ein mit glänzender Klarheit geschriebener Aufriss ethische.r Probleme. Ausgehend von der allgemeinen Ungewissheit darüber, was Recht und Unrecht, was Gut und Böse sei, kritisiert Samuel zunächst die bisherigen ethischen Systeme. Er hält der moralischen Desorientiertheit der heutigen Welt die moralische Gewissheit der Zeit entgegen, der die Religion einen autoritativen Massstab gab. Man habe dann die Religion durch die Philosophie abzulösen versucht, aber zweitausend Jahre Philosophierens hätten doch noch keine „logische Basis für praktische Moral" zeitigen können, überhaupt „Philosophie gibt wenig Hilfe". Die Denker des 18. Jahrhunderte dann behirworten das mit dem Menschen ge- A&ec .es ist . , . Fremde eine heimliche Anziehungskraft barg, wie sie uns bei ungewöhnlichen Naturen entgegentritt, so wurde also in mir die Frage, nach dem Grund seines Aufenthaltes immer brennender. Lebte er hier in einem selbstgewählten. Exil, so war es doch ein Exil, es sei denn, dass er zu jenen einsam Grossen gehörte, die überall und nirgends ein Heimatszelt aufzuschlagen vermögen, da nun einmal diese Erde mit allem, was auf ihr gedeiht, Gottes ist, also alles einem Gesetz unterworfen, so dass Grenzbäume an diesem Punkt ihr Recht verlören. Als ich eines Morgens den Anstieg zum Kirchplatz emporklomm, sah ich schon aus einiger Entfernung auf einer Bank Lepänides. Neben sich hatte er einen Papierwald aufgetürmt, während er, über die Kniee gebeugt, ohne aufzublicken schrieb. Ein unvermuteter Windstoss fegte die Blätter vom Sitz, wirbelte sie über den Platz, über Hahnenkammbeet^, hierhin, dorthin. Ich eilte nach allen Himmelsrichtungen, um das Verstreute einzusammeln; in der Spannung auf die mir bevorstehende Bekanntschaft schmerzte mich sogar def Hexenschuss nicht mehr. Nun aber hatte ich die Ausreisser alle zurückgeholt, wandte mich um und sah, dass Lepänidas selbst noch einem Rest von Papieren, so gut es ging, nachjagte, dann drehte er sich und kam mir raschen Schrittesentgegen. Während ich ihm den Packen ablieferte, dankte er mir mir warmen "Worten für den Liebesdienst, den ich ihm erwiesen hätte. Ich geriet in wortlose Verlegenheit. Hatte ich mich ehrlich über das Zusammentreffen, das mir durch einen solchen Zufall in den Schoss fiel, gefreut, so erboste ich mich jetzt über meine geistige Ohnmacht, die mir bei der Einfädelung eines geeigneten Gespräches im Wege war. Lepänidas aber lud mich mit einer so verbindlichen Geste neben sich auf die Bank, dass ich im Augenblick mich anschickte, die Leute Lügen zu borene „natürliche" Recht, das von keiner Religion und Philosophie abhängig wäre, wie es auch' etwa in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gemeint ist. Aber das ist, sagt Samuel, kein Massstab, natürliche Rechte sind nicht einmal einmütig zu definieren, niemand zweifelte während der Unabhängigkeiteerklärung in Amerika an dem natürlichen Rechte der Sklaverei, während in unserer Zeit die Meinungen über das natürliche Recht des Eigentums krass auseinandergehen. Die darwinistische Auffassung der Evolution habe dann eine neue moralische Auffassung, das Recht des Starkeren, aufgebracht; Samuel betont die Ungesichertheit des evolutionären Prinzips in der Naturwissenschaft. Ueberhaupt „zwingt uns die Natur nicht zu irgendeiner Art von Ethik", und die evolutionäre habe nicht befriedigen können. Endlich behandelt Herbert Samuel die Richtung, die Recht und Brauch identifiziert und u. a. durch Bergson philosophisch gestützt wird; aber sei es nicht eben das Verdienst von Kultur und Zivilsation, barbarische Bräuche abgelöst zu haben? — Soweit Herbert Samuel vergangene und neuere moralische Tendenzen und Systeme referiert und kritisiert, erweist er sich als überzeugender, logischer und bestechend überlegener Schriftsteller. Was er neben der Kritik an Positivem zu bieten hat, kann natürlich keine Patentlösung des Problems von Recht und Unrecht (und damit aller sonstigen ethischen Probleme) sein. Hier geht Samuel auf Bentham und den Utilitarismus zurück, der — ..das grösstmögliche Glück der grösstmöglichen Zahl" als höchstes Ziel menschlichen Handelns — ihm einzig und sonderlich empfehlenswert erscheint. Wie weit dieser Utilitarismus mit der Kritik anderer Ethiken vereinbar ist, bleibe dahingestellt: uns erscheint besonders bemerkenswert noch Samuels Einstellung gegen den Materialismus und zur Religion: „Die Wissenschaft, die sich von den materialistischen Anschauungen des 19. Jahr- ... kein Vhndec! Wir können ein Blatt vom Range der C-V.-Zeitung für nur 33 Pfg. im Monat liefern, weil unsere Bezieher treu zu uns halten. Zahlen Sie auch diesmal pünktlich, wenn Ihnen die Postquittung vorgelegt wird, 3 x 3=9914- *m de*t!Bäeftcäqec für Lieferung der G-V.-Zeitung im 2. Quartal 1938 (April bis Mai). — Nur wer die Quittung pünktlich einlöst, kann die G-V.-Zeitung regelmassig erhalten. C.-V.-ZEITUNG VERTRIEB Berlin W 15, Emser Str. 42 Tel. : 92 81 41-45 strafen, die mir von der sprichwörtlichen Verschlossenheit des Dichters erzählt hatten. Der aber schien aufgetaut, meinte, es hätte für ihn ein kaum wieder gutzumachender Schaden werden können, wäre er der Manuskripte verlustig gegangen. Er übertrieb absichtlich, um meine Hilfsbereitschaft und Behendigkeit desto mehr rühmen zu können. Inzwischen hatte ich die Sprache wiedergefunden. So sagte ich ihm denn, während des Einsammelns hätte es mir, ohne dass von einer Indiskretion zu sprechen sei, nicht entgehen können, dass einige der Manuskripte mit griechischen, andere mit hebräischen Buchstaben beschrieben waren, etliche Worte sogar seien mir haften geblieben. Er war sichtlich erfreut, dass mir die Schriftzeichen beider Sprachen bekannt waren; als ich ihm dann sagte, ich sei Jude, erklärte er mir, dass wir somit zur gleichen Gemeinschaft gehörten. Er sei, fuhr er fort, gerade damit beschäftigt, eigene Arbeiten aus dem Griechischen ins Hebräische zu übertragen, zumal an der Verbreitung eines Aufsatzes über Judentum und Hellenismus, über die Beziehung des Sittlichen zum Schönen, sei ihm gelegen. Mehr jedoch vermochte ich über dieses Thema von ihm nicht zu erfahren, überhaupt hatte ich bald heraus, dass er jenen Menschen zuzuzählen sei, die, auf einer gewissen Höhe des Lebens angelangt, zu ihrer Befriedung der Diskussionen von Problemen nicht mehr bedürfen, (wodurch bei ihnen die Diskussion selbst problematisch geworden ist). Er ging alsbald zu anderem über, sprach von seinen stillen Erlebnissen im Gebirge, von dem Reiz, den Windungen eines Flusses zu folgen, von dem sinnlichen Genuss, Tiere in ihrer schönen Freiheit zu beobachten oder mit nackten Sohlen über eine Wiese zu gehen. Im Eifer des Gesprächs, bei dem ich mich fast ausschliesslich in der Rolle des Zuhörers befand, war es mir nicht aufgefallen, dass wir.bereits unten im Ort, "nahe Krankenversicherung KSi.fÄ U 9n. C#ikiii4Mi* Berlin-Chariottenburg, KaiserndliS äCnWaiZ dämm 97 / Telefon: 93 33 21 hunderts entfernt hat, erkennt heute an, dass ihre eigenen Erkenntnisse und Lehren unvollkommen sind. Sobald sie anerkennt, dass es in. der [Welt ein „Anderes" geben muss, gibt sie einen Begriff des Göttlichen Raum. Gewiss, sobald die Wissenschaft begreift, dass die Welt, wie wir sie sehen, nicht die Ursache ihrer eigenen Existenz sein kann, ergibt sich not- UNSERE VERKAUFSGESCHÄFTE. Berlin, Tauentzienstraße 16 Essen,Adolf-Hitler-Straßel8 Hamburg:. Jungfemstieg 43 Bochum, Kortnrnstraße 67 Köln a. B,h„ Hohestraße 115 Fraiikfurta.M.,Roßraarktl5 Essen. Limbeckstraße 10 Zentrale. Offenbacb a. M. Wuppertal-Elberfeld. Herzogstraße 36 Avendig der Schluss, dass es einen Faktor geben muss, der in unsere Anschauung der Welt nicht hineingeht. Wenn dieser Faktor das Göttliche ist, dann hat die Wissenschaft den Atheismus unmöglich gemacht." Und: „Sollte die Religion als Faktor aus dem Leben der Menschheit verschwinden, so wird das ganze Gebäude der Moralitäi erzittern und zusammenbrechen." H. Ungarische Ministerreden zur Judenfrage In Györ (Raab) sprach in Anwesenheit der Regierung und vor 150 Mitgliedern des Abgeordneten- und Oberhauses der Ministerpräsident Darar.yi am 5. März über das wirtschaftliche Reformprogramm der Regierung, das in einer Frist von fünf Jahren eine staatliche Investition von einer Milliarde Pengö vorsieht. Im Verlauf seiner Rede erklärte der Minister, die Regierung werde gegen extreme Strömungen von Rechts und Links mit gleicher Energie auftreten. Er wisse, sagte er in diesem Zusammenhang, dass eine Judenf rage existiere. Sie könne aber nicht der Tummelplatz für die Betätigung radikaler Elemente sein. Dieses unerledigte Problem müsse einer planmässigen und gesetzlichen Regelung zugeführt werden. Es müsse ein gerechter Ausgleich geschaffen werden, der den Einfluss des Judentums in gewissen Zweigen der Wirtschaft und im kulturellen Leben des Landes auf ein angemessenes Mass zurückschraube. Er verkenne nicht, dass dieser Zustand aus der besonderen Struktur des Judentums und seiner Konzentration in den Städten erwachsen sei. AVenn die geplante Regelung jedoch der christlichen Gesellschaft in den Bezirken der Industrie, des Handels, des Bankwesens usw. den notwendigen Einfluss verschaffe, so diene eine solche" Ausweitung des nationalen Einflusses nicht zuletzt dem ungarischen Judentum selbst, weil man .so extremen und unduldsamen Bewegungen den Boden, für ihre Agitation entziehe. — Am 6. März sprach der Kultus- und Unterrichtsminister Ho man in einer Versammlung in Szentes zur gleichen unseren Behausungen, angelangt waren. Vor einem Laden, der mit Damenhandtaschen, Koffern und Portemonnaies vollgepfropft war, blieb Lepänides stehen und lachte milde in sich hinein, da er inmitten der ledernen Fülle eine groteske Entdeckung gemacht hatte: einen Teller Johannisbeeren nebst Preisangabe. Alsbald aber wich das Lachen, und der umschaltete Gesichtsausdruck trat wieder in Erscheinung. In diesem kraftvollen Antlitz glaubte ich zwei Widersprüche zu erkennen: eine geradezu jugendliche Vitalität, wie sie Südländern eigen ist, stach fast befremdend ab gegen eine herbe Vergrämtheit; die Schattenheere wollten die natürliche Sonne nicht hervorkommen lassen. Einmal ins Vertrauen gezogen, sollte ich den Grund dieser Ümscnattung bald kennenlernen. In der Folge verbrachte ich tagtäglich einige Stunden zu gemeinsamen Gängen mit dem Dichter. So anregend mir diese Stunden waren und soviel sich über ihre Inhalte aussagen Hesse, so möchte ich mich doch auf das Wesentliche beschränken, und das ist in diesem Falle: das Schicksal des Mannes neben mir. Als wir an einem Julitage, der voll von Düften, Farben und Klängen war, in der Mittagssonne zum Tale hinabgestiegen waren, um immer in Richtung der Flussströmung zu wandern, ahnte ich nicht, dass ich Lepänides zum letzten Male sehen sollte. Es war schon gegen Abend, und wir hatten mehrere Ortschaften vorübergelassen, als der Dichter, nachdem wir lange miteinander geschwiegen hatten, plötzlich stehen blieb und folgendes sagte: „Sie hatten mich gestern gefragt, was mich an diese Gegend binde. Ich habe Ihnen nicht geantwortet, weil mir die Antwort' schwer wmrde. Heute wird sie mir leichter, weil ich in dieser Nacht ins Klare gekommen bin,"