Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 9 (3.3.1938)
- Date
- 1938-03-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 9 * 2. Beiblatt L¥lfeiiiiig 3. März 1938 Seite 5 Vor der Berufsentscheiduiiä Erfahrungen von fünf Jahren In den nächsten Tagen werden wiederum einige tausend junge Juden in Deutschland vor eine der wichtigsten Entscheidungen ihres Lebens gestellt. Noch schwieriger als in den vergangenen Jahren ist der Schritt ins Berufsleben, weil das Ziel des Weges nicht oder nur schwer bestimmbar ist. Deshalb hat unser Mitarbeiter mit dem Leiter der Abteilung Berufsausbildung und Berufsumscbichtung der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland, Dr. Georg L u b i n s k i, eine Unterhaltung über den gegenwärtigen Stand der Berufsausbildung jüdischer Menschen in Deutschland geführt. Unter dem Begriff „Berufsausbildung" versteht man heute die Berufsvorbereitung (in Vorlebre, 9. Schuljahr und dgl.), die Erstausbildung und die Berufsumschichtung. Die folgenden sachlichen Informationen beziehen sich im wesentlichen auf Erstausbildung und Berufsumschichtung in den manuellen Berufen. Die vielen anderen Spezialprobleme wie Erlernung der Sprachen, Vorbereitung auf geistige Berufe, das grosse ■ Gebiet der kaufmännischen Berufe, die Mädchenausbildung — die wir gesondert behandeln — müssen in diesem Rahmen ausser acht bleiben. Die Redaktion. Mit diesem Monat sehliesst ein Jahrfünft ab, das — abgesehen vom Wandel in der sozialen und beruflichen Struktur der Juden im ganzen — reich ist an Erfahrungen auf dem Gebiet der Ausbildung in den manuellen Berufen. Von 1933 ab stand die Berufsumschichtung, die Umstellung nicht mehr ganz junger Menschen zu andern, durchweg handwerklichen Berufen, im Vordergrund, wahrend die Erslausbildung der Schulentlassenen etwa seit 1935 der nennenswerte Faktor in der Berufserziehungsarbeit der jüdischen Körperschaften wurde. Heute steht die Ersiausbil dun g an vorderster Stelle. Das ergibt sich, wenn man allein die von der Reichsvertretung bzw. von den jüdischen Gemeinden erfassten Menschen betrachtet — und das sind die meisten, denn viele, die sich in Einzelausbildung befinden, sind oft nicht erfassbar — am deutlichsten aus folgendem Zahlenbild: Berufs- Erst- Umschichtung ausbildung 1936 . . 60 % 40% 1. April 1937 . . 50 % 50 % Anfang 1938''. . 40% 60% Der Schwerpunkt und die Hauptsorge der massgebenden jüdischen Stellen liegen also jetzt bei der Erstausbildung. Worauf ist diese Verschiebung 'zurflcksnführen? Die Berufsumschichtung ist eine Folgeerscheinung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, und der Zustrom ist abhängig von der objektiven Notwendigkeit und dem subjektiven Hindrängen zur Umstellung. Nach und nach hat sich die altersmässige Obergrenze dadurch gesenkt, dass die' Zahl der A eiteren zurückging und die Beschaffung nor- Josef Popper-Lynkeus Zu seinem hundertsten Geburtstag Er ist am 21. Februar 1838 in Kolin in Böhmen geboren. Bei seinen jüdischen Eitern im Ghetto t ging es dürftig zu, aber die Mutter war wohltätig fast über ihre Verhältnisse. Er besuchte zuerst den Cheder, dann nicht hervorragende Realschulen, um Techniker zu werden. Er wäre dann Assistent am Prager Polytechnikum geworden, aber er wurde als Jude abgewiesen. Er bätte eine Volontärsstellung bekommen, aber er hatte keine Protektion und musste sein Brot als kaufmännischer Angestellter im Banat verdienen, bis er das Wechseifieber bekam, dann in Wien mit Privatstunden, dann mit^ einer Zeitungskorrespondenz über technische Vorträge, die ihm kaum das Gehalt eines Ladendieners eintrug, dann als „Hofmeister" eines Gymnasiasten, wobei er zwei Jahre Ruhe und Müsse fand, sich fortzubilden, und schliesslich seit 1867 als Erfinder. Seine erste Erfindung waren die sogenannten Kesseleinlagen. Biechapparate zur Verhinderimg des Anbrennens von Dampfkesseln, zur Vergrosserung der Explosionssicherheit, zur Beschleunigung der Wasserzirkulation und zur Ersparung von Brennstoff. Immerhin kamen Popper und sein Bruder David, der das Kaufmännische besorgte, auf ihre Rechnung. 1S87 publizierte er die Ergebnisse seiner Studien „über Kondensatoren und Kühlapparate'' mittels bewegter Luft", 1890 konnte er bei Siemens und Halske in Wien seinen ersten grossen Luftkondensator (etwa 60 PS), dann im staatlichen Silberbergwerk zu Pibram einen grösseren aufstellen und 1891 das „selbstventillerende Gradierwerk" patentieren lassen. Wir sehen in diesen Jahren den seltsamen Mann überall und nirgends in Mitteleuropa, er lebt auf Reisen, muss selbst in jeden mit seiner Erfindung versehenen Dampfkessel hineinkriechen, denn den Kesselwärtern, denen seine Erfindung da? Reinicungsgeld nimmt, sind seine Feinde. Daun wieder ist er in München bei der maier Lernmöglichkeiten in Einzellehrstellen für die Jungen immer schwieriger wurde. Ende vorigen Jahres befanden sich im öffentlichen jüdischen Berufsausbildungswerk etwa 1700 Umschichtler — diejenigen allerdings, die auf Hachschara im Ausland waren, nicht mitgerechnet — und über 1700 Erstauszubildende. Diese insgesamt rund 3500 Menschen verteilten sich zu fast gleichen Teilen auf Landwirtschaft und Handwerk. 80 Prozent-waren in Kollektiv- und 20 Prozent in Einzelausbildungsstellen. In welchem Verhältnis steht das Menschenangebot zu den vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten? Nach wie vor ist der Andrang zur landwirtschaftlichen wie zur handwerklichen Ausbildung sehr stark; er überschreitet sogar weit den Rahmen der Ausbildungsmöglichkeiten und steht, was noch mehr ins Gewicht fällt, in keinem Verhältnis zu den Geldmitteln. Dabei wird» wer jünger als 15 Jahre ist, gar nicht aufgenommen — sehr zum Leidwesen von Eltern und Kindern, die zuweilen allzu früh auf die praktische Ausbildung hindrängen. Die federführende Abteilung der Reichsvertretung vertritt in dieser Hinsicht nach wie vor den Standpunkt, dass keineswegs allein finanzielle Erwägungen, vielmehr pädagogische und bildungsmässige Gründe gegen einen zu frühen Beginn der manuellen Ausbildung Jugendlicher sprechen. Erst, die Schule, dann die Berufsausbildung! Volksschüler sollen auf jeden Fall vor Beginn der beruflichen Ausbildung eine Berufsvorbildung in Einrichtungen des 9. Schuljahres, der Grundlehre oder der Vorlehre erhalten. Die Zahl der in der landwirtschaftlichen Ausbildung Stehenden ist im Verhältnis zur Gesamtzahl stark gesunken. Die Möglichkeiten für Landwirte in Palästina sind zurückgegangen, und grosse jüdische Siedlungsgesellschafien wie die ICA setzen auf ihren Böden in Südamerika nicht einzelne Menschen, sondern nur ganze Familien an. Das ist zweifellos ein erschwerendes Moment. Ueber wieviel Ausbildungsstätten verfügen wir gegenwärtig? Ueber mehr als 120, wenn man alle Möglichkeiten einbezieht. Von diesen Einrichtungen sind: I. landwirtschaftliche (einschl. Gärtnerei): a) Koilektivaasbildungsstätten .... 31 h) Hachscharazentren....... 1 II. handwerkliche (Lehrwerkstätten, Lehrgänge, Kurse)..........26 III. Wohnheirae (Bäte Cbaluz)...... 32 IV. dem 9. Schaljahr gleichgestellte Einrichtungen........... 4 V hauswirtschaftliehe u. dgl...... 29 Vor kurzem haben Reichsvertretung und B2rliner Jüdische Gemeinde einen Versuch mit der Elektrischen Ausstellung, deren Sensationen Edisons Glühlampen und die erste öffentliche elektrische Kraftübertragung (von Miesbach nach München) durch Deprez sind, Deprez wird bejubelt und bewundert, und wie mag dabei unserm Popper zumute sein, der zwanzig Jahre zuvor die elektrische Kraftübertragung konzipiert hatte; sein Vorschlag lag in einem versiegelten Umschlag bei der Kaiserlichen Akademie in Wien. Die geistige Priorität blieb ihm allerdings unbestritten, und zwei Jahre nach Deprez' und Werner v. Siemens' öffentlichen Darstellungen publizierte auch die Wiener Akademie Poppers Konzeption. Von seinem 16. bis zum 73. Lebensjahr Hess ihn das Interesse für die Luftschiffahrt nicht los. Als Achtzehnjähriger erfand er einen Motor für Flugmaschinen, den er später wertlos nennt. 1875veröffentlicht die Akademie Poppers Abhandlung „über die Quelle und den Betrag der durch Luftballons geleisteten Arbeit", es folgt eine ganze Reihe teils physikalischer, teils flugtechnischer Arbeiten, besonders die Bücher ..Flugtechnik" 1889 and „Der Maschinen- und Vogelflug" 1911, worin einige Ideen. Analysen und Formulierungen von bleibendem Wert sind. Auch mancherlei Praktisches resultierte aus dieser Liebe zur Luftschiffahrt, so die 1880 patentierte Idee der Kaptiv-Schraube, die die Fesselballons ersetzen sollte und wohl zuerst die Anwendung des" Gyroskops in der Flugtechnik angeregt hat, und endlich proponierte Popper als erster die Herstellung von Landungshäfen für lenkbare Luftschiffe. Durch ein gründliches Studium der Aesthetik kam Popper zu seiner Kritik der Urteilskraft, zur Leugnung jeder objektiven Gültigkeit irgendeines Geschmacksurteils und endlich zur Erkenntnis, die ästhetische Intoleranz sei „nur eine Abart unserer allgemeinen Intoleranz." 1886 hatte er eine Schrift ,,Fürst Bismarck und der Antisemitismus" publiziert: „In dieser Schrift suchte ich in ganz objektiver Weise die sogenannte Judenfrage zubesprechen." Und schliesslich ging es ihm ähnlich mit seinem grossen, 1905 erschienen Voltaire-Buch, worin er zunächst Einrichtung von Schmelzschweisskursen gemacht, deren Brauchbarkeit sich demnächst, wenn die ersten Absolventen zur Entlassung kommen, erweisen wird. „Gesucht" ist nach wie vor eine praktische Ausbildung, die mit dem früheren, zumeist kaufmännischen Beruf irgendwie zusammenhängt. Da gibt es die zahlreichen Zuschneidekurse, die vor allem Textilfachleuten besonders „liegen". Dabei spielt der Gedanke oft eine erhebliche Rolle, dass man, wenn die berufliche Umstellung fachlich benachbart bleibt, im neuen Land vielleicht wieder einmal in einen alten Beruf zurückkehren kann — eine aus manchen Gründen problematische Angelegenheit Und wieviel Menschen sich auf die Massage stürzeja! Diesem starken Andrang sollte Einhalt geboten werden, weil es sich ernsthaft fragt, ob die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im fremden Land, dessen Milieu man nicht kennt, ausreichen. Das Problem der Kosten auf bringung macht naturgemäss allen Beteiligten viel Kopfzerbrechen. Wie steht es jetzt mit den Zuschüssen oder — wie man so unschön sagt — mit der Bezuschussur.g? Die Monatskosten, für handwerkliche Ausbildung 30 RM (ohne Unterkunft und Verpflegung), für landwirtschaftliche Ausbildung 45 RM „inklusive", sind so ziemlich dieselben geblieben. Vor etwa einem Jahr hatte die Reichsvertretung die Gewährung von Zuschüssen an Umschichtler, nicht aber auch an Erstauszubildende, sperren müssen. Diese Massnahme wurde im Februar dieses Jahres wieder aufgehoben, obwohl die für die Berufsausbildung zur Verfügung stehenden Mittel inzwischen nicht grösser geworden sind. Aber es sollte verhindert werden, dass Umschichtler dauernd vom Zugang zur Berufsausbildung ausgeschlossen werden. Indes, es wurden Beschränkungen eingeführt. Um Fehlausbildungen zu vermeiden, darf der Züsch uss an Umschichtler neuerdings erst dann bewilligt werden, wenn ein Guiachten des Auswandererberaters des Hilfsvereins bzw. des Palästina-Amts darüber vorliegt, dass durch die beabsichtigte Berufsausbildung die Auswanderung des Bewerbers in sichere Aussicht gestellt werden kann. Die Zuschüsse werden normalerweise je zur Hälfte von der Reichs Vertretung (bzw. ihrer zuständigen Bezirksstelle für Berufsausbildung und Berufsumschichtung) und der Heimaigemeinde geleistet Nur dann, wenn, was nicht selten vorkommt, die örtliche Gemeinde selbst „Z-" bzw. „TZ-Gemeinde" (d. h. Zuschuss¬ bzw. Teilzuscbussg«meinde) ist, springt die Reichsvertretung mit ihren zentralen Mitteln ein. Das Jahr 1937 hatte bemerkenswerte Fortschritte im Gesamtaufbau der Berufsausbildung zweifellos in einer Hinsicht zu verzeichnen: Erstausbildung und Berufsumschichtung erhielten ein immer stärker durchorganisiertes System mit einem Lehr plan und mit Bestimmungen über Zwischen- und Endprüfungen. So erfolgt z. B. heute die landwirtschaftliche Erstausbildung in der Kurmark nach diesem für ihn monumentalen Manne Genugtuung verschaffen wollte: „Ich sagte sofort: es gelang mir nicht," berichtet er später. Neben der Charakter-Analyse Voltaires enthielt Poppers Werk aber auch schon sein eigenes Programm, die Kerngedanken seiner sozialpolitischen, sozialphilosophischen und ethischen WTerke „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben", „Fundamente eines neuen Staatsrechts", „Das Individuum und die Bewertung menschlicher Existenzen" und vor allem „Die allgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage." Er polemisiert gegen die gesamte Nationalökonomik, beweist, wie alle Theoretiker einander in entscheidenden Fragen widersprechen, wie viele unzugehörige Fragen in diese Wissenschaft hineingetragen werden und das Eigentliche nur verwirren. Man müsse die soziale Frage von allem Sonstigen, von allem Sonder-, Partei- und Weltanschauungs-Interesse frei sehen. Sie sei nur lösbar, wenn man jedem Individuum das Existenzminimum beschaffe und unter allen Umständen garantiere. Diese allgemeine Nährpflicht der Allgemeinheit könne nur durch eine Nährarmee erfüllt werden, deren Einrichtung und Funktionen Popper sachlich vorrechnet. - Man sieht, es ist ein aufs Grosse und Ganze zielender Plan, der unbedingteste Entwurf von Weltverbesserung, der wohl je unternommen wurde. Denn Popper geht davon aus, dass jedes Individuum auf Erden das Recht zu leben habe. Dieser Idealist, der als Naturwissenschaftler und Praktiker Realist, nannte sich auch einen Realisten, als er, ein längst gereifter Mann, zum Erstaunen seiner Freunde und seiner selbst schliesslich als Dichter auftrat und mit zwei Bänden kleiner Prosa „Phantasien eines Realisten" unter dem Pseudonym Lynkeus mehr Erfolg einheimste als mit seinen übrigen Büchern. Es sind kurze, exemplarische Stücke?on einer Sinnfälligkeit und (damals besonders) Kühnheit, die ihresgleichen suchen. Im Stofflichen: die geradezu anekdotische Darstellung menschlicher Leidenschaften und psychischer Phänomen, Geschichten um die grössten historischen Persön- Zu haben in den guten Fachgeschäften Richtlinien des Reichsnährstandes. Die tägliche praktische Arbeit, naturgemäss jahreszeitlich bedinft, umfasst im Durchschnitt sieben Stunden; dazu kommen Fachunterricht und Judentumskunde, sofern ein Bund oder eine Jugendorganisation Erziehungsinhalt und Erziehungsrichtung einheitlich bestimmt. Für den Winter sind neuerdings zwei landwirtschaftliche jüdische Wanderlehrer gewonnen worden. Die Erstausbildung in der Landwirtschaft dauert normalerweise zwei Jahre und findet meist ihre ergänzende Fortsetzung in einer etwa einjährigen Ausbildung im Ausland. Für die Umschichtler ist die Ausbildungsdauer auf nur anderthalb Jahre bemessen. Die handwerkliche Ausbildung ist in ihrer Lehrplangestaltung angelehnt an die Richtlinien des DATSCH (Deutscher Ausschuss für technisches Schulwesen). 34 Stunden praktischer Arbeit pro Woche stehen hier 14 Stunden theoretischen Unterrichts gegenüber. Die Erstausbildung nimmt drei Jahre in Anspruch, die Umschichtung, jedenfalls soweit es sich um Metall- und Holzbearbeitung handelt, zwei Jahre. Liegen bereits Erfahrungen mit den Prüfungen vor? Die Zwischenprüfungen, die übrigens vorläufig noch freiwillig sind haben schon stattgefunden, und es ist sehr bemerkenswert, dass die Ergebnisse von den Prüfern, beim Handwerk jüdischen Handwerkern, als normal, teilweise sogar als überdurchschnittlich bezeichnet wurden. Zum Massstab'nahm man dabei die Resultate, zu denen es Lehrlinge bei der Ablegung der Gesellenprüfung bringen. Schlussprüfungen sollen zum erstenmal Ende März'Anfang April stattfinden, und wird erwogen, dte mit der Prüfung beendigte Ausbildung mit der Erteilung eines „Zeugnisses für Auswanderer1" zu beschliessen. Gross ist die Sorge darum, so erklärt Dr. Lubinski am Schluss der Unterhaltung, das« "möglichst kein Intervall zwischen dem Abschlusa der Ausbildung und dem Antritt der Auswanderung entsteht. Darum versucht man intensiv, den fertig Ausgebildeten während der Wartezeit eine vorübergehende Betätigungsmöglichkeit im Industriebetrieb bzw. auf einer Landwirtschaftsstelle zu verschaffen. Eine Fülle von Wünschen. Schwierigkeiten und Problemen! So viel Menschen, so viel Fragen ... Dr. Ernst G. Löwenthal. lichkeiten von Konfuzius über Caesar, die Grosse^ der Renaissance und die Enzyklopädisten bis zu Napoleon. Im Stil: unerhörte Gedrungenheit und Knappheit, Verzicht auf wertende Adjekiiva und Urteile, eine förmlich naturwissenschaftliehe Sachlichkeit und Objektivität, manchmal amoralisch wie das Vorbild, die Natur. Der Dichter selbst verweist auf die chinesische Schreibart, die sein Vorbild gewesen sei; der orientalische Duktus ist unverkennbar, und besonders die „historischen" Stücke könnte man Midraschim nennen. Das Jüdische ist wohl überhaupt bei diesem so sehr ethischen Menschen klar am Tage, nicht nur in Geschichten, wo etwa König Salomo auftritt oder ein grossartiger Rabbi aus Kiew mit Luther und Melanchthon disputiert, sondern überhaupt in der Tiefe des Gemüts, in der Schätzung des Geistes, in der unheimlichen Symbolik, von der dann wohl Kafka herkommt, in der Proklamierung des Rechts zu leben, in der Skepsis und Güte. Die biographischen Angaben zu diesem Punkte sind nicht minder wichtig. Er hatte in Konsequenz seiner Anschauungen die religiöse Zugehörigkeit zum Judentum aufgegeben, was ihn, wie erwähnt nicht hinderte, zum Apologeten des Judentums zu werden. Um seine Solidarität mit den Verfolgten zu bekunden, machte er nach den russischen Judenpogromen seinen Austritt wieder rückgängig. Er sympathisierte mit dem Zionismus und vermachte schliesslich seinen grossen Bücherschatz der Jerusalemer Nationalbibliothek. Popper-Lynkeus' schöne, weil sehr schlichte und sachgetreue, beinahe unpersönliche Autobiographie, die 1916, vier Jahre vor seinem Tode, * erschien, sehliesst: „Wie hoch oder gering man auch meine Fähigkeiten und meine Verdienste schätzen oder welche Ansichten man auch über die Zukunft meiner Ideen haben mag — das eine ist gewiss: ich habe mein Leben lang gearbeitet, und ich habe mir auch Aufgaben für nicht egoistische Zwecke gestellt; gearbeitet für mich, für andere, und, der Absicht nach, auch zur Förderung der Menschheit. Und ich!>in, wie jeder redliche Arbeiter, .meines Lohnes weil', nämlich: Ich bin zufrieden." Leo Kirsch.