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Central-Verein-Zeitung · 1938-03-03 · 9 (3.3.1938) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
9 (3.3.1938)
Date
1938-03-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 C-V.-Zeitung * Nr.9 * 3. Marz/1938 Soll Ich meine Tochter weiter zur Schule gehen lassen? Diese Frage, die telephonisch, brieflich, in der Sprechstunde in diesen Wochen besonders Läufig wiederkehrt, läset sich nicht ganz eindeutig beantworten. Einige Vorfragen müssen zunächst geklärt werden: welche Schule besucht die Tochter, und wie sind ihre Schulleistungen? Welche Berufspläne hat sie und wo liegen besondere Begabungen? Welche Möglichkeiten kann ihr das Elternbaus noch bieten? Vor allem aber tnüsste man sich die Tochter, die gemeint ist ansehen, nicht einmal, sondern •wenn es geht, des öfteren, und da das i% einem Zeitungsaufsatz nicht möglich ist, können hier nur sehr allgemeine Hinweise zur Bildungs- und Berufsfrage der jüdischen Mädchen gegeben werden. Grundsätzlich gilt, für Mädchen wie für Jungen, dass eine abgeschlossene Bildungsstufe jeder abgebrochenen Ausbildung vorzuziehen ist, d. h. also, dass man in der Regel .empfehlen wird, jede Schule bis zu ihrem Abschluss zu besuchen. Für unsere jüdische Jugend in Deutschland ist heute die. Volksschule der gegebene Schultyp. Dazu zwingen nicht nur materielle Grunde, sondern die Einsicht, dass für die Berufe, die unsere Jugend überall in der Welt ausführen kann, für den Lebensstil, den sie finden muss, die Volksschule den entsprechenden Unterbau bildet. Als wünschenswert hat sich Juwelier £^ &y Jpowetzki <^ / Ank.G.Nr.ll,'48541 Berlin WS, Friedrichs!rasse 193a, Ecke Leipziger Stresse ^» erwiesen, dass die allgemeinbildenden und jüdischen Fächer in einem 9. Schuljahr noch vertieft werden. In diesem Jahr wird dem Sprachunterricht besonderer Wert beigemessen, und es wird versucht, die künftige Berufsausbildung sowohl praktisch wie gedanklich vorzubereiten; das geschieht für die Mädchen durch eine Anleitung in hauswirtschaftlichen Fertigkeiten und eine erste Einführung zu Frauentagen. Dieses Bildungsjahr sollte als Abschluss der Volksschulbiidung auch für die weibliche Jugend wahrgenommen werden. Im Jahre 1937 besuchten 10 438 jüdische Kinder allgemeine, 17 834 Kinder jüdische Volksschulen. Auf höheren und Mittelschulen waren zu diesem Zeitpunkt im ganzen 10 360 jüdische Kinder; 4524 in allgemeinen, 5836 in jüdischen höheren und Mittelschulen; darunter waren 2758 Mädchen. Dieser Prozentsatz hätte seine Berechtigung, wenn er 'die wirklich Begabten erfassen und nicht eine Anwartschaft auf „höhere Berufe" und einen überholten Lebensstandard in sich schliessen würde. Dass diese Gefahr noch besteht, dass die höhere jüdische Schule ihre berufspädagodsche Aufgabe noch nicht ganz erfasst hat beweist folgende Erfahrung: im vergangenen Jahre hat die Reichsvertretung der Juden in Deutschland durch ihre Statistische Abteilung eine Umfrage an alle Jugendlichen gerichtet, die April 1937 jüdische Schulen verlassen haben, um ihre Berufs- und Ausbild ungswünsche festzustellen. Diese Umfrage ergab, dass sich 16.88 Prozent der Mädchen für den hauswirtschaftlichen- Beruf, 24,72 Prozent für ein Handwerk entschieden hatten. Bei den abgehenden Schülerinnen einer höheren jüdischen Schule in Berlin taucht der Wunsch nach dem hauswirtschaftlichen Beruf nicht ein einziges Mal auf, und handwerkliche Berufe wünschen sich nur 14 Prozent dieser Mädchen. 8,8 Prozent geben als Berufsziel „Auswanderung" an, ohne sich klar darüber zu sein, dass gerade dafür eine sorgfältige Ausbildung vorausgesetzt werden muss. 41 Prozent der Schülerinnen dieses Lyzeums hatte sich für .,weitere Schulausbildung" entschieden, und es ist anzunehmen, dass damit ein Studium gemeint ist. Dazu muss mit aller Klarheit ausgesprochen werden, dass jüdische Mädchen in und aus Deutschland heute kaum Studienmöglichkeiten haben. Die wenigen Stipendien stehen zunächst nur der männlichen Jugend zur Verfügung, und es bleibt, ein Zufall, wenn — etwa durch persönliche Beziehungen — ein Mädchen zum Studium kommt. Aber es bleibt auch die Hoffnung, dass echte Begabung sich ihren Weg bahnen wird, z. B. nach oder neben einer Erwerbstätigkeit, die Sparrücklagen erlaubt. Jedenfalls ist — nach dem Urteil eines Sachverständigen auf diesem Gebiet — gerade bei Mädchen neben hervorragender Begabung ein gewisses Mass von Robustheit notwendig, um sich durchsetzen zu können. Diese Gesichtspunkte müssen zu einer strengen Begabtenauslese für die Aufnahme in höhere Schulen führen. Wer nicht eine gewisse Gewähr bietet dass er „durchhalten" kann, sollte auf die Volksschule verwiesen werden. Es erleichtert diesen Entschluss, dass gerade für Mädchenberufe, die eine mittlere Reife verlangen, auch den Absolventinnen der Volksschulen durch Nachweis einer schulwissenschafilichen Prüfung der Zugang zu diesen Berufen ermöglicht wird. Weiche Berufe gibt es heute überhaupt noch für unsere jüdischen Mädchen, und welchen Platz hat die weibliche Jugend innerhalb der jüdischen Gesamtaufgaben auszufüllen? Auf beide Fragen lässt sich eine Antwort .geben: hier und im Ausland braucht die jüdische Gemeinschaft Mädchen und Frauen, die einen Privathaushalt oder Grossbetrieb gut und sparsam zu bewirtschaften verstehen. Darum — und um der eigenen Zukunft willen — sollte jedes Mädchen zunächst den Haushalt erlernen. Jüdische Hauhaltungsschulen und Heime sind als Anlernstätten dem Privathaushalt vorzuziehen, weil die weibliehe Jugend dort in ein Gemeinschaftsleben hineingestellt wird, das dieser Altersstufe gemäss ist. Neben praktischer Anleitung auf allen Gebieten der Hauswirtschaft und theoretischem Fachunterricht gibt es in diesen Ausbildungsstätten Sprachkurse, Fortbildung in jüdischen Fächern, und das frohe Gemeinschaftsleben der Jugend kämmt hier voll zu seinem Recht Für die zionistische weibliche Jugend stehen die Ausbildungsstätten der Mittleren-Hachschara zur Verfügung, wo Jungen und Mädchen gemeinsam ausgebildet werden. Das gleiche gilt für die Ausbildungsgüter Neuendorf und Gross-Breesen; an die jüdische Gartenbauschule in Ahlem ist ebenfalls eine Mädchen abteilung angegliedert. Auf diesen Ausbildungsgütern, haben die Mädchen Gelegenheit, nach einem hauswirtschaftichen Lehrjahr noch in Kleintierzucht, Gartenbau, Milchwirtschaft als Siedlerin ausgebildet zu werden. Der haus wirtschaftliche Beruf bietet wie die Erfahrungen immer wieder bestätigen, in jedem Land ein Existenzminimum. Daher wird jetzt vom Hilfsverein der Juden in Deutschland, der auf diesem Gebiet in enger Verbindung mit dem Jüdischen Frauenbund arbeitet, eine Auswanderung nur bei denjenigen Mädchen in die Wege geleitet, die ein Mindestmass an hauswirtschaftlicbem Können nachweisen und bereit sind, zunächst in eine Haushaitstelle zu gehen. Aber dennoch soll dieser Beruf nicht der einzige für unsere Mädchen bleiben. Die jüdische Gemeinschaft braucht auch die Kranken-und Säuglingspflegerill, die Kindergärtnerin und Hortnerin, die Lehrerin an Schulen und Fachschulen und hat daher für entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten Sorge zu tragen. Besonders erwähnt sei, dass im April 1938 an der Jüdischen Haushaltungsschule in Frankfurt a. M. wieder ein Lehrgang für technische Lehrerinnen (Hauswirtschaft und Nadelarbeit) beginnen wird. Diese Lehrkräfte werden an jüdischen Schulen und Haushaltungsschulen dringend benötigt, und die Volksschul-, Sport- oder Gymnastiklehrerin, die ihre Ausbildung in einem solchen Lehrgang ergänzt, verbessert ihre Anstellungsmöglichkeiten bei einer späteren Auswanderung. Alle diese Berufe setzen hauswirtschaftliche Vorbildung voraus und ermöglichen meist auch ein hauswirtschaftliches Praktikum, da man erst mit 17 (Kindergärtnerin, Säuglingspflegerin) oder 18 Jahren diese Spezialausbildung beginnen kann. Die zweite grosse Berufsgruppe, die für unsere jüdischen Mädchen in Betracht kommt, ist die handwerkliche. Ein Ausbau der Ausbildungsmöglichkeiten hierfür ist unbedingt notwendig. Zwar sind in manchen Orten, z. B. in Berlin, noch Lehrstellen bei jüdischen Schneidermeisterinnen für ortsansässige Mädchen deutscher Staatsangehörigkeit zur Verfügung (vermittelt durch die städtischen Arbeitsämter), zwar gibt es Fachklassen für Schneiderei an den jüdischen Haushaltungsschulen in Frankfurt a. M., Breslau und Hamburg und ausgebaute Fachschulen für jüdische Schneiderinnen in Hamburg und Köln; aber der Bedarf der Provinz ist damit nicht gedeckt, und es wäre wichtig, Ausbildungsmöglichkeiten für Korsett n ä h e n, Nähen von Berufskleidung usw. zu schaffen, da im Ausland eine gewisse Nachfrage dafür besteht. Bei den Ausbildungswünschen der Mädchen wird Modezeichnen und Frisieren des öfteren verlangt. Man sollte Modezeichnen nur bei überdurchschnittlicher Begabung und nur in Verbindung mit Schneiderei empfehlen; für den Beruf der Friseurin besteht bedauerlicherweise zur Zeit keine Ausbildungsmögiichkeit. Mit einer gewissen Besorgnis kann der übermässige Andrang zur jüdischen Handel s - schule erfüllen. Würde auch diese Schule hauswirtschaftliches Können voraussetzen, so könnte man die kaufmännische Ausbildung als Ergänzung begrüssen, namentlich wenn die fremdsprachlichen Fächer besonders gepflegt werden. Aber als einziger Beruf wird diese Ausbildung unsere jüdischen Mädchen immer weniger befriedigen und ihnen nur bei besonderer Begabung und guten Auslandsbeziehungen ein Fortkommen bieten- Dass besondere Begabungen — sei es auf künstlerischem und kunstgewerblichem Gebiet oder im Kunsthandwerk, sei es im Sport oder Gymnastik — zu fördern sind, sei kurz erwähnt, obwohl diese Berufe nicht als typisch für die weibliche Jugend angesehen, werden können. Es kann sich an dieser Stelle nicht darum handeln, eine erschöpfende Uebersicht über die Mädchenberufe zu geben. Ein Hinweis auf die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Berufsausbildung schien jedoch unumgänglich, da beute wieder die Gefahr besteht, dass für die Mädchen der Zeitpunkt der Schulentlassung oft den Abschluss ihres Bildungsganges bedeutet. Für die Tochter aber gilt das gleiche wie für den Sohn: je unsicherer der Lebensraum unserer Jugend wird, desto wichtiger wird es für sie, sich einen Lebensinhalt zu schaffen, der ihren Anlagen und Kräften entspricht und ihr eine innere Sicherheit verleiht Nur dann kann sie ihrer Aufgabe gewachsen sein. Die Aufgabe der jüdischen Mädchen, die in diesen Jahren ins Leben treten, aber wird heissen: gemeinsam mit der männlichen .Jugend« irgendwo in der Welt einer neuen jüdischen Jugend Heimstätten zu bereiten. Hannah Karminski. Schulen stellen sich vor Zu einem Tanzabend hatte Irmingard W i 11u e r mit ihren Schülerinnen gebeten. Und was man da an karnevalistisch heiterem, an Girl-und Bauerntänzen sah, war recht hübsch und legte angenehmes Zeugnis ab van der Lehrbefähigung der jungen Meisterin, die aus der Schule Mary Zimmermanns kommt. Ein starkes Gefühl für Bühnenwirksamkeit wohnte all den kleinen Szenen inne, die als „Galante Promenade", „Zeitungsjungentanz" — dieser besonders nett in seiner Spitzbubenhaftigkeit — und „Marions Puppenstube" über die Bretter zogen, und Steptänzerinnen und Akrobatinnen ebenso zeigten wie die zukünftigen Ballerinen auf Spitzen. Alles in allem ein hübscher Abend, um dessen Gelingen zahllose Mütterherzen nicht umsonst geklopft haben. * Der „Heitere Abend" der Höheren Privatschule für Knaben und Mädchen Luise Zickel stand im wesentlichen unter zwei Flaggen: unter der Union Jack und unter der Flagge jüdischer Wohltätigkeit Lustig wehte über ,,Cinderella" und über dem kleinen „David Copperfield" das blaurote Banner, und wenn nicht alles trügt, so darf dieser Schule, die für das Auf nahm eexamen in Cambridge vorbereitet, für das Fach Englisch getrost das Prädikat „Sehr gut" zugesprochen werden. Die jüdische Wohltätigkeit appellierte im Namen des „Elternhilfswerks für die jüdische Jugend" an die Herzen und die Einsicht derjenigen Eltern, die durch ihre Spenden einem begabten Kinde den Uebergang von der Volksschule in eine mittlere oder höhere Schule ermöglichen helfen können. Oft, so führte der Vorsitzende, Dr. G1 a s e r f e 1 d, aus, sei es nicht das Schulgeld allein, das mangele, sondern schon das Fahrgeld von der Wohnstätte zur entfernt liegenden Schule sei unerschwinglich für eine in bedrängten Verhältnissen lebende Familie. Ein paar Beispiele berichten von der unterstützenden Tätigkeit des- Elternhilfswerks in solchen und ähnlichen Fällen, und es bleibt nur zu hoffen, dass die Werbetrommel für diese Institution, die solcherart im heiteren Rahmen gerührt worden ist, nicht angehört verhallen möge. V. C. Die Private Jüdische Waldschule Grunewald (Frau Toni Lessler), gab in eiaer geschmackvollen und liebevoll aufgebauten Schau einen hübschen Ueberblick über das, was im Zeichen- und Handarbeitsunterricht, in der Werkstatt und selbst in der Küche von den Schülern geleistet wird. Ob die Kleinsten „ihr" Haus, „ihre"" Synagoge nachzubilden suchen oder die Grösseren zwischen Naturwiedergabe und Phantasie in wechselvollen Aufgaben geschult werden, die pädagogische Absieht, Hemmungen und Aengstlichkeit zu nehmen, bewährt sich in den vielfach sehr beachtlichen Arbeiten. Ein englischer Bücherpreis für jüdische Prüfungskandidatin aus Berlin. Hilde Richard, eine der Schülerinnen der Waldschule Kaliski, die im Dezember 1937 die englische Schulabschlussprüfung der Universität Cambridge bestanden haben, erhält jetzt die Nachricht, dass sie als die erfolgreichste Kandidatin ihrer Prüfungsgruppe mit einem von Baron Leopold Rothschild hierfür gestifteten Bücherpreis von 4*h englischen Pfund ausgezeichnet worden ist. Fortbildungskurse für englische Lehr« kräfte Die Schulabteilung der Reichsvertretang teilt mit: Es ist in Aussicht genommen, in der Zeit vom 3. bis 13. April für eine begrenzte Teilnehmerzahl eine Fortbildungstagung für Lehrkräfte des Englischen in Lehnitz stattfinden zu lassen. Es -sollen Hebungen in Phonetik, Phraseologie, Stilistik mit seti riftlichen Hebungen startfinden; ferner "Vorträge über englisches und amerikanisches Leben, sowie Vorlesungen durch englische Lektoren. Ausserdem sind täglich Konversationsstunden geplant, an *iie sich auch Referate der Teilnehmer ansehiiessen sollen. Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Kurs: 4 RM täglich. Meldungen von Lehrkräften, die an jüdischen Schulen englischen Unterricht erteilen und den Wunsch haben, an einer solchen Tagung teilzunehmen, sind zu richten an die Reichsvertretung der ' Juden in Deutsehland. Schol-abteilung Berlin- Cfaarlottenburg 2, Kantstr. 158. S/KEI^ENM A-RM^f Nur für jüdische Arbeitgeber und Arbeitnehmer ANGEBOTE Erfahrenes Dienerehepaar jüdisch, für nichtnt. Villenhansbalt nach Milteldeutschld. gesucht. Zeugnisabschriften. Photos. 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