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Central-Verein-Zeitung · 1938-01-13 · 2 (13.1.1938) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
2 (13.1.1938)
Date
1938-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 C-V.-Zeitung Nr. 2 * 13Januar1938 Berufsausbildung in Südamerika IL Brasilien Auch in Basilien*) existiert eine grosse Anzahl von Schulen, die der Berufausbildung dienen. In Rio de Janeiro gibt es allein zwei staatliche Institute. Das eine, das den Namen „Souza Aguiar'' trägt, führt die Elementarausbildung durch, während die höheren Kurse in dem anderen, „Visconde de Maua", abgehalten werden: diese liegt in einem kleinen Ort in der Nähe von Rio. Beide Schulen nehmen Schüler extern auf, unterhalten daneben aber auch ein Internat. Die Aufnahmebedingungen für die Schüler, die wenigstens 11 Jäher alt sein und die Grundschule besucht haben müssen, sind für In- und Ausländer die gleichen, Schulgeld wird nicht erhoben. Nur muss der Schüler portugiesisch sprechen können. Der dreijährige Lebrplan umfasst gründliche Kurse praktischer und theoretischer Art. Es ist den Schülern aber auch die Möglichkeit gegeben, nach der Absolvierung des einjährigen Grundkurses die Schule mit . einem Zeugnis zu verlassen. Der theoretische Unterricht ist fakultativ. Es wird auf der Schule, die bereits sehr junge Schüler aufnimmt, auch in Portugiesisch, Französisch und Englisch, Mathematik, Geographie, Kulturgeschichte, Musik und in verschiedenen andern Fächern Unterricht erteilt. Dem Westeuropäer, der ja immerleicht geneigt ist, einzelne Ueberseeländer als in kultureller Hinsicht rückständig zu empfinden, fällt auf, dass im Lehrplan äuch für Hygiene Unterrichtsstunden vorgesehen sind. Die Schüler der Grundschule können nach einem Zulassungsexamen eine Spezialausbildung auf der „Visconde de Maua" erwerben. Absolventen dieses Instituts, die seine Diplome erworben haben, sind für staatliche Anstellungen zugelassen. Es ist üblich, eine gewisse Summe monatlich für die Verpflegung des Schülers zu erlegen. Im Staate Rio Grande do Sul gibt es zwei Berufsschulen. Es handelt si:h hier um katholische Schulen, die in erster Linie auch für katholische Kinder gedacht sind. Ausserdem aber nimmt eine Abteilung der Technischen Hochschule von Rio Grande do Sul. die sich in Porto Alegre befindet, auch Kinder von Auswanderern und natürlich auch von Juden auf. Auch hier ist die Ausbildung kostenlos. Sie umfasst fünf Jahre, jedoch ist es sehr schwer, auf dieser Schule angenommen zu werden, da die Anzahl der Bewerber ständig sehr gross ist. Im Staate S a o Paulo sind alle Berufsschulen staatlich. Ein Unterschied zwischen In- und Ausländem wird nicht gemacht, die Kinder von Auswanderern finden auf diesen Schulen leicht Aufnahme. Lediglich ein Schulzeugnis wird neben dem Nachweis gewisser Kenntnisse der portugiesischen Sprache, in der Naturgeschichte und der Geographie verlangt. Die Ausbildungsdauer nimmt 2 bis 4 Jahre in Anspruch und wird durch den Erwerb eines Diploms abgeschlossen. Ebenso wie in Rio de Janeiro ist die Ausbildung zwar kostenlos, jedoch ist für das Internat ein Entgelt zu entrichten, das etwa 20 Prozent unter dem Satz von Rio de Janeiro liegt. Dort beträgt es 360 Milreis im Monat. Die Schulen im Staate Sao Paulo nehmen Kinder nur bis zu 12, einzelne bis zu 14 Jahren auf. Nur ausnahmsweise wird das Aufnahmealter auf 16 Jahre ausgedehnt. Schliesslich findet man im Staate M i n a s G e r a e s die Schule ,,Escola de Apprendizes", *) Vgl. unseren auf Argentinien bezügliche Aufsatz in Nr. 52 der „C.-V.-Ztj:." vom 30. Dezember 1937. Wir weisen für diese beiden wie für die folgenden Berichte auf die ..Mitteilungen" der Hicern hin. die sich in Bello Horizonte befindet. Die Aufnahmebedingungen sind die gleichen wie in den anderen Staaten. Wie man sieht, sind die Berufsausbildungsmöglichkeiten in Brasilien sehr gut, wobei der Einwanderer beachten muss, dass das Aufnahmealter der einzelnen Schulen sehr niedrig ist. G. F. (Wird fortgesetzt.) Was ist mit Madagaskar? Die französische Oeffentlichkeit beginnt sich nunmehr ebenfalls mit dem Madagaskarproblem zu befassen. Es geschieht dies zumeist in sehr zurückhaltender und jeden Optimismus dämpfenden Form. Einerseits befürchtet, man, dass eine Forcierung der Kolonisationspläne, wie sie sichtlich von der polnischen Regierung weniger im Hinblick auf die Juden als auf die\erarmte bäuerliche Bevölkerung erstrebt wdrd, die französischen Pflanzer in ihrer Existenz gefährden könnten, andererseits machen sich auch unter der eingeborenen Bevölkerung, so wenig organisiert diese auch ist. Widerstände bemerkbar. Vollkommen ungeklärt ist die Frage der Finanzierung des Projekts. Dagegen wird die Tatsache, dass zwischen Polen und Frankreich ein Abkommen in irgendeiner Form geschlossen wurde, kaum noch bestritten. Das Visum für Peru In letzter Zeit sind die Schiffahrtsgesellschatten auf Grund verschiedener Vorkommnisse bei der Landung in Guayaquil von den zuständigen Stellen auf die unbedingte Einhaltung der bestehenden Passvorschriften für die Einreise nach Peru hingewiesen worden. Reisenden, die nach Peru fahren wollen, dürfen die Passagen nur dann ausgehändigt werden, wenn sie das ordnungsmässige Einreisevisum eines peruanischen Konsulats in ihrem Pass vorzeigen können. Der Visumzwang gilt auch für peruanische Staatsangehörige, also nicht nur für Ausländer. Paraguay Bekanntlich waren bei Regierungsantritt der neuen Regierung in Paraguay eine Anzahl von Juden, unter ihnen Menschen, die seit mehr als 25 Jahren im Lande waren und sich eines guten Rufes erfreuten, plötzlich des Landes verwiesen wurden, eine Massnahme, die um so unerwarteter kam. als die liberale Partei durch die Regierung an die Macht gekommen war. Aus diesem Grunde bat es die Leitung der HICEM für erforderlich gefunden, an Ort und Stelle über die Lage der Juden unter der neuen Regierung Erkundigungen einzuziehen. Der Delegierte der HICEM wurde von bedeutenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens empfangen, darunter vom Parteiführer der liberalen Partei, dem Innenminister und dem Chef der Polizei. Alle diese Persönlichkeiten haben einmütig dem HICEM-Delegierten erklärt und ihn auch bevollmächtigt, ihre Erklärung der Oeffentlichkeit zu übergeben, dass in Paraguay keinerlei antisemitische Vorurteile bestehen. Bei den Ausgewiesenen handle es sich um Menschen, die auf Grund der Vorsichtsmassregeln im Rahmen des Belagerungszustandes des Lande» verwiesen worden seien, da. man sie als verdächtig angezeigt hätte. Jedoch werde man jeden Fall einzeln prüfen, um in kürzester Zeit etwaige Ungerechtigkeiten ausgleichen zu können. Der Delegierte der HICEM konnte sich davon überzeugen, dass die Familien der Ausgewiesenen in "keiner Weise in ihrer Sicherheit oder wirtschaftlich Schaden genommen hatten. Die übrige jüdische Bevölkerung ist vor jeder Beunruhigung sicher und kann in Frieden ihrer Beschäftigung nachgehen. Schliesslich wurde der Delegierte der HICEM. ermächtigt, ein Hilfskomitee in Paraguay zu organisieren, das von drei Personen, nämlich je einem Vertreter der Juden aus Deutschland sowie polnischen und sephardischen Juden geleitet wird. Cuba In Cuba betreut das Komitee .,Centro Israelita de Cuba" die jüdischen Einwanderer. Seine Fürsorge beginnt, wie ein Rechenschaftsbericht zeigt, den die HICEM in ihrem Mitteilungsblatt wiedergibt, mit der Landung, damit die Formalitäten ohne Schwierigkeiten erledigt werden. Auch Durchwände rem kommt diese Hilfe zugute. Während der ersten sechs Monate 1937 hat" das Komitee 400 Fälle der Einwanderung, der Auswanderung und Einbürgerung bearbeitet, darunter allein ihre Vorbereitung von 26 Naturalisierungen und 105 Affidavits. Die Zahl der jüdischen Einwanderer nach Cuba während der ersten sechs Monate 1937 betrug 209. davon 135 aus Polen und 26 aus Deutschland. Von den jüdischen Einwanderern aus Deutschland haben nur 10 im Lande Arbeit gefunden, die andern versuchen nach der Verschaffung eines Affidavits nach Nordamerika weiterzuwandern. Die grösste Zahl der Einwanderer hat als Handwerker Arbeit gefunden, obwohl die Arbeitsgesetzgebung ausserordentlich scharf ist und. nicht erlaubt, dass die Einwanderer als Angestellte tätig sind. Gegenüber den 209 Einwanderern wurden 30 Rückwanderer gezählt, davon 19 nach Polen, 8 nach Palästina und 3 nach Litauen. Die Einwanderung nach Australien Angaben, die in Melbourne veröffentlicht worden sind, zeigen, dass die Regieruns der australischen Commonwealth in dem Jahre, das am vergangenen 30. Juni endigte, im ganzen 6166 Personen erlaubt hat, nach Australien einzuwandern. 4591 davon kamen aus Südeuropa, nämlich 2425 aus Italien, 1251 aus Griechenland, 612 aus Jugoslawien und 303 aus Albanien. Andererseits waren (bis zum 30. September des Jahres) 1399 mehr Briten ausgewandert als eingewandert, während der Einwände rungsüberschues von Nichtbriten 3837 — darunter 199 Nichteuropäer — betrug. Von den australischen Zeitungen wird angesichts dieser Zahlen der Regierung der Commonwealth der Vorwurf gemacht, sie habe gegen den eigenen Grundsatz Verstössen, dass in erster Linie Verwandte von australischen Staatsbürgern zur Einwanderung zugelassen werden sollten. Ausführliche Bewerbungen nur auf Luftpostdünnpapier, Zeugnisabschriften, Lebenslauf sowie Passphoto werden weitergeleitet durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW 19, Lindenstrasse 48—60. Bewerbungen auf gewöhnlichem Postpapier werden nicht mit Luftpost befördert. Offene Auslandsstellen Zur Besetzung genehmigt durch das Landesarbeitsaint Brandenburg. Gesucht werden: für Australien jüdischer Motorbootbauer. Bewerber muss Erfahrung im Bau von Jachten und Motorbooten haben; für Indien für Schmelz e-r ei jüdischer Vorarbeiter. Bewerber müssen Erfahrung im Schmelzen von Weissmetall haben und einen Ausscheidungsofen für Weissmetall, einen Kupferkuppelofen und einen Bleikuppelofen bedienen können; für Brasilien jüdischer Gelatine- Chemiker, der fähig ist. die Produktion einer Fabrik zu leiten. Leben im Busch Von Robert Ollendorf Schluss NARUNYU/TANGANJIKA, im Oktober 1937. Reisen, Mensch, ist zu schön! Es gibt die Safari (Reisesehnsucht) in allen Stadien, ich habe sie zu Hause von kleinsten Fahrten bis zu grossen und schwer geplanten Reisen befriedigt. Aber Afrika! Da sind alle Leute von dem Safariwahn besessen. Es mag sein, dass die Menschen hier von vornherein die grosse Unruhe in sich haben. Safari! das ist — andere Landschaft aufsuchen, mit Namen, deren Klang durch flüchtige Erzählungen zur peinigenden Melodie werden, Sirenengesang. Das fing in Morogoro im kleinen an. Kennst du Mtibua, die Riesenwälder an den Turianibergen, die Wasserfälle? Kennst du die Wamisteppen zwischen Dakawa und Mvomero? Die Giraffenherden, die Zebras? Kennst du dies, kennst du das? Nein, aber der Stachel sitzt im Blut, das will ich sehen, das muss ich sehen! Und im kleinen wie im grossen, es wird zur fixen Idee. Und dann kommt die Safari! Und man sieht, sieht, sieht. Landstrassen, Negerdörfer, die Weiber stampfen den Mais, Bananen, Kokospalmen, die breiten und schattigen Mulden unter den Mangobäumen und Busch, Busch, Busch. Eine Pflanzung, wem gehört sie? Dem Bwana Soundso! Und du hast eine Lebensgeschichte im Vorbeifahren gehört. Man sieht Wälder, die riesigen Baobabäume, bunte Vögel und Inderdulken, Kolonialstädte, Europäer, Inder, Goanesen, Araber; bunte Tücher auf staubigen Märkten mit dem vielen Lärm. Oder du siehst das Meer. Thaliatta Thaliatta! Hafenstädte am indischen Ozean, viele schlanke Dhaus, Schwalben der Ostküste, die alten Frachter, zwei elegante Offiziere, unwahrscheinliche Damen — acht Monate war ich im Busch — Tanz im Hotel, und an der Bar sitzen die Pflanzer, und die Agenten — viel Whisky, viel Bier, ich sehe weisse Häuser! Abendkorso in Daressalam, viel elegante Autos, riesige Neger mit Kinderwagen — ein Extravergnügen sind die Unterhaltungen der weissen Kinder mit ihren athletischen Kindermännern. Man sieht die Menschen durcheinandergemengt, starke Männer mit schwachen Kindern, Schicksale gebündelt. Das alles sieht man, das alles weisst du. aber der Rausch klingt nicht ab. Du warst noch nicht an den Seen? — Oder: Drei Monate war ich mal allein in der Luhangasteppe, zweihundert Meilen vom nächsten Weissen; „wenn ich Geld habe, gehe ich wieder hin." Und alle diese Stachel sitzen! Dann sitzt man in den Lorries, im Boxbody, der Busch, der Busch zieht vorbei, und der Rausch hört nicht auf. Nachts bei Vollmond im Führerhaus schlafend, oder das Steuerrad voll Müdigkeit umklammernd, oder die Arbeitertransporte, 40 Neger im Rücken, singend, singend: Wir fahren jetzt zum Wamicamp, auf Wiedersehen, der Driver, der ist sehr schwer krank, auf Wiedersehen, jetzt fährt Bwana Bobu, siehst du, Bwana Bobu. Deine Arbeit, jetzt, als Driver fährst du uns zum Wamicamp, Bwana Bobu. Das schlimmste Stadium ist der Livingstone-Komplex. Man müsste nach Portugiesisch-Ostafrika, dort ist noch Afrika, Tausende von Quadratmeilen so gut wie unaufgeschlossen, das ist noch Afrika, sechs Wochen im Tragstuhl oder zu Fuss mit Trägerkolonnen. Der belgische Kongo, warum nicht? Ein anderes Gesicht, Urwälder, Lianenwelten, Treibhausträume! Entdeckerwahn? Nein. Abenteurer auf der Suche „nach dem Land, wo es besser zu leben ist?" Ein Teil! Der andere Teil: Die grossen nimmersatten Augen. WTann werde ich die erste Elefantenherde sehen, die Büffel, wann wippen wieder die Riesengespenster der Giraffen um die Lorry — wann noch einmal zwei im Busch herumlungernde Löwen mit dem Kotflügel jagen, wann wieder Zebras tagelang mit der Kamera verfolgen, Kongoniherden auftreiben oder Hündsaffen jagen, Rudel von fünfzig und mehr schnattern los, eine Landschaft roter Popos. Und der Trieb, in das Geheime der Schwarzen zu dringen, Urlust, Urschrecken in und aus ihnen zu erkennen und zu wissen. Die Riesenfeuer in der Steppe, Eulen, die mit schweren Flügeln vor den Scheinwerfern auffliegen, oder die Augen der Nacht, Füchse, kleine Gepparde, Hyänen. Schakale minutenlang vor dem Wagen herrasend. Dann die Regenzeit, ein Lotteriespiel. Wrrrtsch, klatsch, mrrrrr, unendlicher Schlamm, man glaubt widerstandslos zum Erdmittelpunkt zu versinken. Raus aus dem Wagen! Das Differential? Eingesunken! Hacke, Buschmesser, Schaufel raus, Differential ausgraben! Räum den Schlamm unter den Rädern weg, setz den Wagenheber an, hol Steine, Aeste, Gras, leg's sauber unter! Und nun! — Zukumeni! Stosst, ihr Jungens! Erster Gang rein, Vollgas, Schlammfontänen jagen hoch, sie bewegt sich, steht auf festem Grund. Gott sei gelobt. Oder ich mache Besuch bei Doktors, 35 Meilen, gerade gut für eine afrikanische Sonntagsnachmittagsantrittsvisite, weisse Hose, weisses Hemd, piekfein. Mit mir mein Boy Saldi, ferner ein Wegfundi und ein Schreiber. Letzterer sagt zwar. Spazierenfahren sein genau so schön wie der Monatslohn, er möchte aber auf beides nicht verzichten. Ein scheusslicher Weg, verwegen hügelig, so mit einem Wuppdich 12 Prozent Steigung, sandig, die Lindistrasse mit allen Schlaglöchern wächst sich in der Phantasie zur Avus aus. Dann aber kommt die unvermeidliche Panne! Doktors haben viel Holz geschlagen und so ein paar nette Stumpen, im roten Sand vermimikryt, stehen lassen. Den Lorries macht's nichts, aber mein kleiner Ford--Fffftt, der Reifen! Rad raus, Reifen runter, Schlauch raus, der Schlauch ist hin, sechs Liter Schweiss, Schlauch wird geflickt, Reifen rauf, zwölf Liter Schweiss. Kühler Trunk aus dem Reservetank mit einer Yatrenpille. Die Luftpumpe? — Der Boy: Die hab ich zu Haus vergessen! Ein Mord steht in der Luft! Bis zu Doktors sieben Meilen. Boy und Wegfundi brechen auf, wir Zurückgebliebenen müssen warten und machen Feuer auf dem Weg, denn im Lindidistrikt wTerden auch heut noch jährlich an 50 Menschen von Löwen gefressen! Ich bin ein öliger, fettiger, schwitzender Stromer geworden. Nach drei Stunden retten mich Doktors und nächtlich fahren wir heim, Boy, Wegfundi, Meister des Wegs, und Karani schlafend, Vollmond, Kühle, Negerdörfer mit kleinen Feuern vor den Hütten unter Kokospalmen. Kleine glühende Augen auf dem Weg und die Baobabbäume.. Safari /Safari!! Als „ungelernter Arbeiter" in Argentinien Der Hilfvereiii der Juden in Deutschland e. V. stellt uns folgenden Auszug aus dem Briefe eines nach Argentinien ausgewanderten jüdischen Kaufmanns zur Verfügung, der sehr anschaulich Leben und Möglichkeiten in der Grossstadt Buenos Aires schildert und auch auf die segensreiche Tätigkeit der dortigen Schwesterorganisation des Hilfsvereins eingeht. Buenos-Aires, Ende 19BT. „ . . . Uns selbst geht es relativ gut, d. h. wir arbeiten und haben das Existenzminimum. Ich bin jetzt schon fünf Monate als Hilfsarbeiter zu 4.40 Dollars (also pro Stunde 0.55) p. Tag bei einer grossen amerikanischen Bergwerksgesellschaft tätig, deren beide Geschäftsführer Juden aus Deutschland sind und zirka zehn Emigranten eingestellt haben. Eine bessere, besser bezahlte und weniger schmutzige körperliche Arbeit -habe ieh leider noch nicht erlangen können; das muss einem günstigen Zufall überlassen bleiben. Natürlich kommt man mit jedem Tage mehr in die spanische Sprache hinein, doch ist es meist unmöglich systematisch zu lernen, oder die Unterrichtskurse des Hilfsvereins deutschsprechender Juden in Buenos-Aires zu besuchen, wenn man wie ich um fünf Uhr früh aufstellen muss und — da hier auch für Arbeiter eine zweistündige Tischzeit üblich ist — erst gegen 6 Uhr 30 Min. abends nach Hause kommt. Der richtige Arbeiter hat also „wenig vom Leben", wie man zu sagen pflegt, und nur das Wochenende, das hier am Samstag mittag bereits beginnt, gibt ihm etwas Entspannung. Jedoch sind die Löhne grösstenteils (mit Ausnahme derjenigen der Facharbeiter) so beschaffen, dass den Arbeitern an den vielen staatlichen und kirchliehen Feiertagen nichts liegt, und es bleibt daher der Wunsch aller Eingewanderten, in ein festes Kontraktverhältnis mit Monatsgehalt, also bezahlten Ruhetagen, zu kommen. Im Augenblick gelingt dieses nur wenigen; die Mehrzahl ist froh, als „Peon" (einfacher Arbeiter) unterzukommen. Die Zahl der Unternehmen (in Besitz von Juden aus Deutschland) ist nicht allzugross. An diesen Schwierigkeiten scheitert die Unterbringung vieler Emigranten. Es kommt noch hinzu, dass ein erheblicher Teil namentlich jüngerer Männer zwischen 20 bis 28 Jahren etwa, vor schwerer Fabrikarbeit zurückweicht und — vergeblich — auf eine bequemere Tätigkeit wartet. Kommen aber solche jüngeren Leute mit Ehefrauen oder Bräuten, so können sie unschwer als „Mucamo-Ehepaar" in gepflegten Haushaltungen unterkommen, der Mann als Diener oder Gärtner, die Frau als Köchin oder Wirtschafterin. Oft wird nur die Frau angestellt, aber der Mann, der irgendwelche Arbeit hat, kann gratis mitwohnen. Solche Stellungen werden gut bezahlt und die Betreffenden haben alles frei und auch wenig Gelegenheit zum Geldauegeben, können daher sparen. Jedes Mädchen, welches etwas vom Haushalt, oder noch besser zu kochen versteht, bekommt leicht Beschäftigung. Versteht sie mit Kindern umzugehen, oder spricht sie leidlich französisch oder englisch (spanisch ist häufig nicht nötig, da die Kinder eben die Fremdsprache lernen sollen), so gibt es zahlreiche Möglichkeiten, als „Minera" (Gouvernante) zu Kindern als Erzieherin zu kommen. Empfehlungen, Zeugnisse, Referenzen spielen hier nicht die bedeutende Rolle, die man oft voraussetzt. Auch weibliche Bürokräfte, gute Stenotypistinnen kommen leicht unter. Voraussetzung für die Annahme einer solchen Stellung aber ist der Besitz eines Personalausweises, der „Cedula" heisst; man muss also legal eingewandert oder legalisiert sein. Ich selbst bin seit zwei Monaten legal im Lande. Der Hilfsverein deutschsprechender Juden in Buenos-Aires zeigt sehr viel guten Willen und wendet auch grosse Mittel auf. Er beklagt aber sehr das Fehlen einer zentralen jüdischen Wohlfahrtsorganisation, da er nur den Neuangekommenen helfen kann, während jemand, der zum Beispiel nach ein oder zwei Monaten seine Arbeit wieder verliert, keine Unterstützung findet, es sei denn, dass es sich um ältere oder leidende Menschen handelt. Nicht sehr erfreulich sind die ausgesprochenen Emigrantenpensionen, da man dort allzu eng beieinander wohnt. Deshalb gibt der hiesige Hilfsverein mittellosen Ehepaaren die notwendigste Möbeleinrichtung, um damit ein eigenes Zimmer zu beziehen. Auf diese wenigen Bemerkungen möchte ich mich für heute beschränken und nur noch hinzufügen, dass zu meinem tiefen Bedauern ein sehr grosser Teil unserer Menschen die jüdischen Bindungen von drüben von sich abstreifen möchte, obwohl keinerlei Veranlassung dazu besteht." Weitere Beiträge zur Wanderungs~ frage s. a. „Wirtschaft der Woche", 3. Beiblatt, 3. Seite.

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