Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278193--12542-2291395- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Berlage der G-V.-Zeitung Nr. 2 # 2. Beiblatt 13. Januar 1938 Mitteilungen aus dem Hilfsverein der Juden In Deutschland fernw Gruppenwanderung Von Fritz Schwarzschild, Geschäftsführer der Jüdischen Landarbeit GmbH. (JLA) I. Die jüdische Presse als bedeutsame Mitgestalterin der Meinungsbildung innerhalb unser jüdischen Gemeinschalt hat sich in letzter Zeit in M. M.WARBURG&CO. GEGRÜNDET 1797 HAMBURG FERDI NANDSTR. 75 BERLINER BÜRO: TIERGARTEN STR. 2 b stärkerem Ausmass bei der Diskussion von Wanderungs-Fragen mit dem Gedanken von Gruppenwanderung und Gruppen-Siedlung beschäftigt. Sie hat damit die Aufmerksamkeit weiter jüdischer Kreise auf einen Fragenkomplex gelenkt, der bereits seit längerer Zeit in der Arbeit und der Diskussion der führenden jüdischen Organisationen eine besondere Rolle spielt. Seitdem die Auswanderung von Juden aus Deutschland und die Gestaltung jüdischer Zukunft durch Auswanderung immer mehr in den Vordergrund des Interesses gerückt sind, tauchten von Zeit zu Zeit Pläne und Projekte auf. die mit primitiven propagandistischen Mitteln den Eindruck erweckten, als ■ sei die Auewanderung geschlossener Gruppen jüdischer Menschen und ihre Ansiedlung in irgendeinem Teil der Welt nur eine Frage raschen Entschlusses und guten Willens. Charakteristisch hierfür, sind u. a. zwei Projekte — das eine in Brasilien, das andere im früheren Südwestafrika —, die mit beharrlicher Regelmässigkeit, immer von anderen Vermittlern unter den verschiedenartigsten Namen bei den jüdischen Organisationen empfohlen wurden. Diese Projekte haben schon bei erster Prüfung ihre Nichteignung für irgendwelche Siedlungszwecke erwiesen. Die Entwicklung der Situation veranlasst aber zuweilen auch absolut gutgläubige und von bestem Helterwillen beseelte jüdische Menschen, Pläne ohne genügende oder sorgfältig geprüfte' Unterlagen zu befürworten, die einer ernsthaften Untersuchung nicht standhalten können. Es erscheint daher an der Zeit, einmal systematisch und offen aufzuzeigen, welche Schwierigkeiten bei der Inangriffnahme und Durchführung grösserer Gruppenwanderungs- und Siedlungs- Planungen auftreten. Einleitend muss dabei hervorgehoben werden, dass bei den verantwortlichen jüdischen Instanzen völlige Klarheit über die Notwendigkeit herrscht, neue Auswanderungsmöglichkeiten schaffen zu müssen, trotz der Krise, in der sich die ganze Welt befindet. Wenn nun auch in der nächsten Zeit, wie bisher, in der Uebersee-Wanderung die Einzel-Wanderung die wichtigste Rolle spielen wird, kommt doch der Schaffung von Möglichkeiten der Gruppen-Siedlung erhöhte Bedeutung zu. Bei der Einzel -Wanderung liegt vor allem dem Hilfsverein der Juden in Deutschland und seinen Auswand ererberafern die Pflicht ob, dem Auswanderer über Au^wanderungsziele und Aussichten in seinem speziellen Beruf Ratschläge zu geben, ihm, falls notwendig, die Reise zu seinem Wanderungsziel zu ermöglichen und ihn, wenn es wünschenswert erscheint, an die ausländischen Hilfskomitees zu empfehlen, damit er eich bei seiner Ankunft deren Erfahrung und praktische Förderung zunutze machen kann. Das bedeutet, dass der einzelne Jude, der allein oder mit seiner Familie auswandert, von einem Zeitpunkt ab, der kurz hinter dem Ankunftstag in dem Lande seines neuen Lebens liegt, im wesentlichen auf sich selbst gestellt, den Kampf um die Gestaltung seiner Existenz allein führen muss. Das wird bei der Mehrzahl städtischer Berufe auch in Zukunft so sein können und müssen. Jene wenigen Menschen, die es mit noch nicht zu beurteilendem Ergebnis, unternommen haben, allein oder mit wenigen Genossen zu siedeln, sind Ausnahmeeröcheinungen, deren Wagemut und Unternehmungsgeist hohes Lob gezollt werden muss. Für die Mehrzahl der Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter, die der mittleren Generation angehören, und die bereit sind, eine landwirtschaftliche Arbeit zu leisten, scheidet aus familiären Gründen und aus finanziellen Erwägungen eine Einzellösung der genannten Art aus. Für sie muss versucht werden, Gruppen-Lösungen vorzubereiten und durchzuführen, deren Planung sich also weit über die Ankunftszeit hinaus auf die Gründung und den Ausbau der Existenz der einzelnen Familien erstrecken und ausserdem noch organisatorische, soziale und kulturelle Fragen berücksichtigen muss. Die ausserordentlich umfangreiche allgemeine Siedlungsliteratur stellt fast übereinstimmend drei Gesichtspunkte als wesentlich heraus: 1. Die europäische Siedlungserfahrung und Siedlungstechnik lassen sich auf Länder kolonialen Charakters in üebersee mit geringer Bevölkerungsdichte und entsprechend unentwickeltem Verkehrsnetz in keiner Weise übertragen. 2. Die gesamte tropische Zone scheidet für Menschen aus dem mitteleuropäischen Raum aus klimatischen Gründen völlig aus, auch soweit sie in grösserer Höhenlage für landwirtschaftliche Arbeit relativ günstige Voraussetzungen bietet. Die Anforderungen, die in Höhen über 2000 m auch an die gesündeste Konstitution gestellt werden, sind — insbesondere auch für das Herz — so gross, dass sie, selbstverständlich von Einzelfällen abgesehen, für Gruppenlösungen nicht in Frage kommen. Erst in den an der Grenze der gemässigten Zone liegenden subtropischen Gebieten, insbesondere in Südamerika scheinen sich, bei sorgfältiger Prüfung in jedem Einzelfalle, gewisse Aussichten zu eröffnen. Im Vordergrund des Interesses stehen also im wesentlichen die Länder der gemässigten Zone, die klimatisch den Verhältnissen in Mitteleuropa entsprechen. 3. Gruppensiedlungen grösseren Stils sind in Gebieten, in denen neben einer kleinen weissen, sogenannten „Herren"echicht die breite Masse farbiger Menschen wohnt und arbeitet, undurchführbar. Die grossen Kolonialmächte lehnen es im Zuge ihrer Kolonialpolitik ab, dass weisse Siedler, die vor allem aus Gründen ihrer finanziellen Mittel auf Selbstarbeit angewiesen sind, Arbeiten vor den Augen der eingeborenen Bevölkerung tun, die sonst nicht von Weissen geleistet werden. In solchen Gebieten kommt für Weisse, die sich landwirtschaftlich betätigen wollen, die Existenz des Farmers mit grösseren Landflächen und ausschliesslich fremder Arbeit von Farbigen in Frage. Hierfür sind aber finanzielle Mittel in einem Ausmass notwendig, wie sie jüdischen Menschen aus Deutschland kaum je zur Verfügung stehen. In einigen ganz seltenen Fällen werden einzelne junge Menschen nach entsprechender Lehrzeit Verwalterstellen im Dienste solcher Farmer erhalten können, obwohl ihre soziale Stellung zwischen der ,;Herren"- schicht und der Masse der eingeborenen Arbeiter recht problematisch ist. Dies um so mehr, als sie im allgemeinen nicht damit rechnen dürfen, aus ihren Ersparnissen später einmal selbständige Farmer werden zu können. Wir haben im Vorstehenden den Versuch gemacht, einige wichtige Teilprobleme grundsätzlicher und praktischer Art in knappster Form aufzuzeigen. Weitere Aufsätze sollen sich mit den wichtigsten Fragen der Menschenauswahl, der Finanzierung, der bisherigen praktischen Arbeit auf diesem Gebiet u. a. m. beschäftigen. (Fortsetzung folgt.) Humanitäre und kulturelle Einrichtungen in New-York Sonderbericht für die C.- V.-Zeitung von Artur Holde New-York, Ende 1937. Der hohe Anteil der Juden an der Bevölkerung New-Yorks — fast zwei Millionen bei einer Gesamtheit von etwa elf Millionen Einwohnern —• hat alle Gebiete jüdischen Lebens zu einer Entwicklung gebracht, wie dies in keiner Stadt der Welt der'Fall ist. Infolgedessen ist auch die Zahl der Institutionen, deren Aufgabe es bildet, die neu ins Land kommenden Menschen zu betreuen, ausserordentlich gross. Jeder Einwanderer kann mit geringer Mühe Anschluss an Organisationen gewinnen, die seinen Interessen und Plänen dienen. Zwei seit langem bestehende Institutionen nehmen sich in einem Stil, wie ihn wohl nur Nordamerika kennt, der jüdischen Jugend an. Am Schnittpunkt der Lexington Avenue und der 92. Strasse erhebt sich der mächtige Bau der Y o u n g Men's Hebrew Association. Diese 1874 von Jacob H. Schiff gegründete, vor einigen Jahren durch ein neues Gebäude wesentlich erweiterte Einrichtung, die jetzt unter der Leitung von Frank L. Weil steht, ist eine der wichtigsten Zentralen der männlichen jüdischen Jugend New-Yorks. 6400 Mitglieder geben zusammen mit den Stiftungsfonds die feste Grundlage, auf der sich die bewundernswert umfangreiche Tätigkeit der Gesellschaft entwickelt. Das vielstöckige Haus gewährt zunächst etwa 275 jungen Männern, unter denen sich auch rund 40 aus Deutschland stammende befinden, zu den denkbar günstigsten Bedingungen Unterkunft. Was darüber hinaus den jungen Menschen in diesem Heim geboten wird, umfasst so ziemlich alles, was sich jemand für seine geistige Fort- ■ bildung, seine religiösen Bedürfnisse, künstlerischen Interessen und sein körperliches Wohl wünschen kann. Wohnliche, geräumige Schlafzimmer, Schwimmbassin, Säle, in denen alle Sportarten gepflegt werden, geben die Garantien für eine gesunde Entwicklung. Aufenthaltsräume, Billardsäle, Kegelbahnen tragen zum Wohlbehagen der Bewohner bei. Hält man sich weiter vor Augen, dass der in diesem Hause lebende junge Mann einen Konzertsaal mit Serien hochwertiger Veranstaltungen. Theater, Kino, eine (unter der Leitung des Chormeisters Binder stehende) Musikschule, einen Chor und eine Bibliothek mit Lesesaal, ferner Kurse für bildende Kunst, Photographie und vor allem ein erstaunlich durchorganisiertes Vortragswesen vorfindet, so kann man ermessen, welche Möglichkeiten geistigen Aufstiegs sich der jüdischen Jugend hier erschliessen. Dem religiösen Leben dienen Freitagsabend- und Feiertagsgottesdienste, der Pflege der jüdischen Sprache und der Religionswissenschaft fortlaufende Kurse. Ein für junge Menschen bestimmtes Institut ist in den Grossstädten der Vereinigten Staaten kaum ohne eigene Sommer-Erholungsstätten denkbar. Die Young Men's Hebrew Association besitzt deren zwei. Etwa 50 Knaben werden im Camp Lehman bei Portchester auf dem Gelände des Richters Lehman untergebracht, während 200 Knaben und Erwachsene alle Freuden des Landlebens in dem ebenfalls nahe New-York gelegenen Cold Spring mit den reichen Einrichtungen finden, die hier zu einem Camp zu gehören pflegen. Aehnliche Ziele setzt sich die am Nordende des Central Parks an der 110. Strasse gelegene Young Women's Hebrew Association, die sich unter dem Vorsitz von Frau Felix M. Warburg befindet. Ungefähr 170 junge Mädchen gelangen als Bewohner des Hauses neben vielen Hunderten, die bei ihren Angehörigen untergebracht sind, in den Genuss der Institutionen dieses Hauses. Zentrale Stellung nimmt die berufliche Weiterbildung der zum erheblichen Teil neu eingewanderten jungen Mädchen ein. In Sprach-, Handels-, Haushallungs-, Schneiderei-Kursen gewinnen die Mädchen den festen Untergrund, auf dem sich eine eigene Existenz aufbauen lässt. Durch das enge Zusammenwirken der jüdischen sozialen Einrichtungen in New-York besteht für die jungen Menschen, die durch die Schule dieser Organisation gegangen sind, erhebliche Aussicht, eine den Anlagen entsprechenden Erwerb zu finden. Aus der Eigenart New-Yorks: Zusammenballung einer riesigen Menschenmasse auf einer verhältnismässig geringen Bodenfläche ergibt sich leichter als in mancher anderen Weltstadt die Gelegenheit zur Pflege geselligen Lebens. Hierin liegt eine der Erklärungen für das ungeheuer ausgebreitete Vereinswesen dieser Stadt. Naturgemäss suchen gerade die einwandernden Juden den durch gesellschaftliche Organisationen gekennzeichneten Anschluss an jene Menschen, denen sie durch Abstammung, Schicksal und Interessengemeinschaft verbunden sind. Zunächst sind es die in ganz Amerika auf einer ausgeprägt vereinsmässigen Basis ruhenden religiösen Kongregationen, die sich der neu Herüberkommenden gemäss deren innerer Einstellung annehmen. Alle Gemeinden haben hier über den Kult hinausgehende gesellschaftliche und allgemein-geistige Ziele, die dazu beitragen, das innere Band der Mitglieder zu festigen. Abseits von den kultischen und humanitären Bestrebungen bildet eines der Sammelbecken der aus Deutschland eingewanderten Juden der German-Jewish Club, der den Zusammenhalt seiner Mitglieder auch durch eine eigene Zeitschrift fördert. Diese Vereinigung gibt mit in erster Linie jenen einen geistigen und moralischen Rückhalt, für die sich eine Eingliederung in das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Vereinigten Staaten durch die ungenügende Kenntnis der Landessprache erst allmählich vollziehen kann. Der jetzt von Dr. Fritz Schlesinger geführte Club entwickelt durch die erhöhten Anforderungen der letzten Jahre eine gesteigerte Aktivität. Er verlegt den Schwerpunkt seines Arbeitsprogramms zunehmend nach der sozialen und kulturellen Seite: Stellenvermittlung, Beratung, Vorträge, Kunstabende, Sprachkurse sind einige der Gebiete, auf denen der Klub die Ziele nutzbringender Tätigkeit erblickt. Wen überkommt in den ersten Wochen zwischen den gigantischen Steinblöcken im bastigen Getriebe New-Yorks nicht bisweilen das Gefühl der Verlassenheit und Bedrücktheil. Dass es verhältnismässig schnell überwunden wird, und dass sich der Prozess der inneren Umstellung auf ganz neue Verbältnisse weniger schmerzhaft vollzieht, ist in nicht geringem Masse das Verdienst der sozialen und gesellschaftlichen Einrichtungen, die die Juden New-Yorks aufgebaut haben. Sie fangen jene Menschen auf, die auf dem zunächst schwankenden Boden ihrer neuen Existenz einer liebe- und verständnisvollen Betreuung bedürfen. Transf erverfahren für jüdische Auswanderer Die Presse-Abteilung der Reichsvertretung der Jüdi n in Deutschland teilt mit: Da noch nicht feststeht, wann das Transfer- Verfahren wieder aufgenommen werden kann, das von der Allgemeinen Treuhand-Stelle für die jüdische Auswanderung G. m. b. H. (Altreu), Berlin W 35, Potsdamer Str. 72, auf Veranlassung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung im November vorigen Jahres zur Förderung der jüdischen Auswanderung aus Deutschland eingeleitet worden ist, wird die Altreu, von ganz besonders dringlichen Fällen für kleinere Beträge abgesehen, neue Anträge bis auf weiteres nicht entgegennehmen. Eins etwaige Wiederaufnahme des Verfahrens wird in den jüdischen Blättern bekanntgegeben werden. Verlangen Sie überall die C.-V.- ZEITUNG LONDON, E. C. 2 11/12, Finsbury Square Tel. National 1843 K. BATTSEK Beratungen Finanziernngen Gründungen Vermögensverwaltung Interessenvertretungen BANKHAUS STRAUS&6 KARLSRUHE Friedrichsplatz 1 Telefon: Fernverkehr 4901/03 Ortsverkehr 4430;'35 Vermögensverwaltung, Durchführung aller bankmäßigen Transaktionen, Bearbeitung von Auswandererangelegenheiten, Transfer- und Devisenberatung. Foto -Alexander Breslau, Höfchenstrasse 7 Der bekannte Fachmann — Contax- und Leica-Dienst Koks für Zentralheizunsen sowie Brennmaterialien aller Art Max Finkelstein, Haiensee Nestorstrass» 2 Sammel-Nr. 97 U 75 HAX PETERS . . Inhaber: Sandefowiky - Hans WadeH ^r^W Berlin W15, Kurfüritendamm 56 W Sammel-Kummers 311163 Gasu. Schmelzkoks, Briketts, Steinkohlen, Brennholz