Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 2 (13.1.1938)
- Date
- 1938-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2278191-2278193--12541-2291394- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 C.-V.-Zeifung Nr. 2 * 13. Januar 1938 gewinnen waren. In wiederholten Reisen hatte er die Gemeinden und die Familien kennengelernt, hatte er ihnen die frohe Botschaft gebracht, dass sie keine menschliche Gewalt mehr zu fürchten brauchten und sich offen zu .dem bekennen durften, was sie in der Tiefe ihrer Seele waren, und glaubten. Man muss sich die einfache Vorstellungswelt und die primitiven Lebensverhältnisse dieser Menschen gegenwärtig halten, um überhaupt zu begreifen, welche Aufgabe dort zu lösen, war. Niemand wäre ihr gewachsen gewesen, der nicht aus ihrer eigenen Mitte hervorgegangen und mit ihren Seelenkämpfen vertraut w-ar. Barros Basto hat sich völlig der Aufgabe hingegeben, die Gemeinden zu organisieren, ihren Gottesdienst zu gestalten, sie zu belehren und in ihrem Glauben zu befestigen. Er übersetzte Bibel und Gebete aus dem Hebräischen ins Portugiesische, er übertrug die Vorschriften des jüdischen Rituals aus den Quellen in die Landessprache, er begründete eine Zeitschrift Ha-Iapid Malerarbeiten / David Friedmann Berlin W 15, Paderborner Str. 9. 9T25 65. (Die Fackel), die Nachrichten über das Judentum in der Welt, Belehrungen und Erbauungen verbreitete. Einen Mittelpunkt für die ganze Bewegung, der sich sofort auch in andern Provinzen Portugals zahlreiche begeisterte Menschen anschlössen, schuf Barros Basto in seiner Heimat, in Porto, wo er ebenfalls eine jüdische Gemeinde gründete. Eine Gemeinde, die zunächst recht klein war, die aber geistiger Mittelpunkt für die gesamte Marranenbewegung werden sollte. In Porto wollte er den Nachwuchs an Lehrern und Führern heranbilden, die sein Werk fortsetzen, das Wort Gottes in die Gemeinden tragen und dort befestigen sollten. Er gründete eine Jeshiva, die sich nach Art eines Lehrerseminars die Erziehung junger Menschen zu Lehrern und Vorbetern zur Aufgabe machte. Sichtbaren Ausdruck sollte die ganze Bewegung in der Synagoge finden, zu der am 30. Juni 1929 in Porto der Grundstein gelegt wurde. Das Portuguese Marranos-Committee bemühte sich um die Mittel für den Bau, dank einer grosszügigen Spende von Sir Elly Kadoorie in London gelang es, den Plan zu Ende zu führen. Die Synagoge ist ein monumentales Gebäude von hoher Schönheit und gewaltigen Ausmassen, die nicht für die noch immer kleine Gemeinde in Porto bestimmt ist. sondern ein weithin sichtbares Denkmal für das Wiedererwachen der Marranen und ihren Anschluss an die Gesamtjudenheit darstellen soll. Sie liegt in dem schönen neuen Stadtteil Boa Vista, knüpft an heimische architektonische Traditionen, aber auch an synagogale Motive in ihrem Bau an: wie ein Symbol wirkt der herrliche Ausblick auf das Meer — gewissermassen ein Zeichen der neuen Freiheit, die sich hier eröffnet. Ob es Zufall oder Absicht ist. die Synagoge erhebt sich in der Strasse, die nach dem berühmten portugiesischen Dichter Guerra Junqueiro benannt ist. der ein gewaltiger Freiheitskämpfer gewesen und nach seinem Aussehen vielen als ein Jude erschienen ist. Die Synagoge hat eine noch schwache Gegenwart und ist auf eine stärkere Zukunft berechnet. Alles wird von dem Geist abhängen, den ihr Erbauer dutzte Lefkoy, indes Raw Mordechai still in sich hineinschmunzelt. Da wendet sich die schlanke, unmerklich bebende Mädchengestalt dem Liebsten zu. und mit einem Frohiocken. als schlügen Silberschellen gegeneinander, ruft sie laut in den Raum: ..Dann sind wir doch längst verheiratet!" Sagt Jossei mit geringerem Stimmaufwand. ..Ich denke auch/' Und derweil das verblüffte Publikum sich vor Staunen nicht zu fassen weiss, zieht er seine Frau mit zarter Bewegung an sich heran und sagt noch leiser, kaum vernehmbar: „Verlangst du noch immer einen Get von mir, Debora?" ihr einflössen wird. Seine Arbeit ist. Barros Basto nicht leicht gemacht worden. Namentlich in den letzten Jahren wrar er schweren Kämpfen ausgesetzt, die sein Werk zu stören suchten. Er hat alle . Angriffe siegreich-überstanden: sein Enthusiasmus, seine innere Wahrhaftigkeit, sein; überzeugtes Vorkämpferturn werden ihn nach: wie. vor beflügeln, werden seine Ausdauer und sein Zielbewusstsein stärken. Wir wünschen dem ausgezeichneten Mann, dass er sein Werk ge-' deinen und sich ausbreiten sehen möge! Wir.- rufen ihm ein herzliches Chasak Weemaz zu! Der preussische Landesverband jüdischer Gemeinden wird einer Einladung desportugiesischen Marrannen-Komitees in London zur Einweihung der.neu errichteten" Synagoge in Oporto Folge leisten. kassen aulerlegten Sicherungsbedingungen nicht geknüpft sind. Im Jahre 1937 sind etwa 175 000 RM für diese Zwecke zur Verfügung gestellt worden. In diesem Rahmen etwa-werden sich die Etatbeschlüsse auch für 1938 halten C.-V.-Veranstaltungen 16. Januar: Landesverband Mitteldeutschland. Delegiertentagung in Halle,- Jüdisches Gemeindehaus, Germarstr. 12, 11 Uhr. Es sprechen: Rudolf Apt (Dresden). Dr. Alfred Hirschberg (Berlin), Kurt Sabatzky (Leipzig). 18. Januar: Landesverband Oberschlesien. " C.-V.-Kulturarbeitsgemeinschaft in' G 1 e i w i t z. Genieindesitzungssaal, Niederwallstr. 9, 20.45 Uhr: Rechtsanwalt Erich Schlesinger: „KöniV David". Die Mitglieder mit ihren Angehörigen werden hiermit eingeladen. Im Jüdischen Centrai-Verein Frankfurt am Mai n sprach am 8. Januar die Redakteurin der C.-V.-Zeitung, Dr. Margarete E d e 1 h e i m , über die Aufgaben eines jüdischen Redakteurs. Sie kennzeichnete diese als geistige, seelische, kulturelle, pädagogische und innerjüdisch-politische und gab auf dem Vordergrund einer „Lesestuude der C.-V.-Zeitung den kulturpolitischen Hintergrund der heutigen jüdischen Situation in Deutschland. Der Vorsitzende des Jüdischen Central-Vereins in Frankfurt am Main, Dr. Max Mainzer, leitete die Veranstaltung. Am 10. Januar sprach Dr. Margarete Edelhei m auf Einladung des Jüdischen Central-Vereins Mai dz, des Jüdischen Frauenbundes und des Lehrhauses Mainz über das gleiche Thema. Hier stand der gleichfalls wohlgelungene Abend unter Leitung von Rabbiner Dr. S. L e v y - Mainz. Die Finanzen der Reichsvertretung Grundsätze der Etatspolitik — Reichsvertretung, Landesverbände, Gemeinde und ihre Leiter Am 12. Januar hat sich der Haushaltsausschuss der Reichsvertretung mit deren Etat für 1938 beschäftigt. Der von ihm beschlossene Entwurf ging sodann am 13. Januar dem für diesen Tag einberufenen Rat der Reichsvertretung zu. Wenn diese Ausgabe unseres Blattes in den Händen unserer Leser ist, werden die Beschlüsse der zuständigen Reichsvertretungsgremien zur Etatsfrage bereits vorliegen. Wir werden selbstverständlich über die Ergebnisse der Reichsvertretungssitzungen berichten. Wir glauben aber, dass es trotzdem interessieren wird, die Auffassungen kennenzulernen, ' die innerhalb des zuständigen Mrtarbeiterkreises der Reichsvertretung zur Etatsfrage bestanden haben, und durch den Vergleich dieser Vorschau, die uns aus Kreisen der Reichsvertretung zugeht, mit den in der nächsten Ausgabe zu veröffentlichenden Ergebnissen interessante Einblicke in die Arbeit der beschlussfassenden Gremien der Reichsyertretung zu gewinnen. Die Schriftleitung. * . Im Haushaltsplan der Reichsvertretung haben Auswanderung und Berufsausbildung den ziffernmässigen Vorrang. Von den ungefähr 4,3 Millionen, mit denen der Etat abschliesst, entfallen auf diese beiden Arbeitsgebiete ungefähr 2Vs Millionen, also mehr als die Hälfte. In diesem Verhältnis spiegelt sich zugleich auch die Aufgabenstellung, besonders soweit sie zugleich Ausgabenteilung ist, zwischen Reichsvertretung einerseits und Gemeinden und Landesverbänden andererseits wieder. Das religiöse Leben wird nach wie vor von den Gemeinden aus ihren Steuermitteln betreut, und nur da, wo die einzelne Gemeinde mit ihren Steuermitteln auch für diese ursprünglichste Gemeindeaufgabe nicht ausreicht, erfolgt der Ausgleich durch die Landesverbände, der Gemeinden mit den Mitteln, die ihnen die leistungsfähigeren Gemeinden aus ihren Steuermitteln zur Verfügung stellen. Auf Grund dieser Regelung findet das religiöse Leben im Etat der Reichsvertretung zahlenmässig nur geringen Ausdruck. Selbstverständlich ist damit aber weder gesagt, dass die Reichsvertretung an den Fragen des religiösen Lebens nicht interessiert sei, noch, dass die Gemeinden mit den Aufgaben, deren Finanzierung im Vordergrund des Haushaltsplanes der Reichsvertretung steht, nichts zu tun hätten. Einerseits liegen alle Gemeinschaftsaufgaben im Interesse und. soweit eine zentrale sachliche Betreuung in Betracht kommt, im Aufgabenkreis der zentralen Gemeinschafts-Organisation, auch soweit ihre Mittel dafür nicht erheblich beansprucht zu werden brauchen. Auf der anderen Seite werden die Fragen der Berufsausbildung lokal selbstverständlich von den Gemeinden bearbeitet, je.nach dem Masse, in dem der Umfang der Gemeinde und das lokale Bedürfnis dies erfordert und die zur Verfügung stehenden Kräfte es zulassen. Während die Grossgemeinden die lokale Arbeit selbst erledigen, treten den kleineren Gemeinden in Nord-Deutschland die Provinzialstellen. in Süd-Deutschland die Landesverbände zur Seite. Der Unterschied in den beiden Zuständigkeitssystemen ist ein doppelter. Die zentralen Richtlinien für die Arbeit werden auf dem Gebiete der Berufsausbildung ebenso auf demder Auswanderung durchweg von der Reichsvertretung gegeben, bei den älteren Aufgabengebieten der Gemeinden von den Landesverbänden; nur soweit auch die zentrale Fragen über die Landesverbände hinaus entstehen, kommt eine Mitwirkung der Reichsorganisation in Betracht.' Das ist auch heute in verhältnismässig geringem Umfange der Fall, weil die Arbeit der Gemeinden rechtlich auch heute auf den Landesgesetzen beruht und die vom Landesrecht geschaffenen organisatorischen und finanziellen Rechtsgrundlagen ausserordentlich verschieden sind. Dagegen sind die Gemeinden nur zu einem Teil in der Lage, die Kosten der neuen Aufgabengebiete aus Steuermilteln zu tragen. Hier bedürfen auch die grossen Gemeinden einer Bezuschussung; entsprechend können die Zuschüsse für die leistungsschwächeren Gemeinden " ganz überwiegend nicht aus Steuermitteln aufgebracht werden. Dabei tritt neben die, Hilfeleistung für den einzelnen die Kostendeckung der Ausbildungseinrichtungen, die von der Reichsvertretung sehr weitgehend mit finanziert und soweit sie überlokale Einrichtungen sind, zum Teil organisatorisch betreut werden. Für den eigentlichen Aufgabenkreis der Reichsvertretung bringen die Gemeinden und ihre Landesverbände aus Steuermitteln, Beträge im Jahresbetrag von rund 800 000 RM auf. Die Höhe dieses Betrages verdient durchaus Anerkennung gegenüber den Gemeinden. Aber innerhalb des 4,3-Millionen-Etats der Reichsvertretung bedeutet er nur einen Bruchteil. Die übrigen Mittel werden zu einem weiteren Bruchteil von der Reichsvertretrung durch Sammlung aufgebracht. Ueberwiegend also kann die Durchführung der Reichsvertretungsarbeit für die Juden in Deutschland nur durch die Mittel ermöglicht werden, welche die ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen der Reichsvertretung, die mit ihnen deswegen in einem dauernden Kontakt steht, zur Verfügung stellen. Im Jahre 1937 sind den Juden in Deutschland so über 234 Millionen RM zugeflossen. Anders als bei der Berufsvertretung u. a. Aufgaben ist die arbeitemässige und finanzielle Organisation der Auswanderungsarbeit. Sie kann die Arbeit von Stellen, die sachverständig auf die Ausjvanderungsarbeit spezialisiert sind, nicht entbehren. Die deutschen Auswanderungsorganisaiionen, in erster Linie Palästina-Amt und Hilfsverein der Juden in Deutschland sind demgemäss der Arbeit eingefügt. Sie betreuen den einzelnen hilfe- und ratbedürftigen Auswanderer. Ihnen stellt die Reichsvertretung die für die Auswanderung bestimmten Mittel (fast lViMillionen im Jahre) zur Verfügung. Sie entscheiden unter Heranziehung der Wohliahrtestellen der Gemeinden über die Hilfsbedürftigkeit des einzelnen Auswanderes und die ihm zur Durchführung der Auswanderung zur Verfügung zu stellenden Beträge. Grundsätzlich tragen von den Zuschüssen, deren der Einzelne, sei es für die Berufeausbildung, sei es für die Auswanderung, bedarf, Gemeinde einerseits, Reichsvertretung beziehungsweise Wanderungsorganisation andererseits, je die Hälfte. Darüber, ob und in welchem Umfange die einzelne Gemeinde zur Aufbringung ihrer Hälfte nicht imstande ist und deshalb aus zentralen Mitteln mehr zugeschossen werden muss, entscheidet die Reichsvertretung nach Anhörung des zuständigen Landesverbandes. Aue diesen Erörterungen ergibt «ich bereits das wesentliche Prinzip, nach welchem das einzelne Aufgabengebiet unter das eine oder das andere Zuständigkeitssystem fällt. Bei allen denjenigen Aufgabengebieten, die erst seit 1933 ihre heutige Bedeutung gewonnen haben, erfolgt die stärkere Einschaltung der Reichsorganisation. Zu ihnen gehört auch das Schulwesen. Wenn auch hier arbeitsmäßig die Landesverbände stärker eingeschaltet sind, als bei Berufsauebildung und Auswanderung, so kommen Landesverbände und Gemeinden doch auch hier ohne erhebliche Zuschüsse aus den zentralen Mitteln nicht aus. Die Neuheit des Aufgabengebietes und der Fragestellungen, vor denen wir stehen, erfordert hier ausserdem eine weitgehende zentrale Richtlinientätigkeit, besonders in pädagogischer Hinsicht. Finanziell wirkt sich das dahin aus, dass der Reichsvertretungs-Etat etwas über V2 Million für Schulfragen zur Verfügung stellt. Auch über die Schulfragen hinaus kommen dem kulturellen Leben, wenn auch beschränkte, finanzielle Mittel zugute. Der wissenschaftlichen ' Arbeit, der Erwachsenenbildung, der Arbeit der Kulturbünde fliessen immerhin etwas mehr als 100 000 RM zu. Und schliesslich hat die Reichsvertretung auch einige speziell dem religiösen Leben dienende finanzielle Funktionen übernommen. In erster Linie die Betreuung der Rabbiner-Bildungsanstalten.. Auch diese Aufgaben erfordern seitens der Reichsvertretung etwa 100 000 RM pro Jahr. Für die Wohlfahrt ist daran festgehalten, dass es sich nicht nur sachlich um eine örtliche Aufgabe handelt, sondern auch die notwendigen Gelder, soweit irgend möglich, örtlich aufgebracht werden müssen. Die notwendige Beihilfe für die leistungsschwachsten Gemeinden erfolgt allerdings aus den Mitteln der Reichsvertretung, ebenso die Bezuschussung überlokaler Anstalten, bei denen eine solche erforderlich ist. Es handelt sich dabei im ganzen um fast 500 000 RM. Da hier lediglich ein Ueberblick über die Mitlelverwendung gegeben werden sollte, niusste eine Beschränkung auf die zahlenmässig am meisten ins Gewicht fallenden Dinge vorgenommen werden. Erwähnt seien aber trotzdem noch zwei Positionen, weil bei diesen die Arbeit sehr weitgehend von den Zuschüssen der Reichsvertretung abhängt. Jugendarbeit und jüdischer Sport sind, soweit die Beteiligten nicht selber die notwendigen Gelder aufbringen können, weitgehend auf den von der Reichsvertretung zur Verfügung gestellten Mitteln finanziell aufgebaut (zusammen etwa 100 000 RM). Und letztlich sei noch darauf hingewiesen, dass die Reichsvertrelung die Zurverfügungstellung %'on Wirtschaftskrediten ermöglicht, die an die strengen, den Darlehens- Indiskrete Fragen Von Rechtsanwalt \ Dr. Hans Callmann-Köln Der Rat des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat in seiner Sitzung vorn 7. Dezember 1937 beschlossen, mit den anderen Landesverbänden über die Gründung einerReichszentrale der Gemeinden zu verhandeln. Dieser Beschluss wurde den jüdischen Zeitungen zur Veröffentlichung übergeben. Kurz darauf haben die süddeutschen Verbände ablehnend geantwortet und diesen ihren Entschluss gleichfalls bekanntgemacht. Der Landesverband Sachsen und die Hamburger Gemeinde haben mitgeteilt, dass sie der Antwort der.süddeutschen Verbände zustimmen. Damit war die Anregung des Preussischen Landesverbandes vorerst praktisch erledigt. Bei dieser „Erledigung", ist es leider nicht geblieben. Vielmehr haben sich an den Vorgang mit unschönem Temperament erfüllte Presseerklärungen angeschlossen, die eine ersichtlich einseitige Würdigung des Tatbestandes enthielten. Der nicht unmittelbar Beteiligte, der objektiv und nüchtern prüft, stösst dabei auf eine Reihe von Fragen, die mir nicht ohne grundsätzliche Bedeutung zu sein scheinen, und die der Preussische Landesverband freundlicherweise als einen Teil des ,.Echos überall im Lande" ansehen mag, auf das er nach seinen Presseerklärungen mit Recht so -grossen Wert legt. 1. Ist es üblich, vor jeder Fühlungnahme mit denjenigen Organisationen, die man zu fusionieren wünscht, die Fusionsabsicht öffentlich anzukündigen? Kann davon eine Förderung des Planes erwartet oder muss nicht etwa das Gegenteil befürchtet werden? 2. Entspricht ein so ungewöhnliches Vorgehen den sonstigen Gewohnheiten des Preussenverbandes? Oder hat er nicht vielmehr bei der Aufnahme der kleinen norddeutschen Verbände ganz anders, ich möchte sagen „normal", operiert? Meines Wissens hat er damals zunächst vertraulich Fühlung genommen, alsdann verhandelt und die so herbeigeführte Einigung nach Genehmigung durch die zuständigen Gremien zur Veröffentlichung gebracht. Warum geht man diesmal den umgekehrten WTeg? 3. Auf der Tagesordnung jener Ratssitzung vom 7. Dezember 1937 stand der Antrag n i c h t. Er ist wohl' einer plötzlichen Eingebung entsprungen. Der Antragsentwurf wurde, wie ich höre, in der Mittagspause herumgereicht. Wie ist diese Art der Behandlung mit der Wichtigkeit in Einklang zu bringen, die dem Antrage später nach seinem Scheitern seitens des Landesverbandes beigemessen worden ist? 4. Welches Echo war nun eigentlich zu erwarten? Kannte der Preussenverband die Einstellung aller anderen Landesverbände so wenig? Wusste man auch nicht, dass die drei süddeutschen Landesverbände auf Grund von Staatsgesetzen öffentlich-rechtliche Körperschaften sind, die sich nicht im Wege der Autonomie eingemeinden lassen können? ' o. Den Vätern des Fusionsantrages kann es doch wohl nur darauf angekommen sein, durch Zusammenfassung der immer schwächer werdenden Kräfte und Verbilligung der Arbeit zu einer erhöhten Produktivierung dieser Arbeit zu gelangen. Wäre es da nicht — und diese Frage scheint mir nach dem in den Grossgemeinden festzustellenden Echo die interessanteste zu sein — das Nächstliegende gewesen, dass der Preussische Landesverband und die Reichs Vertretung, die so bequem im gleichen Hause domizilieren, sich in aller Freundschaft darüber unterhalten hätten, was durch Zusammenfassung der Arbeit an einer Stelle oder auf sonstige Weise vereinfacht und verbilligt werden könnte? Auf irgendeine vorherige Fühlungnahme mit der Reichsvertretung hat man aber keinen Wert gelegt obwohl die Stellung gerade des Preussischen Landesverbandes innerhalb der Reichsvertretung durch das Ergebnis der Krise im Sommer 1937 eine so erhebliche Stärkung erfahren hatte. Wie ist es nur denkbar — so fragt man sich im Lande —, dass die Schöpfung einer zweiten zentralen Spitzenorganisation ohne jegliche Fühlungnahem mit der Reichsyertretung; der anerkannten Zentralinstanz der Juden in Deutschland, überhaupt ernsthaft in die Wege geleitet werden kann? Es mag sein, das einige dieser bescheidenen Anfragen wie sogenannte rhetorische Fragen anmuten. Das liegt aber sicher weniger am Fragesteller als an dem eigenartigen Tatbestand, an welchem diejenigen nicht gleichgültig vorübergehen können, denen eine friedliche und loyale Arbeit innerhalb des Judentums in Deutschland am Herzen liegt. Wann und wo finden Sie Rat? Witteldeutschland Magdeburg XorrtdeutSjcUlAiid Hannover Baden Mannheim 19. Januar, 16—19 Uhr Königstrasse 15, II, bei Sabatzky. 17. Januar. 11—14 Uhr, Georgstrasse i4. ir 19. und 21. Januar. 11—13 Uhr, Gemeindehaus, E. 7. 28.