Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 1 (6.1.1938)
- Date
- 1938-01-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.1 * 2. Beiblatt 6. Januar 1938 »■ Seife 5 .Arcetri (Toscana), Gemälde von Meto. Cokn-Hendel-Florenz, angekauft für die „Galleria d'Arte Moderna" in Müanö. OTIÜlliHI!Iffl!illl!Ill!Hllli!flUHl!nilI!IIHW slenten an amerikanischen Museen. Die grossen haben seine Arbeitsfreudigkeit bestärkt, und so Sammlungen, besonders die Piermont-Morganist der 75jährige erfüllt von Arbeitsplänen, deren Bibliothek in New-York mit ihren seltenen Ausführung ein gütiges Schicksal gewähren Schätzen an mittelalterlichen Bilderhandschriiten, möge. Dr. Margarete Steinberg. „Wie die Kunstfälscher arbeiten" Adolph Donaths letztes Werk Adolf Goldsehmidt Zu seinem 75. Geburtstage am 15. Januar 1938 Adolf Goldschmidt hat 30 Jahre an der Berliner Universität gelehrt, von 1892 bis 1904 als Privatdezent, von 1912 bis 1930 als Ordinarius. In den beiden Festschriften, die ihm seine Schüler zum 60. und 70. Geburtstag gewidmet haben, findet sieh eine Bibliographie der Doktordissertationen, die bei ihm in Halle und Berlin gearbeitet worden sind. Man entnimmt daraus, wie gross sein Wirkungskreis als Lehrer war. Trotzdessen ist er im Publikum nicht so bekannt wie einige andere Kunsthistoriker. Er war durchaus Fachgelehrter und seine Publikationen sind nur für den Fachmann bestimmt. Er gehört also zu den Gelehrten, die die Kunstgeschichte, deren Bearbeitung vorher meist zwischen gefühlsbetonter Unklarheit und pedantischer Spezialarbeit pendelte, in die Reihe der wissenschaftlichen Disziplinen eingeordnet haben. Und sein Spezialgebiet, das Mittelalter, bot eine besonders verlockende Gelegenheit für Dilettantismus und romantischen Enthusiasmus. Alle seine grossen Publikationen beschäftigen sich mit dieser Zeit: er hat über mittelalterliche Buchmalerei geschrieben, über Monumental- und Kleinplastik: an einem sechsbändigen Werk über Elfenbeinskulpturen hat er 25 Jahre lang, bis 1934, gearbeitet. Ehrfurchtsvolle Kleinarbeit in der Sichtung des Materials, eindringlich geführte Einzelanalysen, historischer Ueberblick in der Aufdeckung von Einflüssen und Beziehungen haben ihm zu einer einzigartigen Kennerschaft verholten. Einzigartig vor allem durch jene nicht lehr- und lernbare Adolf Goldschmidt Fot. Grete Karplvs Intuition, die nur der von Natur für Kunst Empfängliche hat. Diese echte Beziehung zur Kunst hat ihm — im Gegensatz zu - vielen anderen Kunsthistorikern — den Weg zum schaffenden Künstler gebahnt, auch zu Musik und Theater, hat ihn in Konnex mit dem Museum gebracht. Jede Erwerbung, Sichtung. Neuordnung der Museen hat er in lebendiger Weise in seine Forschung und Lehrtätigkeit mit einbezogen. Er hatte, was ein Berliner Museumsbeamter einmal scherzhaft „Warenkenntnis" genannt hat, die der Museumsdienst und die> Ausbildung dazu verlangt. — Schon seine Laufbahn und Entwicklung erweisen seine sich durchsetzende künstlerische Natur; nach Realgymnasium und Kaufmannslehrjahren, humanistischen Nachexamen und Krankheitsjahren im Süden kommt er erst mit 26 Jahren zur Promotion, aber dann schnell in einliussreiche Stellungen. Nach seiner Emeritierung 1930 hat er im Ausland noch grosse Anerkennung gefunden. Im Herbst 1933 wurde er auf dem grossen internationalen kunstgeschichtlichen Kongress in Stockholm zum Ehrenpräsidenten des Kongresses ernannt Vor allem hat er in den letzten zehn Jahren ein neues Tätigkeitsfeld gewonnen: Nordamerika, das sich zum Aurbau seines Kunstlebens das Beste aus Europa holt und das seinerseits der europäische Kunstgelehrte in seine Forschungen mit einbeziehen muss. 1927/28. 1930/31 hat Professor Goldschmidt an der Harvard-Universität gelesen, 1936/37 an der Universität der Stadt New-York. Die Ehrenmitgliedschaft der Mediaeval Academy of America, die Ehrendoktorate von Princeton und Harvard zeugen von seinen äusseren Erfolgen. In seinem Schülerkreis hat er grosse Resonanz gefunden; Goldschmidt-Schü-er finden sich je'zt auch als Assi- Adolph Donath. Zeichnung von Alexander Oppfcr Seit Monaten schon hatte der nun dahingeschiedene Adolph Donath (vergl. C-V.¬ Zeitung Nr. 52 vom 30. Dezember 1932) seinen Freunden mit frohem Glücksgeiühl geschrieben: Passt auf, nächstens erscheint mein neues Buch? Es war ihm eine tiefe Genugtuung, dass er in den Jahren der schweren, bedrohlichen Krankheit neben Tagesarbeit und Redaktionsmühen noch Selbstzucht des Geistes und Konzentrationskraft genug hatte aufbringen können, um dies Werk, an dem sein Herz hing, zu vollenden. Dann gab es Unstimmigkeiten mit dem zuerst in Aussicht genommenen Verleger, es musste ein neuer gefunden werden, und. so zog sich die Sache längere Zeit hin, bis — die ersten Exemplare bei den begierig wartenden Freunden fast gleichzeitig mit der Todesnachricht eintrafen! So darf uns Donaths letztes Buch „W i e die Kunstfälscher arbeiten" (Verlag Dr. Eduard Gregr u. Sohn, Prag) als Abschiedsgruss und Vermächtnis des Verewigten gelten. Seine ganze liebenswerte, wissensreiche Persönlichkeit steckt darin. Man braucht es nur aufzuschlagen l-WJl-l■ IUI l,-UM«.™»t"^T^^WJ^-Wt^ und ein paar Sätze zu lesen, so hat man die lebhafte, anregende Art vor sich, in der er über die Angelegenheiten des Sammlertums, der Museen, des Kunsthandels, des Auktionswesens zu sprechen wusste, deren Kenntnis er schon früh zu einer Spezialität ausgebildet hatte. Alles, was das allgemeine Kunstgetriebe, die Fülle der Bewegung auf den internationalen Schauplätzen des Marktes anging, überblickte er mit erstaunlichem Gedächtnis. Davon gibt auch dieser nicht allzu dickleibige Band (170 Seiten) Kunde. Ebenso wie Donaths frühere Bücher, seine „Psychologie des Kunstsammelns", seine „Technik des Kunstsammelns", die Bände seines .„Jahrbuchs für Kunstsammler" und der von ihm begründeten Zeitschriften des gleichen Gebiets, beweist das Kunstfälscher - Plauderkompendium, dass er in seinen Sonderprovinzen auf Grund vierzigjähriger Erfahrungen vorzüglich Bescheid wusste und aus einem unerschöpflichen Vorrat von den Schicksalen einzelner Meisterstücke, von der Eigenart bekannter Sammler, von verblüffenden Einfällen bei Versteigerungen höchst amü- Jüdische Maler in Köln Von Ludwig Meidner Es gibt auch in Köln ein paar begabte Maler und Malerinnen, die in bewährter und unaufdringlicher Methode arbeiten können. Indessen soll von diesen hier nicht die Rede sein, sondern von einigen anderen, die sich mehr mit Problemen herumschlagen und auf ungesicherten Wegen gehen, welches Wagnis in diesen ohnehin nicht sehr kunstgeneigten Zeiten wenig Zutrauen einflösst. Wenn der Verfasser an dieser Stelle unter anderem über seine und seiner Ehefrau Arbeiten redet, sie sozusagen ins günstigste Licht rückt, so darf man ihm das nicht vorwerfen, sintemal ich hierorts niemanden weiss, der über uns sachverständig schreiben könnte. Wir nehmen uns das Recht, auf uns selbst hinzuweisen, denn so schwächlich und banal ist unsere Arbeit nicht, als dass sie es verdiente, gänzlich der Vergessenheit anheimzufallen. Was meine .eigene Malerei betrifft, die ich seit zwei Jahren nur noch im Nebenberuf ausüben kann, so sei es mir erlaubt, ohne Ueberhebung zu gestehen, dass ich in diesem Zeitraum nicht faul gewesen bin, sondern soviel wie möglich Hände und Geist geregt habe, und wenn auch unsere Arbeit heute eine rein private Angelegenheit geworden ist, so geht man seines Dämons nicht verlustig, arbeitet unverdrossen um der Sache selbst willen mit einer wie in Dämmerungen verlorenen abgrundtiefen Wehmut. Die Gabe des Gestaltenmüssens ist in reifen Jahren nicht weniger zwingend als im Jünglingsalter, ja, man hat als älterer Mensch mehr Lust und Genuss an seinem Werk als in jenen Jahren, da das Wollen gewaltiger als das Können und die Arbeit nichts als ein erbitterter, schmerzvoller Kampf war. Dergestalt heftig und leidenschaftlich, freilich gar nicht schmerzvoll, kämpft es auf den Leinwänden von Else Meidner, die beuten sechsunddreissigjäbrig, eine Malerin von hoher Qualität ist. Ein breiter nervöser Pinsel bedeckt die Fläche mit kostbarer Materie. Die Sujets sind hierbei ganz gleichgültig: sie malt immer nur das Licht und den Raum in einer reichen, warmen Skala. Ihre Werke sind nicht Hausmannskost für die vielen, aber eine Delikatesse für den Kenner. Diese Malerei ist so dicht und erlesen, wie nur bei wenigen dieser Zeit, und wer dieses Lob zu übertrieben findet, der sehe sich nur diese ^Bilder an. Schwierigkeiten hat sie zuweilen bei der Konstruktion der Gestalten. Ihre Zeichenkunst aber überrascht fast noch mehr, sie ist vollkommen anders als die Zeichnerei der begabten Frauen. Else Meidner protzt nicht mit Kraft, ist ganz und gar naiv, sicher, fest, voller- Spannung und weiss die Materie auf wundervolle Weise zu beseelen. Drei Jahre jünger als Else Meidner, also dreiunddreissig alt, ist Felix N u s s b a u m , der zwar nicht in Köln, sondern in Osnabrück geboren wurde und jetzt in Brüssel arbeitet. Da aber seine Eltern seit Jahren hier ansässig sind und sein Oeuvre bis vor kurzem in. Köln beisammen war, sei er in diesem Zusammenhang genannt. Eine originelle Persönlichkeit, 1932 Stipendiat der prsussischen Akademie in Rom; im jüdischen Bereich wurde er bisher nicht beachtet. Dabei ist er einer der phantasievollsten Maler der Gegenwart; sein malerisch-zeichnerischer Stil, in dem sich viele Tendenzen der Gegenwart, auch ein Schuss Surrealismus, begegnen, ist das Resultat eigener nimmermüder Arbeit. Er sprudelt von Einfällen und immer wieder neuen Erfindungen seiner -Laune und seines Humors. Das ist nämlich sein W7esenselement, der Humor, der besondere Nussbaumsche Humor. In Belgien würdigt ihn James Euscr seiner Freundschaft, und die Schulbücher für die flämischen Kinder durfte jüngsthin er, der Ausländer, mit seinen Zeichnungen schmücken; bei einer Konkurrenz trug er den Preis davon. Nussbaum besitzt auch ein starkes literarisches Talent. Es ist ein Vergnügen, seine Prosaseiten, seinen noch ungedruckten Roman-zu lesen; auch hier überraschen sein Humor, sein Sarkasmus und die kuriosesten Einfälle. Eine Malerin von Begabung ist Edith Auerbach, die Tochter des Geheimrats Auerbach, welche seit Jahren in Paris arbeitet. Man sieht hier hin und wieder ein gut gemaltes Stück von ihr. Da aber ihre wichtigen Arbeiten aus Palästina uns noch nicht zu Gesicht kamen, genüge für heute diese kurze Notiz. Auch Fra u W e t z 1 a r kann malen, wenn sie einein Stück geschätzter Natur die malerische Forin verleiht Häufiger indessen sucht sie stilisierte Gebilde, neusachlich-klassizistische Arrangements und Porträts. Dass Herrmann Stern, ein Einundzwanzigjähriger aus einer orthodoxen Familie, plötzlich zur Malerei kam, daran ist ein Kabeltelegramm schuld, das im letzten Frühjahr von Argentinien einlief und der Familie mitteilte, dass das Kaschrut auf einer dortigen Farm nicht dem Ritualgesetz entspräche. Stern, den man zum Landwirt machen wollte, durfte deshalb nicht abreisen, half dann aus Verzweiflung einem Schaufensterdekorateur und kam über die Lackschrift zum Zeichnen, das er bis dahin kaum geübt hatte. Im Spätsommer fing er an, mit Oelfarben zu hantieren, und es gelang ihm nach wenigen Versuchen, ohne dass jemand dabei geholfen hätte, so vorzügliche Landschaften zu malen und eine so echte malerische Gesinnung zu beweisen, dass einige Leute, die das sahen, Führung durch die Ausstellung 100 Jahre jüdische Kunst Der Landesverband Gross-Berlin des Jüdischen. Centrai-Vereins beabsichtigt, für seine Mitglieder und deren Angehörige kostenlose Abendführungen durch die Ausstellung „100 Jahre jüdische Kunst" im Berliner Jüdischen Museum unter Leitung der Museumsassistentin Dr. Irmgard Schüler zu veranstalten. Interessjen>en werden gebeten, schriftlich bis zum 14. Januargenaue Anschrift. Fernruf und Zahl der durch sie gemeldeten Teilnehmer dem Büro des C.-V. ,'W. 15, Emser Sir. 4-2) zu melden. Sie erhallen, dann weitere Mitteilung über das genaue Datum der Führung. dem jungen Mann, der wenig Selbstvertrauen besitzt, Mut machten, derart fortzufahren. Tatsächlich ist das, was bisher vorliegt, von grossem malerischen Reiz, durchaus eigenwüchsig und reif, ohne die Spuren unkünstlerischer Chaotik. So trat über Nacht ein neuer Maler ans Licht Die Visitenkarte Eine Visitenkarte liegt vor mir: klein, weiss mit schwarzem Aufdruck — wie eben Visitenkarten sind. Und doch ist etwas Besonderes an ihr. Nicht nur, dass der weisse Karton von einer Festigkeit und seidigen Glätte ist, die man selten findet; der Name Curt H e p n e r steht da in einer wunderschön klaren, elfenbeinschwarzen Schrift, so dass einem unwillkürlich einfällt: „Wie gestochen!" Und wenn ich mit dem Finger über die Karte streiche, so fühle ich den Druck sich ganz zart plastisch vom Karton abheben. Curt H e p n e r, Graveurmeister, Kupferstecher. Der Mann ist genau so wie seine Karte. Von eindringlicher ' Klarheit, von besonderer Feinheit jedes Ausdrucks, von einer zarten Plastik seiner Persönlichkeit. Und, wie diese Karte, nicht ganz aus dieser Zeit Curt Hepner sitzt vor mir und erzählt von seiner Laufbahn. Handwerkliche Ausbildung als Graveur und Kupferstecher, dann Akademie. Er zeigt mir seinen Meisterbrief aus dem Jahre 1911 und eine Anzahl von Arbeiten: Siegel, kleine Reliefs in Mattgold, Abzüge von Stichen nach Zeichnungen, Photographien und nach dem Leben. Manche der Blätter sehen aus wie radiert und der Meister erklärt mir, dass sein© Stichtechnik der des Radierens nahekommt. Köpfe sehen mich an, deren klare Durcharbeitung bis in die winzigsten Einzelheiten erstaunlich ist. Ich frage mich im Augenblick, warum man so wenig Porträts in dieser schönen Ausführung zu sehen bekommt. Einen besonders schönen Mendelssohn-Kopf sehe ich im Bleistiftentwurf; „es muss noch viel mehr Ausdruck hinein" sagt der Meister, die nie mit