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Central-Verein-Zeitung · 1938-01-06 · 1 (6.1.1938) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
17 (1938)
Issue
1 (6.1.1938)
Date
1938-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Hr.l * 1. Beiblatt flERihing 6. Januar 1938 * Seite 3 Auslandsnachrichten Oesterreich England Wie üblich gelangten zu Neujahr wieder eine grosse Anzahl von Auszeichnungen zur Verteilung. Unter den Dekorierten befinden sich auch in diesem Jahre Juden. So wurde der Kriegsminister Lesiie Hore-Belisha in den Adelsstand erhoben, die Pianistin Harriet Collen erhielt der. „Orden des britischen Empire", Itta Yellin, die Frau Dawid Teilins, den „Britischen Reichsorden", die Palästinabeamten Jacob K i s s e 1 o v und Salomon Weissberg wurden gleichfalls ausgezeichnet. Zu „Knighis Bachelours" wurden der" Kommandant des Londoner Rekrutenausbildungsregiments. Colone] Philip Carlebach, und für «eine charitafiven Stiftungen Edward Willani Meyerstein erhoben. Bemerkenswert ist. dass der zurückgetretene High Commissioner von Palästina, Sir Arthur Wauchope, den ...Bath-Orden'*' und der Cbefsekretär 'William Battershil! den Orden „St. Michael" erhielteD. Lord Henry Meie b e 11, der Vorsitzende de* Council der Jew.'sb Ageoey. eiu Soba Sir Alfred Monds, ist an einem schweren Herzleiden erkrankt Irland . . Durch die feierliche Einführung 'der neuen irischen Verfassung beschäftigt sich die irische und englische Presse auch mit der Stellung der verschiedenen Religionsbekenntnisse innerhalb des neuen Freistaats, der von jetzt ab die amtliche Bezeichnung „Eirc" führt. In der Verfassung beisst es. dass freie Ausübung der Religion jedem Bürger garantiert ist und dass de]' Staat sich verpflichtet, keinerlei diskriminierende Unterschiede anzuerkennen. Ais sich vor kurzem in Dublin ein „Verein zum Schutze der Christen" bildete und den Versuch machte, einen Boykott .jüdischer Geschäfte herbeizuführen, trat des Präsidenten de Vaiera Partei sofort öffentlich gegen diese Aktion auf. Aus anderem Anlass hatte der Präsident die Behauptung, er sei jüdischer Abstammung, öffentlich zurückgewiesen und dabei betont, dass er sich judenfeiudliche Bestrebungen nie dienstbar machen werde. Professor B rode tsky besprach vor kurzem iu Dublin mit de Vaiera palästinensische Fragen. Eine der angesehensten irischen Zeitungen schrieb u.a., dass in Irland die Juden nicht eine abseits lebende Gruppe, sondern ein Teil der Nation seien, der zur Wohlfahrt des Landes in reichstem Masse beigesteuert habe. In Irland selbst leben unter etwa 3 Millionen Einwohnern etwa 4000 Juden, die Mehrzahl in Dublin. Italien Wegen innerjüdischer Streitigkeiten wurde der Oberrabbiner von Rom Professor David Prato beurlaubt. Er hat sich nach Aegypten, und Palästina begeben. In der Weihnachtenuminer der päpstlichen Zeitung ..Osservatore Romano" befindet sich u. a. ein Aufsatz „Das Drama Israels", der zur Judenfrage Stellung nimmt In ihm wird betont, dass sich die Auseinandersetzung mit dem Judentum nur auf geistiger Basis vollziehen könne, da es sich um eine religiöse Frage handele. Die Zeitung „II Tevere", die bereits wiederholt judenfeiudliche Artikel veröffentlichte, bringt jetzt eine Aufsatzserie „Juden im politischen Leben Italiens'*. Die Boykott- und Fiugblattpropaganda des Gewerbebundes in Wien unter Führung des Vizebürgermeiscers Kresse hält unvermindert an und bai inzwischen zur fast vollkommenen Ausschaltung der jüdischen Gewerbetreibenden aus den ständischen Vertretungen des Landes geführt. Hand in Hand hiermit geht die Agitation von Organisationen, bei denen die judenfeindliche Haltung ein Hauptprogrammpunkt ist Hierzu zählt u. a. der Antisemitenbund, der in seiner Agitation nicht mehr wie bisher zum Kauf in „christlichen", sondern in „arischen" Geschäften auffordert. Die Hochschülerschaft Oesterreichs, die in die vaterländische Front eingegliedert ist, hat in ihrem Organ ..Hocbsebulzeitung"* einen Aufsatz „Gedanken zur Judenfrage'* veröffentlicht, in dem es u. a. beisst: „Wir finden es unerträglich, dass die besten Arbeitsplätze im Lande von .luden besetzt sind, dass einflussreicbe Stellen in Staat und Wirtschaft von Fremden verwaltet werden. Wir würden uns in einem fremden Land hübsch bescheiden benehmen und uns stets mar als geduldete Gästo fühieu."' In Nr. 47 der C.-V.-Zeitung vom 25. November 1937 hatten wir von der Gründung der ..Deutschen Bühne'" unter Führung Mirko J e 1 u s i c h berichtet. Die Direktion des Raimund- Theaters hi't ihr Hans nunmehr dicker Organisation, die angibt, bereit- 20000 Mitglieder zu zählen, zur Verfügung gestellt Wie es" in einer Verlautbarung heisst. soll das Institut als ..nationales,- den rassefremden Kunstrichtungen abgeneigtes Theater'' geführt werden. Der frühere rumänische Aussennnnisf.er •W!!IHRifflIi!n!!IIIIi!M Titulescu, der in diesen Tagen der oppositionellen nationalzaranistischen Partei Maaius beigetreten ist, ist in Wien eingetroffen und bat sich in Behandlung des Ohrenspezialisten Professor Dr. Heinrieh Seumann begeben. Polen Im ausseien Leben ist im Hinblick auf die Judenfrage nach dem Abklingen des Boykotts eine gewisse Ruhe eingetretim durch die jedoch keineswegs die schweren wirtschaftlichen und bildungsmässigen Schäden gemildert worden sind. Im Sejm kam es anlässlich der Budgetdebatte zu einer lebhaften Diskussion über die Judenfrage, als der Abgeordnete Leib M i n z - b e r g sich in scharfen Worten gegen die Vorgänge der letzten Woche wandte. Er sagte u. a.: .,Wir fragen uns oft, ob nicht jene jüdischen Kreise recht haben, die fordern, dass die jüdischen Parlamentarier ihre Mandate niederlegen. Denn wir jüdischen Abgeordneten und Senatoren sind hilflose Zeugen des Unrechts geworden, das an der jüdischen Bevölkerung begangen wird. Die Berufung auf die Verfassung ist anachronistisch und sinnlos geworden." Der Abgeordnete gab dann seiner Befürchtung Ausdruck, dass die vielen Massnahmen gegen die Juden, die seit einem Jahr von der Regierung geduldet, beute aber erlaubt seien, in kurzem sogar angeordnet würden: man solle die unrealen ..Lösungsvorschläge" zur Judenfrage durch Emigration von dreieinhalb Millionen Menschen aufgeben. Die polnische Judenheit werde nicht aufhören, die Rechte zu fordern, die ihr wie allen Bürgern des Landes zustehen. — Danach sprach der Deputierte Duz ins kl. der heftigste Angriffe gegen die Juden unternahm und von der Regierung forderte, sie möge endlich von Worten zu Taten übergehen und das Wirtschaftsieben Polens von -Juden befreien, getreu der Devise ..Polen den Polen!" — Im Verlauf der Debatte sagte u. a. Premierminister S1 a w o j - S 1 a d - kowski, er werde ..mit aller Aufrichtigkeit über die jüdische Frage und über das Minderheitenproblem im allgemeinen sprechen. Die in Lemberg vor kurzem verbotene polnisch-jüdische Zeitung ,-Chwila" wird demnächst wieder erscheinen. Führende jüdische Persönlichkeiten Polens planten die Begründung einer „Liga g e g e n die Verleumdung des Judentum s*\ Das polnische Innenministerium hat die Grün- Eifie wichtige Antwort ■ Wiederholle Antragen geb-eu der Jüdischen Winterhilfe Veranlassung darauf hinzuweisen, dass die Zahlung des monatlichen Winterhilfsopfers, neben den im Hause stattfindenden Sammlungen, auf Grund der Richtlinien des Herrn Reumsbeauftragten für das Wiuterhilfswerk des Deutschen Volkes 1937/38 zu erfolgen hat Die amtlichen Richtlinien, die eine monatliche Speudeiileislung von mindestens J Prozent der jährlichen Reichseinkommensteuer 1.936 — bzw. mindestens 10 Prozent der jeweiligen Lohnsteuer monatlich vorsehen, gelten entsprechend für den Kreis der jüdischen Gemeinschaft. Die gesamte Arbeit der Jüdischen Winterhilfe erfolgt im Kähmen, der vom Reicbsbeauf- 1 ragten für das Wiuterbüfswerk des Deutseben Volkes erlassenen Richtlinien, zu denen auch die obengenannten Richtsätze gehören. Die monatliche- Winterhillsspende von mindestens 1 RM bzw. für Angestellte 0,25 RM ist auf das Postscheckkonto: Berlin 0 344 6 der Jüdiscbeu Winterhilfe oder auf eines ihrer Bankkonten zu entrichten. Die Jiiuischc Winterhilfe bittet alle Spender, 'die bei der letzten Haussatmiüung am (5. Dezember verhindert waren, zu geben, am Ehitopfsonntajr. 9. Januar, ihre Gaben zu verdoppein. Die Jüdische Winterhilfe Berlin ist auf das volle Erträgnis ihrer!>aremlui>gen unbedingt angewiesen. Die Einzelheiten über' die Ausgabe von Lebensmittel- und Kohlengutscheinen, sowie von Pfund spenden-Paketei) im Januar sind aus dem jüdischen Gemeindeblatt zu ersehen. Jung jedoch untersagt, da ein gesellschaftliches Bedürfnis zur Schaffung einer Vereinigung mit solchen Zielen nicht vorliege. Es werden weitere Einzelheiten über das Gutachten bekannt das Major Lepecki über die Siedlungsmögiichkeiten in M a d a g a s k a r erstattet hat Hervorzuheben ist vor aliern. das« in dieser Denkschrift in erster Linie die Aussichten für polnische Bauer tt erörtert werden, und dass man hierbei von Plänen spricht, die HO 000 Menschen zu einer neuen landwirtschaftlichen Existenz verhelfen sollen. Im Gegensatz zu dieser optimistischen Auffassung über die Siedlungsmöglichkeiten an sich sind die Urteile der jüdischen Mitglieder dieser Kommission wesentlich pessimistischer. Die Regierung selbst hat, worauf wir bereits in der vorigen Nummer der C.-V.-Zeitung hinwiesen, ihrerseits vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt, wie sie z. B. Berichte englischer Leitungen erwecken könnten. Erst ganz zum Schluss des halbamtlichen Communiques der F©to, Ro.'leiflex, Confax, Gelegenheitskäufe WoföF u. Leonherd* (gegr. 1906) Berlin-Wii mersdorf. Berliner Str. 129, Teief. 86 29.4A ..Polnisch-Politischen Information" steht der Sähe: ..Madagaskar eigne sich ebenfalls für eine jüdische Auswanderung."' In ganz Polen hat der ..ORT" seine Arbeit tür die Fachausbildung polnischer Juden intensiviert. Handwerker sollen für die offiziellen Examina vorbereitet werden, so dass sie die Möglichkeit zur Erlangung eines Diploms als Unierwerksfubrer erhalten. Zur Förderung" dieser Bestrebungen wurde ein besonderer Ausscbuss gebildet, dem namhafte Spezialisten und Grossiudustrielle des Landes angehören. Ungarn Dem ungarischen Statistischen Jahrbuch, das jetzt mit Angaben einschliesslich des Jahres erschien, ist zu entnehmen, dass s-ieb die Seelenzabi aller Konfessionen des Landes erhöht hat. mit Ausnahme der der Juden. Ihre Sterblichkeit ist zwar mit 13,8 pro Tausend sehr gering, aber die Geburtenzunahme beträgt bloss #0BfebiQv 1Ä m\ Jfä Ä'©^^ Novelle von Moritz Kaswan 3. Fortsetzung Die schlanke Gestalt des jungen Juden scheint in dieser kurzen Zeitspanne mit mächtiger Kraft verwoben Sie stellt sich neben die eingesunkene des Holzherrn Lefkoy , zwingt ihn zum Aufschauen. Da sagt Jossei Gradner: „Grämt Euch nicht, Schwäher, verlangt keinen Get. Debora bleibt mein Weib, und seid dessen sicher: sie wird es gern bleiben.'' Erstaunt über die Sicherheit des lebeusunkundigen Talmudseh iiiers und halb versöhnt mit seinem Schicksal, antwortet Vater Lefkoy: ..An mir soll es nicht Legen. Aber wie willst du das bewerkstelligen?" Meint Jossei, er möge nur ohne Sorge sein und das widerspenstige Frauenwesen gleich herunterbringen Der alte Mann kehrt nach ein paar Minuten zurück und mit einem glanzlosen Blick auf den aufhorchenden Schwiegersohn stösst er aus: „Debora ist seit einer halben Stunde mit einem bestellten Fuhrwerk zur Bahn nach Marmaros* Sziget!" Von dem Tage an, da Debora entwich, vollzog sich mit dem •feschiwabachur Jossei eine Wandlung. Sechs Monate reichten aus, um ihn zur Haltung eines jungen Juden der Neuzeit zu bestimmen. In seinem Auftreten nach aussen zeigte er natürlichere Wesensart als Efraim Felben doch im Gegensatz zu diesem blieb er, trotz des weltlichen Mittuens. ein beseelter Verschworener des alten Bundes. Unter der Führung von Vater Lefkoy nahm er es in Handeisdingeo bald mit jedem klarstreheaden Kaufmann auf. Im Holzkauf für seinen Schwäher erzielte der ehemalige Schüler Raw Mordechais Erfolge, welche vor denen des erfahrenen Waldbesitzers bestehen konnten. Josseis Seele nahm keinen Schaden am geschäftlichen Gang seines Lebens. Er entwickelte sich zu einem selbständigen, zähen Mannsbild, das bei aller Kaltblütigkeit seine Umwelt mit inniger Empfindung wahrnahm. Kein Tag ging vorüber, ohne dass der Mann Deboras sich nicht gefragt hätte, ob er schon so weit sei, um über sie den Sieg davonzutragen. All sein Planen und Gelingen erwies sich als ein einziges Rüsten gegen die ferne Debora. Er verfiel oftmals in langes Nachdenken, wessen er sich wohl unterfangen sollte, um ihren Abscheu gegen seine Person zu mildern. Er lernte bis in die dächte hinein — keine Gemaratexte —, sondern deutsch und ungarisch fliessend sprechen, eignete sich ein gutes Stück allgemeine Bildung an und wurde das, was der alte Lefkoy stolz als „gediegenes Wesen vor Gott und Menschen" bezeichnete. So stieg seine Macht mit jedem Tage, und ungeachtet des Drängens seines Schwiegers wartete er, bis ihm selbst deutlich schien, dass es Zeit wäre, den Kampf mit der entlaufenen Debora aufzunehmen. Er trat an einem Julimorgen vor den erfreuten Lefkoy und sprach: „Eure Tochter werdet ihr bald wiedersehen: ich reise noch beute zu ihr nach Wien!" In Wien vernimmt Jossei, dass Debora mit ihrer Tante .nach Marienbad gefahren sei. Ohne Zögern löst er eine Fahrkarte nach dort und sinnt im Zuge darüber nach, wie er die Aussprache mit der Frau einleiten solle. Ihn dünkt es in dem lauten Kurort auswegsloser als in der abgeschiedenen Stadtwohnung. Das elegante Treiben des Bades zündet kein Verlangen nach müssigem Genuss in ihm. Er hat bald das Quartier Deboras, eine teure Pension, aufgespürt und sie selbst inmitten von schlendernden Offizieren und jungen Herren auf der Promenade Der spähende Gatte, im Zweifel ob er geradeswegs auf sie zuschreiten soll, bemerkt in dem Augenblick wie Debora, da sie seiner ansichtig wird, erfreut zu winken beginnt Reisst sich der Mann mit einer raschen Bewegung vorwärts und trifft eine im gleichen Moment an ihm vorbeiwollende Dame mit solchem Schwung, dass diese ins Straucheln gerät und um ein Haar zu Fall gekommen wäre. Mit einem kleinen Aufschrei eilt Debora hinzu und beruhigt, dass nichts geschehen, lassen sich die zwei Frauen, ohne den um „Verzeihung bittenden" Jossei weiter zu beachten, von den anschwärmenden Kavalieren in die Mitte nehmen. Dem verdutzt zurückbleibenden Mann wird klar, die Tochter Awner Lefkoys habe in ihm ihreu ■ Bräutigam von Szadony nicht wiedererkannt. Etwas, worüber er sieb kaum wunderte, hatte doch sein Aeusseres durch die bürgerliche Kleidung und das glattgescheitelte Haar jedwede Aebulicbkeu mit der Gestalt des' früheren Jeschiwabacburs Josseie verloren. Am Kachmittag bemerkt er Debora mit ihrer Begleiterin an einem der Tische des Parkes. Als das Kurorchester eine Spielpause einlegt, erhebt sich die schöne Jüdin, um der Einladung eines Bekannten zu einem Spaziergang Folge zu leisten, während die um zwanzig Jahre ältere Tante von ihrem Platz die auf- und abgleitenden Gäste beobachtet. Jossei benutzt die Spanne Zeit, bei der freundlich dreinschauenden Dame sein vormittägliches Ungeschick noch einmal, diesmal mit Erfolg, zu entschuldigen. In dem sich ergebenden Gespräch entzückt er die mit feinem Verstand ausgestattete Frau dermassen, dass sie mit Ungedulddie Rückkunft ihrer Nichte erwartet, damit jene den geistvollen Erzähler noch antreffe. Gar erst, als sie erfährt, seine Heimat liege im Gebiet Mamaros, und er sei ein guter Bekaonter von dem alten Lefkoy, selber ein Holz- und Waldbesitzer von Ruf, kommen ihr, in echter Weibesmanier. gleich die unwahrscheinlichsten Pläne. Nach einer Weile naht Debora, geleitet von zwei jungen Herren, welche sich vor ihrem Tisch mit fröhlichem Hüteschwenken von ihr verabschieden. Jossei. dem Furcht ins Herz schleicht, die» Begegnung mit seiner Liebe könnte trübe verlaufen, will behutsam zu einem klärenden Satz Zuflucht nehmen, als das Sonnenbräune lachende Geschöpf mit einem: „Grüss Gott!*' und dem leicht überraschten Ausruf: „Der Bedränger von heute morgen, nicht wabn'il zu den beiden tritt. Jener, der nicht weiss, wie ihm geschieht, bekämpft mit aller Gewalt seine Verwirrtheit und stammelt wie ein Schüler: „Gnädige Frau, bitte um Vergebung!" Die Tante stellt vor: ,,Dora Lefkoy--- Herr ...?"* hält verlegen inne, da sie sich nicht' auf seinen Namen besinnen kann, auch nicht darauf, ob er überhaupt einen genannt habe. Herrn Gradner fliegt in dieser Sekunde eine Leberlegung zu und mit einem hastigen: ^Pardon. Josef Krummer ist mein Name!" verbeugt er sich vor deu Damen. Die Unterhaltung gewinnt nun noch mehr an Farbe, da beide gemeinsame Erinnerungen und Begebenheiten auszutauschen . haben, auch Debora nicht müde wird, sich ein um das andere Mal nach dem Ergehen ihres Vaters zu erkundigen. Bald ist ein Wiedersehen für den nächsten Tag verabredet; und zum Kummer der Marienbader Kavaliere verbringt die scharmante Jüdin auch den Rest der Ferien mit dem jungen Mann ihrer Kreise. Bei einem Gang durch den Kurpark gewahrt sie unter den Besuchern des Gartens den berühmten Rabbi von Ottyhia. umgeben von einer Schar schützender Chassidim. Dem ehrfürchtig nachblickenden Jossei bekennt sie, dass ihr solche altmodischen Juden ein Greuel seien. „In unserer fortschrittlichen Zeit, meint ernsthaft die junge Frau, rühren diese Häupter die Juden in ein tieferes Ghetto als je im Mittelalter zurück. Damals blieb kein anderer Ausweg, heute aber steht uns doch die Welt offen." Ihr Begleiter, noch bedrängt vom Anblick, jener ehrwürdigen Erscheinung, antwortet nach IISliniilll1ll!IHIIillil!l!ililllll!!lil!lll!!i!W lüill Mitgliedsbeiträge für den; Jüdisc&enCentral- Verein Landesverband Gross-Berlin auf Postscheckkonto Berlin: 115501

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