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Central-Verein-Zeitung · 1936-09-10 · 37 (10.9.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
37 (10.9.1936)
Date
1936-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«rnwa XV. Jahrgang t Nr. 37 Berlin, 10. September 1936 Preis 10 Pfennig entral- LLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS 8141—15. Telegrammadresse: Centralglaubcn, Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Geschäftsstelle ent» " "-r''~‘ ..entgegen. Anstellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren _ _ __ .. _ _ _ _„_ „. Landeswährung) einschliesslich Zustellgebühren. Finzeliuimmer 10 Rpf. (Ausland 90 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch anf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzelgengebßhren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespalteno Millimeter-Zeile 20 Rpf., für_?tcl!engcsucha 10 Rpf.. für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — Anzeigenschluss: Dienstag. r"-*- -* ... Platz- und Datehvnrschriften. ohne Verbindlichkeit. Ko I I I in Landowechsel Der Konflikt in Palästina ist ans der Sphäre der kolonialen Verwaltungsangelegenheiten endgültig in den Bereich der weltpolitischen Zusammenhänge eingetreten: das ist das Ergebnis der vergangenen Woche. Die Meldung des „Evening Standard", der wir in der vorigen Nummer an dieser Stelle Raum gegeben hatten und die besagte, daß die Palästinasrage auf die Tagesordnung der für den vorigen Mittwoch vorgesehenen Sitzung des englischen Kabinetts gesetzt sei, hat sich in vollem Umfang bestätigt. Die Sitzung des englischen Kabinetts hat stattgesunden, und in ihr ist über Palästina gesprochen worden. Kein Communiquö, kein offizieller oder offiziöser Pressebericht hat der Oefsentlichkeit von dem Ergebnis der ministeriellen Beratungen Kenntnis gegeben. Dennoch ist an der Haltung der englischen Regierung kein Zweifel mehr möglich: diesmal haben statt der verbindlichen und vorsichtig abgewogenen Worte scharf und energisch zupackende Tater gesprochen. Statt eines Communiques — ein Brie£ Eine bedeutsame politische Aktion, die auf die von dem englischen Kabinett eingenommene Haltung weitgehende Rückschlüsse zuließ, stellte ein Brief des Kolonienministers. O r m s b y - 6 o r e an den Präsidenten der . Jexvi5'.i XLSnev und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim W e i; m a n n. dar, der die Vermittlungsakrion des irakischen Außenministers Nuri Pascha zum Gegenstand hatte. In seinem ausdrücklich für die Oesfentlichkeit bestimmten Schreiben hob der Kolonienminister hervor, daß die englische Regierung ebensowenig wie der High Eommissiöner den bekannten Vorschlägen Nuri Paschas, die im wesentlichen mit dem Inhalt der bekannten arabischen Forderungen übercinstimmen.;u-?gestimmt habe. Auch sei Nuri Pascha von einer englischen Stelle ermächtigt worden, in deren Namen Versicherungen über die Maßnahmen der britischen Mandatsbehörden nach der Einstellung von Streik und Terror abzugeben. Zusicherungen, die die sperre der jüdischen Einwanderung nach Palästina oder die Anerkennung der Vermittlerrolle Nuri Paschas beträfen, seien auch ihm selbst gegenüber nicht gemacht worden. In diesem Zusammenhang gehört auch die Meldung, daß die Palästinaregierung entschlossen sei. ihre Verhandlungen mit dem irakischen Außenminister avznbrechen. Mit diesem.Entschluß hat die Periode der Einmiscbungsversnche seitens der außerhalb Palästina lebenden arabischen Boksteile zunächst ihren Abschluß gesunden. Das Gesetz des Handelns liegt wieder in der Hand der englischen Reichsgcwalt. v Die Königliche Kommission soll entscheiden Damit ist schon gesagt, daß eines der Ergebnisie der englischen Kabincttssitzungen der Entschluß gewesen ist. sich in der »Frage der Einwanderungssperre nicht in das Schlepptau der arabischen Forderungen nehmen zu lassen. Tie englischen Minister haben empfunden, daß die Frage der Einwanderung von Juden nach Palästina nicht den Gegenständ völkischer Verhandlungen bilden kann, und -daß eine. Einwanderungssperre als ein Mittel zur Beendigung des arabischen Terrors mit dem Geiste des Mandats nicht vereinbar ist. Für England, das ist der Kernpunkt des. Ormsbh-Gore-Briefes. ist die Einwanderungssperre kein Poll i t i s ch g a n g b a rer Weg. Der. Spruch der Königlichen Kommission, von der noch immer die Rede ist, wird, so kommentiert „Morninst Post" die Lage, in dieser Frage die Entscheidung bringen. Das Blatt erklärt, daß die Einwanderung nach Palästina nur dann eingestellt werden solle, wenn die Kommission zu der Entscheidung gelangt, daß dies im Interesse des Landes liege. Stäche Entschlüsse Die englischen Minister Haben dann, in den Tagen nach der Beratung' des Gesamtkabinetts eine lebhafte Aktivität entfaltet. Am Donnerstag, also fast unmittelbar nach der KäbinettssiNung. fand in Downing Street zwischen Innenminister Sir John Sim.on, der zurzeit den Premier des Kabinetts, Baldwin, vertritt, und "dem Kolonienminister eine Besprechung statt, die der Erörterung der Lago in Palästina galt. Nene Berichte des High Eommissiöner dürften die Grundlage der Unterhaltung .abgegeben haben. Wenn man den „Times" folgt, haben sich die Minister vor allem über die vom GrvBrnnfti erlassene Proklamation, die die Araber a: 'fordert., den Streik fortzuführen, ausgesprochen und die zu ergreifenden Gegenmaßnahmen erörtert. \ Schon am folgenden Tag überraschte eiüe Bekanntmachung' des Kriegsministeriulns, das mittest te. daß eine Verstärkung der in Palästina stationierten Truppen in Erwägung gezogen sei. Die Manöver der ersten englischen Division seien abgebrochen, die Division selbst ans dem Uebnngsgebiet zu° rückgeruien worden. Gleichzeitig erfolgte die Einberufung der zu der Divinon gehörigen Reservisten und die Einstellung der Urlaube. Aber noch zögerte die Regierung ihre Entschlüsse hinaus, um abzuwarten. ob die ge- . spannte Lage in Palästinaunter dem Eindruck dieser Maßnahme nicht eine wesentliche Veränderung erfahre. Gleichzeitig wurde jedoch die Verhängling des Kriegszustandes und des Standrechts in Palästina in Erwägung gezogen. Im Lause deS Montag fiel dmin die Entscheidung. nachdem , schon vorher Verteidigungsminister Sir Thomas I n s k i p sich dahin geäußert hatte, daß die Entsendung der Verstärkungen im Interesse des britischen Ansehens notwendig sei. Die Regierung gab ■ amtlich bekannt, daß eine volle Tivision — nach Pressemeldungen sind dies zwölf Bataillone Infanterie, vier Kompanien- Panzertrnppen. bret. Kvmpanien Signalinerungsdienst und drei Kompanien'Verbindungsdienst — noch in der lausenden Woche nach Palästina abaebt. Rät diesen 10 000 Mann wird die in Palästina stationierte englische Truppe aus 17 000-Mann angewachsen sein.. Wechsel fht Oberkommando Aufschlußreich für die politische Konstellation ist auch die Tatsache, daß gleichzeitig das Oberkommando über die gesamten dritisthen Ltrcitkräite in Palästina einem hervorragenden T Eicher der englischen Armee, dem Generalleutnant I. G. Dill, übertragen wurde. In dieser Maßnahme liegt bereits die Vorwegnabme eines. Teiles der gegebenenfalls mit der Verhängung des. Kriegszustandes verbundenen Umstellung; denn bisher ist der High Eomnchfsioner. der Chef der britischen uvilen Viandatsverwaltuna. zugleich der T berkomrnanbieMM^chn^PaläsÄna gewesen. Einen Tag später, am Dienstag, be» fand sich Generalleutnant Till bereits auf dem Wege nach Palästina. Damit scheint die Verhängung des Kriegsznstandes im Heiligen Lande nur noch eine »Trage von Tagen zu sein. Ja. selbst , die Maßnahmen, die sogleich nach der Proklamierung des Kriegsrechts ergriffen werden sollen, sind heute schon ein Gegenstand englischer Presseerörternngen.-So-meldet „Daily Telegraph", daß eine der ersten Masmahmen die Deportierung des Grvßinnfti sein werde. Die Palästinaregierung selbst hat inzwischen ihre Vorbereitungen getroffen, zwischen den zivilen und militärischen Dienststellen wurde die Abgrenzung der Gebiete besprochen, in denen der Belagerungszustand.wirksam sein soll, und die Einsetzung von Standgerichten bildete bereits, den Gegenstand interner Beratungen. Die Auf nähme in England Die englische Presse begleitet diese Schritte im allgemeinen mit einem Wohlwollen, das vor allem der Wiederherstellung der britischen Autorität im vorderen Orient gilt. „Geduld und Nachsicht sind erschöpft." schreibt der bereits erwähnte „Daily Telegraph", „ihre einzige Wirkung war. - daß die Riraver zu einem Widerstand ermutigt wu. jegliche Untersuchung der Beschwerden verhindert. die, wie sie behaupten, der Grund ihres Aufstandes sind. Sie lehnen jede Regelung ab, die nicht eine Abdankung der Mandatarmacht bedeutet." Abdankung sei, fährt das Blatt fort, keine mögliche Politik. Tie Ordnnng müsse wiederhergestellt, die bewaffneten Banden müßten unterdrückt, die Streiks beendet werden. Dann könne die Untersuchnngskvmmission ihre Arbeit tun und die unanzweifelbare Gleichstellung der beiden Gemeinschaften festlegen. Nichts, ivas geschehen sei, werde die Entschlossenheit.beeinträchtigen, durch eine dauernde Regelung das Gleichgewicht zwischen Inden und Ara- . bern anfrechtznerhalten. Während der überwiegende Ter der englischen Presse sich im gleichen Sinne äußert, greift „Daily Erpreß" die Entsendung von Truppen nach Palästina erbittert an. Die miteinander in Widerspruch stehenden Forderungen in Palästina seien für England . „ein ganz schlechtes Geschäft". Das Blatt' rät England, Palästina dem Völkerbund .zurückzngeben. „Möge England", so.-schreibt „Daily Erpreß", ..seine ganze Zeit und Kraft dem Ausbau, und dem Znsammenschweißen' seines Imperiums widmen. Es ist groß gering." Die arabische Reaktion Welche Ereignisse Haben die.Bereitschaft' der englischen Regierung, in den arabischen Aufstand mit militärischen Maßnaymen einzngreifen, zu den erwäHntemEntschlüssen reisen lassen? Die Gründe hierfür liegen einmal in der Abfolge blutiger Ereignisse und sodann in der Versteifung der politischen Lage, die durch das Verhalten der arabischen 'Führung horvorgcrnfen wurde. Hierher gehört vor allem der Beschluß des Obersten arabischen Komitees, den Streik unter der Losung „Verteidigung des Vaterlandes" fortznsnhren. Hierher gehört aber auch die Beobachtung, die der Berichterstatter des „Daily Telegraph" nach London kabelte: die Beweise häufen sich dafür, daß die »Führer der Araber immer mehr die Kontrolle über die Terroristen verlieren. Immer deutlicher scheint sich aber herauszustellen, daß zwischen ■ der politischen Führung der Araber und den Terroristenbanden eine Verbindung besteht. An der Spitze" der mit größter Wirksamkeit und Planmäßigkeit durchgcsührten Terror-, aktionen steht der Syrer Fäuzi el Kankadhi, ein geschulter Revolutionär. Er hat auch mit der Veröffentlichung eigener Communi- ' ques begonnen, die „Meldungen vom Kriegsschauplatz" enthalten und durchaus arabisch gefärbt sind. Man darf annehmen, daß ge¬ Diese Nummer umfasst 20 Seiten. Sie enthält die Beilagen; Palästina-Umschau Sportblatt Wirtschaft der Woche. * Die Rosch Haschana-Festnümmer erscheint schon am 16. September. ln ihr schreiben u. a.: Ludwig Altmann, Friedrich Brodnitz, Magnus Davidsohn, Max Dienemann, Ludwig Feuchtwanger, Leo Hirsch, Hugo Lachmanski, Franz . Landsberger, Kurt Pinthus, Ilse Weiss-Blumenthal. rade diese Dinge das englische Selbstgefühl, aufs äußerste gereizt haben und schließlich zu der Auffassung führten, daß Großbritannien der Lage nur noch mit den schärfsten Mitteln Herr werden tonne. Die Wirkung de? englischen Vorgehens hat sich denn auch sofort in einem gewissen Stimnumgsumschwung tm arab>scheu Lage-r »''-wiesen, und hier wird deutlich, daß ein Teil der Vorwürfe, die von englischer wie von jüdischer Seite gegen die vorsichtig tastende Politik der Maiidatsregierung gerichtet wurden. zn Recht besteht. Bürgermeister Khaldi soll fiel) nach Pressemeldungen dahin geäußert haben, daß die Verstärkung des VBtilitärs,iii einer Zeit, in der Verinittlungs- '-versuche im Gange sind, ihn mit Besorgnis ersüllten. Dabei muß man allerdings berücksiclitigen, daß ^Bürgermeister Khaldi demjenigen Teil der arabischen Politiker mt? gehört, der . den V e r» nttl > 111gsvvr sch lägen .etwa Rnri Pasclias mit einem geivissen Berständnis gl^eiinberstand. Doch auch andere Stiiinnen zielen in diese Richtung. „Berziveif- ■ lnng". heißt es in dem Bericht der „Tirnes"', „beherrscht, aufs neue die arabische ösfentlirhe Meinung". Tie Frage des übrrtes der Ansivirkungen des Belagerungszustandes werde jetzt aufgenwrfen werden. Tie arabischen Führer wiederholen, daß eine Handvoll Araber selbstverständlich nic!)t der vollen „.Macht der englisclien Armee Übiderstand leisten könne; , sie glauben aber, daß die Anivendnng von Gewalt dazu führen könne, daß das illvlk. zu /noch stärkerer Entschlossenheit, anfgereizt und das Land in einen Aufruhr gestürzt iverden -wird, in den auch andere . arabische Länder iverden hereingezogen werden. Ein erheblicher Teil der englischen öfsentlichen Meinung.- erklärt das' Blatt, glaubt, daß die lltegierung abermals eine Gelegenheit versäumt hat. die ilnruhen zu beenden und einen falschen Weg eingeschlagen hat. der die Schwierigkeiten vermehren kann. Die jüdische Sieilnng-" nähme \ Eine andere Reaktion Hat Pie Stellungnahme Englands selbstverständlich in jüdischen Kreisen hervorgernsc». R'ach ' der Spannung der'letzten Rllvchen Hut der Brief Ormsby-t-'lores und sein Dementi über die Snspendiernng der indischen Einwanderung die Stiinmnng merllicli erleichtert. Auch ein -Bericht des Kvlviiirnininisters.u'in lZInlemont ok Policy, das ivir an anderer Stelle veröffentlichen. hat anf die Kreise der politischen Exekutive der.levci.>h Agency in-Öönbou und ans den Iischnw einen äußerst günstigen Eindruck gemacht. Man gibt allgeinein'der Er- Wartung. Ausdruck, daß die englische Regiernng zum Schutz der jüdischemRechte bereit ' sei. Aufs neue stellt man sich in dem Willen zur Zusammenarbeit allen Teilen zur Bersügnng. Ter Präsident der Exekutive der 3<;wi^st F^oney. David Ben Gurion, stellte in einer Erklärung fest, daß die Gefahr einer Einstellung der Einwanderung noch nicht vor-

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