Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 36 (3.9.1936)
- Date
- 1936-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gegenstand batte, wurde nach sauberer Herausarbeitung des Materials auS dem Tenach, der Geschichte der alten Zeit, oder auch der zionistischen .Kongresse durch die Beiprechimg und Analyse eines Gedichtes non Ludwig Strauß mit dem gleichen Thema erlednisniaßig abgerundet. Es-wurde mit dieser Lc-knon gezeigt', wie mit-einer ersten Volks- - fchulklafie auf Grund sachlicher Vorbildung der vorangrgangenen 7 Jahre die Möglichkeit eines derartigen KomlnnaNonsfaches auf .indischer Grundlage gegeben ist. Die Problematik deS Deutschunterrichts wurdT in. der 2. Lektion dargestellt. Martin Bubers Le- - gr-tidc vom Gebetbuch aus der. Baal-Ochem-Samm-" lung war der Ausgangspunkt für eine Deutsch», stunde, 'die zugleich -als ^allgemeine -Aussprache-, stunde aus jüdischer-Grundlage gedacht war.-und im Anschluß an die Legende Sinn und Wert-des wahren Gebetes heransarbeiten sollte. ES ,ernte sich hier, wie bei stark rationalistisch eingestellten Mädchen es möglich »vnrde. durch das Aledium der dichterischen Legende ein- Tor zur religiösen Gefühlswelt zu offnen, wie Begriffe wie Hingabe und. Inbrunst. Herzensgebet selbst bei nicht vollkommenem Ritual ersaßt wurden. und es ergab sich damit organisch der Vergleich zur biblischen . .Gestalt, der Hanna aus dem Buch Samuel. Buber erwies sich aus der Oberstufe als rvesentlicher Mittler/ einer Hinführung . zur Welt jüdischen' Fuhlens, zugleich durch seine geschlissene Sprache alS Erziehungsfaktor der Ausdriittsmöglichkeiten. Der geschichtlichen Welt de? 19, Jahrhunderts galt die dritte Lektion vor Ausbau'chüle- ' rinnen des 9. Schuljahres. Soziale Gesehesterte . des 19. Jahrhunderts aus englischem und deutschem Bereich sollten hier guellenkritisch erarbeitet wer^Usizum dann im "Anschluß daran eint* Parallele' zur biblischen Geseüeswelt und zur Ethik des Schabbats zu ziehen. Ter Vergleich, der thevretisch möglich ist-, erwies siel, -praktisch, als sanin diirchsührbar, da einmal juristische Ouelleulektüre für!.">jährige Mädchen zu sclinnerig ist. cs außerdem einer sehr guten Kenntnis auch der jüdischen Gesetze-stoelt bedarf, um die beiden heterogene» tlb'zirke in eine richtige Beziehung zil seüen^ -HierPhien die organische Ve.rbindiilig beider -Sphären am -wenigsten gelungen, zumal die Einwäi'de ans der Diskiission. daß die dogmatisch, religiöse tl!>elt der Bibel und die sozial - endäiiwnistischen Ideale des 11». Jahrhunderts auf verschiedenen Grundlagen beruhen, zu recht bestellt. Gerade aus dem Gebiet des allgemeinen Geschichtsimterricht kann nicht genügend vor einer überschnellen Parallelenjagd geivarnt werden. Iüdiicise Geschichte und Lehre darf i,ur dort ciiigebaiit werde», wo es mirflidje Bezieyiingen iind Bindungen, wie etwa im Emanzipationszeiialter. gibt. Die letzte Lektion brachte heimatkundlich das Thema l>o>n Aberglauben auf der Uninihite der Volksschule :n liberaus. frischer uiid lebeiidiger Darstellung. .Hier würde völlig organisch eine Verbindiiiig von heimatlich märkischen Sagen nnd den 'Merkmalen des „llgeim-iiie» Aberglaubens zu den besi'i,deren Erscheinungen im jüdischen Kreis geboten. Es inar erstaunlich, wieviel lebendiges jüdisches üüissen in den kleinen Kerlen ans dein Berliner Lsten rein aus der Fainilientradition her steekte und nun durch kundige Hand geweckt wurde. Hier ist ein Gegenslück zur Palästina- .Künde, eine Art von seelischer Heimatkunde gezeigt worden., die sehr bedeutsam erscheint. . Dieser neuartige erste Versuch einer Arbeitstagung mit/ Probelektionen kann als vollauf gelungen bezeichnet werden. Eine geivisic Spaniiiig zwischen einem Teil, der älteren örthodoren Religionslehrergenerativii und. der Jüngeren der allgemeinen Fachlehrer blieb freilich iinverkennbar nnd zeigte-, die für die interne Arbeit der Schulen notwendige F-ragestelluiig nach einer Abgreiizulig der geistliche» und »velNichen Unter- .richtsbereiche a» unsere!! ji>dncl»en Schulen aut.' Im. ganze» zeigte die Aibeilstaguug. daß die veranstaktenden jüdischen Institutionen mit dem neuen Ber'uch. der nun zur ständigen Einrichtung erhoben werden soll, aus dem rechten Wege wären. Dr. Walter Perl Lrhrhaus Berlin. Zurzeit laufen rrnige englische und sr*c,»r>'cbe Sprachkurse! nähere Auskunft während der Sprechstunden de» Sekretariats. Berlin W15. Marburger Straße 5. Montag bi? Freitag 10 bis 1» und 14 bis 18 Uhr. _ ' Der Hebräische Sprachverein Breslau keilt mit) daß das Wintersemester der Vorbereitunaskurfe .für hebräische Lebrerseminare in Palästina am.12. Lktober beginnt... Erforderlich ist die mittlere Reue. Mel. düngen an Dr.. Albert Lcwkowrtz. Breslau. Wallstraß» 14. 1 Kunst im Kulturbund Edith Samuel —- Heina Wallenberg —- Paul Hannemann Ta? Sekretarta! für bildende Kunst eröffnet« nach sommerlicher Pause di« Reih» ferne, Ausstellungen mit erner Schau von Arbeiten Heinz Wallenbergs. Paul Hannemann» und Edith Samuels. Die Puppen von Edith Samuel sind kaum als Puppen zu bezeichnen, weit mehr als plastische Menschentypen. die eine eigene, sehr ernste Welt bedeuten. Tenn die.da umzugehen weiß mit so anspruchslosem Material, mit Trikot. Draht und allerhand bunt durcheinandergewüri'elten Stofs», resten. deren Atelier eine Nähmaschine ausmacht, deren jüdische Gestalten in der Berliner Ausstellung kennzeicbneiiderweise auf ganz ordinärem Nesseltnch auigebaut sind, wer! dieie ..Kulisse' zu diesen Gestalten zu gehören scheint. Ast eine Frühere Schülerin der Eiiener Folkivang-Schnle. Aber sie hat dort. arbeiten gelernt, um säiliestlub ganz eigene, eigenartige Wege zu gehen. Iw den . Gesichtern der Kinder spiegelt sich ein gut Teil der jüdischen seelischen Konsti-tution. es sind fast alles Typen der Gegenwart. Eine Pyotographie gab dieser Künstlerin oftmals die Anregung zur Gestaltung einer ihrer.Melstchcntypen. Wenn wir von Puppen hören, so dürsen »vir nid)t in der Erwarkilng in die Marbnrger Slraße gehen, um da spielerisches Gut für Kinder zu sehen, »vir »vürdei» enttäuscht fei»», »veil es in» Grunde die AlLelt der Große»', ist.- die uns enkgegentritt. eine Welt, die zum lie'sten Aachdeiiken anregt. lieber Heinz Wallenberg, den Wanderer durch Edith Samuel: tJch spiel’ nicht mehr mit/** Fot. Hetberi Svitnenfeld etäbte; 'Dörfer und Kleinstadtmärkte/ ist schon manches aus Anlaß seiner Ausstellung im Foyer, des Kuliurbunötheaters gesagt »vorden. Er weiß mit-Feder, Bleistift und Kohle geschmackvoll und gekonnt umzugehen, er weiß zu zeichnen und zu kontrastieren. Ein Kohleblatt . „Tor , in der Grenadterstraße" und eine duftige Bleistiftivieder. gäbe einer Havellandschast verdienen Erivähnung. unter' den Farbstiftblättern der „Jüdische Junge", der gut beobachtet, ist. Im Kleinformat gab Heinz. Wallenberg Skizzen verschiedener Menschcntypen. unter denen eilte alte Frau als Rückenfigur, ein Kaffee trinkendes Mädchen und ein lesender Mann als charakteristisch und zeichnerisch gelungen anzusprechen sind. In der Schau des Klnbheims des Frauenbundes hängen gemeinsam mit Paul Hannemann gearbeitete Entwürfe für Presse. Buch- und Spiel» Verlag, die die praktische Seite betonen. Sehr lustig der Entlvnrf für ein Spiel mit Figuren zum Ausschneiden und Einsteckeii unter dem - Motto ..Rummelplatz". Der Bildhauer Hannelnann zeigt sich in einigen Porträts aus Gips, und Ton. der gebrannt-wurde, um die Terrakottawirkung zu bekommen. Hannemann ist ein Schüler der Viola Böhm, von der er viel Psychologisches mitbekam, nianches ist indes noch ungelockert uiid ein »venig verkrampft. Aber eine Gruppe wie die der „Flamingos" zeigt, guten Beginn. ' Olga Bloch Paul Hannemann: Flamingos Fot. Grete Karficlu* MW? WW^ :'5; Sommerschule des Frauenbundes in Breslau Die Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes .führte im Beate-Guttrnann-Heim eine dreitägige „Sommerschule" durch, die am 31. August eröffnet wurde. Margarete Wachs- .mann begrüßte die Hörerinnen, unter denen auch Vertreterinnen aus der Provinz erschienen waren, mit dem Hinweis auf die vom Frauenbund seit jeher gepflegten Bestrebungen, das Wissen vom Judentum-und der Bibel zu verbreiten. Gertrud Kuznitzky leitete die Arbeit mit einem Bortrag „Religion" ein. Tie Reterentin gab. von der aristotelischen -Formulierung, des Monotheismus ausgehend, in klarer und-fesselnder Weise eine religiönsgeschichtliche und -philoso? phische Skizze-cder -Entwicklung des Retigionsbegriffes bis zur Formulierung Hermann Cohens, '-s Das weitere Programm der.Sommerschule enthielt die drei Arbeitsgemeinschaften von Gym'- nasialdirektor Tr. A b t über „Die Thora, ihr SiMen und ihre Bedeutung".. Rabbiner Tr. Sänger ..Die Propheten"' und Gemeinde- .rabbiner Dr. V o g e l st e i n „Das Judentum zur Zeit des 2. Tempels". Schw. Sonderlehrgang in Lehnitz für schulentlassene Mädchen. Um den in der Entwicklmig stehenden jungen Mädchen während' einer Uebergangszeit'. zugleich Erholung und Vorbereitung auf die Jahre der Arbeit zu bieten, .ist in dem Erholungsheim des Jüdischen Frauenbundes in Lehnitz eine B e r n f s v o r s ch u l li n g . eingerichtet worden. Hier finden die jungen Mädchen alles, was sie brallchen: Leben in. Gemeinschaft mit ' Gleichaltrigen. körperliche Kräftigung durch Turnen. Gylnnastik. Lport im Freien, planvolle Einführlmg in die hausivirtschaftliche Arbeit. Fort»! bildung in allen Zweigen des allgemeinen und des jüdischen Wissens. Diese von jüdischem Geist diirchdrungene Erzichiiiig will die Kinder zu. selbständigen, frohen jungen Menschen heranbilden. die sich ihrer Kräfie und Fähigkeiten bewußt sind und durch jüdisches Erleben fest in der Gemeinschaft wurzeln. Zinn Oktober iveroea wieder neiie Schülerinnen ausgeiivrnmen werden können. Auskunft erteilt die Leitung des Erholiingsheims Lehnitz bei Oranienburg. Biktoril.»- straße 19 (Telephon Oranienburg 2043s. Im Jüdis^n Seminar für Kindergärtnerin, nen und' Hortnerinnen, B e r l i n W 15, Meinekestraße 2'2. .1. wird, wie die Prcsseabteilung der Reichsvertretnng der Juden in Deutschland mitteilt„ im Frühjahr 1937 ein neuer zweijähriger A u s b il d u n g s k u r s u s beginnen, für den . rivch einige Anmeldungen entgegdigeliommen »verden könii'en. B o r a u s s e tz u n g e n für die Aus. . nähme sind abgeschlossene Lyzeums- (Obersekundareife) oder Mittelschulbildung, einige Kenntnis des Hebräischen und gediegenes Hauswirtschaftliches Können.. Schülerinnen, die nicht vorher eine Hanshaltschule besucht haben, müssen bei Ansnähme in das Seminar eine häuswirtschaftliche' Prüfung ablegen. Schließlich verlangt, das Seminar, daß vor Beginn der Ausbildung sechs Monate in einer Familie mit Kindern (nicht der eigenen) gearbeitet worden ist. Adressen von geeigneten Familien werden auf Wunsch nachgewicsen. Im Internat des Seminars können zu die- - sem Kursus keine Schülerinnen ausgenommen werden: das Seminar ist aber gern bereit, bei der . Lösung der Wohnsrage behilflich, zu sein. Der Kindergärtnerinnenberuf bietet im Inland und im Ausland gute A u s s i ch t e n; Kindergärtnerinnen werden sowohl in jüdischen Anstalten (Kindergärten. Horten.' Erholungs- und Erziehungsheimen. Schulheimen), als auch vor allem in jüdischen Familien dringend gebraucht. Nähere Auskünfte durch die Seminärleitung. A n m e l - düngen sind an die Geschäfts stelle" des Seminars Reichsvertretung der Inden in Deutschland. Abt. Zen'tralwohlfahrtsstelle. Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, zu richten. Du bist Joseph zu .Hilfe gekvmmeii: Du hast ibn gerettet. Du hast mir uiilerioegs (ilu'ii gesagt, warum du es getan hast. 2i*iederhole es noch ciiunal!^ fyibn hob feinen IMitf nidu oo,n Boden. Geguält kamen di» 2r*orle von seine» Lippe»! „Ich ahi^ie, >oas Joseph oor hatte, als ich Hörle, 100 und da - . . da loollte ich dabei sei». Josepb sollie die Tai >MU-allein pollbringen, ick' gönnte ibin diesen Gedanke,, nicktt. Jck> lies bernnler. nick't iveck ick, dackne. er loäre in Gesabr, .das lonstie icb nickn. L' -.- irar . . . es loar . . ." „G'brgeizc'" ooUendel Gerson balb fragend.. „stceid loar esk" fagie Inda. „lind deshalb bist du ihm ans den, )?ege gegangen?" „Ans Irene, ipeil er --nun «nick' für gut hielt, und ich schleck't lrnr." Um seine (Inr.ihe zn dämpfen, ging Gerson irueder i» dein schmalen, aber lange» Bil'lii-il'eksrain» ans lind ab. San» senie^ er stck, zioisck'en die K'iiabe»: ..Salomo» Usgne. der Sck'risitt-'ller', sagke er, „ioill ein A,»h oe, fassen über die E reignisse dieser Fe-.r. Jgb glaube aber, ei >ond esänch, nm: ioeil loir selber n:ck'l lovien ioas nm n»s oorgebt. Aber ,o,r keimen nns anck*-selber-inck't. So anck, ibr: es ist stels das T*e> lange» oon Knaben, mir -veäes. UimisleneS sehen;>> >oollen. Jl*r lonsrrei-imhl, daß es eme innere -tzoe.i!*eii. gib!,-daß niaii giil/aleiihe» ^en inntig und.feige. Ingnein'ck* . iind ehrlich, ehrgeizig "iid beldeiihasi »ei,, kann. Aber nur aus der -jiveiheit. aus dem b'espalienen. loäck'st das E'roüe. Ibr habt auf ein Wumder geioarkek. am Slrande n»d auf dem Schiffe. Su, Lager ging es inckn anders. Alle haben auf ein Ä'undei aeioarret, ans ein geioaltiges Feuer oom .Himmel oder auf.einen Aege» oou '?)can,iah. Aber kein A'iinder gegen die ckcalnr geschah. Die naiürlichsten Vorgänge An der nie»sck''lilheii Seele würden :nu, /lpimderbai i'ie». D» hast ersabreii, Joseph, daß das W*ort ZuiaU Lästermig ist. ' Du bau die- K ene erkannt aber nur ei» <7 rück davon hast' du ec lebt, ste ist unendlich, lind es gibt nicht eine, es gibt Sanseiide. es gibt .Huilderttausendo. A'ir keimen weder ihre» Uranfang no-h >>» llrende. Uiiglnck folgert S'Inck. S'lnck Unglück. Ss ist Sefev nnd doch S'ebenimis. DgS ist das Wunder, das daiiernde cmd fick, eioig soitfel-ende Wunder . . Damil liest er die Knaben allein. A» den Wänden des straunics ciillgng standen viele -Hnnderre o.on Bncherii: die Weisheit vou Jgihrtansendeii. Aber. iveder Joseph noch Juda war zuia-ute, stck* ■ mit dieser Wahl heil abzugeheu. ... Sude. Die Buchausgabe des „Knabenschiffu erscheint demnächst als Doppelhand der Philo-Biicherei im Philo-Verlag, Berlin W 15. Begegnung in Amsieifäant Von 5enia Meyer Jrn Schäusenster eines der großen, prächtigen Läden in der Kgioerstraat steht ans einer Glasplatte an der Seite eine kleine Porvellaviigttr. Ein Chinese in Miniatur; ein zartge'ckiivnngeiier. schräger schivaizer Pinselstrich deutet .die' Augeitt'-ratten an. ein paar Strichlein wollen zeigen, daß er nicht inelir.ganz jung'ist. ein winzigwinziges. schwarzglänzende-:* Zopilein; ein.Bauchläden 'mit irgendeinem undefinierbaren Etwas als-Ware darauf und darunter aus dem kleinen Socke! die Worte: Pinder. Pinder! -Hatte mir nicht damals vor ein paar Jahren mein Detter aus Holland von den Amsterdamer. Sonderheiten, darunter diesen-P-in-ders erzähltD. . . ..Pinder. Pinder!" rufen die Ctstneien der Grachten. ..Pinder. Pinder" und preisen ilire 'A'*are'damit an'und die Straßenjngend gröhlt der dekäimten Erscheinung ihr- ..Lecker. Lecker!" nach. 'A-o batte ich denn bis jetzt meine Angen gehabt, daß mir dien* bilb/ckie nitd sicher drolligc^Straßenszene entgaltgen war? Don nun att wollte ich daraus achten. Aber wo ich eilten Knäbetranchans ialr galt er anderem. Nirgends''ein Pinderrn'er! Ich nahm mir vor. einen .-.Gingeborenen" danach zu Ss war am letzten Abend. Abschiedsstimmung. Ans einem öellerleuchteten istanm am Leidiche Plein kamen ivir ails die Straße. Ich mußte einen.Augenblick vor der Tür warten und blieb bei deii Stufen des Ausgangs stehen.Por mir liegt der itralstende große Platz init seinen Hotels, dem „Lido", dem Hospital, ei nein Prachtbau nnd dei» vielen anderen Gebäuden mir ilirer Lichtfülle. Taspüre ich plötzlich eines S/en'chen Nähe, ohne ihn zu sehen; spüre ihn an einem ganz leisen, kleineit Atemzug. Und ich starre .ins Tniikel - neben mir. dorthin, wo ich ihn vermute. Aber ich muß tnich erst an die Dunkelheit da gewöhnen; es ist stockfinster im Schatten der Treppe. Und da . . . plötzlich sehr ich ihn. keine zwei Schritte von mir entfernt, erkenne ich: ein mattgelbes Gencht. alt. uralt, ein Chinesengesicht mit vielen Runzeln. wie ein jabrhundertaltes. beschriebenes und verwittertes Pergament. Und Augen sind in diesem Gesicht. Augen! Glei'ckpam. als ob alles Glend und . alles Leid der Welt, alles Verzagte und alles -Kampfmüde in dielen Augen läge; Wider» schein ^ciner endlosen Trauer. .Tieischwarz diese. Äugen nnd tiettranrig! Und allmählich sehe ich erst dieseii ganzen Punschen. sehe ich erst die ganze Trostlosigkeit, die auch über der Gestalt liegt. Wie eine Statue steht er dort, in säst unheimlicher Starrheit. Gin jäher Schrecken, ein Grauen packt - mich-... Was will er? Was steht er dort? Wie eine Tranmgestalt des' Entsetzens, ja wie das Grauen selbst? . „Aber", wagt sich da bescheiden meine innere Stimme hervor, .stchan doch, nur.die Augen dieses armen Menschen. — die - Seele! Es liegt doch nichts Böses über ihm. .nur Trauer, unsagbare. Trauer!"' Da faßt mich die Hand meines Freundes und fast willenlos setzen sich meine Füße in Bewegung. Und langsam koinmt seine Nuhe über mich, und wir gehen über den Hellen Platz. „Licht und Dunkel einer Großstadt" denke ich bei mir „in dieser Großstadt muß man unwillkürlich beim Helldunkel des Menschenschicksals an den Nceister des Helld»inkels. Neinbrandt. denken".- Und nun frage" ich nach der Erscheinung. Ein Pindermann »var/s. den ich inmitten einer lnstiglärinenden Kinderschar vermutet nnd gesucht hatte. Ein Pinder. ja. aber kein lustiger. ^Und auch nicht die seingerneißelte. kleine Gestalt ans dem Schaufenster in der Kalverstraat . . . ein armer, armer Mensch in seinein Elend. Und. ich höre, wie' sie in dieses Land verschlagen, nicht zurück nach der Heimat können, wie bedürfnislos sie leben, diese Aernisten der Armen.. Plan hört ihr „Pinder. Pinder" nicht inehr. das das Püblikuin 'zum Kausen anlocken sollte. -Haben sie es ans-. gegeben in hoffnungsloser Trauer, oder dürfen sie ihre Ware ' nicht, mehr anpreisen? Dürfen sie nur noch warten ans den. der auch den Pienschen im Schatten sieht? ■ Wieviele we,'deu das sein oder »vie wenige? Wer wird ihnen mu» noch abkäuien? Und ich . . . habe ich dem Pinder auch nur einen Cent gegeben? Ich erschrecke und schäme mich. Plötzlich iebe ich wieder die hoffnungslose Gestalt vor mir. Heimat-, nnd glücklos. Aber nein, es ist nicht meine Phantasie, nicht mein' - Gewissen, das mir dieses bernsteingelbe Gesicht vor die Augen zaubert. Mein .Freund faßt mich am Arm. „Dort, siehst du. steht wieder einer von den Pinders." Also Wirtlichkeit. Eng an die Hansmaner gelehnt steht er. Schnell greift meine Hand in das Geldtäschchen und ein Tubbeltje liegt auf seinem Kasten. -Und da meine Augen nun suchten — pW unsere Augen müssen immer /das Elend suchen — sehen sie noch eine ganze Reihe von euch, ihr armen Pindermänner. An der Gartenmauer, des Bondelparks. im Schatte»: der Häuser, wie aus der Erde' gewachsen, plötzlich, überall. Und jedem von euch, für euren Bruder mit. ein D'tbbeltje. Ich weiß nicht, wartim mich dies kleine Erlebnis so packte. Und. doch sollt ich's wissen . . . Es ist untrennbar verbunden piit jenen Gesprächen an diesem letzten Abend.