Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 33 (13.8.1936)
- Date
- 1936-08-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 2. Beiblatt Vor 1000 Jahren Von Ludwig Feuchtwanger Als vor oben .lunu Jahren, — am 7. August 986 -' — durch den gemeinsamen. Willen der deut-sclien Ltamme ein Herrickier aus den Thron, erhoben . worden nt, dem die Geschichte, die Begründung des Deutschen Reiches zuschreibt, gab es bereits allenthalben unter den deutschen Gauen verstreut Judensiedlungen. Kaiser Ltto der Große hat. der deutschen Geschichte Weg und Ziel gewiesen, die deutsche Kanerzeit: von der auch die Annalen der Juden so Entscheidendes berichten, nicht nur eingeleitet. sondern auf Jahrhunderte hinaus wahrhaft beherrscht. Es bleibt nur die Frage offen, ob ans den zeitgenössischen „Geschichtswerken" mit gutem historischen Gewissen das menschliche Wesen und staatsmännische Wirken der damals Herrschenden - anschaulich, farbig und verständlich gemacht werden kann, ohne daß man in allzu große Nähe des historischen Romans wder der mythischen Geschichtsklitterung gerät. Ranke hat die Frage für Herrscher wie Otto d. Großen verneint.^ Tie Skepsis, eine gültige, lebendige, fortlaufende Geschichtserzählung und Motivdeutung aus dev Vorhändenen Ueberlieserung zu geben, wird vollends verständlich, wenn es sich um die Geschichte der Juden in den damaligen Zeiträumen und zerklüfteten, heiß umstrittenen Marken, Plätzen und Gegenden handelt. Leblos trockene Annalen, die lakonische Aufzeichnung über das Auftauchen von Juden hier und dort, irgendein Rechtshandel öffentlicher oder privater. Natur, aus alldem kann man allenfalls Umrisse " geben. Aber woher die Farbe nehmen? Durchmustert man die zahlreichen edierten Quellen des 10. Jahrhunderts für die Zeit des Sachsenkaisers Otto I.. so stößt man vor allem auf die erste Sachsengeschichte des Mönchs Widukind. aus dem Kloster Korvei an der Weser bei Höxter. Aber aus der höfisch-dynastischen Schmeichelei Widukinds ist die, richtige Farbe für die damalige Zeit so wenig zu entnehmen wie aus den Epen der Nonne Roswitha von Gandersheim, die die Taten Ottos des Großen und die Entstehungsgeschichte ihres Klosters besungen hat. Gegen die einseitige Auswertbarkeit der mit so großem Schwung geschriebenen -Historia Ottonis des Bischofs Liudprand von Cremona/ebenso gegen dessen erstes Werk, das sich schon durch seinen Titel „Antapodisis" (Buch der Wiedervergeltung) als tendenzerfülltes Pamphlet gegen die Feinde des Kaisers ausweift, hat jüngst der Historiker Haller mit Recht' feine Bedenken erhoben, ebenso gegen die Echtheit der Charakterbilder, wie sie die kirchliche Legende im Leben Bruns von Köln bietet. Trotzdem bleibt aus den reich fließenden Quellen so viel echter Stoff, daß anschauliche Bilder Ottos des Großen und seiner Zeit wirklich geschulten Historikern,' die gleichzeitig (bei aller ZurücknmeiierLudwigSteinmetz , Nürnberger Str. 56 (neben Woolworth) * Haltung angesichts der io gearteten Quellen'» eine., plannme Tarstellnngsgabe - beugen, wie Harni Breßlau. Karl Hampe und zuletzt Robert H v l tz in a n n. gut gelungensind. - ■- ----- . -So nt es möglich, die erhaltenen Spuren über die däinalige Judenschaft im 'Jietd), so, spärlich fic sind, l>ehutsa>n in das farbigere Bild. , das den Historikern gelungen nt. ein zuzeichnen. Bon Bedentiing ist dabei in erster Linie eine neuere Entdeckung. die Reisebeschreibinig des spanisch-arabi. scheu Juden Ibrahim ibn I a k u b . der die westslawischen-Länder und Deutschland zur Zeit der ottonisck)en Negierung bereiste, sich am Hofe Ottos I. gufgehalten und dem Kaiser selbst (1*65 in Nlagdeburg oder nach Annahme anderer im Jahr 97:; ick Merseburg) Bericht erstattet hat. Ibrahim hat in Magdeburg, in Halle ä. S.. Merseburg, vor allem in Prag, in Mecklenburg und^in anderen - deutschen Städten Juden angetrosfen. Er fuhr auf dem Adriatischen Meer nordwärts, bereifte das Gebiet der westslawischen BolksstämMe. die Otto I. kür das Reich teilweise gewonnen hatte, hielt sich in Prag sowie in anderen böhmischen Städten an? und wandte sich dann nach dein östlichen Teil Deutschlands. Nach dem Besuch iii der kaiserlichen Residenz ging die Reise der Elbe entlang: so gelangte Ibrahim nach Schiverin. Er berichtet vor allem von den Böhmen, den Polen und Wenden. Seine Reise nach Mecklenburg ging von Magdeburg aus, von. ivo er dann nach Prag weiterreiste. Er berichtet von jüdischen Kanilenten, die in Gesellschaft mlihammedanischer Händler, von Ungarn »ach Böhmen reisten und von dort Mehl, Zinn. Tierselle Und Sklaven nach ihrer Heimat exportierten. In der „Allgemeinen - Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters" von Professor Kulischer-Leningrad/(München. Lldenbourg 1928) sind im ersten Bänd «Seite 87) die Quellen des Frühmittelalters über den Handel der Inden im 10. Jahrhundert gut ausgewertet. Indische Kausleüte bereisten damals die große Strecke vom Land, der Franken bis China, zu See lind, zu Land. Es waren vier Routen, auf welchen sie zwischen dem westlichen Europa und dem Orient hin und her reisten. Auf der Kölner Messe verkauften sie damals (zur Zeit Ltto I.) hauptsächlich Wolle, Pelzwerk. Schmucksachen und Häute. Aom Okzident führten sie nach dem Orient merkwürdigerweise Seide. Säbel. Sklaven, Pelzwerk, wäh-' rend sie aus dem Osten Moschus. Aloe. Kampfer und Zimt - einführten.. Im Norden waren den Juden allerdings die Friesen und Angelsachsen, aber auch die Sachsen an Mannigfaltigkeit der Waren und an Vielseitigkeit der Reisen weit überlegen; im Warenaustausch mit dem Osten waren die jüdischen Kaufleute vorzugsweise Helfer der überaus handelstüchtigen Araber. Wichtig ist, um sich ein richtiges Bild von der Art und Weise dieses Handels zu machen, daß es damals eine erdenklich große Zahl in sich abgeschlossener und sich genügender Lebenskreise gab, ferner-daß der Zustapd des öffentlichen Verkehrs .in linieren Begriffen gcmciien unendlich .dnr'tia war..so daß die kleinste Siedlung im Unlkreis von wenig Weilen zu einem industriellen und kommerziellen, Eigengebiet für sich streng abgeichlonei: lebte. Ibrahim ibn Jaknbs nüchterner aber genauer. Reisebericht ist. vor allem stur nnieriDüeiinliune dcr östlichen Gebiete, denen die weiia'tl->'.chailende Sil-. Politik Kaiser Ottos des Großen galt, von nei- ■ gender -Bedeutung.- Die 1988 ersclnenene-vorzügliche Sammlung .von Beitragen zu den get'chichl . lichen Beziehungen' Denttcl,land->"'nnd Polens «..Deutschland und Polen".-, heransgegeben von . -Albert B r a ck in a» ii : Pcnnchen ii. Berlin 19881. . die.im.Zusammenhang mit den Vorbereitungen zu dem internationalen Historikertag in Waricliau «August, 1988) von den besten Kennern versaßt sind, kommt wiederholt, aut die.^Reisebeschreibinig des Inden Ibrahim zu sprechen: ihre grundlegende Bedeutung für die frühe' Geschichte Osteuropas im 10. Jahrhundert ist heute allgemein anerkannt. Polen wird dariii — im Jahr 97-f— als das ..ausgedehnteste unter den Ländern der Slawen" bezeichnet, und Professor Brack mann setzt dieser Bemerkung des jüdischen Fahrtenbeschreibers hinzu: „Es ist auch richtig, daß der erste uns bekannte Herrscher dieses Landes eine Aktivität besaß, die eine gewisse Venvandtscliait mit der ' staatengründend.eii Art der Wikinger zeigt." Auch Professor Walther Vogel fuhrt in der gleichen Sammlung in seiner Darstellung „Polen als Seemacht und Seehandelsstaat in der Geschichte" I b r a l) i m i b n I a k u b als Kron- . zeugen dafür an. daß man nur mit großer Ein- . schränkung von einem starken Seehandel und einer beträchtlichen Seebetätigung Polens im frühen Mittelalter sprechen darf. Das polnische Staatswesen hat zur Zeit Kaiser Ottos I. von den Gegenden der mittleren Warthe seinen Ausgang - genommen. Es bleibt, wie Professor Vogel hervorhebh zweifelhaft. ob der Begründer oder doch der erste historisch faßbare Herrscher des Pvtenreiches. Miefzko I. Mescheggo „der König des Nordens", lvie ihn Jbn--Jakub nennti, seine Herrslhast.über, Pommern nicht nur dem Anspruch nach, sondern in Wirklichkeit ausgedehnt hat. Vogel beruft sich ausdrücklich auf den „arabischen" Reisenden Ibra-. him ibn Jakub (978). der die Unabhängigkeit sowohl der Wolliner ivie der Preußen östlich der Weichsel von den Polen sachlich hervorgehoben hat. Die Kämpfe, die schließlich (908) zur Anerkennung der deutschen Oberhoheit über das Land-zwischen Oder und Warthe führten, schildert jetzt Professor Robert Holtzmann in seiner neuesten Biographie „Kaiser Otto der . Große" (Verlag Georg Bondi, Berlin 198«») in anschaulicher Weise.' Holtz. mann hebt die besondere Bedeutung, des jüdischen Berichts (S. 148) gebührend hervor und macht auch nähere bibliographische Angaben über die beste deutsche Ausgabe des arabischen Originaltertes (S. 169); der Reisebericht ist jetzt am bequemsten in der von P. Hirsch besorgten deutschen Ausgabe der Sachsengeschichte Widukinds zugänglich. wozu Ibrahim ibn Jakub den'Anhang bildet („Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit". Band 88; 5. Auflage 1981). Auch'für die böhmische Geschichte und die Geschichte der Juden dort, besonders der Prager Das Jahr - steht im Zenith... Das I.\h r steht im ..Zenit! — Doch sacht beginnt cs sich Wir Sommersehgcn. wir werden**. lang’ nicht merken. Dic-lichten Inge gleichen-.-mimet..-noch de« Schöpfung Mri-ter weihen. ZV - Und wc>IIeiiE>!ich im-hellsten.Sonnenlichte--/eigen. - Und doch'..; HIN wenige Minuten wird es früher Nacht — Am Morgen steigt che Sonne spater aus dem Wolken- Und langsam.langsam gleitet schon des JahresPcrlenkette Zu jener Zeit, die uns die tiefste Dunkelheit gebracht... Dis dann — auch mir all mählich! — wieder Wächst das Licht. Bis dann die hellen Stunden wieder’länger werden — Als gäbe es nur Lieht und Glück auf dieser Flrden! , . Bis sich der Sommer wieder jauchzend Blumenkränze flicht! : ■ Ist so nicht meines, deines, aller Menschen Leben? Im steten Wechsel zwischen heller... dunkler Zeit? Im Wechsel zwischen höchstem Glück und tiefstem Leid? Im cw’gen Rhythmus,'den uns Gottes Tage geben? Lise Lewinnrck (Königsberg i. Pr.) -c<k>o<><x><x><>oöooo<><>o<xxx><><x><><><>o<> Jndeiigeineinde'. nuift diese Reisebeschreibting immer U'teder lierangezogen weiden, wie dies vor allem der jitditclie «nesclnclilssorscher 'Bertold 'B r e t - 1> o 1 z in seiner- ..«netchichle der Inden in Rial,reu im VUltelalll-.r" > I98-l> 'tut., Jbrahitzts Reiseziel war ja ge ende 'Prag. 'Brellwlz liebt .hervor, daß lein 'Benclit nirgends von einer selten Ausiedelnng oder einer 'Prager b-n-nieinde im Vericlitsjahr '.»78 spriclit. Jbn-Jalnb ist übrigens 'gmade für Prag ein vorziiglicher -'Beol>achter: Er rulinrt die Lebendigleit des Prager enhirltes. er sei der größte in den slawischen- Landern, llieiclitum und 'Billigkeit _ fallen ilun ans. ..Jiireinen -Pfennig lallst inan soviel -Weizen als ein 'Niann für einen '.»'onat nötig l,at. und um ' densellien Preis soviel, (üerste, als man brauelit. um ein Pferd einen 'ücvnat lang zu füttern. Z>el,u-Hühner gelten gemeiniglich einen Pfennig. -In der Stadt Prag macht man Sättel, Zäunte und . Scliilde. welcl>e in-diesen Ländern ge» l'ranclit werden. Im,.Lande 'Bölimen fertigt inan dünne, lose, ivie 'Hetze geweläe stiiisteliüe». die inaii . zu nichts gebranclien lau», die aber bei ihnen den feste» Wert von einem zel>ntel Pfennig haben lind im Handel und '1>erkel>r gebraucht werden. Sie gelten bei ihnen als Geld, .und man besitzt davon Kisten voll. Tie kostl'iirsten Sachen sind für diese Süclileiu zu laufen: 'Itzei-zen, Sllaven. Pferde, «üold und Silber. . . ." Daß hier noch Sllaven verlaust werden, ist ihm nichts Pc'erlwürdiges — er kommt Das ^nabenschrff Erzählung von Fritz Roth großer mit Zeichnungen von Horst Moray - (8. Fortsetzung.) Am nächsten. Tage wurde ich aus dem Gefängnis entlassen. . Niemand sagte, was ich tun sollte, wohin ich gehen könne. Ich fragte nach meinen Eltern. Ein Schreiber antwortete: er dürfe darüber nicht sprechen. Ich wäre frei, da ich die Altersgrenze für Ketzerei noch nicht erreicht hätte. Diese betrüge dreizehn Jahre, ich wäre erst zwölf Jahre. Es wäre ein Irrtum geivefen, daß ich gefangen gefetzt, fei: ein Rechtsirrtum! Ich ging zu unserem Hause, es stand nicht mehr, es war niedergebrannt. Ich war hungrig, ich bettelte bei den Nachbarn um Brot. Die meisten schickten mich weg, sie hatten Angst vor dem Ketzergericht. Ich ging ins Juderia, die Juden waren vertrieben, die" Häuser standen leer. . . Nach zwei Tagen traf ich aus der Straße einen Geschäftsfreund meines Vaters, der früher oft zu uns gekommen war. In der Nacht durfte ich in einem versteckten Winkel feines Hauses schlafen. Ich 'fragte, wo meine Eltern wären. Er sagte mir die Wahrheit: sie lebten beide nicht mehr. Sie waren verbrannt. Verwandte hatte ich nicht. 2lm andern Morgen kam der Freund meines Vaters auf den Gedanken, daß die Juden sich meiner annehmen müßten. Inzwischen war aber das Edikt verkündet, überall hatten >die Juden die Städte verlassen müssen, oder sie befanden sich im Ausbruch. In der kommenden Nacht sandte mich daher mein Beschützer heimlich in einem^ Fuhrwerk nach Marsilla. Er glaubte, daß dort noch Juden wären. Aber der letzte hatte am Tage vorher die Stadt verlassen. Der Wagenführer war ein mitleidiger Mensch, ec fuhr mich weiter bis Leon. Hier sollten bestimmt noch Juden wohnen. Nur sieben oder acht Familien wohnten noch dort. Zwei Monate betrug die Frist noch, die man den Inöei. im Lande ge- - lassen hatte:—-Ss—lange blieb ich in Leoni ~ einem Rabbi. Er war uralt und besaß k Schon früher hatte ich viel gelesen. Alle Bücher meines Vaters waren mit unserem Hause verbrannt. Jetzt las ich wieder vom Morgen bis zum Abend und oft auch die Nacht hindurch. ^)ch mußte eine Lösung finden. Meine Eltern waren tot, well ein Stein am Gartenwege gelegen hatte. Weshalb hatte der Stein da gelegen? Warum hatte ihn meine Mutter übersehen tlnd mußte über ihn fallen? Etivas Geringfügigeres als einen Stein am Wege gibt es nicht. Wieso konnte aus einer solch geringen Sache Tod und Unglück 'kommen? Ich verzweifelte, ich war dem Wahnsinn nahe. Was nützte alles Voransbedachte, wenn ein wertloser Stein alles zunichte machen konnte? In der letzten Woche fiel mir ein Buch in die Hände, der Verfasser hieß Euhemeroö. Er behauptete, jeder Glaube sei Irrtum und führte die Menschen ins Verderben. Zu glauben ist nur das> was man niit den Augen sehen und mit den Händen fassen kann. DaS nannte der Grieche: Vernunft. Ich steckte den Euhemeroö zu mir, und von diesem Tage ab laS ich keine Silbe mehr außer in diesem Buch. Einige Tage später mußten auch die alten. Leute in Leon an ihren Aufbruch denken, wenn sie nicht getötet werden wollten. In Santander trafen wir auf die Juden von Sedano. Sie' kamen am gleichen Tage an wie wir. Mit Wagen, Pferden und Gepäck. Sie hatten sich nicht zerstreut wie andere Gemeinden. Der Rabbi übergab mich den Regidores und war sofort verschwunden." - ' ,3* riJer Himmel hatte sich gänzlich n>>Lden gelbgrauen Wolken bezogen. Die Segel hingen schlaff an ^en Rahen. Auch nicht J>er leiseste Hauch eines Windes war zu spüren. Drückend und schwer lag etwas Unbestimmtes, Drohendes-in der Llift. Die beiden Knaben sahen sich änj keiner sagte ein Work. Da erklang vom .Mittelschiff ein klatschendes Geräusch, als wenn ein schwerer Gegenstand heruntergesallen wäre. Gleichzeitig hörten sie aus vielen Kehlen einen Schrei des höchsten Schreckens. Juda sprang hoch und war sofort mit Joseph an der Treppe. Sie sahen, wie ihre Gefährten zusammenliefen und sich über etwas beugten. Auch einige von den Männern der Besatzung eilten hinzu. Die beiden hasteten die Treppe hinunter und drängten sich zwischen die andern. Aus den Planken lag Jakob, ohne sichtbare Verletzung, aber regungslog mit weitgeöffneten, gläsernen Augen. Er hatte ein gelbweißes Gesicht und niemand wußte, ob er noch lebte oder tot war. Neben ihm . .. kniete der Mastmeister. Er hatte sein Ohr aus Jacobs Herz äglßch''ging itW^n-^-^gellnzt: als er sich aufrichtete, gab er dem Matrosen ein Zeichen, gdoße "Bibliothek. daß der Knabe noch lebe. _ , . ■_ ' In dieser Sekunde wichen alle ängstlich zur Seite. Kasim war ans dem Deck erschienen und stürzte aus den Mastmeister los. Erregt wechselte er zwei Sätze mit ihm, kniete nieder, nahm Jacob aus seine Arme und trug ihn, ohne einen der Knaben zu sehen oder auch nur zu beachten, in seine Kajüte. Jacob batte seinen Ball nieniandem gönnen toollen. Damit .man ihm sein E pielzecig nicht ivegnehine, spielte er allein, und in einiger Enlsecninig von den anderen. - Beim Hachtoersen mußte der Ball iii der Takelage zioischen den Bcanten und Stangen hängen geblieben sein. Es ioar nur eine ^n-iiniitung. Aber jedensalls batte Esca plötzlich gesehen, ivie sich Iacöh in den Wanten nach oben zog. Bevor es niöglich tvcir, Jacob zu Hilfe zu koiiinien, ihm naihznklettec», sahen die^, K naben anch sllton, ivie er mit den Händen ins Leere griff und änü ziveisacher Ncannshöbe ans a Deck Herabsiel, ivo er besinniingsloa liegen blieb. Aber Esca iviißle. nock, anderes zu berichten. Er gehörte mit David und Jlcannel zu denen, die die nieisien ^Bvrte maurisch kannten, und er batte verstanden, tvaü der' Ntastmeisfer gerufen halte: Der Schisssh.itiptinaiin Ivc-rde toben, ivemi der Knabe jterbe, denn er habe ans dem Sklavenmarkt von Alerandria eineri Knaben ivenigec zu verkansen. Die letzte, die allerletzte, die. törichte Hvssnung, durch Lösegeld freigekanst zu .werden,'ivar in nichts verslogen. JKan ivürde sic anseinattdei reißen, keiner ivüc de bei den anderen bleiben, sie ivür. den verkauft iverden wie Nkaiiltiere oder Esel. Aber noch bevor ihnen die Wirklichkeit in ihrem ganzen Auaniaße znin Beiviißlsein kam; erfaßte die Knaben zuni drittennial in kürzester Frist das Entsetzen: Die .Imine entfesselte sich. Ohne liebergang brach das Ilin.vetler.1oo, das seil-Stiniden in der Lust hing. Der Hinnnel slannnle ans, ein betänbender Donnerschlag erfüllte die Lust, der einsetzende dLind schoß in die Leineivand, daß das Bngsegel mit lanteni Knall zerbarst."Der Regen prasselte aus das Verdeck, das Schiff lag sofort vor den sich niislürinendeü Wellen schräg, und die Knaben jagten, »in Schutz zu suchen, hinab in den Laderanm.. Nur Nci,inten dauerte es, bis der Slnrm '.sich bis zur höchsten Stärke enlioi'ckelt hatte. Plötzlich tvar der Schissshaiiptnianii auf dem Deck; er stand auf dem Vvrderkastell und seine fast nbernienschliche Stimnie brüllte trotz Donner und Wind der Ncaiinschast Befehle zu. Dis auf das Bngsegel, dessen Fetzen an der Rahe slc->tlerten, konnte noch alle Leinivand geborgen iverden. Dann ließ der Hanptniaim die Earavelle vor dem Stnrni einhertreiben. Sie tanzte aus den Wellen wie ein Stück Kork. Krachend brachen die Stangen, mit denen die Masten überhöht ivareai, lind splitterten auf das Deck herab. Eine der hohen 'Wassertvnnen, die niit Süßtvasser zum' Trinken und Kochen gefüllt lvaren, siel polternd lim, nnd der Inhalt lief aus. Der Lug des Schiffes senkte sich so, daß die Wassermassen das Vorderkastell überschütteten, dann ragte der Steven wieder turmhoch über die Flut. Der Himmc-il war nicht mehr gelb, sondern tiefschivarz. Die Blitze ze.rrissen die tiesherab, hängende Wolkendecke, die sich mit den Fluten zu vereinen schien.