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Central-Verein-Zeitung · 1936-08-13 · 33 (13.8.1936) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
33 (13.8.1936)
Date
1936-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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tuilg und . ohijaitum; der 'Ausivaudcrcr- : Schule in C<örofi='-iArccfcnftav!L i"t’,e.. . Dabei leiten uns noch folgende i>'r>vagungen: Wer die ^m]enb mit der Bm-stellmuz erfüllt, ,baf* ihr Woitdcrziel mir Palnstiua sein darf, das; ne in feinem anderen Laude der Derslachttng und Unproduktivität, der Assimilation und Auspliedcrung entgehen werde, trägt eine schiverc Verantwortung. Er beraubt die Vielen, denen, sich die Tore Palästinas nicht vfinen werden, der Kraft und der Fähigkeit,. an anderer Stelle ausgeglichen^ zu leben. ' V!it diesem Trank , im Leibe, werden sie ihr Leben lang dem verlorenen 'Paradiesnachtrauern.- List es ferner ' richtig, denen, die, nirti-t. lsinreichend tauglich. oder nicht mehr jung genug zur. Mitarbeit ' am Palästinaausbau sind, das moralische ‘ Todesurteil zu sprechen? Und schließlich konunt man iun die Trage uielst herum:. Sollen die Auswanderer das Land, das siejetzt ausnimmt, als Durchgang betrachten, ihren Aufenthalt dort als Episode ansehen. deren tunlichste Abkürzung Herzenswunsch ist? Wer auch nur sahrkässig diesen Erfolg herbeiführt. lädt schwere Schuld auf sich. Wirtschaftlich und seelisch iverdeu sich nur diejenigen durchsetzen, die von dem festen Willen erfüllt sind, sich — als Juden — der neuen Wahlheimat einzuvrdnen, in ihr zu ~ verwurzeln. Haben sie diese Einstellung nicht, fühlen sie sich als Gäste auf Zeit, die landfremde Zrelss im Auge und un Herzen haben, so wird jeder Wind sie fortweheu, so werden sie über- . - all da, wo die Trennung der Arten nicht Norm ist, als unerwünschter Zuwachs gelten. Und da8 mit Recht. Tenn der Sinn der' Diaspora liegt nicht in einem Neben-, sondern in einem Mit-Einander. Ter gigantische Plan des Council for German .lowrv sieht vor, das; im Laufe von fünf Jahren 100 OOO Juden die Auswanderung aus Deutschland ermöglicht werden soll. Dieses Ziel ist nur erreichbar, wenn die erforderlichen Geldmittel ausgebracht und. ausreichende Eiuwanderungsmvglichkeiten erschlossen werden. BeideHVvrauSsetzuugen müssen geljebeu sein. Tie gewaltige Stimme von 3 000 000 Psd. Sterl.. die weitaus höchste, die je für einen jüdischen Zweck vorgesehen wurde, soll im jüdischen Kreise beschafft werden. Wir hoffen und erwarten, daß diese schwere Aufgabe gelöst wird. Tb es aber auch gelingen wird, die benötigten Niederlasiungsmöglichkciten zu erlangen, ist eine offene Frage. Planmäßig wird der ganze Planet abgesucht. An Anstrengungen fehlt es nicht. Soweit Beziehungen bestehen, werden sie benutzt. Trotzdem ist jede Voraussage gewagt. Das aber steht fest: Mehr als die Erfüllung des Council-Planes ist praktisch ausgeschlossen. Das bedeutet: Selbst wenn er voll verwirklicht wird, muß ein wesentlicher Teil der heute im Reichsgebiete wohnhaften Juden hier bleiben. Diese Notwendigkeit kann kein Kenner der Verhältnisse bestreiten. In dem schon erwähnten Programm der Reick>svertretung. das der C.-V. durch seine Unterschrift gebilligt hat, sind die vielfältigen und fchwicrigsn Aufgaben, die das Schicksal der schon 'stark verkleinerten und weiter schmelzenden jüdischen Geineinschaft in ^-Deutschland gestellt hat, aufgezählt. Tie Reichsvertretung ging davon aus, daß die vom Reichstag in Nürnberg beschlossenen ' Gesetze, die uns Juden auf das schwerste betroffen haben, „eine Ebene schaffen sollen, auf der ein erträgliches Verhältnis zwischen dem deutschen lind dem jüdischen Volke möglich ist." AIS Voraussetzung dafür bezeichnete die RcichSvertretlmg die-Hoffnung, „daß den Juden in Deutschland die moralische und wirtschaftliche Existenzmöglichkeit gelassen wird". Und mit Recht betonte sie die Not- Wendigkeit, „die wirtschaftliche Kraft der Juden dadurch zu sichern, daß die vorhandenen ErwerbSmöglichkeiteu erhalten blei- DieseS wichtige Gebiet ist dem C.-V. zugeteilt. Er ist zur rechtlichen, wirtschaftlichen und seelischen Betreuung, der in Deutschland lebenden Juden berufen. aller — ohne Unterschied—. gleichviel.- ob sie seine Mitglieder sind oder nicht.- Ihm liegt es ob. zu raten, zu stützen'und zu helfen? Dieses Arbeitsfeld muß mit unermüdlichem Fleiß sorgsam gepflügt lind gepflegt werden. - - llngezählte Einzelfälle vor; recht unterschiedlicher Bedeutung sind zu bearbeiten. Das bunte lind nie rastende Leben zeitigt immer wieder neue Probleme, die für breite Kreise lebenswichtig siild. Und dazu gesellen sich die vielen, vielen Anliegen, die für unsere Beginn des Jüdischen Weltkongresses Kommissar Sir Neill Malcolm als Ehrengast Mit einer Begrüßungsansprache des Präsidenten des Comitö des Delegations duives, Tr. Stephen S. Mise, wurde am Sonnabend abend i,n Sitzungssaal der Bölkerbundsversammlung in, Bätnnent Electoral in Genf der von über 300 Delegierten aus 32- Ländern besuchte Erste jüdische Weltkongreß feierlich eröffnet.-. Oie Aufgaben Nach leine,u Begrüßungsmorten wandte sich der Redner den Ausgaben des Kongresses zu. Wir er- ' warten,' sagte er, von einem Jüdischen Welt-- kongreß keine Wunder. Ter Jüdische Weltkongreß wird nicht alle, auch nicht die meisten, ja nicht- , einmal viele der ungelösten Probleme des jüdi. schen BollcS lösen. Aber ein Jüdischer Weltkongreß kann die folgenden Funktionen erfüllen: i. Juden verschiedener Länder und verschiedener Anscliaunngen zufammenzubringen. die auf andere Weise nicht Zusammenkommen; 2. Juden aus einer neuen Ebene zusammenzubringen, nicht auf der de-:- Gebens und Nehmens, sondern zu einem Meinungsaustausch über alle. Arten jüdischer Probleme im Hinblick aus ihre Lösung: 3. Juden deS eine-:- Landes werden Probleme der Juden anderer Länder sehen, ihren Rat erbitten und ihre Erfahrung in Anspruch nehmen. Wenn Juden in anderen Ländern ein Unheil trifft, haben wir uns nicht akneutrale oder freundschaftlich gesinnte Beobachter zu verhalten, sondern mit- Ernst in jeglicher wirksamen Weise daran zu arbeiten. Unrecht wieder gut zumachen und Not zu lindern. Nach einer Auseinandersetzung mit den derschiedenen Einwänden, die gegen den Kongreß erhoben wurden, iührte Stephen Wise u. a. aus: Gegenüber den Bestrebungen, der jüdischen Not bloß aus dem Wege der Philanthropie berzukommen. betonte er. daß Wohltätigkeit allein nicht genügt. Tie Zeit erfordere nicht bloß 'Wohltätigkeit, sondern in erster Reihe S e l b st >v ehr . nicht eine Selbstwehr physischer oder geivaltlätiger. sondern moralischer, pölitischer, wirtschaftlicher Art. Man müsse und werde neue Wege finden. Warum sollten Nichtjuden sich . mit den Leiden der Judenschaft befassen, wenn die Juden selbst sich nicht gemeinsam mit ihnen ''befallen wollen? Man spreche von der großen Hilfe. die die Weltjudenheit Palästina und den Juden aus Deutschland gewähre. Tatsache sei. daß nickt einmal ein Prozent des jüdischen Vermögens Westeuropas und der Bereinigten Staaten für den Ausbau des Jüdischen Nationalheims ausgewendet wurde. Nicht einmal ein pro Mille des jüdischen Vermögens fei für Hilfe an Juden aus Deutschland, gegeben worden. Wir können. fchloß^Dr. Wise, kein Fehl an den- .'jenigen finden, die sickxder ersten Versammlung des Jüdischen Weltkongresses ferngehalten haben. Seine Tore werden auch dem spätesten Ankömmling offenbleibeck Die Lage der Juden in der Welt Das zweite Hauptreferat des Eröffnungsabends, das der Vertreter der^Jewish Agency beim Völkerbund. Dr. Nahum Goldmann, hielt, befaßte sich mit der Lage der Juden in den verschiedenen Ländern der '-IC-eit. Tie jüdisä^ Situation, so führte er aus, werde heute von zwei Faktoren bestimmt: von dem allgemeinen Eharakter der Zeit und von dem spezifischen Eharakrer der Judcnsrage. Die neue Rechtsordnung nach dem Weltkrieg habe den Juden die Emanzipation in Ländern gebracht, in denen sie vorher nicht durckgesührt war, und habe ihnen in verschiedenen Friedensverträgen durch den Völker», bund garantierte Minoritätsrechte gegeben. Diese Garantie bedeute beute saß nichts mehr, weil der Völkerbund nicht mehr die Macht habe, den Schutz der Minoritäten durchzusührcn. Ein wirb lickier Kampf der Minoritäten um ihre Rechte sei unmöglich geworden: der Zerfall deS Minoritätenkongrestes sei symptomatisch für diese neue Lage. Auch die Garantie der jüdischen Rechte durch .die einzelnen Verfassungen bedeute heute nur sehr wenig. Durch verschiedene nseue Wahlrechtssormen werde den Minoritäten in vielen Ländern die Möglichkeit einer legitimen varlameniarischen Repräsentanz genommen. Durch wirtschaftliche Gesetze urid administrative Maßnahmen verliere in Mittel-- und' Osteuropa'.ein jüdischer Berufsstand nach dem anderen seine Arbeit und seine Existenz: Der mehr und mehr zum Monopol der Majoritätsnationen werdende Staat benutzeseine wirtschaftliche Machtstellung zur Ausschabung der Minoritäten, in erster'Reihe.- der-jüdischen. So. bestehe heute in. Europa ein Judenproblem. wix es - in . diesem Ausmaß seit vielen- Jahrhunderten sticht . eristiert hat. Aber , das Judentum habe keinen Grund zur Verzweiflung. In einer Zeit unsaß. -barer Verschlechterung der jüdischen Situation sei das Wunder des jüdischen Palästina verwirklicht worden, das stark genug war, einem viermonatigen brutalen Terror standzuhalten uyd das weiter wachsen und sich befestigen werde. Ter Aufbau Palästinas bedeute aber nicht Preisgabe der Gleich, berechtigung in anderen Ländern. jährlich 200000 jüdische Auswanderer in der Welt Die Sitzungen des Sonntags wurden mit einem Referat von Dr. Arje Tartakower- . Lodz über Fragen der jüdischen Emigration und jüdischen Emigrationspolitik emgeleitet. Tie Zahl der auf Auswanderung angewiesenen Juden werde heute aus jährlich 200 000 geschätzt. Davon entfallen auf Polen allein 120 000. Der Prozeß der Ausgliederung. der Juden aus dem Wirtschaftsleben sei vielfach nicht nur' eine Folge judenseindlicher Wirtschaftspolitik, sondern auch der gesetzmäßigen ökonomischen Entwicklung. Es handele sich heute bei der jüdischen Emigration nicht mehr nur um ein sozialpolitisches, sondern vor allem um ein wirtschaftliches und nationales Problem. Die H ilfsar beit f ü r j ü d i s che Emigranten müsse zur j ü d i s ch e n Em,- g ra t i o n s p o l i t i k u m g e b a u t werden. Als Aufgaben einer solchen Emigrations- Politik bezeichnete Tr. Tartakowera) Maximale Ausnutzung der bestehenden Einwanderungsmöglichkeiten, b) Schaffung von neuen Einwanderungsmöglichkeiten, c) Organisierung und Erziehung der Auswanderer, d). erneuter liebergang zur Kolonisationsarbeit. Maximale Ausnutzung der bestehenden Emigrationsmöglichkeiten erfordere einen starken Ausbau des Informationsdienstes. Weitgehende Kooperation zwischen Emigrauten, Hilssverbänden und den Organisationen, die die Zuführung der Juden zu produktiven Berufen erstreben, sei im Hinblick auf eine den Be- . dürsnissen der Einwanderungsländer entsprechende Berufsstruktur der jüdischen Auswanderung erforderlich. Neue Einwanderungsmöglich, keiten seien nur durch.Verhandlung mit Regierungen oder dem Völkerbund zu erlangen. Wertvoll sei auch der Kontakt, mit internationalen Körperschaften, die für Auswanderungsangelegenheiten zuständig sind. An die Stelle der bisherigen Jnfiltrationspolitik jüdischer Auswanderungsorganisationen müsse eine Aufrollung deS jüdisüjen Emigrationsproblems in seinem ganzen Umfang vor den Augen der Kulturwelt treten. „Zentralbüro für soziale Hilfsarbeit“ lieber „Ziel und Methode "jüdischer Hilfsarbeit" sprach , der Präsident des. Verbandes jüdi. ick>er Gesellschaften in Frankreich. I. Je frohki n. Im Hinblick auf^die Heranziehung der iüdischen Massen zu tätigem Interesse an den Problemen der sozialen Hilfsarbeit und zur Teilnähme an der allgemeinen Verwaltung jüdischer Institutionen und organisierter sozialer Kräfte schlug der Referent dem Jüdischen Weltkongreß die Schaffung eines Zentralbüros für jüdische Gemeinschaft nebensächlich',' für" die "Betroffenen selbst zentral sind. Allen gilt es gerecht zu werden. Keiner darf , nur abgefertigt werden. Unsere Mitarbeiter sind sich stets des Bandes -bewußt, das jeden Juden mir ttii.s verknüpft, der unseren Rat nicht- In einem vor Jahresfrist zum Roich - Haschana - Feste versandten Glückwunsch ist daS die Getreuen des C.-V. beherrschende Grundgesühl kur; und treffend dahin zusammengefaßt: „Ihr Erleben ist auch unser Erleben. Ihr Leid ist unter Leid, Ihre Krait ist unsere Kraft." Dabei soll es bleiben. Der Name hat gewechselt, unsere Trette. unsere Ein'atzbereilschasl besteht unverändert fort. Was damit versprochen wird, ist uns bewußt.- .'.Mir .gewissenhafter., und gründlicher Bearbeitung des vorgetragenen Sachverhalts ist die'e Zulage nicht erschöpft. Wer helfen, lenken und leiten will, mutz weit niehr tun. Nur wenn der Besucher aufgerichtel. erwärmt, gestärkt scheidet, ist die Pflickjt erfüllt. Dies Ärbeitsfeld bietet eine einzigartige Gelegenheit zur seelischen Betreuung. Der in Schwierigkeiten Geratene muß zur ruhigen Selbstbesinnung gebracht, derart zu - sich geführt werden, daß er wieder festen seelischen Bodcn unter feinen Füßen fühlt. - ---- Selbstvertrauen ist wieder sui erwecken. ' Er muß em-ebcn. daß „ängstliches Zagen und weibisches Klagen" unwürdig und unfruchtbar sind. Ihm ist zu zeigen, daß er auch im Leiden der Gemeinschaft verantwortlich und verpflichtet ist, mit Disziplin in Reih und Glied zu stehen. Unermüdlich und unbeirrt setzt, der Jüdische Central-Verein diese 'Tätigkeit fort. Und im gleichen Geiste, in dem er in Zeinen Beratungsstellen einzelne erfaßt, . bemüht er sich, in Schrift und Wort auf breite Kreise zu wirken, ihren Mut zu heben, ihre Llusdauer. ihr Gemeinschaftsgefühl und ihr Verantwortungsbewußtsein zu stärken. Ter Erreichung dieses Ziels dient diese Zeitung und unser ganzes sonstiges Planen und Händeln. . In Erfüllung dieser Aufgabe für-' dern wir Lehrhäuser. Bildungskurse. Kulturbünde, Kunst und Wissenschaft, kurzum, alle Bestrebungen, die ausrichten, veredeln und stärken. Das Leben von uns Juden in Deutschland hat sich hart gestaltet. Wie wir dies Schicksal tragen, hängt von uns ab. Gelingt cs uns. lebenswarm und lebensosfen zu bleiben, .dann werden wir die Probe bestehen. Dann werden wir fähig sein, das Feuer in unseren Herten neu zu entflammen. Dann, aber soziale Hilisarbeit vor. Aufgabe dieses Büros solle es sein: a) Sammlung und Prüfung des aut Hilfsarbeit bezüglickzen Materials: d)' «ch^uung eines wirtschaftsstatistlschen DcenfteS für Zwecke der Hilfsarbeit: c) Mitarbeit an der Ratronalisierung jüdischer Hilfs- und. WohlfahrtSarbeit rn den emzelnen Ländern und an der Demokrat,- sierung der Hilfsorganisationen jedes Landes; d) Vertretung deriüdischen Sozialarbeit vor der. internationalen Oefsentlichkeit und ihren Organen, wie dem Völkerbund, dem Roten Kreuz usw. ' - ■ Üm das Schicksal von 5 Millionen Tiekatastrophale Auswirkung der Wirtsckuftsentwicklung in den Ländern Wittel- und' , Osteuropas auf das. Schicksal der Juden fand ihren Ausdruck in' dem aus wisieni'chastl-icher . Beobachtung uick Tatfachendeutring ausgebauten isieserat des- Statistikers und ' Soziologen Jakob .. Lestf chi n sky. Das Schicksal -der fünf Mil- . lioyen in ihren Rechten beeinträchtigter und wj^tsckiaftlich gefährdeter Juden müsse die Hauptsorge des Kongresses bilden. Ter Ausgliederungsprozeß der Juden in Oesterreich verlaufe langsam. In den osteuropäischen Ländern — Polen, Rumänien. Litauen. Lettland — seien zwar keine gesetzlichen Einschränkungen gegenüber den Judew verfügt worden, tatsächlich aber habe sich die rechtliche Lage der Juden, wie auch, allerdings in schwächeren, Alaße, die der übrigen -nationalen Nlinderheiteu auf' sehr vielen Gebieten zu ihrem Nachteil geändert. . Zum Schluß" stellte der Referent fest, daß die katastrophale Lage der Juden,, die in diesen ganz ' oder halb agrarischen Ländern einen der tvichtigsten. Faktoren des Wirtschaftslebens bilden, da sie zwei Drittel und mehr des Handels, mehr als die Hälfte und in vielen Einzelzweigen mehr als V drei Viertel des Handwerks, nahezu die Hälfte und in einigen Branchen weit mehr als die Hälfte der Industrie ausmachen. Panik in das gesamte Wirtschaftsleben dieser Länder trägt und eine.normale wirtschaftliche Entwicklung im allgemeinen lähmt. Dr. Leon Kuba Mi tzky entwickelte hierauf - einen Plan für die Schaffung einer dauernden Kongreßorganisation. Alle Juden der Welt sollen zur Entrichtung einer freiivilligen Steuer zugunsten des Weltkongresses aufgcfordert werden iind alle jüdischen Gemeinden sollen einen bestimmten Prozensatz ihres Einkommens diesem Zweck widmen. Der Kongreß soll für eine Periode voll vier Jahren gewählt werden und alle Zwei Jahre eine Tagung abhalten. Die Generaldebatte Die Gene r a l d e b a t t e, die am Montag begann, förderte keine wesentlich neuen Gesichtspunkte zutage. Beachtung fand ein Vorschlag von I. Naiditsch, daß der Kongreß auch die Gründung^ einer Internationalen Jüdischen Bank für jüdischen wirtschaftlichen Wiederausbau in verschiedenen Länderngründen solle. Diese Bank solle ihren Sitz in London.und Zweigstellen in allen Ländern haben, in denen Juden auf wirtschaftlichem Gebiet leiden. Im weiteren Verlauf der Debatte erklärte Dr. Samuel Margoshes (New-Dork). die amerikanischen J,lden empfänden keine Furcht vor dem gelegentlichen Entstehen judenfeindlicher Gruppen auch in Amerika. Morris Myer, der Hauptschriftleiter der Londoner „Jewich Times", hob die in England herrschende Toleranz hervor und gab.bekannt, daß die englische Delegation einen Plan für finanzielle Hilfeleistung an jede in Not geratende jüdische Gemeinschaft vorkegen werdei Pinchas Horovitz forderte die Juden anderer Länder ans, den Mut nicht finken zu lassen. Rabbi Stranski erklärte, die Tschechoslowakei sei das einzige Land Mitteleuropas, in dem die Juden und die übrigen Minderheiten sich einer wohlwollenden Behändlung erfreuen. Als Vertreter des Verbandes der jüdischen Gemeinden JtaliK,s hielt der. Dichter Dr. Ängelo Orvioto (Florenzj eine Ansprache, in der er Mussolini für seine Haltung gegenüber den Juden huldigte. Zum Schluß verlas Ing. Reiß eine Erklärung über die Lage der Juden in Polen, in der vier Vorwürfe gegen die Polnische'Regierung. wegen ihrer Haltung erhoben wurden. Ter Montagabendsitzung wohnte neben ande-' ren Ehrengästen auch der Völkerbundskommissar für Auswanderungsfürsorge, Sir Neill Malcolm. bei. In einer kurzen Ansprache erklärte er, er werde sich bemühen, zur Linderung der in der Debatte geschilderten Not ckeizutragen. auch nur dann, können wir mit echt jüdischer Zuversicht der Zukunft entgegensetzen. Oie Ermordung des Grossmufti von Algerien Tie Untersuchungen über die au, 1. August in der Großmoschee von Algier erfolgte Ermordung des G r o .ß m u f t i von Algerien werden von den französischen Behörden mit großem Eifer fortgesetzt. Wenn auch die Gerüchte, der Mörder .könnte ein.Jude geivesen sein, schon dadurch, daß der Großinuft, seiner Zeit gegen die Judenpogrome in Oran und Constantinemit größter Schärfe aufgetreten ist und auch sonst gegen dj.e antisemitische. Propaganda Stellung genommen hat. haltlos werden. so werden sie jetzt durch einige Berhaftungen. die am vergangenen Sonntag in Algier vorgenommen wurden, völlig zerstreut. Einer Pariser Pleldtmg der „Frankfurter Zeitung" zufolge wurde der Lcheich El Ekbi mit vier Eingeborenen verhaftet, die gestanden haben, daß sie von ihn, zu der Ermordung des Eroßmufti'angestiftet worden sind. Diese Verhaftung erregt nicht nur unter den . Eingeborenen großes Aufsehen, sondern gibt, auch den französischen Behörden Gelegenheit, neus und energische Maßnahmen zur Befestigung des inneren Friedens in Nordafrika ins Auge zu fasten. KLAUBER-WÄSCHE IN ALLEN FOHRENDEN WÄSCHE-GESCHÄFTEN WÄSCHEFABRIK ROSA KLAUBER / MÜNCHEN KLAUBER-WÄSCHE

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