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Central-Verein-Zeitung · 1936-08-13 · 33 (13.8.1936) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
33 (13.8.1936)
Date
1936-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XV. Jabrg. T Nr. 33 Berlin, 13. August 1936 Preis 10 Pfennig entral lerein ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS Geschäftsstelle (Verlag, Schriftlcitüng, Anzeigenannahme, Vertriebsabteilang): Berlin W 15, Einser Strasse 49. Fernsprecher: J2 Oliva 8141—45. Telegrammadresse: Centralglauben. Berlin. Postscheckkonto: Berlin 70344. Die ■'„C.-V.-Zeitung“ erscheint wöchentlich am Donnerstag. Redaktionsschluss: Dienstag. Bestellungen nimmt jeaes Postamt und die Geschäftsstelle entgegen. Zustellung erfolgt durch die Post, die die Gebühren durchden Postboten erbebt. — Bezugsgebübren: Abonnement vierteljährlich 99 Rpf. (Ausland 2,30 RM, umgereehnet in die Landeswährung - einschliesslich Zustellgebühren. Einzelnummer 10 Kpf. (Ausland 20 Rpf.). Im Falle höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Rückvergütung der gezahlten Beträge. — Anzeigengebiihren: Preisliste 5 gültig. Die 12gespalteno Millimeter /.eile 20 .Rpf.. für Stellongcsucho 10 Rpf.. für Familienanzeigen 16 Rpf., weitere ermässigte Grundpreise siehe Preisliste. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung. — . Anzeigenschluss: Dienstag. Platz- und Datenvorschriften ohne Verbindlichkeit. Jüdiselier Central-Verein e. V. Von Dr. Herzfeld (Essen) „Am 21. Oktober 1935 Hat die Hauptver- Nyrmlung des C.-V. eine Namens- und Satzungsänderung beschlosten. Sie ermächtigte zugleich den Vorsitzenden des Vereins zu weiteren Satzungsbeschlüssen. Aus Grund dieser Befugnis ist neuerdings der von der Hauptversammlung gewählte Name durch den Namen „I ü d i sch e r Central - V e r e in e. V." ersetzt worden. Die so geänderten Beschlüste sind nun in das Vereinsregister eingetragen. Damit haben sie Rechtswirksamkeit erlangt, damit sind sie in Kraft getreten. Nun darf, nun muß der neue Vereinsname geführt werden. Und der alte gehört der Vergangenheit, der Geschichte an. Diese Umstellung war eine äußere und innere Notwendigkeit. Es mußte den Tatsachen Rechnung getragen, die gebotene Schlußfolgerung aus ihnen gezogen werden. Was über den Namenswechsel hinaus jetzt Vereinsgesetz geworden ist. stellt lediglich die Kodifikation, die rechtliche Verankerung dessen dar. was lange bereits geschehen ist. Der Rechtsakt bildet den formellen Abschluß der vorausgegangenen Entwickelung. Die politische Tätigkeit des C.-V., die vor dem 30. Januar 1933 im Vordergründe stand, ist vollständig eingestellt. Ihre Fortsetzung wäre nichts als eine Donquichoterie gewesen. Stark hat sich unser Verhältnis zur deutschen Umwelt gewandelt. Wir sind aus vielen wichtigen Lebensbezirken ausgegliedert. Darüber hinaus hat sich die Einstellung zu uns entscheidend verändert. Diese Tatsachen haben unser Denken. Fühlen und Handeln neu bestimmt. Es wäre unwürdig und töricht, "wollten wir dieses Erlebnis nicht in seiner vollen Tragweite erfassen. Das einst im jüdischen Lager geprägte und befremdlicherweise noch nicht ausgestorbene Schlagwort vom „Assimilantentum" war stets verfehlt.- Der C.-V. ist seit seiner Gründung ein eifriger Bekämpfer jedes Ab-, falls, jeder Fahnenflucht, der sich selbst preis- . gebenden Assimilation. Stets forderte er Erhaltung der Eigenart, vertieftes Wissen um bte: Vergangenheit. Verbundenheit mit dem Vätererbe, kurz, jüdisches Bewußtsein, Stolz aus ünsere'einzigartige Geschichte und jüdischen Zukunftswillen. Das 19. Jahrhundert, hat — lange vor Gründung des C.-V. — bei den jüdischen Menschen in Deutschland eine Vereinigung von Judentum und europäischer Kultur zur Entstehung gebracht. Diese historische Synthese ist im Laufe mehrerer Generationen organisch gewachsen und tief verwurzelt. Das erkennen alle jüdischen Richtungen an. Auch darüber herrscht kein Streit, daß bei diesem Prozeße. die jüdische Substanz zu kürz gekommen ist. Je länger, desto entschiedener hat sich der C.-V. für ihre Anreicherung eingesetzt. Die innerjüdischen Meinungsverschiedenheiten betreffen ganz andere Fragen. Umstritten ist Sinn.und Inhalt von Judentum und Judesein. Der C. V. bestreitet, daß Wesen und Lebensziel der jüdischen Gemeinschaft dem' aller anderen Völker gleichgeartet ist. gleichgerichtet werden soll. Ev kann nicht zugeben, daß die Juden ein Volk unter Völkern bilden und daß ihr Streben auf Normalisierung gerichtet sein muß. Er behauptet, daß die Juden nach Anlage, Weltanschauung und Schicksal eine Gemeinschaft eigener Prägung darstellen. Wir Juden haben stets in der Zugluft der Weltgeschichte geständen. Seit Jahrtausenden leben wir in der Diaspora. Und dieser Tatsache ist es zu verdanken, daß das Judentum und diK Judenheit weder ausgestorben noch verkümmert sind. Wir haben keine Nomadenanlage. Nicht aus eigenem Triebe haben wir wieder und wieder zum Wanderstabe gegriffen. Geschichtliche Ursachen waren es, die uns nötigten, uns von der erwählten Heimatloszureißen. Ter Streit um diese Frage hat fundamentale Bedeutung. Ihre Tragweite soll nicht unterschätzt werden. Sie darf aber, zumal für die Arbeit in der Gegenwart, auch nicht . überschätzt werden. Denn einmütig wird anerkannt:. 1. Unser Lebensraum in Deutschland hat sich verengert. Auch für die durch Aus» Wanderung und Sterbeüberschuß um mehr als 100 000 Köpfe verkleinerte Zahl reicht er nicht aus. Wer in Deutschland keine Lebens» . nrüglick^it zu finden vermag und wer hoffen, darfsich im Auslande eine bescheidene Existenz auszubauen, sich auch nur durchzuschlagen. wird äuswandern. Diese Voraussetzungen werden vorwiegend bei jungen Menschen gegeben sein. 2. . Tie Auswanderung hat planmäßig und nach sorgfältiger Vorbereitung zu erfolgen. Ausreichende Sprachkenntniste sind unerläßlich. Eine gute Berufsausbildung für den künftigen Lebenskreis ist dringend erwünscht. — Tr —: ~ ^7 3. Die uns so gestellte Aufgabe kann nur konstruktiv gelöst, durch planmäßiges Zusammenwirken aller jüdischen Körperschaften und Vereinigungen bewältigt werden. Wärmsten Dank schulden wir den englischen und amerikanischen Juden, die den Council kor German Jewry gegründet.haben.' Sie haben es übernommen, drei Millionen Pfund aufzubringen und mit diesem Betrage im Lause von "fünf Jahren die Auswanderung von weiteren 100 000 jüdischen Menschen aus Deutschland zu ermöglichen. Dank und Anerkennung gebührt daneben den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes, an der Spitze bem American Joint Distribution Committee, dem Central British Furid und;ber Ica, um die bekanntesten zu nennen. 4. Diesen Wanderstrom kann Palästina unmöglich allein aufnehmen. Bei der Verteilung der Einwanderungs-Zertifikate für Palästina ist aus die Lage der Judenin Deutschland weitgehend' Rücksicht genommen worden. Und es darf erwartet werden, daß sich daran nichts ändert. Aber die Agency kann nicht mehr Zertifikate verteilen, als sie von der Mandatsmacht erhält. Sie muß berücksichtigen, daß auch in anderen Ländern seelische und wirtschaftliche Nöte Juden zur .Auswanderung treiben. ■ Die Zahl derer, die unter Zwang eine neue Heimat suchen, ist erschreckend groß. Bei vielen steht Palästina im Vordergründe des Blickfeldes. Welcher Bruchteil von denen, die Einlaß begehren, in Palästina Aufnahme finden, wird, mag verschieden geschätzt werden. Sicher ist, daß nur ein bescheidener Teil der Bewerber auf Erfüllung rechnen darf.; Die Notwendigkeit, über die Grenzen . Palästinas hinaus zu planen und neue Diasporasiedlungen zu schaffen, ist infolge- . besten unbestritten. Bei der Würdigungdieser Notwendigkeit setzen^ie Melni,yg-üfrontieren.. Auf die kürzeste Formel gebracht, gehen sie dahin: Ist die unvermeidliche Neusiedlung von Juden in allen Erdteilen außerhalb Palästinas ein unabwendbares Ucbcl, das mit Bedauern und Resignation hingenommen worden muß? Dder ist diese Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten vom jüdischen Standpunkte aus zukunfts« sördernd und daher zu begrüßend .Für die Länder, deren jüdische Bevölkerung durch Abwanderung sinkt, ist diese Frage ohne jede Bedeutung. Ihnen liegt ja doch nur daran, daß der jüdische Sektor sich verkleinert. Für die Zukunft des Judentums und.der Judenheit ist das Problem grundlegend. In diesem, um r e i n j ü d i sch e Belange gehenden Meinungsstreit ist der. C.-V. der Vertreter des Tiasporagedankens. Er verkennt keineswegs, daß Palästina unter den Einwanderungsländern eine besondere Stel» lung zukommt. Palästina hat das Judentum gekräftigt und stellt einen Wesentlichen Faktor für seine Erhaltung vDer C.-D. verfolgt mit wärmstem Interesse jeden Fortschritt im Aufbau des . jüdischen Palästina. Die Sorgen um die jüdische Zukunft in Palästina lasten auch aus uns. Ter C.-Ä. hat sich zu dem Programm der Reichsvertretung bekannt, das mit der Unterschrift unseres unvergeßlichen Brodnitz in der Festnummer dieser Zeitung für Rosch Haschana 5696 veröffentlicht wurde. Daran wird nicht. Kind soll mit dem Bade ausgeschüttet werden. An dieser Stelle ist schon oft ausgesprochen worden, daß wir in der Zeit unseres äußeren Aufstieges unser Judentum vernachlässigt haben. Es wurde beklagt, daß unsere heiligen Bücher. nufere schönen alten Bräuche, selbst unsere Geschichte allzuvielen unbekannt blieben, oder doch nichts mehr bedeuteten. daß das Judentum nur wenigen noch schöpferische Kraft, bejahtes Schicksal Diese Nummer umfasst 20 Seilen Sie enthüll u. °o..- Hauptblatt: Beginn des jüdischem Weltkongresses — Auslandsnachrichten 1. Beiblatt: Jenseits des Kanals, eine LonJan-R.-porti.ige mit- Zeichnungen \>on Lilli Sz/fo/mi — Gemeinde und. Beamte— Die Marienbader. Tagung der Knessio Mechino 2. Beiblatt: Vor tOOO Jahren, eine hislo- . rische Studie von Dr. Ludwig Leu. htrvangcr 3. Beiblatt: Sport der Woche 4. Beiblatt: Palästina-Umschau — Wirtschaft der Woche Verschiedenheiten ein. Die Ansichten gehen weit und recht mannigfach auseinander. Alle Abstufungen darzustellen, ist kaum mög. lich und nicht erforderlich. Es reicht aus. die polarsten Gegensätze miteinander zu kongedeutelt und nicht gerüttelt. Der C.-V. begrüßt es, daß in dem palästinensischen Tiegel, in dem die Einwanderer umgcschmolzen werden sollen, sich zahlreiche Juden befinden und künftig besinnen werden, die in Deutsch- . land beheimatet waren. Er hofft und wünscht, daß Geist und Charakter. Können und Wissen dieser Juden bei dem Schmelzprozeß zur Geltung kommen mögen. Das ist kein bloßes Lippenbekenntnis. Tie regelmäßig erscheinende umfangreiche „Palästina-Beilage* dieser Zeitung bestätigt, wie lebhaft en Aufbau und Entwicklung des jüdischen Palästina Anteil genommen wird. Die Bejahung des Diasporagedankens steht damit nicht in Widerspruch. Bei allem Vertrauen zur Energie. Disziplin und Leistung des jetzigen und künftigen Jischuw und zur Pflichttreue der englischen Mandatsmacht erscheint es zunächst nicht zulässig, alles auf eine Karte zy setzen. v Schwerer wiegen die ideellen Gesichtspunkte. Es ist nicht richtig, daß Juden nur in Palästina der Verflachung, der Unpro- "duktivität. der Assimilation und zuletzt der Ausgliederung entgehen können. Ware daran auch nur ein Körnchen Wahrheit, so würde es nach 70 Generationen, die in der Diaspora lebten, weder Juden noch ein Judentum mehr geben. In Wirklichkeit ist in der ungeheuren Zeit von 2000 Jahren weder die Lebenskraft, noch der Lebenswille der jüdischen Menschen erlahmt. Wollen und können die jüdischen Verfechter der hier bekämpften Meinung ernstlich behaupten, daß 70 Geschlechter vor uns nichts Bleibendes, nichts Wertvolles ge- —leijtet haben? Die Lehrmeisterin Geschichte —fällt einen anderen-Spruch. Fehlentwickelungen im 19. Jahrhundert werden zu Unrecht als zwangsläufig angesehen. Statt ihnen nachzugehen und zu prüfen, ob und wie sie sich «künftig vermeiden lasten, wird eine Radikalkur für allein möglich erachtet. Das war. Es wurde zur Einkehr und Sammlung ausgerusen, gemahnt, den festen Halt unseres .Judentums wieder zu findeii.^- Diefer Ruf ist nicht verhüllt. Das kann festgestellt werden, wenn auch die Wirkung nicht maß- und wägbar ist. Mindestens seit dem Zeitpunkte,' von dem an uns daS Recht abgesproäien wurde, das Land., das wir von frühester K-sndheit an als -Heimat liebten, weiterhin auch als nufere Welt zu betrachten, ist die Umkeyr'unverkennbar. Das viel getadelte Emanzipations-Zeitalter ist mit der Feststellung. daß aus jüdischer^Seite folgenreiche Fehler begangen wurden, nicht erschöpfend beurteilt. Will man Licht und Schatten gerecht verteilen, so muß zugleich anerkannt werden, welche^positive Bedeutung die letzten 1..0 Jahre für tms hatten. Auch darüber ist in diesen Blättern oft gesprochen worden. Dreierlei ist besonders Hervorzuheben: ' 1. Die Wissenschaft vom Judentum in Deutschland ist in Vieser Epoche der Mittelpunkt der jüdischen Wissenschaft überhaupt geworden. 2. Diejenigen, die den Lockungen widerstanden und der alten Fahne treu blieben, erlangten durch Bereinigung ihrer jüdischen Werte mit der gerii aufgenummenen deutschen Bildung und Kultur Widerstandskraft gegen hartes Geschehen, eine Haltung, der sie sich wahrscheinlich nicht zu schämen brauchen. 3. Leben und Wirken. Lernen und Schaffen in der deutschen. in der europäischen Welt haben nicht nur den Eharakter gestählt, sondern auch den Blick geweitet, die Einsicht gemehrt. Im freien Wettbewerb, zu dem wir bald weniger, bald mehr .zugelassen waren, si ch/ unsere Kräfte gewachsen. ist unsere Leistungsfähigkeit nach allen Richtungen hin stark gestiegen. In der Bilanz des Zeitalters steht demnach dem 'Verlust an jüdischer Substanz ein sehr wertvoller Gewinn gegenüber. Auch auf Grund dieser Erkenntnis setzen wir uns für eine Fortsetzung der historischen Diaspora- Linie ein. Nicht aus Kosten und zum .Scha» den Palästinas, an dessen Aufbau auch wir nach unseren Kräften Mitwirken wollen. Sondern es ist unser Wunsch, beide Wayderströme zu fördern. Dieser Einstellung gemäß beteiligen wir uns an der Arbeit der Agency und an der Tätigkeit aller der Lrganisationen. die die Auswanderung von Juden aus Deutschland in andere Länder vorbereiten und bewerkstelligen. Deshalb haben wir uns auch für die Gründung. Ausgcstal-

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