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Central-Verein-Zeitung · 1936-08-06 · 32 (6.8.1936) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
32 (6.8.1936)
Date
1936-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 * 2 Beiblatt 6. August 1936 #1 ißfi zum a*tv ix» August Sein Haus und seine Welt Vofi Dr. A. Galliner Es ist nun nahezu ein Jahrzehnt dergangen, settdem ich im Haag das Haus Komncstnnegracht 2 betrat, " das Zozef Israels vierzig Jahi:e hindurch bewohnt hatte. Die Erinnerung an ihn aber reicht bis in meine frühe Studienzeit zurück. Damals. Ende der neunziger. Jahre, erregte aus der Internationalen Ausstellung zu Berlin sein „Kampf ums Dasein" starke Aufmerksamkeit. Man konnte ihn mit Menzel im Ausstellungspark promenieren sehen. Bor seinem Bilde, das zwei Fischer beim Heben schwerer Anker darstellt, standen die beiden kleinen großen Meister in leidenschaftlichem Gespräch. Israels hat von dieser lobenden und Adelnden Kritik der kleinen Exzellenz Max Liebermann, dem jüngeren Freunde, später treulich berichtet. -Max Liebermann war cs, der in den folgenden Jahren in Wort und Schrift für die Anerkennung des in seiner holländischen Heimat bereits berühmten Meisters in Deutschland wirkte. Man spürte, daß durch ihn. der die holländische Kunst zu neuem Leben erweckt hatte, auch die deutsche Malerei befruchtet wurde: die Münchener Sezession ernannte ihn nun zu ihrem Ehren- - Mitglied. Eine freundliche Empfehlung Mur Liebermanns an Israels' Sohn, Jsaäe verschaffte mir leicht Zugang zu dem Hause, das dieser, der selber zir den besten holländischen Malern zählt, nun nach dem Tode des Vaters bewohnt. Er hat es — trotz anderer künstlerischer Anschauungen — in allem Wesentlichen unverändert gelassen. Voller Pietät sind Ausstattung und Vaumgestaltung erhalten geblieben, noch lebt des Vaters Geist in diesen Räumen, so daß man in der Tat glauben kann, mehr bei Jozes Israels als bei Jsaac Israels zu Gaste zu sein. Ta er selbst verreist war. übernahm ein Enkel des Altmeisters, der Sohn seiner Tochter, die Führung". Das Haus, ein schlichter, vornehmer, heller Bau. blickt über den breiten Kanal zu weitgedehnten, hellgrünen Parkanlagen. Schon Anfang der siebziger Jahre hat der Mejster es bezogen und es erfüllt mit der Versonnenheit und Geistigkeit, die ihm zu eigen 'war. und die. sich' in all" seinem Werken spiegelt. Schon - der Eingang oerrat den hn'p'herrschenden Geist: da ban-gr eine "Ae-, . Produktion, vom. Remörandls ' „Staalmeesters", des Bildes, das dem inngen Vlalfehüler einer die Befreiung von der strengen ' alademischen Gebundenheit braelne: er hat damals einen der Slaalmeener-Uopfe kopiert. Gegenüber ein Selbstbildnis Rembrandts. Zeichen der Dankbarkeit und verehrender. Liebe, Weitere Reproduktionen - tllembrandt'seher.Gemälde und Rndiernngen hangen im Treppenhälls. daneben^ Photographien von Bildern Delaervir' nnd Paisaels. dessen Bildausban ihm unerreichbares Ideal war, lind in besonders, schönen llllnhbildnngeii Holbesnsche Porträts. An allen diesen Meistern liebte er vor allenr die innere Wahrhaftigkeit. Schlicht nnd ehrlich sind die hohen, Hellen RäninE solides Möbel, ohne Prunk, doch warm nnd behaglich durch die säumen Holzdccken. die Israels selber bemalt hat. Das Atelier im ersten Stock ist init der Wohnung - verbu'udenG Im letzten Lebensjahr, als iliin das Treppensteigen schwer wurde, ließ er sich einen Aufzug bauen. Er hat ihn nicht mehr bennht. , - Die eigentlichen EmpfangSränme liegen im Erdgeschoß. Manches bisher noch nutzt bekannte Werk des Bi eiste es ist hier zu Drei Gcnerationmni Bildnis des Valent Selbstporträtr *,Dct Wanderer“t Selbstbildnis des Sohnes Isaac Privat jih-ttus .sehen. An die Wönd gelehnt-zwei'Porträts: die Bildet de: bltern die erst kurz vorher ans dem Bent! des.verstorbenen Lheims an den llleifen .gelangten. Sie verratennoch -die konventionelle Malweise der vierziger Jahre, sinäaber frlilulif und wahrhaft in der EharatteriNik. Der 'Ämter, mit wohlgebildetem Genutzt' mit lieben, klaren Augen, in bewußter Haltung, dem Zeitgeist zngetvandt. ein moderner Blensch. mit literarischen Interessen - - er könnte ein Dichter sein! Das Bildnis der Mutter zeigt einen feinen jndißtzeiG Tnpils. dunkle Augen. . sclnvarzes. gesclieiteltes Haar, von einer Spitzenbanbe, bedeckt, die milden Züge spiegeln stille Frömmigkeit., lind mul) andere Mitglieder der Familie sind Iper im Hause, mit richrender Pietät bemal,rt: eine zärte Zeiclmnng seiner Frau ans dem Jal,re lSk>4 ein Jal,r nacl, der 2'erinatzlichg: eiir weich gemaltes Jngendbildnis seil,es Sohnes Isaac: ein seines Agnarell seiner Toclster. . von köstlicliem tllei; -das.Sinnig-Berhaltene . der Atädchennatiir. Bon großen Gemälden allgemeiner.Bedeutung 'l,ängt l,ier an der Wand einZpr,nlist'vlles Stück.: Ein Wagen, beladen,, begleitet von Plensclien fährt langsam und niiide durch die holländische Land», schuft. eingehchllt in Dunst .und fenchten A'ebel. Und ein anderes, das letzte Werk des Pkeisters: In einem nal,ezn unsichtbaren, .nur.gefühlten, gealmken blanm sitzen zwei Frauen bei Tisch. eine alte und eine junge, in diel,te grünlich-goldene Lust getaucht. Ein Agnarell von ergreifender, nnvergleichlicher Schönheit. Fast alle Epochen eines über sieben Jahrzehnte währenden' Schaffens sind hier vertreten, . anchdie früheste, die Zeit der jugendlichen antodidaklißtzen Studien. Dinge, die in keinem lbinsenm. in keiner Sammlung sich finden: in Schranken anfgestapelt liegen alte -kleine Bildclien Studien nacl, Pferden. Wolken und Dl'inen, dünn und fein in trüben, gedämpften Farben auf Holz oder 'glatte..Leinwand gemalt - - es galt die Umwelt zn erobern. Und dann .wieder zwei Blätter aus einer an deren 2llett: eine Studie.z»m „Solin des alten Volkes" und eine zur ..Jndenhvclizeit". Lffenbar die ersten En-tb'ürfe! Rnr leicht wie tastend gezeichnet. ein wenig »nt Agnarell getont, aber schon -ist alles Wesentliche da. das Licht, der' Ausdruck! ' Die Stärke des Erlebnisses spricht hier unmittelbar, inan vernimmt die Sprache des Künstlers, sielst das Aufleuchten des von innerer Schan beseelten Auges eines schöpferischen Menschen. . - So ist sein Hans eine Welt im Kleinen. Die. ganze Weite seines Wirkens aber, die Universalität seines Schauens, die große Das AnabenschLff Erzählung von Fritz Rorhgicßer mit Zeichnungen von Horst Moray (7- Fortsetzung.) Der Prophet, hatte den Dschihad gepredigt, den Glaubenskrieg gegen jeden Ungläubigen. Wer im Dschihad starb, fiel als Märtyrer? Aber, waren nicht Auslegungen zu seinen Ohren gekommendie behaupteten, der Prophet habe mit dem Dschihad nur den Kampf gegen die bösen Triebe im eigenen Ich gemeint? Warum hat er den wehrlosen Knaben geschlagen? Weil er zornig auf sich selbst war, daß er mit Knaben gekämpft hatte, und daß ein solch unbedeutendes Wesen, wie dieser kleine und häßliche Knabe ihm «I* Schutz hatte dienen müssen. . Der Pilot Kastm war höchst beunruhigt. Sechs Tage waren ste unterwegs und hatten Sizilien noch nicht passiert. War das eine Schickung, eine Strafe? Er besann sich, ob er den Wegheiligen ein Oelopser bringen sollte, wie man eS oft auf den Schiffen tat, wenn der Wind ungünstig war. Aber er verwarf diesen Gedanken und begab sich zum Mastmeister aus Deck.. Sein Geschäft'dort oben war schnell erledigt, und dann saß er wieder in der Kajüte. Er war in eine ungewöhnliche Beschäftigung vertieft. Vor ihm lag ein kleines Stückchen Scgclleinen, eine Nadel mit Faden und ein Häufchen Werg. Aus diesem formte Kastm eine Kugel und nähte dann auö dem SegeUeinen — eine ^.ungewohnte Arbeit für einen Krieger und Piloten — mühselig ein Säckchen, in das ec die Wergkugel stopfte. Zuletzt schloß er die Oesfnung mit Nadel und Faden und knetete und drehte an dem Gebilde. Endlich sah es aus wie ein Ball, er war ein Spielzeug. ■ ° , Als der Pilot wieder, das Deck betrat, hatte das Wetter sich verändert. Es war noch heiß und windstill. Am Horizont aber zeigten stch gelbe, zackige Wolken. Wo er hinkam, liefen die Knaben entsetzt weg. Er versuchte sie dc rctz^erK-Sewegungmir der Hsnd zu beschwichtigen, .Aber ste verstanden ihn nicht. ' , Jacob saß inmitten einer Gruppe von älteren und jüngeren Knaben. Sein Hemd hatte er abgestreift und auf den Striemen, obwohl dieser kaum sehr starke Schmerzen verursachte, ein nasses Tuch gelegt. Noch nie hatte Jacob so sehr im Mittelpunkt eines Ereignisses gestanden, und darum mochte er nicht aufhören, seine Verletzung zu fühlen. Er fürchtete, daß man ihn sonst sehr schnell, wie es damals bei der Entdeckung des Schiffes geschehen war, vergessen würde. , Als der Pilot erschien, sprangen alle hoch Und flüchteten. Nur Jacob schoß der neue Schreck so in die Glieder, daß er bewegungslog sitzen blieb. Kastm beugte sich zu ihm herab, die Pupillen wurden ganz groß. Aber der Mann tat ihm nichts. Ec zog etwas hervor, daS er ihm, in die Hand drückte. Dann ging er schnell weg. Als die Gefährten zurückkainen, saß Jakob -da und hielt in der Hand einen Ballen auö Werg und Cegelleinen. Der Striemen schmerzte ihn gar nicht mehr, und es war nicht mehr nötig, ihn zu kühlen. Einer wollte ihm den Ball fortnchmen, um ihn bester betrachten zu können. Aber Jacob ließ das nicht zu, er hielt ihn eigensinnig fest. . : . Eine neue Hoffnung hatte sich entzündet. Zwar wüßte keiner, ob eS die wunderbare Rettung Jacobs, oder ob es das Geschenk des Piloten war, wodurch die Stimmung sich für einige Stunden so sehr veränderte. Die Knaben hockten in Gruppen aus^dem ' Deck. Wie am Strande flüsterten sie von Wunderdingen. Denn waren sie nicht alle Zeugen eines übernatürlichen Vorganges gewesen? Allerdings konnte stch Joseph auf keine innere Stimme, die ihn gerufen hatte, besinnen. Auf alle die vielen Fragen, mit denen er überschüttet wurde, antwortete er nicht, und bald entivich er aus dem Kreise der anderen. Auch an Jacob, der aus so merkwürdige Weise vom Tode des Ertrinkens beioahrt war, konnte nichts Außergewöhnliches bemerkt werden. Er hatte Schmerz und Kummer vergessen, er spielte mit'seinem Ball, den er eifersüchtig, als wenn es ein Schatz wäre, hütete. Juda saß ipmitten seiner Gefährten. Ec lvar schweigsam. Oec belesene David erzählte von dein Riesenvvgel, über den der berühmte Rabbi Bar Channa berichtete. Der Rabbi.war einst zur See gefahren und unterwegs erblickte er und die anderen Reisenden einen Doge!, der mit den Füßen im Meere-stand, dessen - Kops aber bis in die Wolken ragte. Die Seefahrer dachten, es wäre seichtes Wasser, in dem sie wie der Vogel waten könnten, und wollten aussteigen. Da ertönte eine Stimme: Steiget nicht ins Wasterz hier hat ein ManN vor sieben Jahren aus einem' Schiff eine Art fallen lasten, und sie hat bis heute den Boden des Meeres noch nicht erreicht. Co Lief war das Waster und so groß war der Vogel. Juda ^hörte diese Geschichte nicht bis zu Ende an, er stand auf, um Joseph zu suchen. Lange hatte ec, mit sich gekämpft:. Joseph war ein Leugner, ein Frevler, ein Abtrünniger. Jetzt aber mußte er sich geivandelt' haben, den»,er ivar ja dag 2Ler'kzeug eines göttlichen llöuudera geivese». ,)oseph lag auf dem Hiiiterkastell, hnlb vergraben zwischen Zwei ausgerollte» Segeln. 2Lenn Inda dachte, einen Pleber« zeugten, einen Geselstagenen zu. finden, so ivar das ein Irrtum. Joseph war unverändert. „2lleshalb bist du die Treppe beiausgekommeu?" fragte er. „Ich will,-daß Du cü mir sagst. Ich gehe nicht eher weg!" Joseph gab eine 2lut>vort, aber ste klang noch znrückwei'sender und gleichgültiger: „Ich bekam Lust dazu! . . . Ich wollte wissen, >oaa ihr da oben triebet!" - Dann schrie er plötzlich laut ans: „Zufall wgr eS, blinder Zufall!" „Ohne diesen Zufall würde Jacob nicht mehr leben!" ent, gegnete Inda. . „Das wäre kaum ein Unglück!" sagte Joseph wieder unbe». Wegt. „Meinst d», daß noch große Freuden in seinem Leben auf ihn tvarten?" Das Blut schoß Inda in den Kopf. „Du lästerst wieder, du sreveljt!" rief er) „Jacob wäre ertrunken, nie hätte seine Mutter ihn wiedergeseheu." ' „Sie wird ihn auch so nicht Wiedersehen. Keiner von unS N?,ird ins Lager znrnckkehren!" , „Gott läßt keinen schuldlos leiden!" sagte.Juda, wenn auch ein roenig unsicher. ' Joseph lmstte durchdringend: „2La'rnn> sind die Brüder Perez und N?vseS Pelayo nicht mit ans dem Schiss? Sie sind weggelaufen, sie hatten Furcht, sie loaren feige, lind dafür sind sie belohnt. Ist das gerecht?" . Juda sliisterte heiser: „lind tvie ivar eü mit Jento?" Irgendetwas fuhr inihn, als Manuel seine lästerhasten Worte sprach. ,,Ja/ er fiel", sagte Joseph. „Es war die Fallsucht, das ist eine Krankheit." Inda rückte näher an Joseph heran. „Jento erwähnte er nicht mehr. Aber eine andere Frage stieß er 'hervor. „Wenn wir die Taufe auf uns genommen hätten, »vären wir noch, in Spanien.^ Wir haben es nirfü getan, und darum mästen wir leiden. Sollten unsere ganzen Leiden zivecklos sein?" Joseph warf sich schweigend zur Seite.? Erst nach längerer Zeit wandte ^er sich wieder Juda zu. Diesen durchfuhr es wie ein Stich. Josephs Gejicht hatte sich vollkommen verändert, es war ganz klein geworden. „Höre, Juda!", sagte er, ,F>u sollst Ruhe geben: ja, es ist sinnlos, daßllhr Juden gkblieben seid!" .'

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