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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-25 · 26 (25.6.1936) · page 10

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Immer wieder Ausschreitungen Der Beginn der Berirhfsworhe zeigte ein 'deutliches Al>ebben der Gewaltakte. Zwar wurden in der Nacht vom 1b. zum 17. Juni in verschiedenen .Teilen des Landes Angriffe gegen jüdische Siedlungen gerichtet, die jedoch ohne Verluste auf der Seite der Angegriffenen abgeschlagen werden konnten. Und auch; sonst kamen die nächtlichen Schiessereien; Bomben-, würfe mit und ohne Explosion, Beschädigungen an Bahnlinien, durchschnittene Telephonleitungen und Versuche, bewaffnete Ueberfülle auf Polizei und Truppen zu. verüben, nicht ganz zur Kühe. Aber irn allgemeinen ist doch, eia Nachlassen/-der Zwischenfälle zu bemerken. Auf Grund des von der Regierung gestellten Ultimatum» wurden auch am 18. .Juni in Haifa zahlreiche arabische Geschäfte wieder geöffnet. Leider aber war an diesem Tage, an dem ausser einem Bombenanschlag auf das Halbier Hathaus, der Beschiessung eines Zuges auf der Strecke Lydda—Jerusalem, und einem Bombenanschlag auf einen Autobus, grössere Terrorakte nicht gemeldet wurden, ein weiteres jüdisches -Todesopfer 1 — das einunddreissigste — zu beklagen: Der vor einigen Tagen von Arabern durch Schüsse aus dem Hinterhalt schwer verwundete Chauffeur eines MiJr.hnutos der Produktionsgenossenschaft „T'nuwa“ Abraham Ben Jehuda, erlag seinen Verletzungen. Ben Jehuda. der 42 Jahre alt . war. stammte aus .Sosnowice (Polen)..' Auch der Anschlag auf den Autobus, der auf der Strecke Hi schon le Zion—Tel-Awiw erfolgte, hatte ein Todesopfer zur Folge: d#r 28jährige Leiter der Gerberei ..Leviathan*' in Kischon le 7-inri. Josef Schefter aus Wien, wurde so schwer verwundet, dass er tatrs darauf im Hadassakrank^nhau« in Tel-Awiw, starb.'Ausser ihm waren sechs Passagiere des Autobusses leicht verletzt worden. Auch am 19. Juni blieb die. Lage im ganzen unverändert. Ls fanden zahlreiche kleinere Zwischenfälle statt, ohne dass die Unruhe ihre frühere Heftigkeit erreichte. ln Khan Junis wurde eine arabische Demonstration ohne Midien von der Polizei zerstreut. Auf ein Lager englischer Soldaten bei Nablus . wurden Schüsse aus dem Hinterhalt abgefeuert, ohne dass irgendwelcher Schad-n dadurch .ungerichtet wurde. Vereinzelte Schüsse wurden auch auf die ■jüdischen „Siedlungen in lel-Litwinsky. Klar Azar abgegeben, fn Kfar Saba wurde ein jüdischer Wächter. Klimelech Natan- . sohn, verwundet, als er seine Wachtründe über die Felder machte. Line.' Polizeiabteilung, die nur das Feuer der Araber antwortete, könnt« nichts ausrichte,>. ln der Nähe von Karkur wurde ein Zug zum Entgleisen gebracht. Hindernisse auf den Geleisen der Bahnstrecke. Jerusalem —Lydda wurden rechtzeitig entdeckt und beseitigt, ehe s:e Schaden anrichten konnten. Zwischen Jerusalem und Bands w urden die Telephondrähte durchschnitten. Am 26. Juni ist in den Pflanzungen bei Kfar Saba der aus Deutschland eingewanderte Elieser Lisser «buch Zufall erschossen - worden. Es wurden ferner Angriffe auf Bet Alpha und auf die Vorstadt Uatikwa an der Grenze von 'Tel-Aviv versucht. Vereinzelte Schüsse fielen auch bei Beer Jacob. Die ■jüdische Herde von Mesdia wurde von Arabern geraubt. Tis wurde and, versucht, das Kleiderdepot <i«*s' jüdischen Kinderdorfes zwischen Talpiot und Jerusalem niederzubrennen. Araber.■ die 'versuchten, den Wald von Ata rot anzuzüudeu, . w urden von Polizei vertrieben. Auf der Strass«*.-nach.-Nablus„wurden Militärpatrouillen zweimal aus dem Hinterhalt , beschössen. In Ruchama wurden einige jüdische Baracken in Brand gesteckt. Sechzehn Kilometer von Jerusalem entfernt ist die Wasserleitung von Jerusalem durch einen Sprengstoffanschlag beschädigt worden. Der .Eisenbahnzug Jerusalem—Lydda ist wieder beschossen worden, ohne «lass jemand verletzt wurde. Auf der Eisenbahnlinie Gaza — Khanjunis wurde eine Militärdraisine durcheinen Sprengstoffatischlag beschädigt; In Gedera, Gaza und Bajit Wegan wurden die Polizeiatationen beschossen: es würde' niemand verwundet. Die Telephonleitungen wurden zwischen Medsehei und Jabrie und zwischen. Jerusalem und Lydda durchschnitten. In der Nähe der ()elres<yvoirp der Shell Pomp, in Haifa wurde ein verdächtiger Araber festgenommen. Bei einer Hausuchuug in seiner Wohnung wurden eine Bombe und Dynamitpatronen gefunden. Die Erntedes Dorfes Lajun wurde zur Sirherstelhing einer Kollektivstrafe beschlagnahmt. Telegraphenlinien wurden bei Afule, zwischen Beisan und Dschenin und bei Ätlit durchschnitten. Die Polizeistationen in Beisan. Karkur, Bet Alpha. Sedsrhera und Safod wurden beschossen; die Polizei erwiderte das Feuer: es gab keine Verletzten. Die Zollwache bei Bas en Nakura würde beschossen und mit Steinen beworfen; Polizei erwiderte das Feuer; auch hier gab es keine Verwundeten. Diese wieder verstärkte Terrortätigkeit führte zum Erlass einer neuen Notverordnung. Sie sieht Todesstrafe oder lebenslängliches Zuchthaus für diejenigen vor, die Feuerwaffen, Bomben oder Explosivstoffe bei sich tragen. Wenn die Untersuchung nicht die Absicht, von diesen Waffen Gebrauch zu machen, erweist, wird eine Strafe von fünf Jahren Gefängnis ver- Der Nachfolger Auni Bey Abdul Hadis als Sekretär des Obersten Arabischen Komitees, lzzät Deruza. der Isliklal-Führer Sami el Sarradsch und Dr. Chalil Budeiry. ein führendes Mitglied der Arabischen Reform-Parlei Dr. Khal- . dis. wurden in das Konzentrationslager, bei Sa ratend gebracht. Auch am 21. Juni hielten die wieder'zahlreichen Zwischenfälle, an. Auf den Kibbuz Hameuchad bei Herzlia wurden von mehreren Seiten her Schüsse abgegeben. Polizei erwiderte das Feuer und vertrieb die Angreifer. — Ein Polizeiauto wurde auf der Fahrt nach Petäch Tikwa in der Nähe der Jarkon-Brücke beschossen. Das Feuer wurde erwidert. — Wiederholte Schiesseieien wurden aus «1er Umgebung von Jerusalem, besonders bei Ramat Ra« bol. Moza und Bajit Wegan gemeldet. Auch der Zug Lydda—Jerusalem wurde beschossen. Bei Haifa wurde ein jüdischer Autobus angezümlet und leicht beschädigt. Ein Braml in einer Baumschule bei Migdal wurde von der Polizei gelöscht. Auf ein Erholungsheim bei Moza sind in der Nacht, über hundert Schüsse abgegeben worden. Die Angreifer wurden von der Polizei zurückgeschlagen. Die Eskorten von Autobussen, die bei Bet Hakerem und Moza beschossen worden waren, erwiderten das Feuer. Die Siedlung Kfar Baruch in «1er Nähe von Nahalal wurde von «frei Seiten angegriffen Der Angriff wurde von der Polizei abgewehrt. Einer Abteilung der Sealortli Highlanders gelang es, auf «lein Berg Ebal bei Nablus eine arabische Terroristenbande nach Kampf ge-, fangenzühehmen. Damit ist zum erstenmal von den Truppen erfolgreich,die Offensive gegen die „arabischen Banden unternommen worden. imterzukümmen. und vieles andere noch. So finden wir die Arbeiter-Alijah aus Deutschland schon heute im'ganzen Land**:', im K i.bbuz. im M o s-c h a w () w d i in . in «len M o s c h a \v «> 11, und in «len k 1 e i n <* n und g r o s> «*~h Städten. Sii* arbeitet, in allen'.verkommenden Zweigen der Landwirtschaft und Industrie und im Handel und Verkehr. Wir werden vornehmlich die lä u d 1 i e il e Arbeiterschaft, und zwar «lie im Kibbuz lebend«*, betrachten, weil sich hier wirklich die.. Möglichkeit bö-tet, das Besondere Palästinas zu erfassen, während das Schicksal der and.-ni Arbeit**rkat**o-««rien durchaus dem Schicksal der Arbeiter in .anderen -Köl'o- Bialländeru ähnelt. (Fortsetzung folgt) „ Ein schwerer Kampf spielte sich in 3er Nähe von Nur el Shem ab. Dort wurde eine englische Eskorte von einer etwa 70 Mann starken arabischen Bande aus dein Hinterhalt überfallen. In dem Kampfe wurden drei Mann des Königlich Schottischen Füsilierregiments verwundet, zwei von ihnen schwer. Ein schwerer Feuerüberfall wurde am gleichen Tage auf Kfar Saba von Arabern aus der Umgebung der Siedlung verübt. Das Feuer wurde von der Polizei und von Siedlern erwidert. — Polizei, Militär und Luftstreitkräfte haben einen Angriff auf Bajit Wogan abgewiesen. Ein zweiter Angriff au Ramat Kowesch ist von der Polizei abgewehrt worden. Auch gegen die Hebräische Universität auf dem Skopus-Berg sind Schüsse abgegeben worden. Das Feuer wurde von der Polizei erwidert. Juristenleben in Palästina Ein Vortrag von Justizrat Julius Magnus Im Rahmen der vom Mund Aller 'Herren d-*s ÄJV veranstaltelen Vorträge sprach am 10. Juni im Logenhaus zu Berlin Justizrat Dr. Julius. M a g n us über ...luristcnleben in Palästina". Der Vortragende, soeben aus lTrläst'inu. wo er eine, der ersteh juristischen Gastvorlesungen an der Universität, Jerusalem gehalten hat. zurückgekehrt. wusste in 'lebendiger und fesselnder Weise die Schilderum: seiner Reiseerlebnisse mit der Darlegung der rechtlichen Zustände zu verbinden. Der Gegensatz, der Hinfahrt auf dein rein jüdischen Dampfer „Tel-Aviv" und des Empfang«*-; in Haifa durch die englischen Zollbehörden gab die Anknüpfung zu'einer ebenso kurzen wie anschaulichen Darlegung des englischen Mandats und seiner tatsächlichen Auswirkung. Viel hörten wir voji dem Schicksal aus Deutschland stammender Juristen in Palästina. Von wissenschaftlich tätig Gewesenen — darunter dem Verfasser eines berühmten Kommentars '—. die bewusst ein neues Leben kaufmännischer Arbeit von unten an angefangen haben, von anderen, die zur Natur zurückgefun- ' Jen halien und jetzt begeisterte Landwirte sind. . und schliesslich von' denen, die beim Fach geblieben und in Palästina Anwälte geworden sind. Sie haben es nicht leicht. Anwalt zu werden. Ein versteckter Numerus clausus ist dadurch herbeigeführt. dass beim Anwaltsexamen der ausländischen Advokaten immer so viele durchfallen, dass sich der Zuwachs in bescheidenen Grenzest Die europäische Presse zur Palästina-Lage hält. Die Anwaltschaft rekrutiert sich entweder aus denen, die im Ausland den juristischen Doktor odpr ein gleichwertiges Examen (Assessor, Referendar genügt nicht) gemacht haben, und dann «lie ergänzende Prüfung, wenn sie Glück haben, bestehen, oder denen, «lie auf der Law School in Jerusalem ansgebildet sind, «lie neben englischen, arabische und hebräische Lehrgänge hat. Die Universität Jerusalem entbehrt bis jetzt einer medizinischen und einer juristischen Fakultät. Der Vortragende verstand es. in der kurzen ihm zur Verfügung stehenden Zeit in grossen Umrissen das Bild des Nebeneinander" und Durcheinander, das für das palästinensische - Recht so charakteristisch ist. erstehen zu lass *n. Religiöse» Recht neben weltlichem Recht, die Mejelle. gewissermassen das türkische BGB, neben Gesetzen, die aus dein Gebiete des Code Civil übernommen sind, und dazu jetzt die englische Gesetzgebung. Das verzw ickte Recht des > Grund und Bodens mit seinen zahlrei •heil Fallstricken. Die Rollt*, die «lie Konventionalstrafe spielt, die «len einzigen wirksamen Schutz gegen Vertragsbruch gibt, «ta nicht auf Erfüllung, sondern nur auf Schadensersatz geklagt werden kann. Dass Justizrat Magnus gerade jetzt, wo alles in Palästina erschüttert scheint —sein«* Reise fiel in den Beginn der Unruhen —. über diese Dinge sprach, ist nicht ohne symbolische Bedeutung. Das brachte er auch zum Ausdruck. Er wusste davon zu erzählen, wie Wille und Kraft da seien, u n b e i r r t durch den arabischen A ufrühr w e i t e r z n arbeiten ani Aufbau des Landes und der jüdischen Zukunft. H. K. In seiner Gastvorlesung an der Universität Jerusalem sprach Justizrat Magnus über den „Einfluss von Juden auf das. Recht der Kulturwelt." Die Vorlesung, die lebhaftesten Beifall fand, durchstreifte, das Recht der Völker des ' europäisch-amerikanischen Rechtskreises und\ gab dann einen umfassenden Ueberblick über das, was Männer jüdischen Glaubens-und jüdischer Herkunft direkt und indirekt in den verschiedenen Gebieten der Rechtskultur, geleistet Ueber die „Universität in Jerusalem** sprach Professor Dr. M. Ginsburger von der Universität Strassburg kürzlich im Stra.ssbui^er Sende*, Englische Pressestimmen In der englischen Presse haben sich-auch in. den letzten Tagen wieder einige bemerkenswerte Stimmen zur Palästinafrage erhoben. Während der „Manchester Guardian" die arabischen Forderungen für absurd und unannehmbar erklärt, schreibt die „Times“, dass die zionistischen Führer das Tempo der Entwicklung des Nationalheims zu sehr beschleunigt hätten. Das englische Mandatsregime in Palästina werde so lange äufrechlerhalten bleiben, bis Araber und Juden in gleicher Weise zusammen leben und arbeiten werden, wie die Völker in der „News Letter“, das offizielle Organ der Nationalen Arbeiterpartei (MacDonald-Gruppe), erklärt im Leitartikel, mari müsse in Palästina auf ein ebenso schwieriges und langwieriges Verfahren gefasst sein wie dasjenige, mit dem Frankreich es in Syrien zu tun hat. Werde man Entschlossenheit zeigen, dann könne der Verlust an Vertrauen infolge des abessinischen Fiaskos wettgemacht werden, zeige man sich aber schwach, dann werde das Prestige Englands und «lie Stellung de« Völkerbundes im östlichen MUtelmeergebiet in nicht wieder gutzumächender Weise geschädigt werden. „Great, Britain and the East" schliesslich läuft Sturm gegen den Optimismus der Regierung, die schon längst ihrer Zuversicht auf Wiederherstellung der Ruhe in Palästina Ausdruck gegeben habe. Diese Zuversicht habe »ich nicht erfüllt. Die künftigen Historiker werden zwischen der Bereitschaft Englands, den Völkerbundspakt zu ändern, und seiner mangelnden Bereitschaft, «las Palästinamandat in Frage zu stellen, einen merkwürdigen Widerspruch feststellen. „Zwei Monate lang“, heisst es zum Schluss, „dauert dieser Kampf. Wie lange der heftige Streit anhalten wird, weis« Allah allein. Aber, wenn die Angelegenheit nur der Gewalt überlassen bleibt, kann es nur ein Ende geben. Durch die Wiederherstellung der Ordnung ist kein Ende, sondern nur ein Anfang, ein Anfang wozu? Zu „dauerndem Frieden und Zufriedenheit“? .Wir möchten es wissen.“ Der „Tempi" kritisiert Englands Haltung In seinem Leitartikel vom 18, Junf, „Juden und Araber in Palästina“, befasst sich der „Temps“ ausführlich mit den gegenwärtigen Ereignissen in Palästina und im besonderen mit der Haltung und den Aufgaben Englands. Beim augenblicklichen Stand der Dinge, so schreibt das französische Blatt, sehe man keine Lösung, und* es scheint, dass noch für eine sehr lange Zeit die jüdischen Siedlungen in Palästina zu einem gefährdeten Leben verurteilt sind. „Man ist weit entfernt“ — so heisst es weiter — ,-von der Verwirklichung der grossen Hoffnung, die die Schaffung eines jüdischen .National-Heims*, der Balfour-Deklaralion -entsprechend, hatte aufkommen lassen, und diese Erfahrung ist ebenso enttäuschend wie . die all der andern Unternehmungen seit Beendigung des Weltkriegs, durch die versucht werden sollte, der Welt einige moralische und politische Sicherheiten zu geben.“ Der Verfasser weist auf den grossen Irrtum hin, den man.begangen habe, wenn inan glaubte, dass zwei .in Lebensstil und Lebensansprüchen so grundverschiedene Völker wie Juden und Araber reibungslos nebeneinander und miteinander arbeiten könnten. Aber noch etwas anderes käme hinzu. Zwar seien die Juden unbedingt im Recht,wenn sie verlangten, «lass die Verpflichtungen, die man ihnen gegenüber übernommen habe, genauesten» eingehallen werden. Die Araber ihrerseits aber protestieren gegen eine Situation, bei der sie, ob man es will oder nicht, immer mehr von dem Lande entfernt werden, in dein sie seit Jahrhunderten leben und dem sie sich fest verbunden fühlen. Bedauerlich sei. dass die Balfour-Deklaration wie viele andere Unternehmungen eine jener glänzenden Improvisationen war, beider man nicht in aller Gewissenhaftigkeit alle Konsequenzen, alle möglichen Erschütterungen erwogen habe, -und die sich nun angesichts der gegenwärtigen Ereignisse als ein Experiment voller Risiken offenbare. Wie stark auch immer die Gewissenhaftigkeit sein möge, mit der sich Gross-Britannien bemüht, seinen immer schwerer werdenden Verpflichtungen nachzukommen, die Tatsache bleibe bestehen, dass die Ausschreitungen in „ Palästina .fortfaliren, dass sie einen immer tragischeren Charakter anhehmen, dass die jüdischen Siedlungen in ihrer Existenz aufs schwerste bedroht sind, und dass die nationalistische.arabische Bewegung eine Entwicklung nimmt, über die man sich mit Recht in bezug auf Aufreehterhaltung von Ordnung und Frieden in allen mohammedanischen Ländern sorgen müsse! Die britischen Autoritäten in Palästina hätten die Pflicht, nichts zu vernachlässigen,was zwischen Juden und Arabern eine Verständigung erleichtern würde, die es den beiden Elementen ermöglichte, Seite an Seite zu leben und an dein gleichen Werk des Ankhaus und der Prosperität eines Landes zu arbeiten, das das ihre sei, in dem sich weder die einen noch die andern als Fremde fühlen sollten, das den einen wie den andern die . Sicherheit geben müsse, ohne die es kein „National-Heim“ gäbe, das dieses Namens würdig wäre. H. B—n. Au* der deutschen Presse Die gegenwärtige Konfliktslage in Palästina findet auch in der deutschen Publizistik immer mehr Beachtung, ln einem Beitrag „Juden, Araber und Engländer“ („Deutsches Volkstum“, 18. Jahrg., Nr. ü)-führt Wilhelm S t a p e.l n a. folgendes aus: „Just in die Entstehung des Zionismus hinein fiel der Weltkrieg.- Er brachte die Nationalisierung der Ara b e r mi t sich. Die; Araber wurden von den Engländern und Fran-; zosen zum Krieg gegen die. Türken. <1. h. gegen die Deutschen gebraucht. Als sie ihre Schuldigkeit getan . hatten, nahmen die-Franzosen sich da* arabische Syrien, die Briten das dem Suezkanal naheliegende Palästina. Aber nicht nur Araber, auch Juden waren von den Briten gegen die Deutschen gebraucht worden. Wie man den Arabern .die Freiheit* versprochen hatte, so den Juden .die Heimstätte* -in Palästina. Seit dein Weltkrieg begann also, unter englischem Schutz, die jüdische Besiedlung Palästinas in grossem Ausmass. Die Folge ist. dass arabischer Nationalismus und jüdischer Nationalismus in Palästina aufeinanderplatzen. Die Briten müssen B Verkauf' durch ender Immobilien Linkstr. 32 B 1.' 1165,66 nun zwei widerstreitende Versprechungen halten. . . .; . Wenn der .Nationalitälenkampf' in Mord und Totschlag und Streik tobt,'so stellt der Brite dabei und predigt den erregten Kämpfern Moral: Ihr habt «loch beide Platz! Aber keiner traut dem britischen Frieden. DeryArabpr misstraut: still und heimlich drängt Tins der einwandernde Jude aus unserem Lande hinaus. Der Jude denkt: wir wollen doch hier eine nationale Heimstätte haben, wo sollen wir sonst mit den Einwanderern hin? Der britische Kommissar seufzt: Was soll daraus werden? ln solchen Fällen bleibt hur der Ausweg der In einem A'ufsatz „Araber, Juden. Engländer“ („Berliner Tageblatt“, Nr. 291) kommt Dr. M. B o v e r i zu nachstehender abschliessender Meinung: „So wie die Dinge heute liegen, haben weder Juden noch Araber zu entscheiden, sondern die Engländer. Noch steuern sie ihren Kura zwischen beiden hindurch." Ein Gleichgewicht der Kräfte wird künstlich aufrecht erhalten. Aber ein Regieren mit Militärgewalt widerspricht englischen Grundsätzen —> abgesehen davon, dass es kostspielig ist. Fortführung de« bisherigen Kurses wird immer neue Unruhen zur Folge haben. Und die Behandlung der Araber in Palästina hat Rückwirkungen auf alle arabischen Nachbarländer, ja, auf die Mohammedaner des ganzen Orients. Die Versprechungen aus der Kriegszeit rächen sich. Und in England scheint die Meinung zu wachsen, dass der Seeweg nach Indien zwar langsamer, aber sicherer und weniger kostspielig über Kapstadt führt, als durch den allseits bedrohtem Suezkanal.“ F. F. Der Hechaluz zu den Palästina-Unruhen Dr. Georg Joseph th al. der Leiter des Hechaluz in Deutschland, gab in einem Vortrag, in Berlin über das Thema „Wie steht die chaluzische Bewegung zu den Ereignissen , in Palästina?“ eine ausführliche, Darstellung «Tr Machtverhältnisse im vorderen Orient. Er -zog den Schluss, dass im gegenwärtigen Zeitpunkt England weniger denn je in der Lage sei,' auf seine Stellung in Palästina zu verzichten oder sie auch nur durch eine Aenderung im Mandatscharakter zugunsten der Araber zu beeinträchtigen. Die Ünterhausdebatten in England"über'Palästina und die .ln den frage hätten die arabischen Gruppen beunruhigt. Als dann die Einladung an die arabischen Führer ergangen wäre, nach London zu kommen, hätten die Araber mit Unruhen geantwortet. Der Grund sei klar: kein Volkwird sich freiwillig zu einer Minderheit im eigenen Lande machen lassen. Dass dies aber das unabwendbare Schicksal der Araber in Palästina sein muss, wenn der jüdische Aufbau fortgesetzt werde, sei gleichfalls klar. Gibt es nun einen Weg. der aus der -‘gegenwärtigen Sackgasse herausführen kann? . Zwei grosse Lösungsniöglichkeiten werden in j die Diskussion geworfen: 1. „Verzichtet auf gewisse Dinge in Palästina — und ihr werdet eine Befriedung erreichen“, und 2. „Werdet Mehrheit — und ihr seid Verhandlungspartner“. Die ersten* Möglichkeit sei für den .Zionismus keine, sondern werde auf leidenschaftliche Ablehnung stossen. die zweite Mögliehkeit-sei abhängig von dem Willen Englands. Um sie zu erreichen, werde'der Zionismus gewisse Teilkonzessionen auf dem, Gebiete des umstrittenen „Gesetzgebenden Rates“ und des?'Bodenkaufgesetzes machen müssen. Ein konstruktiver. Vorschlag ohne gewisse Konzessionen, an" die Araber sei unmöglich. Jetzt werde alles davon abhängen, ob die Exekutive im richtigen Zeitpunkt einen Vorschlag bringen und der Zionismus sich geschlossen hinter sie stellen wird. Die Wirkung der Ereignisse in Palästina auf die t^iabuziscHp BewegungWerde wahrscheinlich in einer zahlenmäßigen Schwächung bestehen. Dies sei kein Fehler: das Verhältnis von Kern und Peripherie der Bewegung habe seit 19:',J ein zeitweilig unerträgliches Mass angenommen. Es werde wieder wirklich der schwerere Weg sein, nach Palästina zu gehen, und so werde es möglich sein, in den nächsten Jahren das Fundament des jüdischen Aufbaus zu stärken. WAR.

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