Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 25 (18.6.1936)
- Date
- 1936-06-18
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2278137-2278162--10969-2291142- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lod 4× ep/1045074
- Haifa 3× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Kfar Saba 1× ep/1047977
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
Nr. 25 5. Beiblatt ,-V.-Zeitimg 18. Juni 1936 Die Arbeit geht weiter Von unserem «-Palästina-Berichterstatter Tel-Aviv, den 10. Juni 1036. Verschärfung des Terrors, zunehmende;Heftig-, keit des Bandenkrieges,. der immer organisiertere [formen armimmt. sind, die Kennzeichen der Entieklung in der .letzten Woche. Die Regierung hat den vergeblichen Vermittlungsversuch des - Emirs von Transjordanien abgewartet und danach zum erstenmal auch die führenden Mitglieder des . obersten arabischen Rates erfasst und den ge- : schäftsführenden Leiter dieser Organisation in das Konzentrationslager geschickt, sie hat streikende Bürgermeister und Stadträte arabischer Gemeinden abgesetzt und damit den Bankerott der kommunalen ja ra bi sehen Selbstverwaltung,, auf deren Erfolgs der High Commissioner sich bei seinem Plan für den Gesetzgebenden Rat immer wieder, berufen halte, offen zugegeben. Auch den Geldquellen der Streikbewegung glaubt man auf der Spur zu sein, die seit,ständigen arabischen . Nachbarländer, insbesondere Aegypten, zeigen ei-iiH (deutliche Abneigung,-sich allzu sehr in die palästinensischen Verwirrungen hineinziehen zu lassen, getreu der schon mehrfach von uns betonten Tendenz zur autonomen, auch gegenüber stammverwandten Nationalbewegungen unabhängigen Aussen- und, Realpolitik dieser Staaten, die das Mass von Selbständigkeit, das die palästinensischen Araber erst erstreben, schon erreicht . haben. Immer noch werden neue englische Truppen nach Palästina geworfen, aber ein durchgreifender Erfolg ist bisher noch nicht erzielt worden. Gewiss mag es eine auf lange Sieht berechnete Taktik sein, dass man erst abwarten will, bis der Streik sich erschöpft und die Banden aus ihren Schlupfwinkeln heraus sich zur offenen „Eeldschlacht“ stellen. .Aber bisher hat inan leider durchaus den Eindruck, dass die Araber’ strategisch, das Gesetz des Handelns den Engländern vorschreiben, dass sie die Zeit und den Ort der Kämpfe bestimmen. Zu einem grösseren vorbeugend e n Schlage, wie er im vorigen Jahre gegen die Terrorbande des Scheich Iss el Din el Qazzan durchgeführt wurde, ist es dies-' mal noch nicht gekommen. . Die Schlacht bei Liftu war offenbar für die Engländer eine Ueberraschung, obwohl an dieser Stelle schon zahlreiche Ueberfälle auf Privat- und Militäiautos vorgekommen sind; erst nach diesem blutigen Zwischenfallwurde das gefährliche Bergnest gesäubert. Der Ueberfall auf der Strecke Jerusalem—Jericho wurde sogar nur abgewehrt, ohne dass irgend etwas Nachhaltiges danach unternominell wurde.' Ein Angriff auf die südlichste jüdische Siedlung des Landes. Beer Tuvia. wurde von den jüdischen Wächtern in längerem Gefecht abgeschlagen, und die .Ermittlungen der nachher eintreffenden Polizei blieben ergebnislos. Aehnliche Fälle Hessen sich noch mehr anführen, aber es soll hier-nur. auf. die Grundtendenz verwiesen werden, dass sich ‘die Behörden bisher — im, wesentlichen — gegen akute Ausbrüche wehren, aber die Quellen dieser Ausbrüche noch nicht verstopfen konnten. .Es .seien bei: , dieser .Gelegenheit einige im Ausland verbreitete Meldungen klargestellt.,- Zunächst beruht es auremom . Missverständnis, dass die Messe kurz vor der Eröffnung ganz oder teilweise abgebrannt sei; nur einmal hat ei» Terrorist versucht, Sich ■ eiiizuschleichen und Feuer zu "' legen, aber sein Vorhaben konnte rechtzeitig vor-, eiteil werden. Im Gegenteil, die Messe ist immerhin von mehr als dreihimderllausend Menschen besucht worden, die vom Industriellenverband organisierte Ausstellung der ..Tozeretli dlaarez“ gal, ein eindrucksvolles Bijd von der gewaltigen Entwicklung der jüdischen Industrie — sowohl in der Reichhaltigkeit des Sortiments wie in “Qualität und Geschmack —, die von öffentlichen und privaten Siedlungsorganisationen veranstalteten landwirtschaftlichen Ausstellungen zogen trotz aller Schwierigkeiten zahlreiche interessierte Besucher aus allen Teilen'de* Landes und siedlungslustige Neueiuwanderer und Touristen'an. und aus den teilweise recht geschickt zusammengestellten . ausländischen Pavillons wurden sogar ganz gute Geschäfte berichtet. Mit. einer von vielen Tausenden besuchten Ehrung für Bürgermeister Dizengoff schloss die Messe programnigemüss am Schal,batausgäng," den 6.- Juni, ihre. Pforten. Auch die Nachricht, dass am Hafen von Tel-Aviv jüdische Boole von Arabern versenkt werden seien, beruht erfreulicherweise auf einem Missverständnis. Neben all diesen, strategisch-politischen Din-, gen rücken natürlich, auch die wirtschaftlich«-» F'oigqi der. nunmehr schon zwei Monate dauernden Unruhen allmählich in den Vordergrund. Dass auf der einen Seite viele jüdische Sied-, '.hingen wirtschaftlich Nutzen von dem Fortfall der arabischen Lebensmittellieferungen an’.die jüdischen Konsumzentren haben, ist klar. Aber auf der anderen Seite stellt der grosse Schaden, der durch Feldbrände und Baumfrevel ungerichtet worden ist, stellen die Stockungen des Zahlungsverkehrs bei. allen Stellen, die irgendwie mit dem arabischen "Wirtschaftssektor zu tun haften, oder durch die Lahmlegung Jaffas .in Mitleidenschaft gezogen sind, stellt die starke Inanspruchnahme der öffentlichen Kassen Und schliesslich auch der psychologische Eindruck, den die lange Dauer der Unruhe sowie der bisher so geringe - Erfolg der Staatsautorität ausüben muss. Dafür macht sich natürlich die starke Nachfrage ha de jüdischen Arbeitskräften, der grosse Bedarf an neuen Aufbau- und Siedlungsarbeiter!, der sich eben aus den ■ Unruhe*» .ergibt, günstig bemerkbar und wie stark der Wille zur Mobilmachung aller Reserven, ist, beweisen die steigenden Einnahmen der Fonds. Auch die Grümlungstätigkeit ist andauernd rege, obwohl z. B. eine .ziemlich neue grosse Oelfabrik schon jetzt ihre Produktion einschränken musste. Aber es ist ein interessantes Stinuiiungssymptom. «Ja.-s die Nachfrage, nach Grundstücken und Häusern anhaltend h-h- Hlsift ist. Und ein Zeichen für die grossen Umseliiclitupgsarbeiten, die sich als Folge der jüngsten Vorgänge ergeben, ist der Umbau des Messegeländesi der unmittelbar nach Schluss der Ausstellung in Angriff, genommen wurde. Fünf grosse Industriebetriebe, darunter die bisher in Jaffa ansässige '■Zigarettenfabrik- Maspero. haben -Messepavillons, massive Betonliäuser, gemietet, um dort ihre Produktion aufzunehmen. -—. Weitere Teilt* der Messe-Anlagen sollen im Zusammenhang iuit dem Hafen zu..Büro-.■»ml Lagerräumen. ,. umgestaltet -werden. Audi 'nach einer solchen U m g e s t alt n h g d e s M e ssifp l-ii n des zu einem Indust r i e - und Hafenviertel werden genügend'Möglichkeiten zur« Veranstaltung von Ausstellungen bleiben, und wem, einst «He nächste Levante-Messe unter günstigeren Umstünden stattfinden wird, so wird sich auch für ..neue Pavillons Rat schaffen lassen. Wie sich auch im einzelnen die Entwicklung dieses bestimmt noch ansdehimngsfahigen nördliclien Siedlmigsgebü'ts von Tel-Aviv gestalten möge, schon, die jetzigen Massnahmen sind ein interessantes Beispiel dafür, dass -man mit-allen Kräften versucht-, unleugbare Rückschläge durch : neue schöpferische Arbeit zu-überwinden. .. Ueberfälle nun auch im Emek Ln 'schauerlicher- Monotonie reiben sieh die -Ereignissein Palästina - aneinander. Bomben,: Bräu,Io, Angriffe aut Verkehrsinittel kennzeichnen auch die vergangene ■ Woche wieder. An ihrem Beginn steht ein geschlossene,- arabischer Angriff auf jüdis«-he-Sh-tliungen im Emek. dm zwei Stunden beschossen wurden. Als britische Verstärkungen emirafen. zogen sich die Angreifer Unter Mitnahme ,>,,-»r Toten und . Vor.w muteten, tieron Zahl, unbekannt-, ist, zurück. Vom 10. .1 ii n i werd-'n Bombenanschlägeaus Safed. Tel-Aviv, Gaza und von einem Fprong- ■ stnffansclitag in Beer Schewa berichtet. ln Nablus wurden Militärbaracken in Brand .-gesteckt. Zu vereinzelten Schiessen’ien kam es in «len*Vororten' von-Jerusalem Moza und Mekor l'liajmi. sowie in Kfar F.zioii. Auf der Eisenbahnlinie hei 'Lydda. wurden Eis'-nhalm.-ch weilen in Brand gesteckt. Das _ Feuer wurde >echlz.eitig gelöscht. Auch vom 11. Juni werden einige Fälle von Zugentgleisungen in .verschiedenen Teilen : des Landes gemeldet. Spnmgsldffanschläge und Scniisse aus dem Hinterhalt sind an der Tages- ' .Ordnung. Zum erstenmal seit dem Beginn «ler Unruhen ist ein jüdischer Friedhof, und zwar auf den, Oelb-rg,' geschändet wurden. Ib-i Ilohn,ii wurde eine Brücke g,-sprengt. Auf de,- Eisenhaliiislation Khan Junis explodiert«* eine Bombe. In Bajit Weg-an worden gegen Polizei und Truppen, .die mit Arabern Schliss«' wechselten. Bomben 'geworfen, 'ohne «lass Verluste entstanden. ln Jericho .wurde ein jüdisches Hans niedergehrnimt. In Hebron. Lydda und Ramie wurden Truppen' beschossen. Ein Postangestellter wurde bei der. Reparatur der Teleplwinlinie zwischen Tulkerem und Nablus von her»»,streifende» Arabern durch Schüsse verwundet. Nach einem Fem-rgefectd zwischen Polizei und Aniberh brannte dH* KisenbahnbrüVke hei Kfar 'Saba ab. Bei Glieder,, enlgleisle-.eine Lokomotive mit eiifem Waggon. Vor der Entgleisungwaren die Telephomlrählp durchschnitten worden. Unter den Passagieren des Zuges, der nach Haifa fuhr, ■'gab >-s keine Verletzte». Als Araber bei Jagur eine» Autobus mit Steinen bewarfen, wurde ein Jude schwer und ei» anderer leicht verwundet. Bei Misehmar H.-mmek wurden sechs Dunum Tannenwald iliirdi Feuer vernichtet. Am Freitag, d e m 1 2. .1 u u i , erfolgte ein Bombenanschlag auf einen von Haifa nach Lydda fahrenden Zug- Vierztdin jüdische Passagiere wurden verwundet, vier davon schwer. Dm Namen der Verletzten sind: Ahrahnin Soli o 1 . 28 Jahre alt, Cliawa Man ili-lltaum, Jahre alt, Lydia Tischler, 22 Jahre alt, Rachel B r a v e r, 60 .lat,re alt, Mirjafd F e n e r - stein,-32 Jahre alt. deren sechsjähriges Kind, der -21 jährige Salonum S c Ii w n r 11, die 23jährige Jelimlit L e v i n , «He öTjälirige Chawa R e r h t sc h a f f e n , der 20jährige Schimsehou M e «11 «> r . «ler 20 jährige .Abraham Misrachi, die 2.",jährige! Berta K l e i n . der Ööjährige Jakob Klein und der .VJjährige David Ben Rachel. Die Verwundete» wurden in das Tel-Aviver Krankenhaus überführt. Der gleicht* Tag brachte einen weiteren Verkehrsiiberfal!. Eine- Kolonne von Autobussen, -di" unter militärischer Bedeckung ans Haifa nach Tel-Aviv .fuhr, sliess l>ei Nur el Schein auf Hindernisse, die die Strasse sperrten. Die anhaltende -Autokolonne wurde Vom Gebirge her beschossen. Die'Eskorte antwortete durch Mnschinengewehrfeuer. Unter Lebensgefahr lief der jüdische Chauffeur. Franz. Poll a k im Eener nach Nur el Schein und I,rächte militärische Verstärkung, die die Angreifer vertrieb. Noch fi'mfstiimtigem Kampf zogen wich «Ho Aiaber. d>-re>>. Verluste nicht fest/.uslclleti sind, zurück.- Mihhirstre.ifrn suche» das Berglaml ab. Aiisc«*r Bombenwiirf«*n, Waldim«! l'i-ldbrälitten :„t an diesem 'läge noch der bisher schwerste Anschlag verübt worden, und zwar ein Attentat auf den stellvertretenden Poiizeikorumamlanlen Allan Sigrist. Sigrist wurde mit schwere» Scimssverdelz.uiigen au 'der Brust mul an de» S« lmHern ins Krankenhaus gelirarht. Einer «ler arabische» Attentäter wurde, durch G'-geiisctiiissi* der Polizei sei,wer verwundet. Es ist ei» an ei »er -Kegmrungsseliuk* arigestrllter Lehrer. Der andere entkam.. Am 13. Juni kam es zu Schiessen-ien in Kfar .lei lmsket, Tel .lossef und Chugim.' Gegen'ein jüdisches Haus in Ttberins wurde eine Bomtie ■ geschleudert;. verletzt wurde niemand. Bei Artus entgleiste ein Lastwaggon, in «lei» sich die Mililäreskorte des Zuges befand. Von der Besatzung kam niemand zu Schaden! Die Eisenliiihnhrück«* bei Hebron ist stark beschädigt worden. Bei Di re Scheich wurde ein Zug beschossen; >-s wurde niemand verletzt. Bei Lydda wurden Bahmschw eilen verbrannt. Auf der Jüdische Jugend im Alltag Palästinas 1. Fortsetzung ... und das Erwachen in Palästina. Auf (jen Münzen und Marken Palästinas, die dreisprachige Aufschriften tragen, steht hinter . dem hebräischen -Wort „Palästina“ (Aleph — Jod). Es sind dies die Anfangsbuchstaben von „Erez Jisrael“. Ausserhalb des Landes achtet kaum jemand auf diese beiden Buchstaben, die . in Klammern stehen; im Land selbst kämpft man seit Jahren darum, den vollen Namen schreiben und — sprechen zu dürfen, und zwar bisher vergeblich. Als vor einigen Monaten der palästinensische Rundfunk eröffnet wurde und der hebräische Ansager von „Palästina- Erez Jisrael“ sprach, geriet das arabische Palästina in Aufregung und setzte sich durch. Allenfalls gibt man sich mit der unkenntlichen Aussprache: „Paläst ina-Aj“ zufrieden. Nicht um die Berechtigung jüdischer oder arabischer Ansprüche. auf das Land und seinen Namen geht es hier, sondern uns erscheint diese .kleine Tatsache deshalb in diesem Zusammenhang erwähnenswert zu sein, weit sie die komplizierte Gesamtsituation Palästinas verdeutlicht. Mail spricht von „Erez Jisrael“ in der Galut und denkt, in ein Land zu kommen, jn dem die eigene Anstrengung ausreichen wird, um das zu" verwirklichen,—was einem vorschwebt. Man kennt wohl wissensmässig die Schwierigkeit der politischen Probleme Palästinas, aber dieses Wissen hält nie dem Traum vom „Erez Jisrael" stand. Zu denken, dass so kleine Fragen wie die Eröffnung eines Postamts oder ei-ner Reräerungsbehörde in Tel-Aviv oder der Bau einer Strasse drüben hochpolitisch sind, lallt hier überaus schwer. Man hat von Erez Jisrael geträumt und .erwacht nun mit schwerem Kopf in Palästina oder allenfalls in „Palästina-Aj". Es ist durchaus nicht die Araberfrage allein, die den cha* luzisclien Einwanderer in ihrer Schroffheit immer-wieder überraschen wird, sondern es -ist natürlich viel mehr die-' jüdische'-Situation im Lande, die ihn in Erstaunen versetzt. Grade der. hündische Chaluz aus Deutschland, der. mit dein Wünsch einer bestimmten Verwirklichung ei ii wandert, findet sich schwer'zurecht. Zuerst einmal stellt er an kleinen Dingen fest, dass die Jugendbewegung zu Ende ist. Teilweise war ihm diese Erkenntnis schon •während der Ha« lischara gereift, nun Wird sie endgültige Gewissheit. Der hündische Chaluz stellt drüben fest, dass die Gemeinschaft, die im Kibbuz gelebt wird,, durchaus nicht die Verwirklichung der Ideen-ist, die ihm in «ler Entwicklungszeit in Deutschland vorgeschwebt hatten. Sie ist zwar'von Fall zu Fall verschieden, oftmals in ihrer Frische und Stärke überraschend, aber doch ganz anders als ei wartet. Und bald wird ihm deutlich, dass'nicht die Gemeinschaft die Arbeit bestimmt, sondern die Arbeit die Gemeinschaft, dass ' Gemeinschaft nicht ist, wenn man über sie referiert Und debattiert, sondern wenn man lebt. Und so geben die ganzen kleinen persönlichen .Schwächen und Sorgen des einzelnen' ein in-die Gemeinschaft, sie wird Arbeit-- und Wegkameradschaft, während das Zusammenklingen der Seelen selten ist und in einer Siedlungsgemeinschaft nie alle umfasst. Der Alltag des Arbeiters erschliesst sich in seiner Härte, das Leben ^normalisiert“ sich, es zeigt sich, dass der Mensch im wesentlichen nicht oder nicht in kurzer Frist zu ändern ist. .Zerrint der Traum von der „Gemeinschaft“ und ihrer „Verwirklichung“ sehr rasch, unfeiner realen gesunden Lebenserkenntnis und -auffassung Platz zu machen, so ist es nicht viel anders mit dein Traum der Werdenden. Volksgemein- _§chaft. Der Chaluz ist in den letzten Jahren sehr in der gesellschaftlichen Geltung gesunken. „Die Chaluziuth endet mit der Landung in Haifa, jetzt bist du Poel (Arbeiter)!“, wird einem gesagt. Kaum jemand im Lande gebraucht das Wort Chaluz, und dem Städter ist d«*r Chaluz. der he-' geisterungsfähige, opfermutige Arbeiter, der jeden Augenblick bereit ist. den Kopf hiimihalteu. für die Sache seines Volkes, geradezu ein seltsamer Heiliger geworden. Noch gibt es den (lialnz, atier wen» «lieser glaubte, die «einer Leistung entsprechende ge«ellsrhaftlirhe und politische Rotte spiele» zu können, so irrt er sich. Und es i.-t nicht nur "das: von de» vielleicht -100 000 Juden in Palästina leben in «Jen Kibbuzim nicht.-viel mehr ab 10000 und in sonstigen Neuformen gemeinschaftliche,-. Lebensführung wohl noch einmal die gleiche Zahl Menschen.“ Dazu sind diese Kibbuzim durchaus nicht in ihrer Gesamtheit ■vorbildlich. Sie bergen in sich zahllose Fragen und ungelöste Probleme. Auf der andern Seite sind die 'Zehntausend«* von.'.einzelnen .Land- und Städtischen Industriearbeitern durchaus nicht vom Kibbuz erfasst, und «-« ist beute, keine'Frage mehr, dass, wen» <•« gelingt, die Industrie zu entwickeln,, die««* weit mehr Arbeitsplätze stellen wird als das Land. Und trotz der Einbeziehung.auch der Stadtarbeiteiin. de»'Kibbuz, er-rlu-ml es fraglich. ob es überhaupt möglich ist, di«* den, Land entsprechende» Lebensformen dem Städter zu erschlies«,-». ]),.r .hündische Chaluz aber bat doch, trotz aller ideologisch«-» Einsicht,- kein letztes Verhältnis - zur Indn-triearbeit gewonnen: sein Ideal ist der Kiiiimz, wie er ihn .«ich vorstellt, als! ein Ort abseits «i«-r bestellenden Gesellschaft-die' Grundsteine zu einer neuen legen zu können, um so doch einmal an« <!o„, „Abseits“ in «Jen „lurieti,- rniim“ der Gesellschaft, zu kommen. Nun wird unhefhiiicii klar, dass auch der hündische Mensch «ler Gesellschaft nicht'entfliehen kann. Iin G«-g«m- Ieil! Er war stets in der Minderheit und sucht" freien Raum, kommt er min nach Palästina, so ist die alle Situation im Grunde wieder bergt stellt. Die grosse bürgerliche Einwanderung der letzten Jahre, das Emporwuchern Tel-Avivs, hat ihn mit seinen Idealen rettungslos erneut in die Lage gebracht, Minderheit zu sein. Und da 'die 'bürgerlicinrEinwanderung auch Werte in Gestalt neuer Produktionsmittel geschaffen hat, so sind zwar viele, fast alle Argumente der hündischen Ch'aluzim gegen die ..neue Zeit“ in der Theorie berechtigt, in der Praxis stoss.e,, sie bald auf Schranken, die die Wirklichkeit setzt Denn auch «h*r biindisrli«* Chain/, produziert mit für die Alija der Jahre 1SI32/PJ3Ö und lebt von' ihr. Der hündische Chaluz aus D'-uNchlaiid braucht eine lang«- Zeit, um sich zu „normalisieren“. Da die eigentliche „deutsche Alija“ ja erst drei Jahn» alt ist, lässt sich En!-« in i«t>-n<I«-s über ihre Einordnung noch nicht sage». Mau kann nur viele Einzelheiten summieren in der Hoffnung, «lass sie in ihrer Gesamtheit den Charakter «ies Zufälligen ■verlieren mul typisch'"werden. fnimerlfin lässt sich klar lind deutlich sagen, da«« die Wirklichkeit Palästinas nicht de», Bild von Verwirklichung entspricht, das der hündische Chain/, aus Deutschland mit siel, führt;. Die Erkenntnis der tatsächlichen Wirklichkeit' ist eine bittere Erfahrung.--die jeder macht, d«-r hinübergeht. Si'hlie.sst sjrh dieser Erkenntnis dann eine Selbstpnifuiig;m.-ol> die ideale» Bilder tatsächlich in allen Zügen gesund wären, und sieht man ein, dass der Jude, wie man ihn sich in der Galut vo,stell!«-, «lass er drüben werden niii-se, eben mir d«-r Ausgangssituation entsprach, so findet inan Frieden im Bewusstsein, das« em zwar notwendiger aber nicht endgültiger Weg zu Endo, ist »ml sich in der Fidle d«-s Leben« neue Wege er-, gehe», die .zu hesrhreilen sind. Es ist ja so, . dass die Epoche der „Jugendbewegung“ überall zu Ende gegangen ist, das« Jie.ut-e auch im Zionismus ei ii V*p ochäler Einschnitt zu geschehen scheint, so dass man die chaotische'Situation de<Cheutige,f Palästina als'Ausgangsstellung nehmen'muss, um Avejterziikommeji, ernüchtert, mit manchen Narben bedeckt, al,er bereit, den ungeheuer« schweren Alltag Palästinas tiinzunehmeri als reale Basis der kommenden Entwicklung. ' In den folgenden Aufsätzen soll die Einordnung der chnluzischen Alija aus Deutschland in den Alllag Palästina«, in-Kibbuz und Stadt, geschildert werden. Heinz Warschauer. _ 50 ~ " ~~—~ ' (Kortictzung folgt.) . In Rischon le Zion fand die Grundsteinlegung für den Bau des Museums statt, das dem Andenken an Baron Edmoiid.de Rothschild gewidmet sein wird, _