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Central-Verein-Zeitung · 1936-06-04 · 23 (4.6.1936) · page 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
15 (1936)
Issue
23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Ein tju tos W ort Kinder sind Lehrer der Eltern! Gewiß, das war schon immer so: aber Heute wird Denken, Leben, Wollen unserer Jungens und Mädels geradezu zur „Hochschule" für uns Aeltere. Nicht wir schichten unsere Jugend um. — nein, wir selbst werden von ihr — oft, ohne daß wir es merken— innerlich „umgeschichtet" und „umgeschult". Müssen wir ihr nicht dankbar dafür sein? - / . Mein Sechzehnjähriger wird Landwirt. Gin Jahr arbeitet er schon aus.„seinem" Gute, von früh um fünf bis spät abends. In diesem einen Jahr ist aus dem Jungen ein Mann geworden lfrellich kein „junger Mcmu" im Sprachgebrauch der früheren Zeit, sondern ein „Mann-Junge" der jüdischen Gegenwart und ihrer Forderung). Wenn er am Sonntag auf Urlaub koinmt, erzählt er uns und seilten jüngeren Geschwistern ununterbrochen vom „Leben da draußen", vom Rübenbau, vom Säen und vom Ernten. Aber ganz besonders strahlen seine Allgen, wenn er vom „seinen" Tierelr erzählt, seineil Pferden. Die ersetzen ihm alles das, was er nicht mehr hat. lind was eine frühere Jugend vielleicht hatte. Sie sind seine Sorge, ihnen gilt seine Liebe. An ihnen erlebt er das große Geheiinnis vom Werden und vom Vergehen, von Geburt und Tod. Tie Problematik des Lebens einer früheren behütetereil Jugend ist der alltäglichen Selbstverstäildlichkeit nüchterner, harter, aber beglückender Arbeit gewichen.- Am letzten Urlaubtzsonntag bringe ich ihn abends zur Bahn. Unterwegs spreche ich voll der Zukunft, von der Ungewißheit, von den Sorgen, die lvir um ihn und die Geschwister haben. Er ist schlveigsam geworden. Aber als ich mich am Bahllhof von ihm verabschiede, legt er mir seine starke, schon die Spuren der Arbeit zeigende Hand „väterlich" ans die Schulter, sieht mich strahlend an und sagt mit fester Stimme: „Vtacht euch feine Sorgen -- wir schassen'S schon!" Dann springt'er die Treppen zum Bahnhof herauf, winkt mirnoch einmal^zu lilld ist Verschlvnnden. Auf dem Jiachhauseweg straffe ich mich mt> - willkürlich, ich darf mich nicht mehr,gehen lassen! Eben hat ja mein Junge - nein, ein Mann zu mir gesprochen, der bereits Hand an die Formung einer Zukunft gelegt hat. „Wir schafsen's", dich jüdische Jugend spricht es. Wie und wo st» „es." schafft, sie weiß es selbst noch nicht, aber ans ihrer Fahrt aus dem großen Meer der Zeit sieht sie ange-' strengt nach Land aus, nach Land, von dem sie einheitlich noch nicht weiß, unter welchem Himmelsstrich es liegen wird, welche Sprachen die Menschen tu ihm sprechen werden, »vie weit entfernt es von der jetzigen i'cimn: sein wird -, aber daß sic ein Land erreichen wird, ist ihre tiefste Gewißheit, das W d - v das Ufer, aus dem sic festen Fuß sach v Ihr Wille ist ihre Genüßheit! Jüdische Jugend geht in allem. Ernst und mit allem Wissen um die Härte des Lebens, aber dennoch die Zukunft freudig bejahend . ihren Weg: „Wir schafsen's!" vr. E. Fr—I. lllillll!l!!!ljlillillll!lliilil!!'IIIIill|l!!IIIJ!!l[|!illlll!li!l||illll!ll!|]||j||||]|!l|||||||||j|r;|!|!||i!l|!!lll| Vor der Mandatskommission Jur Verlauf der Beratungen der gegcnlvärtig in Genf tagenden Ständigen ZNandatsfolnmissichi des Völkerbundes über die Tätigkeit der Mandatarmacht für Palästina lvurden von den Mitgliedern der Kommission an den akkreditierten Vertreter der Viandatarmacht. Geueralstaawaiuvalt H. H. Trust e d. inehr ins einzelne gehende Fragen gerichtet, die dieser jedoch nur .unzureichend uild iitit großer llieserve beanwvrten konnte. Dies rvar sogar bezüglich derjenigen Fragen der Fall, die sich aus deil Jahresbericht der Mandatarmachtfür das Jahr l'RG bezogen. Es war naturgeinäß nielst ulbglich. die weseiltlichen politischen Fragen von den augenblicklichen Ereignissen in'Palästina zu trennen, während Trusted aus eine Erörterung dieser nicht in das Berichtsjahr fallenden Geschehnisse keinesfalls eiugeheu wollte. Angesichts^.dieser'Lage hat die Viandatskomulissioll eine geschlossene^ Sitzung abgehal» - -ton, der Eie Vertreter der Mandatarinacht' nicht zugezogen lvurden. In dieser Sitzung lvurde von der Mehrzälsi.der Viitglieder der Kommission darauf hingewiefen. daß es zwecklos sei. unter solchen Umständen den Bericht der Mandatarinacht uild die Lage in.Palästina lveiler zu überprüfen. Es wpirde beschlossen, au die Mandatarmacht < die Anfrage zu richten, ob sie bereit sei, der Mandatskommission noch im Lause der gegenwärtigen Session ausführliche Informationen zu geben, ober ob sie es vorziehe, dies zu einein spateren Zeitpunkt zu tun. Wenn die Madatarinacht die notwendigen Mitteilungen erst später machen" könne oder, wolle/ dann schlage die Mandatskommission vor. "die gesamte Prüfung der Verwaltung des Palästinamandats bis zu ihrer Herbstiession zu vertagen. i'lls noch im Laufe des gleichen Tages aus London die Antwort 'einlief, daß der Zeitpunkt, bis zu dem die gewünschten Aufklärungen über die letzten Vorfälle in Palästina gemacht werden würden, noch nicht angegeben werden können, wurden die Beratungen fort- , gesetzt.; - . Generalstaatsanwalt Trusted gab in Beantwortung entsprechender Fragen ergänzende Auskünfte über, die Verwaltung Translordaniens. 'die Funktion des transjordanischen Legislative Eouncil tlsw. Wie es in dem Bericht der Mandatarmacht heißte hat die transjordanifcho Regierung unter der Leitung des Emirs und in enger freundschaftlicher Zusammenarbeit mit der Mandatarmacht in den letzten zehn Jahren ungestört durch Unruhen oder Unzufriedenheit, erhebliche Fortschritte im Lande herbeigeführt. In der Debatte wurden auch das Gerichtsshstem des Landes, das Bodenregime, die öffentlichen Finanzen, Ein- und Ausfuhr, Gesnndheits- und Erziehungsfragen, sowie Arbeitsnnd soziale Angelegenheiten erörtert. Tie Beratungen über den Jahresbericht für Wcstpalästina werden von der Kommission in Anwesenheit des Vertreters der Vhindatarmacht. am 8. Juni fortgesetzt werden. Bis dahin wird sich die Kommission mit den Berichten der Mündatarmächte für Shrien und Libanon und für Südwestafrika zu befassen haben. * Die arabische Presse veröffentlicht einen Bericht „aus zuverlässiger Quelle", demzufolge High Commissioncr Sir Arthur Wauchope sich demnächst nach London begeben wird, uin mit den dortigen Stellen die Lage in Palästina zu besprechen. ' . Jüdische Einwanderung wird nicht eingestellt Die Palästinaregierung hat am 8. Juni abends neuerlich die Tatsache bekräftigt, daß die jüdische Einwanderung nach Palästina nicht eingestellt werden soll. Durch den Rundfunk wurde amtlich bekanntgegeben, daß die Meldungen der arabischen Presse, der klißch Eominissicrnsr sei bereit, die Einwanderung einzuschränken, jeder Begründung entbehren. Die für Montag abend erwartete Verkündung des Belaacruügszustandes in Palästina :fi .= ..rr erw'at. Iw- Laufe des Tages . /..re •.■i'v' V-rstärkungSn aus llegr "e? . nimmt an, daß ” .. . ’..'0 ..ui der Verhängung des ' .oi.urechtes zuwarten will, bis die militärische Besatzung eine ausreichende Stärke erlangt hat. ' - Resioluüoneii der English Zionist Federation Die illesolutionell der Zionistischen Jahreskonferenz Englands, von der an dieser Stelle schon ausführlich berichtet wurde, brachten im Wesentlichen eine Bestätigung der Haltung, den die jüdische Bevölkerung in Palästina sowie die zionistischen Instanzen zu den einzelnen Fragen der Palästinapolitik eingenommen haben. Eine Resolution wendet sich gegen die Einsetzung einer Königlichen Kommission zur Erforschung der Lage in Palästina. da sie „keinen nützlichen Zweck erreichen" werde. Es wird ferner gegen den arabischen Terror protestiert und die disziplinierte Haltung der Juden begrüßt. Die Absetzling des Großmufti und des Bürgermeisters von Jerusalem wird gefordert. .Schließlich setzten sich weitere Resolutionen für beschleunigte Einwanderung und für einen großzügigen. Transjordanien mit umfassenden Landentwicklungsplan ein. Dr. Ehaim Weizinann wurde zum Präsidenten der FnZliZz Zionist Fecierntion wieder- . gewählt. " ■ - Appell der Völkerbundsligen an ‘England - Ter J'i. Kongreß des Internationalen Verbandes der Völkerbundsligen bat in seiner am i. Juni m Glasgow abgebalienen Vollversannn. Inng eine ^'e'olnrion angenonnnen. in der de.r Kongreß enaiand als die Alandatarmacht für Palästina e.u"ordsrr. die Einivanderunq von Inden ans Tem'ä-land ,n das Jüdische Aativnalbeim in dem .zroßren Ans'.naß. das mit-den Verfslichtnnaeu des A!anda:s vereinbar i'l. ,zn'-erleichtern. Ter Teleaäerte der paiä'linensi'eben^ Völfe-rbnndslgza. Tr. l'.'aiban H e > n b e r g . sprach über die geaenwärtigen llnrnben in Palästina. Een>rlt'taten' und' VandalismiiL. erklärte er. wurden die Entschlossen-- heit des jüdischen/Polles, sein Nationalheim wieder anszubauen. nicht herabmindern. Palästina sei für die Juden die letzte Zufluchtsstätte, an der sie ihre Befreiung zu verwirklichen hoffen. Ferner nahm der Kongreß ans Grund des von Alrs. Tugdale erstatteten Berichts der jüridisch-politischen Kommission eine von der holländischen Völkerbundsliga einzebrachte Resolution an, in der die Hoffnung ausgesprochen-wird, daß die nächste Tlolkerbundsversanunlung Gelegenheit haben werde, zu der äu-dem Nürnberger Gesetzen sestgelegten Regelung _ der Judensrage in Deutschland Stellung - zu nehmen. - -- ' •: Ormsby-Gore vor dem Unterhaus In der Sitzung des Unterhauses vom 9. Juni gab der mit herzliä)em Beifall begrüßte neue .Nvlonienminister W. G. A. Ormsby-Gore im Aamen der Regierung eine Erklärung ab, in der. es u. a. heißt: Der Minister bedauere es tiefJdaß die von dem Minister für die Dominien vor den Parlamentsfcrien erwähnte Besserung der Lage in Palästina nicht, angehalten habe. Tie palästinensischen Behörden stünden heute vor einer fortgesetzten Reihe von Gewaltakten in vielen Teilen des Landes. Die Palästinaregierung trene alle, möglichen Maß- - nahmen zum Schutze von Leben und Eigentum lind-des B.rkehrs. Weitere AKüstandsermächtiguugen auf Gn-nd des palästinensischen Verteidigungsgesetzes würden durch Proklamation erteilt. Seitdem letzten Zusammentritt des Hauses seien die Truppen in Palästina weiter verstärkt worden. Ich möchte, schloß der Minister, diese Gelegenheit, ' die erste, seitdem ich mein fetziges Amt angetreten habe, dazu benutzen, um meiner tiefen persönlichen Besorgnis um das Wohlergehen aller Teile der Bevölkerung 'Palästinas und mein Vertrauen darauf zum Ausdruck bringen, daß letzten Endes auf Grund der Empfehlungen der Kgl. Kommission, deren Ernennung der Regierung Sr. Majestät nah'egelegt werden wird, sobald die Ordnung völlig wiederherTestellt ist, Mittel werden gesunden werden, um im Nahmen des Mandats dauerhaften Frieden und Zufriedenheit unter den Völkern Palästinas zu schaffen. In der Aussprache fragten die Abgeordneten Herbert Al o r r i s o n , G a l I a ch e t und Thos W i 1.1 i a in s. ob die Führer der Streikbewegung bekannt seien und ob sich darunter der: Großmusti be'inde. Minister Ormsby-Gere antzvortete, das Amt des" Mufti sei rein religiösen Charakters. Der Träger dieses Amtes sei Vorsteher eines religiösen Gerichts, das fick, mit Fragen des Personenrechts und der Religionsübung befasse. Gewiß sei der Mufti religiöses-Oberhaupt der Omar-Mofchee in Jerusalem: ihn aber als von Sir Herb-'-» eingesetzt zu bezeick'>'--v r ' -.e- .. e wäre sehr'unrichtig, we . -V.-.- -i:-- -üs,d«K.Lchl»V zöge, daß der Muf:' . -in, chteü'ir'.. / Lord W.inth e- »"i: ob die. .uamen der Mitglieder .königlichen Kommission sofort veröffentlicht ive-rdei» würden, oder ob die ganze Prozedur aufgehalten werden solle, bis dieser beklagenswerte Zustand beendet sein wird. Minister Ormsby-Gere antwortete, daß die Regierung nicht beabsichtige, eine Königliche Kommission einzusehcn oder ihr Arbeits- und.Berichts- Programm zu veröffentlichen. bevor nicht die englische Verwaltüngävieder Herr des Landes. Gesetz Und Ordnung endgültig lviederhergestellt und Gewaltakte verhütet sein würden. " Der Abgeordnete G allache r fragte, ob es auf Grund der ersten Antwort vom Standpunkt des Kolonienministers aus nicht wünschenswert . wäre, das, was gerecht sei/in der Form einer gesetzgebenden Versammlung zu gewähren, statt zu versuchen, eine Militärdiktatur aufzurichten. Der Minister stellte fest, daß der High Commisstoner seit dem Beginn der Unruhen mit'Arabern, Juden und Christen wegen der Bildung eines llegishüive Council verhandelte und daß das Angebot gemacht worden war. eine Abordnung arabischer Führer in London zu empfangen, üm die-Sache zu besprechen. Handwerkliche Ausbildung in Palästina Im Herbst dieses Jahres wird die zurzeit noch im' Bau befindliche handwerkliche AusbildimgSstätte der Jugend-Alijah in Jagnr eröffnet, die den keimen „L u d w i g - T i e tz - L e h rlv e r k st ä t t e" tragen lvird. An der Schaffung dieser Lehrwerkstätte sind außer der Reichsvertretnng der Juden in Deutschland, die Großloge, der Eentral-Verein und der Hilfsverein der Juden in Deutschland beteiligt: . ' .. Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren lverdcn in Jagnr eine dreijährige handwerkliche Ausbildling genießen. Als Bernfszweige sind bisher vorgesehen: Tischlerei (Bau-- und Möbel, tischleret. Schlosserei (Bau- und Maschinenschlossereii. Klempnerei.' Schmiede, Schweißerei. Es ist geplant, auch noch weitere Berufe hinzuzuiiehmen. sobald man nach dieser Richtung hin genügend Erfahrungen gesammelt hat. Die räumliche Anlage dieser handwerklichen Schule gestattet jedenfalls ohne große Schwierigkeiten die Errichiuilg weiterer Hallen. Aiislünite bei der Jadiichen Jugendhilse. Berlin-Eharlottenbiirg 2. Kantstraße l.">R Leon Blum Leon Blum ist nunmehr^ französischer Ministerpräsident. wie es seit dem Ergebnis der letzten französisckzen Kammerwahlen zu erwarten war. Als er sich dem neügewählten Parlament ' vorstellte, kam es zu Disküssionsbemerkungen. die aus Blums In de sein hinwiesen. So erklärte 'der Opposttionsrev-ner Vallat: „Ich stelle-fest, daß' Frankreich znm ersten Male seinen Disraeli hat." Ter Kammerpräsident Herriot erteilte dem Redner einen Ordnungsruf und erklärte: „Ich als Präsident dieser Versammlung kenne weder Juden. noch Protestanten noch Katholiken, ich kenne nur Franzosen." •:, . ■ ' \ ‘ ' Es ist sehr bcmerkenswert. daß der Oppositionsredner, um zu Blums führeudom - Regierungs-^-. Posten eine-Parallele zu finden, auf einen e.n g -- l i sch-en Vorgang hinwies. Es hätte an sich näher gelegen, an -Leon G a m b e t t a zu erinnern, der, gleichfalls jüdischer Herkunft, seit 1870 in führenden Regieruugspositioncn war, sogar Präsident der Deputiertenkammer und 188-2 Mi-' nisterpräsident. Aber anscheinend ist in das Bewußtsein des französischen Volkes die französische Leistung dieses großen Patrioten so restlos eingegängen. daß niemand au seine jüdische Herklinft mehr denkt. Die allgemeine Presse bringt ausführliche Angaben-über-Blums Lcbensgang. so daß es sich erübrigen dürste, an dieser Stelle die Taten seines Weges wiederzugeben. :Die Dortmunder „Rote' Erde" (7. 6.1 schreibt am Schluß eines Aufsatzes über Blum: „Ihm ist die Ausgabe gestellt, zum deutschen Nachbarn einen ,modns -vivendi11 zu finden. Bringt er dazu das Zeug und den erforderlichen guten Willen mit? In gewisser Hinsicht vielleicht. Leon Blum hat die sterile Sicherheitsthese der französischen Außenpolitik stets erbittert bekämpft und sölge- ' richtig den deutschen Standpunkt, ^daß nnr 'dnrch schrittweise allgemeine Abrüstung ein erhöhtes Gefühl der Sicherheit geschaffen werden könne, vertreten. Eben so ist er in der. Opposition ein cut-, schiedener Gegner der Bündnispolitik des Ouai d'Orsay gewesen, da diese seiner Meinung nach zwangsläufig zu Verwicklungen führen müsse. Gegen den Sowjetpakt gab es in der „sozialistischen!' Partei ernsthafte'Widerstände, wenn auch die Kammergruppe in der Aera des Wahlbündnisses mit den Kommunisten die Ratifizierung beschlossen hat. Auch die Stresa-Front wurde von Leon Blum abgelehnt. Sollte er für neue Ideen zugänglich sem?" Im „Dresdner A n z e i g e r" ($: 6.)/ bet die Entwicklung Blums lebendig schildert und besonders auf die geistig unabhängige Position Blums in Zeiten außenpolitischer Verwirrungen eingeht, heißt es: „Zehn Jahre lang blieb der Pariser Südbezirk Lson Blum treu. Dann schlug ihn in einer denkwürdigen Schlacht der kommunistische Zuckerbäcker Duclos. In Narbonne. der weinfreudigsten Stadt Frankreichs, fand gerade eirc ^-Gtzwahl statt. L4ön Blum ging hin, trank Mj, --'sser — und wurde, zum grenzenlosen - - . es ganzen Süchens: glatt gewählt. Ein '.n\: ,.-irfames Ding war die Freundschaft, d,e ' Poinearö, der sonst alle Sozialisten instinktiv haßte, Leon Blum entgegenbrachte. Löon Blmn. den. die Poincarä . nahestehenden . Blätter nicht anders nannten als „Advokat Delitschlands". der das Ruhrabentenr bis aufs Messer bekämpfte, und nicht minder die Finanzpolitik des „Francs- Retters". Leon Blum hatte sich, kurz nachdem seine - Ministerpräsidentschast erstmalig diskutiert wurde, auch über seine Mische Herkunft offen und selbstbewußt -ausgesprochen. Länger zurück liegt einegrößere Darlegung seiner Ausfassung über sein- Franzose- und Jude-Sein, an die letzt in der Presse erinnert wird. Wir bringen daraus folgende Sätze: „Was meine Person' betrifft, so bin ich ein französischer Jude und kann gewisienhast behauptet daß ich ein guter Franzose hin. Ich bin in Frankreich geboren, mitten im Herzen von Paris; meine Eltern und Großeltern lebten in'Paris, und soweit die Geschichte meiner bescheidenen Familie nachforschbar ist zugegeben, nicht sehr weit zurück —, finde ich, daß meine Ureltern Elsässer waren, also auch Fran.zvsen. Ich bin als Franzose erzogen, habe . französische Schulenbesucht. meine Freunde sind Franzosen, und ich habe französisck)e Stellungen eingenommen. Ich glaube,-daß die französische Kultur in einem ganz schönen Ausmaß ein Teil von mir geworden ist. Ich spreche vollkommen und ohne die mindeste ^pur eines fremden Akzentes französisch... Ich bin berechtigt, mich, als assimiliert zu betrachten, und fühle mich davon überzeugt, daß es kein Element — und wäre es noch so sein — von - französischem Geist, französischer Ehre oder französischer Kultur gibt, das mir fremd wäre. Und doch, obwohl ich mich als echt französisch empfinde, fühle ich zugleich, daß ich Jude bin. Auch habe ich niemals auch nur den mindesten Widerspruch oder Gegensatz.zwischen diesen deiden- . Phasen meines Beivußtseins gespürt. Tie völlige Zugehörigkeit zu einem "Land schließt das .-Gefühl der Zugehörigkeitzu ein'e'm Teil einer anderen Gruppe, einer anderen menschlichen Gemeinschaft nicht aus . . . Wir können der jüdischeu Gemeinschaft mit Leib und Seele angeyören und doch ganz und gar in all unseren Geiühlen- -- französisch sein. Ta gibts rncht die mindesten Komplikationen' oder Widersprüche. Ein Jude .- kann sich seiner -Umwelt vollkommen anpanen und assimilieren, ein Franzoie in jeder Hinsicht sein und doch nicht Um ein Haar das Band zerstören oder lodern, das ihn mit der jiidiid;en Gruppe vervindet. Ich sehe da nicht den mindesten-Anlaß . zu Sdiwierigkeiteii- Im Gegenteil, man kann in allen Generationen Beispiele einer derart vereinigte» Lopalität Nachweisen." Rettfedernl) Gustav. WilmersdorferStr 138 i ßcttfedcrn*BettenJnIette*Mwäsdie*St(?^u-.Dauncndecten Beftst^llen Matratzen r.PRA-KLAPP- Patent-Schiafmobel

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