Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 22 (27.5.1936)
- Date
- 1936-05-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 * 2. Beiblaff " EF- 27. Mai 1936 Die Alte und c _8i.Woftcr-.-bipt.ct' sich -Gelegenheit (bgl.- ©>83.'. ' - Zeitmig. 8IV.' 50,: 10:>5), das' werdende Loben ber. 91 tten nnd der Rene»»- Welt vergleichend, neben- -- ■cinnnftct zu stellen in der Betrachtung dreier bedeutsamer .Nvutanwerfe. -DaS europäische Werk ist sogar das gleiche, wie seilet, das nns vor geraumer vricit zu einem solchen Versuch diente. Von Jules 'Ji o nt a i it « große»»» Entivnrs: „D l e guten -Willens sind" erschienen setzt in deutscher Sprache' der III. Band. Die Neue ilBclt stellt sich . uns in den Büchern Thornton Wildev-s und Thomas W o l s e s Man entsinnt sich: Jules Nomains schreibt in neuer 8lrt einen sozialen Roman, der im Grunde keinen einzigen Helden hat, sondern eine Stadt darstellt, die Stadt Paris, .und damit in^inem „ gewissen Sinne ganz Frankreich und in einem etwas tiugewisseren Sinne sogar. ganz Europa. Am 6. Oktober dos Jahres 1908 (es ist der Tag. an dem in den Leitungen die Rachricht steht, dasi Lesterreich Bosnien annektiert hat, und an dem also eigentlich der Weltkrieg beginnt!» da beginnt, die Erzählung. Sie hat sich in den ersten drei Bänden nur um tvenige Wochen' vorwärtsgeschoben. Und zwar geschieht es mit jener, dem Film verwandten Technik, die übergangslos verschiedene Grnppen der Handlung vorwärts führt — in beständiger Abwechslung unterbricht — und so fort. Rur in wenigen Fällen sind die Träger der neun oder zehn verschiedenen Hänftlungs- . gruppen, die Romains aus allen sozialen Schichten und allen Stadtgegeudeu von Paris gewählt hat. bisher miteinander in Verbindung getreten. Aber, unter ihnen, über ihnen, in ihnen lebt das große Wesen: Paris. Die Tstel der einzelnen Bände sind ziemlich zusällig. Dieser dritte Band heißt „Junge Liebe" (Rvwohlt-Verlagi. iveil ein Schüler der Ueolg normnlo (der französischen Lehreräkademie» ein gebürtiger Pariser, namens Jallez. seinem Freunde Ferphanivn idesfen Einreise nach Paris »vir im ersten Band erlebten) von seiner jungen Liebe erzählt.- Es geschieht in drei »veit über das Buch oerstretiten Kapiteln. geschieht bei per-, schiedeustei'. Gelegenheiten in verschiedensten Stadtteilen von Paris. Es ist eine durchaus unsensationelie, ganz tvpische Geschichte dieses zarte und reine und doch atemlos und tief erregte Auseii»anderzukoiumeu ziveier Kinder: beherrschend''aber und eigentlichstes Objekt der Darstellung »vird auch i»t dieser Erzählung die Stadt Paris, deren innerstes Wesen sich in den Spaziergängen und Gesprächen der beiden jungen Freunde in neuer 8lrt entwickelt. Und im gleichen Sinne arbeitet nun die Fortführung der anderen Gestalten: die Geschichte von dem Buchhändler .Ouinette. der das Bild der beiden sehr vorschiedenen aristokratischen Familien, die eine im vornehmen alten Boulevard-St. Germaiu, die andere im sehr modernen Viertel von Passt» — die Skrupel des 'Abgeordneten Gurau und seine Verhandlung mit dem Petroleumgetvaltigen. Es erscheint neu die mit einigermaßen bitteren» Hnmor geseheue «Figur des dürftig „vornehmen" Literate» Georges Aston». der eigentlich 'Abraham David heißt (und übrigens dabei durchaus nicht Jude ist). Und dann »vird plötzlich eine große ' lie Neue Welt Figur - der Weltgeschichte vollkommen lebendig .in einem Gespräch-i»»it.dem. erfundenen Abgeordneten -'Gurau--'eingefügt: Jean Faurös. Es lü-nichr. das . ernemäl, daß dieser reine '»mE mochnge Men'ch - Dichter zur 'Darstellung reizt. In dieien» wahn hasten VvlkSredner verkörperte, nch ein. Io bedeutendes Stiick der alten Weit in iliren» besten 'Willen und Gewissen. daß man wohl versieht, »vie der französische Dichter dazu kan», gerade ihn dem Fug seiner Gestalten einzureihen. ' Dieser Fug marschiert nun »veiier »vahrscheinlich noch durch viele Bäiide. Es »vird noch eine erhebliche Feit dauern, bis man vom Fiel des 'Weges .rückschauend sich ein Urteil erlauben darf, ii» »veletiem Grade dein Dichter Jules Romains sein erstauulielies. Vorliaben gelungen ist. &■ ' Von dem Reichtum der'Reuen 'Welt erhalten »vir diesmal aus andere 'Art einen Begriff. In den letzten fünszclm . Jahreir .ist,.ja in' den Vor- . einigten Staaten von Rordainerikci eine Fülle ebenst» starker , »vie verschiedenartiger dichterisctier Talente ausgetauelit./ Diese Erzählerkuiist ist vielleicht der stärkste Beiveis dastir, mit welcher Jnbrulist dort ein neuer Geist um die kulturelle Formung des Lebens ringt. Reben dem machtvoll breit malenden Hnmvristen Sinclair Leivis. den» zarteren Feichncr Hemingiva», und dein mächtigen jungen Wilden Faulkner «von de»»» ich neulich hier sprach) und Thomas 'Wolle, dessen neues riesenl>astes Nomaniverk in» svlgenden besprochen - »vird, steht eine völlig andere 'Erscheinung: Thowiitou 'Wilder. . Er iü nicht »vie jene jungen Niesen als' Soldat. Matrose.. Handwerker durch die Welt gerannt, »im dann plötzlich zu schreiben er ist An»erikan.er, imd seine kleinen, feingeschliffenen Bände bezeugen eine annähernd europäische Kultur. In seinen» neuesten 'Werk setzt 'Wilder, diese Kunst an einen Stoff, der in» höchsten:Maß'e amerikanisches Leben. USA von heute, verkörpert! Es ist ein entzückendes kleines Buch mit dem Titel. „T e in Himmel bin ich auserkoren". aiisgczeichnet ins Deutsche übersetzt von Herbert E. H e r r l i t s ch k a und im Verlag F. P. Tal L Eo.-tu 'Wien erschienen. -- ..Den» Himmel bii» ich auserkoren", das ist der Schluß eines Kinder»'ein»s. den in 'Amerika Jungen und Mädchen in ihre Schulhefte, zu schreiben pflegen, »»»eist »vahrichcinlich »ehr gedankenlos. 'Aber George Brust», der Held von Wilders Buch, macht grimmigen Ernst dainit. Er ist „erweckt" — durch das öffentliche Auftrcten einer kleinen sechzehnjährigen stRorphinistin! Er »vandelt nun vollbelvußt den Pfad der Tugend und bildet sich sehr ein. daß er etwas lehren könne und müsse, um die Menschen zu bessern und zu bekehren. Dieser junge Amerikaner hat sich aus der Bibel., ans Gandhi nnd Tolstoi Prinzipien zusammengelüftelt uiid glaubt, daß er und andere nun vollkommen im Sinne dieser Prinzipien leben könnte»» und müßten. Aber gerade diese Thrannei des Logischen über' das lebendige Leben ist das Vernagelte! Es ist die typische Respektlosigkeit des Verstai»desi»ienschen vor den Wundern der nirgends u.lid niemalSUnfachen Schöpfung. Diese 'Verbindung eines kindlichen Rationalismus mit einem echt religiösen Sinn ist das charakteristisch Amerikanische an Brush »ind seinen» Verhalten. Die meisten Mensche»» mögen Ideen nicht, sie fühlen sich belästigt und -nicht seltenF'is zun» Haß auigerelzt. »venn dieser junge Mann ihnen »eine, erbauliävn Rede»» halt. Brush macht sich eigentlich alnnnterbrochenlächerlich — -aber-es »st der entscheidende .Beweis inr die d-ichlerisä>e Kraft WilderS. daß er »ins in» g!eiel»ei»'-R!aße immer - Iiebeiisivnrdiger . »ind rührender »»strd. Er .'»vird nichtnur lächerlich, er lebt in einer fast nnniiter-- - broet»eneii Folge mehr oder »veniger ernste»» Flu-, anuehmlichkeiten, aber »»'enn sich Brush schließlich zn den» Ausruf erbebt: „Ich bin nicht verrnckl- Die 8l3e.lt ist verrückt. 8llle Rieiisäien sind verriukl außer mir. Das ist die Sache!" —, so sst die Sch'velle des Tragisel^n erreiäit. In der Ferne erscheint die große europäi'lhe. Gestalt des _Don Oiijchvte. - Dieser kleine., allzii naive, gottbegeisterte 8lil»erika>ier in seiner komischen Eriisthaftigkeit. in seiner rührenden Geivisseiihastigkeil ist durchaus ein Sproß ans seinein Stainni. Rillten ins Lebe» der südliä>en NDA von heute, in die Staaten Kansas. Oklahoina. Rlissvuri. - Teras i»»it iliren häßlichen GroßWdten. ihren drolligen Restern, ihren endlosen Miidstraßen. totstillen Ebenen und lärmeiidei» Bergnüguiigscamps — mitten in diele 8boI,t ist dieser junge Gottsucher, ernstester <7»cber mit iinzureieltenden geistigen Mitteln, gestellt als ein neuer.Don Ouichvte. Dieses ebeiiso erheiternde »nie ergreiiende Buch Thornlon 'Wilders ist ein ganzes Knnslivcrk. .J»lins Bah; 83lit ..F c t t u »i d S t r o m" setzt Thomas 8i3 o l i'e. deramerikanjsche Epiker, das 'Werk sorst das er mit seinemRviiran „Schau heiimvärtsEngel" so ruhmvoll begonneu liat. Dies 8Lerk von iiber law» Seiten t'Verlag Rv'vohlf. eigemvillig. eiiizigartig iuid unvergleichlich, ist eine 'Autobiographie. die siet» zur Schaii über die 8stest in ilirem ganzen.Umfange und ihrer ganzen Tieie »»»eitet. ' 8tzar in den» frülieren Band, der den llntertitel führte. ..die Geschichte eines begrabenen Lebens", die Kindheit des im Jahre IR»» geborenen Engen Gant beschivören. so »vird in dem neiieu Bi'ich die Jugend des Helden zur nnverlierbarei» Dichtung. R»ir dies Wort ist des 'Werkes »vürdig. das' zivei Kontinenten Sprael,e verleiht und dem. der es genossen, zum Besitz für iinmer iverden »vird. 8sier ist Eggen Gant! Ein Sludent. der in Boston studiert, der als Lehrer an einer A'eiv- Porter Volkshochschule seinen Lebensunterhalt verdient, der den üblichen Trip nach Europa unternimmt. 8lber Tausende von junge»» Rienschen in 8lmerika und Europa iverden in seiner Jugend ihre eigene »viedererkcnne», miterleben und miterleiden. Dies Buch, ist »virklich .das. i»>as der 8lntor geben »vollte: „Eine Legende »wn» Hunger des Menschen in der Jugend". 'Vielleicht ist seit Stendals „Uaueo Pt Noir" das Lebensgefühl eines 'jungen Riannes nie so hinreißend dargestellt »vorbei» »vie hier. 'Wer ist Eugen Gant, der Sol»u des geuialisch-verbuiumelten. lebeuszähen 'Stein- »netzen, der in seine»»» Lebenshungcr „die Erde verschlingen" . möchte? ''Wer ist dieser Uneriattliä»e. ist er ein jüngerer Bruder von Faust oder ein ' 8tß»hlverwaiidter. von Peer G»»nt? . Dieser Gargantua des Geistes liest nicht Bücher, sondern ganze Bibliotheken, er »vill sich die 3stelt zu eigen machen in all ihrer Vielfältigkeit und ihrer U ii - ermeßlichkeit. er will sie.einschmelze,i in Hirn und Herz, in Seele und Sinne. Es handelt sich nicht nur .um Drang nach Erkenntnis, um einen, intellektuellen E.roberuiigszng. Eugen Gant ist ein Rlcnsch aus dem Blut der Pioniere, die Anierika Ein Schriftgelehrter Zu-itm Gedieht „Ein Sehnftge!'ehrter'\i'on S. Ren- Cheinn. das vir in A'r. 20 der- C.-[ - ■Zeitung, ver-e offenthehten,: erhallen inr. fo/gende-Lririderung: ■' Die" Schrift ist »hm ein "Kommentar Zur Welt. - ■ [ Ihr Sinn »vird hier ihm offenhar: Kr legt An sich und mich und jedermann Die Wertung seines Buches an. Dem Leben gibt er eigene Form Durchs Wort. Und Lag fvir Tag erneuert er die Norm- Den Hort. Aus dem das Leben trinkt, F.rringt er sich, jedoch bedingt. Ihm fallt kein Stein, ihm wachst kein Baum O.hn Vorbedacht. Die F.rde ist nur Zwischenraum. Die Macht, Die rirket Brot und Lied Und Leid. Ist ihm gekündet in der Schrift in 1igke’t. U.ott hat in ihr sich kundgetan, Der Sterne und der V olker Bahn. Um ihn das Weltall. Des >.eugt Die Schrift dem Geist, der ihn» sich beugt. Ben Aron der weißen Raste eriihlosten linben. -er ift ein 'Wellireund. ein '.'llliiwariner. ein örl'e de-'> großen 8G»>I 8t'>lulinan. ein Kamerad der 'vlenselilieit. Er i'i'i -verlieb! in die Srliöpin.ng und ilire b-si-Hingste. Er'ist ein Schatzgräber, .ei.n Gotiinelier. immer der Erde treu.' deren G>il>en er -.»ul, io wütend einverleil'l. al-". »inveer naelilmlen.'wa? Taniende von Geiieratioiien vor ihm veriaiiinl. 8'är jelien den jungen '»lann im 'RiNionemum'iMmel der '.üuniimntiladte 'Amerikas.' wo der einlelne noch ver'lorener 'ein kam» als ander'-iiw. wir begleite»» den Raillisten bei 'seinen 'tstandeningen aus den endloi'en Landstraßen der Südilaalen. wo die blutigen Schatte»»'des' 'Kurgerlrieges geistern, »inr sitze» mit ihm aui den iounengläuzeuden Eai'eterrasten sranzosijclie-r Siadie. durch ieinen AH und spreche» »vir mit Arbeitern und 'Pa»er», mit Kellnern und Snobs.' -8Lir lioren die Riesen, ströme seiner geliebten amerifauisclien Heimat ».»usstie.n und wir rieciien den .Uinhendust der Provinzstadte. in denen 'Nleniclien gedeilien »ind verderben, »oie es immer geichal»' und iinnier geschellen »virdi 7l>oi»as 'Ast'lie hat die Gabe. '.!>>e>ischen und Dinge gleiclizeilig >'ö» außen und von innen zu selten. Er »nctjt und juibpt in» be solideren des 'üleniclien ien» Enuge--. Die Kunst seiner Darslelliing ist imve»loecli'elbar in ihrer 'Kerbindung »wn 'Wirllichfeilsiiiiii und 'Peseelnna. Lb er den Tod des allen Steiiiinetzen schilderf.' de,» Fri'ililing im lpraue» AKuion. ein Seminar hir angel»e»de Dramatiker, eine in» - Gefängnis endende' 'Antofalirt AK'lriinkener. das Talnii- Eine Filmidee von Käthe Wienskowitz (5. Fortsetzung) :'2ü% getroue Chronistitt berichtete Senta dein Citfel int fernen Unterzohnitz gewissenhaft über alle Etappen ihrer Reise zur Anffindnitg der chinesischeil Tora ---und vergaß auch nicht, gelegentlich kfesne Details einzuflechten. ..Rer Flowerbrink »verdet Ihr alle zu im* endlichen Tank verpflichtet bleiben, ob das ' Unternehmen gli'ickt oder nicht", hieß esin einem ihrer letzten Briefe ans Peiping. „Wir gehe»- mit aller erdenklichen Vorsicht und einer tadellos ausgerüsteten Karalvane an die Arbeit, wenn ich »nich so ansdrücken darf. Tie Wege in Kanfn find so grundlos sichlecht. daß »vir mit de»n Auto nicht viel ans-ichten können. TaS Flugzeug aber kommt deshalb nicht in Frage, »veil Mister Flowerbri»»k ja unterwegs seine Teeplantagen kontrollieren muß und »ich nicht überall öanonngsmöglichkeiten bieten. Wir reifertdaher mit einer Kamelkara»va»»e. Ich gelte als Flowerbrinks kleine chinesische tai-tai — als seine Freultdin. die das Unglück hat. tanbstnmm zn sein. Hoch zu Kamel throne ich in «einem .llorb und »verde manchmal' scliauderhaft seekrank von den» »viegenden Paßgang dieser ..Wüstenschiffe". Tie Leute, die uns begleiten, sprechen viel über' die arme. „Hiang". das „kleine 'Mädchen", den» die glitige Kuangjin. 'die Göttin der Barmherzigkeit, die Sprache »viederfchett» ken möge. Mir. Flotverbriuk übersetzt mir manchmal in der „Fingersprache", in der »vir ''uns früher ans Unsinn verständigt haben, »vas über »»»ich geredet »vird. Unsere JungenS »ind Mädels in Unterzoßnitz müßten einmal in eine chinesische Batternhütte blicken. ^Manchmal treffen den „Jangneitie" Rer. den fremden Teufel. z»var »insreundliche Blicke. Aber dabei bleibt eS. denn der chiitesische L'andmannist vielleicj»t noch gastfreier als der Städter. Ter ..leuchtende»» Blüte", das ist meine Wenigkeit, »vird das Beste ansgetragen. das das HauS bietet. Hühner, mit gezuckerten Bambustrieben zusammengefchmört.. sind iir dieser Gegend scheinbar etwas Auserlesenes. Sie erinnern übrigens im Geschmack an 'unsere K'arimsel. die ja auch geküßt in der Fleischsuppe fch»vimmen. Neben größtem Reichtnm u»,d stieisfelderi». von der Größe einer deutschen Provinz, die einem einzigen /Bauern gehören, sieht man auch erschütternde Armut, »ind Ihr., meine lieben Unterzoßnitzer. könntet Euch noch an der hier herrschenden Bcdürfnislostgkett aufrichten. Vermögt Ihr Euch vorznstellen. daß es im Laude des Tees Leute gibt .die so arm-sind. daß sie sich mit heißem Wasser ats Morgeugetränk be-, gnügen müssen? Reis. Reis und nochmals Reis'^- Ab,nechslung kennen diese ^Menschen Liest Tu. lieber Lnkel Rochi. fleißig den ..Freitag Abend" mit meinen fortlaufenden Berichtend Mit gleicher Post schicke ich ein Feuilleton über die seltsamen Bräuche hier ab. Tenkt doch, »vie bei uns Inden find Söhne im Reich der Pcitte eilte besondere Gabe des Himmels. Alles legt Rot. die Farbe der Freitde und des Glücks, an. wenn in irgendeiner Hütte, und sei sie noch io dürftig, ein Knabe zur Welt gekomtuen ist. '»icrk- »vürdige »veiße Zeichen, die auf den selbst an der Hanssrout angebrachte»» roten Papierairlanden stehen, sollen die Dämonen »mri den Rengeborenen fernhalten. Ich könnte Euch noch »»ueudlich viel schreiben, aber es i ist Postschluß. Viein näc'ister Brie» kommt, so Gott »vill. bereits aus Lantschon. Hoisentlich meldet er. »»eben dem nen Erlebten, noch mehr Freudiges . . ' '- - '. D. Tie Lbstbäume standen in Blüte, das ganze Land sah mts. als sei es von weißrosigen Sehleiern verhängt. Wie eine blaßbla,»e lßlaskuppel »völbte sich der Himmel über der blühenden Pracht.. ..Alles ist bunt und farbenprächtig hier zu Lande", dachte Senta mit einem Blick auf die Bauern in ihren bläuen Leinenjacken und den kurzen, schwarzen Hofen. Sorgsam zogen sie neue Wafferkanäle zwischen den beiden Reihen sprossender Saat, von Frauen und Kindern unterstützt. Jetzt machte der Weg eine Halbschwenkung. »ind mit einem Male verlor das lustige Gewimmel der nnzähligei» Kinder aller Alters- . stufen, die den Eltern behilflich waren, feine Eindruckskraft. Leuchtend ragte es vor Senta auf — ein Bild, wie sie es bisher nur von , Jllustrationei» kannte. Es. war die erste Pagode. die sie zu sehen bekam. Auf steinernem Unterbau erhob sich ein achteckiger Turm hoch in die Luft. Jedes seiner Stock,verte »var »viederum achteckig und jede Ecke aufwärts gebogen und mit einer Glocke verziert. Ten Abschluß der. völlig aus -selben.-schön glirsierten Porzellankacheln - bestehenden Pagode bildete ein zuckerhutartiger Ausbau, der »ich in den leuchtenden Himmel bohrte. Festlich gekleidete Menschen gingen gemessenen Schrittes um den Tempelban herum. Tas Torf, das aus dem Plütenmeer hinter dem Turm auftauchte, beging einen Feiertag.?lnf Sentas frageizden Blick, der sich mit dem seinen kreuzte, ließ stier die Karawane stoppen. --Ge>»oriam.ging das stieilkamel mit Sentiis fanfteartigem.. Koi-b in .die Knie. sti»al»re»»d Floiverbriiik ih^FstUlnJ^lnssteigen belnlslich »vl»r, miistle er wieder jtmirien, »'ine erl)t LLan-Eiil seine tai tai l»erger>cl)tet hatte. Sie »var von einer eiii>zeboreiien Ehi-nesiN' kaum zu iiiiter»'cl>eidei>. T'as otivbranne Ges»ci>t »nt den >>'t>riiggescljlitzlen--Angeii und den breiten 'Backenknorlien. die. eine beionders räsiinierte- Scliininli»ell)c>de l>iiieingeza>ibert hakte, der sil>räggesi'l>litzte Kiilwuo. einem »»odernen Kasack äl,iiliche>'. a!-^ dem traditionelle»». ck»rne»isck>en Franeugewaird — niemand »vürde eine '?lu->Iäiideriii in dem st)('ädck>en vermuten. Und-wenn die -Künste Atzan-Eiils ans Sentas lsiefictit zu vericistvinden drvlileii. ergänzte sie sie dn,e>> die vielerlei st>Httelck»en. mit denen sie von der Peipinger Sckiönl,eitspflegeriii in au-reiche»dem- 'stias^ versehen woiden war. ssiemächlirl, zog die Karawane weiter, indessen Senta und stier sict, der Pagode näherten. In >l,re». gleithfalls der landesiiblickien Art 'en-tsprecl>eilde». - hoctihackigen .Sctjuhen . kam Senta »inr langsam' vorwärts- »nid ein ivenig besorgt sal> sie. wie JJieafcljcii und Tiere sich »veiler iiud »oeiter eutieruteu. Aber ' wieder Latte stier sie verstanden, e!)e sie den Mund öifnete. „Im nältisten Ausspann am Wege machen sie inzwisck,eii st»a»t. Sen .... 'striß Hartmann", tröstete er rreiinMirl). ,,'Jhir erreidicn sie, selbst wenn wir dahiin'chleichen wiedie Schnecken, in knappe» zel,» stAuiute». Und min sehen Sie herwissen Sie. »vas hier gefeiert, »vird V . Senta schüttelte den -Kopf. Aste sollte sie onch' Eiu uralter zahnloser BaneiD rnir^C einen» Gesicht wie aus edlem Holz geschnitzt, erregte ihre Aiiimerksamkeil. Sein-eisengraii'er Zopf »var peinlich erakt gefloct,ten. wie der ' einer Frau, die »ick, damit scl,ön tun »vill-. Auch das kleine st.liädchen. das der Alte au der Hand hielt, »ah besviiders »auber und gepflegt aus.