Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 15 (1936)
- Issue
- 7 (13.2.1936)
- Date
- 1936-02-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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f Sachgemäße und schleunige Durchführung Ihrer AUSWANDERUNG Ciesehaft.-sveriiiiiife — Vermugensliijuidalion Amtsgor.-Rat n. II. Dr. Axrlinor OI*orreg.-Rat a. II. R. Kenianer Berlin W 15, Meinekestr. 9 / Telefon: J 1 Bismarck 2856 neben d. Palästina-Amt / bis 13 Uhr u. 1V'/, bis 19 Uhr soziologisch analysierte, um aus der Erkenntnis eine Lösung zn gewinnen. 'Menschen, die geistige Auseinandersetzungen nicht kannten, waren ihm ebenso uninteressant wie jene, die ledenuProblem mit einer allzu rasch paraten Lösung begegneten. Tie Achtung, die er vor jeder echten Geistigkeit empfand,-übertrug er auf den verantwortungsvollen Gegner, und ' das Publikum folgte ' solchen ritterlichen spannenden Auseinandersetzungen. gepackt von der Persönlichkeit, die hinter der Sache stand und sich für sie hcransstellte. Tie Aufgeschlossenheit auch für die Anschauung des Gegners, dieses ständige Heberprüfen der eigenen Idee auf die Einwände des Gegners hin bedeutete für ihn niemals ein Abweichen von der letzten Grundhaltung, der er sich verpflichtet fühlte. Sie war fest verwurzelt in'seinem religiösen und philvsophischeu Bekenntnis: er war ein Humanist im Geiste der Propheten und im Geiste des deutschen Idealismus. ' Es war kein Zufall, daß das Bild von Humboldts Arbeitszimmer über seinem Schreibtisch hing. In einem Streitgespräch um die Idee des Judentums hatte er, wie es seine letzte Ueberzeugung war, sich zum Messianismus als der tragenden Idee des Judentums bekannt. Seine jndrsch-gegnerischen Zuhörer quittierten dieses Bekenntnis, mit ironischen Zurufen, die für ihn nur Beweis dafür waren, daß sich manche jüdische Bewegung vom Geist des Judentums sehr entfernt hatte. Auch die Er- ■ schütterungen der letzten Lebensjahre haben seine jüdische Grundanschauung nichts zu wandeln vermocht. Er kämpfte in ihnen -einen' tragisch-heroischen stampf gegen die Krankheit, die ihm den Einsatz versagte. * In Stolz und Trauer stehen seine Mitarbeiter nnd Schüler an seiner Bahre. Er hat oft ein Wort. Karl Hauptmanns zitiert, das er auch Eugen Fuchs zum Abschied gesagt hat: .Wir sind alle auf der Suche nach dem Gott in der eigenen Seele. Und wer uns den enthüllt, den nennen wir geliebt!"' Er hat in seiner Lebensarbeit sehr vielen Menschen den „Gott in der eigenen Seele" enthüllt. Ihre Liebe begleitet ihn. Ham Reichmahn Dank ans Süd und Ost Gründer des Philo-Verlages Rur noch ivcnige der älteren Vorslandsmitglieder und der langjährige» Mitarbeiter werden sich der eigenartigen geistigen Sphäre erinnern, die den kurz nach dein Kriege jeden Svnnabeiibabend tagenden Arbeitsanssehntzsitzniigeii des E.-V. unter Vorsitz von Engen Juchs das Gepräge gab. Tie Ühickgliedernng der Inden in das Berufsleben, die Acngcstnltnng der Vereinsarbeit erforderte eine straffe innere Svsteinalik. Aiit der Tezentralisiernng, der Gründung der. Landesverbände machte sich gleielizeitig die ülvlwendigkeit bemerkbar, allen, die durch Vortrags- und Versammlungstätigleit nielst er?,itzt werden konnten, die geistigen und weltanschaulichen Probleme der Zeit und ihre Lös»ngsinögliel)keitkn naheznbriiigen. Holländer hat damals weit vvransschanend die Wichtigkeit der Tatsache . erkannt, datz da-:- Verbreiten von Wissen um Indentiim und jüdische Geschichte eine der dringendsten Ausgaben sei. Mit starker Beredsamkeit forderte er als geistigenUnterbau des Vereins die Schaffung einer Schriftenreihe und die sofortige Gründung einer Berlagsabteilung. Ten Plan in dicjer -Nlarl,eit hat er von Sitzung zn Sitzung innner leidenschaftlicher vertreten. So entstand auf seine Initiative im Frühsommer lülO in einem kleinen Zimmer in der Lindenftratze l-'l das neue Nnternehmen. das aiif seinen Wunsch ...Gahriel-Rießer'Verlag" genannt, nach kurzer Zeit aver in die „Plstlo Verlag und Buchhandlung G. m. d. -H." nmgelvandelt wurde. Ludwig Holländer, der damals im Zenith seines Wirkens stand, leitete als Geschäftsführer das junge Unternehmen und gab ihm sehr bald sein Gepräge. Von der Religionswissenschaft zur Philosophie und Soziologie, von der Geschichte der Vergangenheit-vis zu den Fragen der Gegenwart — das -waren die .geistigen Grenzen, innerhalb deren er ^lnt'vren ivie Franz Rvsenziveig. Baeck. Ell'ogen. Vernield. Jacob. Vli.nk, Gnttmann, Paul Rathan. Diene,nann.Ptar Wiener, Julius Goldstein, Edinviid Fleg, Fritz Friedlaender. Julius Bad und viele ändere mit l'Irdeileu aus ihren '.Wissensgedieten zu Wizrte kommen Uetz. RUt dem ihm eigenen Gefühl für die Erfo.rdernisie der Zeit erkannte er die Ziveckmäßigkeit des Planes von Julius G o I d st e i n . in einer jüdische» Zeitschrift von höchsiein A'iveau die aktuellen Probleme zie behandeln, um ancl, denjenigen, denen die Lektüre fachwinensel,ältlicher Lveeke nicht möglich war. den Zusammenhang mit dem ..geistigen Schicksal der Juden in Tentschland" zn vermitteln. Im April ersetzen die ,rste l'tmiiiner des „Ter Viorgeii", der sieh'durch alle Zeitströmungen einen treuen Leserstamm, erhälten imd io den. Beweis für die Aotivendigki.it seiner'Gründung und seines Bestehens erbracht hat-. Es sprach für das-Ansehen,-das der Philv-Berlag im Laufe der Jahre geivonnen hat, das; Organisationen, welche^ die Wichtigkeit der Verbreitung jüdischer Geschichte erkannten, mit dem Plan der -verausgabe der ' ..Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Tentfch-. land" an Ludwig -Holländer herautraten. Auch von dieser Publikation liegt der 6. Jahrgang nahezu vollendet vor. Ludivig -Holländer hat dem Pliilo-Verlag von . l'llg bis rnit derfe/leu Basis als -Vereins-- Verlag gleitchzeitig die geistige Elastizität'gegeben, nicht nur der Vergangenheit und Gegenwart zu dienen, sondern auch der Zukunft mit ihren Forderungen gerecht zn iverden. So blieb er nach seinem Ausscheiden 1ein Verlags,internehmei Auswanderer! Wie transferieren Sie Ihr Vermögen? 1. Beratung über die Einwanderungjitaat«,._ «lg. londeskenntnl» (Europa und Uebenee) 2. Bestmöglicher und schneller Vermögenstrantfer 3. Immobilien-Tausch bei_ Auswanderungen. Dr. jur. G. E. Rosendahl Devlsenbarater (Volljurist u. Vollkaufmann) Frankfurt a. Main, Liebigstraße 50 Sprechstunde nach felef. Anmeldg. Tel 77128 eigenster Prägung, dessen jüdischen und geistigen Snbstanzwert im Sinne Holländers zu bewahren, uns vor allem jetzt, da wir auf eigener Basis stehen. Ausgabe und Tank sein wird. Lucia Jacoby. Mein Freund Holländer Vor einer Stunde hat mich die lang erwartete, immer befürchtete Nachricht vom To*de Ludwig Holländers erreicht. Mögen andere in dieser Stunde von seinem jüdischen und politischen Werke künden. Wir, seine ältesten und besten Freunde, können nur von dem 'unersetzbaren Verlust sprechen, den wir als seine Freunde erlitten haben. Seit unserer frühesten Studentenzeit war er unser Berater, unser unbestrittener Obmann. Alle ordneten sich ihm ohne Widerrede unter. Sein Wort wurde voller Andacht angehört. Er hat unsere und viele Studentengenerationen nach der unseren ins Leben geleitet und keinen von allen seinen .Füchsen und Schii-) lern je vergessen. Mich selbst haben itö Jahre Freundschaft mit ihm verbunden. Er hat es bei einem festlichen Anlass selbst gesagt: einer Freundschaft, die in den Jahrzehnten niemals die geringste Trübung erfahren hat. Ein ganzes Menschenalter war er mir Führer und Vorbild. Um uns stürzt eine Welt zusammen, in uns suchen wir die 1 ’ '.de aufrechtzuerhalten, in denen Freunde wie dieser uns aus Jünglingen zu Männern gemacht. Unauslöschlich brennt die Flamme unserer Treue. Auch.der Tod löscht sie picht aus. Die unübersehbare Schar der Freunde trocknet ihre Tränen und nimmt in Deinem Geist, mein lieber Dicker, ihr Tagewerk wieder auf. Bruno Weil. oniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiniiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinmiimn Dem Förderer des Landesverbandes Gross-Berlin -. Tchon lange wußten die Eingeweihten. daß der von fchiverer -strankheit geprüste.- geliebte Freund von uns gehen würde. datz Hur die -Uimfr seines - . tim mit so grvtzer -Hingebung und Liebe vetre,,endest Arzte? und die aufopfernde Pflege seiner Lebensgefährtin, dieses kostbare Leben erträglich geltalten und verlängern konnten. Trotz der Vvr- -bereitung auf den erwarteten Ansgang erschüttert uns. seine Getreuen des Landesverbandes Grotz. Berlni. das Riininerwiedersehen aios tiefste, und der Trost, datz er erlöst von den mit unendlicher weduld ertragenen Dualen. iü ichivach. Was Holländer für die Juden Deutschland-^ und der Welt bedeutete, wird in anderen Au'i'äv.en dieser Nummer dargetan. Für uns, welche lagein tagaus seine Arbeit.verfolgten, mit ihm alle Lebeiis'ragen der Inden-.besprechen durften, war er-mehr als der erste Verkünder unserer'Gedanken „nd'Weltaiischuiimg. der große Nenner jüdischer Religion und Geschichte, der erfahrene, keniilnisretet)« Betrachter unserer Umwelt . : .- er ivar uns ni allen Lebenslagen der treueste. opferbereite Freund! Tie Liebe.-die Milde und Güte, dieie hervorragenden Züge seines Eharakters. ilötzteu jedem, der ihm sein Anliegen Vvrtrug. ehrfurchtsvolles Vertrane.il ein. . Trotzdem, der . ganzen Lebensanffännng nach, sein Blick nur-auf das grotze Ganze gerichlet rvar. naliiu er sich immer mit besonderer Liebe des Aufbaues unserer sveziellen Berliner Lrganifativn an. llns hat er wiederholt Raticliläge erteilt, um zu erreichen, da« unfe^.Ged>->nf.n, Gerneipgnt - idteriverden. und datz der Ureis der Berliner Vereinsmitglieder sich vergrötzere. Und dieie Ratschläge führten ohne Ausnahme zu positiven Erfolgen. Am stärksten waren sie. wenn er selbst mir dem Rednerpult erschien und vor den dann dicht gefüllten Sälen seine klaren Gedanken in gewählter, imd trotzdem volkstümlicher Form vortrug. Tann ivar die Zuhörerichast. jiing und all. bingeri''en. iiir die Sactie begeistert — und nufere ".'lrbeit ivar in größtem Ausmaß gefördert. lieber unseren „Nnsern Holländer"?! Warum haben wir Juden des deutschen. Südens gerade die Berechtigung, Holländer als den unsrigen zu bezeichnen? Erl ^der doch^einer^ der Fiekanntesten Juden in Deutschland war und den. so viele mit.Recht als den „ihrigen" bezeichnen dürfen. ' - - Diejenigen, welche das Glück hatten, ihm nahe zu steheii, wußten, daß sein. Herz Snddeutschland -und besonders München gehörte. Hier hatte er den größten Teil seines Lebens als Student, und ' als Anwalt verbracht, hier, hatte er die Grundlagen zu feiner Persönlichkeit durch das Verbindungsleben erhalten und ausgebildet . ------ Im -streife seiner Freunde wurden hier die Probleme der. Zeit immer wieder durchgesprochen und diese oft bis zum frühen Nlvrg«i geführten Debatten weckten in ihm das Bedürfnis, gerade dieser Sache seine ganze Kraft und sein ganzes Leben zu widmen. Sein längst verstorbener Freund, der unvergeßliche Rabbiner Professor Dr. W e r n e r, dessen „l. Assistent" er war. erkannte, welch' wertvolle straft in ihm steckte.' Er bestimmte ihn dazii, sein künftiges Leben nur in den Dienst der Juden in Deutschland zu stellen. So kam -Holländer zum E, V. und so kam es. daß er in deii meisten Lrganisationen der Juden Deutschlands eine führende und bestimmende Rolle spielte. Er verstand es aber auch, nach süddeutscher Art, wie selten einer, mit seinen Freunden fröhlich zu sein. Sein -Humor und sein treffender Witz, der vit schonungslos, aber immer zielbewnßt, verhüllte Schivächen ausdeckte, war bekannt und manchmal gefürchtet. Viele seiner^ geistvollen Aussprüche und Erkenntnisse.werden ihn überleben. Sv steht er vor unscrem geistigen Auge als ein Mann von äußerster storreltheit, von überragender Klugheit und Begabung, von segensreicher Wirksamkeit. als treuester Freund. Und wenn auch ein tragisches Geschick eine Krönung seines Lebenswerkes nicht zuließ, so wird' er uns doch stets ein Vorbild bleiben von Pflichterfüllung bis zum Tode. * Unser Holländer bleibt unvergeßlich. Fritz Baron (München). Tr. Ludwig Holländer ist gestorben. „Unser Holländer" ist nicht mehr. Wohin die Nachricht dringt, lost sie tiefe Trauer aus. nicht nur bei denen, die ihn näher kannten, ihm Mitarbeiter waren, sich seines Vertrauens erfreuen durften, sondern auch - dort, wo man ihm nicht nähergetreten war. Ein wahrhaft a'usrechter Mann ist . dahingegangen.' Ein eifriger Wahrheitssncher. der reichest Wissen sein eigen-nannte, strebte er--bie Nlärung der sich ihm'ansdränaenden Fragen an, tuivorcingenommen auch die. ehrliche Meinung Andersdenkender achtend und ihren Gründen nachgehend. Seine einmal gewonnene Ueberzeugung verfocht er offen und nachdrücklich, und cs war nicht leicht, ihn von der einmal gefaßten Ansicht abzubringen. Zwingenden Gründen über gab er nach. Stets war er ein vornehmer Kämpfer, jeder Phrase und jedem Winkelzug abhold. Das war es auch, was seine Reden und Vorträge so eindrucksvoll machte, llnividerstehlich drängte sich dem Hörer die Empfindung auf. daß nicht nur ein Plann von großer Beredsamkeit und hervorragendem Wissen sprach, sondern ein Man. der seine in tief schürfender, eifriger und sorgfältiger Arbeit gewonnene Ilcberzengnng vortrug, ein Mann, dem der Gegenstand -Herzenssache^ ivar. -Holländer war ein Erzieher im wahrsten Sinne des Wortes. Mit ihm ist eine der bekanntesten und hervorragendstenjüdischen Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte dahingegangen. Tie Leffentlichkeit hat viel verloren. Seine ,Freunde beklagen den unersetzlichen Verlust eines Mannes, der ihnen nicht niir durch seine Leistungen, sondern auch durch seine menschlichen Eigenschaften lieb und wert geworden war. Hugo Falkenhcim (Königsberg a. Pr.) Vereinsrahmen hinaus' hat er in vielen Berliner Gremien gewirkt und die Arbeit zahlreicher Berliner Organisationen beeinflußt. Nun heißt es: Abschied nehmen von Ludwig Holländer! Das tun wir nur von der körper-; liehen Hülle. Tas Edle. Hilfreiche und Gute seiner Seele, das.uns im Ilmgang mit ihm so stark beeindruckte. wird unvergessen bei seinen Berliner Freunden sein, die seiner geistigen Richtung immer treu bleiben werden. vruno 6Iaser!eld. Dem Kampfgefährten Eugen Fuchs’ Annähernd zwei Jahrzehnte hat Ludwig! Holländer gemeinsam mit meinem Vater, gewirkt. Ihre Arbeit führte zn herzlicher Person- - licher Neigung, bei meinem Vater schon hervorgernfen durch das Gefühl der Verbundenheit, die Holländer ihm stets bekundete und belvies. Tabei ließ gerade das gemeinsame Wirken nicht nur das erkennen, was sie e.inte. Tie Gemeinsamkeit der Idee hatte sie zusammengeführt. Ter Einsatz für die Idee dnrd) das Nlittel der Rede war beiden natnrgeboten. i Toch schon die Art ihres Sprediens zeigte die B e r s di i e d e n h e i t ihrer Tem-, peramente. Holländer, dem 20 Jahre Jüngeren. war es gegeben, in Ruhe und Gemessenheit die geschlossene, inst literarische Form der -Rede zn wahren. In meinem Vater wirkte auch beim Sprechen stets die Erregung, die ihn erfüllte: immer ließ er das Ringen mit dem Problem in seinen Worten erkennen. . Tas Streben zur Verinnerlid)iing des stumpfes durch Erkenntnis der striterien unserer Grnppieriuig und der Grundlagen '-unseres Seins beseelte -Holländer mic meinen Vater und brachte sie einander nahe, In einer Zeit, wo viele nodf glaubten, irgend eine Problematik nicht anerkciinen zn müssen. Aber Holländers soziologisch eingestelltes . Tenkcn ließ nie das Gegensätzlid;e ans dem Auge; mein Vater, so sehr er die Gegensätze erkannte, blieb stets dem hnmanistisdien Gedanken einer letzten Einheit treu. Ties mußte zn Vcr- . ichicdenheiten auch in praktisch-politifdien Fragen führen. Tiefe hätten sich siclier stärker ansgewirkt.-wenn nicht gerade der Unterschied der Temperamente sie immer zusammenpetzallen hätte: inein Vater, den der stampf innerlich verzehrte..empfand den Ausgleich an Holländers Ruhe ats notwendig: und -alsstärkend. , Wer mag heute nachrechnen, wie oft sie beide zusammen geredet haben! Ich selbst gedenke einer Versammlung in.Heidelberg. Es war im Jahre l'-'l'.'. kurz nach striegsendc. Schwer, lastete ans allen das Unglück der Zeit, llird zudem ivar es eine Periode schiversten nmerjüdischen stampscs. Ter in jeder Versammlung spürbare Widerhall dieses stampses deprimierte meinen Vater tief, so sehr ihm die Vcrsarnmlnngsarbeit sonst am Herzeil lag. So kam er. ans einer Vorlraasreise. die er mit Holländer dnrcli Baden machte, nadi Hcidelderg. Auch hier herrschte eine erregte Stiinrnung. 311111 Teil geboren an4 heftigen Angrisien ans dern gegnerischen jüdischen Lager gegen die Politik meines Vaters. Rach meinem. Vater sprach Holländer. Vorbehaltlos setzte er sich ntr ihn imd. 'ein Wirken gegen die erhobenen Angriüe-. ein. Aber bei 'aller notwendigen Schar'e der Polemik glückte es ihm. dem Atann des Gegensatzes, die Stimmung zn beruhigen und eine gewisse Harmonie zu schaffen. Alit Worten, die ich nicht vergessen habe, ermahnte er die „in Hoffen und Wähnen Getrennten" sich beivnßt zu bleibeni. daß sie „im Bann der Tränen nur eine Gemeinde" seien. Und ich weiß, wie dankbar ihm mein . Vater hierfür war. nicht imr für das Einsetzen für ihn und seine Sache, sondern gerade für das Wirken für die Einheit. Solche Erlebnisse sdjnfen die Neigung, die beide verband. In ergreifendsten Worten gab Holländer ihr noch am Grabe meines Vaters, an dem er für den st. E. sprach. Ausdruck. Wir \ . haben sie ihm int.Sinne meines Vaters bewahrt. Franz Eugen Fuchs. Aus den Beileids-Kundgebungen an Frau Holländer Es ist lins ein inniges Bedürfnis. Ihnen es auszusprechen, ivie tief wir den allzu frühen Heimgang Ihres Herrn Gemahls beklagen. Das Leben und das Werk des Verewigtem ist ein Stück der Geschichte des deutschen Judentums, seine Persönlichkeit - kann ans imseren letzten Jahrzehnten nicht fortgedacht werden. Seine Tapserkeit und seine Einsicht, sein Wissen und sein Alnr. sein weiter Blick und sein Verständnis für jede Aufgabe und für jeden Menschen hatten ihn fast unersetzlich werden lassen. Es war für uns alle ein tiefer Schmerz, datz schwere strankheit dem Entschlafenen in den letzten Jahren die Arbeit mehr und mehr aus der Hand, die nie rasten wollte, nahm. . Seien Sie, hochverehrte Frau, dessen gelvitz — wir dürfen dies im Rainen der Gesamtheit der deutschen Juden nussprechen —. das; alle deut-. schen Jtlden und so viele über diesen Kreis hinaus mit Ihnen von -Herzen trauern. In aufrichtiger Teilnahme- Hie Reichsyertr.etung der Juden in Deutschland Tieferschüttert trauere ich mit Ihnen um Ihren Lebcnsgesährten. mit -dem mich eine Jahrzehnte lange Freundschaft verband und dessen Verlust auch fiir uns alle unersetzlich ist. Herzlichstes Beileid auch von meiner Frau. Ernst Wallach (r. Z. Xew York). Die Lebensdaten Tr. Ludwig Holländer wurde am ' 5. August 1S77 in Berlin geboren. Nach Ablegung beider juristischer Staatscramina und der Promotion znin Toktor der Staatsivissensd)aften bei Professor Lnjo Brentano in München ließ er sich zunächst.in München als Rechtsanwalt nieder. Sd)on seit seiner Studien- und Referendarzeit galt sein Hauptinteresse der Wahrnehmung der Rechte der Inden in Tentschland. Er widmete sich -ihr zunächst, nebenamtlich in München als Tezernent des Baperischen Landesverbandes des Eentral-Vereins und der jüdischen Gemeinde. Im Jahre 19.08 wurde er als Shndikus des Eentral-Vereins nach Berlin berufen. dessen Direktor er 1922 wurde. Er verwaltete dieses Amt. bis ihn im Jahre 1904 Rücksichten ans sein schiveres Leiden zwangen, in den Ruhestand zu treten.