Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 14 (1935)
- Issue
- 22 (30.5.1935)
- Date
- 1935-05-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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f*V~ Nummer 22 Drittes Beiblatt der C-V.-Zeitung Die Berufsaussichten der jüdischen Frau ... ^^orbslnöglichkeiten jüdischer Frauen und Mädchen in Deutschland tznd so verschiedene Memungcn im Umlauf, daß das Sozialamt des Bundes Deutsch, jüdischer Jugend du! »trage — ungetrübt von jeder Zwcckdarstellung — in fachverständiger Werse klaren wollte. Deshalb hatte Bruno S o m m e r f e l d. der Lerfasser des Aufsatzes „Dre jüdische Frau im Beruf" in Nr. 18 der „C.-V.-Zcituna" l\°*n 3. Mar eine Unterredung mit Gertrud P r o ch o w n i k. der Leiterin der Arbertsgememschaft Mischer Arbeitsnachweise. Bruno Sommerfeld fragte zunächst: Sie wissen aus Ihrer Praxis sicher am besten, wie sehr die Berufswahl unter den gegenwärtigen Bedingungen von -den Erwcrbsaussichtcu abhängig ist. Oft genug kommen Eltern und Bundeskameradcn. ZU IN Gruppenführer mit der bangen Frage: „Glaubst du, daß man in diesem Beruf Fortkommensmöglichkeiten hat?" Don der Beantwortung dieser Frage hängen lebenswichtige Entscheidungen ab. Wir können daher gar nicht genug 'die Ge« setze des jüdischen Arbcitsmärktes beob« achten. Können Sie uns die Entwicklung?- tendenz der letzten Zeit aufzeigcn? In welchen Berufen war die Nachfrage größer als das Angebot an Arbeitskräften? „H a u 8 w i r t s ch a f t s a n g e st e l l t e", entgegnete Frau Prochownik, „werden so viel von uns angefordert, daß wir die Nachfrage - nicht im mindesten decken können. Dieser Zustand besteht auch auf dem allgemeinen Arbcitsmark, nur werden dort vom Staat entsprechende Maßnahmen zur Beschaffung von Arbeitskräften ergriffen." Unsere Mädchen entschließen sich höchst ungern zu diesem Berus, da sie ihrer Meinung nach von den jüdischen Hausfrauen ausgenutzt werden. Und die Hausfrauen beklagen sich andererseits darüber, daß die jüdischen Mädchen in ihren Leistungen oft nicht vollwertig sind. Wer hat Ihrer Ansicht nach recht? „Beide Teile. ' Die Hausgehilfinnen mühten wie alle anderen Berufstätigen eine begrenzte Arbeitszeit haben wie in Frankreich. Dänemark und Palästina. Dort arbeitet die Hausgehilfin nur bis 4 Uhr nachmittags.' Die Hausfrauen müssen sich mehr als bisher mit ihrem .dienstbaren-Geist' in die häuslichen Pflichten teilen. Damit ist insbesondere gemeint, daß sich die Hausfrau und das Mädchen mit dem unvermeidlichen häuslichen Abenddienst abwechseln. Die Mädchen: andererseits dürfen selbstverständlich vor keiner häuslichen Arbeit zurückschrecken."; Halten Sie das für den einzigen Grund, aus dem sich die Mädchen so un» ° gern zu diesem Beruf entschließen? „Es ist vielleicht der wichtigste, wenn auch nicht der einzige. Eines Tages ging ich in den überfüllten Warteraum unseres Ueitsnachweises und fragte die kaufmännischen Angestellten, die schon lange arbeitslos waren, unter welchen Bedingungen sie Hausivirtschaftsstellcn annchmen würden. Die meisten anworteten mir: ,Wenn wir nach unserer Arbeitszeit ein freier Mensch wären.' Aber auch geldliche Gründe sprechen. bei. vielen Mädchen gegen die Ergreifung dieses Berufs. Die Jugendlichen sind heute nichts selten die einzigen Ernährer der Familie. ' Mit 25 bis- 30 NM Brutto-Einkommen; (neben der freien Station) können die Mädchen nichts oder nicht viel zum elterlichen - Haushalt beisteuern. Die Verpflegung im Hause fällt demgegenüber auch im kleineren Haushalt geldlich nicht so sehr ins Gewicht wie der Ausfall eines Monatseinkommens von 100 bis 120 NM. Aus all diesen Gründen nimmt dieser Beruf — sehr zu Unrecht — in der Berussbewcrtung einen niedrigen Rang ein." Welche Anstellungsmöglichkeit außer Hausgehilfin bieten sich für die in der Hauswirtschaft ausgebildetcn Mädchen? „Sie können Anstellung als Hauswirtschaftsleiterinnen. in Hotels und Pensionen. Anstaltsbeamtinnen, Köchinnen, Hauswirtschaftslchrerinnen und Haushaltspflege, rinnen werden. Alle diese Tätigkeiten. erfordern großen körperlichen und geistigen Ansatz. Es ist nicht leicht, für einen großen Betrieb richtig zu disponieren und alles pünktlich herzurichten." Wie sieht der Arbeitsmarkt für die größte Gruppe — die kaufmännischen Angestellten—aus? „Junge kaufmännische Angestellte sind nach wie vor gesucht. Die mittleren und kleineren Betriebe haben sich hier aufnahmefähiger als die Großbetriebe gezeigt. Allerdings sind die Anforderungen Her Chefs jetzt strenger als früher, so daß nur bei einer vielseitigen Ausbildung Aussicht auf rasche Anstellung besteht. Jeder kaufmännische Angestellte muß Schreibmaschine und Stenographie schreiben können; sehr vorteilhaft ist Sprachenkenntnis. Die Handschrift wird übrigens von den meisten allzusehr vernachlässigt. Dabei gibt es im Büro viel Eintragungen, die nur mit der Hand vorgenommcn werden können. Ungelenke Schriftzeichen machen einen schlechten Eindruck. Es ist kein Zufall, daß alle angesehenen Firmen einen selbstgeschriebenen Lebenslauf vor der Anstellung verlangen. Bewerberinnen mit schlechter Handschrift werden.meistens von vornherein ausgcschieden." Sie haben eben Vielseitigkeit als ein . entscheidendes Moment für eine erlcich.- tcrte Berufslanfbahn genannt. Welche weiteren Fähigkeiten verlangen die Arbeitgeber neben der Hauptausbildung noch? „Die Verkäuferin soll gleichzeitig dekorieren oder (besonders in der Konfektion) vorführcn können; die M o d c z e i ch n c r i n soll gleichzeitig zuschneiden und einrichten. können. Die Büroangestellte außer Stenographie und Schreibmaschine Buchführung verstehen; die Sprechstundenhilfe soll die bürolichc Technik beherrschen und Kasscnabrcchuuugen zu machen verstehen usw." Bei dem letzten Beruf fällt mir ein: Die. bei Aerzten oder in Instituten ange- - stellten medizinischen Assistentinnen wie : . Röntgcnologinnen, Orthopädinnen, Masseusen, Sprechstundenhilfen u. a. klagen immer wieder über schlechte Bezahlung. , Wie sind Ihre Beobachtungen in den von' Ihnen vermittelten Stellen? ° „Ganz die gleichen. Die Assistentinnen haben zum Teil eine kostspielige Ausbildung hinter sich und sehr anstrengenden Dienst. Die Arbeitszeit richtet sich dabei ganz nach der Praxis. Im allgemeinen dauert die Arbeit bis zum späten Abend und der Lohn. ist verhältnismäßig niedrig. Die Bezahlung schwankt zwischen 60 und 80 NM monatlich.' Als gute Bezahlung in besonders verantwortungsvoller Stellung gilt schon ein Monatslohn von 150 NM." Der Lohn von 250 NM dürste also etwa als Tariflohn anzusehen sein. Wenn man dann immer wieder hört, daß Aerzte ihren Assistentinnen 60 bis 80 RM monatlich bezahlen, so müßte man von den zustän- - digen jüdischen Stellen verlangen, daß sie solche untcrtariflick)cn Vermittlungen nicht übernehmen. zumal anzunehmen ist. daß nur die Aerzte eine Assistentin beschäftigen, deren Praxis ihnen eine angemessene Entlohnung ermöglicht. Und wie steht es mit der Vermittlung gewerblicher Kräfte? „Aus Mangel an ausgebildeten Fachkräften ist sie nicht so umfangreich, wie sie den Angeboten nach sein könnte. Es fehlt an Spezialarbcitcrinncn für die verschiedensten Industriezweige, besonders in oer Bekleidungsindustrie." Ist in den sozialpflegerischen Berufen: Fürsorgerin. Jugendleiterin. Kindergärtnerin usw. gegenwärtig starker Nachwuchsbedarf? „Die Vermittlung in dieser Vcrufsgruppe spielte zahlenmäßig nie eine große Nolle. Immerhin bestehen an den Ernrichtmigen, der jüdischen Gemeinden und in vielen Privatstellen für geschulte jüngere Kräfte gegenwärtig gute Anstellungsmöglrchkeüen. Eine große Anzahl junger Mädchen könnte als. Erzieherinnen rn Familien angestellt werden. Ost finden sich für wirklich gute Stellen keine Kräfte. Die in Deutschland ausgebildete Erzieherin ist auch im Ausland gesucht." Wie sind gegenwärtig die Berufsaussichten für das weibliche Krankenvflege- ■ personal? -„Zurzeit besteht ein großer Mangel an. jüdischen Lehrschwestern. Sie werden vielleicht aus den Inseraten der jüdischen Zeitungen ersehen haben, daß säst alle jüdischen Krankenhäuser sofort Mädchen zur Ausbildung als Krankenschwestern aufnehmen würden. Die Anwärterinnen müsien aber wissen, daß dieser Beruf schwer und entsagungsvoll ist. — Jüdische Säuglingspflegerinnen werden gleichfalls verlangt; nur haben wir hierfür nicht so viel Ausbudungsstätten wie für Krankenschwestern." Sehr auseinander gehen die Meinungen über die Anstellungsmöglichkeiten junger Lehrerinnen, wie denken Sie darüber? „Wie Ihnen bekannt sein wird, ist eine große Anzahl aus dem allgemeinen Schuldienst entlasiener Lehrerinnen noch heute ohne Stellung. Allerdings handelt es sich dabei um Kräfte, die keine besondere jüdische Ausbildung genosien haben. Eine von Anfang an den Erfordernissen des jüdischen Schulwerks Rechnung tragende Ausbildung sichert naturgemäß den jungen Lehrerinnen eine günstigere Verwendungsmöglichkeit als ' den alten Kräften. Hinzu kommt, daß die Gemeinden vielfach die Absicht haben, überalterte Lehrerkollegien durch Anstellung von Junglehrcrinnen zu verjüngen. Die besten Aussichten bieten sich augenblicklich für Werk- und Sportlchrcrinncn." Haben Kunstgcwerblerinnen Aussichten auf Anstellung? „So gut wie gar nicht. Dieser Beruf wurde fast immer als selbständiger ausgeübt. Nur bei überdurchschnittlicher Begabung werden Mädchen als Graphikerinnen, Buch- . binderinnen. Goldschmiedinnen, Photographinnen usw. vorwärtskommen." Wie würden Sie Ihre Erfahrungen bei der Vermittlung jüdischer Arbeitskräfte in den letzten Jahren zusammenfassen? „Wer von den jüngeren Manschen den Willen zur Arbeit in jeder Form hat, kann rmmeik untergebracht werden. Die Künstlerin Henny Mannheimer l ,■ k ,1 ‘ * n?j y i t. Wf K / / V V f j '.yuy'V' ‘ ltsi •' X'' i. fr-. if ■ •’ ’ ' - - v - - h t J-Lpr* 3 JX Hi- %' /Ti itfj-1 '4. ■% 'V k'.S ■ '*■ Pbuchdchmmgcn von Ham# Mannheimer ■■ . Im oberen Stock eines der alten Häuser der - Nue Sanlier in Paris hat die Malerin und Gra« - phikerin Henny Mannheimer ihren Sitz auf- - geschlagen, und dort fand ich.sie, umgeben von ihren zahlreichen Bildern und Radierungen, um mich mit ihr über ihr Schaffen und ihr Wer! zu ' unterhalten. Als Tochter eines seit fünfzig Jahren in Mainz Praktizierenden Anwalts geboren, hat sie in München bei Professor Casper und Püttner studiert und sich dabei eine Vielseitigkeit erworben, die ebenso qualifiziert wie staunenswert ist. Ein Rundgang ' durch ihre Arbeitsstätte macht das deutlich. Sie ' hat nicht nur eine große Anzahl von Oelgemälden, die zum Teil preisgekrönt wurden, produziert; sie hat nicht nur eine beträchtliche Anzahl famoser Radierungen, von denen wir einige charakte-' ristische veröffentlichen, geschaffen, sondern sie hat auch bemerkenswert auf dem Gebiete der Holz- ' schnitzerei. der Plastik und der Elfenbeinschnitzerei gearbeitet. Es ist das Gesamtbild eines ungeheuer reichen produktiven Schaffens, das sich uns hier bietet, und das bei der Jugend der Meisterin noch viel Gutes und Schönes erwarten läßt. Einiges besonders Schöne und für uns Interessante sei hier erwähnt: ein Oelgemälde „Tora- Vorlesung" zeigt die tiefe Ergriffenheit, mit der das Werk geschaffen wurde, und für jeden, der Bilder zu lesen versteht, die Inbrunst, die über dem Wcihcakt liegt. „Lot und seine Töchter", ein Bild von unerhörter koloristischer Wirkung, in schwefelgelb, violett-blau, spielt sich im Hinter-' gründe der Untergang von Sodom ab, im Vordergrund Lot, erschüttert und verzweifelt mit seinen beiden jungen Töchtern, in ihrer hilflosen Jugend; hinter ihnen die zur Salzsäule erstarrende Frau, — ein Gemälde von grandioser Wirkung. — Und dann das Hauptstück der Sammlung: die „Arche Noah nach ihrer Landung auf dem Berge Ararat". Eine Arbeit von unerhörter Eindringlichkeit und Wirkung. In einer fahlen Beleuchtung liegt das grau-schwarze Ungetüm auf dem Bergmassiv.. Luft, Berg und Wasser verschwimmen zu einem einheitlichen Farbcuorchester, im Hintergrunds der die Versöhnung bedeutende Regenbogen; über) dem Ganzen die Stimmung der Weltcnwcnde. im Vordergrund einige bunte Flecke, Tiere und Vögel, die erstaunt die Freiheit und das werdende Licht begrüßen. Ein Bild, das in seiner majestätischen Ruhe und in seiner Geschlossenheit immer wieder den Beschauer fesselt, und das wie selten eines wert wäre, reproduziert zu werden. — „Hamann und Esther beim König Ahasver" — ein Bild von gewollter Primitivität und kräftiger Nebenein. anderstellung der Farben gelb, grau und rot. und „Jakobs Kampf mit dem Engel", eine Symphonie in gelb, grün und weiß, zeigen die besondere Liebe der Künstlerin für biblische Themen und Persönlichkeiten. 2lbcr ihre große Liebe gehört auch dem Strom ihrer Heimat — dem Rhein. Seine Ufer, von verschiedenen Blickpunkten aus, hat sie wiederholt gemalt, und die alten Städtchen mit ihren historischen Häusern und Brücken zum Vorbild für zahlreiche Gemälde genommen. In leuchtenden Farben winken uns eins Anzahl kräftiger Blumenstilleben zu, und der Gonsenheimer Wald steht vor uns, in Lichtfülle getaucht, ein charakteristisches Bild deutschen Waldes. Aber neben all diesen Bildern soll ihre Kunst als Radicrcrin nicht vergessen werden. Hier haben wir mit besonderer Freude ihre religiösen Motive begrüßt, wie das „Einhcbcn", die „Mainzer Synagoge", die „Weisenaucr Synagoge", eine der ältesten der Rheingegend, die noch völlig im alten Zustand erhalten ist, „Zu Schul", „Beim Morgengebct", „Der Wormser Friedhof" — die ' zum Teil in diesen Blättern schon früher reproduziert wurden —, die Holzschnitte zur Bibel und eine mit besonderer Liebe und Sorgfalt ausgeführte Radierung des letzten Judenbischofs von Worms, Michael Gernsheim, den die Künstlerin mit Stolz als einen ihrer Vorfahren nennt. Eine große Anzahl graziöser und fein empfundener Plastiken beschließt die häusliche Ausstellung. Auch hier ein bemerkenswertes, originales Schaffen, ein Erfassen der Persönlichkeit, eine mn iim i39.-5ft i eia iism mmn 1:85,11 mm W!Ww»i Svd \ vTs girrest zur-Besichtigung / \ rachgeschäft fBrTepjtfcrr® unseres Hauses ein f }\ \ Möbelstoffe. Gardinen iMß&saLyüüüiyL „ Verkauf nur Ber!in CISpanäauerStraße32 BAU DE COtOGNE PA If UM CO ROT JEDE GEWÜNSCHTE KtElSiAGE^ST VORGfr PARFOM PUDER EAU DE COLOGNE GRATIS. VO RED HS LJMG Anzeigen in der „G-V.-Zeitung" rentieren sich.